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Schlappe für die VG Wort


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30 Antworten zu diesem Thema

#21
hpr

hpr
  • 7.210 Beiträge
  • Dabei seit 14.03.06

Das wäre ja, wenn die VG-Wort denn wollte, nur ein einfach zu behebendes technisches Problem.

Wenn man z.B. bei einem (Dreh)Buch nicht der alleinige Autor ist, muss man ja auch angeben, wer sonst noch zu welchem Prozentsatz mitgewirkt hat.

Ganz ähnlich könnte man anticken: Ja, Verlag darf mitkassieren ... oder nein, kein Verlagsanteil im Vertrag vereinbart.

Das ist auch bei VG WOrt möglich. Der Kläger hat zum Beispiel eingetragen, dass er 100% bekommen soll von den Abgaben. Aber später hat er einen Verlagsvertrag unterschrieben, in dem er - wie im Normvertrag - einen Teil an den Verlag abgetreten hat.

 

Je nachdem, was das BGH entscheidet, reicht also das einfache Feststellen: Ich kriege 100% oder Ich kriege 50% nicht, sondern die VG Wort muss die Verträge prüfen. Damit es nicht zu einfach wird, hat der EU Gerichtshof beschlossen, dass Abgaben, die an Verlage abgeführt werden, von den Firmen, die Kopierabgaben zahlen, zurückgefordert werden dürfen (in dem Fall war es Hewlett Packard).

 

Es bleibt spannend.

Herzliche Grüße, Hans Peter



#22
DorisC

DorisC
  • 1.572 Beiträge
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"Der Buchmarkt ist ein relativ kleiner Kuchen...":

 

der Kommentator im Buchreport zum EuGH-Urteil in Sachen VG-Wort macht drei große Irrtümer aus:

http://www.buchrepor...von-autoren.htm

 

auch Justizminister Maas äußert sich, pro Verlage:

http://www.buchrepor...uer-vg-wort.htm

 

und Kleinverlage schlagen Alarm:

http://www.buchrepor...einverleger.htm


MAROKKO-SAGA bei Blanvalet: Das Leuchten der Purpurinseln,  Die Perlen der Wüste,  Das Lied der Dünen.

Neu Dez. 2017: DIE WOLKENFRAUEN


#23
hpr

hpr
  • 7.210 Beiträge
  • Dabei seit 14.03.06

der Kommentator im Buchreport zum EuGH-Urteil in Sachen VG-Wort macht drei große Irrtümer aus:

http://www.buchrepor...von-autoren.htm

 

auch Justizminister Maas äußert sich, pro Verlage:

http://www.buchrepor...uer-vg-wort.htm

 

und Kleinverlage schlagen Alarm:

http://www.buchrepor...einverleger.htm

Das sind drei Irrtümer des Buchreports.

 

Einmal wird behauptet, dass von vorneherein geplant war, die Verlage zu beteiligen. Aber warum steht dann nichts davon im Gesetz? Warum ist diese pauschale Beteiligung über individuelle Autorenverträge geregelt? Diese Konstruktion ist so angreifbar, dass eigentlich jedem klar sein müsste, dass das zu Konflikten führen muss und eine pauschale Verlagsbeteiligung nicht zulässt.

Wernn der Buchreprt jetzt lamentiert, die Urteile seien überraschend gekommen oder eine Kehrtwendung, dann scheint mir das sehr an den Haaren herbeigezogen. So eine juristische Konstruktion ist einfach fragwürdig und eigentlich ein Wunder, dass es nicht schon vorher geplatzt ist.

 

Dementsprechend ist die Meldung des Justizministers eher eine verbale Beruhigungspille für die Verlage. Auch er dürfte wissen, dass es so nicht geht, aber es klingt gut, sich für Verlage einzusetzen. Und das die Beträge der Verlage vermutlich zurückgezahlt werden müssen (oder gar nicht ausgezahlt wurden), das weiß man seit etlichen Jahren, die Zahlungen erfolgten auch nur unter Vorbehalt.

