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Ratschläge von Stephen King


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22 Antworten zu diesem Thema

#1
Holger

Holger
  • 930 Beiträge
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Hallo,

 

 

anbei ein Link zu einigen Ratschlägen bezüglich des Schreibhandwerks von Stephen King.

 

22 lessons from Stephen King on how to be a great writer | The Independent

 

Ich habe mich beim Lesen des Artikels oft nickend erwischt, manchmal ertappt und hier und da gab es auch ein "Aha". 

Punkt 1 muss ich natürlich vehement widersprechen - natürlich kann man bei Filmen und Serien jede Menge über das Schreiben lernen, und es spricht nichts dagegen, sie z. B. bezüglich Plotting, Figurenentwicklung, Erzählökonomie ("Es" ist schon dick), Dialogführung etc. zu analysieren.
 

Dieses Zitat hier hat mir sehr gut gefallen.
“All the arts depend upon telepathy to some degree, but I believe that writing is the purest distillation,” says King. An important element of writing is transference. Your job isn't to write words on the page, but rather to transfer the ideas inside your head into the heads of your readers.

“Words are just the medium through which the transfer happens,” says King.

Vielleicht hilft es dem einen oder der anderen unter Euch, vielleicht regt es an zu Widerspruch, vielleicht einfach nur eine nette Lektüre während eines verregneten Sonntagvormittags.

 

Schöne Grüße,

 

Holger

 



#2
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.526 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

Das war für mich schon immer die Idee des Schreibens, Holger. Mir ging es nie um schöne Redewendungen, elegante Satzkonstruktionen, usw. Das ist natürlich eine Kunstform für sich, das will ich nicht in Abrede stellen. Mir aber ging es immer um die Kommunikation Autor - Leser. Ich denke mich in eine Situation hinein oder in eine Figur, habe entsprechend etwas im Kopf und suche dann die Worte, die diese Idee, Empfindung, Vision am besten transportieren und das Gleiche oder Ähnliches im Kopf des Lesers entstehen lassen.

 

Dazu gehören zwei Dinge: 1) bin ich in der Lage, mir Gedanken, Gefühle, Situationen so vorzustellen, dass sie authentisch wirken und überzeugen, und 2) finde ich die Worte, die dies einigermaßen gut transportieren.

 

Natürlich gehört auch noch einiges andere dazu wie Dramaturgie, Erzählstruktur, usw., aber die Sprache in Form von Worten sind der Transportmechanismus vom Autor zum Leser.

 

Danke für den Link!


Bearbeitet von Ulf Schiewe, 12.11.2017 - 11:26,

Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#3
Ramona

Ramona
  • 2.373 Beiträge
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Für mich besteht die Herausforderung des Schreibens vor allem darin, den Film im eigenen Kopf mittels Worten wieder als Film im Kopf des Lesers und der Leserin lebendig werden zu lassen. (Dass das niemals in einer Eins-zu-eins-Übersetzung gelingt, ist klar.)

 

Danke für's Teilen!


Bearbeitet von Ramona, 12.11.2017 - 14:07,

“Your intuition knows what to write, so get out of the way.” (Ray Bradbury)

#4
Wolf

Wolf
  • 143 Beiträge
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Ich habe mal Rhetorik unterrichtet und wenn es darum geht, einen guten Vortrag zu halten, ist die Ignoranz noch um ein Vielfaches höher, als bei Leuten, die bereits mehrere Bücher geschrieben haben. Aber für Jungfüchse, die vor ihrem ersten Referat standen, oder Leuten, denen ihr Chef gesagt hat, dass sie nächste Woche mal grad den Stand der Produktentwicklung ... Für die hat sich eine einfach Überlegung anl ganz nützlich erwiesen.

Bei der Kommunikation gibt es vier Botschaften:

Botschaft 1: ist die, die der Vortragende sich ausgedacht hat und die er übermitteln will. Sie befindet sich in seinem kopf. (Das ist unser Film oder so)

Botschaft 2: ist die, die wir tatsächlich vermittteln. Nicht immer sagt man das, was man ausdrücken will. (Das ist bei uns der geschriebene Text)

Botschaft 3: ist die, die beim Zuhörer ankommt. Sie unterscheidet sich nicht allzu sehr von Botschaft 2, es sei denn, der  Vortrag ist in einer Fremdsprache oder dialekt oder es gibt viel Krach im hintergrund. (Bei uns können Missverständnisse entstehen, wenn wir zu viele ungewohnte oder unbekannte Worte verwenden.

