Inhalte aufrufen

Profilbild

Was kann, darf und soll der Unterhaltungsroman?


  • Zum Antworten bitte anmelden
26 Antworten zu diesem Thema

#1
Mascha

Mascha
  • 3.537 Beiträge
  • Dabei seit 30.01.10

Im Mitgliederbereich kam die Frage auf, welche Themen auf welche Weise im Unterhaltungsroman behandelt werden können, sollen, dürfen.

Immer nur Friede, Freude, Eierkuchen oder auch Tod und Krankheit?

 

Wie tiefgründig darf es werden, um noch "unterhaltsam" zu sein? Darf es nur Drama geben, wenn es nicht zu realistisch wird?

 

Was erwarten Leser vom Unterhaltungsroman, was möchten Autoren erzählen? Stimmt das überein oder streben die jeweiligen Wünsche auseinander?

 

Diese und alle anderen Fragen, die euch zum Thema einfallen, können hier diskutiert werden.



#2
SusanneL

SusanneL
  • 1.789 Beiträge
  • Dabei seit 14.05.12

Danke fürs Einstellen, Mascha!
Ja, darf ein heiterer Frauenroman auch eine demente Nebenfigur haben? Darf die allein erziehende Protagonistin einen autistischen Sohn haben?
Als Autorin hatte ich das alles ganz klar mit "Ja" beantwortet. Weil ich von diesen Dingen erzählen möchte, weil ich auch ernste, vielleicht sogar etwas heikle Themen aufgreifen will. Weil ich der Meinung bin, dass das das Leben ist.
Meine Geschichten spielen irgendwo am Meer, und die LeserInnen erwarten, dass ich sie mit diesen Geschichten "in den Urlaub schicke". Weil die Cover und Titel, die der Verlag dafür aussucht, genau das suggerieren: Unbeschwertheit, Leichtigkeit, ein garantiertes Happy End.
Inzwischen glaube ich - zumindest zeigt es sich durch die Lesermails, die ich bekomme -, dass es zwei "Lager", Gruppen gibt: die einen wollen genau das; eine heitere Geschichte, die trotzdem echt und authentisch ist ( das Leben eben ;)), und die anderen möchten sich nur berieseln lassen und nicht darüber nachdenken müssen, dass es so ist.
Ich behaupte nicht, dass es leicht und überwiegend lustig ist, seine demente Mutter zu pflegen. Ich behaupte auch nicht, dass es ein Klacks ist, ein autistisches Kind großzuziehen. Ich habe beides selbst erlebt bzw. erlebe es noch immer. Und genau deswegen möchte ich darüber schreiben, ich möchte erzählen, dass das Leben kein Ponyhof ist, man aber trotzdem darüber lachen kann. Dass es vieles sogar leichter und entspannter macht.
Als Autorin / Geschichtenerzählerin werde ich weiterhin versuchen, beides zu kombinieren. Und ich weiß, dass sich daran wohl immer die Geister scheiden werden.


 



#3
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.415 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

Unterhaltungsromane erzählen vornehmlich Geschichten. Dazu brauchen sie eine Handlung, Struktur, Spannungsbogen, Höhen und Tiefen, authentische Figuren, die ein Ziel verfolgen, ein schlüssiges Ende. Im Gegensatz zu vielen Gegenwartsromanen, die außer authentischen Figuren auf andere genannte Elemente verzichten können, dafür andere Eigenschaften in den Vordergrund stellen.

 

Ich möchte aber diesen Vergleich nicht weiter vertiefen, sondern nur anmerken, dass die "Unterhaltung" aus dem guten Erzählen von Geschichten kommt. Man wird in eine andere Welt transportiert, folgt dem Schicksal der Figuren und will wissen, wie es ausgeht. Dabei kann m.E jede Art von Thema behandelt werden, es können die schrecklichsten Dinge passieren, es kann gut oder schlecht enden (wobei ein gutes Ende häufiger ist), Helden könne beschädigt, ja sogar Bösewichter sein. Aber es ist und bleibt ein Garn, das da gesponnen wird, eine Fiktion, durchaus realistisch, aber eben eine Geschichte. Das ergibt den Unterhaltungswert. Aber nichts soll den Autor daran hindern, den Leser erschauern und erzittern zu lassen, Mitleid zu empfinden, Schreckliches spüren zu lassen. Allerdings empfiehlt es sich, auch eine positive Note zu haben. 500 Seiten Schrecken und Qual wäre dann wohl doch zu viel. Auf die Dosierung kommt es an. Und die Abwechslung zwischen Spannung und Entspannung, zwischen Leiden und Freuden.


Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#4
Ramona

Ramona
  • 2.294 Beiträge
  • Dabei seit 17.03.11

Unterhaltungsromane erzählen vornehmlich Geschichten. Dazu brauchen sie eine Handlung, Struktur, Spannungsbogen, Höhen und Tiefen, authentische Figuren, die ein Ziel verfolgen, ein schlüssiges Ende. Im Gegensatz zu vielen Gegenwartsromanen, die außer authentischen Figuren auf andere genannte Elemente verzichten können, dafür andere Eigenschaften in den Vordergrund stellen.

 

Ich möchte aber diesen Vergleich nicht weiter vertiefen, sondern nur anmerken, dass die "Unterhaltung" aus dem guten Erzählen von Geschichten kommt. Man wird in eine andere Welt transportiert, folgt dem Schicksal der Figuren und will wissen, wie es ausgeht. Dabei kann m.E jede Art von Thema behandelt werden, es können die schrecklichsten Dinge passieren, es kann gut oder schlecht enden (wobei ein gutes Ende häufiger ist), Helden könne beschädigt, ja sogar Bösewichter sein. Aber es ist und bleibt ein Garn, das da gesponnen wird, eine Fiktion, durchaus realistisch, aber eben eine Geschichte. Das ergibt den Unterhaltungswert. Aber nichts soll den Autor daran hindern, den Leser erschauern und erzittern zu lassen, Mitleid zu empfinden, Schreckliches spüren zu lassen. Allerdings empfiehlt es sich, auch eine positive Note zu haben. 500 Seiten Schrecken und Qual wäre dann wohl doch zu viel. Auf die Dosierung kommt es an. Und die Abwechslung zwischen Spannung und Entspannung, zwischen Leiden und Freuden.

 

Sehr schön auf den Punkt gebracht.


“Your intuition knows what to write, so get out of the way.” (Ray Bradbury)

#5
JenniferB

JenniferB
  • 2.184 Beiträge
  • Dabei seit 17.01.11

Als aktuelles Beispiel werfe ich mal in den Raum: Charlotte Lucas - Dein perfektes Jahr.

 

Spoiler:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Verlobte der weiblichen Hauptfigur erkennt zu Anfang, dass er totkrank ist und nimmt sich das Leben. Der Protagonist muss sich von den Zwängen seines (dementen) Vaters befreien. Eine Nebenfigur ist Alkoholiker. Eine "richtige" Liebesgeschichte gibt es auch nicht, der Roman ist zu Ende bevor das Verlieben der einen Figur von der anderen erwidert wird.

Das Buch wird dem Cover nach als ziemlich heiterer Roman verkauft - und funktioniert auch als solcher. Es scheint recht erfolgreich zu sein, auch wenn es natürlich Leser gibt, die maulen. Klar geht das.



#6
CorneliaL

CorneliaL
  • 2.603 Beiträge
  • Dabei seit 04.10.09

Na da habe ich ja Hoffnung, dass mein neuer Liebesroman, in dem ein Rollstuhlfahrer vorkommt, vielleicht doch irgendwie ankommt. 

 

Das, was Susanne gesagt hat, unterschreibe ich voll. Es widerstrebt mir sehr, diese heiteren, von allen wirklichen Problemen freien Liebesromane zu produzieren. Klar, wünschen sich das viele LeserInnnen, weil sie in ihrem eigenen Leben schon genug Probleme haben und vielleicht mit einem Buch auch mal entspannen wollen, ohne über die Probleme anderer Leute zu lesen. Aber, wie Susanne schreibt, es gibt da wohl immer diese 2 Gruppen, dem kann man vielleicht nur dadurch entgegenwirken, dass man im Klappentext und/oder Cover auf das Problem hinweist und so die Leser wenigstens nicht in ihren Erwartungen enttäuscht.

