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die Männer verstehen


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18 Antworten zu diesem Thema

#1
SabineB

SabineB
  • 1.132 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14

Liebe Montis,

 

bei folgender Schreibweise bin ich unsicher und Duden weiß es auch nicht (bzw. bin ich vermutlich zu blöd, die richtige Frage zu stellen).

 

"Welchen Rat soll dir deine große, männerverstehende Schwester denn geben?"

 

oder

 

"Welchen Rat soll dir deine große, Männer verstehende Schwester denn geben?"

Oder ganz anders?

Danke für Eure Hilfe

 

Sabine



#2
Margot

Margot
  • 1.848 Beiträge
  • Dabei seit 10.09.10

Liebe Sabine

 

Der Satz ist im Grunde falsch, denn es gibt keine Frauen, die Männer verstehen. 8-)

 

Scherz beiseite: Ich würde Variante zwei bevorzugen, analog "Sprachen verstehend": http://www.duden.de/...ng/sprachkundig

 

Aber ich bin kein Profi, gell.

Gruss

Margot



#3
GesineS

GesineS
  • 369 Beiträge
  • Dabei seit 13.05.13

 

"Welchen Rat soll dir deine große, männerverstehende Schwester denn geben?"

 

oder

 

"Welchen Rat soll dir deine große, Männer verstehende Schwester denn geben?"
 

 

Zusammengeschrieben gefällt es mir besser, doch ich vermute, dass die zweite Schreibweise nach heutigem Usus oder gar neuen Regeln korrekt/er ist.

 

Wie wäre es denn mit "deine große Schwester und Männerversteherin" oder etwas in der Art?



#4
Olaf

Olaf
  • 200 Beiträge
  • Dabei seit 19.07.16

Nach Regel 54 auf der Seite hinter dem folgenden Link müssen die Männer vom Verstand getrennt abgehandelt werden:

http://www.duden.de/...ammenschreibung

 

Außerdem sollte man Männer und Verstand niemals in einem Satz erwähnen - das führt zwangsläufig zu Missverständnissen. Und irgendwie verstehe ich das selbst nicht mehr. :o >:( ;D ;)


Bearbeitet von Olaf, 10.07.2017 - 07:37,

Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#5
Manfred

Manfred
  • 178 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

Danke für den Hinweis, Olaf. Abgesehen von der Trennung kommt ja noch das Verblassen hinzu. 

 

In Regel 54 heisst es ja:

 

Regel 54:

Ist der erste Bestandteil ein [nicht verblasstes] Substantiv, schreibt man in den meisten Fällen getrennt. Ist das Substantiv verblasst oder hat es in Verbindung mit dem Verb seine Eigenständigkeit verloren, schreibt man zusammen <§ 34 (3)>.

 
Und wenn der Mann nun verblasst ist, was dann? Hat er dann seine Eigenständigkeit verloren?


#6
SabineB

SabineB
  • 1.132 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14

Vielen Dank, ich blicke jetzt durch (oder nicht?)

 

Sabine



#7
Tom Liehr

Tom Liehr
  • 621 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

Zum Glück praktizieren die meisten Verlage relativ umfassende Toleranz bezüglich der Anwendung solcher weichen Rechtschreibregeln. Und manch ein Verlag lässt sogar härtere Fälle durchgehen. Einer meiner Helden, Frank Schulz, schreibt unbeirrt nach den älteren, vor allem aber nach ganz eigenen Regeln. Ich würde mir auch nicht verbieten lassen, monströse Adjektive zu basteln, die über mehrere Zeilen reichen, weil ich das liebe - und weil es zu meiner Art zu schreiben gehört, ständig Neologismen zu bilden. Davon abgesehen gibt es nach meinem Dafürhalten einen dezenten semantischen Unterschied zwischen "Männer verstehend" und "männerverstehend". Das eine hört sich konkreter an, dabei scheint es um konkretere Männer zu gehen - oder wenigstens konkret die Männer. In der anderen Variante geht es mehr um eine Eigenschaft. Die sich nicht notwendigerweise nur auf Männer (als Objekte) bezieht. Genau das meint man meistens auch.

 

Anyway, beides ist leider richtig. Leider, weil die Getrenntschreibung in meinen Augen totaler Bullshit ist. Was die meisten Lektoren glücklicherweise auch so sehen.

