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Von der Faszination des Nationalsozialismus - kann man das beschreiben?


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11 Antworten zu diesem Thema

#1
hpr

hpr
  • 7.189 Beiträge
  • Dabei seit 14.03.06

"Wäre es nicht an der Zeit, sich endlich den Tatsachen zu stellen, und den Versuch zu wagen, die Menschen, die dem Naziregime auf die eine oder andere Art gedient haben, zu verstehen?"
Peter Hakenjos stellt fest, dass in Romanen höchst selten gefragt wird, warum Menschen den Nazis gefolgt sind? Liebevolle Familienväter, höchst normale Menschen, nie einen Hund treten würden, aber einer Ideologie folgten, die wir heute als zutiefst böse erleben.
Und das gilt nicht nur für die Nazis damals. In Zeiten der Dschihadisten, der Neonazis, der Populistischen Parteien stellt sich die Frage wieder.
Kann man Anhänger der Nazis schildern, ohne dass man die Verbrechen relativiert? Zeigen, wie verführerisch das Böse sein kann? Warum ihm soviele Menschen folgen? Erdogan steht nicht alleine, Putin und Trump haben auch ihre Anhänger und die sind nicht alle Monster.
Eine spannende Aufgabe für Autorinnen und Autoren.

http://www.literatur...wsletter 170818



#2
MelanieM

MelanieM
  • 11.816 Beiträge
  • Dabei seit 09.01.07

Interessanter Artikel, wobei ich glaube, es gibt ein großes Problem in Deutschland, wenn man sich dieser Thematik im Roman annehmen will - die Furcht der Verlage, fälschlich in der "rechten Ecke" zu landen. Es fehlt derzeit noch der Mut, auf die Leser zu vertrauen, um eine Geschichte wertfrei für sich wirken zu lassen. Zu schnell ist man noch immer mit "Erklärungen" bei der Hand, die sofort schwarz-weiß-plakativ zeigen müssen, warum derjenige "böse" ist, anstatt ihn für sich wirken zu lassen. Das wiederum führt dazu, dass Leser sich bevormundet fühlen und dann die Finger von so einem Buch lassen oder sich hinterher ärgern, dass man ihnen nicht zutraut, selbst ihre richtigen Schlüsse zu ziehen. 

 

Dabei bemerke ich gerade, wie dankbar Leser sind, wenn ihnen eben nicht gleich die fertige Bewertung um die Ohren gehauen wird, sondern sie es selbst "miterleben" können, wie das Unfassbare sich immer mehr ins Leben einschleicht. Ich habe mich ja gerade mit der Thematik der Euthanasie im 3. Reich befasst und absichtlich auf starke, effekthaschende Bilder verzichtet, ebenso auf eine starke Moralkeule, sondern von Anfang an versucht, das Dilemma von ganz normalen Menschen zu zeigen, die in meinem Fall allerdings Gegner der nationalsozialistischen Ideologie sind. Wenn man bedenkt, dass nur ein Drittel der Wähler damals Hitler tatsächlich wählte und zweimal Neuwahlen 1932/1933 notwendig waren, bis überhaupt eine Koalition zustande kam und Hindenburg bereit war, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen, bekommt das auch schon wieder einen ganz anderen Beigeschmack - es haben weniger Deutsche Hitler gewählt als Türken Erdogan oder Amerikaner Trump - wobei ich das natürlich nicht vergleichen will. Wie sich Erdogan und Trump entwickeln werden, wird die Geschichte noch zeigen und echte Vergleiche kann man ohnehin immer erst im Nachhinein ziehen.  

 

Spannend ist doch vor allem, wie geschickt die Nazis die Situation dann ausnutzten und es schafften, ein System zu schaffen, das in einer Mischung aus Furcht und Faszination funktionierte. Wer nicht zu den Verfolgten gehörte, dem ging es zunächst besser. Und die Verfolgten wurde so schrittweise entrechtet, dass die meisten erst aufbegehrten, als es bereits zu spät war, weil sie sich einfach nicht vorstellen konnten, was noch passieren würde. Denn eines wird in der Betrachtung aus unserer Perspektive immer gern vergessen: Die Menschen wussten 1933 nicht, was noch passieren würde. Ganz egal, was Hitler in "Mein Kampf" geschrieben hat, niemand bei klarem Verstand hätte sich 1933 ernsthaft vorstellen können, dass Menschen gezielt getötet und in Vernichtungslager transportiert werden. Auch das war ein schrittweiser Prozess, der in seiner konkreten Form - wie heutige Historiker meinen - erst passieren konnte, als die Gefüge der Welt durch den Krieg bereits aufgelöst waren. Gezielte Tötungen, die mit dem Mord an Kranken begannen, sind ab 1940 belegt, etwas später begann auch die Ermordung all der Menschen, die als rassisch minderwertig betrachtet wurden.

