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Macho Literaturbetrieb


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66 Antworten zu diesem Thema

#21
Gundula

Gundula
  • 138 Beiträge
  • Dabei seit 10.08.15

Na ja, ich bin da eher skeptisch. Mag sein, dass in der Statistik der Preise die Frauen schlecht abschneiden. Aber ich würde das nicht den Männern anrechnen. Sondern den Frauen selber. Die meisten Lektoren in den Verlagen sind Frauen. Die meisten Leser auch. Inzwischen sogar die meisten Autoren. Wenn es da ein Ungleichgewicht gibt, dann wahrscheinlich weil Frauen sich häufig Themen aussuchen, die hauptsächlich von Frauen bevorzugt und gelesen werden. Und dazu gehören eben viele seichte Frauenromane. Ich denke mal, die Autorinnen werden von den Verlagen wahrscheinlich dazu gedrängt, solche Themen zu bedienen, weil man meint, unbedingt die 70% weiblichen Leser bedienen zu müssen. Ist mir in gewisser Weise ja selbst passiert. Und solche Themen oder Genre sind nicht unbedingt fürs Feuilleton interessant. Trotzdem verkaufen sie sich aber gut, weil Frauen das gerne lesen.

 

 

Hallo Ulf,

 

ja aber genau das ist ja der Punkt: die Genre-Literatur. Zweifellos gibt es Genres, die mehr von Frauen gelesen werden und mehr von Frauen geschrieben werden, die ganze Frauenliteratur z. B., aber auch Liebesgeschichten und historische Romane. Die historischen Romane haben leider auch den Ruf, eher von Frauen für Frauen geschrieben worden zu sein. Ich persönlich finde das schade. Denn gleichzeitig sind es die Genres, die als trivial und reine Unterhaltungsliteratur gelten, eben angeblich nicht dem Anspruch der E-Literatur genügen. Und damit sind wir ja wieder beim Thema, dass gerade die sogenannte anspruchvolle (was auch immer das sein mag) und gehobene Literatur eher den Männern zugetraut wird, während Frauennamen für seichte Unterhaltung und Frauenthemen stehen.

 

Liebe Grüße

Gundula


Bearbeitet von Gundula, 17.01.2017 - 14:53,


#22
SebastianN

SebastianN
  • 255 Beiträge
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Tut mir leid Sebastian,

aber diese Aussage halte ich für zu pauschal, schwammig und sachlich falsch. Du sprichst hier von einem sehr kurzen Zeitraum von nur 50 Jahren und stellst pauschal in den Raum, dass Frauen vor dem Aufkommen eines gewissen Feminismus sich sowieso selten in die Literatur gewagt hätten.

Dabei ist mir nicht klar, was Du unter "Feminismus" überhaupt verstehst. Es gab, wenn man so will, eine erste feministische Bewegung zur Zeit der Französischen Revolution, eine zweite Frauenrechtsbewegung anfang des zwanzigsten Jahrhunderts (Suffragetten) und die moderne feministische Bewegung seit den 1970-iger Jahren. Da Du von einem Zeitraum von nur 50 Jahren sprichst, nehme ich an, Du meinst die Frauenbewegung der 1970-iger Jahre. Die ältere Frauenrechtsbewegung, die z. B. das Frauenwahlrecht erkämpfte und die Möglichkeit, dass Frauen überhaupt in allen europäischen Ländern an Universitäten studieren konnten, blendest Du damit vollkommen aus.
 
So weit so gut. Aber auch die pauschale Behauptung, Frauen hätten bis zum Aufkeimen des Feminismus in den 1970-iger Jahren keine nennenswerte Rolle in der Literatur gespielt, ist schlichtweg falsch.
Gerade zur Blütezeit der Literatur im 18. Jahrhundert haben Frauen sehr wohl eine tragende Rolle in der Literatur gespielt. Die damals bekanntesten und berühmtesten literarischen Salons in Europa wurden alle, ohne eine mir bekannte Ausnahme, von Frauen geführt. Diese Salons waren die Treffpunkte der damaligen Zeit für Schriftsteller und Künstler, Adelige und Akademiker. Ich weiß es deshalb zufällig so genau, weil die literarischen Salons jener Zeit in meinem historischen Roman eine Rolle spielen, der letztes Jahr erschienen ist (Sorry, soviel Schleichwerbung muss jetzt sein). Deshalb habe ich nämlich zu dem Thema sehr lange recherchiert. Und es gab damals natürlich auch Schriftstellerinnen und Künsterinnen.
 
