Inhalte aufrufen

Profilbild

Autoren aufgepasst! - Verlage proben neue Klauseln


  • Zum Antworten bitte anmelden
35 Antworten zu diesem Thema

#21
(MattGS)

(MattGS)
Na, von "Kopf in den Sand stecken" habe ich ja auch nirgendwo gesprochen. Eine Erklärung würde ich jederzeit mit unterschreiben, selbstverständlich. Aber bekommt man in Zeiten von DKZV und Neobooks wirklich genug Veröffentlichungswillige dazu, sich für so eine Sache einzusetzen? Außerdem wäre ich vorsichtig mit der Annahme, dass Menschen, die wenig Wert auf einen angemessenen finanziellen Ausgleich legen, automatisch nur Schrott produzieren würden. Von ihrer Arbeit können schon jetzt kaum Autoren leben. Manche sind schlicht froh, überhaupt veröffentlicht zu werden - über die Qualität ihrer Arbeit selbst sagt das nichts aus. Aber ja, je mehr Autoren man für so eine Aktion zusammenbekommt, desto eher kann man Erfolg haben. Dann lasst es uns doch einfach tun. Die Praktiken der Händler und die Rückgratlosigkeit der Verlage den Händlern gegenüber sind ja nicht neu, also worauf noch warten? Gruß Matt

#22
AndreasE

AndreasE
  • 2.337 Beiträge
  • Dabei seit 01.04.07

Selbst wenn einige Verlage sich zusammenschließen und Druck auf die Händler ausüben würden, irgendwer würde doch wieder querschießen und sich den Händlern beugen - immerhin wäre man ja die lästige Konkurrenz los, wenn andere Verlage den Händler nicht mehr beliefern würden. "Instant profit!", denkt sich dieser Verlag dann wohl und hält sich für besonders clever.

Ähnliches auf Autorenseite. Ohne Autoren könnten weder die Verlage noch die Händler irgendwelche Geschäfte machen. Wie einfach wäre es, wenn die Autoren sich zusammenschließen würden und gemeinsam sagten "da machen wir nicht mehr mit". Für jeden Autor, der so etwas unterzeichnen würde, sprüngen dann vermutlich 10 andere Autoren, desensibilisiert durch DKZV, in die Bresche und bieten ihre Werke bereitwillig zum Dumpingpreis an.


Alles schöne Beispiele, die verdeutlichen, wie das Grundprinzip der Macht - "Teile und herrsche" - funktioniert. Teile: Verhindere, dass die, über die Du herrschen willst, sich zusammentun und gemeinsam handeln. Herrsche: Nutze deine Macht, um die Teilung aufrechtzuerhalten.

Ich fürchte, eine Interessenvertretung der Autorenschaft mit echter Macht kann es erst dann geben, wenn "Autor" ein Ausbildungsberuf mit Meisterbrief ist und ein Autor sich nicht mehr beliebig mit dem nächstbesten Veröffentlichungswilligen von der Straße ersetzen lässt.


Um Gottes Willen. Eine Rückkehr der Gilden und Stände? Das kann sich niemand ernsthaft wünschen.

Ich sehe auf lange Sicht zwei mögliche Entwicklungen, die sich gegenseitig nicht ausschließen:

1. Marginalisierung der Verlage und des herkömmlichen Buchhandels. Autoren wird es geben, solange noch Texte geschrieben werden, aber dass es deswegen auch Verlage und Buchhandlungen geben muss, ist keineswegs in Stein gemeißelt. Gegenwärtig wächst durch Internet, das Aufkommen der eBooks, des Print-on-Demands und auch durch zunehmendes Outsourcen genuiner Verlagsleistungen z.B. an externe Lektoren, Buchgestalter usw. eine Infrastruktur heran, die es eines Tages Autoren ermöglichen könnte, ihre Leserschaft direkt zu beliefern. Wenn Stephen King morgen beschließen sollte, dass sein nächstes Buch nur noch direkt von ihm per iBookstore zu beziehen ist, wer wollte ihn hindern? Niemand. Würde das Schule machen? Gut möglich. Und sollten große Bestsellerautoren (die Dan Browns, Joanne K. Rowlings und Ken Folletts dieser Welt) generell dazu übergehen, das so zu machen, dann würden die Verlage schlicht nicht überleben.

