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Gedanken sichtbar machen. Gerne, aber wie?


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38 Antworten zu diesem Thema

#21
MichaelT

MichaelT
  • 738 Beiträge
  • Dabei seit 03.02.15

Wenn man in 3. Person schreibt, aber zwischendurch die Gedanken direkt (in Präsens und ohne "dachte sie" o.ä.) darstellen will, geht das doch fast nur kursiv, oder?

 

Beispiel:

 

"Überall um sie herum war es dunkel. Sie sah nichts, ging aber noch ein paar Schritte weiter, bis sie ein Geräusch hörte. Sie wusste nicht, was es war, aber sie wusste, dass es nichts Gutes bedeuten konnte. Sie blieb stehen und nach wenigen Sekunden hörte sie es erneut. Nicht laut, aber ganz nah. Sie fing an zu zittern und machte einen Schritt zurück.

Ich will hier raus."

 

Wie soll man den Satz sonst schreiben, wenn nicht kursiv?

 

Alle Gedanken, die 1. in anderer Perspektive und/oder anderer Zeit als der Rest und 2. ohne "dachte sie" o.ä. steht, würde ich immer kursiv setzen.

 

Bei "Ich will hier raus, dachte sie" weiß ich's auch nicht genau, ob man das "Ich will hier raus" kursiv schreiben sollte.

Würd ich so aber auch nie schreiben, weil es ohne "dachte sie" viel eindringlicher ist.

 
 
 

Bearbeitet von MichaelT, 02.06.2018 - 17:08,


#22
Sylvia Kaml

Sylvia Kaml
  • 330 Beiträge
  • Dabei seit 03.02.15

Danke euch, das beruhigt mich schonmal sehr.

Und ja, ich lasse ohnehin Inquits weg, sofern möglich.

 

 

Hallo Sylvia, 

 

helfen kann ich leider nicht - höchstens noch mehr Verwirrung stiften.  ;)  

Denn meine Lektorin hat gerade kürzlich behauptet, dass man Gedanken nie, niemals und unter gar keinen Umständen kursiv setzt. Es werde schließlich aus dem Zusammenhang ersichtlich, dass da gedacht wird. 

Tja ...

 

LG Yvonne.

 

Dann mag es vielleicht wirklich noch eine Kann-Regel (bzw. stilistisches Mittel je nach Geschmack) sein und das "Muss" liegt eher an rigorosen Lektoren? ;-)


Bearbeitet von Sylvia Kaml, 02.06.2018 - 18:42,


#23
Christa

Christa
  • 9.236 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Man sieht es immer wieder so, dass Gedanken kursiv gesetzt werden. Dass dies aber eine "unumstößliche" Regel ist, wäre mir neu. Dafür habe ich es schon zu oft auch anders gesehen. Und dass beides gemischt werden muss, je nachdem - das höre ich zum ersten Mal. Möglich, dass es diese Regel innerhalb des Verlags gibt, aber allgemein besteht sie sicher nicht. Und ganz ehrlich: Ich würde mich an eine solche Regel auch nicht halten, sondern es so machen, wie es für meine Geschichte passend ist.

 

Ich sehe das so wie Yvonne und Andreas. Auf Anraten von einem Kollegen hatte ich das vor langer Zeit mal probiert - der Lektor hat alle diese Stellen gestrichen. Und seitdem nerven mich diese kursiven Gedanken, wenn sie mir beim Lesen begegnen. 

 

Deinen Satz, Michael:

 

"Überall um sie herum war es dunkel. Sie sah nichts, ging aber noch ein paar Schritte weiter, bis sie ein Geräusch hörte. Sie wusste nicht, was es war, aber sie wusste, dass es nichts Gutes bedeuten konnte. Sie blieb stehen und nach wenigen Sekunden hörte sie es erneut. Nicht laut, aber ganz nah. Sie fing an zu zittern und machte einen Schritt zurück.

Ich will hier raus."

