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Dialekt(e)


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46 Antworten zu diesem Thema

#21
ChristineNo

ChristineNo
  • 215 Beiträge
  • Dabei seit 03.11.10

Sprecht ihr selbst Dialekt?

 

Als Kölnerin (eine Hälfe der Familie), spreche ich, obwohl seit Jahrzehnten weg von Köln, immer noch perfekt Kölsch, wenn ich will. Ich kenne auch noch etliche alte Wörter, die man heute eher selten hört (Fisternöll, Abelung, Prummetaat). Außerdem kann ich sehr gut sächsisch (andere Hälfte der Familie), obwohl ich diesen Dialekt nicht nicht sonderlich mag, zum Sprechen gibt es auch keine Gelegenheit mehr.

Ich lebe in Tirol mit einem Tiroler, der nur leicht gefärbt spricht, so dass man seine österreichische Herkunft hört. Ich spreche hier im meiner Umgebung Hochdeutsch ohne Knubbele und werde sofort als Piefke erkannt.  

 

Wenn nicht, versteht ihr den Dialekt in eurer Umgebung?

 

Ich habe mich in Tirol im Laufe der Jahre gut eingehört und damit keine Probleme. Allerdings verstehe ich die Ureinwohner im tiefen Zillertal, das gleich um die Ecke liegt, nur bestenfalls zur Hälfte. Damit hat auch mein gebürtiger Tiroler Probleme. Jedes Tal hier in den Alpen hat seinen eigenen Dialekt. Den verstehen zu wollen, kann man sich sparen. In vergangenen Zeiten sind diese Bewohner ja kaum aus ihren entlegenen Tälern herausgekommen, so dass deren Dialekt über lange Zeiträume nicht von außen beeinflusst wurde.  

 

Bedauert ihr es, dass die jüngere Generation nur noch wenig im Dialekt spricht?

 

Hier in Tirol höre ich die Jungen tirolerisch reden, finde ich okay, (Griaßdi!) sie sollten sich gegenüber "Fremden", wie die Nicht-Einheimischen hier noch oft genannt werden, aber verständlich ausdrücken können. 

 

Was kann eurer Meinung nach der Dialekt, was kann er nicht?

 

Als Kölnerin empfinde ich meinen Dialekt als Heimat, als sehr verbindend. Wenn ich besuchsweise in Köln bin, gibt es oft in jedem Café, jeder Kneipe, gleich mal einen "Verzäll". Dann geht mir das Herz auf. :D Und ich glaube, in keiner Stadt werden so viele Lieder im Dialekt inbrünstig von allen Kölnern gesungen. 

Politiker, die krassen Dialekt reden, der sogar noch in einer Fremdsprache durchklingt, empfinde ich als Zumutung, egal, ob sie nicht anders können oder wollen. 

 

Wie empfindet ihr Dialektpassagen in einem Buch?

 

Mag ich nicht so gern, weil es kaum richtige Schreibweisen dafür gibt. Ich habe mal Passagen im sächsischen Dialekt gelesen, da war mir die Person gleich unsympathisch. Solche Passagen mag ich eher dezent formuliert, auch wenn dann dabei das Charakteristische des Dialekts nicht so durchkommt.


2017: Heisse Winternächte (Tina Scandi), Bastei Entertainment


#22
IlonaS

IlonaS
  • 841 Beiträge
  • Dabei seit 14.08.13

Sprecht ihr selbst Dialekt?

Das kommt auf die Perspektive an. Ein Nicht-Bayer ordnet mich sofort dem bayrischen Sprachraum zu, während ein Bayer sich nicht sicher ist. Ich bin in verschiedenen Dialekttäumen aufgewachsen, aber meine Mutter, Urmünchnerin, dachte, Dialekt sei was für niedere Schichten (und Zweisprachigkeit mache dumm). 

 

Wenn nicht, versteht ihr den Dialekt in eurer Umgebung?

Generell ja. Auch Redneck und Hillbilly. In der Schweiz allerdings habe ich meine Grenzen gefunden. 

 

Bedauert ihr es, dass die jüngere Generation nur noch wenig im Dialekt spricht?

Ja. Ich bedauere aber mehr, dass Englisch in den Sprachgebrauch so massiv eingebrochen ist - und dann noch nicht einmal korrekt, sondern verdeutscht. Das stört mich mehr. 

 

Was kann eurer Meinung nach der Dialekt, was kann er nicht?

Dialekt ist Teil der Kultur und fördert ein Zusammengehörigkeitsgefühl, grenzt damit aber auch aus.

 

Wie empfindet ihr Dialektpassagen in einem Buch?

Wenn noch lesbar, gut. Muss ich anfangen laut zu lesen, damit ich's erraten kann, dann wird es zur Arbeit und ich lege das Buch weg. Außer ich lese etwas Spezielles. Ich schreibe (unter anderem) Regiokrimis, und da wird eine kleine Dosis Dialekt erwartet oder zumindest toleriert. Bisher mochten die Leser dies, sagen, es gibt dem Ganzen Flair.