Für diese Möglichkeit spricht, dass das sich hier manifestierende Verhalten der Teilnehmer am Buchmarkt (Sortimenter versus Verlage versus Autoren) prinzipiell ein Verhalten ist, wie es für sterbende Märkte typisch ist. Noch drückt sich das nicht in Zahlen aus, aber das will nichts heißen.

2. Das Ende der Belletristik. Es hat eine Zeit ohne Romane gegeben, es könnte wieder so eine Zeit kommen. Das Erzählen könnte sich neue Formen suchen, die den herkömmlichen Roman so altmodisch erscheinen lassen wie uns heute Bücher in Frakturschrift.

Die Lyrik hat ihren Tod schon hinter sich: Sie ist heute nur noch im Songtext wirklich lebendig. Das Erzählen könnte mit den technischen Möglichkeiten ausgereifter eBooks (von denen das iPad eine erste Ahnung sein mag) neue Formen erschließen, die mit veränderlichen Elementen, unterschiedlichen Pfaden durch die Geschichte usw. arbeiten - Möglichkeiten, die sich mit einem gedruckten Buch überhaupt nicht darstellen lassen. Die nächste Generation wird dann schon mit dieser Form aufwachsen und den Roman, den wir kennen, mit ungefähr dem Amüsement betrachten wie wir alte Almanache oder Moritaten-Tafeln.

Zwei "Motoren", die diesen Trend befördern:

Erstens die generelle Reizüberflutung des modernen Lebens, die viele Menschen gar nicht mehr in den Zustand der Muße kommen lässt, der für klassische Romanlektüre nötig wäre. Stärkere Reize als bloß schwarze Buchstaben auf weißem Papier werden dann als hilfreich empfunden, Klicken-Müssen, bewegte bunte Bilder und dergleichen binden stark genug ein, um die Aufmerksamkeit trotzdem noch zu fesseln.

Zweitens wieder die Politik der Buchmarktakteure: Wenn man die Mischkalkulation zum alten Eisen wirft und verlangt, dass jedes Buch Gewinn machen muss, heißt das zugleich, dass man keine Experimente mehr wagt (denn Experimente haben es nun mal an sich, dass die meisten scheitern), sondern stattdessen die "bewährten" Trends bedient, die "garantiert" Kasse machen. Das wiederum heißt, dass kaum noch wirklich Neues auftaucht, was wiederum irgendwann dazu führt, dass sich Leser langweilen. Zuerst langweilen sich die Vielleser, was sich noch nicht auswirkt, weil die das Lesen und Bücherkaufen trotzdem nicht aufgeben. Irgendwann aber langweilen sich auch die Gelegenheitsleser, für die Lesen nur eine unter vielen Optionen ist, ihre Freizeit zu verbringen. (Hier in diesem Forum ist sicher keiner, der sich vorstellen kann, das Lesen aufzugeben. Ich auch nicht. Aber ich kenne Leute, die das getan haben. Zuerst sind es nur noch 3 Romane pro Jahr, dann nur noch einer, im Urlaub, und da zweimal hintereinander einen blöden erwischt, sich von Klappentext und Aufmachung reingelegt fühlen - das reicht manchmal schon, dass sich einer sagt, "nehm ich halt einen DVD-Viewer mit in den Urlaub".)

#23
(MattGS)

(MattGS)

Alles schöne Beispiele, die verdeutlichen, wie das Grundprinzip der Macht - "Teile und herrsche" - funktioniert. Teile: Verhindere, dass die, über die Du herrschen willst, sich zusammentun und gemeinsam handeln. Herrsche: Nutze deine Macht, um die Teilung aufrechtzuerhalten.

Ja, richtig. Aber auf diese konkrete Situation bezogen würde das ja bedeuten, dass es eine Macht gibt, die sämtliche Autoren beherrscht oder beherrschen möchte. Das glaube ich nun wirklich nicht. Also wird hier weder beherrscht noch geteilt. Zwar blicken offenbar einige große Publikumsverlage immer neidvoller auf das Geschäftsmodell DKZV, aber dennoch gehe ich davon aus, dass wir hier von zwei sehr unterschiedlichen Mächten sprechen.