 

könnte man auch so formulieren:

 

 

"Überall um sie herum war es dunkel. Sie sah nichts, ging aber noch ein paar Schritte weiter, bis sie ein Geräusch hörte. Sie wusste nicht, was es war, aber sie wusste, dass es nichts Gutes bedeuten konnte. Sie blieb stehen und nach wenigen Sekunden hörte sie es erneut. Nicht laut, aber ganz nah. Sie fing an zu zittern und machte einen Schritt zurück. Sie wollte nur eines: hier herauskommen.

 

(Die Wiederholungen des "sie" könnte man dabei vermeiden)


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#24
Sylvia Kaml

Sylvia Kaml
  • 330 Beiträge
  • Dabei seit 03.02.15

Vieles ist sicher Geschmackssache bzw. kommt sehr auf den Text an. Daher Stilmittel.

Als Leser finde ich kursiv oft besser ... der Grund dafür ist schwer zu erklären, aber es "klingt" anders im Kopf, die Gedanken "schweben", sind direkter und heben sich damit von der "Erzählung" ab.

Zumindest hat es eine deutlich andere Wirkung, daher würde ich es wirklich von der Geschichte abhägig machen. Wenn viel gedacht wird, sieht es verwirrend aus. Wenn ein Gedanke kurz und heftig im Kopf eines Charakters entsteht, würde ich es kursiv bevorzugen. Das Gefühl gedanklich aussprechen (schnell) anstatt es lediglich zu "berichten" (ruhiger). Doch das ist wirklich vom Text, der Situation und dem Stil abhängig.

 

Aber das bestätigt mich zumindest, dass es keine feste Regel gibt, die ich nicht mitbekommen habe. Ich war wirklich verunsichert.



#25
AndreasG

AndreasG
  • 1.523 Beiträge
  • Dabei seit 16.09.07

 

Wenn man in 3. Person schreibt, aber zwischendurch die Gedanken direkt (in Präsens und ohne "dachte sie" o.ä.) darstellen will, geht das doch fast nur kursiv, oder?

 

Beispiel:

 

"Überall um sie herum war es dunkel. Sie sah nichts, ging aber noch ein paar Schritte weiter, bis sie ein Geräusch hörte. Sie wusste nicht, was es war, aber sie wusste, dass es nichts Gutes bedeuten konnte. Sie blieb stehen und nach wenigen Sekunden hörte sie es erneut. Nicht laut, aber ganz nah. Sie fing an zu zittern und machte einen Schritt zurück.

Ich will hier raus."

 

Wie soll man den Satz sonst schreiben, wenn nicht kursiv?

 

Alle Gedanken, die 1. in anderer Perspektive und/oder anderer Zeit als der Rest und 2. ohne "dachte sie" o.ä. steht, würde ich immer kursiv setzen.

 

Bei "Ich will hier raus, dachte sie" weiß ich's auch nicht genau, ob man das "Ich will hier raus" kursiv schreiben sollte.

Würd ich so aber auch nie schreiben, weil es ohne "dachte sie" viel eindringlicher ist.

 
 
 

 

 

Wieso sollte der Satz nicht auch ohne Kursiv-Setzung als Gedanke erkennbar sein?

 

Ich fühle mich als Leser bei so was ein bisschen zu sehr bemuttert. Der Autor traut mir offenbar nicht zu, dass ich den Satz selbst als Gedanke der Figur erkenne (trotz entsprechendem Personalpronomen und geändertem Tempus).

 

Es geht sogar noch "extremer": Cormac McCarthy verwendet bei wörtlicher Rede keine Anführungszeichen. Funktioniert wunderbar, zumindest wenn man Dialoge so schreiben kann wie er.


"Stirb leise, mein Engel", Jugendthriller, Oetinger Verlag 2014, "Hörst du den Tod?", Jugendthriller, Oetinger Verlag 2014, "Denn morgen sind wir tot", Jugendbuch, Oetinger Verlag 2015, "Bad Boys & Little Bitches", Jugendbuch Oetinger Verlag 2017 und 2018

"Die im Dunkeln sieht man nicht", Roman, FISCHER Scherz 2019 (ab 28.8.)


