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Der Protagonist als Täter


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59 Antworten zu diesem Thema

#41
Tom Liehr

Tom Liehr
  • 622 Beiträge
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Wenn es gut gemacht ist, geht alles. Ob das dann Verlag und Leser auch mögen, ist eine andere Frage.

Negative Protagonisten - und ein Täter ist negativ, auch, wenn man seine Tat moralisch und sogar dramaturgisch rechtfertigen kann - sind ein Thema für sich. Bereits Andeutungen dieser Art in Exposés führen regelmäßig dazu, dass die Programmkonferenzen im Ballett die Köpfe schütteln.

 

Herzlich,

Tom


Website · Facebook · Oktober 2016: "Landeier" (Rowohlt)


#42
Sabine

Sabine
  • 494 Beiträge
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Das ist dann natürlich blöd.

Aber gibt es nicht auch Thriller, die aus der Sicht des Mörders geschrieben sind? Das Parfüm fällt mir da z.B. ein. Warum funktioniert das da?


Buchseite
Nackte Angst, zieh dich an, wir gehen spazieren.

#43
Tom Liehr

Tom Liehr
  • 622 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

Ich denke, Bret Easton Ellis hat es auf die Spitze getrieben, mit "American Psycho". Da kommt der Täter sogar ungeschoren davon, obwohl er ein bestialischer Serienmörder ist.

 

Warum das funktioniert (hat)? Weil so etwas gelegentlich funktionieren kann - wenn es exzellent gemacht ist, wenn der Skandal einkalkuliert wird und die Kalkulation aufgeht. Im Normalfall erwarten Leser und Verlage - leider - ein versöhnliches Ende. Selbst dezente Twists oder offene Enden werden höchstens zähneknirschend abgekauft.

 

Aber jeder Einzelfall ist anders. Versuch macht kluch.

 

Herzlich,

Tom


Website · Facebook · Oktober 2016: "Landeier" (Rowohlt)


#44
UlrikeS

UlrikeS
  • 2.092 Beiträge
  • Dabei seit 15.06.10

Das ist dann natürlich blöd.

Aber gibt es nicht auch Thriller, die aus der Sicht des Mörders geschrieben sind? Das Parfüm fällt mir da z.B. ein. Warum funktioniert das da?

Grenouille wird als Opfer dargestellt - das Baby, das in den Müll fällt und fast vergessen wird - da hat er unser aller Herz von Anfang an. Zudem erhält er am Schluss seine gerechte Strafe. Zudem ist hier der Voyeur-Effekt hoch, der Leute auch dazu bringt, bei einem Unfall zu gaffen. Zudem ist der Roman sehr poetisch, wenn er Gerüche beschreibt, öffnet sich doch für die meisten eine neue Welt. Mich hatte das beim ersten Lesen jedenfalls sehr beeindruckt.

 

Man darf aber auch nicht vergessen, dass Patrick Süskind sehr, sehr viele Absagen kassierte, bis dieser kontroverse Stoff veröffentlicht wurde.

 

Eine der ersten, die einen "negativen" Helden erfand, war ja Patricia Highsmith und "Der talentierte Mr Ripley". Auch hier ist es so, dass von Anfang an Ripley ein zu kurz gekommener Mensch ist, dem man seinen Teil vom Kuchen gönnt. Er begeht kleinere Trickbetrügereien, sie werden größer, nie wird er geschnappt, die Leute, die er bestiehlt, sind reich und naiv. Bis der erste Mord geschieht, hat man ihn schon so gerne , dass man ihm nur noch wünscht, dass er es schafft und nicht geschnappt wird. Und das fünf Bände lang.

 

Diese Vorgeschichte erscheint mir sehr wichtig zu sein, um einen negativen Helden zu platzieren. Mit der richtigen Einführung würde man vielleicht sogar mit einem Pädophilen oder mit einem Serienmörder mitfiebern können.

 

LG Ulrike



#45
MariaP

MariaP
  • 335 Beiträge
  • Dabei seit 15.10.15

Ich schließe mich Tom an: Wenn es gut gemacht ist, geht alles.

