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Und immer wieder Grammatik ... oder: wenn Lektoren seltsame Dinge tun


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13 Antworten zu diesem Thema

#1
Christine Spindler

Christine Spindler
  • 1.422 Beiträge
  • Dabei seit 11.08.05

Ihr Lieben,

 

ich bin von einer Lektoratskorrektur verunsichert.

 

Ich schrieb: der Zustand akuten Verknalltseins

Die Lektorin machte daraus: der Zustand akuten Verknallt Seins

 

Das sieht für mich falsch aus. Wenn schon, dann: der Zustand akuten verknallt Seins - also das Adjektiv klein.

 

Oder?

 

Liebe Grüße

Christine

 


Sehen wir uns in meinem Ideengarten? http://www.26books.d...in-ideengarten/


#2
AndreasS

AndreasS
  • 632 Beiträge
  • Dabei seit 03.12.15

Äquivalent zu "das Verliebtsein", "das Vorhandensein" usw. würde für mich der Zustand "akuten Verknalltseins" Sinn machen.



#3
Hannah Simon

Hannah Simon
  • 1.923 Beiträge
  • Dabei seit 13.09.05

Man könnte auch "akuten Verknallt-Seins" schreiben. Dann sieht das groß geschriebene "Verknallt" nicht so seltsam aus ...


Viele Dinge werden nicht getan, weil sie unmöglich scheinen. Viele Dinge scheinen unmöglich, weil sie nicht getan werden. (Seneca)

#4
AndreasE

AndreasE
  • 1.796 Beiträge
  • Dabei seit 01.04.07

Ich würde auch "Verknalltsein" schreiben. Bei einem Satz wie "der Zustand akuten Verknallt Seins" rollen sich mir die Fußnägel auf; das ist kein Deutsch!

 

Nachtrag: Ich habe Deinen Satz, Christine, spaßeshalber in Papyrus eingegeben und kann vermelden, dass der dort eingebaute DUDEN ihn in Ordnung findet.



#5
DirkH

DirkH
  • 473 Beiträge
  • Dabei seit 29.04.15

http://www.duden.de/...ng/Verliebtsein


Sagt Abraham zu Bebraham: Kann ich mal dein Cebraham?


#6
Christine Spindler

Christine Spindler
  • 1.422 Beiträge
  • Dabei seit 11.08.05

Klasse, vielen Dank euch allen. Es ist immer gut, wenn man begründen kann, wieso man eine Lektoratsänderung nicht annimmt.


Sehen wir uns in meinem Ideengarten? http://www.26books.d...in-ideengarten/


#7
IngridA

IngridA
  • 164 Beiträge
  • Dabei seit 27.01.14

Christine, ich bin entsetzt. Zunächst habe ich die anderen Beispiele gelesen, die du angeführt hast.

Und nun das! 

Ich hoffe, es spricht sich irgendwann bis zu deiner Lektorin herum, dass Substantivierungen groß geschrieben werden.

Es ist zum Mäusemelken und zum Aus-der-Haut-Fahren ( und nicht zum Mäuse melken und zum aus der Haut fahren, wie man es jetzt oft zu lesen bekommt)! 

 

Schlag zurück!

Liebe Grüße,

Ingrid



#8
Christine Spindler

Christine Spindler
  • 1.422 Beiträge
  • Dabei seit 11.08.05

Viele andere Korrekturen der Lektorin sind gut und sinnvoll, vor allem ihre Arbeit am Plot. Sie hat viele Unstimmigkeiten entdeckt. Ich glaube, es wäre besser gewesen, erst das inhaltliche Lektorat zu machen (was eindeutig ihre Stärke ist) und später das Korrektorat.

Nun kann ich dank ihrer Anmerkungen die Geschichte besser strukturieren, und sie wird in der Zusammenarbeit mit mir (und dank eurer Hilfe) noch ein paar grammatikalische Feinheiten dazulernen. Ist quasi eine Win-Win-Situation ;)

 

LG, Christine


Bearbeitet von Christine Spindler, 28.04.2016 - 08:13,

Sehen wir uns in meinem Ideengarten? http://www.26books.d...in-ideengarten/


#9
JulianeB

JulianeB
  • 798 Beiträge
  • Dabei seit 26.06.12

Ich hole diesen Thread noch mal rauf, weil ich auch eine Lektoratsfrage habe und vielleicht die Tage noch einige dazukommen werden. 

 

„Warum sagst du Tizia nicht einfach, dass sie wegen der Schule nicht so rumstressen soll und dass du keinen Bock auf Louis hast.[...]"

