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Was kann man als Schrifsteller von der Steuer absetzen?


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47 Antworten zu diesem Thema

#41
UlrikeMo

UlrikeMo
  • 142 Beiträge
  • Dabei seit 15.09.12
Um mal ganz aus der Diskussion zu fallen: ich setze alles ab. Und damit meine ich alles. Natürlich mein Arbeitszimmer (als Mittelpunkt meiner beruflichen Tätigkeit), jedes Buch, das ich kaufe, jede DVD, meinen Fernseher incl. GEZ, jede Lampe fürs Arbeitszimmer, jedes Regal, das ich anschaffe, jede Renovierungstätigkeit, jede Reise - ich meine wirklich alles. Und ich bekenne das, weil all diese Ausgaben tatsächlich beruflicher Natur sind... Wir sitzen Tag für Tag in einem Zimmer/Raum, den wir selbst gestalten müssen, um effektiv arbeiten zu können. Natürlich ist auch die lava-lamp absetzbar, falls sie mir hilft, auch noch spätabends großartige Ideen zu entwickeln. Genauso wie jedes Essen mit einem Kollegen absetzbar ist, aus dem ein potenzielles Projekt hervorgeht. Mir ist klar, dass das Schlüsselwort "Mittelpunkt" ist - aber ich schätze, dass auch für die Kollegen, die anderen Hauptberufen nachgehen, das ANSTREBEN eines Mitelpunkts genügt (und das Darlegen desselben beim Finanzamt). Ich erinnere in diesem Zusammenhang an nur an eine Besonderheit unseres Metiers: in Vorleistung gehen. Ein Finanzbeamter muss blind sein, um das nicht zu verstehen. Ich bin weitest entfernt davon, ein Bestsellerautor zu sein - mein Finanzamt versteht jedoch das Prinzip des in-Vorleistung-gehen. Ich muss recherchieren, Reisen machen, Bücher anschaffen und lesen, um einen Auftrag an Land zu ziehen. Und nicht nur mein Finanzamt sollte das verstehen - ich bin sicher, auch Eure verstehen das...

#42
ChristianeL

ChristianeL
  • 1.491 Beiträge
  • Dabei seit 15.06.10
Hallo, mich irritiert die steuerpolitische Diskussion um Haupt- und Nebenberufautorinnen und -autoren, da meine Steuerberaterin hiervon noch nie etwas erwähnte. Die einzige Frage, die sich aus Finanzamtssicht stellt, ist nach Auskunft der Steuerberaterin, ob man es innerhalb von fünf Jahren schafft, dass die Einnahmen die Ausgaben übersteigen, sonst gilt das Schreiben als Hobby und damit kann gar nichts abgesetzt werden. Diskussionen über auch-private Nutzung beruflich angeschaffter Sachen gibt es nach meiner Erfahrung je nach Finanzamt - mir wurde schon eine ausdrücklich als Aktentasche deklarierte Tasche nicht anerkannt. Liebe Grüße Christiane

#43
(Mara)

(Mara)

Und nicht nur mein Finanzamt sollte das verstehen - ich bin sicher, auch Eure verstehen das...


Schön wär's! Ich meine, das AMT versteht es wahrscheinlich schon - aber so mancher Sachbearbeiter nicht! :(

#44
Uschi

Uschi
  • 3.028 Beiträge
  • Dabei seit 09.11.05

im Übrigen finde ich es auch überflüssig, dass in einem Forum, wo es einfach nur um unterschiedliche Erfahrungen mit dem Finanzamt ging, einen Grabenkampf zwischen haupt- und nebenberuflichen Autoren aufzumachen.

Grabenkampf????? Ich habe nicht bemerkt, dass hier irgendjemand einen ausgerufen oder gar begonnen hätte. Hier geht um persönliche MEINUNGEN und ERFAHRUNGEN. Die habe ich ausgedrückt und mitgeteilt. Nicht mehr, nicht weniger. Das Kämpfen überlasse ich anderen.

Ich muss zugeben, dass mir diese Äußerung hier auch aufgestoßen war:

WAS man absetzen kann, hängt davon ab, ob man Berufsautor oder Hobbyautor ist. Die Voraussetzung für Hobbyautoren/Autoren im Nebenjob ist natürlich, dass man durch das Schreiben Einnahmen hat.