 

Der Plot muss nur logisch sein, das Handeln des Protagonisten nachvollziehbar. Eine multiple Persönlichkeitsstörung finde ich überzeugend (auch wenn es vielleicht nicht ganz der Realität entspricht), aber auch schon fast das Einzige, was es im Bereich unzuverlässiger Protagonist gibt. Mir fiele sonst noch eine schwere Amnesie aufgrund eines Traumas, einer Krankheit oder eines Unfalls ein, aufgrund der die Protagonistin vergessen hat, dass sie die Tat begangen hat.

 

Im Übrigen finde ich Protagonisten als Täter sehr spannend, meiner Meinung nach gibt es viel zu wenige davon. In diesem Fall geht es ja weniger um die Frage, wer der Täter ist, sondern um die Motive, um die Gründe für das "Böse-Sein", um die Grenzen, ob jemand wirklich "böse" ist oder wieviel "Böses" in jedem von uns steckt.


Komm wir essen Opa.
SATZZEICHEN können Leben retten.
www.mcpoets.de

#46
CatherineK

CatherineK
  • 464 Beiträge
  • Dabei seit 10.06.13
Sabine,
du hattest nach Krimis gefragt, in denen die Prota die Täterin ist:
„Klassentreffen“ von Simone van der Vlugt (war ein Topseller), hier ist die Ich-Erzählerin sich ihrer Tat völlig unbewusst, ohne allerdings krank zu sein,
„Ich bin unschuldig“, von Sabine Durrant
und „Schlaf nicht, wenn es dunkel wird“, von Joy Fielding sind solche Bücher, wobei ich vom letzten Roman sehr fasziniert war (In „Ich bin unschuldig“ fand ich die Prota eher unsympathisch, was im Lauf der Geschichte noch zugenommen hat, und irgendwann kommen auch erste Zweifel beim Leser auf).

„Aklibi“ von Agatha Christie fand ich dagegen genial – habe es mehrfach gelesen - , denn der Täter ist ein sehr beliebter Arzt, und das Geniale daran ist, dass er in Ich-Form sehr offen und ehrlich und so dicht an der Tat ist wie irgend möglich, nur, der Leser interpretiert einfach alles ganz anders, ohne groß irgendwelche Zweifel zu haben.
Einer der genialsten Schlüsselsätze ist folgender (der Täter betritt kurze Zeit nach der Tat wieder den Tatort) und schreibt: „Ich tat das Wenige, was noch zu tun war“. Leser denkt – der Mann ist ja Arzt –, er drückt der Leiche vielleicht die Augen zu, oder deckt sie ab, oder Ähnliches. Der Ich-Erzähler meint damit aber, dass er ein Beweismittel verschwinden lässt … das heißt, er ist so ehrlich, so nah an der Wahrheit, wie es überhaupt nur geht. Bis fast zum Schluss kommt keinerlei Verdacht auf.
(Das ist das „Gemeine“ an Agatha Christie: sie hat einem fast jeden Plot schon vor der Nase weggeschrieben.)

Ich hatte eine ähnliche Geschichte selbst schon einmal bis ins Detail geplant, da war es aber so, dass meine Prota ihre Tat, die 20 Jahre zurücklag, völlig abgespalten hat und später an die Aufklärung ging, als klärte sie ein völlig fremdes Verbrechen auf. Im Grunde finde ich solche psychologischen Gründe wesentlich faszinierender als eine Erkrankung wie Schizophrenie oder eine multiple Persönlichkeit – das ist für mich so ähnlich wie ein Täter, der volltrunken einen Mord oder Totschlag begeht und wo der Alkoholkonsum dann als mildernder Umstand gilt.
In der Darstellung einer eiskalt planenden Täterin oder einer, deren Verstand, um sie zu schützen, ihre Tat, ähnlich wie ein Trauma, ganz und gar von ihr abspaltet, zeigt sich so richtig die Kunst und die Herausforderung des Schreibens, finde ich. Und genau deshalb finde ich Bücher, in denen das gelungen ist, so faszinierend – dazu gehört natürlich, den Leser, so lange es irgend geht, auf die falsche Fährte zu führen. Und alle Hinweise, die man sät – und die natürlich da sein müssen, sonst löst man den Vertrag mit dem Leser – darf er entweder nicht beachten oder muss sie falsch verstehen/interpretieren. Und das genau, denke ich, ist die Kunst und die Herausforderung – aber eben auch für den Autor ungeheuer spannend.