Bearbeitet von IlonaS, 06.02.2018 - 14:37,

Krimis, Liebe und Mehr: http://www.ilonaschmidt.com


#23
Wolf

Wolf
  • 176 Beiträge
  • Dabei seit 21.10.08

Bedauert ihr es, dass die jüngere Generation nur noch wenig im Dialekt spricht?

Ja. Ich bedauere aber mehr, dass Englisch in den Sprachgebrauch so massiv eingebrochen ist - und dann noch nicht einmal korrekt, sondern verdeutscht. Das stört mich mehr. 

 

 

Vielleicht verschwindet das auch wieder in der nächsten Generation. Meine Großmutter und ihre Schwester sprachen immer nur vom Paraplü und Trottewa. Damals war das Kölsch noch mit vielen französichen Ausdrücken durchsetzt, die mittlerweile zum größten Teil verschwunden sind.

 

Liebe Grüße

Wolf

(Halbkölner)



#24
Sabine

Sabine
  • 550 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14
Sprecht ihr selbst Dialekt?
Ja, bayerisch

Bedauert ihr es, dass die jüngere Generation nur noch wenig im Dialekt spricht?
Ja und nein. Mein Sohn spricht ebenfalls bayerisch, aber ich bin froh, dass er im Gymnasium hochdeutsch sprechen "lernt"

Was kann eurer Meinung nach der Dialekt, was kann er nicht?
Ich finde, dass Dialekt ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Heimat vermittelt, aber wenn man national tätig ist, kann er ziemlich nervig sein und auch eine Lesung beeinträchtigen. Ich würde mir wünschen, wenn ich dialektfrei hochdeutsch sprechen könnte.

Wie empfindet ihr Dialektpassagen in einem Buch?
Nicht so toll. Im Film finde ich es recht interessant, wenn mal eine Figur Dialekt spricht, aber im Buch emfinde ich es häufig als konstruiert, keine Ahnung warum.
Nackte Angst, zieh dich an, wir gehen spazieren.

#25
BrigitteM

BrigitteM
  • 797 Beiträge
  • Dabei seit 03.12.07

Sprecht ihr selbst Dialekt?

Ja, Bayerisch. Allerdings nur ein leichter bayerischer Einschlag im Hochdeutschen.

Eigentlich spreche ich hauptsächlich Hochdeutsch, auch wenn schon der eine oder andere Norddeutsche behauptet hat, mich mit meinem bayerischen Slang nicht zu verstehen.

Als Müncherin habe ich den Vorteil, alle bayerischen Dialekte zu verstehen. Da musste ich tatsächlich schon während eines längeren Seminars mit Teilnehmern aus allen Teilen Bayerns als Übersetzer ran, weil die sich untereinander nicht verstanden haben. Das fand ich spannend.

Ansonsten bin ich eigentlich ein Dialekt-Chamäleon. Wenn ich längere Zeit mit jemandem verbringe, der starken Dialekt spricht, passe ich mich an - auch wenn das gar nicht mein Heimatdialekt ist. Spricht jemand Hochdeutsch, passe ich mich auch da an.

 

 

Bedauert ihr es, dass die jüngere Generation nur noch wenig im Dialekt spricht?

Ja, sehr. Mittlerweile ist der Dialekt hier gefühlt so am Rückzug, dass ich mich jedes Mal freue, wenn ich irgendwo richtiges Münchnerisch oder wenigstens Bayerisch höre. Inzwischen ist es sogar schon so weit, dass ich mich sogar freue Bayerisch zu hören, wenn es ein derbes Bayerisch ist - vor ein paar Jahren hätte ich da noch die Nase gerümpft.

 

 

Was kann eurer Meinung nach der Dialekt, was kann er nicht?

Bayerisch zu hören gibt mir das Gefühl von Heimat.

Andere Dialekte geben mir das Gefühl von großer weiter Welt.

 

Wie empfindet ihr Dialektpassagen in einem Buch?

Fast immer schrecklich.

Entweder sind es Dialekte, die ich nicht verstehe, dann bremst das beim Lesen unglaublich aus. Und wenn es Bayerisch ist, wird es oft schnell furchtbar peinlich, denn oft sind es leider auch Nicht-Bayern, die den Dialekt einsetzen (und irgendwie hilft es da auch nicht, wenn sie sich bei den Passagen von Bayern helfen lassen). Selbst wenn ein Bayer seinen Heimatdialekt verwurstet, finde ich es nicht gut. Das geht allein schon damit los, dass es einfach keine einheitlichen Schreibweisen gibt. Unschön finde ich auch, wenn dann im Dialekt irgendwelche Mundarteigenarten bis zum Erbrechen eingesetzt werden und man bestimmte Sachen in jedem zweiten Satz liest. (Mir fällt gerade nur das schon oft totgerittene "gell?" ein) Wenn ich einen Text auf Hochdeutsch schreibe, achte ich doch auch darauf, dass sich Dinge nicht ständig wiederholen. Warum scheint das in Mundart keiner zu machen?