Botschaft 4: ist die, die im Köpf der Zuhöer ankommt. Da kämpft der Redner gegen feste mentale Bilder, Vorurteile etc. (Beim Buch geht es darum, ob der Text überhaupt verstanden wird.)

 

Auch wenn es im Detail viele Unterschiede gibt - Ein gesprochener Text fliegt vorbei, beim Buch kann man zurückblättern. Oder es gibt Lesepausen, die beim Vortrag nicht möglich sind. - trotz dieser Unterschiede gibt es vor allem eine Gemeinsamkeit.

 

Die vier Botschaften sind nicht identisch! Und so dürfen wiruns nicht wundern, wenn etwas völlig anderes ankommt, als beabsichtigt wurde.

 

Liebe Grüße

Wolf


Bearbeitet von Wolf, 12.11.2017 - 15:27,


#5
Ramona

Ramona
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Amerikanische und britische Autoren (also die Spitzenautoren) scheinen ja einen Umgang mit Worten zu beherrschen, der (fast schon) völkerübergreifend ankommt.


“Your intuition knows what to write, so get out of the way.” (Ray Bradbury)

#6
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
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Amerikanische und britische Autoren (also die Spitzenautoren) scheinen ja einen Umgang mit Worten zu beherrschen, der (fast schon) völkerübergreifend ankommt.

 

Finde ich auch. Weil es nicht um Worte an sich geht, sondern um die Assoziationen, die sie im Kopf auslösen. Und darauf muss sich auch der Übersetzer konzentrieren.


Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#7
AngelaB

AngelaB
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  • Dabei seit 21.02.17
Danke für den Link, Holger!
In der Tat eine schöne Liste (sein Buch „On writing“ hatte ich damals als King-Fan sofort gekauft). Mein Lieblingszitat hier, weil ich gerade wieder in einem Erstentwurf stecke:

Writing a first draft is “completely raw, the sort of thing I feel free to do with the door shut — it's the story undressed, standing up in nothing but its socks and undershorts.”

Allerdings: Wenn ich mich an das Buch richtig erinnere (ist Jahre her), ist King eher Bauchschreiber und auch seine Ratschläge gehen oft in die Richtung „lass es einfach fliessen, schreib los, sei kreativ...“ Und das ist meiner Ansicht nach ein vergifteter Rat, weil eine Überforderung für die meisten Schreibanfänger.

Bearbeitet von AngelaB, 12.11.2017 - 17:09,


#8
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
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Danke für den Link, Holger!
In der Tat eine schöne Liste (sein Buch „On writing“ hatte ich damals als King-Fan sofort gekauft). Mein Lieblingszitat hier, weil ich gerade wieder in einem Erstentwurf stecke:

Writing a first draft is “completely raw, the sort of thing I feel free to do with the door shut — it's the story undressed, standing up in nothing but its socks and undershorts.”

Allerdings: Wenn ich mich an das Buch richtig erinnere (ist Jahre her), ist King eher Bauchschreiber und auch seine Ratschläge gehen oft in die Richtung „lass es einfach fliessen, schreib los, sei kreativ...“ Und das ist meiner Ansicht nach ein vergifteter Rat, weil eine Überforderung für die meisten Schreibanfänger.

 

Ja, so völlig aus dem Bauch raus schreiben ist auch nicht mein Ding. Ich brauche schon eine Struktur der Geschichte, bevor ich anfange. Nicht in allen Einzelheiten, aber ich muss die wichtigen Events wissen, die Wendepunkte und das Ende. Eine Linie, an der ich mich entlang arbeite. Dann, in den Kapiteln lasse ich es auch ohne Detailplanung fließen und lass mich überraschen, was mir so einfällt.


Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#9
AngelaB

AngelaB
  • 97 Beiträge
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Danke für den Link, Holger!
In der Tat eine schöne Liste (sein Buch „On writing“ hatte ich damals als King-Fan sofort gekauft). Mein Lieblingszitat hier, weil ich gerade wieder in einem Erstentwurf stecke:

Writing a first draft is “completely raw, the sort of thing I feel free to do with the door shut — it's the story undressed, standing up in nothing but its socks and undershorts.”

Allerdings: Wenn ich mich an das Buch richtig erinnere (ist Jahre her), ist King eher Bauchschreiber und auch seine Ratschläge gehen oft in die Richtung „lass es einfach fliessen, schreib los, sei kreativ...“ Und das ist meiner Ansicht nach ein vergifteter Rat, weil eine Überforderung für die meisten Schreibanfänger.