 

Und ja, es ist ein spannendes Thema, es ist ein Thema, das die Menschen bewegt. Und die Menschen wären auch intelligent genug, es richtig zu verstehen, gerade die Faszination. Aber vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte haben sowohl Verlage als auch viele Autoren m.E. Angst davor, sich dem Risiko auszusetzen, einen deutschen Autor an dieses Thema zu lassen - aus lauter Furcht, man könne sie - wenn nicht sofort gebetsmühlenartig im Roman wiederholt wird, dass das böse ist, anstatt die Geschichte für sich selbst wirken zu lassen - in die rechte Ecke stellen. Dann ist man schnell mit der Unterstellung bei der Hand, dass der, der sich der Faszination im Roman hingibt, selbst derartiges Gedankengut hegt. Und das ist natürlich falsch. Natürlich muss man sich empathisch in Menschen oder Romanfiguren hineinversetzen, um sie glaubhaft darzustellen, aber das bedeutet ja nicht, dass man ihre Handlungen aus der Betrachterperspektive gutheißt. Nur werden diese Figuren - wenn sie denn gut gezeichnet sind - ein Eigenleben entwickeln. Und es wird immer Leser geben, die sie verabscheuen oder die sie bewundern. Und Verlage und Autoren haben m.E. davor Angst, dass eine Figur zu sehr "bewundert" werden könnte, wenn sie eigentlich für "Das Böse" steht. 

 

Einen eleganten Kniff wählte Timur Vermes in "Er ist wieder da", indem er seinen Hitler in der Neuzeit das Buch in Ich-Perspektive erzählen ließ. Damit blieb es subjektiv der Hitler. Trotzdem meinten viele, es sei gut, dass der Autor zur Hälfte Ungar sei, weil ein Deutscher so etwas nicht hätte schreiben dürfen. Was natürlich auch eine bemerkenswerte Sichtweise ist - warum darf ein Mensch, der einen ungarischen Elternteil neben dem deutschen Elternteil hat, so etwas schreiben, aber einer, der nur deutsche Eltern hat, nicht? 

 

Aber m.E. wird die Zeit langsam reif dafür, denn man kann sich mit den Ursachen nur auseinandersetzen, wenn man den Mut hat, neugierig und offen an so ein Thema als Autor heranzugehen.  



#3
Christa

Christa
  • 6.124 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05
Aber m.E. wird die Zeit langsam reif dafür, denn man kann sich mit den Ursachen nur auseinandersetzen, wenn man den Mut hat, neugierig und offen an so ein Thema als Autor heranzugehen. 

Bruno Ganz wurde übrigens als Hitlerdarsteller ebenfalls vorgeworfen, er hätte ihn "zu sympathisch"

dargestellt. Mich interessiert diese Zeit auch sehr, und in deinem Buch und in anderen Büchern, die ich lese oder gelesen habe, finde ich schon bemerkenswerte Ansätze.



#4
Helene

Helene
  • 1.621 Beiträge
  • Dabei seit 21.08.06

Als ich es vor fünf Jahren wagte, dieses heiße Eisen anzupacken – bei mir ist es Eva B., die in der Ich-Perspektive erzählt (allerdings eingebettet in eine Gegenwartshandlung) –, musste ich mir ebenfalls sagen lassen, dass eine "deutsche" Autorin tunlichst keinen "Roman" über das Dritte Reich schreiben sollte. Als Nachkriegskind und persönlich politisch links angesiedelt, war ich zuerst über diese Aussage geschockt. Der Roman erschien dann 2013 in Eigenregie. Interessanterweise haben sich zum Zeitpunkt des Erscheinens über 11 000 Personen meine Roman-Ankündigung auf meiner Website angesehen, zehnmal mehr, als bei meinen anderen Ankündigungen. Interesse scheint also da zu sein. Augenzwinkernd: Vielleicht wäre mein Roman damals mit einem ausländischen Pseudonym ein Bestseller geworden! ;D)

