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Wie viele Protagonisten darf man den LeserInnen zumuten?


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24 Antworten zu diesem Thema

#21
Frau Klein

Frau Klein
  • 299 Beiträge
  • Dabei seit 08.02.13

Also vier auf einmal finde ich - für mich als private Leserin -  im Rahmen (auch fünf, sechs, wenn es erklärbar bleibt)

Ich habe gerade zwei Romane im Lektorat, in denen es jeweils von neuen Personen wimmelt (sind beides thematische Fortsetzungen) ... Teilweise werden da bis zu 15 Personen oder Namen eingeworfen, von denen der Autor/In erwartet, dass der Leser/In diese Namen irgendwie zuordnen kann. 

Dass kann schon mal Kopfschmerzen bereiten (tut es auch) (obwohl ich die Vorgänger kenne). Mir persönlich ist das zu viel und ich würde es privat nicht lesen wollen, aber (!) ... die Leser/Innen dieses Genres (zwei verschiedene) haben nichts dagegen und sind begierig darauf die neuen Charaktere kennenzulernen ... also: Alles kann, nix muss ... 



#22
Christa

Christa
  • 6.288 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Also vier auf einmal finde ich - für mich als private Leserin -  im Rahmen (auch fünf, sechs, wenn es erklärbar bleibt)

Ich habe gerade zwei Romane im Lektorat, in denen es jeweils von neuen Personen wimmelt (sind beides thematische Fortsetzungen) ... Teilweise werden da bis zu 15 Personen oder Namen eingeworfen, von denen der Autor/In erwartet, dass der Leser/In diese Namen irgendwie zuordnen kann. 

Dass kann schon mal Kopfschmerzen bereiten (tut es auch) (obwohl ich die Vorgänger kenne). Mir persönlich ist das zu viel und ich würde es privat nicht lesen wollen, aber (!) ... die Leser/Innen dieses Genres (zwei verschiedene) haben nichts dagegen und sind begierig darauf die neuen Charaktere kennenzulernen ... also: Alles kann, nix muss ..

 

Beim Lesen eines Romans über die 20er und 30er Jahre dachte ich gerade auch, vier Personen sind

gerade richtig. Der Roman ist sprachgewaltig und bildreich, ohne Zweifel. Aber auf den ersten 50 Seiten wurden nicht nur die vier Perspektivträgerinnen, sondern auch deren Eltern, Geschwister, Freunde, Bedienstete, künftige Ehemänner, Vorgesetzte, Kolleginnen und Werdegänge eingeführt, sodass ich mich auch auf Seite 160 und 200 noch dauernd fragen musste, wer denn wer ist. Zumal es mal um die Vor-, dann um die Nachnamen, manchmal auch um die Berufe geht. Das Buch wird durch die vielen Perspektiven verwässert, ein übergreifender Spannungsbogen oder wirkliche Vertiefung einzelner Perspektiven ist nicht möglich. Und so habe ich es erst einmal erschöpft beiseite gelegt. Man kann Leser auch überfordern. Aber möglich, dass manche das so haben wollen.
 


Bearbeitet von Christa, 20.08.2017 - 08:58,


#23
AngelikaL - Laura Albers

AngelikaL - Laura Albers
  • 1.292 Beiträge
  • Dabei seit 07.06.07

 

Also vier auf einmal finde ich - für mich als private Leserin -  im Rahmen (auch fünf, sechs, wenn es erklärbar bleibt)

Ich habe gerade zwei Romane im Lektorat, in denen es jeweils von neuen Personen wimmelt (sind beides thematische Fortsetzungen) ... Teilweise werden da bis zu 15 Personen oder Namen eingeworfen, von denen der Autor/In erwartet, dass der Leser/In diese Namen irgendwie zuordnen kann. 

Dass kann schon mal Kopfschmerzen bereiten (tut es auch) (obwohl ich die Vorgänger kenne). Mir persönlich ist das zu viel und ich würde es privat nicht lesen wollen, aber (!) ... die Leser/Innen dieses Genres (zwei verschiedene) haben nichts dagegen und sind begierig darauf die neuen Charaktere kennenzulernen ... also: Alles kann, nix muss ..

 

Beim Lesen eines Romans über die 20er und 30er Jahre dachte ich gerade auch, vier Personen sind

gerade richtig. Der Roman ist sprachgewaltig und bildreich, ohne Zweifel. Aber auf den ersten 50 Seiten wurden nicht nur die vier Perspektivträgerinnen, sondern auch deren Eltern, Geschwister, Freunde, Bedienstete, künftige Ehemänner, Vorgesetzte, Kolleginnen und Werdegänge eingeführt, sodass ich mich auch auf Seite 160 und 200 noch dauernd fragen musste, wer denn wer ist. Zumal es mal um die Vor-, dann um die Nachnamen, manchmal auch um die Berufe geht. Das Buch wird durch die vielen Perspektiven verwässert, ein übergreifender Spannungsbogen oder wirkliche Vertiefung einzelner Perspektiven ist nicht möglich. Und so habe ich es erst einmal erschöpft beiseite gelegt. Man kann Leser auch überfordern. Aber möglich, dass manche das so haben wollen.
 

 

Christa, du meint, in dem Buch haben all diese Personen auch noch eigene Perspektiven? Das wäre mir definitiv zu viel. Auch die pure Anzahl wäre für mich ein Problem.