#26
MelanieM

MelanieM
  • 13.840 Beiträge
  • Dabei seit 09.01.07

Ich habe erst (bei Piper) gelernt, Gedanken dürfen nicht kursiv gesetzt werden. Bei Tinte&Feder wurden sie dann wieder kursiv gesetzt. Ich schätze mal, das ist von Verlag zu Verlag und Lektor zu Lektor unterschiedlich. 



#27
Margot

Margot
  • 2.423 Beiträge
  • Dabei seit 10.09.10

Bei Tinte&Feder wurden sie dann wieder kursiv gesetzt.

 

Dagegen habe ich mich erfolgreich gewehrt. :D 

 

Ich finde es ganz schrecklich, wenn Gedanken kursiv gesetzt werden. In einem Buch, in dem viel gedacht wird, sieht das wirklich übel und wirr aus. Aber es ist schon so, dass Verlage da ihre eigenen Vorgaben haben. Eine Regel gibt es meines Wissens nicht.



#28
Christa

Christa
  • 9.236 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

 

Bei Tinte&Feder wurden sie dann wieder kursiv gesetzt.

 

Dagegen habe ich mich erfolgreich gewehrt. :D

 

Ich finde es ganz schrecklich, wenn Gedanken kursiv gesetzt werden. In einem Buch, in dem viel gedacht wird, sieht das wirklich übel und wirr aus. Aber es ist schon so, dass Verlage da ihre eigenen Vorgaben haben. Eine Regel gibt es meines Wissens nicht.

 

Mich haut das beim Lesen immer aus dem Fluss. Und allmählich weiß ich auch, welche Verlage das so handhaben. Inzwischen freue ich mich bei jedem neuen Buch, wenn die Gedanken nicht kursiv gesetzt sind. Es klingt irgendwie … abgehackt.


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#29
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 6.338 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

Ich bin auch strikt gegen das Kursivsetzen. Ich stimme mit Andreas überein. Der Leser ist ja nicht dumm. Deshalb kann man sich auch das "dachte sie/er" oft sparen, wenn die Perspektive eindeutig ist.


Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


#30
MichaelT

MichaelT
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  • Dabei seit 03.02.15

"Überall um sie herum war es dunkel. Sie sah nichts, ging aber noch ein paar Schritte weiter, bis sie ein Geräusch hörte. Sie wusste nicht, was es war, aber sie wusste, dass es nichts Gutes bedeuten konnte. Sie blieb stehen und nach wenigen Sekunden hörte sie es erneut. Nicht laut, aber ganz nah. Sie fing an zu zittern und machte einen Schritt zurück.

Ich will hier raus.

Als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte, erstarrte sie. Sie wollte schreien, doch es ging nicht. Sie fühlte sich wie gelähmt."

 

Das würde einem doch jedes Lektorat (m.E. zu Recht) um die Ohren hauen, oder (und ich meine jetzt nur das "Ich will hier raus")?

Mich würde es auch als Leser sehr stören.



#31
Susann

Susann
  • 2.537 Beiträge
  • Dabei seit 21.01.07

"Überall um sie herum war es dunkel. Sie sah nichts, ging aber noch ein paar Schritte weiter, bis sie ein Geräusch hörte. Sie wusste nicht, was es war, aber sie wusste, dass es nichts Gutes bedeuten konnte. Sie blieb stehen und nach wenigen Sekunden hörte sie es erneut. Nicht laut, aber ganz nah. Sie fing an zu zittern und machte einen Schritt zurück.

Ich will hier raus.

Als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte, erstarrte sie. Sie wollte schreien, doch es ging nicht. Sie fühlte sich wie gelähmt."

 

Das würde einem doch jedes Lektorat (m.E. zu Recht) um die Ohren hauen, oder (und ich meine jetzt nur das "Ich will hier raus")?

Mich würde es auch als Leser sehr stören.

