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Sieben Sprünge vom Rand der Welt - Leserunde


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120 Antworten zu diesem Thema

#121
ClaudiaB

ClaudiaB
  • 2.084 Beiträge
  • Dabei seit 11.12.09
Super, Barbara, dass du das sagst - ich hätte es einfach nicht so formulieren können, meine aber das Gleiche ("like" sozusagen, ich mach's mir einfach!)

Als du, Angelika, schriebst: So redet kein Mensch, dachte ich: Genau, aber das macht nichts. Das ist hier nicht das Kriterium! (Wie auch in vielen anderen Romanen übrigens nicht, wenn der Text das nicht fordert, mMn.) Aber ich konnte es nicht begründen. Dabei hatten wir ja genau das

Und ja, die Ich-Erzähler wissen ungeheuer viel über sich selbst und teilen es mit in einer Sprache, die – das wird später bei Hannes und Lilly noch viel offensichtlicher – sie in Wirklichkeit nie benutzen würden.

eigentlich schon herausanalysiert. Wie gesagt: die Ich Erzähler brechen auch viele Regeln, denen Ich-Erzähler gemeinhin unterworfen sind (klingen gleich wg Metaerzähler, erzählen in einer Sprache, die nicht die ihre ist und über den eigenen Tod hinaus), dies ist Stilmittel und wie Barbara sagt, nötig, um diese Geschichte zu erzählen. Bei Lilly und Hannes wird das ganz klar, bei den Gegenwartserzählern weniger bzw da stößt es einem auf. Ich fand das erste Simonekapitel nach dem unglaublich starken Prolog auch erst gewöhnungsbedürftig. Beim zweiten Lesen (okay, ich hab nur ein Stück gelesen, vielleicht 80 S, hier liegt ja noch so viel anderes rum und ich hab gerade mal wieder meine Christa Wolf Meise!) fiel mir auf, wie genau alles an der richtigen Stelle sitzt und wie dezent und fein die Hinweise verteilt sind. (Auch diejenigen, die andeuten, was Stach eigentlich vorhat etc.)

Und die Intensität, die in diesen Kapiteln entsteht, strahlt dann über die Form (die verdichtete Sprache, die unrealistische Erzählweise) auch auf die früheren Kapitel aus. Und da steht sie aber in eigenartigem Widerspruch zur Alltäglichkeit der Geschehnisse.

Ja, das ist es! Das ist es auch, was ich so seltsam fand - und doch stimmig. Ich war irritiert und dennoch begeistert von diesen Kapiteln. Schietegol, ob so ein Mensch redet oder nicht. Das hätte die Autorin doch leicht herstellen können.

Und, Bettina, ich hatte dein Posting hier über die Klüssendorf-Bücher ganz übersehen, ich sag noch was im anderen Thread dazu ...
Liebe Grüße
Claudia

Die Zeitenbummlerin (undercover als Leonie Faber) Rad Novel.
April 2016, Knaur

http://www.claudiabrendler.de