Dialekt im Buch finde ich nur dann gut, wenn nicht die kompletten Dialoge im Dialekt geschrieben sind, sondern die Person lediglich einzelne Wörter oder eine bestimmte Satzstellung verwendet, die sie deutlich verorten. Wenn es nur ein kurzer Abschnitt mit Dialekt ist, geht das auch noch. Z.B. wenn in einem Krimi jemand einen Einsiedler aus dem tiefsten Hinterwald befragt, der aber sonst nicht weiter vorkommt.


Dämonenblut - Wesen der Nacht Band 2 - Urban Fantasy - cbt März 2014
 

www.brigitte-melzer.de


#26
ClaudiaB

ClaudiaB
  • 2.147 Beiträge
  • Dabei seit 11.12.09

Interessant, das alles! Ich hab das ja gemacht, als Nichtbayerin mit bayerischem Dialekt mit viel Hilfe von Angelika und Andreas. Und wir hatten auch Diskussionen darüber (hier im Kaffeehaus oder sogar im Handwerk) ob man im Dialekt denken kann, weil ich in einem Buch eine sehr enge personale Perspektive wollte, da war das fast unumgänglich. Und ja, ich hab zu viel desselben verwendet, Ausrufe, Mei, und Gey (was mir für "gell" ermpfohlen wurde). Im letzten Lektorat haben wir noch einige davon weggenommen ... Das Ganze ist auch schon ne Weile her. Generell bin ich FÜR Dialekt in Büchern, wenn dieser einen Sinn hat, etwas transportiert. Ich bin dafür in allen Literatursparten - abgewatscht wird man vermutlich dafür am ehesten in der U, er geht auf Kosten der Lesbarkeit und manchmal wird auch der eine oder andere Satz gar nicht verstanden (der dann auch nicht verstanden werden soll.) Ein ganzes Buch in Dialekt wäre vermutlich auch für mich nicht lesbar, aber das strebst du ja wohl auch nicht an. Bei den Rennpferden gab es doch auch Bayerisch und Russisch-Deutsch, hat glaub ich niemanden gestört, oder?

 

Ich bin zwar gebürtig hessisch, meine Eltern aber nicht von dort, hessische Wörter, mitgebracht vom Spielplatz waren ungern gesehen, deshalb kannte ich die zwar, benutzte sie aber kaum. Ich kann hessisch, sprech es aber nicht, hab trotzdem einen Einschlag (sagt man) nur leicht. Finde das bei mir selbst nicht gut, wenn es unbewusst ist und der Ich-Erzähler womöglich zum Isch-Erzähler wird.
Ansonsten finde ich es wichtig und schön, einen Dialekt zu können und auch dessen lebendige und ausdrucksstarke Bezeichnungen zu kennen. Dialektwörter sind lebendig und stark, lautmalerisch, manchmal derb, manchmal niedlich, goldisch, wie wir hier sagen. Manches kann ich geschrieben im Dialekt besser ausdrücken als in Hochdeutsch. Wobei ich (bis auf die zwo Bayernkracher) keine Dialektbücher schreib und schreiben will, echt net. Aber über Dialekt schreib ich sehr gerne (siehe die Glossare in den alten Büchern, es war immer angedacht, mal eins zu schreiben, das nur aus dem Glossar besteht).

 

Ob Kinder weniger Dialekt sprechen, kann ich kaum beurteilen. Wenn ihr das alle sagt, wird ja was dran sein. Die Kinder, die ich unterrichte haben von jeher Hochdeutsch geredet, mehr oder weniger, da hat sich nichts geändert. Allerdings hab ich mal, vor ziemlich langer Zeit, im Odenwald unterrichtet. Caramba! Das war wie eine Fremdsprache. Ungefähr 40 km von der städtischen Haustür entfernt.

 

Ich würde jederzeit Dialekt oder erfundene Sprachen oder sonstwelche Sprach-Gaga-Experimente und Spiele im Roman lesen wollen. Auch wenn ich erstmal wenig verstehe.

 

Pfirts eich äh nee Pfiats eich

Claudia


Bearbeitet von ClaudiaB, 07.02.2018 - 15:57,


#27
ClaudiaB

ClaudiaB
  • 2.147 Beiträge
  • Dabei seit 11.12.09

Nachtrag: Hab aber immer wieder das Gefühl, dass Dialekt auflebt: Mia san mia und so weiter, in der jüngeren Generation, Volksmusik im Rock und so weiter. Dass man sich jetzt wieder traut, Dialekt weniger verpönt ist, weniger als "ungebildet" gilt (was ja wirklich Blödsinn ist). Bin mir nicht ganz sicher, wie ich das finden soll, hat sowas "wir feiern die Region ab" Volkstümliches.

Claudia



#28
Chris

Chris
  • 409 Beiträge
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Sprecht ihr selbst Dialekt?

Nein.

 

Wenn nicht, versteht ihr den Dialekt in eurer Umgebung?