 

Herzliche Grüße, Hans Peter


Bearbeitet von hpr, 04.12.2015 - 21:39,


#24
AndreasS

AndreasS
  • 1.159 Beiträge
  • Dabei seit 03.12.15

Der Verlegerausschuss im Börsenverein hat es ja gleich in seiner ersten Reaktion geschafft, eine "fruchtbare Zusammenarbeit von Autoren und Verlagen" zu proklamieren und im selben Atemzug den Autoren ganz offen anzudrohen, sich Verdienstausfälle über die Autorenvergütung zurückzuholen. Damit ist auch klar, für wen genau die Zusammenarbeit fruchtbar sein soll, und das Ganze hat so diesen Duktus von "Besser, ihr Autoren stellt euch in der VG-Wort-Sache auf unsere Seite - sonst werdet ihr schon sehen, was ihr davon habt". Insgesamt ist ein unverhohlen gehässiger Duktus in Richtung Autoren nicht zu überhören.

Und wenn die Verlage nun betonen, wie viel Geld ihnen durch die Lappen geht, dann ist damit gleichzeitig dokumentiert, wie viel Geld sie dank der Leistung der Autoren überhaupt erst verdienen. Das Verlagsargument zeigt in gewisser Hinsicht erst recht, dass an der dennoch desolaten finanziellen Lage der allermeisten Autoren irgendwas nicht gerecht ist.
 

Die aktuellen kompromisslosen Reaktionen von Verlagsseite haben aber auch ihr Gutes: Sie machen nämlich gerade erst deutlich, wie dringend nötig ein Eingriff des Gesetzgebers oder der Judikative tatsächlich ist. Der Markt allein wird da niemals Gerechtigkeit herbeiregeln, wegen der von Tom Hillenbrand analysierten ungerechten Machtverteilung - die der Gesetzgeber ja ebenfalls erkannt hat: Genau mit dieser Begründung soll ja auch im UrhG dies und das geändert werden. (Ob die derzeit geplanten Neuerungen nun viel bringen, ist eine andere Frage.)



#25
JulianeB

JulianeB
  • 909 Beiträge
  • Dabei seit 26.06.12

Ich frage einfach einmal ganz naiv:

Ist der Kuchen, von dem die Buchbranche lebt, wirklich so klein? Woran wird das gemessen?

 http://www.boersenverein.de/de/182716

 

Der Kuchen beträgt für 2014: 9,32 Milliarden Euro

Von denen bekam der stationäre Buchhandel 4,58 Milliarden Euro, also 49,2 Prozent aller Branchenumsätze.

 

Ich weiß, es ist ein alter Hut, dass der Handel am meisten an Büchern verdient. Weiß jemand, wieviel von dem Kuchen 2014 an Autoren gegangen ist? Das würde mich sehr interessieren. Mir schwant, dass wir Autoren so etwas wie das Milchvieh der Nation sind. *muh*

 

Außerdem stellt sich mir noch eine Frage:

Warum wollte der VS, dass die urheberrechtlichen Befugnisse von Autoren und Verlagen gemeinsam wahrgenommen werden? Birgt das einen Vorteil für Autoren?

Ich dachte, der VS ist dafür da, die Interessen der Schriftsteller zu vertreten und nicht die ihrer Geschäftspartner. :-/


"Man kann auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen."

Erich Kästner

Vorträge und Lesungen einstudieren  und  Autorenseite Juliane Breinl


#26
Christa

Christa
  • 9.230 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05
Mir schwant, dass wir Autoren so etwas wie das Milchvieh der Nation sind. *muh*

Wird ja auch ganz deutlich gesagt in den Beiträgen, sogar der Bundesjustizminister erkennt das an: Wir Autoren stehen am Beginn der schöpferischen Wertkette, mit Betonung auf "schöpferisch". Und natürlich seien Bücher anders zu bewerten als Autos und Kühlschränke.

Das mit den Verlagen und den Autoren in der VG Wort kommt mir vor wie eine mittelalterliche Burgszene, in der die Ritter und ihre Belegschaft ein Überlebenstraining absolvieren müssen. ;)


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#27
AndreasS

AndreasS
  • 1.159 Beiträge
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Ist der Kuchen, von dem die Buchbranche lebt, wirklich so klein?