Ich drücke dir die Daumen für deinen Roman!

Catherine

Bearbeitet von CatherineK, 01.03.2016 - 18:37,

"Geh, hast du gesagt, du störst mich. Wenn man in die Seele derer blickt, die sich zwingen, getrennt von ihr zu leben, stört man immer." Robert Crottet: Negri, Tagebuch einer Katze


#47
Sabine

Sabine
  • 494 Beiträge
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Danke Catherine für die vielen Buchtipps. Werde ich mir alle ansehen.
Da geb ich dir recht, eine psychische Krankheit hört sich immer irgendwie nach Ausrede an, die alles rechtfertigt. Das hab ich mir auch schon oft gedacht, wenn ich solche Bücher gelesen hab. Deshalb bin ich da auch so unentschlossen.
Buchseite
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#48
CatherineK

CatherineK
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Ja, lass dich mal inspirieren, Sabine. Ich selbst finde, Romane mit unzuverlässigen Ich-Erzählern können faszinierend sein, wenn sie gut gemacht sind; dass das aber nicht jeder so sieht, sieht man an den durchwachsenen Amazon-Rezensionen der ersten drei Bücher.
Übrigens gibt es auch einen Wikipedia-Artikel über „Alibi“ (Achtung: dort wird der Inhalt ausführlich beschrieben!)

"Geh, hast du gesagt, du störst mich. Wenn man in die Seele derer blickt, die sich zwingen, getrennt von ihr zu leben, stört man immer." Robert Crottet: Negri, Tagebuch einer Katze


#49
Isabella

Isabella
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Er wurde schon genannt: "Der Kameramörder" von Thomas Glavinic. Dort funktioniert es hervorragend - und der Täter ist nicht krank (also nicht manifest psychisch bedient). Erzählt wird aus der Ich-Perspektive, wobei er quasi protokollarisch die Ereignisse eines Wochenendes rekapituliert.

 

Liebe Grüße!


www.isabellastraub.at


#50
Olivia Kleinknecht

Olivia Kleinknecht
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Das kann sehr reizvoll sein. Da gibt es diesen großartigen italienischen Film Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger (Original: Indagine su un cittadino al di sopra di ogni sospetto)  von Elio Petri (1970) mit Gian Maria Volonté in der Hauptrolle als Inspektor eines Morddezernats. Der Inspektor tötet seine Geliebte  Augusta und ermittelt dann ausgerechnet selbst in diesem Mordfall. 



#51
Olivia Kleinknecht

Olivia Kleinknecht
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  • Dabei seit 31.10.15

Hier noch ein Link zum Lexikon des internationalen Films: Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger


Bearbeitet von Olivia Kleinknecht, 22.08.2016 - 16:02,


#52
AngelikaD

AngelikaD
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  • Dabei seit 21.04.09

Was wäre mit Amnesie? Wenn die Tat die Täterin selbst dermaßen schockt, dass sie abgespalten und so verdrängt wird wie z.B. das Unfallgeschehen. (Eine Kollegin fuhr als junge Frau mit dem Motorrad gegen einen Betonpfeiler und hatte danach sehr zu kämpfen, wieder gehen zu können. Sie erinnert sich bis heute nur daran, diese Fahrt angetreten zu haben, nicht jedoch an den Unfall selbst).

Man kann sich selbst täuschen und schützen, ohne dass man gleich krank sein muss.