Ja, so völlig aus dem Bauch raus schreiben ist auch nicht mein Ding. Ich brauche schon eine Struktur der Geschichte, bevor ich anfange. Nicht in allen Einzelheiten, aber ich muss die wichtigen Events wissen, die Wendepunkte und das Ende. Eine Linie, an der ich mich entlang arbeite. Dann, in den Kapiteln lasse ich es auch ohne Detailplanung fließen und lass mich überraschen, was mir so einfällt.


#10
AngelaB

AngelaB
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Öhm, zitieren über Handy übe ich noch:

„Dann, in den Kapiteln lasse ich es auch ohne Detailplanung fließen und lass mich überraschen, was mir so einfällt.“

Lieber Ulf, dann sind wir uns ja schon recht nah. Ich gehe bis auf Szenenebene (2-3 Szenen pro Kapitel) runter und lass mich dann überraschen. :-) Die größten Überraschungen und kreativen Einfälle habe ich dann sowieso meist in der Überarbeitungsphase.

#11
Christa

Christa
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Danke für den Link, Holger!
In der Tat eine schöne Liste (sein Buch „On writing“ hatte ich damals als King-Fan sofort gekauft). Mein Lieblingszitat hier, weil ich gerade wieder in einem Erstentwurf stecke:

Writing a first draft is “completely raw, the sort of thing I feel free to do with the door shut — it's the story undressed, standing up in nothing but its socks and undershorts.”

Allerdings: Wenn ich mich an das Buch richtig erinnere (ist Jahre her), ist King eher Bauchschreiber und auch seine Ratschläge gehen oft in die Richtung „lass es einfach fliessen, schreib los, sei kreativ...“ Und das ist meiner Ansicht nach ein vergifteter Rat, weil eine Überforderung für die meisten Schreibanfänger.

 

"Das Leben und das Schreiben" mit dem Teil "On writing" ist immer eines meiner Lieblingsbücher gewesen. Ist das wirklich erst vor sechs Jahren erschienen? Neu, aber sehr zielführend ist für mich diese Aussage: (Lektion 22)

Bleib verheiratet, sei gesund und lebe ein gutes Leben.

sowie:

"Es ist wichtig, eine starke Balance in seinem Leben zu haben, so dass das Schreiben nicht alles auffrisst."

Der Lektion mit dem Fernsehen würde ich widersprechen, denn als Fan der Filme von King habe ich die natürlich alle im Kino oder TV gesehen. :D Besonders nachdrücklich "Shining" u.a., und wie ich in der Liste seiner Bücher gesehen habe, war ja auch "Stand by me. Geheimnis eines Sommers" nach einer Erzählung von ihm. Absolut groß.

 

Nicht nur der Transport des eigenen Films in den Kopf des Lesers, auch dieses "Was wäre, wenn ..?" macht das Wesentliche der Spannung seiner Bücher und Filme aus.

 


Bearbeitet von Christa, 12.11.2017 - 20:33,


#12
Michael Beisteiner

Michael Beisteiner
  • 113 Beiträge
  • Dabei seit 03.12.15

Sind einige gute Ratschläge dabei. Ich denke, wer viel gelesen werden will, muss, neben Spannung, eine klare, einfache, eher bildhafte Sprache verwenden ... Hinter der spürbar ist, was alles der Autor damit transportiert ... Es muss, sollte sogar, nicht dastehen, es muss spürbar sein ...


Ich würde nicht sagen, dass Musik die Welt verzaubert. Ich würde eher sagen, sie enthüllt den Zauber dieser Welt.

 

 


#13
Mascha

Mascha
  • 3.577 Beiträge
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Wie bei allen Schreibtipps muss man sich das raussuchen, was für einen passt und alles andere getrost ignorieren. :-)



#14
Ramona

Ramona
  • 2.373 Beiträge
  • Dabei seit 17.03.11

Sind einige gute Ratschläge dabei. Ich denke, wer viel gelesen werden will, muss, neben Spannung, eine klare, einfache, eher bildhafte Sprache verwenden ... Hinter der spürbar ist, was alles der Autor damit transportiert ... Es muss, sollte sogar, nicht dastehen, es muss spürbar sein ...

 

Ich kenne eigentlich keinen großen Autor bzw. keine große Autorin, deren Sprache nicht bildhaft, atmosphärisch und irgendwie "universell" zugänglich/spürbar für die Leser wäre. Egal, ob es um hohe Literatur oder packende Unterhaltung geht. Richtig eingesetzt (dosiert und pla-t-ziert) können Worte, Sätze, Absätze und schließlich die daraus entstehenden Kapitel einem Buch zu jener Magie verhelfen, die es für viele viele Leser unwiderstehlich werden lässt.