 

 

Gute Frage. Andererseits ... selbst wenn er klein ist, ist es ja auch fragwürdig, wenn dann einer am Tisch sagt: Ich nehm mir mal ein schönes großes Stück, damit wenigstens ich satt werde.



#28
hpr

hpr
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Außerdem stellt sich mir noch eine Frage:

Warum wollte der VS, dass die urheberrechtlichen Befugnisse von Autoren und Verlagen gemeinsam wahrgenommen werden? Birgt das einen Vorteil für Autoren?

Ich dachte, der VS ist dafür da, die Interessen der Schriftsteller zu vertreten und nicht die ihrer Geschäftspartner. :-/

Ganz absurd ist diese gemeinsame Wahrnehmung nicht. Es geht ja darum, gegenüber den Herstellern die Kopierabgabe durchzusetzen. Dh. alle die, die Geräte herstellen, mit denen man Bücher kopieren kann, müssen dafür eine Kopierabgabe leisten - weil das Gesetz davon ausgeht, dass dadurch ein gewissen Verdienstausfall entsteht. Und zwar sowohl den Urhebern wie den Verlagen, weil eben weniger Bücher verkauft werden. Das zumindest war die Idee soviel ich weiß.

 

Allerdings steht es so nirgendwo im Gesetz, dort gibt es nur eine Kannbestimmung. In Autorenverträgen kann der Autor diese Abgabe teilweise an den Verlag abtreten. 

 

Herzliche Grüße, Hans Peter



#29
JulianeB

JulianeB
  • 909 Beiträge
  • Dabei seit 26.06.12

 

Mir schwant, dass wir Autoren so etwas wie das Milchvieh der Nation sind. *muh*

Wird ja auch ganz deutlich gesagt in den Beiträgen, sogar der Bundesjustizminister erkennt das an: Wir Autoren stehen am Beginn der schöpferischen Wertkette, mit Betonung auf "schöpferisch". Und natürlich seien Bücher anders zu bewerten als Autos und Kühlschränke.

Das mit den Verlagen und den Autoren in der VG Wort kommt mir vor wie eine mittelalterliche Burgszene, in der die Ritter und ihre Belegschaft ein Überlebenstraining absolvieren müssen. ;)

 

 

:D Das ist ein passendes Bild.

 

Vielleicht ist diese Geschichte zwischen dem VS und den Verlagen ja auch in einer Zeit entstanden, als Verlage gegenüber ihren Autoren eine größere Verantwortung verspürt haben, zu der  z.B. Anderas Steinhöfel in seiner Dankesrede für die Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein schriftstellerisches Gesamtwerk in so eindrücklicher Weise die Branche aufgefordert hat:

 

 "Gewähren Sie anderen Autorinnen und Autoren das Glück, sich schriftstellerisch ausprobieren und finden zu dürfen, zur Not auch über längere Durststrecken hinweg. Stecken Sie es auf, auf der abergläubischen Suche nach dem nächsten Potter und dem nächsten Twilight horrende Lizenzgebühren über den Tisch zu schieben, während an anderer Stelle Autorinnen und Autoren um halbe Tantiemenprozente für vierte Taschenbuchauflagen streiten müssen. Drücken Sie Ihren Controllern ab und zu ein Chloroform-Läppchen vor die Nase, fünf Jahre lang oder so - Sie werden sehen: Das zahlt sich langfristig aus." ( siehe hier: http://www.boersenblatt.net/640502/ )

 

 

 

Ist der Kuchen, von dem die Buchbranche lebt, wirklich so klein?

 

 

Gute Frage. Andererseits ... selbst wenn er klein ist, ist es ja auch fragwürdig, wenn dann einer am Tisch sagt: Ich nehm mir mal ein schönes großes Stück, damit wenigstens ich satt werde.

 

 

;D ... mir würde ja schon eine üppige Vorspeise und ein raffiniertes Dessert reichen ...


"Man kann auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen."

Erich Kästner

Vorträge und Lesungen einstudieren  und  Autorenseite Juliane Breinl


#30
JulianeB

JulianeB
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Außerdem stellt sich mir noch eine Frage:

Warum wollte der VS, dass die urheberrechtlichen Befugnisse von Autoren und Verlagen gemeinsam wahrgenommen werden? Birgt das einen Vorteil für Autoren?