 

Herzlich,

Tom


Website · Facebook · Oktober 2016: "Landeier" (Rowohlt)


#8
Angelika Jo

Angelika Jo
  • 2.839 Beiträge
  • Dabei seit 03.07.07

Na ja, da zieht das, was Manfred schon mit "verblassten Substantiven (oder Nomen)" benannt hat. So hat sich seinerzeit etwa der – für viele verwirrende – Unterschied zwischen radfahren und Auto fahren geltend gemacht. Das mit dem Rad gabs halt schon so lange, das erschien so selbstverständlich, dass die Vorstellung eines konkreten Rades aus dem Bewusstsein der Sprecher getilgt war. rad- aus radfahren war zu so etwas wie einer trennbaren Vorsilbe degradiert: einkaufen, umziehen, radfahren. Das Auto dagegen war eine prachtvolle Neuheit im Leben der (deutschen) Menschen und durfte so seine nominale Herrlichkeit behalten: Hey, Leute, ich fahre ein Auto!

 

Der Unterschied hatte also seinen Sinn. Aber wie schwer war es, das begreiflich zu machen! Für eine russische Linguistin waren solch etymologische Scherze natürlich ein Schmankerl, nicht aber für den Maschinenbauer aus Neuseeland. Ich glaube, den allermeisten Menschen erschien es einfach als Widerspruch: Auto groß, Rad klein – hää?

 

Die Rechtschreibreform hat auf dieses Empfinden reagiert und die Empfehlung ausgesprochen, eher wieder getrennt und dabei die Nomen groß zu schreiben. Und damit schon wieder viel Wirrwarr angerichtet. Ich bin nicht die Einzige, die über die vielen hier mit dem Bad ausgeschütteten Kinder nicht glücklich ist. Man muss sich aber nicht an die neuen Regeln halten, solange man kein regierungsamtliches Organ ist – dies die gute Nachricht.

 

Angelika


Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de


#9
Olaf

Olaf
  • 200 Beiträge
  • Dabei seit 19.07.16

Man muss sich aber nicht an die neuen Regeln halten, solange man kein regierungsamtliches Organ ist – dies die gute Nachricht.

 

Na, ich weiß nicht, ob das wirklich eine gute Nachricht ist. Mit dem Argument treten viele Leute, die einfach zu faul sind, richtige Rechtschreibung zu lernen, großspurig auf und überlassen dem Leser das Problem, aus ihrem Buchstabenkauderwelsch einen Sinn zu extrahieren.

 

Ich würde mich freuen, wenn sich jeder so fit in der Rechtschreibung macht, wie sie/er es eben schafft. Und wenn jemand dann aus Übermut oder künstlerischem Sinn heraus mit den Wörtern jongliert, wie Tom es beschreibt, dann kann man als Leser seinen Spaß dran haben. Es ist bloß eben ein Unterschied, ob man gekonnt mit Tellern jongliert oder sie tollpatschig fallen lässt.


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#10
SabineB

SabineB
  • 1.132 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14

 

Man muss sich aber nicht an die neuen Regeln halten, solange man kein regierungsamtliches Organ ist – dies die gute Nachricht.

 

Na, ich weiß nicht, ob das wirklich eine gute Nachricht ist. Mit dem Argument treten viele Leute, die einfach zu faul sind, richtige Rechtschreibung zu lernen, großspurig auf und überlassen dem Leser das Problem, aus ihrem Buchstabenkauderwelsch einen Sinn zu extrahieren.

 

Ich würde mich freuen, wenn sich jeder so fit in der Rechtschreibung macht, wie sie/er es eben schafft. Und wenn jemand dann aus Übermut oder künstlerischem Sinn heraus mit den Wörtern jongliert, wie Tom es beschreibt, dann kann man als Leser seinen Spaß dran haben. Es ist bloß eben ein Unterschied, ob man gekonnt mit Tellern jongliert oder sie tollpatschig fallen lässt.

 

Würde ich unterschreiben.



#11
Angelika Jo

Angelika Jo
  • 2.839 Beiträge
  • Dabei seit 03.07.07

Olaf, man muss sich nicht an die Neuerungen seit der Reform halten.

Daß heist niecht, das mann jezt schrieben sohl. wei mann luustig is.


Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de


#12
Olaf

Olaf
  • 200 Beiträge
  • Dabei seit 19.07.16

Ah, Angelika "schonkliert" auch mit Worten ;) :s01 


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#13
Tom Liehr

Tom Liehr
  • 621 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

Das ist schon eine originelle Unterstellung, man lehne sie ab, weil man einfach zu faul wäre, die neue Rechtschreibung zu lernen. Ich halte die Sorge auch für unbegründet, dass einfach beim Leser alles ankommt, was man so lernfaul daherkauderwelscht, weil mindestens bei Verlagsautoren ja noch Lektorat und Korrektorat zwischen Ursprungstext und Lesern stehen. Insofern diese Leute etwas durchgehen lassen bzw. korrigieren, das so hanebüchen ist, dass sogar die Gefahr besteht, dass es die Leser verdummt. Ich glaube zudem, dass diese Gefahr eher inhaltlicher Natur ist. So manch eine Promi-Autobiografie, so manch ein Ratgeber, so manch ein sehr leichter Roman hat da möglicherweise größeres Verdummungspotential. Achtung. "Potential" war hier nicht falsch geschrieben, weil "Potenzial" ja nicht die korrekte, sondern die alternative Schreibweise ist. Was zumindest in meinen Augen die sehr viel größere Irritation generiert. Kann-Regeln gab es auch vor NDR in ihren verschiedenen Versionen, aber jetzt gibt es sie aus purer Hilflosigkeit. ;) (Beziehungsweise, weil die Reformbemühungen von Anfang an keine besonders gute Idee waren. Am Ende wird nur der sinnvolle Verzicht auf das ß in bestimmten Wörtern überleben.)

 

Herzlich,

Tom


Bearbeitet von Tom Liehr, 14.07.2017 - 08:42,

Website · Facebook · Oktober 2016: "Landeier" (Rowohlt)


#14
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.394 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08
Ich fürchte, Tom hat recht. Ich war im Grunde nicht gegen die Reformen. Aber inzwischen bin ich völlig verwirrt, da ist die neue Rechtschreibung, die Verlagsliste für manche Wörter, die Vorstellung der Lektorin und mein eigenes Sprachgefühl. Alles ein lustiger Kuddelmuddel, in dem ich versuche, den vernünftigsten Weg zu finden. Und meist einigen wir uns beim Altbewertem. :)

Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#15
AstridV

AstridV
  • 1.870 Beiträge
  • Dabei seit 05.12.05

Um noch was zum Thema zu sagen: ich würde "männerverstehende große Schwester" schreiben. :)


Meine Homepage

 

Rabenzeit 1 gibt's als E-book bei Amazon, für den Tolino bei diversen Onlinehändlern und als gedrucktes Buch bei mir. :)


#16
Helene

Helene
  • 1.604 Beiträge
  • Dabei seit 21.08.06

Olaf, man muss sich nicht an die Neuerungen seit der Reform halten.

Daß heist niecht, das mann jezt schrieben sohl. wei mann luustig is.

 

Das beruhigt, Angelika! ;) Jetzt bin ich auch wieder von meinem "Schwarm weihrauchkesselschwenkender Novizen" überzeugt. :D Im dazugehörigen Kontext fand ich den "Schwarm Weihrauchkessel schwenkender Novizen" nämlich ziemlich langweilig. :D


Helene Luise Köppel LESEN hält wach - garantiert! Aktuelle Romane: "Die Sache des Fuchses"; "Blut.Rote.Rosen", "Talmi", "Salamandra", NEU Juli 2017: "Béatris"

                                         

                                 


#17
SabineB

SabineB
  • 1.132 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14

Um noch was zum Thema zu sagen: ich würde "männerverstehende große Schwester" schreiben. :)

 

Ja, stimmt, das klingt logischer.

Vielen Dank, Astrid.

 

Einen schönen Sonntag allerseits

Sabine



#18
AndreasE

AndreasE
  • 1.845 Beiträge
  • Dabei seit 01.04.07

Ich würde auch "männerverstehende große Schwester" schreiben.

 

Wobei meine persönliche Rechtschreibung schon immer zwischen der alten und der reformierten Fassung lag, und zwar schon vor der Reform (bin halt ein zukunftsorientierter Mensch ("Zukunfts orientiert"? Nee!)).

 

Und ich finde ebenfalls, dass Zusammen- und Getrenntschreibung Unterschiede transportieren. Das prägnanteste Beispiel ist für mich, dass "ein vielversprecher junger Mann" nicht notwendigerweise dasselbe ist wie "ein viel versprechender junger Mann".



#19
Christa

Christa
  • 6.024 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

 

Olaf, man muss sich nicht an die Neuerungen seit der Reform halten.

Daß heist niecht, das mann jezt schrieben sohl. wei mann luustig is.

 

Das beruhigt, Angelika! ;) Jetzt bin ich auch wieder von meinem "Schwarm weihrauchkesselschwenkender Novizen" überzeugt. :D Im dazugehörigen Kontext fand ich den "Schwarm Weihrauchkessel schwenkender Novizen" nämlich ziemlich langweilig. :D

 

 

Diese Großschreibung kann sehr verwirrend sein. Bei deinem Beispiel, Helene, lese ich beim ersten Hinsehen: "Ein Schwarm Weihrauchkessel schwenkte Novizen" ;D Heute las ich in meiner Zeitung: "Mächtige Felsen, Moos behangene Bäume und schmale Pfade" - da blieb ich dran hängen. Äh - was macht das Moos mit den Bäumen?