 

LG

Helene


Bearbeitet von Helene, 21.08.2017 - 13:35,

Helene Luise Köppel LESEN hält wach - garantiert! Aktuelle Romane: "Die Sache des Fuchses"; "Blut.Rote.Rosen", "Talmi", "Salamandra", NEU Juli 2017: "Béatris"

                                         

                                 


#5
Christa

Christa
  • 6.124 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Als ich es vor fünf Jahren wagte, dieses heiße Eisen anzupacken – bei mir ist es Eva B., die in der Ich-Perspektive erzählt (allerdings eingebettet in eine Gegenwartshandlung) –, musste ich mir ebenfalls sagen lassen, dass eine "deutsche" Autorin tunlichst keinen "Roman" über das Dritte Reich schreiben sollte. Als Nachkriegskind und persönlich politisch links angesiedelt, war ich zuerst über diese Aussage geschockt. Der Roman erschien dann 2013 in Eigenregie. Interessanterweise haben sich zum Zeitpunkt des Erscheinens über 11 000 Personen meine Roman-Ankündigung auf meiner Website angesehen, zehnmal mehr, als bei meinen anderen Ankündigungen. Interesse scheint also da zu sein. Augenzwinkernd: Vielleicht wäre mein Roman damals mit einem ausländischen Pseudonym ein Bestseller geworden! ;D)

 

Da du den Bestseller ansprichst, Helene: Ich lese gerade das Buch einer Deutschen über die Weimarer Zeit und das Dritte Reich, das seit acht Wochen auf der Bestsellerliste steht: Töchter einer neuen Zeit. Da wird auch geschildert, wie sich der braune Sumpf ganz allmählich einschleicht. Ich selbst bin ebenfalls Nachkriegskind mit einem Großvater, der vor den Nazis nach Amsterdam geflüchtet ist - und habe ebenfalls einen Roman über einen Aspekt des Dritten Reiches geschrieben. Da hieß es aber nicht: "Eine  deutsche Autorin sollte keinen Roman über das Dritte Reich schreiben", sondern: Diese Zeit sei zu weit entfernt von heutigen Leserinnen.

 

Mich persönlich würde es sehr interessieren, wie viele Leute damals zu Mitläufern wurden und wie viele so "böse" wurden, wie sie waren. Als Jugendliche hatte ich mich schon gefragt, wie ich selbst wohl in der Zeit gelebt hätte, angesichts von Todesgefahr bei Widerstand.

 

LG

Christa
 



#6
Helene

Helene
  • 1.621 Beiträge
  • Dabei seit 21.08.06

 

Als ich es vor fünf Jahren wagte, dieses heiße Eisen anzupacken – bei mir ist es Eva B., die in der Ich-Perspektive erzählt (allerdings eingebettet in eine Gegenwartshandlung) –, musste ich mir ebenfalls sagen lassen, dass eine "deutsche" Autorin tunlichst keinen "Roman" über das Dritte Reich schreiben sollte. Als Nachkriegskind und persönlich politisch links angesiedelt, war ich zuerst über diese Aussage geschockt. Der Roman erschien dann 2013 in Eigenregie. Interessanterweise haben sich zum Zeitpunkt des Erscheinens über 11 000 Personen meine Roman-Ankündigung auf meiner Website angesehen, zehnmal mehr, als bei meinen anderen Ankündigungen. Interesse scheint also da zu sein. Augenzwinkernd: Vielleicht wäre mein Roman damals mit einem ausländischen Pseudonym ein Bestseller geworden! ;D)

 

Da du den Bestseller ansprichst, Helene: Ich lese gerade das Buch einer Deutschen über die Weimarer Zeit und das Dritte Reich, das seit acht Wochen auf der Bestsellerliste steht: Töchter einer neuen Zeit. Da wird auch geschildert, wie sich der braune Sumpf ganz allmählich einschleicht. Ich selbst bin ebenfalls Nachkriegskind mit einem Großvater, der vor den Nazis nach Amsterdam geflüchtet ist - und habe ebenfalls einen Roman über einen Aspekt des Dritten Reiches geschrieben. Da hieß es aber nicht: "Eine  deutsche Autorin sollte keinen Roman über das Dritte Reich schreiben", sondern: Diese Zeit sei zu weit entfernt von heutigen Leserinnen.