Grundsätzlich ja. Bayerisch. Aber es gibt urtümliche Varianten aus dem tiefsten Niederbayern, die ich nur schwer verstehe.

 

Bedauert ihr es, dass die jüngere Generation nur noch wenig im Dialekt spricht?

Nein, eigentlich nicht. Obwohl ich es immer wieder nett finde, wenn ich jüngere Menschen mit Dialekt sprechen höre.

 

Was kann eurer Meinung nach der Dialekt, was kann er nicht?

Dialekt verbinden Menschen.

Dialekt kann Menschen sympathisch erscheinen lassen. Er kann aber auch genau das Gegenteil bewirken.

 

Wie empfindet ihr Dialektpassagen in einem Buch?

Mag ich überhaupt nicht.



#29
Christa

Christa
  • 6.494 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Nachtrag: Hab aber immer wieder das Gefühl, dass Dialekt auflebt: Mia san mia und so weiter, in der jüngeren Generation, Volksmusik im Rock und so weiter. Dass man sich jetzt wieder traut, Dialekt weniger verpönt ist, weniger als "ungebildet" gilt (was ja wirklich Blödsinn ist). Bin mir nicht ganz sicher, wie ich das finden soll, hat sowas "wir feiern die Region ab" Volkstümliches.

 

Irgendwie nehme ich das auch so wahr. Vielleicht eher "Heimat"-als Dialektgefühl. Kürzlich im Herbst staunte ich nicht schlecht, als wir in Stuttgart im Stau steckten, weil Tausende in Lederhosen und Dirndl zum Cannstatter Wasen eilten. Und noch mehr staunte ich, als mein Sohn mit seiner Freundin in Lederhosen zum Münchner Oktoberfest fuhr. Ein international arbeitender, muttermäßig hochdeutsch Sprechender mit Berlinerin auf Bayerntour!

I watsch mi ab (oder wie sagt man da?) :s02


Bearbeitet von Christa, 07.02.2018 - 16:56,


#30
MelanieM

MelanieM
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  • Dabei seit 09.01.07

Ich kann noch Hamburgern, mach ich aber meistens nicht. Allerdings gibt es einige typische Worte, von denen ich nur dann, wenn ich in anderen Bundesländern bin, merke, dass sie dort nicht verstanden werden. Letztes aktuelles Beispiel, als ich Ende Januar in Baden-Baden war. Ich bitte den Fahrer: "Bitte stellen sie nichts auf meine Tasche, sonst wird das Zeug da drinnen kraus." Er guckt mich irritiert hat und fragt mich in seinem schwäbischen Dialekt, was ich damit meine. Ich starre ihn mindestens ebenso irritiert an. "Na, die Kleidung wird dann kraus." - "Was ist kraus?", fragt er. Und ich muss wirklich ein paar Augenblicke nachdenken, bis mir das Synonym einfällt - zerknittert. "Ach, Sie meinen knüddelig?" Und so lernte ich, dass diese Leute da tief im Süden bei kraus nur an Haare denken. 

Interessant wird es dann beim Romane schreiben. In Hamburg sagte man zu meiner Kindheit immer "lass dir nix vorschnacken" - was bedeutet, man solle sich nicht zu Dummheiten überreden lassen. In meinem aktuellen Roman habe ich dann eine Szene, spielt 1946 in Hamburg, als einer meiner Protagonisten zu einem anderen sagt, er hätte sich was "vorschnacken" lassen. Meine Lektorin merkt an, dass der zweite Protagonist Engländer ist, und obgleich er gut Deutsch könne, sei es doch fraglich, ob er platt könne. Ich meinte , das Wort hätte er in den letzten anderthalb Jahren in Hamburg garantiert gelernt - zu der Zeit gab es da nix anderes, da wurde geschnackt. 

Andererseits ist es immer so eine Sache - ich deute Dialekt nur insofern an, als dass es sich um typische Ausdrücke handelt, die ich selbst noch so als Kind gelernt habe. So bestand ich auf "Schulränzel" - kein Mensch hätte in den 30ern in Hamburg "Ranzen" gesagt. Zum Glück wurde bei mir nicht gebügelt, denn damals sagte jeder "pletten" - noch meine Mutter sagt Plettbrett und Pletteisen. (Bügelbrett und Bügeleisen). Und was ein Kotlett ist, habe ich erst spät erfahren - wir sagen immer Karbonade. Und so ist es selbst jenseits des Dialekts m.E. eine Gratwanderung, wenn man authentisch sein will, aber überlegen muss, ob die Leser das Wort verstehen. 

 

Ich persönlich verstehe übrigens kein Bayrisch und kein Schweizerdeutsch. Da konnte ich mich in Claudias Buch herrlich wieder erkennen, als sie mit "Do you speak Englisch?" auf die Bayern zuging ;-)



#31
Christa

Christa
  • 6.494 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Jetzt melde ich mich noch mal als Norddeutsche mit ein paar Worten, die hier in Schwaben garantiert nicht verstanden werden,

die ich aber immer noch anwende. 

