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Bestsellerpotential: KI vs Bauchgefühl

Künstliche Intelligenz Vorhersage Prognose Bauchgefühl KI Bestsellerpotenzial Software Kristallkugel Massenmarkt

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116 Antworten zu diesem Thema

#41
AndreasE

AndreasE
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In dem in dem Artikel genannten Roman ist die "Gay Bomb" allerdings kein Mittel, das Männer homosexuell (und rallig) macht, sondern ein Virus, der nur Männer befällt – und tötet. Die sicherste Möglichkeit also, das Patriarchat abzuschaffen …



#42
Christa

Christa
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In dem in dem Artikel genannten Roman ist die "Gay Bomb" allerdings kein Mittel, das Männer homosexuell (und rallig) macht, sondern ein Virus, der nur Männer befällt – und tötet. Die sicherste Möglichkeit also, das Patriarchat abzuschaffen …

 

Also hat der Roman doch was durchaus Innovatives - wie hat das Programm das bloß erkannt? :-?


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn

Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#43
AndreasE

AndreasE
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Wird sicher einschlagen wie eine, ähm … Bombe.



#44
Ramona

Ramona
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In dem in dem Artikel genannten Roman ist die "Gay Bomb" allerdings kein Mittel, das Männer homosexuell (und rallig) macht, sondern ein Virus, der nur Männer befällt – und tötet. Die sicherste Möglichkeit also, das Patriarchat abzuschaffen …

 

Also hat der Roman doch was durchaus Innovatives - wie hat das Programm das bloß erkannt? :-?

 

 

Nicht so ganz, ein ähnliches Thema wurde vor etwa 15 Jahren in einem britischen Wissenschaftsthriller behandelt. Und es gibt sicher noch andere.


Bearbeitet von Ramona, 17.10.2018 - 19:30,

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)


#45
Christa

Christa
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Deshalb wurde die Autorin von Gay Bomb wohl auch nur nominiert (wie oben gesagt). Die Siegerin war eine Österreicherin

namens Regina-Wolf-Egger. Den Titel des österreichischen Werkes kann ich allerdings nirgends finden, auch nichts über die Siegerehrung der fünf Besten auf der Buchmesse. Dafür die Ausschreibung des Autorenwettbewerbs:

https://www.qualific...nfo/wettbewerb/

 

 

Dass es das Thema schon in einem Wissenschaftsthriller gab, ist bezeichnend, Ramona. Es gibt (fast) nichts, was nicht schon einmal dagewesen wäre. Das Programm hat möglicherweise bemerkt, dass es da schon mal etwas gab.

 

Habe übrigens herzlich gelacht über die "Bombe" und bedauert, dass es dafür keinen Smily gibt.


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn

Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#46
FlorianH

FlorianH
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QualiFiction hatte 186 Manuskripte durch das Programm laufen lassen

Ist nicht unbedingt eine Menge, in der sich garantiert ein Bestseller befindet, selbst wenn das Modell das beste Manuskript korrekt identifiziert.



#47
FlorianH

FlorianH
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Mittlere Satzlänge 25 Worte

Textlänge 200.000 Worte

Erotikanteil >= 10 Prozent

Familiärer Alltag >= 15 Prozent

Sentimentanteile in bestimmten Bereichen des Buches

.

 

Das sind triviale Randbedingungen, die fast jeder schafft, der der deutschen Sprache mächtig ist und eine gute Portion Ausdauer mitbringt.

 

@Dietmar, die Qualität des Verfahrens hat ja freilich nichts mit dem Grad der Offenlegung seiner Bestandteile zu tun, noch nicht mal mit dem, was ihm allgemein zugetraut wird.

 