 

Mich persönlich würde es sehr interessieren, wie viele Leute damals zu Mitläufern wurden und wie viele so "böse" wurden, wie sie waren. Als Jugendliche hatte ich mich schon gefragt, wie ich selbst wohl in der Zeit gelebt hätte, angesichts von Todesgefahr bei Widerstand.

 

LG

Christa

 


 

 

Liebe Christa, zuerst einmal Danke für den Hinweis auf die Trilogie "Töchter einer neuen Zeit". Die Autorin Carmen Korn widmet sich in ihrer Triologie aber weitgehend den "Guten" – die eben unter den Auswirkungen des Dritten Reiches litten. Ich bin direkt in den Führerbunker eingestiegen, habe die "böse Seite" des Dritten Reichs aufs Korn genommen, bloßgestellt – und das war evtl. das Heikle.

 

Darüber, dass diese Zeit "zu weit entfernt von heutigen Leserinnen" sein soll, wie man Dir sagte, kann ich nur den Kopf schütteln. Die Vergangenheit hat doch immer auch mit der Gegenwart zu tun, und das ist gut so.

 

LG

Helene


Helene Luise Köppel LESEN hält wach - garantiert! Aktuelle Romane: "Die Sache des Fuchses"; "Blut.Rote.Rosen", "Talmi", "Salamandra", NEU Juli 2017: "Béatris"

                                         

                                 


#7
AnnetteSD

AnnetteSD
  • 148 Beiträge
  • Dabei seit 27.01.14

Sehr interessantes Thema. Um den Roman "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell, in dem ein SS-Offizier aus der Ich-Perspektive erzählt, gab es ja auch einige Diskussionen.

 

Wenn man die Tagebücher von Viktor Klemperer - und vor allem auch die aus den Jahren 1918-33 - liest, bekommt man einen meiner Einsicht nach sehr guten Eindruck, wie sich eine Ideologie "einschleichen" kann... und was sich 1933 tatsächlich niemand vorstellen konnte.



#8
Olivia Kleinknecht

Olivia Kleinknecht
  • 148 Beiträge
  • Dabei seit 31.10.15

 

 

Als ich es vor fünf Jahren wagte, dieses heiße Eisen anzupacken – bei mir ist es Eva B., die in der Ich-Perspektive erzählt (allerdings eingebettet in eine Gegenwartshandlung) –, musste ich mir ebenfalls sagen lassen, dass eine "deutsche" Autorin tunlichst keinen "Roman" über das Dritte Reich schreiben sollte. Als Nachkriegskind und persönlich politisch links angesiedelt, war ich zuerst über diese Aussage geschockt. Der Roman erschien dann 2013 in Eigenregie. Interessanterweise haben sich zum Zeitpunkt des Erscheinens über 11 000 Personen meine Roman-Ankündigung auf meiner Website angesehen, zehnmal mehr, als bei meinen anderen Ankündigungen. Interesse scheint also da zu sein. Augenzwinkernd: Vielleicht wäre mein Roman damals mit einem ausländischen Pseudonym ein Bestseller geworden! ;D)

 

Da du den Bestseller ansprichst, Helene: Ich lese gerade das Buch einer Deutschen über die Weimarer Zeit und das Dritte Reich, das seit acht Wochen auf der Bestsellerliste steht: Töchter einer neuen Zeit. Da wird auch geschildert, wie sich der braune Sumpf ganz allmählich einschleicht. Ich selbst bin ebenfalls Nachkriegskind mit einem Großvater, der vor den Nazis nach Amsterdam geflüchtet ist - und habe ebenfalls einen Roman über einen Aspekt des Dritten Reiches geschrieben. Da hieß es aber nicht: "Eine  deutsche Autorin sollte keinen Roman über das Dritte Reich schreiben", sondern: Diese Zeit sei zu weit entfernt von heutigen Leserinnen.

 

Mich persönlich würde es sehr interessieren, wie viele Leute damals zu Mitläufern wurden und wie viele so "böse" wurden, wie sie waren. Als Jugendliche hatte ich mich schon gefragt, wie ich selbst wohl in der Zeit gelebt hätte, angesichts von Todesgefahr bei Widerstand.

