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Warum das deutsche Fernsehen sterben wird


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52 Antworten zu diesem Thema

#41
Holger

Holger
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Also möchtest du deutsches Streaming von Filmen und Serien internationalem Streaming gegenüberstellen.

Und das Ganze mit GEZ-Gebühren?

 

Darum ging es mir in meinem Posting nicht, sondern um die Frage nach der Abspielplattform.

Ich denke, dass der Kampf der ÖR um die jüngere Zielgruppe im Bereich fiktionales Erzählen wenn überhaupt dann nur noch dort stattfinden kann, wo die Konsumenten Ort, Zeitpunkt und Dauer ihres Konsums selbst bestimmen können, also im Netz, weil er im linearen Fernsehen (s.o.) schon verloren ist.
Und ein Konsument, der einmal alle 3 Monate für einen Boxkampf in die ARD schaltet oder für die Nachrichten einmal am Tag ins ZDF, gilt für mich - und auch für den ÖR - durchaus als verloren.

Schöne Grüße,

Holger


Bearbeitet von Holger, 11.11.2016 - 21:51,


#42
MichaelT

MichaelT
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  • Dabei seit 03.02.15

Und ein Konsument, der einmal alle 3 Monate für einen Boxkampf in die ARD schaltet oder für die Nachrichten einmal am Tag ins ZDF, gilt für mich - und auch für den ÖR - durchaus als verloren.
 

 

Ja, da wäre meine Lösung, wieder mehr Sport zu zeigen (die Boxkämpfe im Ersten sind ja z.B. schon weg).

 

Gerade bei ARD und ZDF, denn Sport ist so ziemlich das Einzige, wo sie dauerhaft Jung und (!) Alt mit kriegen können.

 

Shows sind ja gut aufgeteilt: Öffentlich-Rechtliche: "Alt", Private: "Jung". Um das mal zu vereinfachen.



#43
jueb

jueb
  • 3.993 Beiträge
  • Dabei seit 01.01.06

Guten Morgen!

 

Ich profiliere mich mal als Verteidiger des deutschen Fernsehens :-)

 

 

Deutsche räumen "Emmys" ab 

Preisverleihung in New York

Die Schauspielerin Christiane Paul ist bei den International Emmy Awards als beste Hauptdarstellerin geehrt worden. Sie erhielt den Preis für ihre Rolle in dem ARD-Thriller "Unterm Radar". Als männlicher Hauptdarsteller bekam Dustin Hoffman den begehrten Preis für seine Rolle im BBC-Film "Roald Dahl's Esio Trot". Als bester Dokumentarfilm wurde "Krieg der Lügen" des deutschen Regisseurs Matthias Bittner ausgezeichnet. Die Doku war an der Filmakademie Baden-Württemberg entstanden, aber von keinem deutschen Festival gezeigt worden. Die RTL-Serie "Deutschland 83" wurde als beste Drama-Serie gwürdigt. Mit den International Emmy Awards werden Fernseh-Produktionen ausgezeichnet, die außerhalb der USA entstanden sind.


"Dem von zwei Künstlern geschaffenen Werk wohnt ein Prinzip der Täuschung und Simulation inne."&&&&Projekt MD&&"Erdbeeren & Bananen"

#44
MichaelT

MichaelT
  • 321 Beiträge
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@ jueb: Aber genau das ist doch der Punkt.

 

Bei den Awards hat man eben nicht die amerikanischen Top-Produktionen als Konkurrenz.

 

Dass Deutschland mit den Produktionen anderer Länder mithalten kann, wurde ja gar nicht bestritten.

 

Nur hier geht es ja darum, wie man sich gegen das Streaming durchsetzen kann (ob man das überhaupt versuchen soll).

 

Und die Zielgruppe streamt in der großen Mehrheit amerikanische Produktionen, also alles das, was nicht bei den Awards dabei war.


Bearbeitet von MichaelT, 22.11.2016 - 14:57,


#45
MichaelT

MichaelT
  • 321 Beiträge
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So etwas will ich im Fernsehen sehen:

 

http://www.rtl.de/cm...r-das-geld.html

 

Da bin ich gespannt drauf. :s01

 

Das bietet mir kein Streamingdienst.