 

Ich habe vor ein paar Jahren  eine Kurzgeschichte geschrieben, in dem die Ich-Erzählerin gemordet hat, am Schluss allerdings und man erfuhr ihre Gedanken durch Tagebucheinträge. Da steht natürlich nicht immer alles drin, somit nimmt der Leser auch Lücken in Kauf. Am Ende gesteht die Täterin, indem sie frei erzählt, dass es einen Zeugen zu beseitigen gibt.Ob ihr das gelingen wird, bleibt offen, weil der Zeuge auch ein indirekter Mittäter ist.



#53
SabineI

SabineI
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Genauso eine Geschichte habe ich gelesen.  Deck: Viviane von Élisabeth Fauville: Élisabeth will wissen, wer ihren Psychoanalytiker getötet hat. Sie verliert sich in Straßen, recherchiert, lauert den Verdächtigen auf, sie fragt und forscht, das Baby immer im Arm. Sie selbst hat ein Alibi, hat sich mit der Mutter getroffen. Dann entdeckt die Polizei, dass ihre Mutter seit acht Jahren tot ist. Zum Ende kommt heraus, die Protagonistin ist der Möder.

Ich fand das Buch sehr gut, zeigt die Hintergründe der psychischen Erkrankung, blättert ganz langsam auf, irgendetwas stimmt nicht mit der Frau. Baff, am Ende: Sie ist die Täterin. Tolles Buch, gerade weil es anders ist, gerade weil es anspricht, worüber man sonst nicht reden mag. Ich weiß aber von anderen, dass sie sauer waren ... deswegen. Man kann es nicht allen recht machen. Ich liebe solche Bücher!



#54
AndreasS

AndreasS
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Filmtipp: Zu vielem, was in diesem Thread diskutiert wurde, ist "Shutter Island" von Martin Scorsese sehr aufschlussreich. Kommt heute auf RTL 2.



#55
Margot

Margot
  • 1.865 Beiträge
  • Dabei seit 10.09.10

Filmtipp: Zu vielem, was in diesem Thread diskutiert wurde, ist "Shutter Island" von Martin Scorsese sehr aufschlussreich. Kommt heute auf RTL 2.

 

Gutes Beispiel. Bei der Geschichte bleibt ordentlich was hängen, gerade weil ... (will nicht spoilern ;))



#56
Wolf

Wolf
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Die einzige Schwierigkeit bei einem Prota als Täter liegt in der Leseridentifikation mit der Protagonistin. Da sollte der Autor immer wissen, wie das funktioniert. Eine Entschuldigung für böse Taten ist dann immer der leichteste Weg und deshalb auch ein gefährlicher. Der Leser muss diese Entschuldigung ja nicht unbedingt annehmen. "Ach nee, schon wieder eine unglückliche Kindheit."

 

Übrigens, das Parfüm habe ich nicht bis zum Ende gelesen. Ich bin vor Langeweile weggestorben, weil der Protagonist mich nie einfangen konnte. So etwas passiert halt und soll keine Kritik an der Qualität des Buches sein.

 

Liebe Grüße

Wolf



#57
AndreasS

AndreasS
  • 746 Beiträge
  • Dabei seit 03.12.15

 

Filmtipp: Zu vielem, was in diesem Thread diskutiert wurde, ist "Shutter Island" von Martin Scorsese sehr aufschlussreich. Kommt heute auf RTL 2.

 

Gutes Beispiel. Bei der Geschichte bleibt ordentlich was hängen, gerade weil ... (will nicht spoilern ;))

 

 

Gestern hab ich mir mit dem Wissen um die Auflösung "Shutter Island" zum zweiten Mal angesehen und dann erst merkt man, wie raffiniert den ganzen Film hindurch praktisch jeder einzelne Satz daraufhin konstruiert ist, beide Varianten der Geschichte zu bedienen: die, die man vor sich zu haben glaubt, und die, die sich am Ende als die wirkliche entpuppt. Toll gemacht!


Bearbeitet von AndreasS, 20.05.2017 - 09:02,


#58
Sabine

Sabine
  • 494 Beiträge
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Gestern hab ich mir mit dem Wissen um die Auflösung "Shutter Island" zum zweiten Mal angesehen und dann erst merkt man, wie raffiniert den ganzen Film hindurch praktisch jeder einzelne Satz daraufhin konstruiert ist, beide Varianten der Geschichte zu bedienen: die, die man vor sich zu haben glaubt, und die, die sich am Ende als die wirkliche entpuppt. Toll gemacht!