Meine Mutter hat auch noch geplättet. Und gefeudelt. Das wird hier mit dem Butzlombe erledigt.

Frikadellen heißen Fleischküchle.

Meine geliebten Puschen im Winter sind für die Schwaben Schlabba.

Wurzeln sind gelbe Rüben.

Bei diesem Schietwetter (es gibt kein besseres Wort dafür!) werde ich immer ganz rammdösig. Das ist für die Schwaben ein "Sauwäddr".

Und last not least: Der Dösbaddel ist im Ländle ein "Grasdackel".


Bearbeitet von Christa, 07.02.2018 - 19:55,


#32
MelanieM

MelanieM
  • 12.017 Beiträge
  • Dabei seit 09.01.07

Ach ja, Wurzeln ... ich weiß noch, wie ich in einem Mäuseforum mal fast gelyncht wurde, als ich sagte, meine Mäuse bekommen Wurzeln - die wären doch viel zu trocken, ich sollte die lieber mit Möhren füttern ... Jaja, erst mal rumkrakeelen (auch ein schönes Wort, das wir gern benutzen), ohne zu wissen, dass Wurzeln Möhren sind. Der Feudel ist ja noch edel ausgeschrieben, ausgesprochen klingt das bei uns immer "Foiel" und es wird "gefoielt".  



#33
Christa

Christa
  • 6.494 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

:s01 Die armen Mäuse ...zur Sicherheit sage ich jetzt auch immer "Möhren" oder "Mohrrüben".

Krakeelen finde ich super. Und "tüdelig" versteht bestimmt jeder.

 

Denn man toe, moinmoin



#34
Olaf

Olaf
  • 306 Beiträge
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Dass man sich jetzt wieder traut, Dialekt weniger verpönt ist, weniger als "ungebildet" gilt (was ja wirklich Blödsinn ist). 

 

Mal so als Erklärungsansätze, wie es zu dem Gedanken kommen könnte: 

  • Am stärksten ausgeprägt sind Dialekte meiner Erfahrung nach auf dem Land. In der Stadt gibt es eher eine Färbung des Hochdeutschen. Beispielsweise habe ich in Lübeck, Osnabrück und Heidelberg fast nie Dialekt gehört, dafür musste man raus aufs Dorf. 
  • Speziell im Heidelberger (oder im ganzen süddeutschen?) Raum ist es auch so, dass hier viele "Wirtschaftsflüchtlinge" aus Norddeutschland arbeiten und wohnen. Die haben wegen ihrer guten Ausbildung einen Job bei den ansässigen großen Firmen und Instituten gefunden. Und die sprechen fast immer Hochdeutsch. Stellen, die eine weniger aufwändige Ausbildung erfordern (Wachtdienst, Hausmeister, Teamassistenten, …) sind dagegen meistens von Einheimischen besetzt, denen man ihre Herkunft manchmal deutlich anhört. 

Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#35
Angelika Jo

Angelika Jo
  • 2.920 Beiträge
  • Dabei seit 03.07.07

Ich will die schöne Diskussion, die hier entstanden ist, keinesfalls abwürgen, mich nur erst mal bedanken und ein Zwischenresultat festhalten:

 

Euren Aussagen habe ich entnommen, dass 

 

1. das eigene Dialektverhalten hier offenbar ganz gut die momentane Wirklichkeit widerspiegelt: Die einen könnens noch, für die meisten scheint es nach so einem Halb-und-Halb auszusehen: Passiv wird der Dialekt oft noch verstanden, aktiv nicht mehr oder nur noch selten angewendet.

 

2. das Dialektesterben offenbar weniger tragisch genommen wird als die Vorstellung, die Kinder könnten kein Hochdeutsch. Dazu kam noch die Beobachtung, dass in einigen Gegenden der Dialekt schon seit längerem eine Wiederbelebung erfährt (das scheint besonders in der Schweiz der Fall zu sein, ich erinnere mich auch, darüber schon was gelesen zu haben, auch, dass der Dialekt dort inzwischen in Foren etwa gern auch offensiv in Schriftform vorgetragenen wird – "cheit gang i mit die Rössla aussi"...)

 

3. Dialekte ein Heimatgefühl vermitteln, etwas Verbindendes haben. 

 

4. von den allermeisten Dialektpassagen beim Lesen als störend empfunden werden.

