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Druckkostenzuschuss-Unternehmen haben viele Gesichter

Fairlag Fairer Buchmarkt DKZV Selbstzahler

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30 Antworten zu diesem Thema

#21
SabineB

SabineB
  • 1.028 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14

Ein klitzekleines bisschen OT.

 

Mein gruseligstes Erlebnis der Buchmesse war die Beobachtung einer "Lesung" auf dem Messestand

des "August von Goethe Literaturverlages" (DKZV, falls es jemand nicht wissen sollte).

 

Eine ältere, sehr arm wirkende Frau las schreckliche Sachen in einem schrecklichen Singsang in ein Mikro und sämliche Standmitarbeiter

drückten sich in eine Ecke und sahen demonstrativ weg.

 

Vor dem Stand und der lesenden Frau - niemand.

 

Es war zum heulen.


"Das mit dir und mir" - Jugendroman, 1. Dezember 14 bei dtv, "A Song about Love" - Young Adult, 1. Juli 2015 bei BoD, "Das Zwillingsmatch" - Young Adult, 15. Januar 16 bei BoD

#22
Rudi

Rudi
  • 829 Beiträge
  • Dabei seit 01.05.06
Ich hatte letztens Kontakt mit einem Fan, die auch gerne Krimis veröffentlichen würde. Beim ersten Mal schickte sie mir das Angebot (saftige Preise, kann ich euch sagen ;) eines DKZV mit der Frage zu, was ich davon halten würde. Ich habe auf die dkzv-Liste hier im Forum verwiesen. Sie war so schlau, und lehnte ab. Kurz darauf erhielt sie von gleichen "Verlag" ein Angebot, es jetzt kostenlos als E-Book machen zu wollen (was laut Vertrag sogar stimmte). Sollte sie aber ein Lektorat wünschen, Werbung, oder eine Printfassung, musste sie ordentlich zahlen.
Seltsam alles.
Was mich erschreckt hat: Das zweistufige Verfahren, um die Leute zu ködern. Das war mir neu.
Liebe Grüße
Rudi

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#23
Bea

Bea
  • 545 Beiträge
  • Dabei seit 27.12.06

 Auf der Buchmesse hatte ich ein langes Gespräch mit einer Nachwuchsautorin, die ganz erstaunt war, dass man einer Literaturagentur kein Geld vorab bezahlt. 

Es ist da sone Art völlig andere Vorstellungswelt unterwegs, wohl unter der Prämisse, es findet sich eh kein namhafter Publikumsverlag, also »zahl ich halt«, und dann kommt die Hoffnung, dass dies der »Anfang« sein könnte.

Ich frage mich, wenn mir immer wieder Leute begegnen, die ihr Werk auf die eine oder andere Weise finanziert haben, wo haben die sich informiert, wie wenig Atem haben sie, wie ungeduldig sind sie?
 Aber einige scheinen damit recht zufrieden, es ist wohl dieses Gefühl, sich ein Buch »geleistet« zu haben, es ist was wert (s.o. - wofür ich gezahlt habe ....)  und vielen macht das gar nichts aus, dass sie auf ihren Stapeln dann rumsitzen, als gehöre dies zur Lebenswelt, wie ihr Sofa, oder ihre Reise nach Indien. Fleißig wird dann überhall ein Buch als Präsent herumgereicht.  -  Dies trifft m.M.n. auffällig oft auf DKZV-Autoren zu, die sich im »Alter« oder halt in der Rente »endlich« ihren Buchtraum erfüllen.
Diese Kundschaft der betreffenden Verlage wird man nicht recht belehren können und immer ihren Geldbeutel öffnen. Wenn‘s ihnen taugt?


"Büchners Braut" Aufbau Juli 2013,  "Tumult der Seele - Lichtenberg und Maria Dorothea Stechard" SalonLiteraturVerlag, 2015

"Wer nicht weiß, in welchen Hafen er will, für den ist kein Wind der richtige." Seneca


#24
Michael Beisteiner

Michael Beisteiner
  • 83 Beiträge
  • Dabei seit 03.12.15

Man muss halt auch immer berücksichtigen, wie sehr dies ein Geschäft mit der Eitelkeit ist. Und: Solchen Angeboten sollte man stets widerstehen, gerade weil sie einem Autor den Weg zu einer Karriere eher verbauen, als ebnen.


