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Harry Potter ex machina - herrlich grandioser Mist!


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145 Antworten zu diesem Thema

#21
Michael Beisteiner

Michael Beisteiner
  • 153 Beiträge
  • Dabei seit 03.12.15

Ich bin ein absoluter Fan der Terminator-Filme. Eines Tages wird die KI alles, alles können, was Menschen können. Dabei muss sie aber logischerweise in der Evolution von uns abhängig bleiben. Passiert auf dem Weg aber etwas nicht Logisches, sind wir ev. wieder bei Termiantor.  


Ich würde nicht sagen, dass Musik die Welt verzaubert. Ich würde eher sagen, sie enthüllt den Zauber dieser Welt.

 

 


#22
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.836 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

Mit anderen Worten, diese "strange new things" sind Lichtjahre von Schreibrobotern entfernt.

 

Diese Texte klingen für uns seltsam, weil sie einerseits bekannte Wörter und Kombinationen von Wörtern und dazu noch meist korrekte Grammatik enthalten, also wie echtes Englisch/ Deutsch usw. verkleidet sind, andererseits aber keinen Sinn machen. Ganz so neu ist die Sache aber nicht. Wer sich durch einen Syntaxkurs gequält hat, wir sicher folgenden Satz gehört haben: 

 

colorless green ideas sleep furiously.

 

Der Satz ist in diesem Jahr 60 geworden und stammt von dem viel gehassten und verehrten Linguisten Noam Chomsky, der damit verdeutlichen wollte, dass Semantik und Syntax zwei verschiedene Dinge sind. Unabhängig davon, wie man zu Chomskys Werk steht, sieht man hier deutlich, dass die lustigen Leute von Botnik sich vor allem mit der FORM (Syntax) von Sprache beschäftigen, nicht mit dem Inhalt (Semantik), und das ist einiges schwieriger. Schlimmer noch: wir wissen heute, dass man ohne inhaltliches Verständnis auch die Form einer Sprache nicht hundertprozentig richtig produzieren kann. Und inhaltliches Verständnis heisst weit mehr als alle Wörter eines Textes zu kennen, alle Satzaussagen zu verstehen, alle Sätze auf einander beziehen zu können, alle diese Aussagen auf sein Wissen über die Welt beziehen zu können. Man muss auch wissen, wie Menschen und menschliche Gesellschaften funktionieren und z.T. funktioniert haben und wie Sprache situativ, regional, sozial und medial unterschiedlich funktioniert. Das ist starker Tobak für die KI-Forschung. Dabei sind auch die besten Parser grammatisch den Muttersprachlern unterlegen. Es ist also noch eine weite Strecke bis zur schreibenden KI, geschweige denn einer literarisch schreibenden.

 

Na, das ist ja beruhigend. Für den Augenblick jedenfalls.

 

Aber vielleicht gibt es später ja wirklich mal romanschreibende Computer. Die Werke werden dann von selbstlesenden Robotern konsumiert und im elektronischen Feuilleton bewertet, ganz ohne menschliche Einwirkung. Wir wenden uns dann anderen Dingen zu. Vielleicht Töpfern oder die Jagd mit Pfeil und Bogen oder wie man aus Regenwürmern ein schmackhaftes Mahl bereitet.


Bearbeitet von Ulf Schiewe, 18.12.2017 - 10:37,

Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


#23
Christa

Christa
  • 7.067 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

P.S.: Dieser Text wurde von einem Menschen erstellt und nicht von meinem iPhone geschrieben. ;D

 

Und woran erkenne ich das? Weil ein Roboter nicht selbstkritisch sein kann? Und wenn ein Roboter schreibt, sein Text sei von einem Menschen erstellt worden, woher weiß ich dann, ob er lügt oder die Wahrheit sagt? ;D 

 

Und inhaltliches Verständnis heisst weit mehr als alle Wörter eines Textes zu kennen, alle Satzaussagen zu verstehen, alle Sätze auf einander beziehen zu können, alle diese Aussagen auf sein Wissen über die Welt beziehen zu können. Man muss auch wissen, wie Menschen und menschliche Gesellschaften funktionieren und z.T. funktioniert haben und wie Sprache situativ, regional, sozial und medial unterschiedlich funktioniert.

