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Fan schickt Nobelpreisträger-Buch an Verlage und kassiert Absagen


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11 Antworten zu diesem Thema

#1
AngelaB

AngelaB
  • 110 Beiträge
  • Dabei seit 21.02.17
Da musste ich grinsen (auch wenn das Thema natürlich schon noch komplexer ist):
https://www.theguard...y-19-publishers

#2
DirkH

DirkH
  • 665 Beiträge
  • Dabei seit 29.04.15

Es stellt sich die Frage, wer den Text besser beurteilten kann: die französischen Verlage oder das Nobelkomitee. 


Sagt Abraham zu Bebraham: Kann ich mal dein Cebraham?


#3
Ramona

Ramona
  • 2.486 Beiträge
  • Dabei seit 17.03.11

Schlusszeile:
"This article was amended on 13 December. Claude Simon did not win the Nobel Prize for The Palace, as we stated in the previous headline. He won it for his body of work."


“Your intuition knows what to write, so get out of the way.” (Ray Bradbury)

#4
JuliaD

JuliaD
  • 41 Beiträge
  • Dabei seit 07.10.17

Es stellt sich die Frage, wer den Text besser beurteilten kann: die französischen Verlage oder das Nobelkomitee. 

 

Klar, und wie Angela ja auch meinte, das Thema ist komplexer. Dennoch würde ich auch gern mal so einen Versuch unternehmen: ein beliebiges, gern gehyptes, Buch als Manuskript an Verleger und Agenten schicken und sehen, was passiert. Ich glaube, es wäre sehr erhellend.



#5
AndreasG

AndreasG
  • 1.176 Beiträge
  • Dabei seit 16.09.07

Solche Experimente gibt es ja immer wieder. Was soll damit eigentlich bewiesen werden? Dass alle abgelehnten Texte in Wirklichkeit gut sind und sich ihre Autoren somit als verkannte Genies fühlen dürfen? Oder dass Lektoren Fehler machen und Qualität nicht erkennen? Ja, das soll vorkommen. In diesem konkreten Fall wollte ein alter Autor zeigen, dass früher vielleicht nicht alles, aber vieles besser war. Sicher. Man möchte hinzufügen: Manches war auch schlechter. Claude Simons Texte sind im Übrigen ja wirklich schwer zu lesen (was wohl generell für den nouveau roman gilt), eine Vergnügen also nur für die Happy Few (und zu ihrer Zeit in gewissen literarischen Kreisen trotzdem sehr in Mode); und was die ablehnenden Lektoren sagen, stimmt ja auch.


"Stirb leise, mein Engel", Jugendthriller, Oetinger Verlag 2014, "Hörst du den Tod?", Jugendthriller, Oetinger Verlag 2014, "Denn morgen sind wir tot", Jugendbuch, Oetinger Verlag 2015, "Bad Boys & Little Bitches", Jugendbuch Oetinger Verlag 2017 und 2018


#6
GesineS

GesineS
  • 478 Beiträge
  • Dabei seit 13.05.13

Lange bevor sie den Literaturnobelpreis erhielt, hat Doris Lessing ja ein ähnliches Experiment mit zwei eigenen Romanmanuskripten gemacht, die sie als "Jane Somers" verschiedenen Verlagen einreichte.

 

"… unter anderem ihrem eigenen. Sie erhielt nur Absagen, fand beinahe keinen Verleger dafür und verkaufte dann von beiden Büchern lediglich 4500 Exemplare insgesamt - in England und in den USA zusammen."

SZ vom 17. November 2013

 

Wobei sie im Vorwort meiner Ausgabe, die unter Doris Lessing erschien, schreibt, dass zwei Verleger sie als Autorin erkannten, aber vorerst beim Spiel mitmachten. Ich glaube, ich lese die beiden Romane mal wieder. An die Handlung kann ich mich nur vage erinnern und der Rückentext klingt interessant :-)



#7
AngelaB

AngelaB
  • 110 Beiträge
  • Dabei seit 21.02.17
Ich denke einfach, Experimente wie dieses helfen Autoren, Ablehnung durch „den Markt“ nicht ganz so schwer zu nehmen. Beweisen lässt sich damit aber nichts, da stimme ich Dir zu, Andreas, auch, was Du über den nouveau roman sagst. :-)

#8
MartinC

MartinC
  • 743 Beiträge
  • Dabei seit 10.06.13

Mich beruhigen solche Experimente, weil sie mir immer wieder klar machen: Der Buchmarkt ist und bleibt unberechenbar. Weder muss ein erfolgreiches Buch gut sein noch ein gutes Buch erfolgreich. Jeder Wurf kann das große Los sein oder der Griff ins Clo.

