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Frust, Revolte und Normalität- Die Leiden des Lehrers Wolfgang Fink


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Olivia Kleinknecht

Olivia Kleinknecht
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Frust, Revolte und Normalität – Die Leiden des Lehrers Wolfgang Fink

Roman von Rose Kleinknecht-Herrmann

Veröffentlicht im  August 2016

324 Seiten

 

Klappentext
Mein Herz schlägt fast hörbar, es fühlt sich eingeengt zwischen den Rippen, auf denen nur noch wenig Fleisch sitzt. Ich bin abgemagert seit den vielen Prüfungen, den Zeugniskonventen. Trotz der dauernden Bewegung, in der ich mich befinde, bin ich nicht weitergekommen. Trotz der vielen Übungen und den vielen Neuanfängen komme ich immer wieder zur selben Stelle zurück. Es ist doch, als ob meine Persönlichkeit immer mehr zerfiele, als ob es mich gar nicht mehr gäbe, mich, Wolfgang Fink, und ich nur noch das ausführende Organ einer Behörde, eines Systems sei, das mir seine Anweisungen auf anonymem Weg zukommen lässt.

 

Buchbeschreibung
Es ist ein Roman meiner Mutter (Jahrgang 1922), den sie nicht mehr selbst herausgeben kann. Die Hauptfigur, Wolfgang Fink, ist Lehrer in den sechziger und siebziger Jahren. Das Chaos in den Klassen macht ihm gewaltig zu schaffen. Er leidet langsam aber sicher an einem typischen Burnout.

 

("Woran liegt es, dass ich mir vorkomme wie ein Uhrwerk, das man zerlegt hat und das dennoch funktionieren soll?")

 

Nur Burnout gab es damals noch gar nicht. Man galt in so einem Fall nicht als krank. Und auch die älteren Kollegen, die noch durch den Zweiten Weltkrieg traumatisiert waren, ließ man mit ihren Traumen alleine. Gleichzeitig entfremdet Fink sich immer mehr von seiner Frau Ute und Ute von ihm.

 

("Ich selbst könnte nur stockend vorbringen, was mich bedrückt, am allerwenigsten wortreich am Bildschirm vor einem Interviewer. Meine Rede wäre mit Angst durchsetzt, zögernd, farb- und glanzlos und unscheinbar. Ich trage keine Plakate vor mir her, meine Befindlichkeit ist nicht werbewirksam, ich kann nicht demonstrieren für mehr Rechte. Ich teile mich ja niemandem mit und äußere mich höchstens über mein Unterbewusstsein in Form von Angstschreien, die meine Frau bereits aus dem gemeinsamen Schlafzimmer vertrieben haben.")

 

Der Roman beruht auf den Erlebnissen meiner Mutter. Sie hat vierzig Jahre an Gymnasien unterrichtet. Ihre Hauptfigur Wolfgang Fink entblößt ein System ebenso schonungslos wie sich selbst.

Dieser Wolfgang Fink ist ein ziemliches Ekel, ich musste daher beim Lesen ständig schmunzeln, trotz der geschilderten Misere.
Was er über sich selbst und die Schule, das Schulsystem, berichtet, würden so einige als "politisch unkorrekt" bezeichnen. Er schwelgt in Minderwertigkeitskomplexen und Selbstmitleid. Und er spricht aus, was niemand wahrhaben möchte. Was man in der Öffentlichkeit lieber verschweigt. Das halte ich gerade für die Stärke des Romans, der gleichzeitig ein Erfahrungsbericht ist. Ungeschminkt.

 

 

 

Angehängte Bilder (Vorschau)

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