#46
Dietmar

Dietmar
  • 611 Beiträge
  • Dabei seit 21.08.05

So etwas will ich im Fernsehen sehen:

 

http://www.rtl.de/cm...r-das-geld.html

 

Da bin ich gespannt drauf. :s01

 

Das bietet mir kein Streamingdienst.

 

Ich bin darauf nicht gespannt, denn der Grundgedanke ist Betrug an dem zufällig ausgewählten Pärchen. Es besteht keine Chancengleichheit zwischen dem zufällig ausgewählten Pärchen und den Ermittlern. Das zu lösende Problem ist nicht das Verstecken des Geldes, sondern das Austricksen von GPS und Handy, was geht, wenn man sich vorbereiten kann. Aus diesem Grund kann man sich auch nicht bewerben, sondern wird zufällig ausgewählt. Der Sender weiß natürlich genau wo die Grenzen von GPS und Handy sind und wie er das Geld behält. Wer das nicht durchschaut, den kann ich auch nicht helfen.

 

Aber zum Thema des Threads - stirbt das deutsche Fernsehen aus? Nein, mit den selben Argumenten kann man jede gedruckte Zeitung, jedes gedruckte Buch totreden. Ich gehöre zur Generation der "Straßenfeger". Heute ist das kulturelle Interesse der Generationen zwischen Enkel und Großeltern soweit ausdifferenziert, das es nahezu unmöglich ist,  sie gemeinsam vor den Fernseher zu locken. Die kulturellen Bedürfnisse sind so breit geworden, dass selbst ARD, ZDF und Dritte den Spagat nicht mehr schaffen. Im Gegensatz zu den privaten Sendern haben die öffentlich-rechtlichen Sender aber einen Sendeauftrag, der nicht wirtschaftlich begründet ist. Die Frage ist also eher, ist dieser Senderauftrag noch up to date oder sollen sich die öffentlich-rechtlichen Sender ausschließlich den Quoten unterordnen?

Sind amerikanische Serien wirklich so gut? Ich kann das nicht beurteilen, ich habe eine antiamerikanische Grundeinstellung, die eine objektive Bewertung nicht ermöglicht.

Sind Steamingdienst wirklich die Lösung? Meiner Meinung nach nicht. Wer meint, Streamingdienst wollen nur mein kulturelles Bedürfnis befriedigen, denkt zur kurz. Streamingdienste beobachten sehr genau, wer, wann und was genau sieht und stellen sich auf mich ein. Im Gegensatz zum Fernsehen, bei denen die Sender nur die Wahrscheinlichkeit bestimmen können, dass ich sie sehe, kann ein Streamingdienst eine personalisiertes Profil erstellen und darauf hin mir konkrete Angebote machen. Die Basis des kulturellen Horizontes wird durch Steamingdienste nicht breiter.

Aus diesem Gund ist mir das konventionelle Fernsehen noch sehr lieb und ich hoffe, es bleibt noch lange Zeit erhalten.

Wer jetzt denkt, ich hätte etwas gegen Internet und allen Vorteilen, die es mir bietet, muss ich entäuschen. Ich möchte es nicht vermissen, aber ich überlege  mir, wozu ich es nutze.


Bearbeitet von Dietmar, 04.12.2016 - 00:26,


#47
MichaelT

MichaelT
  • 321 Beiträge
  • Dabei seit 03.02.15

 

Ich bin darauf nicht gespannt, denn der Grundgedanke ist Betrug an dem zufällig ausgewählten Pärchen. Es besteht keine Chancengleichheit zwischen dem zufällig ausgewählten Pärchen und den Ermittlern. Das zu lösende Problem ist nicht das Verstecken des Geldes, sondern das Austricksen von GPS und Handy, was geht, wenn man sich vorbereiten kann. Aus diesem Grund kann man sich auch nicht bewerben, sondern wird zufällig ausgewählt. Der Sender weiß natürlich genau wo die Grenzen von GPS und Handy sind und wie er das Geld behält. Wer das nicht durchschaut, den kann ich auch nicht helfen.

 

Es ist ein Spiel.

 

Dass eben keine Chancengleichheit besteht, macht den Reiz der Show aus!

 

Man hält zum Außenseiter, fiebert mit, hofft auf die Überraschung.

 

Ich fand die Show super.

 

 

 

Die Basis des kulturellen Horizontes wird durch Steamingdienste nicht breiter.

