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Ich und mein Vater


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44 Antworten zu diesem Thema

#1
UlrikeS

UlrikeS
  • 2.070 Beiträge
  • Dabei seit 15.06.10

Hallo Ihr,

 

mich schmeißt gerade immer eine eigentlich kleine und und klare Sache aus dem Schreibfluss.

Meine Protagonistin erzählt den Roman in der Ich-Perspektive. Weitere handelnde Personen sind ihre Eltern.

 

Wie aber benenne ich die Eltern im Text?

Meine Protagonistin nennt ihre Eltern Mama und Papa.

 

Eigentlich müsste es dann heißen:

 

Papa trug eine Jeans - das klingt sehr kindlich.

Vater trug eine Jeans - klingt unglaublich distanziert und alt-preußisch.

Dieter trug eine Jeans - wäre eigentlich die passende Form, aber irgendetwas sträubt sich in mir.

Mein Vater trug eine Jeans - wäre auch möglich, aber eine Person nie mit Namen, sondern immer nur mit der Funktion zu bennen finde ich auch komisch. Zudem andere Personen diesen Vater mit Dieter anreden werden und der Leser dann erstmal grübelt, wer Dieter ist.

 

Komisch, jetzt habe ich schon so viel geschrieben, aber dieses Problem hatte ich noch nie.

In der "Novemberschokolade" gibt es zwar auch eine Ich-Erzählerin und eine Mutter, aber dort hat die Geschichte von sich aus das Problem erst gar nicht aufkommen lassen.

 

Wie macht ihr das?

 

LG Ulrike

 

 



#2
JenniferB

JenniferB
  • 2.158 Beiträge
  • Dabei seit 17.01.11

Immer so, wie die Figur die Person gedanklich nennt. (Sie weiß ja nicht, dass sie gerade vom Leser begleitet wird.)

Normalerweise in freundlichen Szenen also am ehesten Paps oder Papa oder Vati oder Dad, in Streitsituationen, mit mehr Distanz oder wann immer das Machtgefälle spürsam wird, aber auch gerne mal "mein Vater". Kommt eben darauf an, wie sie von ihm denkt.

Wenn sie ihren Vater beim Namen nennt, würde ich sofort an Berlin denken.



#3
UlrikeS

UlrikeS
  • 2.070 Beiträge
  • Dabei seit 15.06.10

Immer so, wie die Figur die Person gedanklich nennt. (Sie weiß ja nicht, dass sie gerade vom Leser begleitet wird.)

Normalerweise in freundlichen Szenen also am ehesten Paps oder Papa oder Vati oder Dad, in Streitsituationen, mit mehr Distanz oder wann immer das Machtgefälle spürsam wird, aber auch gerne mal "mein Vater". Kommt eben darauf an, wie sie von ihm denkt.

Wenn sie ihren Vater beim Namen nennt, würde ich sofort an Berlin denken.

Wieso musst du an Berlin denken :-?



#4
SabineB

SabineB
  • 1.136 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14

Ich würde "Mein Vater trug eine blaue Jeans" schreiben.

 

Sabine



#5
AndreasS

AndreasS
  • 741 Beiträge
  • Dabei seit 03.12.15

Das Problem hatte ich auch beim aktuellen Text.

Ein Ich-Erzähler, und immer wieder erwähnt er seine Mutter oder seinen Vater.

"Mama" und "Papa" find ich ehrlich gesagt nicht so gut, wenn der Protagonist kein Kind mehr ist, weil es ihn irgendwie wie ein erwachsenes Muttersöhnchen wirken lässt (bei einer Protagonistin ist das vielleicht anders?).

Ich hab mich für "meine Mutter" und "mein Vater" entschieden. Andere können sie ja trotzdem in Deinem Buch mit dem Vornamen benennen.

Je nachdem, wo das Buch spielt, könnte man auch Mum und Dad verwenden (und vielleicht ist es auch gar nicht mehr an den englischsprachigen Raum gebunden, weil als Kosename inzwischen auch bei uns Usus?).


Bearbeitet von AndreasS, 23.09.2016 - 16:23,


#6
JenniferB

JenniferB
  • 2.158 Beiträge
  • Dabei seit 17.01.11

 

Immer so, wie die Figur die Person gedanklich nennt. (Sie weiß ja nicht, dass sie gerade vom Leser begleitet wird.)

Normalerweise in freundlichen Szenen also am ehesten Paps oder Papa oder Vati oder Dad, in Streitsituationen, mit mehr Distanz oder wann immer das Machtgefälle spürsam wird, aber auch gerne mal "mein Vater". Kommt eben darauf an, wie sie von ihm denkt.

