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Geschichtenerzähler waren schon immer im Vorteil


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26 Antworten zu diesem Thema

#1
Manfred

Manfred
  • 213 Beiträge
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"Die Geschichten von Erzählern in ursprünglich lebenden Jäger-Sammler-Kulturen handeln oft von kooperativen und egalitären Werten, berichten Forscher. Damit prägen die männlichen und weiblichen Geschichtenerzähler ihre Gemeinschaften deutlich."

 

Mehr hier: http://www.wissensch.../12054/21408051

 

Und hier das Original: http://www.nature.co...467-017-02036-8

 

"Storytelling is a human universal. From gathering around the camp-fire telling tales of ancestors to watching the latest television box-set, humans are inveterate producers and consumers of stories. Despite its ubiquity, little attention has been given to understanding the function and evolution of storytelling. Here we explore the impact of storytelling on hunter-gatherer cooperative behaviour and the individual-level fitness benefits to being a skilled storyteller."


Bearbeitet von Manfred, 06.12.2017 - 23:17,


#2
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.554 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

Lieber Martin, danke für den Link. Ich werde den Artikel lesen, das Thema ist hochinteressant. Nur mal vorausgeschickt, glaube ich, dass das Geschichtenerzählen und das Lauschen von Geschichten ein ganz wichtige Funktion des Menschseins darstellt. Und dass das Bedürfnis nach Stimulus und Unterhaltung eigentlich nur der Anreiz zu Wichtigerem ist, dem Erfahrungsaustausch und der Lehren aus den Erfahrungen anderer. So wie die Jäger nach der Jagd besprachen, was gut gelaufen war, was zu verbessern, so dienen Geschichten am Lagerfeuer dazu, den eigenen Erfahrungsschatz, den wir in uns tragen zu erweitern. Man macht sich die Erfahrungen einer ganzen Gruppe, eines Stammes, einer Kultur zu eigen. Und das dient dazu, besser und klüger zu handeln, wenn wir mit Situationen konfrontiert werden, die wir selbst eigentlich gar nicht kennen. Deshalb auch die archetypischen Figuren und Situationen, die moralisierenden Elemente von Geschichten. Und um die Lektionen schmackhaft zu machen, sollen die Geschichten spannend und nie langweilig sein. Genauso wie Gerüchte (oft verachtet) eigentlich wichtig sind, denn sie warnen uns, was in unserm Umfeld vor sich geht. Und Geschichten bereiten uns aufs Leben vor. Besonders bei Kindern wichtig. 


Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#3
MartinC

MartinC
  • 729 Beiträge
  • Dabei seit 10.06.13

Lieber Martin, danke für den Link. Ich werde den Artikel lesen, das Thema ist hochinteressant. Nur mal vorausgeschickt, glaube ich, dass das Geschichtenerzählen und das Lauschen von Geschichten ein ganz wichtige Funktion des Menschseins darstellt. Und dass das Bedürfnis nach Stimulus und Unterhaltung eigentlich nur der Anreiz zu Wichtigerem ist, dem Erfahrungsaustausch und der Lehren aus den Erfahrungen anderer. So wie die Jäger nach der Jagd besprachen, was gut gelaufen war, was zu verbessern, so dienen Geschichten am Lagerfeuer dazu, den eigenen Erfahrungsschatz, den wir in uns tragen zu erweitern. Man macht sich die Erfahrungen einer ganzen Gruppe, eines Stammes, einer Kultur zu eigen. Und das dient dazu, besser und klüger zu handeln, wenn wir mit Situationen konfrontiert werden, die wir selbst eigentlich gar nicht kennen. Deshalb auch die archetypischen Figuren und Situationen, die moralisierenden Elemente von Geschichten. Und um die Lektionen schmackhaft zu machen, sollen die Geschichten spannend und nie langweilig sein. Genauso wie Gerüchte (oft verachtet) eigentlich wichtig sind, denn sie warnen uns, was in unserm Umfeld vor sich geht. Und Geschichten bereiten uns aufs Leben vor. Besonders bei Kindern wichtig. 