Um Gottes Willen. Eine Rückkehr der Gilden und Stände? Das kann sich niemand ernsthaft wünschen.

Ganz sicher nicht. Also Disclaimer: eine umstrittene Tatsache zu erwähnen bedeutet nicht, diese Tatsache gutzuheißen. "Die USA sind in den Irak einmarschiert" ist nicht dieselbe Aussage wie "Ich unterstütze den Einmarsch der USA in den Irak". Aber es ist nunmal so - solange sich jeder Mensch Autor nennen darf, ist es faktisch unmöglich, legitim im Namen aller Autoren zu sprechen und so Macht auszuüben. Das ist ein Problem, welches zu lösen ist. Also nochmal, weil es mich vermutlich jetzt die nächsten 10 Jahre verfolgt: Ich wünsche mir unter keinen Umständen ein staatliches Autorendiplom.

1. Marginalisierung der Verlage und des herkömmlichen Buchhandels.

Ehrlich gesagt, darauf spekuliere und hoffe ich. Ich heiße die neuen Möglichkeiten, aktiv selbst in die Veröffentlichung zu gehen, sehr willkommen. Natürlich gerät man da sehr schnell in die Grauzone um DKZV, aber man sollte niemals vergessen, dass es daneben auch eine Menge legitimer, moralischer und seriöser Geschäftsmodelle gibt, wie z.B. Print on demand. Deshalb bin ich selbst ja auch so vom Thema eBooks fasziniert - möglicherweise wird der Markt hier noch einmal richtig aufgemischt. Möglicherweise auch nicht. Sehen wir dann.

2. Das Ende der Belletristik.

Näh. Glaub ich so nicht. Dass das Medium sich verändert steht schon jetzt fest. eBooks, Motion Comics, interaktive Romane etc. Aber das sind alles digitale Medien. Und das gedruckte Buch ohne digitalen Mehrwert wird noch lange lange Zeit nicht aussterben. Ob ein gedrucktes Buch in näherer Zukunft als "altmodisch" rüberkommt, ist wohl auch eine rein pragmatische Frage, denn:

"nehm ich halt einen DVD-Viewer mit in den Urlaub"

Aber nur, wenn man im Urlaub das Hotel nicht verlässt oder der Player wasserdicht und kratzfest ist. Bald gibt es sicher die erste Generation von wasserdichten und strandtauglichen eBook-Readern, aber es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis ein elektronisches Gerät so robust ist wie ein gutes altes Taschenbuch. Bis dahin: lang lebe die Belletristik.

Gruß
Matt

#24
Andrea S.

Andrea S.
  • 6.766 Beiträge
  • Dabei seit 10.01.07
Au ja, ich sehe das schon kommen: jeder veröffentlich seine Werke selbst und vertreibt sie im eigenen Shop. Und wer eine reiche Erbtante hat, der kann Mordswerbung dafür machen und wird Bestseller-Autor. Ich fürchte, eine Weile brauchen wir noch Verleger. Was aber nicht heißt, dass sie uns übers Ohr hauen dürfen. Andrea

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle


#25
(Falko)

(Falko)
Andreas, ich glaube nicht, dass Reizüberflutung ein Nachteil ist - im Gegenteil. Als Kulturoptimist glaube ich sogar, dass das Buch die perfekte Rückzucksmöglichkeit für viele Leute bleiben wird. Vielleicht sogar für mehr noch als derzeit.

Wegen des Netzes wird das Medienrauschen um das Produkt Buch herum lauter und schwerer verständlich. Der Hype wird greller, aber das bedeutet nicht automatisch, dass es Originalität schwerer haben wird. Allerdings ist jetzt schon zu beobachten, dass die Halbwertzeit von Büchern in den Regalen immer kürzer wird, die Zeitfenster für den Erfolg immer kleiner. Ähnlich wie bei Hollywoodfilmen, bei denen das erste Wochenende entscheidet, wie viel Marketing in einen Film noch gesteckt wird - und damit schon langfristig über das Schicksal des Films entschieden wird.

