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Amazon Publishing beliefert den Buchhandel

Buchhandlungen Amazon Imprint

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114 Antworten zu diesem Thema

#21
Christa

Christa
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  • Dabei seit 18.11.05

 

Ich bin ein wenig über die Ahnungslosigkeit der angeblichen Fachleute erschrocken ...

 

.........

Es gibt sehr viele, sehr gute Gründe, sich nicht von Amazon abhängig zu machen. Aber hier regen sich einfach die falschen Leute über falsche Prämissen auf.
 

 

Genau das ist auch mein Eindruck.

Darüber hinaus finde ich auch diese Argumentation mit den Verlagsvertretern merkwürdig, von wegen, dass Amazon da noch viel aufzuholen hätte. Wenn ich das in den letzten Jahren halbwegs richtig mitverfolgt habe, wurden ja auch die Verlagsvertretungen von vielen Verlagen "outgesourct". Viele Verlagsvertreter sind heutzutage doch als selbständige Handelsvertreter für die Verlage unterwegs, oder?

Und große Buchhandelsketten wie Thalia empfangen doch schon seit vielen Jahren gar keine Verlagsvertreter mehr, von wegen Zentraleinkauf vor allem über die Sichtung der Verlagsprogramm-Vorschauen mit Blick darauf, welches Buch wo und wie stark in den Medien beworben wird.

 

Alle diese Aussagen sind also mit Vorsicht zu genießen und erstmal heiße Luft, wie Heike ganz richtig sagt. Amazon wird da schon Mittel und Wege finden, zumal Jeff Bezos jetzt - börsenbedingt - Bill Gates als reichster Mann der Welt überholt hat. :) Ich werde das in der nächsten Zeit beobachten, da ich mich bekanntlich viel in Buchhandlungen herumtreibe.


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#22
MelanieL

MelanieL
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Wenn man die Kommentare unter dem Artikel liest, dann versteht man auch, warum es im Buchhandel krankt ...

Man regt sich wortgewaltig über Amazon und seine Praktiken auf, schimpft auf KNV und sieht das Kulturgut Buch verhökert und am Ende. Und die deutsche Kultur, ja, überhaupt das halbe Abendland, geht vor die Hunde.
Und deshalb kooperiert man aus Prinzip nicht mit Amazon. So!

 

Nur wenige Buchhändler haben dabei tatsächlich die Kunden im Blick - aber geht es denn nicht eigentlich darum?
Ist der Online-Buchhandel nicht das große, große Problem des stationären Handels?
Wenn die Kunden bei der Nachfrage nach AP-Titeln auf Amazon verwiesen werden: Wie oft gehen sie dann noch in diese Buchhandlung? Ist das nicht mehr als ein Armutszeugnis, wenn ein Fachhändler die Kunden zu Amazon schicken muss, weil er keine Lust hat, mit Amazon zu kooperieren?
Und wie oft werden die Kunden dann noch in diesem Geschäft einkaufen, wenn sie erstmal festgestellt haben, wie bequem es bei Amazon ist?
Damit treiben sie die Kunden doch genau da hin, wo sie sie eigentlich nicht haben wollen ... Paradox.

Mit Kundenorientierung hat das jedenfalls nichts zu tun, im Gegenteil; ich finde diese Haltung den Kunden gegenüber einfach nur ziemlich arrogant.
Hier zeigt sich auch wieder die unglaubliche Schwerfälligkeit des gesamten Buchmarktes. Bloß keine Veränderungen, bloß nicht umdenken.
Und es geht völlig an der Realität vorbei. Bei allen Klagen geht es dem stationären Buchhandel wohl immer noch gut genug, um an den Kunden vorbei zu agieren und sie wie unmündige Kinder am Gängelband halten zu wollen.

Klar, das sind nur ein paar Stimmen von vielen Tausend, aber sie lösen doch ein ziemliches Kopfschütteln aus.
 


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Siegerland-Krimis


#23
Christa

Christa
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Auch im Literaturcafé wird die Angelegenheit kritisch beleuchtet. http://www.literatur...h-Unwissenheit/ Bei den Diskussionen scheint man die Begriffe "Amazon Publishing" und Self Publishing" in einen Topf geworfen zu haben. Und es stimmt nicht, dass sich Self Publisher grundsätzlich an Amazon binden müssen (nur bei KDP für 90 Tage). Das sollte nicht vorkommen, öffentlich als unwissend bezeichnet zu werden.