Wenn also die heutige Literatur männlich dominiert ist, dann ist es eine relativ neue Erscheinung. Meiner Meinung nach, gab es nach der Französischen Revolution und dem Aufstieg des Bürgertums eine Verschlechterung der Situation der Frauen insgesamt, da erst mit dem Aufstieg des Bürgertums das Hausfrauenideal geschaffen wurde, dass wir noch aus dem 20-igsten Jahrhundert sehr gut kennen. Zuvor hatte es das in der Form nicht gegegben.
 
Soweit ein kleiner historischer Abriss. Es war mir wichtig das zu sagen.


Ich habe nicht behauptet, dass es gar keine Frauen gegeben hat, die vor über 100 Jahren geschrieben hätten oder sie komplett unwichtig gewesen seien. Natürlich gibt es ein paar ganz bekannte Beispiele, z.B. die Bronte-Schwestern, Mary Shelley etc. oder, wenn man die Salons bemühen will, wie du es tust, Gertrude Stein. Aber man muss doch auch klar sagen, dass es eben wesentlich weniger Frauen gab, die vor 50 oder 100 Jahren (oder noch länger) geschrieben haben, als heute. Und wenn sie geschrieben haben, dann haben sich nur sehr wenige davon hervorgetan. Ich behaupte auch nicht, dass es in diesem Zeitraum nicht so gewesen ist, dass Männer sie unterdrückt hätten. Das haben sie bestimmt. Aber das ist auch nicht die Diskussion.

 

Gerade weil es die ganzen Frauenbewegungen gegeben hat, die du oben so schön aufgezählt hast, ist es Frauen eben heute möglich zu schreiben. Oder noch eher zu schreiben als damals. Und insofern sind sie eben jetzt auch in jedem Aspekt der Buchentstehung und des -vertriebs tätig. (Und auch wenn ich das nicht belegen kann: Ich gehe ganz stark davon aus, dass das vor 50 Jahren noch wesentlich anders aussah.)

 

Frau George bezieht ihre Zahlen allerdings auf einen Zeitraum von 50 bis 100 Jahren. Und ich bin der Auffassung, dass die Zahlen dann ganz selbstverständlich nicht zu Gunsten von Frauen ausfallen, weil der Betrachtungszeitraum einfach falsch ist. 1917, 1927, 1937, 1947, 1957 usw. waren eben völlig andere Jahre als 2017. Sie zieht die falschen Schlüsse, weil ihre Datengrundlage falsch ist.

Ich möchte auch nicht behaupten, dass Sexismus heute nicht mehr vorkommt. Wie rückwärtsgewandt manche Menschen sind, kann man ja an den Wahlergebnissen erkennen. Ich glaube eben nur, dass falls heute tatsächlich weniger Romane von Frauen gelesen werden, sich die Frauen deswegen an die eigene Nase fassen müssen, denn sie sind nun mal das Gros der Leserschaft. Alles andere kommt mir wieder nur wie eine Pauschalverteufelung der Männer vor. (Auch eine Art von Sexismus, übrigens.)