(Übrigens: Beim (Link ungültig) übernächste Woche gibt's eine Podiumsdiskussion zu genau diesem Thema.)

Verlage wird es weiter geben, aber ich vermute, es wird mit der Digitalisierung und dem Download-Vertrieb ein zunächst paralleler Markt entstehen. Und zwar genau so wie das, was gerade bei Computerspielen passiert: Da konzentrieren sich kleine Studios auf iPhone und iPad und der Vertrieb fällt völlig weg. Apple behält 30% vom VK, 70% landen direkt beim Entwickler. Ein Erfolgstitel macht sich also ungleich höher bezahlt als im klassischen Vertrieb - aber man kann die klassischen Vertriebs- und Werbemittel dabei nicht mehr anwenden.

#26
(MattGS)

(MattGS)

Verlage wird es weiter geben, aber ich vermute, es wird mit der Digitalisierung und dem Download-Vertrieb ein zunächst paralleler Markt entstehen. Und zwar genau so wie das, was gerade bei Computerspielen passiert: Da konzentrieren sich kleine Studios auf iPhone und iPad und der Vertrieb fällt völlig weg. Apple behält 30% vom VK, 70% landen direkt beim Entwickler. Ein Erfolgstitel macht sich also ungleich höher bezahlt als im klassischen Vertrieb - aber man kann die klassischen Vertriebs- und Werbemittel dabei nicht mehr anwenden.

Und genau DAS verstehe ich unter "den Markt aufmischen". Das ist nämlich nicht dasselbe wie "den Markt von Verlagen zu bereinigen". Dafür entstehen neue Dienstleister, wie man sieht. Mit attraktiven Konditionen, die den eingefahrenen Verlagen eventuell auch zu denken geben.

#27
Imre

Imre
  • 848 Beiträge
  • Dabei seit 05.04.08

Die Rabattpolitik des Verlages muss dieser mit dem Handel und auf eigene Rechnung klären, es gehört nicht auf den Autor abgewälzt!


Ja, vollkommen richtig, lieber Andreas! Und ich finde es ebenfalls empörend, wenn Verlage versuchen, immer mehr von ihren Kosten auf die Autorinnen und Autoren abzuwälzen.
Der Normvertrag kann nur als Richtschnur verstanden werden, als Mindestnorm sozusagen.
Auch wenn der Normvertrag nicht grundsätzlich 1:1 bei unseren persönlichen Verträgen mit Verlagen als Grundlage genommen wird, kann und soll frau/man
a) sich auf vorteilhafte Punkte des Normvertrags berufen
b) sich wehren, alles in einem Vertragsentwurf zu unterschreiben
c) individuelle Regelungen hinzufügen.
Und das können - wie hier schon gesagt wurde - nicht nur bereits erfolgreiche Autorinnen, Autoren tun.
Es ist wichtig, uns vor Vertragsunterzeichnung genau beraten zu lassen, z. B. im VS, zusammen mit der Literaturagentur, bei mediafon - am besten von verschiedenen Seiten.  
Aber vorher!
Auch andere Verträge unterschriebt man nicht ohne gründliche Prüfung und verhandelt u. U. lange.
Ja, ich weiß, manchmal sind wir froh, ein Manuskript untergebracht zu haben und allzu schnell unterschriftsbereit.
Nur, unterschrieben ist dann unterschrieben, danach wird es schwierig, etwas zu ändern.

Vertragsgestaltung unterliegt Marktgesetzen. Damit will ich keinesfalls sagen, dass wir jede Kröte schlucken müssten. Ganz im Gegenteil! Aber bei der Vertragsgestaltung ist die/der Einzelne recht oft nur so stark wie die Solidargemeinschaft der Worturheber.

LG, Imre  
Gib, gib auch nach, aber gib nicht auf.&&www.imre-toeroek.de

#28
(Falko)

(Falko)

Und genau DAS verstehe ich unter "den Markt aufmischen". Das ist nämlich nicht dasselbe wie "den Markt von Verlagen zu bereinigen". Dafür entstehen neue Dienstleister, wie man sieht. Mit attraktiven Konditionen, die den eingefahrenen Verlagen eventuell auch zu denken geben.


