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Paula Fürstenberg: Familie der geflügelten Tiger


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1 Antwort zu diesem Thema

#1
MariaP

MariaP
  • 335 Beiträge
  • Dabei seit 15.10.15

Ich weiß nicht recht, was ich von dem Buch halten soll.

 

Der Klappentext ...

 

Schon als kind hatte Johanna eine Vorliebe für Landkarten, die die Welt überschaubar machten und zugleich die Fantasie anregten. Nach dem Abitur ist sie aus der Uckermark nach Berlin gezogen, wo sie zum Ärger ihrer Mutter eine Ausbildung zur Straßenbahnfahrerin macht, anstatt zu studieren. Mit Reiner, ihrem Ausbilder, bewegt sie sich durch das wohlgeordnete Liniennetz der Großstadt und lacht über alte DDR-Witze, ohne sie zu verstehen. Mit Karl, dem elternlosen Weltenbummler, beginnt sie eine Affäre. Ihr Vater Jens hat die Familie kurz vor dem Mauerfall verlassen, da war Johanna zwei. Außer einer Postkarte an der Wand erinnert nichts an ihn.
Doch dann ruft Jens an, und Johannas Lebenskonstrukt gerät ins Wanken. Plötzlich gibt es zahlreiche widersprüchliche Versionen seines Verschwindens. Ist er geflohen? Wurde er verhaftet? Hatte Johannas Mutter etwas damit zu tun oder gar Honeckers Krankengymnastin?

 

... klingt ja ganz vielversprechend. Ich habe das Buch auf einer Lesung gekauft, die Autorin war sehr sympathisch und hat gut gelesen. Und jetzt habe ich das Buch durch und bin irgendwie enttäuscht. Und ratlos. Die Geschichte plätschert so vor sich hin, seicht und eher öde, die Figuren sind langweilig gezeichnet, eigentlich passiert in dem ganzen Buch nicht viel.

 

Das Buch wird als "literarischer Erfolg" gefeiert und wird wohl eher zur ernsten als zur Unterhaltungsliteratur gezählt. Aber nicht zum ersten Mal fällt mir auf, dass in der E-Literatur ja offensichtlich andere Standdards gelten. Figurenentwicklung? Plot? Spannungsbogen? Auflösung aller offenen Fragen? Pustekuchen.

Einzig die Sprache ist gut. Gut, aber nicht hervorragend.

 

Wieso funktioniert so war bei E-Literatur aber nicht bei U? Wer sortiert die Bücher in die jeweiligen Kategorien?

Ich versteh's einfach nicht.

 

Maria


Komm wir essen Opa.
SATZZEICHEN können Leben retten.
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#2
Manfred

Manfred
  • 178 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

Interessante Frage, Maria,

 

Hier ist eine sehr positive Kritik aus ZEIT ONLINE

 

"Vergangen, nicht verschwunden

Ist es wichtig, die Wahrheit über das eigene Leben zu kennen? Paula Fürstenbergs "Familie der geflügelten Tiger" ist ein Romandebüt voller Witz und leiser Melancholie. 

Von  Carola Ebeling

22. September 2016, 11:41 Uhr"

 

Hier das Fazit:

 

"Paula Fürstenberg hat in Familie der geflügelten Tiger eine kluge und vielschichtige Erzählkonstruktion entworfen und ihr gelingt eine überzeugende Verwebung der Erzählebenen. In einer knappen, beinahe einfachen Sprache erzählt Fürstenberg über die durchaus harten Konflikte mit der Mutter, die Johannas Spurensuche auslöst, über Johannas eigenes Hadern, über das wortwörtliche aus der Bahn geworfen werden – einmal gefährdet sie gar ihren Arbeitsplatz, als sie aufgewühlt die Straßenbahn stehen lässt, die sie eigentlich steuern soll. In dieser Lakonie blitzen immer wieder trockener Witz und leise Melancholie auf. Die starken Emotionen, die Erschütterungen liegen in der Aussparung. Das ist zweifelsohne beabsichtigt. Und es ist eine Kunst. Vielleicht ist es auch ein Zurückweichen vor einem Erzählen, das sich die Darstellung starker Gefühle traut und sich zutraut, dabei nicht in Pathos oder abgegriffene Sprachbilder zu rutschen."

 

 

Vielleicht sollte ich nichts dazu sagen. Ich habe das Buch nicht gelesen. Aber das Fazit der Rezension lässt mich vorab wundern. Also: die Lakonie (des Textes) "ist eine Kunst" oder "vielleicht auch ein Zurückweichen vor ... [der] Darstellung starker Gefühle..." ohne Pathos. Wie bitte?