 

LG

Christa

 


 

 

Liebe Christa, zuerst einmal Danke für den Hinweis auf die Trilogie "Töchter einer neuen Zeit". Die Autorin Carmen Korn widmet sich in ihrer Triologie aber weitgehend den "Guten" – die eben unter den Auswirkungen des Dritten Reiches litten. Ich bin direkt in den Führerbunker eingestiegen, habe die "böse Seite" des Dritten Reichs aufs Korn genommen, bloßgestellt – und das war evtl. das Heikle.

 

Darüber, dass diese Zeit "zu weit entfernt von heutigen Leserinnen" sein soll, wie man Dir sagte, kann ich nur den Kopf schütteln. Die Vergangenheit hat doch immer auch mit der Gegenwart zu tun, und das ist gut so.

 

LG

Helene

 

Liebe Christa und Helene. Beidesmal idiotische Zensur. Alles, was zum besseren Verständnis eines Unrechtsregimes beiträgt, hilft schließlich auch, es zu vermeiden.

(Verdacht. Zensur findet häufiger Autorinnen gegenüber statt. Ich schrieb mal einen erotischen Roman aus der Perspektive eines Mannes, was als störend, um nicht zu sagen verstörend, empfunden wurde. Ich könne mich da doch nicht hineinversetzen etc. etc.  (Musste an Flaubert denken: "Madame Bovary, c'est moi." ...)



#9
Olivia Kleinknecht

Olivia Kleinknecht
  • 148 Beiträge
  • Dabei seit 31.10.15

"Wäre es nicht an der Zeit, sich endlich den Tatsachen zu stellen, und den Versuch zu wagen, die Menschen, die dem Naziregime auf die eine oder andere Art gedient haben, zu verstehen?"
Peter Hakenjos stellt fest, dass in Romanen höchst selten gefragt wird, warum Menschen den Nazis gefolgt sind? Liebevolle Familienväter, höchst normale Menschen, nie einen Hund treten würden, aber einer Ideologie folgten, die wir heute als zutiefst böse erleben.
Und das gilt nicht nur für die Nazis damals. In Zeiten der Dschihadisten, der Neonazis, der Populistischen Parteien stellt sich die Frage wieder.
Kann man Anhänger der Nazis schildern, ohne dass man die Verbrechen relativiert? Zeigen, wie verführerisch das Böse sein kann? Warum ihm soviele Menschen folgen? Erdogan steht nicht alleine, Putin und Trump haben auch ihre Anhänger und die sind nicht alle Monster.
Eine spannende Aufgabe für Autorinnen und Autoren.

http://www.literatur...wsletter 170818

 

 

Es geht da immer auch um Korruption. Das Dritte Reich als Beutegemeinschaft ... : http://www.spiegel.d...-a-121421.html.

Der IS wird sich so lange halten können, wie er gut bezahlt. Neben barer Münze wird freilich auch eine Aufpolierung des Selbstbewusstseins gespendet.

Und dann sind da die gefährlichen Vollidioten, die der Faszination des Bösen unterliegen. Ich nehme an, die Profiteure/ Vorteilsannehmer sind in der Mehrzahl.

In einer freien Gesellschaft muss man über alles schreiben dürfen. LG, Olivia



#10
Christa

Christa
  • 6.124 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

 

Liebe Christa, zuerst einmal Danke für den Hinweis auf die Trilogie "Töchter einer neuen Zeit". Die Autorin Carmen Korn widmet sich in ihrer Triologie aber weitgehend den "Guten" – die eben unter den Auswirkungen des Dritten Reiches litten. Ich bin direkt in den Führerbunker eingestiegen, habe die "böse Seite" des Dritten Reichs aufs Korn genommen, bloßgestellt – und das war evtl. das Heikle.

 

Darüber, dass diese Zeit "zu weit entfernt von heutigen Leserinnen" sein soll, wie man Dir sagte, kann ich nur den Kopf schütteln. Die Vergangenheit hat doch immer auch mit der Gegenwart zu tun, und das ist gut so.

Liebe Christa und Helene. Beidesmal idiotische Zensur. Alles, was zum besseren Verständnis eines Unrechtsregimes beiträgt, hilft schließlich auch, es zu vermeiden.