“Your intuition knows what to write, so get out of the way.” (Ray Bradbury)

#15
Wolf

Wolf
  • 143 Beiträge
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Ich gehöre leider auch zu der kleinen Gruppe von Bauchschreibern. Es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn man alles im flow schreiben kann. Aber es wird mühselig, wenn man aus ihm herausfällt. Außerdem bin ich wahrscheinlich nicht so gut oder routiniert wie King, denn es kann schon immer mal passieren, dass meine Geschichte an Saft und Kraft verliert. Aber was soll man machen, wenn der eigene Kreativitätsprozess so arbeitet.

 

Das Einzige, was King mir hat sagen können mit seinem Schreibratgeber, war, dass es so eben auch geht. Und das war damals schon mal eine ganze Menge. Und mittlerweile habe ich meinen Weg gefunden. Aber empfehlen kann ich die Bauschreiberei nicht

 

Wolf



#16
Holger

Holger
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Das Einzige, was King mir hat sagen können mit seinem Schreibratgeber, war, dass es so eben auch geht. Und das war damals schon mal eine ganze Menge. Und mittlerweile habe ich meinen Weg gefunden. Aber empfehlen kann ich die Bauschreiberei nicht

 

Ich habe früher nicht verstanden, wie Kollegen sich hinsetzen können, 200 Seiten nach "Bauch" schreiben und dann eventuell feststellen, dass sie alles wegwerfen und von vorne beginnen müssen, weil der Plot nichts taugt oder sie am Ende erst erfasst haben, was sie eigentlich erzählen wollen (und es 200 Seiten lang eben nicht getan haben oder nicht in dem erforderlichen Maß).
Eine unglaubliche Verschwendung an Lebenszeit.
 
Im Drehbuchbereich setzt sich niemand hin und textet mal los, sondern kümmert sich eingehend um die Figuren und den Plot, bevor er Szenen erarbeitet. Das kann Wochen in Anspruch nehmen, bevor man überhaupt mit dem ersten Satz des Exposés beginnt. Wie sonst soll man z. B. auch die Entwicklung einer Figur auch stetig durch die Szenen beschreiben, wenn man vorher nicht festgelegt hat, worin die Entwicklung besteht?

Ich habe u. a. aber auch hier gelernt, dass für eine nicht unerhebliche Anzahl an Kollegen das "Bauchschreiben" der Weg ist, um sich ihren Geschichten und Figuren zu nähern und dass ein Plotgerüst oder eine festgelegte Figurenentwicklung sie in ihrem Schreiben enorm einschränkte. Mir persönlich erscheint das zu unökonomisch und zu sehr aufs "Geratewohl" aber letztlich ist für die Leser wie für uns entscheidend, wie packend und überzeugend das Resultat ist.
King ist nach eigenem Bekunden ja auch Bauchschreiber, der von Stufe zu Stufe hüpft und sich vorher keinen Gedanken macht, wohin die Treppe eigentlich führt.
Jeder so, wie es am besten für seine Geschichte ist, denke ich.

Ansonsten kann ich sehr viel von King's Ratschlägen unterschreiben - auch das Zurückziehen und Abschotten im Schreibprozess. Auch das "Nicht-auf-die-leichte-Schulter-nehmen". Ganz besonders auch "kill your darlings". Auch der Abstand vom Werk, den er für sich auf 6 Wochen beziffert. Das sind lauter Erfahrungen, die ich teile (natürlich mit kleinerem Erfahrungshorizont).

Schöne Grüße,

Holger



#17
Christa

Christa
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Aber empfehlen kann ich die Bauschreiberei nicht.

 

Ich auch nicht. In grauer Vorzeit habe ich mal ein Experiment gemacht und 200 Seiten "bauchgeschrieben"-heraus kamen drei Romane in einem. Dank Stephen Kings Ratschlägen habe ich dann den Rohdiamanten darin gesucht, geschliffen und ein erfolgreiches Buch herausgebracht. So war die Lebenszeit nicht umsonst. :D  Seither schreibe ich aber nie ohne Exposé, denn sonst vergisst man irgendwann, was einen überhaupt dazu animiert hat, die Geschichte zu schreiben. Sebastian Fitzek hat das in dem Interview, das ich gerade gehört habe, sehr schön zum Ausdruck gebracht-überhaupt hat er all das unterstrichen, was ich an Kings Lektionen so schätze. Auch "Kill your Darlings", was selbst beim Überbeiten noch wichtig ist. Mein Fazit aus beidem, Authentizität betreffend, sieht so aus: sich nicht von den Markterwartungen oder Kritiken beirren, sondern die Figuren sich in einem selbst festgesteckten Rahmen bewegen und ihn möglicherweise sprengen lassen. Entscheiden, welche Kritiken einen als Autor weiterbringen. Und das Leben am Schreibtisch immer wieder mit dem Leben da draußen zu tauschen, weil sonst die Kreativität irgendwann versiegen könnte.
 