#23
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.556 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

 

Na ja, ich bin da eher skeptisch. Mag sein, dass in der Statistik der Preise die Frauen schlecht abschneiden. Aber ich würde das nicht den Männern anrechnen. Sondern den Frauen selber. Die meisten Lektoren in den Verlagen sind Frauen. Die meisten Leser auch. Inzwischen sogar die meisten Autoren. Wenn es da ein Ungleichgewicht gibt, dann wahrscheinlich weil Frauen sich häufig Themen aussuchen, die hauptsächlich von Frauen bevorzugt und gelesen werden. Und dazu gehören eben viele seichte Frauenromane. Ich denke mal, die Autorinnen werden von den Verlagen wahrscheinlich dazu gedrängt, solche Themen zu bedienen, weil man meint, unbedingt die 70% weiblichen Leser bedienen zu müssen. Ist mir in gewisser Weise ja selbst passiert. Und solche Themen oder Genre sind nicht unbedingt fürs Feuilleton interessant. Trotzdem verkaufen sie sich aber gut, weil Frauen das gerne lesen.

 

 

Hallo Ulf,

 

ja aber genau das ist ja der Punkt: die Genre-Literatur. Zweifellos gibt es Genres, die mehr von Frauen gelesen werden und mehr von Frauen geschrieben werden, die ganze Frauenliteratur z. B., aber auch Liebesgeschichten und historische Romane. Die historischen Romane haben leider auch den Ruf, eher von Frauen für Frauen geschrieben worden zu sein. Ich persönlich finde das schade. Denn gleichzeitig sind es die Genres, die als trivial und reine Unterhaltungsliteratur gelten, eben angeblich nicht dem Anspruch der E-Literatur genügen. Und damit sind wir ja wieder beim Thema, dass gerade die sogenannte anspruchvolle (was auch immer das sein mag) und gehobene Literatur eher den Männern zugetraut wird, während Frauennamen für seichte Unterhaltung und Frauenthemen stehen.

 

Liebe Grüße

Gundula

 

 

Liebe Gundula,

 

historische Romane sind hier eigentlich ein sehr gutes Beispiel. Historische Romane hat es schon immer gegeben. Allerdings, wenn man vom Namen des Genres ausgeht, sollte man Romane erwarten, die sich, durchaus mit fiktiven Figuren, aber doch mit Historie befassen, in denen historische Ereignisse eine Rolle spielen. Oder zumindest Zeitgeist und Konflikte einer Epoche dargestellt werden. Solche gibt es, aber sie sind in der Minderzahl. Die allermeisten (vorrangig von weiblichen Autoren) spielen zwar in der Vergangenheit, aber mehr als eine historische Kulisse bekommt der Leser nicht und es handelt sich sehr oft um Liebesromane. Im Grunde gehören diese gar nicht in die Kategorie der historischen Romane, sondern sollten unter Liebesroman oder Familienroman einsortiert werden. Das hat dem historischen Roman als solchen eigentlich den Ruf gekostet. Zumindest wird er von vielen heute als romantische Frauenliteratur betrachtet. Aber ist das Schuld der Männer?


Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#24
SabineW

SabineW
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  • Dabei seit 12.09.05

 

Dabei gibt es großartige weibliche Autoren. Habe kürzlich eine Reihe von tollen Büchern gelesen, die von Frauen geschrieben wurden. Aber keine Chick-Lits und auch keine Sehnsuchtsromane sondern richtig gute Krimis. Quoten wären sicher nicht die richtige Lösung. Und alles den Männern ankreiden, auch nicht. Autorinnen sollten sich überlegen, was sie für Themen wählen und wie sie diese umsetzen. 

Holla. Ein tolles Buch findet sich nicht unter seichter Sehnsuchtsliteratur, da muss es schon ein Krimi sein?

 

Ich liebe die Uthred-Reihe von Cornwell. Für mich nenne ich dieses Genre "Haudraufundschlus". Da ist von den gut choreografierten Kampfszenen abgesehen überhaupt nichts anspruchsvoll. Und die eingeflochtenen Liebesgeschichtchen sind sogar richtig schlecht. 

 

In diesem Genre schreibst du auch, wenn ich mich nicht irre. :-D


Bearbeitet von SabineW, 17.01.2017 - 18:19,


#25
SabineW

SabineW
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"Das hat dem historischen Roman als solchen eigentlich den Ruf gekostet."

 

Das stimmt.