Ihr müsst wissen, auf der ganzen Welt leben Fabelwesen. (Phantanimal: Die Suche nach dem Magischen Buch 2015)

Mama, wer ist eigentlich älter? Du oder die Oma? (Schüssel mit Sprung 2014)

http://www.angelikalauriel.de https://www.facebook....Autorin?ref=hl


#24
AngelikaL - Laura Albers

AngelikaL - Laura Albers
  • 1.292 Beiträge
  • Dabei seit 07.06.07

In der von Dir beschriebenen Szene, Angelika, geht es mit den vier Frauen. Aber wenn es darum geht, vier Personen gleichzeitig einzuführen, dann streike ich als Leser. Nie mehr als eine neue Person - oder als Ausnahme zwei Personen, die ihren ersten Eindruck durch ein Streitgespräch hinterlassen. Mehr vertrage ich nicht. Aber wenn zwei Deiner Figuren bereits bekannt sind, ist es it den anderen machbar.

 

Noch eine Klugscheißerbemerkung am Rande. Für mich gibt es immer nur einen Protagonisten, zwei sind für mich bereits ein Widerspruch in sich. Aber ich gehöre zu denen, die zwischen dem Protagonisten und Hauptfiguren unterscheiden. Und das kann man auch anders sehen (Klugscheißermodus aus).

 

Ich meine, mach einfach mal. Dann wirst du es schon sehen, ob Du es packst. Grundsätzlich halte ich es für möglich, erfolgreich umzusetzen, was Du dir vorgenommen hast.

Viel Erfolg

Wolf

 

Edit: @ Christa

Ich halte äußere Merkmale für wenig geeignet, Personen zu unterscheiden. Bei mir als Leser habe ich die bereits wieder vergessen, wenn der Satz zu Ende ist, weil sich mein Kopf immer seine eigenen Bilder herstellt. Aber Verhalten und Standpunkt und Entscheidungen, alles das, was deutlich plotverbunden ist, das bleibt sitzen wie festgehakt. Aber bestimmt gibt es auch andere Lesr als mich.

Danke fürs "Klugscheißen", du hast recht!

Das Problem mit den Personen hatte übrigens nicht ich, sondern ich fragte mich, ob es für die LeserInnen zu viele sein könnten. Sind es aber nicht. Mittlerweile habe ich Testleserrückmeldungen bekommen. Jetzt hängt das Manuskript ein bisschen ab, und schon im Oktober geht es ins Lektorat. Insofern - nein, ich stelle keine Teile daraus in die Textkritiken. ;-)

Was die Zahl der Perspektiven angeht: Im gesamten Roman (es ist eine Novelle) sind es drei, und die oben erwähnte Szene wird aus der Sicht EINER Person erzählt. Sie werden auch mehr durch Eigenheiten eingeführt als durch Äußeres.

 

Und ja, was auch richtig ist: Zwei der Personen sind aus dem Vorgängerroman bekannt, eine von ihnen war dort die Protagonistin und alleinige Perspektivträgerin, die zweite war die beste Freundin.


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#25
AngelikaL - Laura Albers

AngelikaL - Laura Albers
  • 1.292 Beiträge
  • Dabei seit 07.06.07

Bei meinem Psychothriller gibt es einen Erzähler, der quasi Regie führt, aber am Anfang und am Ende des Romans ins Geschehen eingreift, und vier Reisende, die sich bislang nur aus dem Internet kennen. Sie treffen erstmals in einem Hotel in Frankreich aufeinander. Und damit begann auch mein Problem: Wie sollte ich es anstellen, möglichst schnell jeder Person ein unverwechselbares Gesicht zu geben, ohne allzu früh persönliche Geheimnisse zu verraten.

Ich bin dann folgendermaßen vorgegangen:

Person 1 bekam die erste Perspektive: Sie grübelt im Zug über ihr Leben nach, lernt dann am Bahnhof Person 2 kennen, macht sich Bild von ihr, versucht sie einzuschätzen und das, was sie von ihr im Internet weiß, mit ihrem Live-Auftritt in Einklang zu bringen. (Was natürlich nicht gelingt.  ;)

Im Hotel treffen nach und nach die anderen Internetfreunde ein, doch noch immer hat Person 1 die Perspektive.

Erst am nächsten Morgen (und dann auch in den folgenden Tagen) wechseln die Perspektiven. Auf der gemeinsamen Reise diskutieren die Reisenden ständig miteinander ( manchmal zu zweit, zu dritt, zu viert) – und dadurch bekommt auch Person 1 (je nach Einschätzung der anderen), verschiedene Gesichter. Person 1 bekommt die Chance, ihre ersten Eindrücke zu revidieren oder zu verfestigen. Wer nun wie tatsächlich tickt, erfährt der Leser natürlich erst zum Schluss.

 

Das alles auf die Reihe zu bekommen, war nicht leicht, aber es hat unheimlich viel Spaß gemacht.

 

Mein Rat, wenn es um mehrere Personen geht: Die Perspektiven wechseln, wenn das geht, und nicht zu früh festlegen, ausprobieren!

 

LG

Helene

Das deckt sich mit meiner Herangehensweise, auch wenn meines kein "großer" Roman ist, sondern eine Novelle. Aber die erste Szene ist ausschließlich aus der Perspektive der neu eingeführten Protagonistin erzählt. Sie kennt eine der drei Frauen, auf die sie in diesem ersten Kapitel trifft, von den beiden anderen hat sie schon gehört und kann sie deshalb auch auf Anhieb benennen. (À la "Die große Blonde musste Greta sein.")

Die Erzählperspektive wechselt erst im zweiten Kapitel zu einer der anderen Hauptfiguren, über die man durch die Wahrnehmungen der Prota bereits mehr erfahren hat.


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