 

Wenn ich einen Streamingdienst nutze, mache ich das nicht, um meinen kulturellen Horizont zu erweitern.

Das könnte ich bei Arte.

 

Nein, von Amazon, Netflix und Co. will ich nur eines:

 

Unterhalten werden. Mehr nicht.


Bearbeitet von MichaelT, 04.12.2016 - 13:28,


#48
Wolf

Wolf
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  • Dabei seit 21.10.08

o.k., die Diskussion hier ist eigentlich schon vorüber und ich gehöre außerdem zur Altersgrupper derer, die lieber bügeln sollten. Ich bin aber immer noch sehr zufrieden mit der Qualität des Deutschen Fernsehens. Allerdings sehe ich da kaum Filme und mit Ausnahme von Downton Abbey auch keine Serien. Ich sehe die Zukunft des Fernsehens im Regionalfernsehen und in den Dokus, wo es international gesehen eine hohe Qualität gibt. Und wenn man Rätselshows und schlappe Krimis streicht bleibt eh kaum noch etwas anderes übrig.

Was ich vermisse sind die Kammerspiele, die ganz früher einmal eine durchaus respekable Rolle gespielt haben. Aber Theater findet ohnehin keine Freunde mehr im TV.

 

Und so bleibt für mich die Frage, ob das sich Deutsche Fernsehen überhaupt anpassen soll. Dass mein Lieblingsradiosender der Deutschlandfunk ist, wird jetzt wohl niemanden mehr überraschen - oder?

 

Liebe Grüße

Wolf



#49
DJPusch

DJPusch
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Was hier in der Diskussion übersehen wird, ist dass die tollen amerikanischen Serien nicht von öffentlich-rechtlichen amerikanischen Sendern produziert werden, sondern von den privaten. Das Öffentlich-Rechtliche produziert auch in den USA schnarch-langweilige "brave" Sendungen, Quizshows und Reality-TV, und  liegt in der Qualität sogar noch unter dem, was ZDF/ARD & Co hierzulande produzieren. Auch in den USA haben die öffentlich-rechtlichen eine Art staatliche Zensur, bestimmte Inhalte nicht zu senden (keine explizite Gewalt und Sex z.B.), sondern "familienfreundliche" Unterhaltung.

Beim öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen kommt noch ein "Bildungsauftrag" dazu.

Wenn man innovative Serien von Deutschland erwartet, dann muss man auf die privaten Sender schielen (RTL/PRO7 & Co). HBO, von denen so viele hochgelobte Serien kommen, ist nämlich ein privater Sender, der zu Warner Bros gehört, und hat ganz andere finanzielle Mittel.

 

Ich war im Mai auf dem TV Series Festival in Berlin und habe dort Robert McKee reden hören, der ein paar sehr interessante Einblicke zu diesem Thema gegeben hat. Laut ihm ist es zur Zeit so, dass die Streamingdienste (Netflix, Hulu & Co) zur Zeit Stoffe ablehnen mit der Begründung "not dark enough". Und zwar ist es wohl so, dass die Zuschauer in den USA von den Free TV Sendern abwandern, weil deren Inhalte ihnen zu langweilig und zu familienfreundlich sind. Mit der Eröffnung der Streamingdienste konnten endlich Barrieren durchbrochen werden - dort darf alles gezeigt werden, was im normalen Fernsehen (tagsüber, wo auch kleine Kinder einschalten) nicht gezeigt werden darf. Filmemacher toben sich aus (sowohl in der Düsternis der Inhalte als auch in experimentellen Erzählformen) und die Zuschauer nehmen es dankbar an, gelangweilt vom üblichen Braven im normalen Fernsehen.

Für Netflix kann es zur Zeit also nicht düster und experimenttierfreudig genug sein.

Das amerikanische Free TV (öffentlich rechtlich) kann und darf da gar nicht mithalten, sie dürften solche Inhalte höchstens weit nach Mitternacht und nur mit Warnungen zeigen. Deswegen laufen die Synchronisationen solcher Sendungen bei uns ja auch nur auf den privaten (RTL/ Pro 7 ...). Solche Sendungen können  nur durch Werbung und Lizenzeinnahmen der Privaten finanziert werden, nicht mit öffentlich-rechtlichen Mitteln.