 

Die Annahme, dass die allermeisten, die (von den Verlagen gezwungen) im Gewand (Cover, Klappentext) dieses Trends hinterhergekommen sind, müssen inhaltich genauso sein, ist falsch.


 



#26
Christa

Christa
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Die Annahme, dass die allermeisten, die (von den Verlagen gezwungen) im Gewand (Cover, Klappentext) dieses Trends hinterhergekommen sind, müssen inhaltich genauso sein, ist falsch.

 

Das würde ich auch sagen. Hatte schon so manche Perle hinter den Gewändern entdeckt, lustigerweise auch einen männlichen

Autor. ;)



#27
Gundula

Gundula
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... Sorry, versehentlicher doppelter Post...

Bearbeitet von Gundula, 17.01.2017 - 19:43,


#28
Gundula

Gundula
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Liebe Gundula,
 
historische Romane sind hier eigentlich ein sehr gutes Beispiel. Historische Romane hat es schon immer gegeben. Allerdings, wenn man vom Namen des Genres ausgeht, sollte man Romane erwarten, die sich, durchaus mit fiktiven Figuren, aber doch mit Historie befassen, in denen historische Ereignisse eine Rolle spielen. Oder zumindest Zeitgeist und Konflikte einer Epoche dargestellt werden. Solche gibt es, aber sie sind in der Minderzahl. Die allermeisten (vorrangig von weiblichen Autoren) spielen zwar in der Vergangenheit, aber mehr als eine historische Kulisse bekommt der Leser nicht und es handelt sich sehr oft um Liebesromane. Im Grunde gehören diese gar nicht in die Kategorie der historischen Romane, sondern sollten unter Liebesroman oder Familienroman einsortiert werden. Das hat dem historischen Roman als solchen eigentlich den Ruf gekostet. Zumindest wird er von vielen heute als romantische Frauenliteratur betrachtet. Aber ist das Schuld der Männer?

 
 
Lieber Ulf,
 
ja, ich weiß genau, wovon Du sprichst. Und mich ärgert diese Verflachung der historischen Romane, weil es mein Genre ist. Ich habe zu meinem historischen Roman eine schlechte Rezension bekommen, wo jemand sich beklagt, es sei zu viel historischer Hintergrund. Da hatte wohl jemand genau mit so einer seichten Liebesgeschichte in netten Kostümen gerechnet, die ich aber niemals vor hatte zu schreiben.
 
Dass es die Schuld der Männer ist, habe ich nie behauptet. Überhaupt würde ich nie so einseitige Schuldzuweisungen aussprechen, auch nicht in der Frauenrechtsdebatte. Gesellschaftliche Realitäten sind doch äußerst komplex und eben nicht auf die simple Formel hier gut dort böse, hier Unterdrücker, dort Unterdrückte zu reduzieren. Gerade das Patriarchat zeigt eine gesellschaftliche Realität, in der es nicht nur die Männer sind, die sich Frauen überlegen fühlen, sondern auch die Frauen halten das Patriarchat aufrecht, indem sie z. B. Rollenklischees erfüllen und reproduzieren und ihre Kinder diesen Klischees entsprechend erziehen. Das ist doch allgemein bekannt und nicht wirklich eine neue Erkenntnis.
 
Um auf die Literatur zurückzukommen: Ist es Schuld der Männer, dass der historische Roman so verflacht ist? Ist es Schuld der Frauen? Oder ist es vielleicht Schuld der Verlage? Tatsache ist, dass es vor Jahrzehnten einen regelrechten Boom gab, er inzwischen wieder abgeebbt ist. Die Verlage versuchten auf diesen Zug aufzuspringen und das Ergebnis waren unzählige dieser sogenannten historischen Romane aus immer demselben Guss: Hauptsache weibliche Protagonistin (weil als Zielgruppe die Frauen ausgemacht worden waren) und Hauptsache im Mittelalter und dann natürlich ganz wichtig: immer eine Liebesgeschichte dabei.
 