 

LG Cornelia



#7
Luise

Luise
  • 1.891 Beiträge
  • Dabei seit 09.11.05

Einer der erfolgreichsten Romane der letzten Jahre war ein "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes. Das ist ein Liebesroman mit den Themen Krankheit (Rollstuhl, Cornelia!), Suizid und ohne Happy End. Er begründete Moyes Karriere und wurde verfilmt. Die Leserinnen lieben ihn.

Es geht also. Die Frage ist für mich deshalb vor allem: Warum geht es einigen Fällen und in vielen anderen nicht? Was haben die einen, was die anderen nicht haben? Ist das nur Glück oder ein Verlag, der etwas mutiger ist als die anderen, oder ist es noch etwas anderes?

 

LG Luise



#8
SusanneL

SusanneL
  • 1.789 Beiträge
  • Dabei seit 14.05.12

Ich glaube, wir müssen Unterhaltungsroman und Liebesroman voneinander unterscheiden.
Im Liebesroman darf man mehr, da darf der Protagonist krank sein, da darf auch jemand sterben.

 



#9
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.415 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

Ich glaube, wir müssen Unterhaltungsroman und Liebesroman voneinander unterscheiden.
Im Liebesroman darf man mehr, da darf der Protagonist krank sein, da darf auch jemand sterben.

 

 

Liebesromane sind doch auch Unterhaltungsromane, genauso wie Krimis, historische Romane, Fantasy, Thriller, und so weiter. Dein Thema scheint eher der lustige Frauenroman zu sein, und was man sich da erlauben sollte oder nicht. Vielleicht ist es nicht mehr so lustig, wenn darin von Alzheimer die Rede ist. Obwohl man auch darin die humorvolle Seite zeigen kann. Gab es nicht kürzlich einen Film in dieser Art?


Bearbeitet von Ulf Schiewe, 03.07.2017 - 08:53,

Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#10
SusanneL

SusanneL
  • 1.789 Beiträge
  • Dabei seit 14.05.12

Huch, ich hab aus Versehen ein paar Sätze gelöscht.

Ich schreibe reine Unterhaltungsromane, natürlich kommt da auch Liebe vor (geht es überhaupt ohne?), aber es dreht sich nicht ausschließlich darum.
Ich glaube, man kann in einen Liebesroman viel mehr Drama und Tragik packen, das wird sogar erwartet, denke ich.
 



#11
DirkH

DirkH
  • 619 Beiträge
  • Dabei seit 29.04.15

Trotz Ulfs eleganter Definition glaube ich nicht, dass man den Unterhaltungsroman in eine Schublade zwängen kann. Ich lese gerade den Zauberberg und finde den Text trotz vieler Kunstgriffe und sensationeller Sprache hochgradig unterhaltsam. Auch da gibt es Handlung, Struktur, Höhen und Tiefen, Figuren, die ein Ziel verfolgen (allerdings eher im Subtext) und ein schlüssiges Ende. Bisweilen geht es sogar recht schaurig zu. Dasselbe gilt für viele Shakespeare-Dramen. Gerade WS ist doch der Spagat geglückt, Tiefgründigkeit mit Spannung zu verbinden.

 

Statt Unterhaltungsroman und Gegenwartsliteratur gegenüberzustellen, wäre etwas anderes nötig. Vielleicht: tiefgründige Unterhaltung versus oberflächliche Unterhaltung?


Sagt Abraham zu Bebraham: Kann ich mal dein Cebraham?


#12
SusanneL

SusanneL
  • 1.789 Beiträge
  • Dabei seit 14.05.12

Damit wäre ich sehr einverstanden, Dirk: tiefgründige Unterhaltung versus oberflächliche Unterhaltung, die "nur" zur Berieselung dient. Nicht falsch verstehen, ich finde, auch die hat ihre Berechtigung!