Wenn sie ihren Vater beim Namen nennt, würde ich sofort an Berlin denken.

Wieso musst du an Berlin denken :-?

 

 

Ich kenne das nur aus Berlin, dass man seine Eltern beim Vornamen nennt.

Ist das eigentlich noch so, oder war das bloß meine Generation?



#7
AndreasS

AndreasS
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Für die Eltern den Vornamen zu benutzen oder sie auch damit anzusprechen, ist bestimmt auch anderswo so.

Wenn ich das in einem Roman lese, verbinde ich das aber komischerweise sofort mit Stiefvater oder -mutter.



#8
UlrikeS

UlrikeS
  • 2.070 Beiträge
  • Dabei seit 15.06.10

Das Problem hatte ich auch beim aktuellen Text.

Ein Ich-Erzähler, und immer wieder erwähnt er seine Mutter oder seinen Vater.

"Mama" und "Papa" find ich ehrlich gesagt nicht so gut, wenn der Protagonist kein Kind mehr ist, weil es ihn irgendwie wie ein erwachsenes Muttersöhnchen wirken lässt (bei einer Protagonistin ist das vielleicht anders?).

Ich hab mich für "meine Mutter" und "mein Vater" entschieden. Andere können sie ja trotzdem in Deinem Buch mit dem Vornamen benennen.

Je nachdem, wo das Buch spielt, könnte man auch Mum und Dad verwenden (und vielleicht ist es auch gar nicht mehr an den englischsprachigen Raum gebunden, weil als Kosename inzwischen auch bei uns Usus?

 

Zudem taucht manchmal noch ihre Schwester Franzi auf.

"Wir fuhren über Osten zu unseren Eltern." ist ja noch völlig klar.

 

Doch wie ist es damit:   Aus der Küche roch es nach Gulaschsuppe. Unsere Mutter vergaß gerne, dass Franzi Vegetarierin war.

 

Oder besser bei "meine Mutter" bleiben? Andererseits ist sie ja auch Franzis Mutter.

 

Wahrscheinlich stehe ich gerade auf dem Perspektivenschlauch.



#9
UlrikeS

UlrikeS
  • 2.070 Beiträge
  • Dabei seit 15.06.10

 

 

Immer so, wie die Figur die Person gedanklich nennt. (Sie weiß ja nicht, dass sie gerade vom Leser begleitet wird.)

Normalerweise in freundlichen Szenen also am ehesten Paps oder Papa oder Vati oder Dad, in Streitsituationen, mit mehr Distanz oder wann immer das Machtgefälle spürsam wird, aber auch gerne mal "mein Vater". Kommt eben darauf an, wie sie von ihm denkt.

Wenn sie ihren Vater beim Namen nennt, würde ich sofort an Berlin denken.

Wieso musst du an Berlin denken :-?

 

 

Ich kenne das nur aus Berlin, dass man seine Eltern beim Vornamen nennt.

Ist das eigentlich noch so, oder war das bloß meine Generation?

 

War das nicht während der anti-autoritären Erziehung besonders beliebt? Weil die Eltern Freunde und keine Autoritätspersonen mehr sein wollten? Also eher eine Generationensache. Ich kenne Familien, da fanden es Eltern und Kinder cool fanden, wenn die Kinder sie mit dem Vornamen anredeten. Das war so in den Siebzigern.

Manchmal nennen Kinder ihre Eltern allerdings auch beim Vornamen, wenn das Verhältnis sehr schlecht ist und sie ihnen "Elternqualitäten" absprechen wollen.

Vielleicht sträubt sich deshalb alles in mir dagegen, die Vornamen zu benennen. Die Familie in meiner Geschichte hat ein normales Verhältnis mit Zwistigkeiten und Geheimnissen, aber nichts, was zur Zerrüttung führt. Und die Kinder sind erst in den 80ern geboren worden.

 

Mit "Mum" angeredet zu werden, daran musste ich mich erst gewöhnen, habe es aber stets als liebevolle Variante aufgefasst :)



#10
Margot

Margot
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Spontan würde ich das empfehlen: Aus der Küche roch es nach Gulaschsuppe; Mutter vergaß gerne, dass Franzi Vegetarierin war.

 

Wenn das nicht passt "unsere".



#11
AndreasS

AndreasS
  • 741 Beiträge
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Im konkreten Fall könnte man sich natürlich irgendwie durchwurschteln ("Franzi wurde immer stocksauer, wenn ihre eigene Mutter vergaß, dass sie Vegetarierin war.").