Liebe Grüße
Gundula



#29
Christa

Christa
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@Gundula: Genau das ist mir auch ein paar Mal passiert. Der historische Roman war zu historisch, beim anderen Historischen ging

es nicht schnell genug mit dem Küssen. Ein drittes Mal "Kamen sie nicht schnell genug zur Sache. Das zeigt genau, welche Erwartungen

fälschlich von den Verlagen geweckt wurden, um mehr zu verkaufen. Die Cover und Klappentexte taten dazu das Ihre.

 

LG

Christa



#30
Tereza

Tereza
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Um auf die Literatur zurückzukommen: Ist es Schuld der Männer, dass der historische Roman so verflacht ist? Ist es Schuld der Frauen? Oder ist es vielleicht Schuld der Verlage? Tatsache ist, dass es vor Jahrzehnten einen regelrechten Boom gab, er inzwischen wieder abgeebbt ist. Die Verlage versuchten auf diesen Zug aufzuspringen und das Ergebnis waren unzählige dieser sogenannten historischen Romane aus immer demselben Guss: Hauptsache weibliche Protagonistin (weil als Zielgruppe die Frauen ausgemacht worden waren) und Hauptsache im Mittelalter und dann natürlich ganz wichtig: immer eine Liebesgeschichte dabei.

 

Liebe Grüße

Gundula

 

 

Mir fallen offen gesagt nur sehr, sehr wenige Bücher ein, die - egal welches Genre - ganz ohne Liebesgeschichte auskommen. Selbst literarische Klassiker wie Anna Karenina enthalten eine. Liebesgeschichte bedeutet für mich nicht, dass ein Buch automatisch seicht oder oberflächlich sein muss. Actionromane, wie sie von Männern bevorzugt geschrieben und gelesen werden, sind ebensowenig automatisch qualitativ hochwertiger.

 

Ja, es hat in den letzten Jahren einen Boom von einer ganz bestimmten Art historischer Romane gegeben. Da wurde die weibliche Hauptfigur von Verlagen gefordert und der Schauplatz Mittelalter. Das führte zu einer ziemlichen Einseitigkeit, die ich auch ärgerlich fand. Innerhalb dieses (und zahlreicher anderer) Trends, kamen aber gute und weniger gute Bücher heraus.

 

Liebesgeschichte und realistische Darstellung des historischen Hintergrunds schließen sich auch keineswegs gegenseitig aus. Mir fallen spontan viele von Frauen verfasste historische Romane ein, die viele historische Informationen enthalten.

 

Den Ruf, eher seicht zu sein, soll der historische Roman übrigens schon früher gehabt haben. Es gibt zwar auch litarerische Texte, die in der Vergangenheit spielen, aber diese werden eher selten als HR bezeichnet, weil sie eben keine Genreliteratur sind.



#31
SabineW

SabineW
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Den Medicus fand ich vom Niveau her auch keinen Knaller.



#32
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
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Dabei gibt es großartige weibliche Autoren. Habe kürzlich eine Reihe von tollen Büchern gelesen, die von Frauen geschrieben wurden. Aber keine Chick-Lits und auch keine Sehnsuchtsromane sondern richtig gute Krimis. Quoten wären sicher nicht die richtige Lösung. Und alles den Männern ankreiden, auch nicht. Autorinnen sollten sich überlegen, was sie für Themen wählen und wie sie diese umsetzen. 

Holla. Ein tolles Buch findet sich nicht unter seichter Sehnsuchtsliteratur, da muss es schon ein Krimi sein?

 

Ich liebe die Uthred-Reihe von Cornwell. Für mich nenne ich dieses Genre "Haudraufundschlus". Da ist von den gut choreografierten Kampfszenen abgesehen überhaupt nichts anspruchsvoll. Und die eingeflochtenen Liebesgeschichtchen sind sogar richtig schlecht. 

 

In diesem Genre schreibst du auch, wenn ich mich nicht irre. :-D

 

 

Ich dachte, wir wollten persönliche Angriffe vermeiden. Ich mag auch Cornwell, aber ich schreibe nicht wie er und meine Protagonisten sind auch keine unfehlbaren Supermachos.


Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#33
SabineW

SabineW
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Bingo. Ich erinnere dich nochmal an deine Aussage:

 

"Die allermeisten (vorrangig von weiblichen Autoren) spielen zwar in der Vergangenheit, aber mehr als eine historische Kulisse bekommt der Leser nicht und es handelt sich sehr oft um Liebesromane. Im Grunde gehören diese gar nicht in die Kategorie der historischen Romane, sondern sollten unter Liebesroman oder Familienroman einsortiert werden."



#34
Christa

Christa
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Ich liebe die Uthred-Reihe von Cornwell. Für mich nenne ich dieses Genre "Haudraufundschlus". Da ist von den gut choreografierten Kampfszenen abgesehen überhaupt nichts anspruchsvoll. Und die eingeflochtenen Liebesgeschichtchen sind sogar richtig schlecht. 

 

Die Bücher von Cornwell kenne ich nicht, aber er gilt als "König des historischen Abenteuerromans."



#35
Tereza

Tereza
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Ich liebe die Uthred-Reihe von Cornwell. Für mich nenne ich dieses Genre "Haudraufundschlus". Da ist von den gut choreografierten Kampfszenen abgesehen überhaupt nichts anspruchsvoll. Und die eingeflochtenen Liebesgeschichtchen sind sogar richtig schlecht. 

 

Die Bücher von Cornwell kenne ich nicht, aber er gilt als "König des historischen Abenteuerromans."

 

 

Und? Es gibt sicher eine erfolgreiche amerikanische oder englische Autorin, die schon als "Königin des historischen Liebesromans" bezeichnet wurde.

 

Hier geht es einfach um die Frage, ob das eine Genre "hochwertiger" zu sehen ist als das andere. Sabine hat meines Erachtens auch nicht Ulf persönlich angegriffen, sondern sich nur dagegen verwehrt, dass er sein eigenes Genre als besser hinstellt als die Genres, in denen sie selbst teilweise geschrieben hat.



#36
ChristianeL

ChristianeL
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Ich liebe die Uthred-Reihe von Cornwell. Für mich nenne ich dieses Genre "Haudraufundschlus". Da ist von den gut choreografierten Kampfszenen abgesehen überhaupt nichts anspruchsvoll. Und die eingeflochtenen Liebesgeschichtchen sind sogar richtig schlecht.

 

Nebenbei: "Haudraufundschluss" verdient meiner Meinung nach eine eigene Kategorie in den Buchhandlungen. :-)

 

Zurück zum Thema: Was Nina George anspricht, nennt die Soziologie "strukturelle Diskriminierung", was bedeutet, dass die zugeschriebene Minderwertigkeit eines Geschlechts / einer Hautfarbe / einer Religion soweit in den gesellschaftlichen Kanon eingeschrieben ist, dass der Großteil der Mitglieder der Gesellschaft sie nicht einmal bemerkt und für richtig hält. Daher sind es eben nicht einzelne Männer oder Frauen, die diskriminieren, sondern die Strukturen an sich. Und eben darum bevorzugen Lektorinnen und Journalistinnen eben auch Literatur von Männern, weil Männer eben "höherwertig" sind und daher auch "höherwertiger" schreiben.

Berufe, die von Frauen ausgeübt werden, gelten automatisch als geringwertiger und werden schlechter entlohnt, wobei ich nicht sehe, warum die Pflege von Menschen gesellschaftlich weniger bedeutsam sein soll als das Zusammenschrauben von Autos.

... und das ist völlig unabhängig von den Inhalten der Berufe. Wenn man einen Beruf billiger machen will, muss man nur mehr Frauen einstellen. Historisch lässt sich das wunderbar am Beruf der Lehrerin / des Lehrers zeigen.

 

Margaret Mead war eine der ersten, die dieses System beschrieben hat: "So gibt es Dörfer, in denen Männer fischen und Frauen weben, und solche, in denen Frauen fischen und Männer weben. Aber gleichgültig um welche Art der Teilung es sich handelt, die Arbeit der Männer wird höher eingeschätzt."

