Inhalte aufrufen

Profilbild

Dialekt(e)


  • Zum Antworten bitte anmelden
48 Antworten zu diesem Thema

#1
Angelika Jo

Angelika Jo
  • 2.921 Beiträge
  • Dabei seit 03.07.07

Liebe Gemeinde, folgendes lese und höre ich zum Dialekt:

 

- pfui, Kinder redet Hochdeutsch! (früher)

- o mein Gott, die Dialekte sterben aus, jammer-jammer! (heute)

- in dem Buch waren ein paar Dialoge im Dialekt geschrieben, fand ich super!

- in dem Buch waren ein paar Dialoge im Dialekt geschrieben, ich hasse Hessisch, Bairisch, Schwäbisch ...!

 

und dazu hätte ich folgende Frage(n) an euch:

 

Sprecht ihr selbst Dialekt?

Wenn nicht, versteht ihr den Dialekt in eurer Umgebung?

Bedauert ihr es, dass die jüngere Generation nur noch wenig im Dialekt spricht?

Was kann eurer Meinung nach der Dialekt, was kann er nicht?

Wie empfindet ihr Dialektpassagen in einem Buch?

 

Herzlich,

Angelika


Bearbeitet von Angelika Jo, 05.02.2018 - 13:13,

Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de


#2
Christa

Christa
  • 6.515 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Hi, Angelika, ich spreche keinen Dialekt, weil ich ein Fischkopf bin.  ;) Obwohl ich schon länger als 40 Jahre im Schwäbischen lebe,

färbt das einfach nicht ab. Außer mal Wörter wie "eh" oder parodierend "etzetle". Die Schwaben verstehe ich natürlich sehr gut, den Dialekt der Pfälzer mag ich, weil er so singend klingt, und bei den Bayern mag ich das Bodenständige der Sprache, verstehe aber nicht alles. Dass die junge Generation wenig Dialekt spricht, habe ich noch gar nicht gemerkt. Tatsächlich?

 

Der Dialekt kann vieles authentischer rüberbringen und alte Wörter bewahren. Er kann sich sicher nicht als Schriftsprache oder bei offiziellen Anlässen durchsetzen. Wahrscheinlich werden auch heute noch schwäbische Studenten, die sich in einer Hamburger Uni zu Wort melden, mit den Worten begrüßt: "Sie sind aber auch nicht von hier!" In Büchern mag ich längere Dialektpassagen nicht, einfach, weil es nicht meine Sprache und daher anstrengend zu lesen ist. ;) Doch sparsam eingestreut wie ein Gewürz, kann es einen Text nur zutatenmäßig abrunden und vollenden.



#3
Wolf

Wolf
  • 179 Beiträge
  • Dabei seit 21.10.08
Ich verstehe Kölnisch (Kölsch ist eijn Bier) und spreche es immer noch so lala, was heißt, dat isch füre ne Imi als Rheinländer durschjehn könnt. Bielefelder Messingsch als Alternative ist wohl nicht unbedingt ein Dialekt, aber Plattdeutsch war schon in den Fünfziger Jahren selten geworden.
Da, wo ich jetzt über 30 Jahre wohne (Mosel/Eifel/Hunsrück)verstehe ich kein Wort. Aber mein Sohn, der hier geboren und aufgewachsen ist. Ich mag diesen Dialekt aber auch nicht besonders, vielleicht hemmt das beim Erlernen.

Mir gefällt Dialekt im Text, wenn er gut geschrieben ist. Eher so in die Messings-Richtung, denn bei völlig fremden Worten versteht man sonst nichts mehr. Lehrer Bömmel in Spoerls Feuerzangenbowle oder Heide Kabel im Ohnsorgtheater gedruckt. Clavell hat seine Briten ja auch Dialekt sprechen lassen, was aber nicht mehr als clipped English war. Will sagen, ich brauche das Hochdeutsche zum erkennen unter der gefärbten Aussprache, sonst lese ich es nicht.