Generell ist es vielleicht gar nicht erforderlich, entweder "meine Mutter" oder "Mutter" konsequent durchzuziehen, oder? Letzteres wirkt ja eher wie ein Kosename, den man auch im Austausch mit "unsere/meine Mutter" hier und da mal einsetzen kann.



#12
Brunhilde

Brunhilde
  • 2.310 Beiträge
  • Dabei seit 19.02.11

Meine Kinder sind auch in den 80ern geboren. Ich bin die Mama. Heute sagt mein Sohn "Oh Mutta" und verdreht die Augen, wenn er mir spaßig etwas vorwerfen möchte. 

 

Aber Spaß beiseite - warum nicht ein wenig wechseln und auf die Situation beziehen? Wenn du Distanz aufbauen möchtest, sagt man eben "Vater", wenn mann liebevolle Gedanken hat eben "Papa": Auch das Problem mit "meine Mutter" und "unsere Mutter" sehe ich nicht. Wenn die Schwester im gleichen Satz erwähnt wird, schreibt man eben "unsere Mutter" oder die liebevolle Variante "unsere Mama". Ich hätte da gar keine Bedenken, ein wenig zu mischen.

 

Gut, dass meine französischen Helden immer ihre charmante "Maman" haben :-)

 

Brunhilde 


www.brunhilde-witthaut.de  www.michelle-cordier.de

 


#13
Anni Bürkl

Anni Bürkl
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am

Ich würde es so schreiben, wie wenn man etwas zB. einer guten Freundin erzählt: Stell dir, mein Vater hat neulich eine Jeans gekauft.

 

Ich kenn nur eine amerikanisch-österreichische Familie, wo Eltern mit Vornamen angeredet werden.

Mein Neffe wollte das manchmal auch sagen, wenn alle in einer Runde 'Die X hat' sagen, wurde aber immer ausgebessert. ('Das heißt 'die Mama').


Autorin | Ein  Buch schreiben

Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher


#14
Anni Bürkl

Anni Bürkl
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Spontan würde ich das empfehlen: Aus der Küche roch es nach Gulaschsuppe; Mutter vergaß gerne, dass Franzi Vegetarierin war.

 

Wenn das nicht passt "unsere".

 

Oder: Aus der Küche roch es nach Gulaschsuppe. Jetzt hat sie schon wieder vergessen, dass Franzi Vegetarierin ist!


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#15
MariaP

MariaP
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Die Vorbehalte gegen Mama und Papa kann ich gut nachvollziehen, für mich klingt das auch zu kindlich.

 

Wie wäre es, wenn deine Protagonistin (und die Schwester)  ganz eigenen Namen für die Eltern hat? Mamm und Paps zum Beispiel.

 

"Mutter" und "Vater" klingt für mich gesprochen merkwürdig, aber geschrieben gefällt es mir gut.


Komm wir essen Opa.
SATZZEICHEN können Leben retten.
www.mcpoets.de

#16
DorisC

DorisC
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Liebe Ulrike,

aus eigener Erfahrung kann ich leider nichts beisteuern (ich verwende keine Ich-Form).

Mama/Papa wäre mir jedenfalls zu kindlich, besser ist Mutter/Vater.

 

Immer dann, wenn deine Figur mit ihren Eltern zusammen ist oder sich ihnen nahe fühlt, kann sie „Mutter“ sagen/denken, ohne Artikel, wenn sie jedoch zu anderen von ihnen spricht „meine Mutter“ oder „unsere Mutter“.

(In meinem aktuellen Roman denkt meine Hauptfigur an die verstorbene Mutter z.B. mit: „Mutters unpassende Sprüche“, oder „typisch Mutter“ = wie man ja selbst auch denken würde.)

 

Bei dir wird es dadurch schwierig, weil die Eltern in deinem Text handelnde Personen sind, du sie also Dinge tun lässt und mit Dialogen arbeitest.

 

Wenn nicht aus dem Zusammenhang hervorgeht, wer gerade spricht, wirst du dann wohl mit „ … sagte Mutter“ und „… stöhnte Vater“ arbeiten müssen. Unelegant, aber zumindest eindeutig.

 

Oder du gibst Mutter und Vater Eigenschaften, die sie unverwechselbar machen: die Junggebliebene, der Traktorfan … Statt Mutter und Vater kannst du dann, wenns passt, auch diese Bezeichnungen verwenden.

 

Gutes Gelingen beim Vom-Perspektivschlauch-runtersteigen.

