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Acht Sekunden für ein Cover

Covertrends Kaufentscheidung visuelle Signale

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23 Antworten zu diesem Thema

#1
DorisC

DorisC
  • 1.335 Beiträge
  • Dabei seit 25.07.11

Einblicke in die Welt der Covergestaltung gibt dieses Interview:

 

http://www.deutschla...ticle_id=395061

 

Autoren werden  lieber rausgehalten ...


Bearbeitet von DorisC, 05.09.2017 - 07:45,

MAROKKO-SAGA bei Blanvalet: Das Leuchten der Purpurinseln,  Die Perlen der Wüste,  Das Lied der Dünen.

Neu Dez. 2017: DIE WOLKENFRAUEN


#2
Elli

Elli
  • 1.965 Beiträge
  • Dabei seit 01.09.08

Autoren werden  lieber rausgehalten ...

 

Ist vermutlich auch besser so. Sonst könnten ja die Werbeleute auch Romane schreiben. Jeder soll das tun, was er gelernt hat bzw. das, was er am besten kann.

 

Ich vertraue bei meinen Covern voll den Verlagsleuten, weil ich gelernt habe, dass meine Cover-Ideen nicht unbedingt vermarktbar sind. Und die Verlagscover, bei denen ich manchmal dachte: nie im Leben! wurden von den Lesern immer gut angenommen. Aber natürlich hält der Verlag auch Rücksprache.

Bei meinem Buch "Minnesota Winter" hatten die Grafiker zuerst einen Gebirgszug der Rocky Mountains als Hintergrund genommen, bis ich ihnen sagte, dass das Buch (logisch) in Minnesota spielt und nicht in Montana und es dort keine hohen Berge gibt. 


elli-radinger.de | Google+ | Wolf Magazin

Die Natur ist das einzige Buch, das auf allen Blättern großen Inhalt bietet. (J. W. Goethe)


#3
DorisC

DorisC
  • 1.335 Beiträge
  • Dabei seit 25.07.11

Ich habe ebenfalls kein Problem, mein Verlag weiß sehr gut, was "geht", auch wenns manchmal so gar nicht mein Geschmack war.

Das aktuelle Cover (ET Dez.17) trifft jetzt sowohl den Inhalt des Buches wie meinen Geschmack. Mal abwarten, ob es für  mehr als 8 Sek. das Interesse der Leser fesseln kann.


MAROKKO-SAGA bei Blanvalet: Das Leuchten der Purpurinseln,  Die Perlen der Wüste,  Das Lied der Dünen.

Neu Dez. 2017: DIE WOLKENFRAUEN


#4
JenniferB

JenniferB
  • 2.184 Beiträge
  • Dabei seit 17.01.11

Ich bin immer sehr froh, wenn ich mit dem Cover nichts zu tun habe; auch meine SP-Cover entstehen nahezu ohne meine Beteiligung. "Nicht unbedingt wie X oder Y - ansonsten - mach einfach!"

 

Im Verlag funktioniert "ihr macht das schon" allerdings nur, wenn auch das Coverbriefing vom Lektorat gut gemacht wird oder die Coverabteilung zumindest mal in Exposé und/oder Leseprobe reinliest.

Ich hatte mehrheitlich Glück und gute Cover (was nicht heißt, dass sie mir alle gefallen haben - müssen sie auch nicht!). Allerdings auch zweimal großes Pech, z.B. ein Cover, das vollkommen falsche Erwartungen schürte. Das fühlt sich dann sehr unschön an, weil man dem hilflos ausgeliefert ist.

Mehr Spaß macht es natürlich, wenn man zumindest in der Phase des Ideensammelns mal gefragt wird und tatsächlich fühle ich mich wesentlich mehr wertgeschätzt, wenn ein Verlag daran Interesse zeigt, dass mir das Cover am Ende auch gefällt. Und das machen doch einige - so schwer kann's nicht sein :)



#5
AnnetteSD

AnnetteSD
  • 150 Beiträge
  • Dabei seit 27.01.14

Sehr interessant, vielen Dank für den Link, Doris!