 

Sehr schön gesagt! Da gibt es nichts mehr hinzuzufügen, außer, dass Martin Manfred heißt. :)

LG

Martin


_______________________________________________________

www.martinconrath.de

Jede Art des Schreibens ist erlaubt - nur nicht die langweilige (Voltaire)


#4
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.554 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

Stimmt, wie blöd von mir. Sorry, Manfred.  :)


Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#5
Manfred

Manfred
  • 213 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

... kein Problem, Ulf. Das war sicher die Autokorrekturfunktion. Da ist mir schon Schlimmeres passiert. Ich schreibe einer Kollegin "... und dir noch eine gute Arbeitswoche." Und was macht die Autokorrektur daraus?  "... und dir noch eine gute ArbeitsSUCHE."  :(

 

Hier noch ein kleines Appetithäppchen aus dem Aufsatz:

 

"We also show that the presence of good storytellers is associated with increased cooperation. In return, skilled storytellers are preferred social partners and have greater reproductive success ..."



#6
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.554 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

... kein Problem, Ulf. Das war sicher die Autokorrekturfunktion. Da ist mir schon Schlimmeres passiert. Ich schreibe einer Kollegin "... und dir noch eine gute Arbeitswoche." Und was macht die Autokorrektur daraus?  "... und dir noch eine gute ArbeitsSUCHE."  :(

 

Hier noch ein kleines Appetithäppchen aus dem Aufsatz:

 

"We also show that the presence of good storytellers is associated with increased cooperation. In return, skilled storytellers are preferred social partners and have greater reproductive success ..."

 

 

Deswegen habe ich es inzwischen schon auf acht Enkel gebracht! Und es werden wahrscheinlich noch mehr.  ;D


Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#7
Wolf

Wolf
  • 156 Beiträge
  • Dabei seit 21.10.08
Zu diesem Thema fällt mir nur grad ein, dass das Alte Testament ein Sammelsurium alter Legenden oder Geschichten ist. Und was haben diese Geschichten für eine Kraft entwickelt. Sie bestimmen drei Weltreligionen.

Liebe Grüße
Wolf

#8
Ramona

Ramona
  • 2.437 Beiträge
  • Dabei seit 17.03.11

Danke für den Link, Manfred. Sehr interessant.

Sehr schöne Ergänzungen dazu, Ulf und Wolf.



 


“Your intuition knows what to write, so get out of the way.” (Ray Bradbury)

#9
Mascha

Mascha
  • 3.594 Beiträge
  • Dabei seit 30.01.10

Lieber Martin, danke für den Link. Ich werde den Artikel lesen, das Thema ist hochinteressant. Nur mal vorausgeschickt, glaube ich, dass das Geschichtenerzählen und das Lauschen von Geschichten ein ganz wichtige Funktion des Menschseins darstellt. Und dass das Bedürfnis nach Stimulus und Unterhaltung eigentlich nur der Anreiz zu Wichtigerem ist, dem Erfahrungsaustausch und der Lehren aus den Erfahrungen anderer. So wie die Jäger nach der Jagd besprachen, was gut gelaufen war, was zu verbessern, so dienen Geschichten am Lagerfeuer dazu, den eigenen Erfahrungsschatz, den wir in uns tragen zu erweitern. Man macht sich die Erfahrungen einer ganzen Gruppe, eines Stammes, einer Kultur zu eigen. Und das dient dazu, besser und klüger zu handeln, wenn wir mit Situationen konfrontiert werden, die wir selbst eigentlich gar nicht kennen. Deshalb auch die archetypischen Figuren und Situationen, die moralisierenden Elemente von Geschichten. Und um die Lektionen schmackhaft zu machen, sollen die Geschichten spannend und nie langweilig sein. Genauso wie Gerüchte (oft verachtet) eigentlich wichtig sind, denn sie warnen uns, was in unserm Umfeld vor sich geht. Und Geschichten bereiten uns aufs Leben vor. Besonders bei Kindern wichtig. 

 

Ja, sehr schön gesagt!



#10
Mascha

Mascha
  • 3.594 Beiträge
  • Dabei seit 30.01.10

Zu diesem Thema fällt mir nur grad ein, dass das Alte Testament ein Sammelsurium alter Legenden oder Geschichten ist. Und was haben diese Geschichten für eine Kraft entwickelt. Sie bestimmen drei Weltreligionen.