Doris


MAROKKO-SAGA bei Blanvalet: Das Leuchten der Purpurinseln, ISBN: 978-3-442-37874-6; Die Perlen der Wüste, ISBN: 978-3-442-37875-3; Das Lied der Dünen, ISBN: 978-3-7341-0102-1


#17
UlrikeS

UlrikeS
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Aber Spaß beiseite - warum nicht ein wenig wechseln und auf die Situation beziehen? Wenn du Distanz aufbauen möchtest, sagt man eben "Vater", wenn mann liebevolle Gedanken hat eben "Papa": Auch das Problem mit "meine Mutter" und "unsere Mutter" sehe ich nicht. Wenn die Schwester im gleichen Satz erwähnt wird, schreibt man eben "unsere Mutter" oder die liebevolle Variante "unsere Mama". Ich hätte da gar keine Bedenken, ein wenig zu mischen.

Für eine Person verschiedene Namen oder Bezeichnungen zu wählen, fand ich immer unglücklich. Das hat mich bei den Russen immer so rausgehauen (ich hatte es mal mit Anna Karenina versucht) - oft gab es drei oder vier Namen: offiziell, halb-offiziell, Kosenamen der Elter und Geschwister etc. 

Daher finde ich es gut, immer bei ein und demselben zu bleiben.

 

Andererseits - ist es wahrscheinlich völlig klar, dass "meine Mutter, unsere Mutter, Mama" immer dieselbe Figur ist, denn es gibt ja nur eine Mutter der Protagonistin. Ansonsten kommen die Mütter anderer Personen kaum vor und würden ja auch immer mit dem Namen angeredet werden, höchstens mal  "seine Mutter Barbara", damit klar ist, wer Barbara ist - und dann bleibt es bei Barbara.

 

Ich werde es versuchen, den Situationen anzupassen. Vielleicht war genau der Gedanke, es einheitlich gestalten zu wollen, derjenige, der mich blockiert hat. Diese Lösung hat auch den Reiz, durch die Benennung die momentane Gefühlslage/Beziehung der beiden damit ausdrücken zu können. Mal sehen, wie mir das Ergebnis gefällt oder ob es mich immer noch blockiert.

 

Euch allen vielen Dank!!

 

LG Ulrike



#18
Olaf

Olaf
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Doch wie ist es damit:   Aus der Küche roch es nach Gulaschsuppe. Unsere Mutter vergaß gerne, dass Franzi Vegetarierin war.

 

 

Ich würde es vermutlich wie Brunhilde machen: Eine Grundform wählen, aber ruhig je nach Situation variieren.

In dem Beispielsatz würde ich deshalb schreiben: "Aus der Küche roch es nach Gulaschsuppe. Mama vergaß gerne, dass Franzi Vegetarierin war." Hier denkt sich die Erzählerin für mich wegen der kochenden Mutter ein bisschen in die Vergangenheit als Kind hinein und wählt deshalb die "Mama"-Form.

 

Ansonsten würde ich in solch einem Dilemma ein Kapitel in irgendeiner Form schreiben und dann den gleichen Text mit den anderen Varianten ausstatten (geht ja mit "Suche - Ersetze" schnell am Computer). Dann die verschiedenen Versionen lesen und von anderen Leuten lesen lassen und Meinungen sammeln, was am natürlichsten wirkt.


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#19
Brunhilde

Brunhilde
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  • Dabei seit 19.02.11

Ich habe momentan übrigens das gleiche Problem mit dem "Großvater". Mutter und Tochter stehen im Mittelpunkt, es gibt zwei Zeitebenen.

Töchterchen sagt dann natürlich "Opa", Mutter sagt "Vater" und, wenn sich etwas auf die Tochter bezieht, "ihr Großvater". Leider taucht dann noch der Urgroßvater in der Geschichte auf, sodass Mutter wiederum "meinen Großvater" erwähnt. Und um die Spannung noch ein wenig zu halten, darf ich erstmal keinen Vornamen der Herren verwenden. Na toll! Aber ich mag ja Herausforderungen :-)

 

Brunhilde


www.brunhilde-witthaut.de  www.michelle-cordier.de

 


#20
SebastianN

SebastianN
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Ich habe in meinem Erstling, der in der Ich-Form geschrieben ist, den Eltern auch nie einen Namen verpasst, weil der Protagonist auch immer nur von Mama und Papa gesprochen hat. Sollte der Fall aufkommen, dass tatsächlich eine andere Person die Eltern mit Namen anspricht, kann man ja immer noch im Nebensatz klarmachen, dass damit z.B. der Vater gemeint ist, also z.B. Karl-Heinz sah meinen Vater an und meinte: "Klaus, mach doch nicht so einen Stress."