Dummerweise ist man dann - in diesem Beispiel, kann auch jemand anders sein - von Apple abhängig. Eben von der Firma, die den Distributionskanal kontrolliert.

#29
(MattGS)

(MattGS)

Dummerweise ist man dann - in diesem Beispiel, kann auch jemand anders sein - von Apple abhängig. Eben von der Firma, die den Distributionskanal kontrolliert.

Im Gegensatz zur Abhängigkeit von den großen Buchhandelsketten?

#30
Imre

Imre
  • 848 Beiträge
  • Dabei seit 05.04.08

Verlage wird es weiter geben, aber ich vermute, es wird mit der Digitalisierung und dem Download-Vertrieb ein zunächst paralleler Markt entstehen.


Das ist nicht nur eine Vermutung, lieber Falko, das wird ganz sicher kommen. Nur das WIE ist noch schwer einzuschätzen, und das hängt weitgehend von der positiven Beweglichkeit der Verlage im Zusammenwirken mit den Worturhebern ab.

Und genau DAS verstehe ich unter "den Markt aufmischen". Das ist nämlich nicht dasselbe wie "den Markt von Verlagen zu bereinigen". Dafür entstehen neue Dienstleister, wie man sieht. Mit attraktiven Konditionen, die den eingefahrenen Verlagen eventuell auch zu denken geben.


Genau, Matt. Ich hoffe (und wir müssen einiges dafür tun  - es passiert auch :)), dass die Verlage nicht nur "eventuell" nachdenken. sonst wird die Entwicklung sie nämlich über kurz oder lang aber jedenfalls überrollen.
Was wir Autorinnen, Autoren eigentlich nicht wollen - aber wir können auch nicht den Hund zum Jagen tragen.  ;D

LG, Imre
Gib, gib auch nach, aber gib nicht auf.&&www.imre-toeroek.de

#31
Imre

Imre
  • 848 Beiträge
  • Dabei seit 05.04.08

Im Gegensatz zur Abhängigkeit von den großen Buchhandelsketten?

Hm. Abhängig sind wir wohl in allen Lebenslagen, wo Angebot und Nachfrage eine Rolle spielen.
Nur WIE stark abhängig, das scheint mir die wichtige Frage zu sein.  :)

LG, Imre  
Gib, gib auch nach, aber gib nicht auf.&&www.imre-toeroek.de

#32
(MattGS)

(MattGS)

Hm. Abhängig sind wir wohl in allen Lebenslagen, wo Angebot und Nachfrage eine Rolle spielen.

Ganz genau. Aber auch die Wahl zwischen zwei Übeln ist immer noch eine Wahl. So gesehen kann auch ein neues Übel eine Verbesserung darstellen. Teile und herrsche mal andersherum - sollen sich die Firmen doch um ihre Vertriebskanäle streiten. Dann funktioniert das Prinzip von Angebot und Nachfrage vielleicht auch mal zum Vorteil der Autoren.

Dabei bleibt beim digitalen Vertrieb auch zu bedenken: nicht nur gewährt z.B. Apple einem 70% des Verkaufspreises, auch verlangen sie nicht, dass man sein eBook exklusiv über ihre Plattform vertreibt. Man kann es also auch weiterhin bei anderen Anbietern einstellen. Abhängigkeit - ja. Aber nur bei diesem einen Vertriebsweg. Andere Vertriebswege sind dadurch nicht blockiert.

#33
(ChristophL)

(ChristophL)

Für diese Möglichkeit spricht, dass das sich hier manifestierende Verhalten der Teilnehmer am Buchmarkt (Sortimenter versus Verlage versus Autoren) prinzipiell ein Verhalten ist, wie es für sterbende Märkte typisch ist. Noch drückt sich das nicht in Zahlen aus, aber das will nichts heißen.