Wer Schreiben als Hobby betreibt, kommt mit dem Finanzamt (zumindest diesbezüglich) ja gar nicht in Berührung. Meine Hobbys wird das Finanzamt nie kennenlernen, da ich damit keine Gewinne erziele.
Das Schreiben hingegen habe ich stets als Beruf neben meinem Hauptberuf begriffen. Und da ich eine Gewinnerzielungsabsicht hatte, habe ich die Unkosten (Laptop, Schreibkurs, freier Lektor) schon einige Jahre abgesetzt, bevor ich den ersten Verlagsvertrag hatte.
Und ich bin schon damals jedem mit nackten Körperteilen ins Gesicht gesprungen, der das als Hobby bezeichnet hat. Dass ein Außenstehender, der keine Ahnung von unserem Job hat, das tut, ist vielleicht noch halbwegs verständlich, solange ich ihm nicht erklärt habe, dass es alles andere als das ist. Dass wir selbst unsere Arbeit auf diese Weise diskriminieren, ist es nicht.

Ich habe zum Glück ein Finanzamt, das das genau so gesehen hat, ohne dass darüber je diskutiert wurde (auch ohne Steuerberater) oder dass ich Überzeugungsarbeit leisten musste. Ich mache es so, wie ich es oben beschrieben habe und setze tatsächlich nur die Dinge ab, die ich nicht gekauft hätte, würde ich nicht schreiben. Auch bei Belletristik gab es da nie Probleme.

LG
Uschi

#45
Luise

Luise
  • 1.883 Beiträge
  • Dabei seit 09.11.05
Nur mal so eingeworfen: Seid ihr sicher, dass all das, was euch nicht gestrichen wurde, auch ausdrücklich anerkannt wurde? Nicht jede Steuererklärung wird vom Finanzamt genau geprüft, bevor der Steuerbescheid rausgeht. Und wenn nichts gestrichen wurde, kann das auch heißen, es hat sich keiner angeguckt, was da abgesetzt wurde. Ich hatte vor zwei Jahren eine Betriebsprüfung (der Zufallsgenerator hatte mich ausgesucht, Freude!) und da wurde alles innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren auseinandergenommen und akribisch geprüft. Da hat es die Prüferin nicht im Mindesten interessiert, was die Sachbearbeiterin vorher gemacht hat. LG Luise

#46
(Mara)

(Mara)

Dass ein Außenstehender, der keine Ahnung von unserem Job hat, das tut, ist vielleicht noch halbwegs verständlich, solange ich ihm nicht erklärt habe, dass es alles andere als das ist. Dass wir selbst unsere Arbeit auf diese Weise diskriminieren, ist es nicht.


Ich habe mir alle Postings noch mal genau angesehen, aber eine Diskriminierung in irgendeiner Form habe ich nirgends entdecken können. Außer im wörtlichen Sinn des Begriffs "Diskriminierung" = "Unterscheidung", aber NICHT im Sinn von "Herabsetzung"!

Ich persönlich habe alle "Stadien" des Schreibens erlebt: Hobby, Nebenjob und Hauptberuf (sogar Hartz IV + Schreiben; aus dieser Situation heraus bin ich Berufsautorin geworden). "Arbreit" ist es immer. Das stand nie außer Frage! Der Unterschied liegt aber - abgesehen von den Definitionen der Finanzämter - im Zeitaufwand. Einem Hobby, sofern es nicht in -positive! - "Besessenheit" ausartet (was an sich ja nicht negativ ist), gehe ich zeitlich nicht so lange nach wie einem Nebenjob (obwohl die Grenzen da m. E. fließend sind und es bestimmt die eine oder andere Ausnahme gibt) und einem Nebenjob nicht so lange wie einem Hauptberuf.
Allerdings wirkt sich das nach meiner (!) Erfahrung durchaus auf die notwenidgen berufsrelevanten Anschaffungen/Ausgaben und deren Absetzbarkeit beim FA aus. Zwar nicht in jedem Punkt aber doch in einigen.
Z. B. das Arbeitszimmer. Es ist der alleinige ArbeitsMITTELPUNKT des Berufsautors, aber der Nebenjobautor verbringt darin keine 8 - 10 Stunden täglich (!), sondern hat seinen ARBEITSmittelpunkt am Ort seines Hauptjobs. Das gilt auch dann, wenn er sein Arbeitszimmer nur fürs Schreiben überhaupt eingerichtet hat. (Oder der Schreibtisch im Wohnzimmer steht. ;) )

Fakt ist: Es GIBT Unterschiede zwischen neberuflichen und hauptberuflichen Autoren. Die anzusprechen ist ja wohl erlaubt. Eine Diskriminierung der ARBEIT der Nebenberufler und Hobbyautoren kann ich darin nirgends erkennen. Oder frei nach dem Motto des Hosenbandordens: Ein Schelm, wer das als negativ(e Diskriminierung) interpretiert.