 

Dieser kurze Wechsel zum inneren Monolog (Ich will hier raus) ist meiner Ansicht nach ein normales Stilmittel und von daher stimme ich Andreas zu: Das sollte jeder Leser erkennen, auch ohne kursive Schrift. Was bei obigem Beispiel vielleicht viel eher stört, ist, dass der Erzähler im übrigen Text nicht sehr dicht an der Figur ist, da wirkt diese plötzliche Innensicht etwas verwirrend. Der Satz 'Sie fing an zu zittern' stammt von einem Erzähler aus dem off, der erklärt, was die Figur für körperliche Reaktionen zeigt. Das ist weder dicht an der Figur noch annähernd aus ihrer Perspektive. Die Figur selbst nimmt das Zittern ja vermutlich gar nicht wahr, sondern nur dessen Auswirkungen (sie stolpert beim Schritt zurück, z.B.).

Ich glaube daher, wenn der Text homogen dicht an der Figur gestaltet wird, dann reißt es den Leser auch nicht aus dem Lesefluss, wenn Gedanken eingestreut werden, ohne sie kursiv zu setzen. Wird das Geschehen eher mit Distanz zur Figur erzählt, so wie hier, dann stört mich der eingeschobene innere Monolog generell, ganz gleich ob kursiv oder nicht.

 

Beispiel:

Es war dunkel, nur Schemen erkennbar, sonst nichts. Sie versuchte, sich auf Konturen zu konzentrieren, war das da drüben ein Mensch, der sich bewegte? Oder hatte sie nicht mehr all ihre Sinne beisammen, so angespannt, wie sie sich fühlte. Langsam, ruhig atmen, ein, aus. Sie ging einen Schritt weiter. Rechts von ihr raschelte es. Wieder versuchte sie, etwas zu erkennen. Die Geräusche wurden lauter, doch sie fühlte sich wie gelähmt, sie konnte nicht weiter. Etwas Schweres berührte ihre Schulter, sie spürte seinen Atem im Nacken und wusste, jetzt gab es keinen Ausweg mehr. Ich will hier raus!


Eat the frog in the morning (Mark Twain)

#32
AndreaRings

AndreaRings
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Susanne Pavlovic (auch bekannt als Textehexe) hat zu dem Thema mal ein tolles Video gemacht.


Bearbeitet von AndreaRings, 04.06.2018 - 19:35,


#33
Susann

Susann
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Susanne Pavlovic (auch bekannt als Textehexe) hat zu dem Thema mal ein tolles Video gemacht.

 

Das ist ein gutes Video, aber ich finde es immer hilfreich, wenn man das Kind beim Namen nennt - was sie leider nicht tut. Deshalb hier die zu ihren Erklärungen gehörenden Begriffe. Die sind bei Wikipedia ganz nett erläutert:

Erlebte Rede https://de.wikipedia...ki/Erlebte_Rede

Innerer Monolog https://de.wikipedia...Innerer_Monolog


Bearbeitet von Susann, 04.06.2018 - 22:44,

Eat the frog in the morning (Mark Twain)

#34
AndreaRings

AndreaRings
  • 978 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

 

Susanne Pavlovic (auch bekannt als Textehexe) hat zu dem Thema mal ein tolles Video gemacht.

 

Das ist ein gutes Video, aber ich finde es immer hilfreich, wenn man das Kind beim Namen nennt - was sie leider nicht tut. Deshalb hier die zu ihren Erklärungen gehörenden Begriffe. Die sind bei Wikipedia ganz nett erläutert:

Erlebte Rede https://de.wikipedia...ki/Erlebte_Rede

Innerer Monolog https://de.wikipedia...Innerer_Monolog

 

 

Danke für die Ergänzung, Susann. Du hast recht, das macht die Sachverhalte noch klarer.



#35
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 6.338 Beiträge
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Ich habe hier auch ein Beispiel für erlebte Rede:

 

Sie trat vor den Spiegel, um ihre Frisur ein wenig zurechtzurücken.