 

Ich bin gerade ganz glücklich, dass ich mich als SPler zusammen mit einem Designer auch selbst um das Cover kümmern darf... alles, was dann nachher nicht so gut funktioniert, weil ich es unbedingt so wollte, ist dann eben auch mein ganz eigener Fehler  ::) 



#6
Sysai

Sysai
  • 1.559 Beiträge
  • Dabei seit 11.02.05

Nachdem eine neue Marketingleiterin (die zum Glück nach zwei Jahren wieder gegangen ist) alle unsere Cover umgestellt hatte - mit der Folge, dass wir 30-50 % weniger verkauft haben, haben mein Mann und ich Rabatz im Verlag gemacht - und sind auf offene Ohren gestoßen. Wir bekommen für die alten Bücher die alten Cover wieder bzw. haben schon wiederbekommen, und bei den neuen Covern reden wir mit. Allerdings hätten wir uns das in den ersten Jahren nicht getraut. Da mangelt es uns viel zu stark an Erfahrung. Die haben wir uns dann mühsam angeeignet.

Gruß Sysai



#7
Ramona

Ramona
  • 2.294 Beiträge
  • Dabei seit 17.03.11

Interessanter Artikel. Englische Buchcover finde ich ohnehin sehr ansprechend, ganz gleich in welchem Genre. Die wirken immer irgendwie bedeutungsvoll, tiefgründig und doch einladend. Jedenfalls nie seicht oder belanglos. Als ich vor einem halben Jahr (nach über fünfeinhalb Jahren in England) durch die Filiale einer der großen deutschen Buchhandelsketten ging, lief ich hingegen 3x an der Rubrik "Romane A-Z" vorbei, weil ich die Abteilung aufgrund der Farbgebung für eine völlig andere Rubrik hielt.


“Your intuition knows what to write, so get out of the way.” (Ray Bradbury)

#8
Matthias

Matthias
  • 138 Beiträge
  • Dabei seit 13.01.16

Acht Sekunden? Viel zu lang!

 

Probiert es aus:

einundzwanzig - einundzwanzig - einundzwanzig - einundzwanzig - einundzwanzig - einundzwanzig - einundzwanzig - einundzwanzig

 

So lange sieht sich kein Mensch ein Cover an! Das Gehirn selektiert viel schneller.

Man geht rein in den Laden und braucht höchstens eins/zwei Sekunden, bis der Blick beim nächsten Cover landet.

 

Gruß

Matthias



#9
Wolf

Wolf
  • 110 Beiträge
  • Dabei seit 21.10.08

Der Verlag macht es mit mir gemeinsam, ohne dass ich darum gebeten habe. Glücklicherweise haben Marketing und ich eine ähnliche Sichtweise.

Glück gehabt.

 

Wolf



#10
Ramona

Ramona
  • 2.294 Beiträge
  • Dabei seit 17.03.11

Acht Sekunden? Viel zu lang!

 

Probiert es aus:

einundzwanzig - einundzwanzig - einundzwanzig - einundzwanzig - einundzwanzig - einundzwanzig - einundzwanzig - einundzwanzig

 

So lange sieht sich kein Mensch ein Cover an! Das Gehirn selektiert viel schneller.

Man geht rein in den Laden und braucht höchstens eins/zwei Sekunden, bis der Blick beim nächsten Cover landet.

 

Gruß

Matthias

 

Ein, zwei Sekunden bei Buchcovern, die einen "nicht" ansprechen, halte ich auch für realistischer, wenn der Blick über die Tische oder Regale schweift. Ein paar Sekunden länger dann bei jenen Covern, die man eventuell in die Hand nimmt, um den Klappentext zu lesen.  
 


“Your intuition knows what to write, so get out of the way.” (Ray Bradbury)

#11
ClaudiaSG

ClaudiaSG
  • 481 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

 

So lange sieht sich kein Mensch ein Cover an! Das Gehirn selektiert viel schneller.