Mein Finanzamt unterscheidet Hobby und Nebenberuf übrigens nach folgenden Kriterien:
1. Absicht der Gewinnerzielung. Aber auch die Socken strickende Hobbyhandarbeiterin, die ihre Produkte auf Wochenmärkten verkauft, hat (u. U.) eine Gewinnabsicht. Deshalb gilt, dass
2. jede auf Gewinn ausgerichtete Tätigkeit, der WENIGER als 20 Stunden pro Monat nachgegangen wird, ein Hobby ist.
3. Wenn auch beim mehr als 20-Stunden/Monat-Nebenjob trotz entsprechender Absicht KEIN Gewinn erzielt wird (weil z. B. die erforderlichen Investitionen die Einnahmen auf +/- Null auffressen oder sogar ein Minus erzeugen), gilt die Tätigkeit als Hobby.
Wie gesagt, so handhabt das Finanzamt in meiner Stadt das. Andere FAs machen das vielleicht/wahrscheinlich anders.
Deshalb kann auch die ursprüngliche Frage, was man alles absetzen kann, nicht pauschal beantwortet werden. Am besten einfach "alles" einreichen und sehen, was akzeptiert wird und was nicht.
Ich plädiere übrigens dafür, dass in Sachen Steuern und Absetzbarkeit endlich mal eine bundesweit einheitliche und verbindliche, vor allem aber klare Regelung geschaffen wird, damit es gerade in Grenzfällen nicht nur am Sachbearbeiter liegt, was akzeptiert wird und was nicht.

#47
Rudi

Rudi
  • 855 Beiträge
  • Dabei seit 01.05.06
... und wichtig: Wenn etwas nicht anerkannt wird, dann auf jeden Fall Einspruch einlegen. Gerne wird gestrichen, um einfach mal Flagge zu zeigen ;-) Herzliche Grüße Rudi

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#48
eva v.

eva v.
  • 3.664 Beiträge
  • Dabei seit 26.10.05
Hallo, um das noch mal aufzugreifen und Missverständnisse auszuräumen: Das Finanzamt unterscheidet für die Einkommenssteuer nicht nach Einkünften aus Hauptberuf und Nebenberuf, sondern nach einem abschließenden, gesetzlich festgelegten Katalog von sieben Einkunftsarten, als da wären: Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbständige Arbeit, nichtselbständige Arbeit, Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung, sowie sonstige. Ob und was einer haupt- oder nebenberuflich macht, spielt für die Einkommenssteuer keine Rolle. Es zählt nur die Summe, die übrig bleibt und folglich zu versteuern ist. Die Sache mit dem Arbeitszimmer hat ebenso wenig mit Haupt- und Nebenberuf zu tun, sondern damit, ob der Autor auch woanders ein berufliches Arbeitszimmer/Schreibtisch zur Verfügung hat, z. B. als Richter, Schuldirektor, Professor, Journalist, Sekretärin oder sonstwas. Das gilt auch dann, wenn dieses Arbeitszimmer im Verhältnis zum heimischen nur marginal genutzt wird, etwa bei einer Teilzeitstelle oder im 400-Euro-Job, während daheim die Riesen-Bestseller in zusätzlichen Achtstundenschichten in die Tasten gehauen werden. Unterschiede ergeben sich höchstens, wenn NUR vom heimischen Schreibtisch aus gearbeitet wird (vermutlich war das gemeint, aber es hat nichts mit Haupt- oder Nebenberuf zu tun, sondern nur damit, dass es der einzige Arbeitsplatz ist!); dann sind alle Ausgaben für das heimische Büro wie für eine Betriebsstätte als Werbungskosten - zumindest anteilig - absetzbar, während bei einer (auch) woanders stattfindenden Tätigkeit (ganz egal ob Haupt- oder Neben!) der heimische Schreibtisch nur bis zu einer Höchstbetragsgrenze von 1250 Euro abgesetzt werden kann (sofern, s. o., nicht woanders noch ein beruflicher Schreibtisch steht, dann läuft nichts mit Absetzen von Arbeitszimmern). Auch läuft nichts mit Absetzen von Arbeitszimmern, wenn der Autor keins hat bzw. nur den Laptop im Wohnzimmer, da hilft auch nichts, wenn das Schreiben sein Hauptberuf ist. LG, eva v. Edit: Unterschieden wird für die Einkommenssteuer allerdings zwischen Beruf und Liebhaberei/Hobby, aber das wiederum darf nicht - wie in dem Thread geschehen - mit der Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenberuf durcheinandergeworfen werden! Letztere - die eine völlig andere ist - kann relevant sein, aber nicht bei der Einkommenssteuer, sondern in erster Linie im Sozialversicherungsrecht.