#13
AndreasG

AndreasG
  • 1.159 Beiträge
  • Dabei seit 16.09.07

Trotz Ulfs eleganter Definition glaube ich nicht, dass man den Unterhaltungsroman in eine Schublade zwängen kann. Ich lese gerade den Zauberberg und finde den Text trotz vieler Kunstgriffe und sensationeller Sprache hochgradig unterhaltsam. Auch da gibt es Handlung, Struktur, Höhen und Tiefen, Figuren, die ein Ziel verfolgen (allerdings eher im Subtext) und ein schlüssiges Ende. Bisweilen geht es sogar recht schaurig zu. Dasselbe gilt für viele Shakespeare-Dramen. Gerade WS ist doch der Spagat geglückt, Tiefgründigkeit mit Spannung zu verbinden.

 

Statt Unterhaltungsroman und Gegenwartsliteratur gegenüberzustellen, wäre etwas anderes nötig. Vielleicht: tiefgründige Unterhaltung versus oberflächliche Unterhaltung?

 

Ich glaube, dass die Bezeichnung Unterhaltungsroman schon passend ist, wenn man sie so versteht, dass damit die Hauptabsicht dieser Art der Literatur benannt wird: den Leser zu unterhalten. Natürlich will auch Thomas Manns "Zauberberg" unterhalten, aber eben und vor allen Dingen etwas anderes: Zeitdiagnose sein, die geistigen Strömungen darstellen und sich damit auseinandersetzen u. a.


"Stirb leise, mein Engel", Jugendthriller, Oetinger Verlag 2014, "Hörst du den Tod?", Jugendthriller, Oetinger Verlag 2014, "Denn morgen sind wir tot", Jugendbuch, Oetinger Verlag 2015, "Bad Boys & Little Bitches", Jugendbuch Oetinger Verlag 2017 und 2018


#14
SusanneL

SusanneL
  • 1.789 Beiträge
  • Dabei seit 14.05.12

Ich nehme mal Maschas Ausgangsfrage und beantworte sie für mich so:
Ein Unterhaltungsroman kann: heiter, spritzig, urkomisch, locker-leicht, romantisch, unbeschwert sein und zur reinen Berieselung dienen.
Er darf: auch ernste Themen aufgreifen, nachdenklich machen, berühren, aufwühlen und niveauvoll sein.
Er soll: unterhalten. 



#15
Christa

Christa
  • 6.124 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

 

Trotz Ulfs eleganter Definition glaube ich nicht, dass man den Unterhaltungsroman in eine Schublade zwängen kann. Ich lese gerade den Zauberberg und finde den Text trotz vieler Kunstgriffe und sensationeller Sprache hochgradig unterhaltsam. Auch da gibt es Handlung, Struktur, Höhen und Tiefen, Figuren, die ein Ziel verfolgen (allerdings eher im Subtext) und ein schlüssiges Ende. Bisweilen geht es sogar recht schaurig zu. Dasselbe gilt für viele Shakespeare-Dramen. Gerade WS ist doch der Spagat geglückt, Tiefgründigkeit mit Spannung zu verbinden.

 

Statt Unterhaltungsroman und Gegenwartsliteratur gegenüberzustellen, wäre etwas anderes nötig. Vielleicht: tiefgründige Unterhaltung versus oberflächliche Unterhaltung?

 

Ich glaube, dass die Bezeichnung Unterhaltungsroman schon passend ist, wenn man sie so versteht, dass damit die Hauptabsicht dieser Art der Literatur benannt wird: den Leser zu unterhalten. Natürlich will auch Thomas Manns "Zauberberg" unterhalten, aber eben und vor allen Dingen etwas anderes: Zeitdiagnose sein, die geistigen Strömungen darstellen und sich damit auseinandersetzen u. a.

 

 

Mir fällt dabei die Aussage unseres früheren Literaturpapstes Reich-Ranicki ein, der mit dem ihm eigenen Pathos sagte: Literatur ist immer Unterhaltung. Ich habe den Zauberberg ebenfalls in guter Erinnerung, starke Szenen und Bilder und manchmal etwas ermüdende kunstvolle seitenlange Beschreibungen. Auch Shakespeares Dramen und Komödien haben mich gut unterhalten. Unterhaltung ist der Definition nach "Zeitvertreib, Belustigung, Erbauung, Zerstreuung", im Duden wird "unterhaltsam" noch als fesselnd beschrieben. Mit der Unterscheidung "tiefgründige Unterhaltung versus oberflächliche Unterhaltung" sowie "Zeitdiagnose und Auseinandersetzung mit den geistigen Strömungen" bin ich ebenfalls einverstanden.