 

 

Das ist auch der Grund, warum ich mir damals Sixth sense zwei Mal im Kino angesehen habe. 
Aber bei Shutter Island ist es ja nicht so, dass der Protagonist der Täter ist (soweit ich das in Erinnerung habe), weshalb das Publikum nicht verärgert ist, wenn es am Ende die Wahrheit erfährt.


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#59
MichaelT

MichaelT
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Habe vor ein paar Tagen einen amerikanischen Film gesehen, in dem ein Anwalt der Protagonist war, dessen Mandant (Sohn von einer guten Freundin des Protagonisten)

seinen eigenen Vater ermordet haben soll.

 

Die Handlung war gut, die Schauspieler waren gut, die Atmosphäre war gut - aber der Film hat mich überhaupt nicht gepackt, aber ich wusste nicht warum nicht.

 

Am Ende war es mir dann klar: Da der Protagonist selbst der Täter war, hat einen der Film nie wirklich in den Kopf des Protas gucken lassen (weil das ja sonst am Ende völlig unglaubwürdig gewesen wäre, wenn er dann trotzdem der Täter gewesen wäre). So gab es zwar diesbezüglich keine Widersprüche und es war auch alles glaubwürdig,

aber man konnte halt nie mit dem Prota mitfiebern, und darum hat einen das Ganze auch überhaupt nicht gepackt - was sehr schade war, weil die Handlung ansich und die sonstigen Figuren das eigentlich locker hergegeben hätten. Ich liebe zwar überraschende Auflösungen - und die gab es hier -, aber wenn es einem 90 Minuten vorher eigentlich ziemlich egal ist, kann die Auflösung es dann auch nicht mehr rumreißen.

 

Ich halte vom Protagonisten als Täter in den allermeisten Fällen wenig, weil ich da eigentlich nur vier Sorten von kenne:

 

1. Man weiß von Beginn an, dass er der Täter ist: Finde ich persönlich in Krimis und Thrillern völlig langweilig.

2. Man soll es nicht wissen und wird deshalb so weit von den wirklichen Gedanken des Protas weggehalten, dass man überhaupt nicht mitfiebern kann (wie in dem Film).

3. Man soll es nicht wissen, kann aber trotzdem in die (vermeintlichen) Gedanken reingucken: Dann fühle ich mich am Ende komplett verschaukelt, weil dann klar wird, dass das gar nicht die wirklichen Gedanken waren und alles keinen Sinn ergibt.

4. Der Protagonist weiß selbst nicht, dass er der Täter ist, weil er psychisch krank ist (multiple Persönlichkeiten o.ä.). Wenn das gut gemacht ist, finde ich das super,

aber leider kommt man meistens schnell dahinter.


Bearbeitet von MichaelT, 22.05.2017 - 12:29,


#60
BarbaraMM

BarbaraMM
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"The White Tiger" von Aravind Adiga ist zwar kein Thriller, aber auch hier ist der Protagonist der Täter, was er recht früh schon bekannt gibt: er hat seinen Master getötet und es tut ihm nicht mal leid. Ich als Leserin schwanke zwischen Sympathie und Antpathie für den Protagonisten Balram, denn einerseits ist seine Handlung aus der Geschichte seiner Herkunft und seiner Darlegung der indischen Gesellschaft sehr verständlich, andererseits agiert er in manchen Fällen sehr skrupellos und egoistisch - aber das muss er wohl, wenn er sein Ziel: aus dem "dunklen Indien" zu entkommen - erreichen will. LG Barbara


Jedenfalls bleibt die Tatsache, dass es im Leben nicht darum geht, Menschen richtig zu verstehen. Leben heißt, die anderen misszuverstehen ... Daran merken wir, dass wir am Leben sind: wir irren uns. (Philip Roth)