 

Einen "literarisch schreibenden" Roboter kann ich mir auch nicht vorstellen, bei allem Fortschritt. Und ich möchte auch nicht, dass er meinen Roman für mich schreibt. Denn er kann ja nicht wissen, was da noch alles in den Winkeln meines Hirns vorhanden ist, um dem Stoff immer wieder neue Wendungen zu geben. Dazu bräuchten wir dann psychologisch geschulte Roboter. ::) 


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#24
Olaf

Olaf
  • 384 Beiträge
  • Dabei seit 19.07.16

Aber vielleicht gibt es später ja wirklich mal romanschreibende Computer. Die Werke werden dann von selbstlesenden Robotern konsumiert und im elektronischen Feuilleton bewertet, ganz ohne menschliche Einwirkung. Wir wenden uns dann anderen Dingen zu. Vielleicht Töpfern oder die Jagd mit Pfeil und Bogen oder wie man aus Regenwürmern ein schmackhaftes Mahl bereitet.

 

 

Ach, deshalb ist mein Computer also in letzter Zeit so langsam: Der liest heimlich nebenbei! >:(


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#25
Olaf

Olaf
  • 384 Beiträge
  • Dabei seit 19.07.16

Einen "literarisch schreibenden" Roboter kann ich mir auch nicht vorstellen, bei allem Fortschritt. Und ich möchte auch nicht, dass er meinen Roman für mich schreibt. Denn er kann ja nicht wissen, was da noch alles in den Winkeln meines Hirns vorhanden ist, um dem Stoff immer wieder neue Wendungen zu geben. Dazu bräuchten wir dann psychologisch geschulte Roboter. : :)

 

 

Was in deinem Kopf versteckt ist, kann der Leser auch nicht wissen. Der Roboter soll ja auch nicht deinen Roman schreiben, sondern einen ganz eigenen. Und dieses Ziel dürfte er erreicht haben, wenn kein Leser merkt, dass der Autor ein Roboter war.

 

Die dafür nötigen Zusammenhänge könnte ein neuronales Netz doch bestimmt lernen, denke ich. Wir Menschen lernen das ja auch nach der Geburt. (Nein, ich glaube nicht an Chomskys angeborene Grammatik.)

 

Unterhaltungen können Computer übrigens schon ganz gut führen, wenn man den Anspruch nicht zu hoch ansetzt. Das hat sich schon in den 1960er Jahren gezeigt, als viele Menschen das wirklich total blöde Programm Eliza für einen Menschen hielten. Dazu ein Stückchen Copy&Paste aus der Wikipedia:

 

"Das Kommunikationsverhalten von Versuchspersonen gegenüber dem Programm entsprach demjenigen gegenüber einem menschlichen Gesprächspartner. Offensichtlich war es ihnen nicht allzu wichtig, ob der Antwortende am anderen Ende der Leitung wirklich ein Mensch war oder ein Computerprogramm. Es kam nur darauf an, dass die Antworten und Fragen „menschlich“ erschienen. Dies ist der sogenannte Eliza-Effekt, der heute bei vielen Chatbots ausgenutzt wird.

Die Versuchspersonen in den Experimenten waren zu einem großen Teil sogar überzeugt, dass der „Gesprächspartner“ ein tatsächliches Verständnis für ihre Probleme aufbrachte. Selbst wenn sie mit der Tatsache konfrontiert wurden, dass das Computerprogramm, mit dem sie „gesprochen“ hatten, auf der Basis einiger simpler Regeln und sicherlich ohne „Intelligenz“, „Verstand“, „Einfühlungsvermögen“ usw. einfach gegebene Aussagen in Fragen umwandelte, weigerten sie sich oft, dies zu akzeptieren."

 

Sagt mal, hatten wir diese Diskussion nicht vor einiger Zeit schon einmal?


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#26
AndreasE

AndreasE
  • 2.018 Beiträge
  • Dabei seit 01.04.07

Also, die meisten Klappentexte und Ankündigungen in Vorschauen werden meinem Gefühl nach längst von einer KI (die nicht besonders I ist, sondern hauptsächlich mit einer Menge Floskeln gefüttert wurde) geschrieben …  :-X



#27
Manfred

Manfred
  • 239 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

 

Sagt mal, hatten wir diese Diskussion nicht vor einiger Zeit schon einmal?