 

Zu den konkreten Inhalten: Da sind einmal die dunkleren Seiten des Lebens, die dargestellt werden wie Krankheit, Schicksalsschläge, Demenz, Autismus und Tod, um nur mal einige Beispiele zu benennen. Sie decken sich mit der Lebenswirklichkeit von Autoren und Lesern. Im Zauberberg setzt sich Thomas Mann auch mit Krankheit und Tod auseinander. Dann gibt es sicher viele Leser und Leserinnen, die mehr berieselt werden und nicht damit konfrontiert werden wollen. Das Beispiel von Jojo Moyes weiter oben zeigt, dass gerade die nachhaltige Art der Auseinandersetzung zu einem sehr großen Erfolg werden kann.

 

Als Beispiel für die mehr berieselnden Unterhaltungsromane fallen mir die vielen Ostsee-und Nordsee-Krimis und Liebesromane ein. Besonders die Krimis deutscher Autoren, die ich in den Buchhandlungen sehe und auch lese, scheinen das Bedürfnis nach Urlaub zu befriedigen. Die beliebtesten Gegenden scheinen neben Ost- und Nordsee das Allgäu, die Provence und die Bretagne zu sein. Aber darüber hinaus gibt es auch in Deutschland kaum einen Ort, der nicht schon Gegenstand eines fiktiven Verbrechens geworden wäre! ;)

 

Was fällt mir noch ein bei der Frage: Was geht und was geht nicht? Genremix scheint ziemlich verpönt zu sein, bestimmte Länder wie China gehen nicht in historischen oder Love-and-Landscape-Romanen, das Ende sollte möglichst gut ausgehen, wogegen ich generell nichts einzuwenden habe. Susannes Definition gefällt mir ebenfalls:

 

Ich nehme mal Maschas Ausgangsfrage und beantworte sie für mich so:
Ein Unterhaltungsroman kann: heiter, spritzig, urkomisch, locker-leicht, romantisch, unbeschwert sein und zur reinen Berieselung dienen.
Er darf: auch ernste Themen aufgreifen, nachdenklich machen, berühren, aufwühlen und niveauvoll sein.
Er soll: unterhalten.

 

Dazu ein weiteres Beispiel: "Das Liebesgedächtnis" von Sybille Knaus, die Geschichte einer Frau, die ihre beginnende Demenz erlebt. Es ist all das, und man legt es mit einem fast erheiterten, zufriedenen Gefühl beiseite.


Bearbeitet von Christa, 03.07.2017 - 10:36,


#16
Wolf

Wolf
  • 110 Beiträge
  • Dabei seit 21.10.08

Ein Unterhaltungsroman soll mich unterhalten. So einfach und platt ist das. Als Leser möchte ich staunen und mich wundern, mich mitfreuen oder mitleiden, wenn mir danach ist, etwas mit anderen Augen sehen, etwas über Dinge erfahren, über die ich noch nichts weiß. Das ist meine generelle Antwort. Und innerhalb dieses Rahmens gibt es ein paar Schwerpunkte meines Interesses. Aber auch die haben sich im Laufe meines Lebens verändert. Und dann ist mir noch aufgefallen, dass ich Autoren lese. Wenn mir einer gefällt, lese ich (fast) alles von ihm. Deshalb kenne ich so viele gute Autoren noch nicht, weil ich so lange bei einem Autor verweile. Also muss meine Unterhaltung auch etwas damit zu tun haben, wie jemand schreibt.

 

Und mein Standpunkt als Autor? Ganz einfach. Ich schreibe meine Geschichten für mich. Ich schreibe, was ich will. Theoretisch. Praktisch schreibe ich bei meinen Romanen aber nur eine ganz spezielle Art von Fantasy. Nur bei Kurzgeschichten sieht es anders aus. Da bin ich breiter aufgestellt.