Ich würde nicht sagen, dass Musik die Welt verzaubert. Ich würde eher sagen, sie enthüllt den Zauber dieser Welt.

 

 


#25
Christa

Christa
  • 5.809 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Dies trifft m.M.n. auffällig oft auf DKZV-Autoren zu, die sich im »Alter« oder halt in der Rente »endlich« ihren Buchtraum erfüllen.
Diese Kundschaft der betreffenden Verlage wird man nicht recht belehren können und immer ihren Geldbeutel öffnen. Wenn‘s ihnen taugt?

 

Es gibt ja auch Leute, die 10 000 Euro dafür hinlegen, dass ihnen jemand ihre Biografie schreibt, so dass diese Biografen recht gut davon leben können. Trotzdem frage ich mich, wie im Zeitalter des Self Publishing immer noch so viele Menschen so viel Geld bei DKZ-Verlagen zahlen. Dazu habe ich keine Unersuchungen gefunden, welche Personengruppe das eigentlich ist, nur einen Hinweis in der SP-Bibel, dass es im Zeitalter von Amazon und Tolino Self Publishing weniger anrüchig geworden sei, ohne Verlag zu veröffentlichen. Der ERfolg von DKZV hat also noch zugenommen.

 

Auf der Webseite des Frankfurter Verlags gibt es ein Eingangsvideo, das ganz eindeutig die Verführungsmodalitäten aufzeigt. Mit klassischer Musik, Büsten von Goethe, Sekt und Häppchen im Landhaus des großen Verlegers werden Lesungen gehalten und die wahren Werte vermittelt - im Zeitalter des Verwertungskarussells und der Literaturkritiker, welche die besten Bücher in die Tonne kloppen würden. Eine ganz eigene, skurrile Welt.

 

Grüße

Christa



#26
UlrikeS

UlrikeS
  • 1.961 Beiträge
  • Dabei seit 15.06.10
Vor allem Autoren aus dem Wissenschaftsbereich, die es gewöhnt sind, für Publikationen zu zahlen, denken manchmal, den Druck mitzufinanzieren sei völlig normal.

LG Ulrike

#27
UlrikeS

UlrikeS
  • 1.961 Beiträge
  • Dabei seit 15.06.10
... und informieren sich daher gar nicht. Solche Autoren sind völlig blind.

#28
Burkhard

Burkhard
  • 1.309 Beiträge
  • Dabei seit 25.05.07

Man sollte auch nicht vergessen, dass die Szene immer mehr verschwimmt durch die Selfpublisher, die ja munter verbreiten, Verlage seien mittlerweile überflüssig, das könne man alles selber machen. Wenn man allerdings wirklich alles selbst in die Hand nimmt, also den Lektor bezahlt, den Grafiker bezahlt, drucken läßt, Werbung bezahlt usw., dann ist man am Ende ... Verleger. Das Geschäftsmodell der DKZV hat ja durch den Digitaldruck noch einen zusätzlichen Spareffekt (für die DKZV) bekommen, die DKZV brauchen das Buch bis auf ganz wenige Exemplare gar nicht mehr zu drucken, denn sie können es ja (falls tatsächlich mal jemand fragen würde, haha) flugs in Einzelexemplaren nachdrucken. Und kein merkt was.


Das neue Jugendbuch: "Der Reiter des Königs"&&Homepage Burkhard P. Bierschenck

#29
HeikeF

HeikeF
  • 993 Beiträge
  • Dabei seit 22.02.12

 Wenn man allerdings wirklich alles selbst in die Hand nimmt, also den Lektor bezahlt, den Grafiker bezahlt, drucken läßt, Werbung bezahlt usw., dann ist man am Ende ... Verleger.