 

Wenn ich es richtig verstanden habe, sind diese acht Sekunden die Zeitspanne, die ein Cover, das bereits die Aufmerksamkeit erregt hat, die Chance hat, zum Lesen des Klappentextes und, wenn es gut läuft, zum Kauf zu animieren. 

Ich kann das gut nachvollziehen, denn wenn mich ein Cover anspricht, betrachte ich es durchaus intensiver. Da sind acht Sekunden schon drin. 

 

Liebe Grüße

Claudia


Bearbeitet von ClaudiaSG, 15.09.2017 - 09:24,


#12
Manfred

Manfred
  • 182 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

Danke für den interessanten Link.

 

Nur folgendes würde ich gern etwas genauer verstehen:

 

"Trotha: Wenn Sie die wissenschaftlichen Studien anschauen zum Umgang mit diesen Covern, Sie können so aufgeklärt sein wie Sie wollen, bei diesen Signalreizen werden immer Sozialisationen angeführt, die vor 30-, 40-, 50.000 Jahren stattgefunden haben, und da ...

Meyer: Steinzeitalter also.

Trotha: Da ist also wirklich: Die Frau transportiert Emotionen, und wenn Sie über visuelle Signale Kaufentscheidungen, also wirklich folgenreiche Entscheidungen, anbahnen wollen, dann müssen Sie immer über die Emotionen gehen, und das geht eher über das weibliche Detail als über das männliche."

 

​Wie genau soll das funktionieren? Sozialisationen vor 30-50.000 Jahren? - Klar, das ist der Zeitpunkt, an dem manche den Beginn der bekannten Verhaltensweisen des Menschen sehen - obwohl auch das debattiert und z.T. viel früher angesetzt wird. Nur wie viel wissen wir wirklich über geschlechtsspezifische Unterschiede im Verhalten aus der Zeit, die hier als Grundlage menschlichen Verhaltens in der Wahrnehmung von Buchdeckeln angenommen wird? Für mich kommt hier erst einmal nicht mehr herüber als ein altbekanntes Stereotyp: Die Frau ist fürs Gefühl zuständig.

 

​Wenn die visuelle kulturelle Wahrnehmung tatsächlich eine universelle genetische Grundlage hat, warum gibt es dann länderspezifische kulturelle Unterschiede in der Gestaltung von Buchdeckeln? Mir scheinen diese "Erklärungen" im Kontext dieses Diskurses eher nachgeliefert.

 

Aus diesem Grund habe ich den ansonsten sehr interessanten Text eher als einen Erfahrungsbericht gelesen und die nachgelieferten Erklärungen von den aufschlussreichen Erfahrungen für mich abgekoppelt - und habe dabei viel über die Gestaltung von Buchdeckeln gelernt. 



#13
Olaf

Olaf
  • 213 Beiträge
  • Dabei seit 19.07.16

​Wie genau soll das funktionieren? Sozialisationen vor 30-50.000 Jahren? - Klar, das ist der Zeitpunkt, an dem manche den Beginn der bekannten Verhaltensweisen des Menschen sehen - obwohl auch das debattiert und z.T. viel früher angesetzt wird.

 

 

Das war die Zeit der Neandertaler und des modernen Menschen, damals lebten beide so nebeneinander her und bastelten an der aufkeimenden menschlichen Kultur herum. Vielleicht entstanden um den Dreh die ersten Buchhandlungen, und die Höhlenmalereien sind in Wahrheit nur die Schaufenster der ersten Läden? Also, ich nehme jedenfalls immer noch meine Keule mit, wenn ich mir ein Buch kaufen gehe. ;D ::) :s01 ;-)


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#14
Manfred

Manfred
  • 182 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

Die Frage des Interviewers, Frank Meyer, ist doch wirklich interessant: wenn die Leserschaft überwiegend weiblich ist, warum der Trend zur Darstellung von Frauen auf Buchumschlägen?

 

„... wie tief verankert Geschlechterstereotype bei Käufern sind, sagt Hans von Trotha.“ ... und macht einen gewaltigen Sprung vom Buchumschlag ins Paläolithikum. Soweit ich sehe, spricht er hier ganz einfach ein altes Klischee an: die Frau ist für’s Gefühl zuständig, schon seit der Steinzeit. Geht’s noch? Sozialisation im Aurignacien? Hat Herr von Trotha eine Zeitmaschine?