Ich finde es gut, wenn man als Kind seinen Heimatdialekt lernt, aber nicht, dass man auf das Hochdeutsche verzichtet. Ich verstehe weder Bayrisch noch Norddeutsch (Hamburg, Schleswig-Holstein), wenn die wirklich Dialekt sprechen und nicht nur gefärbt. Ich finde, es klingt schön und man sollte es pflegen, aber nicht auf Kosten der Verständlichkeit. (Habe ich mal erlebt bei Lehrern der Handwerkskammer ;D )

Trippelschritt

#4
DorisC

DorisC
  • 1.412 Beiträge
  • Dabei seit 25.07.11

Hallo, Angelika,

mir geht’s wie Christa, obwohl ich (ehem. Hannoveranerin) mein halbes Leben in Dialektgebieten wohne und sogar mit einem Oberbayern verheiratet bin.

Ein leichter „Zungenschlag“ gefällt mir sehr gut, sogar Schwäbisch oder Sächsisch, aber ich bekenne: wenn Leute unfähig sind, auf Hochdeutsch umzuschalten, muss ich sofort und sehr dringend heim.

 

Als in Süddeutschland lebende Autorin bemühe ich mich, hierherum typische Worte aus dem regionalen Fundus wie z.B. „Bub“ (=kleiner Junge) zu vermeiden bzw., falls er mir doch mal passiert, ins normale Deutsch zu transferieren. Das fällt manchmal nicht leicht, das Ohr hat sich halt gewöhnt. Zudem sind meine Testleser aus der Gegend, denen fällt solch ein alltäglicher Begriff schon mal überhaupt nicht als süddeutsch auf. Und meine bisherige Lektorin war Französin ...

 

Zu deiner Frage: Ja, im Dialog, aber auch dort sparsam, quasi für die Stimmung, und um die Figur besser zu konturieren/charakterisieren.

 

Lieben Gruß

Doris


MAROKKO-SAGA bei Blanvalet: Das Leuchten der Purpurinseln,  Die Perlen der Wüste,  Das Lied der Dünen.

Neu Dez. 2017: DIE WOLKENFRAUEN


#5
Margot

Margot
  • 1.958 Beiträge
  • Dabei seit 10.09.10

Liebe Angelika

 

Sprecht ihr selbst Dialekt? - Ja, den ganzen Tag. ;)  Schweizerdeutsch

 

Wenn nicht, versteht ihr den Dialekt in eurer Umgebung? - Ja, aber nicht alle Dialekte gleich gut. Bei gewissen deutschen Dialekten muss ich auch passen. Vor allem, wenn genuschelt wird. Im TV schalte ich dann gleich weiter bzw. ab.

 

Bedauert ihr es, dass die jüngere Generation nur noch wenig im Dialekt spricht? - Bei uns geht der Trend wieder mehr zum Dialekt (Bücher, Lieder etc. Sogar die Bibel wurde in verschiedene Dialekt übersetzt.). Dass die Jungen weniger Dialekt sprechen, kann ich (hier) nicht bestätigen.

 

Was kann eurer Meinung nach der Dialekt, was kann er nicht? - Er vermittelt mMn eher Klischees. Auf die Schweiz gemünzt: Berner sind langsam, Zürcher arrogant etc. Mich nervt das.

 

Wie empfindet ihr Dialektpassagen in einem Buch? - Ich kann sie nicht ausstehen!  :D  Ein Fluch, ein einzelnes Wort u.Ä. kann passend sein, aber mehr als ein Satz geht - für mich - gar nicht.

 

Grüsse

Margot



#6
AndreaRings

AndreaRings
  • 701 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

Sprecht ihr selbst Dialekt? Ja, Eifler Platt

Wenn nicht, versteht ihr den Dialekt in eurer Umgebung? Ich lebe jetzt am Niederrhein und verstehe eigentlich alles, das gehört ja auch noch zum Rheinland, auch wenn ich wenige Kilometer oberhalb der Benrather Linie (einer Lautverschiebungsgrenze) wohne und das auch bewusst wahrnehme.

Bedauert ihr es, dass die jüngere Generation nur noch wenig im Dialekt spricht? Nein meine Kinder sprechen keinen Dialekt, dafür spricht einer aktuell die Ibims-Sprache, und das konsequent und dauerhaft seit einem Jahr :-) Sprache ist nun mal lebendig, wenn die jüngere Generation den Dialekt nicht mehr spricht, ist das eben so. Für mich ist es wichtiger, wenn die junge Generation richtiges Hochdeutsch kann.