 

 

Ja, die Frage, ob und wann Computerprogramme schreiben können wurde hier im Forum an verschiedenen Stellen ausführlich besprochen.

 

In diesem Faden ging es ja zunächst nur um Harry ex machina und die Frage, ob dahinter ein (belletristisch) schreibender Computer steckt. Mein Punkt war, dass hier nur Versatzstücke von Texten neu arrangiert werden, rein nach oberflächlichen Gesichtspunkten. Den Leuten dahinter (Botnik) geht es offenbar um die Wirkung solcher „Texte“ auf den menschlichen Leser: strange new things. Und das macht viel Spaß. Wie die rasenden Züge im Stummfilm, die die Menschen vor einem Jahrhundert genüsslich in Schrecken versetzten.

 

Dann kam (wieder mal) die Frage auf, ob „Maschinen“ je Romane schreiben können. Von der ersten zur zweiten Frage ist natürlich ein Riesenschritt. Diese Frage ist etwa so groß wie die Frage, ob Menschen je Alpha Centauri erreichen werden. Warum denn nicht? Sie müssen ja nicht mit dem Ochsenkarren dort hin. Uns wird schon noch was einfallen. Vom Ochsenkarren zum Orion Space Craft und von dort noch gut 4 Lichtjahre.  In der Scifi-Literatur ist das alles längst abgemacht. Aber eben nicht in der Praxis. Da gibt’s noch richtig viel zu tun.

 

Und so ist es auch in der Computerlinguistik. In den 1960ern war es abgemacht, dass wir in (damals) 20 Jahren „Übersetzungsmaschinen“ haben werden (etwas größer als der Babelfish, aber in der Art). Wir haben den Termin bisher um etwa 40 Jahre verpasst. Google und viele andere haben zwar mit viel Aufwand ein nützliches Instrument  für die maschinelle VORBEREITUNG von Übersetzungen gebaut. Das ist aber immer noch ein Dummkopf, der nicht versteht, was er tut.

 

Wenn man die Messlatte tief anlegt, dann kann mein Auto schon sprechen und mich verstehen. Ich sage „Navigation“. Es (er, sie?) antwortet „Welcher Zielort, bitte?“ So was verkauft sich gut – wenn es funktioniert. Von da zum Roman sind aber mehr als 4,3 Lichtjahre.

 

In der Computerlinguistik ist die Frage, ob „Maschinen“ je Romane schreiben können nicht hoch oben auf der Prioritätenliste. Da stehen ganz andere Fragen. Wir (mich eingeschlossen) beschäftigen uns damit, wie man Dialogsysteme möglichst eng thematisch eingrenzen kann, wie  die Syntax mit der Semantik verbunden ist und wie man das in einem Programm abbildet, wie man Lügen, Humor, Zynismus usw. erkennt und abbildet.....

 

Ein autonomes mentales System muss über ein Bewusstsein von sich selbst verfügen, also viel, viel mehr als Lexikon, Syntax, Semantik, Pragmatik und Co. Nun ist aber den Philosophen, Neurowissenschaftlern, Psychologen und ihren Artgenossen nicht klar, was exakt Bewusstsein von sich selbst ist und wie genau es funktioniert. Das macht es verdammt schwer, es zu modellieren. Ob mit neuralen Netzwerken oder sonstwie.

 

Es ist nicht auszuschließen, dass diese Entwicklungsarbeit IRGENDWANN zu einer „schreibenden Maschine“ führt (schmeckt  etwas nach Fritz Langs „Metropolis“). Eine künstliche Intelligenz mit Bewusstsein wird aber viel mehr können als Texte zu verfassen. Warum sollte sie Lust haben, Romane schreiben? Die Gefahr, dass sie Autoren überflüssig macht, ist viel geringer als viele andere überflüssig zu machen.

 

Ist aber auch ein schön gruseliges Thema, die moderne Version des Leib-Seele-Problems oder der Geist in der Flasche. 