 

Zwei weitere Fragen dazu von meiner Seite:

 

Ist es nicht eigenartig, dass so viele von euch dem Dialekt etwas Positives abgewinnen können (Heimat, Gefühl, Verbundenheit), auf der anderen Seite aber so stark betont wird, dass allgemeine Hochsprachlichkeit die wertvollere Sache ist? Es ist ja nicht so, dass die beiden Sprachvarianten einen Gegensatz darstellen. (Ich glaube übrigens nicht, dass das Hochdeutsche sich durchgesetzt hat über eine Vertreibung des Dialekts, der hat sich eher von selbst ausgeschlichen über das Fernsehen und diverse innerdeutsche Völkerwanderungen, wie sie Olaf beschrieben hat)

 

Wenn man sich unter Dialekt jetzt mal nicht die verschriftete Form eines unverständlichen Brabbeltums vorstellt, sondern so etwas wie Idiomatik, die nur in diversen Dialekten vorkommt – also etwa Grüße, Flüche, Liebeserklärungen etc. – wie geht es euch damit? Dazu würden mir jetzt nicht nur deutsche Autoren einfallen, sondern auch Nikos Kazantzakis oder Yasar Kemal, wenn die ihre alten Kreter oder Türken fluchen lassen, aber natürlich auch Oskar Maria Graf oder Jakob Arjouni ("Zieschel uffn Kopp!") – alle diese Autoren finde ich gerade wegen der Verwendung solcher eigentümlichen Ausdrücke unglaublich kraftvoll. Fast so, als ob dagegen den anderen, die ihre Dialoge in zierlicher Hochsprache pinseln, was fehlen würde.

Wie geht es euch damit? 

 

Angelika


Bearbeitet von Angelika Jo, 08.02.2018 - 10:11,

Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de


#36
SusanneL

SusanneL
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Ich bin in Ostwestfalen aufgewachsen, und es ist mir ungeheuer schwergefallen, mir manche Ausdrücke abzugewöhnen.
Ein klassischer Dialog zweier Ostwestfälinnen, nehmen wir mal junge Mütter, würde wohl so ausfallen:
"Wollen wir einmal um den Pudding? Die Kinder können ja noch 'n büschen inne Sandkiste rummöttkern."
"Nee, ich hab heute so 'ne Bregenpanne."

"Kein Wunder, dass du so nöselig (hier gerne auch nöckelig) bist."

Wer würde das verstehen? Außer einem Ostwestfalen? ;)
Als Kind habe ich mit meinen Großeltern Ostwestfalenplatt vertellt, vor allem das Fluchen  ("Rawetta!") ging super. Ich verstehe das heute noch und könnte mich notfalls auch noch unterhalten.


 



#37
Christa

Christa
  • 6.494 Beiträge
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Ist es nicht eigenartig, dass so viele von euch dem Dialekt etwas Positives abgewinnen können (Heimat, Gefühl, Verbundenheit), auf der anderen Seite aber so stark betont wird, dass allgemeine Hochsprachlichkeit die wertvollere Sache ist? Es ist ja nicht so, dass die beiden Sprachvarianten einen Gegensatz darstellen. (Ich glaube übrigens nicht, dass das Hochdeutsche sich durchgesetzt hat über eine Vertreibung des Dialekts, der hat sich eher von selbst ausgeschlichen über das Fernsehen und diverse innerdeutsche Völkerwanderungen, wie sie Olaf beschrieben hat)

 

Wenn man sich unter Dialekt jetzt mal nicht die verschriftete Form eines unverständlichen Brabbeltums vorstellt, sondern so etwas wie Idiomatik, die nur in diversen Dialekten vorkommt – also etwa Grüße, Flüche, Liebeserklärungen etc. – wie geht es euch damit? Dazu würden mir jetzt nicht nur deutsche Autoren einfallen, sondern auch Nikos Kazantzakis oder Yasar Kemal, wenn die ihre alten Kreter oder Türken fluchen lassen, aber natürlich auch Oskar Maria Graf oder Jakob Arjouni ("Zieschel uffn Kopp!") – alle diese Autoren finde ich gerade wegen der Verwendung solcher eigentümlichen Ausdrücke unglaublich kraftvoll. Fast so, als ob dagegen den anderen, die ihre Dialoge in zierlicher Hochsprache pinseln, was fehlen würde.

Wie geht es euch damit? 

 

 

Vielleicht könnte man tatsächlich die von Olaf aufgestellte These vertreten, dass der Dialekt nicht nur durch das Fernsehen usw., sondern auch durch eine Nord-Südwanderung und damit durch eine Vermischung und offizielle Aufwertung des Hochdeutschen an den Rand gedrängt wurde. Die Saupreußen gegen die Einheimischen. Bei Oskar Maria Graf fällt mir sofort die Geschichte „Wir sind Gefangene“ ein. Ein Zitat von ihm: "Weil die Sprache das einzige ist, wo der Mensch und besonders der Schriftsteller nicht flüchten kann. Da ist er daheim - da bin ich zuhause."

 

Wahrscheinlich liege ich falsch, aber es kommt mir so vor, als sei besonders das Bayerische hoffähiger als andere Dialekte. Das mache ich nicht nur an den Lederhosen-und Dirndl-Wanderungen fest (das Oktoberfest wird sogar in Argentinien deutscher als bei den Deutschen gefeiert!), sondern auch an Filmen. „Daheim sterben die Leut“ wurde mit Untertiteln versehen, weil das Publikum das Westallgäuische nicht verstanden hätte. Unvergesslich die Szene in Herbert Achternbuschs Debüt“ Das Andechser Gefühl“ - als ich mal dort im Biergarten war, standen die beiden Protas immer noch vor meinen Augen, wie sie stundenlang ihre Maßen tranken und ab und zu etwas von sich gaben. Dann gibt es Fernsehserien wie „Die Rosenheim-Cops“ oder bayerische Tatorte, die sich schon lange halten und sich großer Beliebtheit erfreuen.