Was kann eurer Meinung nach der Dialekt, was kann er nicht? Es gibt manchmal Wörter, die ich nicht mit einem Wort übersetzen kann. Ein typisches Beispiel aus meinem Eifler Platt dafür wäre z.B. das Adjektiv "amödig", was soviel bedeutet wie "jemand ist körperlich anhänglich" oder "ein Kind, das gerne kuschelt", aber nur, wenn diese Anhänglichkeit als angenehm empfunden wird. Ich mag auch den Gesang in meiner Sprache sehr, darüber drückt sich vieles aus, auch die Stimmung. Was Dialekt nicht kann? Sich verständlich machen, wenn es z.B. tiefstes Bayrisch ist ;-)

Wie empfindet ihr Dialektpassagen in einem Buch? Geht so. Ich bin oft als Schnellleserin unterwegs, überfliege gerne mal eine Textpassage oder erfasse einen Satz im Ganzen. Da fällt es mir dann schwer,Text in einer "anderen" Sprache zu verstehen und ich fühle mich gezwungen, das Tempo zu drosseln um genau zu entziffern. Interessanterweise gibt es Bücher, die ich nicht im Schnelltempo lese, weil ich den Rhythmus oder die Schönheit der Sprache genießen will. Die lese ich ganz anders, die zelebriere ich ein bisschen. Da würde mich dann eine Dialekt-Passage gar nicht so sehr stören, Voraussetzung ist natürlich, dass ich den Text verstehe. Und ich sehe es ähnlich wie Doris, im Dialog spärlich eingesetzt, passt es.

 

Liebe Grüße

Andrea


Homepage | Parkour | "Autoren Dingsda", Kinder- und Jugendbuchautoren bei YouTube und Facebook


#7
UlrikeS

UlrikeS
  • 2.281 Beiträge
  • Dabei seit 15.06.10

Liebe Angelika

 

Sprecht ihr selbst Dialekt?

 

Nein. Meine Eltern sprachen schon hochdeutsch. Aufgewachsen bin ich in Hessen, habe aber den Dialekt nie gesprochen

 

Wenn nicht, versteht ihr den Dialekt in eurer Umgebung?

 

Hier in Franken nicht. Ich kenne kaum echte Franken. Einer meiner Bekannten hier schreibt die "meefrängischen" Asterixe, der spricht aber trotzdem hochdeutsch mit mir. 

In Hessen, wo ich aufgewachsen bin, verstehe ich den Dialekt und höre ihn gerne, spreche ihn aber nicht

 

Bedauert ihr es, dass die jüngere Generation nur noch wenig im Dialekt spricht?

 

Eigentlich schon, ich mag Dialekte, sie sind so unmittelbar, manchmal ein bisschen dreckig, wenn du meinst, was ich meine. Aber ein Identifikationsmerkmal. Man sieht niemandem an, ob er Schwabe oder Pfälzer ist. Aber man kann es hören.

Ich schaue  gerade "Turn", eine Spionage-Serie während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Dort tauchen auch die hessischen Söldner auf, die für die Briten kämpfen mussten. Sie sprechen richtig hessisch. Auch, wenn man Originalton hört. So was als Erkennungsmerkmal liebe ich.

Der BR schafft das ja nicht, wenn was in Franken spielen soll, sprechen die Schauspieler niederbayerisch

 

Was kann eurer Meinung nach der Dialekt, was kann er nicht?

 

Identifiktion stiften. Besonders gut in Österreich gelungen :-) Und der Schweiz, natürlich :-)

Wenn ich hessisch höre, fühle ich mich sofort wieder wie zu Hause

 

Wie empfindet ihr Dialektpassagen in einem Buch?

 

Nervig, wenn ich den Dialekt nicht kenne. Selbst wenn ich ihn kenne, finde ich es zu langwierig, ihn zu lesen. Die meefrängischen Asterixe verstehe ich nur, wenn sie vorgelesen werden.

Also, homöopathische Dosen wie vereinzelte Wörter, die fürs Verständnis nicht zwingend notwendig sind, sind okay



#8
Frau Klein

Frau Klein
  • 334 Beiträge
  • Dabei seit 08.02.13

Muttersprache: Ruhrpott

1. Fremdsprache: Sauerländer Platt

(wobei es hier noch ein wenig hapert) 



#9
Christa

Christa
  • 6.515 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Zwischenbemerkung an Wolf: Obwohl ich in Schleswig-Holstein aufgewachsen bin und auch in Hamburg Wurzeln habe,

verstehe ich kein Platt, das waren für mich immer böhmische Dörfer. Oder Friesisch, oje. Lewwer duad üs Slaav!