 

Nun wieder der Bogen zum Literaturbetrieb geschlagen. Das Beispiel hatten wir schon einmal (die Diskussion übrigens auch): eine junge Autorin, die ihr Manuskript unter einem männlichen Pseudonym bei Agenturen anbot und signifikant positivere Reaktionen erhielt:

https://www.theguard...-male-pseudonym

 

Ja, und solange Romane mit rosafarbenen Covern und Blumen als "Frauenromane" bezeichnet werden, wird sich diese strukturelle Diskrimierung fortsetzen. Oder solange Autorinnen dazu geraten wird, doch lieber etwas Romantisches zu schreiben oder der Liebe in ihren Geschichten mehr Raum zu geben, sind wir noch Lichtjahre entfernt von einer Literatur, die von Menschen geschrieben ist.

 

Frustrierte Grüße

Christiane

.



#37
AlexanderH

AlexanderH
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Deine Ausführungen, Christiane, sind wirklich interessant (ernsthaft, ohne Ironie). Es gibt so etwas wie strukturelle Diskrimierung. Bestreitet niemand und doch ist dieser post ein wenig am Thema vorbei, weil der Literatur-Markt einen starken Überhang an Frauen hat. Wir reden hier nicht von der Wirtschaft im allgemeinen, auch nicht von fischen, pflegen und weben.

 

Ich habe schon mit unterschiedlichen Agenturen zu tun gehabt und das waren alles Frauen (zum Thema male pseudonym) - warum sind Agenturen so?

Wer bezeichnet Romane mit rosafarbenen Covern und Blumen als "Frauenromane"? Wer winkt so ein Cover überhaupt durch?

Wer rät Autorinnen dazu, doch lieber etwas Romantisches zu schreiben oder der Liebe in ihren Geschichten mehr Raum zu geben?


Bearbeitet von AlexanderH, 18.01.2017 - 18:30,


#38
UlrikeS

UlrikeS
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Wer bezeichnet Romane mit rosafarbenen Covern und Blumen als "Frauenromane"? Wer winkt so ein Cover überhaupt durch?

 

 

Ich finde es nicht schlimm, wenn es Romane mit rosa Blumen drauf gibt. Ich finde es allerdings schlimm, wenn sie nicht ernst genommen werden, weil sie pink sind. Oder weil über Liebe geschrieben wird. Oder weil Frauenroman drauf steht. Es ist doch nichts qualitätsminderndes, nur weil man über die Liebe schreibt. Seit wann hängt Qualität am Genre oder an der Frage E- oder U (die hier ungenannt im Raume steht).

 

Über die Pinkifizierung der Gesellschaft, der Mode,allen Produkten den pinken Anstrich zu geben, weil man glaubt, der Markt würde es fordern, kann man sich ewig aufrgen.  Es gibt Produkte, die werden in männlicher und weiblicher Version verkauft, obwohl sie gleich sind. Die pinke Version ist teurer. Und wird trotzdem gekauft (nachgewiesen bei Einwegrasierern, die dann allerdings als Bsp. für diese Preisgestaltung so durch die Presse gingen, dass der Preis geändert wurde)

 

Aber deswegen das Produkt nicht ernst zu nehmen ist ein großer Fehler. In den USA gibt es pinke Waffen, und ich bin mir sicher, sie töten genauso wie die männlich-schwarzen.

 

 

LG Ulrike


Bearbeitet von UlrikeS, 19.01.2017 - 08:47,


#39
UlrikeS

UlrikeS
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Ich liebe die Uthred-Reihe von Cornwell. Für mich nenne ich dieses Genre "Haudraufundschlus". Da ist von den gut choreografierten Kampfszenen abgesehen überhaupt nichts anspruchsvoll. Und die eingeflochtenen Liebesgeschichtchen sind sogar richtig schlecht.