 

Ja, das Hochdeutsche ist auch irgendwie puristisch, und ohne die Dialekte wäre unsere Sprache wesentlich ärmer.

 

Zu den Flüchen noch eine kleine bayerische Sammlung: https://muenchen.mit...erische-flueche

Ich finde die einfach genial, so derb sie auch sein mögen. Irgendwie direkt aus dem prallen Leben gegriffen.


Bearbeitet von Christa, 08.02.2018 - 12:27,


#38
AnnaW

AnnaW
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  • Dabei seit 10.08.15

Wenn man sich unter Dialekt jetzt mal nicht die verschriftete Form eines unverständlichen Brabbeltums vorstellt, sondern so etwas wie Idiomatik, die nur in diversen Dialekten vorkommt – also etwa Grüße, Flüche, Liebeserklärungen etc. – wie geht es euch damit? Dazu würden mir jetzt nicht nur deutsche Autoren einfallen, sondern auch Nikos Kazantzakis oder Yasar Kemal, wenn die ihre alten Kreter oder Türken fluchen lassen, aber natürlich auch Oskar Maria Graf oder Jakob Arjouni ("Zieschel uffn Kopp!") – alle diese Autoren finde ich gerade wegen der Verwendung solcher eigentümlichen Ausdrücke unglaublich kraftvoll. Fast so, als ob dagegen den anderen, die ihre Dialoge in zierlicher Hochsprache pinseln, was fehlen würde.

Wie geht es euch damit?

 

 

Es macht keinen Unterschied. Wenn Dialekt Heimatgefühle, Verbundenheit erzeugt, wie oben gesagt, wirkt ein Dialekt, den man nicht versteht oder der einem nicht vertraut ist, befremdlich, erzeugt für mich als Leserin zunächst einmal Distanz.

 

Diese Distanz muss ich beim Lesen überwinden, und das ist fast ein willentlicher Akt. Ich muss mich drauf einlassen wollen, sonst funktioniert es nicht. Ich finde, deine zauberhaften "Rennpferde" sind ein gutes Beispiel dafür: Der rusische Jockey spricht nicht russisch-deutsch, sondern russisch-bairisch. Wie er das tut bzw. wie du als Autorin das in Form gebracht hast, ist große Kunst und ein Genuss. Aber man muss sich erstmal darauf einlassen. Die Geschichte schnell weglesen, das geht nicht.

 

Ich selbst "sehe" Sprache im Buch eher, als dass ich sie höre. In den Dialektpassagen bei den "Rennpferden" musste ich umschalten und die Sätze ganz langsam lesen und dabei "hören". Dann ging's. Aber es war die volle Ladung bayerisches Leben, ich konnte ich nicht der Illusion hingeben, dass der Roman auch hier hätte spielen können, in meiner norddeutschen Umgebung ;-)

 

Bei wem ich es nicht geschafft habe, war Ulla Hahn, die dem Dialekt mit dem verborgenen Wort ja eine ganz große Bühne gibt. Dabei habe ich sogar mal im Rheinland gelebt. Ich habe die Sprachbarriere nicht überwunden.

 

Ja, es ist kraftvoll - aber uner Umständen eine Kraft, die einen auch raushaut. Aber auch freuen kann. Ob "nur" Idiomatik oder ganzer Dialekt, das ist eine Dosis, die für mich z.B. keinen wesentlichen Unterschied macht.

 

Viele Grüße

Anna

 

PS: Ganz wichtig aber: Der Jockey ist eine Figur, die ich bestimmt nicht vergesse, gerade durch seine Sprache. Sehr viel davon, wie er ist, liegt in seinen Worten. Das Komische und das Unfassbare lagen eigentlich weniger in dem, was er tat, sondern darin, wie er das kommentierte (bzw. wie das bei Salli ankam). Will sagen: Sich einzulassen kann sich natürlich sehr lohnen, und nicht immer ist das Hindernisfreie erstrebenswert. Was für Dialekt spricht, auch in Büchern. Man muss sich aber, glaube ich, klarmachen, dass es einfach nicht jeder auf Anhieb versteht, auch nicht die vereinzelten Ausdrücke, dass das eine Technik ist, die die Leserschaft spalten kann.

 

Wenn es jemand mit Sachkenntnis macht, so wie du, und Sprache selbst gleichzeitig Thema des Buches ist, wie bei den "Rennpferden" (und bei Ulla Hahn ja auch), finde ich es gut. Wenn jeder Autor anfangen würde, Dialekt einfließen zu lassen, würde ich die Krise kriegen. Es muss absolut richtig wiedergegeben sein und es muss einen Sinn haben - sonst ist es sinnlos.