 

Die Lektorin hat mir dieses zweite "dass" eingefügt. Ich bin aber der Meinung, dass es rein grammatikalisch ohne zweiten Nebensatz genauso funktioniert und das "und"  keinen zweiten Nebensatz einleitet, sondern nur eine Aufzählung darstellt?  Dieses zweite "dass" ändert nur etwas in der Betonung, oder?

 

Danke, Juliane


"Man kann auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen."

Erich Kästner

Vorträge und Lesungen einstudieren  und  Autorenseite Juliane Breinl


#10
AndreasG

AndreasG
  • 1.084 Beiträge
  • Dabei seit 16.09.07

Ich denke, es geht auch ohne das zweite "dass", bin hier aber auf der Seite der Lektorin, wenn die Zeile, wie es den Anschein hat, aus einem Dialog stammt. Die Wiederholung von "dass" kommt für mein Empfinden der gesprochenen Sprache näher, zumal Ausdrücke wie "rumstressen" und "keinen Bock" auch noch sehr umgangssprachlich sind.


"Stirb leise, mein Engel", Jugendthriller, Oetinger Verlag 2014, "Hörst du den Tod?", Jugendthriller, Oetinger Verlag 2014, "Denn morgen sind wir tot", Jugendthriller, Oetinger Verlag 2015


#11
JulianeB

JulianeB
  • 798 Beiträge
  • Dabei seit 26.06.12

Danke, Andreas. Dein Einwand leuchtet mir ein. Habe beides auch schon laut ausprobiert und kam aber zu dem Schluss, dass Sprecher eher zu Redundanz tendieren, es sei denn, sie wollen mit dem zweiten "dass" etwas extra betonen.


"Man kann auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen."

Erich Kästner

Vorträge und Lesungen einstudieren  und  Autorenseite Juliane Breinl


#12
MartinC

MartinC
  • 629 Beiträge
  • Dabei seit 10.06.13

Ich schließe mich Andreas an: Das zweite "dass" macht den Satz klarer, geschmeidiger, leichter verständlich, auch wenn es grammatikalisch M.E. in Ordnung wäre, es weg zu lassen.

 

LG

Martin


_______________________________________________________

www.martinconrath.de

Jede Art des Schreibens ist erlaubt - nur nicht die langweilige (Voltaire)


#13
Luise

Luise
  • 1.856 Beiträge
  • Dabei seit 09.11.05
Ich schließe mich an. In der ersten Hälfte des Nebensatzes geht es um "sie" (Tizia), in der zweiten Hälfte um "du" (die Angesprochene). Das ist mit dem zweiten "dass" für mich klarer getrennt.

LG Luise

#14
Angelika Jo

Angelika Jo
  • 2.790 Beiträge
  • Dabei seit 03.07.07

Ich schließe mich an. In der ersten Hälfte des Nebensatzes geht es um "sie" (Tizia), in der zweiten Hälfte um "du" (die Angesprochene). Das ist mit dem zweiten "dass" für mich klarer getrennt.

LG Luise

 

Nein, das ist so nicht haltbar, liebe Luise. Dass-Sätze sind so genannte Subjekt oder Objektsätze. Auf Verben des Sagens, Meines, Glaubens etc folgen Objektsätze, das Objekt ließe sich, wie das für Objekte allgemein so üblich ist, auch mit einem einzigen Wort ausdrücken:

 

Du sagst das. (Hier sieht man übrigens hübsch unmittelbar die etymologische Herkunft von dass als Nachkomme des Demonstrativpronomens das).

 

Da der Inhalt dieses das meist komplexer Natur ist, verwandelt es sich gern in einen Nebensatz, den dass-Satz eben. Der kann sich in sich wiederum aufspalten in einzelne Satzteile, die jedes für sich ein Subjekt brauchen (so wie hier du und sie). Das bedeutet aber nicht, dass es ein zwiefaches dass bräuchte. Dass zeigt an, dass jetzt ein Nebensatz folgt, der formal das vom Verb verlangte Objekt vertritt und inhaltlich ausplaudern wird, was das Subjekt im Hauptsatz sagen wollte.

 

Zweifellos ist die um das zweite dass erleichterte Variante die elegantere (wie grundsätzlich eine ökonomisch auf Sparkurs gehaltene Sprache als schöner gilt). Aber natürlich hat Andreas mit seinem Verweis auf gesprochene Sprache auch Recht. Da musst jetzt du einfach wissen, Juliane, wie deine Figur als Sprecher so drauf ist. Grammatikalisch falsch ist die Streichung des zweiten dass aber auf keinen Fall – falls die Lektorin das glaubt.

 

Angelika


Bearbeitet von Angelika Jo, 24.03.2017 - 09:47,

Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de