Ihr Ebenbild starrte sie mit großen Augen an. Würde
man ihr ansehen, mit wem sie in der Stadt gewesen war? Unsinn!
Natürlich nicht.

Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


#36
Susann

Susann
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Ich habe hier auch ein Beispiel für erlebte Rede:

 

Sie trat vor den Spiegel, um ihre Frisur ein wenig zurechtzurücken.

Ihr Ebenbild starrte sie mit großen Augen an. Würde
man ihr ansehen, mit wem sie in der Stadt gewesen war? Unsinn!
Natürlich nicht.

 

 

Genau, Ulf! Das ist ein wunderbares Beispiel für erlebte Rede. Wir sehen die Figur vor den Spiegel treten, sehen, was sie sieht, und kommen dann in ihren Kopf und erfahren, was sie denkt.

 

Als innerer Monolog würde diese Passage dann so aussehen:

 

Sie trat vor den Spiegel, um ihre Frisur ein wenig zurechtzurücken. Ihr Ebenbild starrte sie mit großen Augen an. Wird man mir ansehen, mit wem ich in der Stadt gewesen bin? Unsinn! Natürlich nicht. 

 

Das holpert für mich jetzt ein wenig wegen dem Ebenbild, da bekomme ich den Sprung von Distanz zur Nähe nicht so schnell hin beim Lesen, deshalb würde ich, wenn ich hier den inneren Monolog als Stilmittel für die Gedankenwiedergabe wähle, schon vorher ein bisschen dichter dran bleiben. So in etwa:

 

Sie trat vor den Spiegel, um ihre Frisur ein wenig zurechtzurücken, und fragte sich, warum sie so besorgt aussah. Wird man mir ansehen, mit wem ich in der Stadt gewesen bin? Unsinn! Natürlich nicht.

 

So kann man mit den verschiedenen Möglichkeiten spielen und wenn es homogen ist, braucht man keinen kursiven Holzhammer mehr :)


Eat the frog in the morning (Mark Twain)

#37
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
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Ich verwende erlebte Rede sehr häufig. Ich finde es ein tolles Mittel, um der Figur nahezukommen. Hier ist noch ein Beispiel:

 

Hoffentlich ist der Brief nicht zu aufdringlich, dachte sie mit klopfendem

Herzen. War es überhaupt schicklich, von der Auflösung
ihrer Verlobung zu schreiben? Es klang ja fast wie ein Hilferuf.
Na ja, das war es ja auch. Nur ob Ewalt ihr helfen konnte, war
doch sehr fraglich. Und ob er es überhaupt wollte. Plötzlich war
sie überzeugt, dass es ein Fehler gewesen war, ihm zu schreiben.
Würde er beim Lesen die Stirn runzeln, gar den Kopf schütteln?
Die ganze Angelegenheit peinlich finden?

Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


#38
Ramona

Ramona
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Ich bin auch strikt gegen das Kursivsetzen. Ich stimme mit Andreas überein. Der Leser ist ja nicht dumm. Deshalb kann man sich auch das "dachte sie/er" oft sparen, wenn die Perspektive eindeutig ist.

 

Einen Gedanken hier und da kursiv zu setzen kann ein sehr starkes, emotionales Stilmittel sein, weil es die Figur unvermittelt noch einmal ein gutes Stück näherbringen kann. (Ich schreibe "kann", weil es natürlich auch davon abhängt, ob man ein Gespür dafür hat, WANN und WO dieses Mittel am besten eingesetzt wird. Weniger ist hier nämlich eher mehr. Also höchstens ein paar Mal im ganzen Roman und nicht etliche Male pro Kapitel. Es erfordert ein feines Gespür für Stil und Erzählfluss.)


Bearbeitet von Ramona, 05.06.2018 - 09:21,

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)


#39
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
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Ich benutze Kursiv, wenn die Figur etwas in den Gedanken zitiert, etwas, was jemand anders gesagt hat, oder ein Zitat aus einem Buch.


Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de