 

ARD/ ZDF machen sich natürlich auch Gedanken um ihre Zukunft und wie sie die junge Generation als Zuschauer erhalten können (oder überhaupt erstmal gewinnen ;) ). Und die jungen Zuschauer findet man wohl nur im Netz. Daher haben sie einen eigenen Internetkanal "FUNK" ins Leben gerufen, auf dem sie junge, kreative Sendeformate bringen. Mit der Serie "Wishlist" z.B. haben sie jetzt schon einen ziemlichen Hit gelandet haben. Ich glaube es wird in Zukunft mehr solche für das Internet gedrehte Inhalte geben, die ja ganz eigene neue (interaktive) Formate ermöglichen. Gleichzeitig werden auch die Streamingplattformen für Deutschland in Deutschland produzierte Serien suchen - Amazon hat ja auch schon mit "You are wanted" eine erste eigene Serie mit Matthias Schweighöfer produziert. Weitere werden folgen.

Ich sehe da viel Bewegung auf dem deutschen Drehbuchmarkt und viele Chancen für spannende neue Formate.

Das Fernsehen ist dabei, sich neu zu erfinden ;)


Bearbeitet von DJPusch, 10.07.2017 - 11:55,


#50
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
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Hallo,

 

anbei eine sachliche Analyse von Oliver Schütte, die ich Zeile für Zeile unterschreiben kann - woran es nämlich im deutschen Fernsehen krankt.
Und auch, dass man es ändern könnte, wenn man denn wollte. Aber man will eben nicht:

 

TV-Drama: Warum das Fernsehen sterben wird

 

 

Wirklich lesenswert.

 

Schöne Grüße,

 

Holger

 

Dem kann ich mich nur anschließen. Ich schaue schon seit langem kein reguläres Fernsehen mehr. Höchstens die Nachrichten und ab und zu eine Sendung bei 3SAT oder Phoenix. Die Filme kann man zu 95% vergessen. Die immer gleichen, eher langweiligen Krimis, ansonsten Schnulzen oder Komödien, die eher angestrengt wirken statt wirklich humorvoll zu sein, schnell zusammengeschustert mit mittelmäßiger Kameraarbeit. Meine Tochter macht ja auch Filme fürs Fernsehen. Sie sagt, die meisten Drehbücher sind grausig und dann muss alles hoppla-hop in 20 Drehtagen abgespult werden.


Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#51
Christa

Christa
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Ich hatte ja meinen Senf schon abgegeben, daher das Bügeln. :s01 Hat sich auch nicht geändert, Fernsehen ist vor allem bei

politischen Ereignissen angesagt, historischen, kulturellen und Natursendungen, aber ich will nicht immer wieder das Röhren der Hirsche hören. Vor zwei Tagen einmal was ganz anderes: Ein Krimi mit Drehbuch von unserem Holger, wirklich erfrischend, erfrischend anders ("Harter Brocken") Endlich mal ein bisschen Landschaft, kein Superheld und keine endlosen, langweiligen Ermittlungen.



#52
CorneliaL

CorneliaL
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Der "Harte Brocken" von Holger war eine der derzeit ständig gezeigten Wiederholungen, ich hatte ihn schon gesehen, und natürlich: immer, wenn Holger draufsteht, ist auch was Gutes drin!  ;D

 

LG Cornelia



#53
Thomas R.

Thomas R.
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Ich würde mir um das deutsche Fernsehen keine großen Sorgen machen: Pro Sieben/ Sat 1 bewirbt sich nach Ende der reinen Werbefinanzierung (s. Abogebühr für HD) um ein Model, in der die einzelnen Leistungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ausgeschrieben werden und sie sich darum bewerben. Zusammen könnte das noch für fünfzehn Jahre reichen.

 

Ansonsten gilt weiterhin das, was die Manager von HBO (Programmplanung) die Kollegen von RTL einmal gefragt haben: "Was macht ihr?" "Wir sehen, was in den Nachbarländern gut läuft und machen das auch." "Und was macht ihr? "Wir machen irgendein Spiel oder ein Quiz, mit C- und D-Prominenten." "Und was macht ihr?" "Dies beides. Und wir kopieren eine amerikanische Serie", "UND WAS MACHT IHR?"

(Und sollte dies erfunden sein, dann ist sie zumindest gut erfunden.)

 

LG

Thomas


"Als meine Augen alles // gesehen hatten // kehrten sie zurück // zur weißen Chrysantheme". Matsuo Basho