(Verdacht. Zensur findet häufiger Autorinnen gegenüber statt. Ich schrieb mal einen erotischen Roman aus der Perspektive eines Mannes, was als störend, um nicht zu sagen verstörend, empfunden wurde. Ich könne mich da doch nicht hineinversetzen etc. etc.  (Musste an Flaubert denken: "Madame Bovary, c'est moi." ...)

 

Den Begriff "Zensur" würde ich dabei nicht unbedingt verwenden. Eher dass Verlage sich lieber auf "das Bewährte" verlassen. Neulich habe ich irgendwo gelesen, dass man mit ungewöhnlichen Themen oder Genremix (also zum Beispiel Krimi- oder Thrillerelemente in einem Roman) eher bei Online-Verlagen offene Ohren findet, wenn man es nicht gleich lieber selbst herausbringt.

 

Den Bestseller habe ich übrigens inzwischen gelesen. Die Autorin scheut sich nicht, sich auch mit Themen wie der Judenfrage oder den KZs auseinanderzusetzen, ebenso mit der Zerstörung Hamburgs. Früher hörte ich oft: bloß nicht solche sensiblen Themen! Man sieht hier also: Es geht doch. :D
 



#11
Olivia Kleinknecht

Olivia Kleinknecht
  • 148 Beiträge
  • Dabei seit 31.10.15

 

 

Liebe Christa, zuerst einmal Danke für den Hinweis auf die Trilogie "Töchter einer neuen Zeit". Die Autorin Carmen Korn widmet sich in ihrer Triologie aber weitgehend den "Guten" – die eben unter den Auswirkungen des Dritten Reiches litten. Ich bin direkt in den Führerbunker eingestiegen, habe die "böse Seite" des Dritten Reichs aufs Korn genommen, bloßgestellt – und das war evtl. das Heikle.

 

Darüber, dass diese Zeit "zu weit entfernt von heutigen Leserinnen" sein soll, wie man Dir sagte, kann ich nur den Kopf schütteln. Die Vergangenheit hat doch immer auch mit der Gegenwart zu tun, und das ist gut so.

Liebe Christa und Helene. Beidesmal idiotische Zensur. Alles, was zum besseren Verständnis eines Unrechtsregimes beiträgt, hilft schließlich auch, es zu vermeiden.

(Verdacht. Zensur findet häufiger Autorinnen gegenüber statt. Ich schrieb mal einen erotischen Roman aus der Perspektive eines Mannes, was als störend, um nicht zu sagen verstörend, empfunden wurde. Ich könne mich da doch nicht hineinversetzen etc. etc.  (Musste an Flaubert denken: "Madame Bovary, c'est moi." ...)

 

Den Begriff "Zensur" würde ich dabei nicht unbedingt verwenden. Eher dass Verlage sich lieber auf "das Bewährte" verlassen. Neulich habe ich irgendwo gelesen, dass man mit ungewöhnlichen Themen oder Genremix (also zum Beispiel Krimi- oder Thrillerelemente in einem Roman) eher bei Online-Verlagen offene Ohren findet, wenn man es nicht gleich lieber selbst herausbringt.

 

Den Bestseller habe ich übrigens inzwischen gelesen. Die Autorin scheut sich nicht, sich auch mit Themen wie der Judenfrage oder den KZs auseinanderzusetzen, ebenso mit der Zerstörung Hamburgs. Früher hörte ich oft: bloß nicht solche sensiblen Themen! Man sieht hier also: Es geht doch. :D
 

 

Es ist immens wichtig sich mit diesen Themen weiter auseinanderzusetzen, damit es nie wieder passiert. Dass ein Verlag da etwa meint, das läge zu weit zurück, ist grob geschichtsfahrlässig. Entschuldige, aber mich macht das wütend. LG, Olivia



#12
Helene

Helene
  • 1.621 Beiträge
  • Dabei seit 21.08.06

Mich auch, Olivia! (Ich denke dabei auch an meine Katharer-Romane, 12./13. Jh; ich hab nicht vor, sie einzustampfen! ;D )

 

LG

Helene


Helene Luise Köppel LESEN hält wach - garantiert! Aktuelle Romane: "Die Sache des Fuchses"; "Blut.Rote.Rosen", "Talmi", "Salamandra", NEU Juli 2017: "Béatris"