Ich dachte, der VS ist dafür da, die Interessen der Schriftsteller zu vertreten und nicht die ihrer Geschäftspartner. :-/

Ganz absurd ist diese gemeinsame Wahrnehmung nicht. Es geht ja darum, gegenüber den Herstellern die Kopierabgabe durchzusetzen. Dh. alle die, die Geräte herstellen, mit denen man Bücher kopieren kann, müssen dafür eine Kopierabgabe leisten - weil das Gesetz davon ausgeht, dass dadurch ein gewissen Verdienstausfall entsteht. Und zwar sowohl den Urhebern wie den Verlagen, weil eben weniger Bücher verkauft werden. Das zumindest war die Idee soviel ich weiß.

 

Allerdings steht es so nirgendwo im Gesetz, dort gibt es nur eine Kannbestimmung. In Autorenverträgen kann der Autor diese Abgabe teilweise an den Verlag abtreten. 

 

Herzliche Grüße, Hans Peter

 

 

Dankeschön, Hans Peter.

Ich dachte mir schon, dass es einen venünftigen Grund gegeben hat für das Festlegen einer gemeinsamen Wahrnehmung. Vielleicht ist eben auch, wie ich eben in dem Post drüber laut überlegt habe, die veränderte Beziehung zwischen Verlagen und ihren Autoren ein Grund, warum so eine Regelung zur jetzigen Zeit irgendwie absurd erscheint.

Ich habe grundsätzlich überhaupt nichts dagegen, zusammen mit einem Verlag gewisse Interessen zu verfolgen und dann auch die Einnahmen zu teilen. Es ist ja auch eine sehr enge Zusammenarbeit, in die Autor und Verlag treten, wenn sie zusammen aus einm Manuskript ein Buch machen. Nur sollte das auf Augenhöhe geschehen und mit der von Steinhöfel eingeforderten verantwortungvollen Haltung von Verlagen gegenüber ihren Autoren.

 

Lieber Gruß,

Juliane


"Man kann auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen."

Erich Kästner

Vorträge und Lesungen einstudieren  und  Autorenseite Juliane Breinl


#31
Christa

Christa
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Danke allen für ihre Ausführungen.


 

Ganz absurd ist diese gemeinsame Wahrnehmung nicht. Es geht ja darum, gegenüber den Herstellern die Kopierabgabe durchzusetzen. Dh. alle die, die Geräte herstellen, mit denen man Bücher kopieren kann, müssen dafür eine Kopierabgabe leisten - weil das Gesetz davon ausgeht, dass dadurch ein gewissen Verdienstausfall entsteht. Und zwar sowohl den Urhebern wie den Verlagen, weil eben weniger Bücher verkauft werden. Das zumindest war die Idee soviel ich weiß.Geschäftspartner. :-/

 

Allerdings steht es so nirgendwo im Gesetz, dort gibt es nur eine Kannbestimmung. In Autorenverträgen kann der Autor diese Abgabe teilweise an den Verlag abtreten. 

 

Herzliche Grüße, Hans Peter

Professor Pfennig, Sprecher der Initiative Urheberrecht, kam vor zwei Jahren schon zu ebendieser Feststellung.

https://irights.info...sern-kann/19295 Darin heißt es unter Absatz 3, dass der Verlag dann keinen Anteil erhalten würde, wenn der Autor schon vorher einen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort abgeschlossen hat, auch wenn die Abtretung nachträglich vertraglich vereinbart wurde. Kam allerdings der Verlagsvertrag zuerst, dann müsse geklärt werden, ob die Einkünfte geteilt werden oder die Tantiemen dem Verlag allein zustehen. Das als Ergänzung zu deinen Ausführungen zu den Verträgen, die im Einzelfall geprüft werden müssten, Hans Peter. Das ist aber, wie du sagst, nicht gesetzlich verankert, sondern hat sich wohl irgendwie als Gewohnheitsrecht etabliert.

 

Herzliche Grüße, Christa


Bearbeitet von Christa, 05.12.2015 - 21:02,

Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/