#28
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 5.836 Beiträge
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Danke Manfred. Sehr interessanter Kommentar von einem Experten. Ich denke, wer sich mit Computern auskennt, wird das ganz ähnlich sehen. Ein selbstfahrendes Auto ist ein Computer, der gemäß seiner Programmierung auf Signale von Sensoren reagiert. Weit entfernt von einer selbst denkenden Maschine. Insofern ist auch Dan Browns neuester Roman "Origin", in dem so eine Computer vorkommt, völliger Unsinn.


Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


#29
MartinC

MartinC
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Es geht ja schon bei der Definition von Intelligenz los. Ist eine Maschine intelligent, wenn sie die besten Pokerspieler der Welt besiegt?

 

KI wird in der Medizin bereits angewandt und ist bald nicht mehr wegzudenken und und und ...

 

Die Entwicklung ist rasend schnell. Ich denke, wir sollten einfach die Augen offen halten. Stichwort: Deep Learning

 

Edit: Man muss natürlich zwischen KI Und künstlicher Kreativität unterscheiden. Wer intelligent ist muss nicht kreativ sein.

 

LG

Martin


Bearbeitet von MartinC, 19.12.2017 - 09:37,

_______________________________________________________

www.martinconrath.de

Jede Art des Schreibens ist erlaubt - nur nicht die langweilige (Voltaire)


#30
ThomasW

ThomasW
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Mit anderen Worten, diese "strange new things" sind Lichtjahre von Schreibrobotern entfernt.

 

Diese Texte klingen für uns seltsam, weil sie einerseits bekannte Wörter und Kombinationen von Wörtern und dazu noch meist korrekte Grammatik enthalten, also wie echtes Englisch/ Deutsch usw. verkleidet sind, andererseits aber keinen Sinn machen. Ganz so neu ist die Sache aber nicht. Wer sich durch einen Syntaxkurs gequält hat, wir sicher folgenden Satz gehört haben: 

 

colorless green ideas sleep furiously.

 

Der Satz ist in diesem Jahr 60 geworden und stammt von dem viel gehassten und verehrten Linguisten Noam Chomsky, der damit verdeutlichen wollte, dass Semantik und Syntax zwei verschiedene Dinge sind. Unabhängig davon, wie man zu Chomskys Werk steht, sieht man hier deutlich, dass die lustigen Leute von Botnik sich vor allem mit der FORM (Syntax) von Sprache beschäftigen, nicht mit dem Inhalt (Semantik), und das ist einiges schwieriger. Schlimmer noch: wir wissen heute, dass man ohne inhaltliches Verständnis auch die Form einer Sprache nicht hundertprozentig richtig produzieren kann. Und inhaltliches Verständnis heisst weit mehr als alle Wörter eines Textes zu kennen, alle Satzaussagen zu verstehen, alle Sätze auf einander beziehen zu können, alle diese Aussagen auf sein Wissen über die Welt beziehen zu können. Man muss auch wissen, wie Menschen und menschliche Gesellschaften funktionieren und z.T. funktioniert haben und wie Sprache situativ, regional, sozial und medial unterschiedlich funktioniert. Das ist starker Tobak für die KI-Forschung. Dabei sind auch die besten Parser grammatisch den Muttersprachlern unterlegen. Es ist also noch eine weite Strecke bis zur schreibenden KI, geschweige denn einer literarisch schreibenden.

 

Aber die Sache mit dem Go-Programm war ja noch bizarrer. Als andere Großmeister die Züge des Computers im Nachhinein analysierten, haben sie nicht verstanden, wie er das angestellt hat. Die Züge waren für sie nach »menschlichem« Ermessen unlogisch.
Und es wird noch besser (gruseliger):
Ein Jahr später hat die Firma, die das Programm entwickelt hatte, eine Nachfolgeversion gegen ihren »alten« Computerchampion« antreten lassen. Allerdings gab es hier einen entscheidenden Unterschied. Während das Vorgängermodell noch auf herkömmliche Weise auf eine Datenbank mit unzähligen Go-Partien zurückgreifen konnte, fütterte man das neue Modell lediglich mit ein paar wenigen Grundalgorythmen zu den Spielzügen, die jedoch in der Lage waren, sich selbstständig weiterzuentwickeln. Man ließ die beiden Computer eine Weile miteinander spielen und am Anfang, fegte der Vorgänger seinen Nachfolger natürlich vom Brett. Doch irgendwann hatte das zweite Modell sich so stark weiterentwickelt, dass es seinen Vorgänger locker schlagen konnte. Und hier sind wir beim entscheidenden Punkt angelangt: Zum ersten Mal in der Geschichte der Softwareentwicklung sind die Programme wirklich lernfähig und sie lernen unfassbar viel schneller als wir Menschen. Zu echter Kreativität ist es da kein allzu großer Schritt mehr. 
 