Das hast du schon einmal gesagt, deshalb möchte ich das mal aufgreifen: Nach meiner Kenntnis gibt es keine Hinweise darauf, dass der Buchmarkt stirbt, im Sinne von massiv rückläufigen Umsatzzahlen o.ä. Dass Marktteilnehmer versuchen, sich gegenseitig über den Tisch zu ziehen, ist etwas vollkommen Normales, und dass der Schwächere dabei den Kürzeren zieht, auch. Das gibt es in jedem Markt. Problematisch wird es erst, wenn ein extremes Ungleichgewicht zugunsten der mächtigsten Markteilnehmer entsteht, wie es seit einigen Jahren auf dem Buchmarkt passiert. Aber solche Prozesse sind nicht typisch für einen sterbenden Markt, sondern für einen nicht ausreichend regulierten. Wenn Konzerne sich folgenlos über Gesetze hinwegsetzen und Monopole bilden können, liegt ein Versäumnis des Staates vor, dessen Aufgabe es ist, genau das zu verhindern.

Christoph

#34
Imre

Imre
  • 848 Beiträge
  • Dabei seit 05.04.08

Ganz genau. Aber auch die Wahl zwischen zwei Übeln ist immer noch eine Wahl. So gesehen kann auch ein neues Übel eine Verbesserung darstellen. Teile und herrsche mal andersherum - sollen sich die Firmen doch um ihre Vertriebskanäle streiten. Dann funktioniert das Prinzip von Angebot und Nachfrage vielleicht auch mal zum Vorteil der Autoren.

Dabei bleibt beim digitalen Vertrieb auch zu bedenken: nicht nur gewährt z.B. Apple einem 70% des Verkaufspreises, auch verlangen sie nicht, dass man sein eBook exklusiv über ihre Plattform vertreibt. Man kann es also auch weiterhin bei anderen Anbietern einstellen. Abhängigkeit - ja. Aber nur bei diesem einen Vertriebsweg. Andere Vertriebswege sind dadurch nicht blockiert.


Ja, ganz genau! Ich verstehe. Die andere Seite scheint die Zeichen der Zeit noch nicht voll kapiert zun haben. Lg Imre
Gib, gib auch nach, aber gib nicht auf.&&www.imre-toeroek.de

#35
Imre

Imre
  • 848 Beiträge
  • Dabei seit 05.04.08

Nach meiner Kenntnis gibt es keine Hinweise darauf, dass der Buchmarkt stirbt, im Sinne von massiv rückläufigen Umsatzzahlen o.ä. Dass Marktteilnehmer versuchen, sich gegenseitig über den Tisch zu ziehen, ist etwas vollkommen Normales, und dass der Schwächere dabei den Kürzeren zieht, auch. Das gibt es in jedem Markt.


Lieber Christoph, der Buchmarkt stirbt - zum Glück - nicht. Dass seine lang gewohnten Mechanismen ihren Geist aufgeben werden und neuen Strukturen werden Platz machen müssen, dafür gibt es Anzeichen, und wir stehen wahrscheinlich erst am Anfang großer Veränderungen. Veränderungen sind OK. Aber dass wir Autoren dabei auf keinen Fall den Kürzeren ziehen dürfen, darum wird es m. E. gehen. Lg Imre
Gib, gib auch nach, aber gib nicht auf.&&www.imre-toeroek.de

#36
Nikola Hahn

Nikola Hahn
  • 137 Beiträge
  • Dabei seit 09.03.10


Ich sehe auf lange Sicht zwei mögliche Entwicklungen, die sich gegenseitig nicht ausschließen:

1. Marginalisierung der Verlage und des herkömmlichen Buchhandels. Autoren wird es geben, solange noch Texte geschrieben werden, aber dass es deswegen auch Verlage und Buchhandlungen geben muss, ist keineswegs in Stein gemeißelt.
2. Das Ende der Belletristik. Es hat eine Zeit ohne Romane gegeben, es könnte wieder so eine Zeit kommen. Das Erzählen könnte sich neue Formen suchen, die den herkömmlichen Roman so altmodisch erscheinen lassen wie uns heute Bücher in Frakturschrift.


Ein herzliches Dankeschön für diesen informativen und tiefgründigen Beitrag, Andreas! Ich sehe das genau wie Du und hoffe aber, dass zumindest die Zeit nicht kommen möge, in der man "Schwarze Buchstaben auf Papier" nur noch langweilig finden wird. Vorstellbar ist es in der Tat ...

Viele Grüße
Nikola
Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind, wir sehen sie, wie wir sind. (Talmud)&&&&