Liebe Grüße
Wolf

 

Dawürde ich eher sagen: Was für einen fürchterlichen Schaden haben diese Geschichten angerichtet, wie viele Leben haben sie gefordert und wie viele Kriege haben sie ausgelöst!



#11
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.554 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

 

Zu diesem Thema fällt mir nur grad ein, dass das Alte Testament ein Sammelsurium alter Legenden oder Geschichten ist. Und was haben diese Geschichten für eine Kraft entwickelt. Sie bestimmen drei Weltreligionen.

Liebe Grüße
Wolf

 

Dawürde ich eher sagen: Was für einen fürchterlichen Schaden haben diese Geschichten angerichtet, wie viele Leben haben sie gefordert und wie viele Kriege haben sie ausgelöst!

 

 

Ja, der eifersüchtige Gott des ersten Testaments. Und als nüchterner Atheist muss ich dir da leider zustimmen.


Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de


#12
Wolf

Wolf
  • 156 Beiträge
  • Dabei seit 21.10.08

 


 

Dawürde ich eher sagen: Was für einen fürchterlichen Schaden haben diese Geschichten angerichtet, wie viele Leben haben sie gefordert und wie viele Kriege haben sie ausgelöst!

 

 

Das ist immer eine Frage der Perspektive. In meinen Augen ist es aber nicht unbedingt eine Frage der Geschichten, die nur einen Fehler hatten: sie waren zu gut. Wären sie nicht gewesen, hätten die Kriegstreiber schon einen anderen Grund gefunden, denn die Ursachen sind andere. Und Anlässe kann man immer schaffen.

 

Liebe Grüße

Wolf



#13
Manfred

Manfred
  • 213 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

Die Links, die ich gepostet habe, beziehen sich auf Forschung. Dabei geht es darum, welche Rolle das Geschichtenerzählen in der Entwicklung des Menschen hatte. Es stellt sich folgendes heraus:

 

- Geschichtenerzählen ist eine ur-menschliche Sache, die überall auf der Welt auftritt ( wahrscheinlich schon zig-tausend Jahre vor dem Auftreten von Schrift).

 

- Geschichten geben schon in frühester Zeit der Gruppe sozialen Zusammenhalt und vermitteln Werte und Erfahrungen,

 

- Die Ur-Geschichten sind egalitär.



#14
Wolf

Wolf
  • 156 Beiträge
  • Dabei seit 21.10.08

Und sie werden wahrscheinlich auch helfen, Traumata zu verarbeiten.

 

Wissenschaftler haben eine sehr gut begründete Theorie, wo das christliche Paradies einmal lag. Am Zusammenfluss von Euphrat und Tigris, aber heute unter Wasser. Und auch die Sintflut, eine Geschichte, die es in allen Kulturen gibt, wird dort angesiedelt. Sie kam als das Mittelmeer wieder volllief. Und das war am Ende der letzten Eiszeit. Lange bevor es die Schrift gab. Und diese Geschichten haben sich bis heute erhalten. das muss man sich einmal vorstellen. Ur-menschlich? Ganz bestimmt.

 

Wolf



#15
Angelika Jo

Angelika Jo
  • 2.905 Beiträge
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Das Alte Testament hat auf jeden Fall (sieht man mal ab von "Joshua zeugete Samuel, Samuel aber zeugete Ismael, Ismael aber ...") saftigere Geschichten als das Neue. Das lässt sich schon an den Gemälden in den Galerien der Welt sehen: Was ist eine "Verkündigung" oder "Beweinung" gegen eine "Susanna im Bade" oder "Judith und Holofernes"? 

 

Dass früher landhungrige Stämme, heute machtgeile Politiker sich auf "Gottes Wort" berufen, wenn sie ihr Volk auf Kriege einstimmen, kreide ich diesen Herrschaften an, nicht den Schriften. Man muss sie halt als Geschichten wahrnehmen, nicht als heiligen Auftrag mit Todesfolge.