 

Die Antwort im Paläolithikum zu suchen, suggeriert etwas Unausweichliches, etwas genetisch Verankertes, das sich wissenschaftlich (zumindest zur Zeit) nicht nachweisen lässt und ist daher rein spekulativ und als Antwort auf eine interessante Frage zu gegenwärtigen Strömungen bei der Gestaltung von Buchumschlägen für mich wenig befriedigend.

 

Abgesehen von dieser zu lauten Aussage fand ich das Interview trotzdem informativ.



#15
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.415 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

Die Frage des Interviewers, Frank Meyer, ist doch wirklich interessant: wenn die Leserschaft überwiegend weiblich ist, warum der Trend zur Darstellung von Frauen auf Buchumschlägen?

 

„... wie tief verankert Geschlechterstereotype bei Käufern sind, sagt Hans von Trotha.“ ... und macht einen gewaltigen Sprung vom Buchumschlag ins Paläolithikum. Soweit ich sehe, spricht er hier ganz einfach ein altes Klischee an: die Frau ist für’s Gefühl zuständig, schon seit der Steinzeit. Geht’s noch? Sozialisation im Aurignacien? Hat Herr von Trotha eine Zeitmaschine?

 

Die Antwort im Paläolithikum zu suchen, suggeriert etwas Unausweichliches, etwas genetisch Verankertes, das sich wissenschaftlich (zumindest zur Zeit) nicht nachweisen lässt und ist daher rein spekulativ und als Antwort auf eine interessante Frage zu gegenwärtigen Strömungen bei der Gestaltung von Buchumschlägen für mich wenig befriedigend.

 

Abgesehen von dieser zu lauten Aussage fand ich das Interview trotzdem informativ.

 

Ich fand diese Erklärung auch nicht sehr schlüssig. Ich denke, es ist eher, dass Frauen (70-80% der Käuferinnen) sich sehr stark für weibliche Protagonisten interessieren. Und eine Frau auf dem Cover sagt den Leserinnen, "hier ist was für dich!"

 

Ansonsten fand ich den Artikel interessant. Am Aufschlussreichsten fand ich die Bemerkung, dass ein Cover Fragen stellen muss (und keine Antworten). Das ist für mich der springende Punkt: neugierig machen. Was verbirgt sich dahinter?

 

Wir sollten uns mal unsere Cover anschauen, ob sie neugierig machen. Oder ob sie nur nette Grafiken sind.


Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#16
Olaf

Olaf
  • 213 Beiträge
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Trotha: Da ist also wirklich: Die Frau transportiert Emotionen, und wenn Sie über visuelle Signale Kaufentscheidungen, also wirklich folgenreiche Entscheidungen, anbahnen wollen, dann müssen Sie immer über die Emotionen gehen, und das geht eher über das weibliche Detail als über das männliche."

 

An Männer verkauft man auch gerne mit Emotionen, nur eben weniger über die Schiene "Mensch". Technik, Abenteuer, Kraft und Heldentum stehen hier im Vordergrund, bei Bier auch Kameradschaft - passt ebenfalls ganz gut zu unseren Steinzeitgewohnheiten. Und findet sich auch auf den wenigen Covern von Büchern wieder, die sich an Männer wenden.


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#17
Angelika Jo

Angelika Jo
  • 2.859 Beiträge
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 Ich denke, es ist eher, dass Frauen (70-80% der Käuferinnen) sich sehr stark für weibliche Protagonisten interessieren. Und eine Frau auf dem Cover sagt den Leserinnen, "hier ist was für dich!"

 

OT: Kennt noch jemand dieses Lied?

 

Ihr Lieben Leut, die Frau von heut

Zieht sich nicht an für einen Mann.

das neue Kleid, der schicke Hut – sie sind nur dafür gut,

damit die andere Frau vor Wut zerspringen tut!

 

Sorry, bin schon wieder weg ...