 

Näher komme ich an die Ausgangsfrage nicht dran. Ich kann nur von mir als Leser oder als Autor eine Antwort geben. Sogenannte Literatur langweilt mich meist. Andererseits ist Alice Munro eine meiner Lieblingsautoren. Also auch wieder da so viele Ausnahmen von der Regel.

 

Liebe Grüße

Wolf



#17
Mascha

Mascha
  • 3.537 Beiträge
  • Dabei seit 30.01.10

Ich finde, Unterhaltungsromane sollen unbedingt auch ernste Themen behandeln, verpackt in eine interessante Geschichte und in einer facettenreichen Sprache vermittelt.

 

Thematisch wie sprachlich anspruchsvoll und zugleich unterhaltsam sein – diese Kombination gibt es im deutschsprachigen Raum kaum noch, im Gegensatz zum 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Thomas Mann wurde erwähnt, ich werfe noch Stefan Zweig dazu, daneben gab es etliche andere). Ich bedaure das sehr.

 

Im englischen Sprachraum wimmelt es dagegen von anspruchsvoller Unterhaltung. Ich würde mir mehr solcher Bücher von deutschen Autoren wünschen. Mein Verdacht: Wir trauen uns zu wenig. Wir sollten wilder sein, mehr Mut zu verrückten Stories haben, die über unseren eigenen Horizont hinausgehen. Wir sind oft zu brav im Bemühen, Identifikationsfiguren für die Leserinnen zu schaffen, indem wir unser eigenes Leben bzw. das der Leser abbilden, nur vielleicht ein bisschen lustiger, dramatischer, ereignisreicher. Ich finde es aber mindestens genauso unterhaltsam, mich mit einer feministischen Astronautin, einem versoffenen Seemann oder einem Fremdenlegionär zu identifizieren. Das sind Welten, die ich noch nicht kenne, in die möchte ich reisen. Nicht nur, aber auch.

 

Natürlich darf und soll es auch die Romane geben, die das ganz normale Leben ganz normaler Menschen ein bisschen bunter darstellen, als es ist. Und alle anderen Arten von Romanen auch. Aber ein Schuss mehr Verrückt- und Wildheit täte dem Unterhaltungsroman ganz gut.



#18
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.415 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

Natürlich darf und soll es auch die Romane geben, die das ganz normale Leben ganz normaler Menschen ein bisschen bunter darstellen, als es ist. Und alle anderen Arten von Romanen auch. Aber ein Schuss mehr Verrückt- und Wildheit täte dem Unterhaltungsroman ganz gut.

 

Das finde ich auch.


Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#19
SusanneL

SusanneL
  • 1.789 Beiträge
  • Dabei seit 14.05.12

Sehr dafür, Mascha!
Wobei sich da wieder die Frage auftut, wie mutig die Verlage sind. Was nützt es uns Autoren, wenn wir ungewöhnliche, verrückte und wilde Ideen haben, und die Verlage bedauernd mit den Schultern zucken ...



#20
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.415 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

Sehr dafür, Mascha!
Wobei sich da wieder die Frage auftut, wie mutig die Verlage sind. Was nützt es uns Autoren, wenn wir ungewöhnliche, verrückte und wilde Ideen haben, und die Verlage bedauernd mit den Schultern zucken ...

 

 

Also, ich weiß nicht, ob man das so pauschal sagen kann. Ich habe in letzter Zeit einen klassischen HR, den ich gerne gemacht hätte, nicht unterkriegen können, dagegen aber für drei Projekte, die ungewöhnlich sind, sofort gute Verträge bekommen. Das erste erscheint jetzt im Herbst, die Lebensgeschichte eines Wikingerkönigs in drei Bänden. Das wurde nicht nur als Paket eingekauft und nicht in vorsichtigen Scheibchen, sondern es kommt sogar in einem Rutsch (mit zweimonatigem Abstand) auf den Markt. Das war doch schon eine mutige Verlagsentscheidung. Und im Augenblick arbeite ich zwei weiteren sehr ungewöhnlichen Projekten, die ebenfalls problemlos eingekauft wurden.

 

Ich glaube, das ist ein bisschen wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei.


Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de