 

Bei Expedia gibt es eine Dialektkarte, wo man sich einzelne Sätze anhören kann: 

https://blog.expedia...-dialekt-karte/

 

Sprechen die Kölner wirklich so? Am besten gefallen mir ja noch die Krümmele und "Ohne Kaffee kann ich nicht kämpfen",  auch wenn das Sächsische nicht gerade das ästhetischste ist.


Bearbeitet von Christa, 05.02.2018 - 18:11,


#10
MartinC

MartinC
  • 749 Beiträge
  • Dabei seit 10.06.13

Liebe Angelika,

 

ich bin im Saarland aufgewachsen und habe Saarländisches Platt gelernt, und zwar die Saarbrücker (eine rheinfränkische) Mundart. Wenn ich im Saarland bin, spreche ich Saarländisch, auch wenn ich beruflich unterwegs bin, und ich genieße es sehr. Wobei ich die Moselfränkische Variante kaum verstehe.

 

Jetzt lebe ich in Düsseldorf, verstehe den Dialekt hier, aber wehe, ich fange mit "aweiler awwer"  oder "Et Jackett hängt im Büro" an. Dann ist Spott noch das Harmloseste, was mir entgegen schlägt. :)

 

Für mich hat Dialekt etwas mit Heimat zu tun, also mit Wurzeln. Dennoch finde ich es nicht bedauerlich oder bedenklich, wenn junge Menschen keinen Dialekt mehr sprechen.

 

LG

Martin


_______________________________________________________

www.martinconrath.de

Jede Art des Schreibens ist erlaubt - nur nicht die langweilige (Voltaire)


#11
Lisa

Lisa
  • 1.561 Beiträge
  • Dabei seit 14.11.06

Liebe Angelika,

ich finde Dialekt ein sehr spannendes literarisches Werkzeug. Kennst du die Erzählung "Katzenzeit" von Inka Kleinke-Bialy? In dieser sprechen alle Figuren bis auf die Großmutter Hochdeutsch. Diese spricht einen Schwarzwälder Dialekt und zwar den vom Kinzigtal, also meinen Heimatdialekt :-) Die Autorin hat ihn eins zu eins wiedergegeben und manche Sätze versteht man als Nichtkinzigtäler sicher nicht, aber darum geht es auch nicht, man soll nicht zu 100% den Inhalt der Großmutter-Dialoge verstehen. Was man vom Klang der Worte her sofort fühlt (und versteht), ist: der Dialekt klingt drollig - und damit wirkt auch die Großmutter erstmal drollig. Eine alte Frau mit lautem Mundwerk, die viel spricht und sich lustig ausdrückt. Und genau das hat die Autorin gewollt. Dass man die Großmutter erstmal als drollige Person wahrnimmt, als "Original". Dabei ist die Großmutter alles andere als harmlos und nach und nach zeigen sich die Verschiebungen, zeigt sich die Gewaltspirale, die in dieser Familie von Mutter (Großmutter) auf die Tochter auf die Enkelin weitergegeben wird. Die Inhalte der Großmutter-Dialoge sind zum Teil sehr hart, da ist zum Beispiel von Missgeburt die Rede, aber das dialektale Wort dafür und der ganze dialektale Satz samt seinem eigenen "singenden" Rhythmus nehmen dem Inhalt seine Schärfe. Die Tochter wirkt mit ihren hochdeutschen Sätzen viel anklagender und schärfer, ihr Inhalt kommt "unverkleidet" daher. Es entsteht dadurch ein Verschiebung in der Leserwahrnehmung (erzählt wird von der Enkelin im Ich), nur durch den Einsatz von Dialekt. Das fand ich ganz großartig! 