Bearbeitet von Christa, 13.11.2017 - 17:33,


#18
Ramona

Ramona
  • 2.373 Beiträge
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King ist nach eigenem Bekunden ja auch Bauchschreiber, der von Stufe zu Stufe hüpft und sich vorher keinen Gedanken macht, wohin die Treppe eigentlich führt.

 

Zumindest seinen ersten Erfolgsromanen merkt man diese Bauchschreiberei an, finde ich. Die jeweiligen "Story-Finale" waren - zumindest für mich - sehr enttäuschend. Später scheint sich das bei seinen Werken wohl gelegt zu haben. 


“Your intuition knows what to write, so get out of the way.” (Ray Bradbury)

#19
Wolf

Wolf
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Von irgenjemandem stammt der kluge Satz: Wie soll ich wissen, was ich schreiben will, wenn ich es noch nicht geschrieben habe. Ein wunderschöner und absolut auf mich zutreffender Satz. Überraschend für mich war immer nur eines. In meinem Beruf war ich ein Analytiker und Planer. Vielleicht will mein Gehirn all das einfach nicht, wenn es um Geschichten geht. Aber ich war bereits als Kind so.

 

Um aber Missverständnisse auszuräumen. Ich setzte mich nicht einfach vor einen leeren Bildschirm und schreibe darauf los. Erst einmal habe ich eine Idee, die mich fesselt. Das muss sie, denn sonst läuft nichts. Meistens kommt mit der Idee auch ein Grobsetting. An dem arbeite ich in der Regel recht lange, weil ich in der Fantasy immer meine eigene Welt erfinden muss. Und dann kommen die Figuren, in die ich sehr viel Zeit und Arbeit investiere, denn wenn ich meine Figuren nicht kenne, weiß ich auch nicht, was sie machen werden und wie sie sich entscheiden. Zwar verändern sich meine Figuren auch noch beim Schreiben, aber sie wechseln nicht mehr ihr Charakterfach.

 

Was ich nie habe, ist ein Plot und nur selten ein Ende, das über den Begriff Showdown hinausgeht. Mein Plot entwickelt sich organisch. Aber es kann durchaus sein, dass ich nach der ersten Version die ganze Struktur wieder in Frage stelle. Das klingt schlimmer, als es ist. Denn es betrifft nicht die Dialoge und nur wenige Szenen. eher die Reihenfolge der Szenen. Wendepunkte habe ich genug. nicht nur in der mitte des zweiten Aktes.

 

Ich bin außerdem ein Liebhaber guten Handwerks. Das meiste kommt mittlerweile intuitiv. der Rest bei der ersten Überarbeitung. Und bei King vergisst man leicht, dass er bei vielen seiner nicht angenommenen Kurzgeschichten Ratschläge bekommen hat, wie man es besser oder überhaupt schreibt. So hat er bereits als Schüler angefangen sein Handwerk zu lernen.

 

Ob andere Bauchschreiber es auch so machen, weiß ich nicht. Ich kann ja immer nur von mir berichten und stelle meine Methode ganz bestimmt nicht als Vorbild hin, sondern rate eher davon ab. Die meisten Bauchschreiber findet man unter den Schreibanfängern. Da ist es aber meistens ein Mangel an Handwerk. Ist ja klar. wenn ich mein Handwerk nicht beherrsche, dann bleibt mir nichts anderes als mein Bauch. Und der allein mag noch so dick sein. Er reicht nicht!!!

 

Liebe Grüße

Wolf



#20
Christa

Christa
  • 6.288 Beiträge
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Eigentlich ist deine Methode der meinen (und sicher auch der vieler anderer) gar nicht so unähnlich, Wolf.

Ich habe nur, wie Ramona, gesehen, dass selbst bei Psychothrillern berühmter Autoren, superspannend und toll geschrieben,

manchmal das Ende abrupt und enttäuschend kommt. Da kann ich mich dann des Gedankens nicht erwehren, dass sie nicht so genau gewusst haben, worauf das Ganze eigentlich hinauslaufen soll.