Angelika


Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de


#18
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.415 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

 

 Ich denke, es ist eher, dass Frauen (70-80% der Käuferinnen) sich sehr stark für weibliche Protagonisten interessieren. Und eine Frau auf dem Cover sagt den Leserinnen, "hier ist was für dich!"

 

OT: Kennt noch jemand dieses Lied?

 

Ihr Lieben Leut, die Frau von heut

Zieht sich nicht an für einen Mann.

das neue Kleid, der schicke Hut – sie sind nur dafür gut,

damit die andere Frau vor Wut zerspringen tut!

 

Sorry, bin schon wieder weg ...

Angelika

 

 

:s01   :s01   :s01

 

Ganz recht, Angelika. Zu Hause sitzt sie in Lockenwicklern. Für die Party wird sich aufgedonnert. Nicht fürs andere Geschlecht, sondern um den übrigen Weibern zu zeigen, wer man ist.  ;D


Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#19
Hanna Aden

Hanna Aden
  • 220 Beiträge
  • Dabei seit 03.12.15

Nachdem hier die angeblich bis ins Paläolitikum zurückreichenden, in Wahrheit möglicherweise jedoch "nur" 300 'Jahre alten Rollenbilder von Männern und Frauen anscheinend auch von einigen geteilt oder zumindest für wahrscheinlich gehalten werden ...

 

Es gibt interessante Untersuchungen dazu, dass unsere Vorfahren weit unterschiedlichere Modelle lebten, als die Darstellung z. B. der Familie Feuerstein aus den Sechzigern glauben lässt. Spontan finde ich das hier, das ich erst vor wenigen Tagen von einem Freund gelinkt bekam: http://www.deutschla...ticle_id=342902

 

Besonders interessant finde ich darin: Die Höhlen von Lascaux, in denen so wunderschöne Bilder von gejagten Tieren sind, wurden von Anfang an als Darstellungen interpretiert, die von Leuten kommen, die diese Tiere gejagt haben. Als Glückszauber oder sonstwas. Und in diesen Höhlen gibt es auch farbige Handabdrücke in den Wänden. Mithilfe moderner statistischer Methoden kann man wohl Unterschiede von Fingerlängen oder Proportionen oder sonstwas bei Frauen- und Männerhänden feststellen, und mit diesen Methoden kamen zwei voneinander unabhängige Forscherteams zu dem Schluss, dass mehr als die Hälfte der Handabdrücke dort an den Wänden von Frauen kommen.

Das wäre eher ein Indiz gegen die These, dass die Männer allein fürs Jagen zuständig waren.

 

Es gibt auch eine Untersuchung zum Grab eines Wikingeranführers, der mit Schilden, Schwertern, Strategiebrett und vielen weiteren wertvollen Dingen begraben wurde ... und der via DNA-Analyse eindeutig als Frau identifziert wurde.

 

(P. S. Ich hab ja irgendwann mal die Edda gelesen und Teile daraus vorgelesen ... die meisten werden über die überlieferten Teile des "Wikinger"-Glauben zumindest vage Bescheid wissen: dass die im Kampf gefallenen Krieger nach Walhalla gehen und der Rest irgendwo unter die Erde muss, wo es kalt und düster ist. In Walhalla ist es cooler, da kannst du den ganzen Tag saufen, feiern und dich prügeln, und eines Tages, wenn das Ende der Welt kommt, ziehst du in den Krieg gegen die Riesen ... Mir ist da beim Lesen meiner Übersetzung eine Zeile aufgefallen, die sich auf die gefallenen Krieger bezieht: "Die Hälfte kiest Odin, die Hälfte Freya" (Zitat aus dem Gedächtnis, aber beiden Göttern wurde je die Hälfte der Gefallenen zugeschrieben). Für mich wäre das ein mögliches Indiz dafür, dass es z. B. in der Kultur nicht als krass unüblich angesehen wurde, dass Frauen Seite an Seite mit Männern für ein gemeinsames Ziel kämpfen (gibt ja auch neben dem Anführer weitere Skelette aus der Kultur mit Schwert, die laut DNA-Analyse weiblich sind) und für große Leistungen im Kampf geehrt wurden - und im Religionsverständnis dann vielleicht nach einem Heldentod von einer Göttin in ihre Halle geholt wurden, wo sie sich mit anderen Kriegern auf die Schlacht am Weltende vorbereiteten? Dazu habe ich aber nirgendwo etwas gefunden, das habe ich mir selbst so zusammengereimt, und evt. kann es widerlegt werden.)