 

Die Erzählung hat auch den Schwäbischen Literaturpreis gewonnen, das gestellte Thema war "Mundart" :-)

 

Liebe Grüße

Lisa


Neu: "Max und die Wilde Sieben - Die Drachenbande" (Kinderbuch ab 8, Oetinger) www.lisamariedickreiter.de


#12
Olaf

Olaf
  • 306 Beiträge
  • Dabei seit 19.07.16

Sprecht ihr selbst Dialekt? Nein. Aber mir hat einmal ein teilnehmender Germanistikprofessor in einem Computerkurs gesagt, dass man an meinem "e" die Herkunft aus Lübeck hören kann. Fragt mich nicht, wie.  :o 

Wenn nicht, versteht ihr den Dialekt in eurer Umgebung? Den norddeutschen Dialekt verstehe ich, Plattdeutsch ein bisschen, mit dem badischen Dialekt an meinem jetzigen Wohnort habe ich Probleme. Und in einigen Gegenden sind auch die Eingeborenen aufgeschmissen, wenn sie ins Nachbardorf kommen (kein Witz, haben mir mehrere Eingeborene erzählt … glaube ich  ;) ).

Bedauert ihr es, dass die jüngere Generation nur noch wenig im Dialekt spricht? Ich bedaure eher, dass hier viele Leute kein Hochdeutsch können. Also, echt nicht. Und die werden sauer, wenn man sie nicht versteht! Meiner Ansicht nach sollte man Hochdeutsch können, wer dann noch Dialekt lernen möchte, soll doch gerne. Irgendwie wäre es schon schade, wenn dieses Kulturgut verloren ginge. 

Was kann eurer Meinung nach der Dialekt, was kann er nicht? Er kann Menschen trennen und zu Konflikten führen. Benutzt man hier beispielsweise das Wort "Portemonnaie", das im Norden üblich ist, halten einen die Leute hier für arrogant, weil nur "Geldbeutel" in Ordnung ist. Dialekte können auch total verwirren. In Baden geht der "Fuß" beispielsweise bis zur Hüfte - woanders sagt man dazu "Bein". Sowas gibt beim Arztbesuch interessante Missverständnisse. 

Wie empfindet ihr Dialektpassagen in einem Buch? Ich würde sie nur nutzen, wenn sie notwendig sind, weil beispielsweise die Bodenständigkeit einer Figur betont werden soll. Und auch dann nur andeuten, damit das Lesen nicht zu schwierig wird. 

 

Noch ein Aspekt, der hier bislang nicht erwähnt wurde: Dialekt wirkt für mich einfältig. - Ich weiß, dass das ein Vorurteil ist, und ich habe schon Professoren erlebt, die Dialekt sprechen. Dennoch ordne ich im ersten Moment einen Satz in Dialekt als weniger klug ein als den gleichen Satz in Hochdeutsch. Dagegen muss ich mit einer bewussten Analyse ansteuern, um den Inhalt an sich zu bewerten.  :-X


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#13
Olaf

Olaf
  • 306 Beiträge
  • Dabei seit 19.07.16

Die Erzählung hat auch den Schwäbischen Literaturpreis gewonnen, das gestellte Thema war "Mundart" :-)

 

Die Beschreibung des Inhalts und der Verwendung des Dialekts klingt sehr raffiniert und gut gemacht. Aber liest sowas irgendjemand außerhalb Schwabens? 


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#14
Lisa

Lisa
  • 1.561 Beiträge
  • Dabei seit 14.11.06

 

Die Erzählung hat auch den Schwäbischen Literaturpreis gewonnen, das gestellte Thema war "Mundart" :-)

 

Die Beschreibung des Inhalts und der Verwendung des Dialekts klingt sehr raffiniert und gut gemacht. Aber liest sowas irgendjemand außerhalb Schwabens? 

 

Du meinst außerhalb Schwabens UND Badens!  :s11

Ja, das denke ich schon, denn die Erzählung ist einfach sehr, sehr gut und es geht ja nicht um den Dialekt, sondern um eine beeindruckende Geschichte. Der Dialekt ist nur ein literarisches Stilmittel. Berliner KollegInnen, denen ich die Erzählung zu lesen gegeben habe, waren sehr beeindruckt.

Es gibt ja auch Romane, in denen Dialekte eingesetzt werden, die deutschlandweit funktionieren, also die Romane. Ich denke, wichtig ist, dass dieses Stilmittel - wie jedes andere auch - (psychologisch) motiviert eingesetzt wird. Und nicht als "Folklore" oder reine Atmosphäre.