Ach ja, und wer glaubt, die Robotik würde dieser Entwicklung noch hinterherhinken, sollte öfter mal bei Boston Dynamics vorbeischauen:
 
Hier bei Golem.de
 
In diesem Sinne wünsche ich ein besinnliches Weihnachtsfest ;-)

Bearbeitet von ThomasW, 19.12.2017 - 10:24,


#31
Olaf

Olaf
  • 384 Beiträge
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Ein autonomes mentales System muss über ein Bewusstsein von sich selbst verfügen, also viel, viel mehr als Lexikon, Syntax, Semantik, Pragmatik und Co. Nun ist aber den Philosophen, Neurowissenschaftlern, Psychologen und ihren Artgenossen nicht klar, was exakt Bewusstsein von sich selbst ist und wie genau es funktioniert. Das macht es verdammt schwer, es zu modellieren. Ob mit neuralen Netzwerken oder sonstwie.

 

Es ist nicht auszuschließen, dass diese Entwicklungsarbeit IRGENDWANN zu einer „schreibenden Maschine“ führt (schmeckt  etwas nach Fritz Langs „Metropolis“). Eine künstliche Intelligenz mit Bewusstsein wird aber viel mehr können als Texte zu verfassen.

 

Es geht aber doch nicht darum, "ein autonomes mentales System" zu erschaffen. Es geht nur darum, ein Programm eine Geschichte schreiben zu lassen. Dafür braucht es kein Bewusstsein, und es muss niemand wissen, was "Bewusstsein" überhaupt sein soll.

 

Wer ein Auto fährt, braucht keine Ahnung zu haben von Kolben, Getriebe, Thermodynamik, Reaktionskinetik und Molekülorbitalen. Es genügt, die richtigen Handgriffe und Fußbewegungen zur richtigen Zeit auszuführen. So etwas ist nicht einfach, auf ein maschinelles System zu übertragen, aber mit der Zeit wird es immer besser funktionieren.

 

Und einen Roman zu schreiben? Ich denke, das lässt sich in absehbarer Zeit ebenfalls mit Programmen realisieren. Vielleicht in 10, in 20 oder in 50 Jahren. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wenig später viele Leser nicht mehr beurteilen können, ob ein Text von einem Menschen oder einem Computer verfasst wurde (siehe Eliza als Plauderprogramm).

 

Was Bewusstsein ist, werden wir dann vermutlich noch immer nicht sagen können.


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#32
Christa

Christa
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Olaf: Und einen Roman zu schreiben? Ich denke, das lässt sich in absehbarer Zeit ebenfalls mit Programmen realisieren. Vielleicht in 10, in 20 oder in 50 Jahren. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wenig später viele Leser nicht mehr beurteilen können, ob ein Text von einem Menschen oder einem Computer verfasst wurde (siehe Eliza als Plauderprogramm).


 

Was Bewusstsein ist, werden wir dann vermutlich noch immer nicht sagen können.

 

Dazu habe ich auch noch einen Artikel gefunden: http://www.zeit.de/k...ten-Algorithmen

 

Demnach hatte es letztes Jahr in Japan eine von Algorithmen geschriebene SiFi-Kurzgeschichte zur Nominierung eines Preises geschafft - ohne dass die Juroren wussten, dass die Geschichte nicht von einem Menschen geschrieben wurde. Die psychologische Ausarbeitung der Figuren sei weniger gelungen gewesen, aber man lobte die Stringenz der Geschichte. Wie Ramona weiter oben anmerkte, könnten in Zukunft also auch weniger begabte Autoren ins Schreibgeschäft einsteigen.