Das Fazit daraus ... ist im Grunde, dass wir nicht wissen, was damals wirklich war, dass es aber überhaupt keinen Beweis dafür gibt, dass sich patriarchale Kleinfamilienstrukturen schon seit dem Paläolitikum durchgehend als "natürliches" Modell des menschlichen Zusammenlebens entwickelt haben. Wir wissen es schlicht und ergreifend nicht. Was immer wir als für "natürlich" im Zusammenleben oder im Mannsein oder Frausein halten ... Die Chance ist recht groß, dass es sich dabei lediglich um Prägungen aus der Kultur handelt, in der wir leben.

Ich persönlich stelle mir übrigens gern vor, dass Männer und Frauen über viele Jahrhundert und Jahrtausende hinweg zusammengearbeitet haben, Menschen nicht in starre Rollen pressten, sondern jeder seine Möglichkeiten optimal entfalten durfte/musste. Die Umwelt war feindlich genug, da musste man zusammenarbeiten. Intelligente Frauen in Führungspositionen mit hilfsbereiten Frauen um sich herum für die Kinderversorgung und Männer als emotional fürsorgliche Bodyguards passen in dieses Bild genauso rein wie intelligente Männer in Führungsposition mit emotional fürsorglichen Frauen an ihrer Seite und ... was-weiß-ich. Wir reden hier von Jahrzehntausenden. Da kann alles mögliche passiert sein, was wir einfach nie belegen oder widerlegen werden können. Mein Bild ist also genauso wahrscheinlich oder unwahrscheinlich wie jedes andere.

Man muss das Paläolitikum nicht bemühen, um Gründe für Frauen auf dem Cover zu finden, um Frauen als Käuferinnen anzusprechen. Das klingt so nach Totschlagargument ... Ulfs Begründung "Frau auf dem Cover sagt weiblicher Leserin 'hier ist was für mich, über Leute wie mich'" reicht in meinen Augen als Erklärung vollkommen aus. Und führt dann mitunter eben dazu, dass ich als Leserin nicht danach greife (wenn die Frau z. B. keine Waffe in der Hand hält), weil ich zur Vermutung gedrängt werde, dass es hier weniger für mich fesselnde Story gibt.


Bearbeitet von Hanna Aden, 18.09.2017 - 13:01,


#20
Christa

Christa
  • 6.124 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Man muss das Paläolitikum nicht bemühen, um Gründe für Frauen auf dem Cover zu finden, um Frauen als Käuferinnen anzusprechen. Das klingt so nach Totschlagargument ... Ulfs Begründung "Frau auf dem Cover sagt weiblicher Leserin 'hier ist was für mich, über Leute wie mich'" reicht in meinen Augen als Erklärung vollkommen aus. Und führt dann mitunter eben dazu, dass ich als Leserin nicht danach greife (wenn die Frau z. B. keine Waffe in der Hand hält), weil ich zur Vermutung gedrängt werde, dass es hier weniger für mich fesselnde Story gibt.

 

Eine schöne Vorstellung, dass es vielleicht ganz anders war und Männer und Frauen über Jahrzehntausende möglicherweise zusammengearbeitet haben und keine strengen Rollenbilder hatten ...

 

Ich selbst gehe zwar nicht wie Olaf mit der Keule Bücher kaufen, aber mich lockt zum Beispiel ein blau leuchtender Höhleneingang auf einem Cover mehr als ein austauschbarer Frauenkopf. Dafür brauche ich tatsächlich weniger als acht Sekunden. Für den Titel, wenn er denn aussagekräftig ist, weniger als drei. :)


Bearbeitet von Christa, 18.09.2017 - 12:33,