Bearbeitet von Christa, 01.12.2017 - 11:42,

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#24
AngelikaD

AngelikaD
  • 1.393 Beiträge
  • Dabei seit 21.04.09

Dem Buchhandel geht es wie allen Geschäftsleuten um die %.

Das ist legitim und für den Selbsterhalt nötig.

Wenn ihnen nicht der übliche Buchhandelsrabatt gewährt wird, warum sollen sie das Buch dann für den Kunden bestellen? Der Gewinn ist nicht ausreichend für die Mühe. Sie sind Geschäftsleute, keine Wohltäter und keine Servicekräfte.

 

Aus diesem Grund, schätze ich, sträuben sie sich auch, manche Bücher zu beschaffen.



#25
MelanieL

MelanieL
  • 2.576 Beiträge
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Dem Buchhandel geht es wie allen Geschäftsleuten um die %.

Das ist legitim und für den Selbsterhalt nötig.

Wenn ihnen nicht der übliche Buchhandelsrabatt gewährt wird, warum sollen sie das Buch dann für den Kunden bestellen? Der Gewinn ist nicht ausreichend für die Mühe. Sie sind Geschäftsleute, keine Wohltäter und keine Servicekräfte.

 

Aus diesem Grund, schätze ich, sträuben sie sich auch, manche Bücher zu beschaffen.

 

Aber Kunden informieren sich auch im Internet. Und Amazon wird für diese neue Möglichkeit werben, also erfahren die Kunden auch davon.
Und wenn sie die gewünschten Bücher nicht beim Stammbuchhändler bestellen können, gehen sie woanders hin. Oder bleiben gleich ganz im Internet und bei Amazon.
Dann hat der Buchhandel effektiv Kunden verloren, und dann helfen auch die hohen Prozente nicht weiter.
Und dann gibt es noch mehr Nippes und Gedöns in den Buchhandlungen, um den weniger werdenden Kunden zumindest irgendetwas verkaufen zu können.
Ich finde das extrem kurzsichtig.


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Siegerland-Krimis


#26
Ramona

Ramona
  • 3.376 Beiträge
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Die Titel der vier Amazon-Pulbishing-Verlage werden ja über KNV ausgeliefert, also den größten Zwischenbuchhändler Deutschlands. Da wird sich an der bisherigen Rabattstaffelung für die stationären Buchhändler nicht viel ändern.

 

(Und große Buchhandelsketten wie Thalia ordern ihren Einkauf ja ohnehin fast ausschließlich über den Zwischenbuchhandel zum Höchstrabatt. Das spart jede Menge Geld und Arbeit.) 


Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)


#27
MelanieM

MelanieM
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Es ist typisch menschlich, alles, was neu und anders ist, erst mal zu fürchten - im Moment werden die Amazon-Verlage gefürchtet, das erinnert mich ein bisschen an das hier - auch wenn es ein anderes Medium ist: http://www.kraftfutt...ilm-ist-kitsch/



#28
Ramona

Ramona
  • 3.376 Beiträge
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Auch im Literaturcafé wird die Angelegenheit kritisch beleuchtet. http://www.literatur...h-Unwissenheit/ Bei den Diskussionen scheint man die Begriffe "Amazon Publishing" und Self Publishing" in einen Topf geworfen zu haben. Und es stimmt nicht, dass sich Self Publisher grundsätzlich an Amazon binden müssen (nur bei KDP für 90 Tage). Das sollte nicht vorkommen, öffentlich als unwissend bezeichnet zu werden.

 

Dieser Auszug sagt schon verdammt viel aus:

"Erwartungsgemäß wird diese Kooperation von vielen Buchhändlern kritisch gesehen – dumm nur, dass offenbar selbst die Chefs der großen Buchhandelsketten gar nicht wissen, was sie da kritisieren. Wer sein Geschäft so naiv betreibt, sollte wahrlich Angst vor Amazon haben ... Ab sofort sind die deutschsprachigen Titel von Amazon Publishing von jeder Buchhandlung zu bestellen, die an diesen Großhändler angeschlossen ist. Der Kunde muss seinem Buchhändler also nicht untreu werden und bei Amazon bestellen, und der Buchhändler verdient ebenfalls am Verkauf ..."