Bearbeitet von AnnaW, 08.02.2018 - 13:12,


#39
Eva

Eva
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Spannende Fragen, liebe Angelika, und Du machst sicher wieder etwas Spannendes damit.

 

Ich bin im Rheingau aufgewachsen und spreche daher das dortige Hessisch, auch wenn´s in meiner Familie nicht so ausgeprägt gesprochen wurde. Ich bin dann in ein akademisches Leben hineingewachsen, in dem der Dialekt immer weniger Platz hatte. Allerdings falle ich gelegentlich, wenn ich z.B. mit Handwerkern oder einfachen Leuten spreche, gern mal in den Dialekt, oft halbbewusst, da ist dann eine Art Handreichung an den anderen, stellt eine Verbindung her, die so schnell anders nicht herstellbar wäre. So empfinde ich das. Das kann Dialekt. Und er kann regionale Dinge ausdrücken, die die Hochsprache nur umständlich oder gar nicht erklären kann (sobald mir ein Beispiel einfällt, lege ich es nach ;-))

Meine Kinder sind dialektfrei aufgewachsen, das ist mir erst spät bewusst geworden, dass da etwas fehlt, was für mich noch selbstverständlich war. Und es ist nicht mehr nachzuholen. Ich bedaure das. Mir wird immer bewusster, dass da etwas verschwindet, zumindest in meiner Linie. Meine Tochter hat das unlängst auch bedauert und festgestellt, dass sie es nicht mehr lernen kann, alle Versuche missraten. Allerdings wäre es für die Kinder vermutlich von Nachteil gewesen, wenn sie in der Schule oder andernorts Dialekt gesprochen hätten. Da passiert leicht eine soziale Abwertung, je nachdem, wo man sich befindet. Das kann Dialekt auch. Selbst wenn man ihn als Kulturgut betrachtet.

Dialekt in Büchern finde ich oft großartig, wenn er passend und in angemessenem Maß auftritt. Wenn er nicht der Nostalgie oder billiger Färbung dient, sondern einen wirklichen Zweck hat, klug und korrekt eingesetzt wird und mir allein über die Sprache etwas über den Menschenschlag vermittelt, der sich dieser Sprachfärbung bedient. (Dass er schwierig zu schreiben ist und es dabei der Tricks bedarf, ist noch eine andere Sache.)

Und dann ist Dialekt natürlich Geschmacksache - es gibt welche, die höre ich gern, andere finde ich so abstossend, dass ich eine Konversation kaum ertragen kann. Das geht vermutlich vielen so. Ich denke gerade an das sehr, sehr lange zurückliegende Blind-Date aus den Anfangszeiten der Internet-Kommunikation. Ein Mannheimer oder so. Ich hab ihm nach der ersten Tasse Kaffee freundlich erklärt, dass das nichts wird mit uns beiden. Sein daraufhin geäussertes, typisch singendes "Ja wieso?" werde ich vermutlich nie wieder aus meinen Ohren kriegen …



#40
Dietmar

Dietmar
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Sprecht ihr selbst Dialekt?

 

Ja, ich kann meine Herkunft (Raum Dresden) nur schwer verbergen. Meine Jugendzeit habe ich in Berlin zugebracht und teilweise verfalle ich, wenn ich "auf aggressiv getrimmt bin", in den Berliner Dialekt. Das Sächsisch ist dann zu langsam in der Aussprache.

 

 

Bedauert ihr es, dass die jüngere Generation nur noch wenig im Dialekt spricht?

 

Ich habe nicht das Gefühl, dass das so ist.

 

 

Was kann eurer Meinung nach der Dialekt, was kann er nicht?

 

- lokales Zusammengehörigkeitsgefühl bzw. Provinzialität erzeugen kann er

- Weltoffenheit kann er nicht

 

 

Wie empfindet ihr Dialektpassagen in einem Buch?

 

Schrecklich! Ich spreche sächsischen Dialekt, genauer Dresdner Sächsisch (in Leipzig und Chemnitz wird ein anderer sächsischer Dialekt gesprochen); beherrsche aber nicht die sächsische Schriftsprache. Genau da liegt meiner Meinung nach das Problem. In einem Buch wird die Schriftsprache des Dialektes wiedergegeben. Die wenigsten Lesere werden diese dann verstehen, wenn sie die Aussprache dazu nicht kennen. Es gibt Mundartliteratur, jedoch dürfte die Zielgruppe dazu lokal begrenzt sein.

Das ist für mich der Grund, warum Dialekt in der Musik oder Film Erfolg haben kann, hier singen/sprechen Dialekt-(Mutter)-Sprachler in ihren Dialekt (siehe BAP). In der Literatur halte ich gar nichts von Dialekt, weil die Phonetik fehlt. Im Sächsischen gibt es das Wort "nu" (eine Form der Bejahung). Die Feinheiten der Bedeutung erschließen sich aber erst, wenn man die Aussprache dazu hört.

Eine Ausnahme ist für mich Schweizer Deutsch. Ich betrachte das nicht als Dialekt, sondern als eine eigene Sprache.