 

Die Links von Martin habe ich mir zum großen Teil durchgelesen: Von den Operationen mit dem Rücken zum Patienten, ohne zittrige Hände bis hin zu Militärmaschinen, die ihren Angriff plötzlich gegen die eigene Mannschaft richten - da sind jede Menge hochspannender Geschichten, aber auch reale Gefahren drin, die mich an die Visionen eines Stanislav Lem erinnern. Nämlich, dass der Computer sich verselbständigt (selber lernt und sich mit anderen Systemen austauscht), so allmählich die Herrschaft übernimmt und sich irgendwann gegen seinen ursprünglichen Erzeuger wendet.

 


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#33
ThomasW

ThomasW
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Vor kurzem hat ein Zukunftsforscher der Bedeutung nach gesagt: Heute wären wir stolz eine KI mit einem IQ von 200 zu erschaffen. Was aber machen wir, wenn eine KI irgendwann einen IQ von 6000 hat und mit allem und jedem vernetzt ist? Ich blicke durchaus nicht pessimistisch in die Zukunft, man sollte aber auch nicht zu blauäugig hineinstolpern.

 

Und @Olaf:

Meiner Meinung nach kann man bei einer Maschine von einem Bewusstsein sprechen, sobald sie anfängt, über sich selbst zu reflektieren.

 

@Christa

Hinzu kommen noch ethische und rechtliche Aspekte. Wer zum Beispiel ist verantwortlich, wenn eine Maschine, z.B. in einem Kriegseinsatz ohne Befehl Menschen tötet? Kann eine Maschine zwischen "gut und böse" unterscheiden? Das sind übrigens Themen, die bereits in der Uno diskutiert werden, weil die Rüstungsindustrie auf diesem Feld riesige "Fortschritte" macht und zwar mit einer Geschindigkeit, der unsere Rechtsnormen allmählich nicht mehr hinterherkommen.

 

Aber das weicht langsam vom Thema ab.


Bearbeitet von ThomasW, 19.12.2017 - 12:52,


#34
AndreasE

AndreasE
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Der Kampfroboter kommt jedenfalls garantiert eher als der Romanschreibroboter.



#35
Tom Liehr

Tom Liehr
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Fürs Autofahren ist keine nennenswerte Intelligenz erforderlich. Strukturen und Regeln sind überschaubar, und im Notfall hält man einfach an. Intelligenz bedeutet, in bislang unbekannten Situationen vernünftig zu (re)agieren. Also auch dann ein gutes Ergebnis zu liefern, wenn man den Weg dorthin vorher noch nicht kennt. Das kann man auf verschiedene Arten erreichen; bislang hat man vor allem einfach ausprobiert. Jeder Informatikanfänger könnte ein Schachprogramm schreiben, das fast immer gewinnt, weil man dafür "einfach" aus allen denkbaren Zügen diejenigen auswählen muss, die konsequent zum Matt führen, wenn man sie bis zum Ende durchrechnet. Das Problem dabei ist lediglich die Rechenleistung, weil es um sehr, sehr viele Möglichkeiten geht (kombinatorische Explosion), deshalb funktioniert das auch nicht - oder ging bislang nicht in befriedigender Weise. Deshalb hat man "Intelligenz" eingesetzt, indem man versucht hat, zielführende Muster und gewinnträchtige Situationen zu erkennen. Oder, vor allem, die Strategie des Gegners zu analysieren. Beim Schach ist aber beispielsweise nicht erlaubt, irgendeinen Gegenstand aus der Hosentasche zu ziehen und einfach auf dem Schachbrett zweckentsprechend einzusetzen (z.B. einen Chinaböller). Es gibt zwar sehr viele Möglichkeiten, aber keine unbekannten. So ähnlich ist es beim Autofahren. Wenn es plötzlich Elefanten regnet, sind auch menschliche Verkehrsteilnehmer am Ende.

Allerdings bieten moderne Sensorik, ausgefeilte Algorithmen und, vor allem, viel Rechenleistung Möglichkeiten, die ein menschlicher Autofahrer nicht hat. Man kann schneller, optimaler, abgestimmter agieren. Autonomes Fahren ist deshalb in überschaubaren Situationen alternativlos. Es sei denn, die Sensorik hält einen weißen Lastwagenanhänger für den Horizont. Oder ein auf eine Lieferwagenrückwand gemaltes Stopschild für echt. Alles schon passiert. Aber viel seltener als zum Beispiel Trunkenheitsfahrten, auch prozentual betrachtet.