Bearbeitet von Ramona, 02.12.2017 - 09:44,

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#29
AngelikaD

AngelikaD
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Die Titel der vier Amazon-Pulbishing-Verlage werden ja über KNV ausgeliefert, also den größten Zwischenbuchhändler Deutschlands. Da wird sich an der bisherigen Rabattstaffelung für die stationären Buchhändler nicht viel ändern.

 

(Und große Buchhandelsketten wie Thalia ordern ihren Einkauf ja ohnehin fast ausschließlich über den Zwischenbuchhandel zum Höchstrabatt. Das spart jede Menge Geld und Arbeit.) 

 

Bei dieser Sache ja, ich wollte nur darauf reagieren, dass Buchhändler Bücher von Kleinstverlagen und Selfpublishern nicht ins Sortiment aufnehmen.



#30
Ramona

Ramona
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  • Dabei seit 17.03.11

 

Die Titel der vier Amazon-Pulbishing-Verlage werden ja über KNV ausgeliefert, also den größten Zwischenbuchhändler Deutschlands. Da wird sich an der bisherigen Rabattstaffelung für die stationären Buchhändler nicht viel ändern.

 

(Und große Buchhandelsketten wie Thalia ordern ihren Einkauf ja ohnehin fast ausschließlich über den Zwischenbuchhandel zum Höchstrabatt. Das spart jede Menge Geld und Arbeit.) 

 

Bei dieser Sache ja, ich wollte nur darauf reagieren, dass Buchhändler Bücher von Kleinstverlagen und Selfpublishern nicht ins Sortiment aufnehmen.

 

Falls du damit den stationären Laden-Buchhandel meinst, Angelika, ist das SO nicht korrekt.

Ansonsten muss man einfach auch mal bedenken, dass der Regalplatz in den Buchhandlungen nun mal auch begrenzt ist. Natürlich ist so ziemlich jeder Autor davon überzeugt, dass SEIN Buch unbedingt in den Handel gehört, aber bei 90.000 jährlichen Verlagsneuerscheinungen (von denen nur etwa 2% im Handel bleiben und der Rest nach 1-3 Monaten schon wieder rausfliegt: Buch-Karussell, Überproduktion) und etwa 200.000 Selfpublisher-Publikationen im Jahr (für 2017 wurden da ja 270.000 vorausgesagt, keine Ahnung, ob diese Wahnsinnszahl eingetroffen ist), würde das den Rahmen schon ein klein wenig sprengen.

Ansonsten bleibt neben Amazon immer noch 
Tolino etc.

Edit: Ich kann nur mal empfehlen in eine mittelständische Buchhandlung zu gehen und sich dort die vier bis fünf Meter langen Verlagsvorschau-Regale der mittleren, großen und der großen Kleinverlage anzuschauen. Es ist schon rein platztechnisch ein Ding der Unmöglichkeit Titel von all diesen Verlagen im Sortiment zu führen.


Bearbeitet von Ramona, 03.12.2017 - 11:03,

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#31
Christa

Christa
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Die Titel der vier Amazon-Pulbishing-Verlage werden ja über KNV ausgeliefert, also den größten Zwischenbuchhändler Deutschlands. Da wird sich an der bisherigen Rabattstaffelung für die stationären Buchhändler nicht viel ändern.

 

(Und große Buchhandelsketten wie Thalia ordern ihren Einkauf ja ohnehin fast ausschließlich über den Zwischenbuchhandel zum Höchstrabatt. Das spart jede Menge Geld und Arbeit.) 

 

Bei dieser Sache ja, ich wollte nur darauf reagieren, dass Buchhändler Bücher von Kleinstverlagen und Selfpublishern nicht ins Sortiment aufnehmen.

 

Falls du damit den stationären Laden-Buchhandel meinst, Angelika, ist das SO nicht korrekt.