 

Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, der oft übersehen wird, obwohl es ja schon durch den Namen deutlich wird: SelfPUBLISHER. Ob das gut oder schlecht ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, aber Verleger heißt auch immer, in Vorleistung gehen, Risiko tragen. Unter der Berücksichtigung sind die Autorenhonorare dann doch wieder nicht so schlecht ;-).

Einfach schreiben und drucken (oder online stellen), das funktioniert einfach nicht.

 

Gegenüber Verlagen / Agenturen fährt man als Autor gut mit der einfachen Regel: Das Geld fließt immer ZUM Autor (und seien die Beträge noch so gering). Ein Verleger (auch Selfpublisher) muss in Vorleistung treten und kann nur erfolgreich sein, wenn er vorher das Risiko, dass er eingeht, auch einschätzen kann.

Da ist auch der große Unterschied zu unseriösen Angeboten und Druckkostenzuschuss-"Verlagen": Dort wird so getan, als existiere kein Risiko, als könne man ein Buch als All-inclusive-Paket buchen.

 

LG

Heike



#30
Nina

Nina
  • 904 Beiträge
  • Dabei seit 28.10.05

Was man dann auch oft zu hören bekommt: Man könne doch auch durch Sponsoren finanzieren lassen. Ähm ja, und? - Mal abgesehen davon, dass das auch anders funktioniert, eben wie gesagt im Wissenschaftsbereich, wo derjenige eben z.B. eine Medikamentenstudie macht und sich die Publikation der Ergebnisse fianzieren lässt, man aber nicht deswegen unbedingt wen findet, der einen Fantasyroman sponsern will: Ähm, das ist doch überall so, dass jemandem normalerweise egal ist, woher das Geld kommt. Den Sponsor (Mama? Oma?) muss man aber schon selbst finden.

 

Zu den Rezensionsexemplaren: Ich bin als Anthologieautorin ohnehin nicht dicke im Geschäft. Bei normalen Verlagen, Zuschussverlage habe ich nie angerührt. Aber man weiß, wie wenig da rumkommt und dass die Belegexemplare höchst endlich sind. Trotzdem bekomme ich immer wieder Anfragen, Bücher zum Rezensieren, für Charity-Aktionen, Gewinnspiele usw. Das verlangt übrigens auch kein Verlag von mir, aber es gibt sehr viele Leute, die das von mir erwarten. Das ist auch so ein Nebeneffekt von dem freiwillig Werbung machen, den man bedenken sollte: Es kann passieren, dass man ein Buch bei Facebook ankündigt und dann bekommt man eben solche Zuschriften. Oder bei der Lesung taucht wer auf, er schreibt ja für ein Magazin ... und dann soll man seine privaten Exemplare hergeben. Und einige reagieren da auch verschnupft. So ungefähr, man müsse doch an der Werbung interessiert sein. Jein. Natürlich ist man interessiert, aber so was kommt einem sehr teuer. Bücher und Porto sind ja auch nicht geschenkt. Oder auch die Frage, ob man bei einem Gemeinschaftsstand mitzahlt. Da redet man teils gegen Windmühlen an, wenn man erklärt, dass man eben nicht Self-Publisher ist und solche Anfragen bitte an den Verlag gehen. Ich bin von Self-Publishing jetzt nicht so angetan, aber es gibt natürlich auch Vorteile. Aber so, wenn man sich auf so was einlässt, nimmt man die Mühsal aus zwei Welten mit und kann weder die Vorteile der einen, noch der anderen genießen.



#31
Walther

Walther
  • 142 Beiträge
  • Dabei seit 21.10.16

Leider haben viele Verleger, vor allem die kleinen, nicht verstanden, daß nach dem Verlegen des Titels sein Verkauf ansteht. Und der ist zuallererst Aufgabe des Verlegers.

 

Wer sich umbedingt zwischen zwei Buchdeckel sehen will, muß heute keinen DKZV-Deal mehr machen. Er kann selbst publizieren.


Gelegenheit-Macht-Dichtung
Magazin-Blog: www.zugetextet.com
Walther in SWR2 Kulturradio "Gedichte und ihre Geschichte": http://www.zugetextet.com/?p=261