 

Wenn man viele Billiarden Affen viele - wirklich viele - Billiarden Jahre lang auf Tastaturen eintippen lässt, wird dabei irgendwann zufällig völlig zweifelsfrei auch die gesamte Weltliteratur entstehen, ohne dass die Affen wissen, was sie da tun. Das ist nicht von mir und auch nicht von Douglas Adams, sondern auch der hatte es im "Anhalter" zitiert*. Wenn man den Affen bestimmte Regeln mitgibt, wenn man Kontrollsysteme einführt und noch ein bisschen mehr macht, werden die Ergebnisse schneller eintreten. Die Technik gäbe das her. Möglich, dass dann keine Shakespeare-Werke mehr entstünden, weil man sie möglicherweise über die Regelwerke verhindert hätte (zufällig würden sie ganz sicher irgendwann entstehen), dafür aber käme möglicherweise unterhaltende Gebrauchsliteratur schneller heraus.

 

Aber diese Intelligenz, von der hier die Rede ist, ist nicht wirklich kreativ. Das Programm, um das es hier geht, hat, simpel gesagt, Sätze nach Regeln fortgesetzt, ohne zu wissen, was es da tat. Und das ist auch das Entscheidende. Ohne nachvollziehbare Informationen über den Kontext kann es echte Kreativität nicht geben, und kreative Intelligenz kann man schon allein deshalb bislang nicht abbilden, weil man noch nicht weiß, wie sie funktioniert. Den erweiterten Turing-Test hat bisher auch noch kein Computerprogramm bestanden.

 

Solche Nachrichten gibt es immer wieder. Ich habe in den frühen Achtzigern ein Programm geschrieben, das Musik komponiert hat. Das war ziemlich einfach, und es hat tatsächlich funktioniert. Allerdings hat sich die Musik unerträglich angehört (obwohl einige Harmonieregeln tatsächlich eingearbeitet waren).

 

Herzlich,

Tom

 

*Edit: Man bezeichnet das Gedankenexperiment als "Infinite-Monkey-Theorem". Es ist tatsächlich beweisbar, das auf diese Weise (alle) sinnvolle(n) Texte entstehen müssten, aber die Wahrscheinlichkeit für jeden einzelnen dieser Texte ist so gering, dass wir sie kaum noch verstehen können.


Bearbeitet von Tom Liehr, 19.12.2017 - 16:51,

Website · Facebook · Oktober 2016: "Landeier" (Rowohlt)


#36
AndreasE

AndreasE
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*Edit: Man bezeichnet das Gedankenexperiment als "Infinite-Monkey-Theorem". Es ist tatsächlich beweisbar, das auf diese Weise (alle) sinnvolle(n) Texte entstehen müssten, aber die Wahrscheinlichkeit für jeden einzelnen dieser Texte ist so gering, dass wir sie kaum noch verstehen können.

 

Vor allem gäbe es jeden Text in Milliarden Varianten, nämlich mit jedem nur möglichen Schreibfehler und allen Kombinationen aller möglichen Schreibfehler …  :s01



#37
Christa

Christa
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Und kein Lektor dieser Welt könnte diesen Affenzirkus lektorieren. Außerdem könnten die Affen ja gar keine Literatur erschaffen, die vorher nicht da war, denn aus dem Nichts kommt auch nichts. Oder?


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#38
AndreasE

AndreasE
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Na doch. Literatur aus dem Nichts erschaffen, das machen wir doch jeden Tag.



#39
Christa

Christa
  • 7.067 Beiträge
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Na doch. Literatur aus dem Nichts erschaffen, das machen wir doch jeden Tag.

 

Und das ​ist kreative Intelligenz!  :s01 


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#40
Olaf

Olaf
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Hier ist ein Artikel vom Februar 2017 zum Stand der Entwicklung bei den maschinellen Autoren: http://www.spektrum....-romane/1437710

 

Es gibt sogar schon einen Schreibwettbewerb für Maschinen: http://bregman.dartm...ingtests/node/1

 

Hey, wie wäre es, wenn wir den Spieß mal umdrehen und under cover unsere eigenen Texte dort einreichen? ;D ::)


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de