 

Und da bald Weihnachten ist, prophezeie ich: "Wahrlich, ich sag euch, Heulen und Zähneknirschen wird über die Autorinnen und Autoren kommen, wenn sich das ändern sollte!"  : :)  

 

LG

Martin


Bearbeitet von MartinC, 14.12.2017 - 16:51,

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www.martinconrath.de

Jede Art des Schreibens ist erlaubt - nur nicht die langweilige (Voltaire)


#9
Nina

Nina
  • 923 Beiträge
  • Dabei seit 28.10.05

Also ich muss sagen, dass ich solche Experiemente, die ja vor allem auf Schadenfreude basieren, nicht gutheiße. Ich habe mal anders darüber gedacht, aber da war noch jünger und hatte nicht im Kopf, wie viele Anfragen wer täglich hat. - Ich weiß, dass ich da humorlos bin. Aber: Jeder in einem Verlag sollte sich darauf verlassen können, dass eine Bewerbung auch ernsthaft ist und dass das eingereichte Manuskript auch tatsächlich zur Verfügung steht. (Zumindest zu dem Zeitpunkt - klar, sich auch wonders zu bewerben, ist legitim.) Klar boomen die Pranks, Anruf da und dort,  versteckte Kamera ist dagegen gestern, Erschrecken durch Horror-Clowns - der tatsächlich Arbeitssuchende "freut" sich übrigens auch sehr, wenn die Arbeitszeit des Pensonalchefs durch Spaßanfragen, die bei Antwort dann auf Facebook landen, in Anspruch genommen wird.  

 

Letztendlich gewöhnt man seinem Gegenüber vor allem ab, eine Begründung zu liefern. Zu lange Sätze? - Das ist ja was, mit dem Autor arbeiten kann - oder halt auch nicht, aber man weiß zumindest, was Sache ist. Weil heutzutage ist ja jede Begründung ellenlanges Thema bei Facebook. Da schreiben viele gleich gar nicht mehr zurück oder halt nicht-personalisierten Standard. (Verlagsprogramm voll blah.) 



#10
IlonaS

IlonaS
  • 820 Beiträge
  • Dabei seit 14.08.13

Solche Experimente gab es öfter, Stephen King hat das gemacht und J.K. Rowlings mit ihrem Pseudonym Versuch. Ich denke schon, dass es zeigt, wie die Verlagsbranche tickt. Mit einem auf dem Markt etablierten Namen geht das Veröffentlichen einfacher, denn Verkaufbarkeit - und die hängt stark mit dem Namen eines schon erfolgreichen Autors zusammen - ist der Dreh- und Angelpunkt des Gewerbes. Ein berühmter Autorenname kann ungestraft schwächere Manuskripte herausbringen, ein No-Name nicht. 


Krimis, Liebe und Mehr: http://www.ilonaschmidt.com


#11
Matthias

Matthias
  • 200 Beiträge
  • Dabei seit 13.01.16

The French writer Claude Simon, who won the Nobel prize for literature in 1985, would not be published today, according to an experiment conducted by one of his fans.

 

Mich wundert das überhaupt nicht. 1985, das ist 32 Jahre her! Claude Simon hat den Nobelpreis, wie ja schon weiter oben erwähnt, für sein Lebenswerk erhalten (was ja noch weiter zurückreicht). Ich habe nie ein Buch von Simon gelesen habe, daher kann ich, was das Inhaltliche angeht hier nichts sagen, aber ich weiß, dass damals  der Buchmarkt ganz anderes funktionierte als heute. Es gab insgesamt weniger Veröffentlichungen im Jahr und die Verlagswelt krankte noch nicht wie heute. Es gab noch keine Computer (jedenfalls nicht in jedem Haushalt) weswegen auch nicht jeder Hans und Franz sich berufen fühlte, seinen Bauchnabel veröffentlichen zu müssen. Die Hausautoren saßen (relativ) fest im Sattel der Verlage.

 

Heute konkurrieren viel, viel mehr Autoren um viel, viel weniger Chancen, veröffentlicht und gelesen zu werden. Wenn heute ein Verlag das Buch von Claude Simon aus dem Jahr 1985 ablehnt, erfüllt es vermutlich einfach nicht mehr die Ansprüche. Was ist daran so aufregend? Ich behaupte einfach mal, dass sogar ein Ernest Hemingway untergehen würde, weil er zu langweilig schreibt, zu frauenverachtend schreibt und in seinen Büchern sein persönliches Faible für die Großwildjagd erkennbar wird. Die Menschheit würde inzwischen auf die Barrikaden gehen, wenn so einer auch noch mit einem Nobelpreis geehrt werden würde!

 

LG

Matthias


Bearbeitet von Matthias, 18.12.2017 - 16:12,


#12
AndreasE

AndreasE
  • 1.922 Beiträge
  • Dabei seit 01.04.07

Es gibt ja auch die genau entgegengesetzten Fälle: ein Autor/eine Autorin orientiert sich allzu eng an einem älteren, erfolgreichen Vorbild, das Buch gerät zum Plagiat – wird aber ebenfalls erfolgreich. Bis schließlich jemand das Plagiat aufdeckt und große Empörung einsetzt.