Ansonsten muss man einfach auch mal bedenken, dass der Regalplatz in den Buchhandlungen nun mal auch begrenzt ist. Natürlich ist so ziemlich jeder Autor davon überzeugt, dass SEIN Buch unbedingt in den Handel gehört, aber bei 90.000 jährlichen Verlagsneuerscheinungen (von denen nur etwa 2% im Handel bleiben und der Rest nach 1-3 Monaten schon wieder rausfliegt: Buch-Karussell, Überproduktion) und etwa 200.000 Selfpublisher-Publikationen im Jahr (für 2017 wurden da ja 270.000 vorausgesagt, keine Ahnung, ob diese Wahnsinnszahl eingetroffen ist), würde das den Rahmen schon ein klein wenig sprengen.

Ansonsten bleibt neben Amazon immer noch 
Tolino etc.

Edit: Ich kann nur mal empfehlen in eine mittelständische Buchhandlung zu gehen und sich dort die vier bis fünf Meter langen Verlagsvorschau-Regale der mittleren, großen und der großen Kleinverlage anzuschauen. Es ist schon rein platztechnisch ein Ding der Unmöglichkeit Titel von all diesen Verlagen im Sortiment zu führen.

 

Gestern war ich in so einer mittelständischen Buchhandlung. Sie und andere sind gerade in einer Phase der Umstrukturierung. Die regionale Ecke ist weg, die längsten Regale sind jetzt für Krimis und Romane allgemein reserviert (historische waren auch nicht mehr extra aufgeführt, vieles ist jetzt auf Jung Adult abgestellt, für Kids gibt es sogar ein eigens Haus-vielleicht eine Chance für die Jugendbuchautoren?). Das mit dem Buchkarussel ist ja schon lange so. Mein letztes Verlagsbuch war nur etwa ein bis zwei Monate auf den Stapeln, die Kleinverlagsbücher nur regional vorhanden. Ich persönlich würde nicht mit 270 000 oder wieviel auch immer Self Pubishern um die raren Plätze in den Buchhandlungen konkurrieren wollen. 


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#32
Ramona

Ramona
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Die Buchhändler, die ich kenne, haben/hätten im Grunde auch kein Problem damit, für einen Kunden das Buch eines Indie-Autors zu bestellen, sofern gewisse Dinge klargestellt wären.

Zum einen müssten auch die Bücher von Selfpublishern remittiert werden können, falls der Kunde das Buch nicht abholt. Bis zu 15 - 20 % der von Kunden bestellten Titel werden nämlich nie von diesen abgeholt, und die Hin- und Herschickerei an die Zwischenhändler kostet den Buchhändler eine Menge Geld!

 

Dann binden Einzelbestellungen ganz schön die Arbeitskraft, weil zeitintensivere Bearbeitung. Es macht einfach viel mehr Arbeit zig Einzelpäckchen auszupacken und für die Rechnungsabteilung und das Bestellfach auszulegen, als mal rasch eine große Kiste von KNV, Umbreit oder Libri mit einer einzigen Abrechnung zu öffnen und zu bearbeiten. (Deshalb machen große Buchhandelsketten gerne einen Bogen um diese Einzelbestellungen, die nur über das VLB zu ordern gehen, und überlassen diese geld- und zeitraubende Arbeit gerne den kleineren Buchläden. Stapeltitel-Bearbeitung und -verkauf läuft da im Vergleich fast schon wie von selbst.)

Und gerade für all diese zeitraubende buchhändlerische Kleinkramarbeit ist der Buchhändlerrabatt enorm wichtig, denn sonst käme kein Buchhändler mehr finanziell auf einen grünen Zweig (zu überleben ist mit Rabatt schon schwierig genug).

 

Soll ein Indie-Titel also über eine Buchhandlung bezogen werden können, müssten sich auch Indie-Autoren mit diesem Rabatt anfreunden, damit der Kunde das Buch zum offiziellen Online-Plattform-Preis erhalten kann. Wie die Gewährung eines solchen Rabatts über Online-Plattformen dann technisch geregelt werden könnte, wäre allerdings wieder ein Kapitel für sich.

Fakt ist jedenfalls, dass weder Autor noch Buchhändler beim Verkauf eines Indie-Buchtitels über den stationären Buchhandel noch drauflegen können oder wollen.


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#33
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
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Danke, Ramona, dass du uns dies mal aus Sicht des Buchhändlers geschildert hast.


Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


#34
Tom Liehr

Tom Liehr
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Amazon hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass eines der Unternehmensziele darin besteht, Buchhandel und Verlagswesen zu zerstören - bzw. durch eigene Angebote zu ersetzen. Dieser Schritt ist ein weiterer auf dem Weg dorthin, und ich finde, dass es ein besonders amüsanter Schritt ist, weil der Buchhandel aus Amazons Sicht ja eigentlich überflüssig sein sollte. Wäre ich Buchhändler, würde ich ums Verrecken keine Titel aus dem Amazon-Verlagsprogramm in mein Sortiment nehmen. Das ist, als würde eine Ehefrau den eigenen Gatten zum Puff chauffieren.

 

Sie wollen zweifelsfrei die Weltherrschaft. Das sollte man nie vergessen. ;)

 

Herzlich,

Tom


Website · Facebook · Oktober 2016: "Landeier" (Rowohlt)


#35
MelanieL

MelanieL
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Amazon hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass eines der Unternehmensziele darin besteht, Buchhandel und Verlagswesen zu zerstören - bzw. durch eigene Angebote zu ersetzen. Dieser Schritt ist ein weiterer auf dem Weg dorthin, und ich finde, dass es ein besonders amüsanter Schritt ist, weil der Buchhandel aus Amazons Sicht ja eigentlich überflüssig sein sollte. Wäre ich Buchhändler, würde ich ums Verrecken keine Titel aus dem Amazon-Verlagsprogramm in mein Sortiment nehmen. Das ist, als würde eine Ehefrau den eigenen Gatten zum Puff chauffieren.

 

Sie wollen zweifelsfrei die Weltherrschaft. Das sollte man nie vergessen. ;)

 

Herzlich,

Tom

 

... und dann ist da noch der Kunde, der ja die eigentliche Zielgruppe dieses ganzes Theaters sein sollte.
Wenn der ein bestimmtes Produkt haben möchte und nicht bei Händler B bekommt, geht er eben zu Händler A. Und beim nächsten Mal geht er direkt dahin und gibt auch seine vorweihnachtliche Sammelbestellung dort ab, weil es so praktisch ist.
Dann steht Buchhändler B vielleicht voller Stolz auf seine politische Haltung hinterm Ladentisch, wird aber nicht mehr von den Kunden gesehen - weil die ja woanders hingehen.
Er wird da auch vermutlich noch zehn Jahre lang stehen können, aber in fünfzehn oder zwanzig Jahren wahrscheinlich nicht mehr.
Das kann man sich mit 50 oder 60 Jahren vielleicht leisten, mit 30 aber nicht.

Mag sein, dass die Geschichte mit dem kleinen gallischen Dorf im Comic funktioniert, aber ich habe im Buchhandel noch niemanden entdeckt, der das Format von Asterix und Obelix hat.


Mein Blog:

Siegerland-Krimis


#36
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
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Amazon hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass eines der Unternehmensziele darin besteht, Buchhandel und Verlagswesen zu zerstören - bzw. durch eigene Angebote zu ersetzen. Dieser Schritt ist ein weiterer auf dem Weg dorthin, und ich finde, dass es ein besonders amüsanter Schritt ist, weil der Buchhandel aus Amazons Sicht ja eigentlich überflüssig sein sollte. Wäre ich Buchhändler, würde ich ums Verrecken keine Titel aus dem Amazon-Verlagsprogramm in mein Sortiment nehmen. Das ist, als würde eine Ehefrau den eigenen Gatten zum Puff chauffieren.

 

Sie wollen zweifelsfrei die Weltherrschaft. Das sollte man nie vergessen. ;)

 

Herzlich,

Tom

 

Natürlich will Amazon so viel vom Markt an sich reißen wie möglich. Das tun alle Unternehmen, wenn sie die Möglichkeit dazu sehen, ob Apple, Google, Microsoft oder auch VW und andere. Ob es gelingt ist eine andere Frage.

 

Aber nach deiner Empfehlung dürften die Buchhändler eigentlich auch nicht von den großen Verlagen bestellen, denn die verkaufen auch fleißig online. In der Summe sogar mehr als Amazon. Es gibt sicher andere Möglichkeiten, um die Konkurrenz abzuwehren. Zum Beispiel frage ich mich, warum es im Buchhandel eigentlich keine Kooperativen gibt. Mit zentralem Einkauf, um bessere Konditionen auszuhandeln.


Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


#37
Tom Liehr

Tom Liehr
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Ich kenne da wen, Melanie. Hat die Buchhandlung - eine der schönsten von Berlin übrigens - neu eröffnet, vor vier oder fünf Jahren, und schon ab dem ersten Tag kamen die Lustiglutze von DHL, UPS & Co., um ausgerechnet bei ihm Amazon-Pakete für die abwesende Nachbarschaft zu hinterlegen. Das hat er einen Monat lang Weile mitgemacht - und jedem Nachbarn, der ein solches Paket abgeholt hat, ein empfehlenswertes Buch geschenkt. Verbunden mit der Mitteilung, ab dem kommenden Monat keine Amazon-Pakete mehr zu lagern. Und das hat gut funktioniert. Sie sind inzwischen alle Stammkunden bei ihm. Die Buchhandlung floriert.

 

Jeder Geschäftsmann kann und darf sich eine ethische Haltung leisten (aber er muss nicht, keine Frage), und es gibt immer einen Weg, um daraus entstehende Nachteile abzufangen - viele Nachteile kann man ins Gegenteil verkehren, indem man sie z.B. offen kommuniziert. "Wenn ich es nicht mache, macht's eben ein anderer" ist aber überhaupt keine Haltung. Und eine Rechtfertigung für einfach alles, denn es gibt immer irgendwen, der etwas macht, das verboten oder wenigstens unmoralisch ist.

 

Und, ja, vielleicht geht man damit schnell(er) unter, aber wenn das so weitergeht, geht man ohnehin unter. Wer dem Henker auch noch gefällig ist, beweist nicht unbedingt (mehr) Geschäftssinn.

 

Herzlich,

Tom


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#38
Tom Liehr

Tom Liehr
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@Ulf: Ich bin wahrlich kein Freund von Verschwörungstheorien, aber Amazon will auch meiner Überzeugung nach deutlich mehr als nur "den Markt".

 

Herzlich,

Tom


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#39
MelanieL

MelanieL
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Tom, genau solche Beispiele sind wichtig, denn da hat jemand etwas getan. Der von dir benannte Buchhändler hat sich gegen Amazon gestellt, und das ist gut und richtig, davon braucht es noch viel mehr.

Eine bloße Verweigerung ist aber kein Statement und erst recht keine Handlung, die irgendetwas bewirkt. Damit schadet man allenfalls sich selbst und seinen Angestellten.

 

Es gibt also doch ein paar Asterixe!
:)

 

Edit:
In der Diskussion unter besagtem Artikel geht es häufig nur um "das hat sich bewährt, das haben wir immer so gemacht, wir haben starke/etablierte Strukturen" etc.
Und genau das ist auch das Problem des Buchhandels bzw. derer, die sich da zu Wort melden.
Ich habe mir die Mühe gemacht, die öffentlich verfügbaren Zahlen der letzten Jahre anzuschauen und in Relation zueinander zu setzen.
Die Umsätze stagnieren z.B. seit mehr als zehn Jahren mehr oder weniger, die Zahl der Buchhandlungen geht zurück, die Anzahl der Auszubildenden hat sich in den letzten zehn Jahren halbiert, der Buchhandel macht weniger als 50% der Umsätze - und es geht hierbei um Umsatz, nicht um Gewinn, denn die Kosten sind gestiegen (Ladenmiete, Energie, Personal. Und wo Personal abgebaut wird, leidet langfristig der Service, was sich wiederum in Kundenverlusten bemerkbar macht).
Die Zahl der Buchkäufer ist im vergangenen Jahr um 2,3 Millionen gesunken, die Umsätze der Verlage im Direktgeschäft und der Buchabteilungen in Kaufhäusern und Supermärkten sind trotzdem gestiegen.
Wenn mein Einkommen zehn Jahre lang nicht steigt, habe ich jedenfalls faktisch Geld verloren.

 

Das sind nun wahrlich keine Zahlen, um am "bewährten System" festzuhalten.


 


Bearbeitet von MelanieL, 04.12.2017 - 11:17,

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#40
Ramona

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Anbei der Link zum Artikel "Zahlen und Fakten zum Buchmarkt": http://www.fnp.de/na...;art679,2792384


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