 

Liebe Grüße

Lisa


Neu: "Max und die Wilde Sieben - Die Drachenbande" (Kinderbuch ab 8, Oetinger) www.lisamariedickreiter.de


#15
Christa

Christa
  • 6.515 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Noch ein Aspekt, der hier bislang nicht erwähnt wurde: Dialekt wirkt für mich einfältig. - Ich weiß, dass das ein Vorurteil ist, und ich habe schon Professoren erlebt, die Dialekt sprechen. Dennoch ordne ich im ersten Moment einen Satz in Dialekt als weniger klug ein als den gleichen Satz in Hochdeutsch. Dagegen muss ich mit einer bewussten Analyse ansteuern, um den Inhalt an sich zu bewerten.  :-X

 

Das habe ich heute auch schon gedacht. "Ich habe gedacht" oder "I han denkt" klingt ein bisschen wie Stadt und Land. Das wirklich breite Schwäbisch von der rauen Alb sogar etwas hinterwäldlerisch. 

 

Benutzt man hier beispielsweise das Wort "Portemonnaie", das im Norden üblich ist, halten einen die Leute hier für arrogant, weil nur "Geldbeutel" in Ordnung ist. Dialekte können auch total verwirren. In Baden geht der "Fuß" beispielsweise bis zur Hüfte - woanders sagt man dazu "Bein". Sowas gibt beim Arztbesuch interessante Missverständnisse. 

 

Ist hier ganz ähnlich. Das Portemonnaie ist für mich inzwischen zum Fremdwort geworden. Und inzwischen weiß ich auch, was "Weichsele" und "Ribele" sind. Das "Einfältige" kommt von dieser Verkleinerung und Verniedlichung, zumindest bei den Schwaben. Wenn ich zum Beispiel zum Landmetzger gehe (der bei uns "Schlachter" hieß), dann gucken sie heute noch mit großen Augen, wenn ich bestelle. Die Landfrauen machen das so: "Und dann hätt i noch gern a Schlachdplatt (heißt aber auch Metzelsupp, wobei sich Norden und Süden begegnen), und ein paar Rode (Bockwurst), und dann hätt i noch gern a Rädle Schinkewurst fürs Enkele uswusf." Ich dagegen bestelle ein Pfund Hackfleisch und Schinken, und fertig ist.

 

​Dein Beispiel finde ich sehr schön, Lisa. Das Norddeutsche, das Hochdeutsche  knallt so richtig rein ins Allemannische und in andere Dialekte. Deshalb haben ja Preussen und Schwaben heute noch Verständigungsschwierigkeiten. Und dieser Film ist bestimmt sehr sehenswert, wenn die Großmutter mit ihrem Dialekt für das Eingesessene des Kinzigtales steht, für Heimat eben, wie Martin schon sagte. Dann verstehen das auch die Berliner. Ich werde beim nächsten Besuch des Kinzigtales mal auf die Sprache achten.



#16
Lisa

Lisa
  • 1.561 Beiträge
  • Dabei seit 14.11.06

 

​Dein Beispiel finde ich sehr schön, Lisa. Das Norddeutsche, das Hochdeutsche  knallt so richtig rein ins Allemannische und in andere Dialekte. Deshalb haben ja Preussen und Schwaben heute noch Verständigungsschwierigkeiten. Und dieser Film ist bestimmt sehr sehenswert, wenn die Großmutter mit ihrem Dialekt für das Eingesessene des Kinzigtales steht, für Heimat eben, wie Martin schon sagte. Dann verstehen das auch die Berliner. Ich werde beim nächsten Besuch des Kinzigtales mal auf die Sprache achten.

 

Liebe Christa,

nein, der Dialekt steht in der Erzählung nicht für Heimat. Der Dialekt dient in der Erzählung dazu, vom Inhalt her knallharte Sätze abzuschwächen, harmloser wirken zu lassen.

 

Liebe Grüße

Lisa


Neu: "Max und die Wilde Sieben - Die Drachenbande" (Kinderbuch ab 8, Oetinger) www.lisamariedickreiter.de


#17
Inken

Inken
  • 1.711 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

Ich spreche keinen Dialekt, fange aber sehr schnell an, den Singsang meiner Umgebung anzunehmen. Angeblich hört man meine Wuppertaler Herkunft jedoch deutlich. Ich verstehe Eifeler Platt, Kölsch und Schwytzerdütsch (wird das so geschrieben?) und Kärntnerisch in Maßen. Meine Kids haben diese Fertigkeit nicht und lassen eher mich übersetzen. Ob das jetzt schlimm ist? Das Leben ändert sich eben ...