 

Nebenbei: "Haudraufundschluss" verdient meiner Meinung nach eine eigene Kategorie in den Buchhandlungen. :-)

 

Zurück zum Thema: Was Nina George anspricht, nennt die Soziologie "strukturelle Diskriminierung", was bedeutet, dass die zugeschriebene Minderwertigkeit eines Geschlechts / einer Hautfarbe / einer Religion soweit in den gesellschaftlichen Kanon eingeschrieben ist, dass der Großteil der Mitglieder der Gesellschaft sie nicht einmal bemerkt und für richtig hält. Daher sind es eben nicht einzelne Männer oder Frauen, die diskriminieren, sondern die Strukturen an sich. Und eben darum bevorzugen Lektorinnen und Journalistinnen eben auch Literatur von Männern, weil Männer eben "höherwertig" sind und daher auch "höherwertiger" schreiben.

Berufe, die von Frauen ausgeübt werden, gelten automatisch als geringwertiger und werden schlechter entlohnt, wobei ich nicht sehe, warum die Pflege von Menschen gesellschaftlich weniger bedeutsam sein soll als das Zusammenschrauben von Autos.

... und das ist völlig unabhängig von den Inhalten der Berufe. Wenn man einen Beruf billiger machen will, muss man nur mehr Frauen einstellen. Historisch lässt sich das wunderbar am Beruf der Lehrerin / des Lehrers zeigen.

 

Margaret Mead war eine der ersten, die dieses System beschrieben hat: "So gibt es Dörfer, in denen Männer fischen und Frauen weben, und solche, in denen Frauen fischen und Männer weben. Aber gleichgültig um welche Art der Teilung es sich handelt, die Arbeit der Männer wird höher eingeschätzt."

 

Nun wieder der Bogen zum Literaturbetrieb geschlagen. Das Beispiel hatten wir schon einmal (die Diskussion übrigens auch): eine junge Autorin, die ihr Manuskript unter einem männlichen Pseudonym bei Agenturen anbot und signifikant positivere Reaktionen erhielt:

https://www.theguard...-male-pseudonym

 

Ja, und solange Romane mit rosafarbenen Covern und Blumen als "Frauenromane" bezeichnet werden, wird sich diese strukturelle Diskrimierung fortsetzen. Oder solange Autorinnen dazu geraten wird, doch lieber etwas Romantisches zu schreiben oder der Liebe in ihren Geschichten mehr Raum zu geben, sind wir noch Lichtjahre entfernt von einer Literatur, die von Menschen geschrieben ist.

 

Frustrierte Grüße

Christiane

.

 

 

Strukturelle Diskriminierung zu bekämpfen ist allerdings äußerst schwer. Zudem ist es so, dass man mit weiblich-konnotierten Interessen die A***-karte gezogen hat.

Ich war ja mal Bibliothekarin und habe die Bevorzugung der seltenen Männer dort am eigenen Leib erfahren dürfen. Trotzdem war ich gerne Bibliothekarin und wäre eine schlechte Atomphysikerin geworden. Ich schreibe auch gerne Romane mit romantischen Anteilen und gerade eines mit einem rosagefärbten Cover auf dem Markt.

Macht mich das zu einer schlechten Autorin? Hoffentlich nicht.

Über Romantik zu schreiben ist genauso schwer wie alles andere. Gefühle zu beschreiben halte ich sogar für das Allerschwerste. Und Gefühle kommen in einem Psychothriller genauso wie in der Liebesgeschichte vor. Und auch Romane von Nobelpreisträgern beschäftigen sich letztendlich nicht mit Fakten, sondern mit Gefühlen.

 

LG Ulrike



#40
AlexanderH

AlexanderH
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Sorry, ich gebe es echt auf in diesem thread zu diskutieren. :(

 

Auch was du schreibst, Ulrike, ist richtig (auch interessant), bringt uns der Antwort zur Grundfrage aber nicht näher.

Warum ist die Stellung der Frau so schlecht (beginnend mit dem Artikel über die Benachteiligung bei der Preisvergabe), müssten die Bedingungen / das Umfeld für Frauen in der Literatur doch besser/günstiger sein als in der Atomphysik?