 

Angelika


Bearbeitet von Angelika Jo, 08.12.2017 - 10:18,

Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de


#16
Mascha

Mascha
  • 3.594 Beiträge
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Das Alte Testament hat auf jeden Fall (sieht man mal ab von "Joshua zeugete Samuel, Samuel aber zeugete Ismael, Ismael aber ...") saftigere Geschichten als das Neue. Das lässt sich schon an den Gemälden in den Galerien der Welt sehen: Was ist eine "Verkündigung" oder "Beweinung" gegen eine "Susanna im Bade" oder "Judith und Holofernes"? 

 

Dass früher landhungrige Stämme, heute machtgeile Politiker sich auf "Gottes Wort" berufen, wenn sie ihr Volk auf Kriege einstimmen, kreide ich diesen Herrschaften an, nicht den Schriften. Man muss sie halt als Geschichten wahrnehmen, nicht als heiligen Auftrag mit Todesfolge.

 

Angelika

 

 

ja, als Geschichten funktionieren sie hervorragend. Gute Plots, Spannung, Drama, passt alles!



#17
Olaf

Olaf
  • 254 Beiträge
  • Dabei seit 19.07.16
Und auch die Sintflut, eine Geschichte, die es in allen Kulturen gibt, wird dort angesiedelt. Sie kam als das Mittelmeer wieder volllief. Und das war am Ende der letzten Eiszeit. Lange bevor es die Schrift gab. Und diese Geschichten haben sich bis heute erhalten. das muss man sich einmal vorstellen. Ur-menschlich? Ganz bestimmt.

 

Wolf

 

Sorry, da stimmt einiges nicht so ganz.

  • Sintflut-Mythen gibt es tatsächlich rund um den Globus, nur in Afrika fehlen sie. Dass beispielsweise auch die Ureinwohner Amerikas solche Geschichten haben, spricht aber eher gegen ein Ereignis im Mittelmeeraum/Vorderasien.
  • Das Mittelmeer lag während der letzten Eiszeit um rund 120 m tiefer, war aber nicht ausgetrocknet.
  • Du meinst vermutlich die Flutung des Schwarzen Meeres, denn dieses Ereignis bringen manche Wissenschaftler tatsächlich mit dem Sintflut-Mythos in Zusammenhang. Aber diese Hypothese ist heftig umstritten. 
  • Neben einer Reihe von geologischen Problemen hat die Schwarzes-Meer-Idee auch den Haken, dass die Flutung rund 9000 Jahre zurück liegt. Die Geschichte müsste daher schätzungsweise 3000 Jahre mündlich weitergegeben worden sein. Das ist dann doch ein bisschen sehr lange, weshalb nur wenige daran glauben.

Beim Thema Sintflut weiß ich zufällig einigermaßen Bescheid, weil mein neues Sachbuch sich unter anderem auch damit beschäftigt. Mit der Suche nach dem Paradies kenne ich mich nicht so aus, aber da bin ich ebenfalls extrem skeptisch, dass es eine "sehr gut begründete Theorie" zu dessen Lage gibt.


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#18
Hanna Aden

Hanna Aden
  • 260 Beiträge
  • Dabei seit 03.12.15

Vielen Dank für diesen spannenden Artikel :). Hat beim Lesen gut gefallen.



#19
AndreasH

AndreasH
  • 362 Beiträge
  • Dabei seit 18.07.10

Vielen Dank, Manfred!


www.klippenschreiber.de

#20
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.554 Beiträge
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Der Artikel legt dar, dass Geschichtenerzählen Kooperation fördert. Das ist sicherlich wahr. Und das tut die Religion natürlich auch. Besonders, nachdem der Mensch dank der Landwirtschaft größere Bevölkerungen ernähren konnte. Um die alle zusammenzuhalten, sind gemeinsame Riten, gemeinsame Götter und vor allem gemeinsame Geschichten nützlich. Religionen sind voll davon. Jesus am Kreuz, der für euch gestorben ist! Und Maria mit dem Kind in Bethlehem. Das sind machtvolle Bilder. Gerade deshalb bedienen sich Herrscher der Macht der Religionen. Der von Gott eingesetzte König. Super-Rechtfertigung für Unterdrücker und Kleptokraten.


Der Bastard von Tolosa, Die Comtessa, Die Hure Babylon, Das Schwert des Normannen, Die Rache des Normannen, Der Schwur des Normannen, Der Sturm der Normannen, Bucht der Schmuggler, www.ulfschiewe.de