Inhalte aufrufen

Profilbild

Vorankündigung abgeändert


  • Zum Antworten bitte anmelden
25 Antworten zu diesem Thema

#21
AndreasE

AndreasE
  • 1.889 Beiträge
  • Dabei seit 01.04.07

Was man auch häufig liest: "weibliche Schriftstellerinnen":-?



#22
Christa

Christa
  • 6.295 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

"Gratis Geschenke" habe ich u.a. in einer Liste mit Beispielen für Pleonasmen gesehen.http://www.karstenno...hes-stilmittel/ Werden mir auch manchmal angeboten. ;)

Wobei ich feststellen muss, dass das Wort "aufoktroyieren" häufig gebraucht wird und auch im Duden steht, im Grunde aber ebenfalls doppelt gemoppelt ist. Auch „leere Floskel“, „auseinander dividieren“ oder „DKZV-Verlag“ höre ich häufiger. Dann kommt noch eine weibliche Kandidatin hinzu, der Zwiebelfisch an anderer Stelle die weibliche Kanzlerin beifügt.

Alles sehr witzig zu lesen!

http://www.spiegel.d...t-a-373614.html



#23
MelanieM

MelanieM
  • 11.937 Beiträge
  • Dabei seit 09.01.07

Für mich wäre der Unterschied folgender - eine Vorankündigung lautet: "Schriftsteller XY wird im nächsten Jahr einen neuen Roman rausbringen" - man erfährt noch keine Details, sondern nur ein Fakt. Und die Ankündigung wäre dann die Verlagsvorschau mit genaueren Informationen.



#24
Angelika Jo

Angelika Jo
  • 2.897 Beiträge
  • Dabei seit 03.07.07

Ich will ja schon die ganze Zeit, aber dann ... ihr wisst schon. Also zu Vorsilben, Pleonasmen und Tautologien:

 

1. Pleonasmen – wie nasses Wasser oder die Fähigkeit etwas zu können – sind überflüssige Informationen, verschmutzen unsere Wahrnehmungseingänge, verschwenden unsere Zeit. Ein verantwortungsbewusster Schriftsteller radiert sie deshalb aus, wenn er in seinem Text auf sie stößt. Aber nicht aus jedem Text!! In der gesprochenen Sprache sind sie nämlich nicht nur Alltag, sondern haben auch Funktion. Weil das gesprochene Wort so flüchtig ist (rein-raus-Ohr), sichert man sich beim Sprechen laufend ab, indem man seine Informationen doppelt und dreifach an den Mann bringt. Wer wirklichkeitsnahe Dialoge schreibt, wird deshalb vielleicht den einen oder anderen Pleonasmus einbauen. In Balzacs "Bauern" gibt es sowas, ich glaube auch in Herrndorfs "Tschick".

 

2. Tautologien sündigen gegen die Logik. Mit einer Tautologie behauptet man einen Grund für eine Sache zu benennen, in Wirklichkeit sagt man nur etwas, was man schon vorher über die Sache wusste. Ein schönes Beispiel dafür hat Kant geboten in seiner "Kritik der reinen Vernunft": Warum kann der Mensch denken? Weil er ein Denkvermögen hat. – "Also, vermöge eines Vermögens", hat Hegel entgegnet und sich ziemlich lustig gemacht über den Kollegen. Aber auch die Tautologie kann zu etwas taugen, wenn auch wahrscheinlich nur zum Witz. Ein Englischlehrer hat mir mal auf meine Frage, warum etwas im Englischen so und so ist, geantwortet: "Because it's English." Seither überlege ich mir Fragen besser.

 

3. die aktuell angeklagte Vorsilbe vor-. Ich halte sie nicht für überflüssig. Meinem Gespür nach verdoppelt sie nicht einfach die Information, die in der Ankündigung steckt, sondern fügt  ihr etwas hinzu. Allerdings nicht ruckzuck als zeitliche Bedeutung – Ankündigung mache ich vorher, Vorankündigung noch vorherer – , sondern das hat etwas mit der Situation zu tun, in der die Vokabel gebraucht wird. Bei so etwas geben sich Semantik und Pragmatik quasi die Hand. Eine Frau, die ihrem Gatten eröffnet, demnächst ein Kind zu gebären oder ihn zu verlassen, macht keine Vorankündigung, es gibt keine Zeit, die sie ihm zwischen Ankündigung und Vollzug zugestehen kann, die Dinge werden einfach ihren Lauf nehmen. Mit der Vorankündigung für eine Veranstaltung gibt man dem Adressaten kund, dass er sich das alles noch in Ruhe überlegen kann, es ist ja nur eine Vorankündigung. ich denke, wegen dieses Hinweises auf noch vorhandene Zeit, findet sich die Vokabel gehäuft in Werbetexten. Und deshalb machen einige von euch hier den Geruch von Werbung wahr und interpretieren das für sich unschuldige Wort als "aufdringlich". Aber eigentlich geht der Weg anders herum: Vorsilbe mit Bedeutung passt in einen bestimmten pragmatischen Kontext, der als solcher tatsächlich gern aufdringlich auftritt.

 

Wolf Schneider finde ich übrigens im Ton (Stilpapst!) unerträglich und in der Sache öfter mal einfach falsch.

 

Angelika


Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de


#25
AndreasS

AndreasS
  • 843 Beiträge
  • Dabei seit 03.12.15

Wolf Schneider finde ich übrigens im Ton (Stilpapst!) unerträglich ...

 

Über den selbstbewussten Ton *räusper* muss man in der Tat hinwegsehen.



#26
JulianeB

JulianeB
  • 825 Beiträge
  • Dabei seit 26.06.12

Angelika, das war wieder ein sagenhafter Genuss, deine vortreffliche und humorvolle Antwort zu lesen.

 

Eine immerzu und allzeit dankbare und dir dankende Juliane bedankt sich mit einem herzlichen Megamonsterdankeschön. Nie und nimmer will ich diese Beiträge missen wollen... ;D


"Man kann auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen."

Erich Kästner

Vorträge und Lesungen einstudieren  und  Autorenseite Juliane Breinl