Ich finde Dialekte eigentlich schon toll. Sie klingen einfach gut. Sie schaffen ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Und immer wieder gibt es Wörter oder Ausdrücke, die im Hochdeutschen nicht einfach zu ersetzen sind.

Einzelne Redewendungen oder Ausdrücke in Dialekt können (nicht müssen) einen Text aus meiner Sicht sehr bereichern. Ganze Textpassagen finde ich eher anstrengend. Wenn sie literarisch begründet sind, wie in Lisas Beispiel, aber vollkommen okay.



#18
BarbaraMM

BarbaraMM
  • 1.410 Beiträge
  • Dabei seit 17.01.11

Ich spreche (leider) keinen Dialekt, weil es verpönt war, als ich Kind war und meine Mutter als Norddeutsche in Hessen uns als etwas Besonderes wissen wollte. Mit meiner Oma habe ich aber Odenwälder Dialekt gesprochen und mich also als ein sprachliches Chamäleon entwickelt. Ich kann Frankfurterisch, Ourewälsch, Sächsisch, wenn ich bei meiner Schwester in Schwaben bin, fange ich an zu schwäbeln etc. Wenn ich hier in Portugal Deutsche höre, kann ich sie meistens sprachlich verorten, sogar Feinheiten zwischen Wiesbadener und Mainer Färbung heraushören. Meine Kinder, die im Westerwald aufgewachsen sind, sprechen auch keinen Dialekt. Ich fand immer, der Dialekt ist die eigentliche "Muttersprache", das, wo man wirklich sprachlich Zuhause ist. Aber vielleicht ist das falsch. Ich verstehe auch das Holsteiner Platt und hatte damit großen Erfolg bei einem meiner russischen Deutsch Schüler, der nur dieses Deutsch konnte: "Sie sind die Einzige, die mich versteht!" (Den Armen hatte man ins Rheinland gepflanzt).

In Büchern finde ich kurze Passagen im Dialekt okay, es dient der Färbung einer Person. Das gilt meiner Meinung nach auch für Fremdsprachen - wenn ich z.B. eine Geschichte schreibe, die in Portugal Zuhause ist, sprechen manche Menschen eben auch Portugiesisch in kurzen Einsprengseln. Achja, hier gibt es natürlich auch Dialekte ...


Jedenfalls bleibt die Tatsache, dass es im Leben nicht darum geht, Menschen richtig zu verstehen. Leben heißt, die anderen misszuverstehen ... Daran merken wir, dass wir am Leben sind: wir irren uns. (Philip Roth)

#19
UlrikeS

UlrikeS
  • 2.281 Beiträge
  • Dabei seit 15.06.10

Ich spreche (leider) keinen Dialekt, weil es verpönt war, als ich Kind war und meine Mutter als Norddeutsche in Hessen uns als etwas Besonderes wissen wollte. Mit meiner Oma habe ich aber Odenwälder Dialekt gesprochen und mich also als ein sprachliches Chamäleon entwickelt. Ich kann Frankfurterisch, Ourewälsch,

 

Ah! Noch eine Odenwälderin! Die "Ourewäller Roude Riebe Roppmäschin" oder wie auch immer man sie schreiben soll.



#20
Christa

Christa
  • 6.515 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Meine Kinder, die im Westerwald aufgewachsen sind, sprechen auch keinen Dialekt. Ich fand immer, der Dialekt ist die eigentliche "Muttersprache", das, wo man wirklich sprachlich Zuhause ist. Aber vielleicht ist das falsch. 

 

Ich weiß auch nicht wirklich, ob der Dialekt die eigentliche Muttersprache ist. Auf jeden Fall spricht mein Sohn wie ich reines Hochdeutsch, auch wenn er in Schwaben geboren und aufgewachsen ist und einen Vater hat, der sich in einem feinen Honoratiorenschwäbisch auszudrücken pflegt. Deine Chamäleon-Fähigkeiten sind auf jeden Fall beachtenswert, Barbara. So kommt man überall hin, ohne erkannt zu werden. :D