Nö, aber es ist üblich, dass Verfahren, die Neuland betreten, offen gelegt werden, um sie zu verifizieren. Zudem wird von den Herstellern der Software keine Lizenz vergeben, sondern die Entwickler bieten die Überprüfung als Dienstleistung an. Niemand, wirklich niemand, kann überprüfen, wie dieses Ergebnis zustand gekommen ist. Zudem soll die Überprüfung nur wenige Sekunden dauern. Schon das erscheint mir, aus der Sicht eines Informatikers, als völlig unrealistisch. Belletristische Texte sind unstrukturierte Daten. Die Strukturanalyse beginnt mit einer lexikalischen Analyse. Hier werden die einzelnen Worte und Satzzeichen festgestellt. Die Worte werden Klassen und deren Stamm zugeordnet. Der nächste Analyseschritt ist die syntaktische Analyse. In diesem Schritt werden Satzstrukturen erkannt. Wie struktiert der Autor einen Satz? Der nächste Schritt ist die semantische Analyse; hier werden satzübergreifende Zusammenhänge erkannt. Erst diese drei Analyseschritte bilden die Grundlage, um Häufigkeiten festzustellen, denn das, was die QualiFiction-Mitarbeiter anbieten, ist nichts mehr, als eine Häufigkeitsanalyse des zu analysierenden Textes im Vergleich zu bereits bekannten Bestsellertexten. Wobei hier auch wieder völlug unbekannt ist, was analysieren sie? Wie ist ihre Statistik aufgebaut, mit der sie vergleichen?

Eigentlich müsste man bei einer Buchmesse bei einem Vortrag von QualiFiction mit einem USB-Stick auftreten, auf dem für sie ein völlig unbekanntes Manuskript ist, des weder eine Agentur, noch eine Verlag bisher gesehen haben und sie möchten doch bitte in wenigen Sekunden eine Prozentzahl nennen. Ich glaube, das wird Probleme geben, aber nicht für den Autor.

 

Ein Produkt offenlegen, damit es kopiert wird? Warum das?

Vor allem wo nichts einfacher ist, als die Treffsicherheit des Produkts völlig unabhängig von dessen Innenleben durch das Eintreffen seiner Voraussagen zu überprüfen.



#48
FlorianH

FlorianH
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Kunst wurde und wird immer vorangebracht von KünstlerInnen, die etwas tun, was vorher noch niemand gemacht hat. Natürlich kann man diese Innovationen nicht völlig unabhängig von vorausgehenden Entwicklungen betrachten, aber die Neuerungen treten immer bei einem Werk auf besondere Weise hervor, nach dem die jeweilige Kunstsparte nie mehr so sein wird wie vorher. Das sind Meilensteine, die keiner, der danach kommt, ignorieren kann.

 

Dass QualiFiction zum jetzigen Zeitpunkt solche Innovation erkennen kann, bezweifle ich. Wenn ich es richtig verstanden habe, basiert die Einschätzung auf bereit vorhandenen Bestsellern, mit denen das Programm gefüttert wurde. Wie soll es also etwas erkennen, das es in dieser Form noch nie da gewesen ist?

So viele Romane, die völlig neu, total innovativ und mega künstlerisch sind gibt es ja nun nicht wirklich auf dem Bestsellermarkt, oder?



#49
FlorianH

FlorianH
  • 205 Beiträge
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Außerdem sind Bestseller nicht unabhängig von der Zeit und dem allgemeinen gesellschaftlichen Klima, in dem sie veröffentlicht werden. Was heute ein Bestseller wird, wäre vor zehn Jahren untergegangen, und umgekehrt. (z.B. wollte nach dem Ende der Sowjetunion erst mal kein Mensch mehr Thriller lesen, in denen der KGB eine Rolle spielt) Das sind Faktoren, die nur ein Hellseher berücksichtigen könnte.

Es lassen sich sicherlich Zusammenhänge herstellen, welche Themen in welcher Art Klima besser oder schlechter gehen könnten. Ganz der Hellseher muss man für so etwas sicherlich nicht sein, oder? Ohne allzu tief in der Materie zu stecken, glaube ich, dass es durchaus Zusammenhänge im Stil wie sorglose Heimatfilme nach dem 2. Weltkrieg, Alien Invasion Filme während des Kalten Kriegs, etc. gibt.



#50
FlorianH

FlorianH
  • 205 Beiträge
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Was ich mir vorstellen kann: Dass QF potentiell gut  verkäufliche Genreromane herausfiltern kann, die nach gewissen Schemata verfasst sind und das jeweilige Genre konventionell bedienen.

 

Problematisch finde ich aber auch, dass die Ergebnisse niemals verifizierbar sein werden. Denn zu einem Bestseller gehört ja viel mehr als nur der Text. Cover, Vermarktung, Trends, Vertriebsmöglichkeiten des Verlags etc. spielen zusammengenommen wahrscheinlich eine größere Rolle als das Buch selbst.

 

Ähnliche Gedanken gingen mir auch durch den Kopf, Mascha. Die Anwendung der Bestsellersoftware würde das bestehende Angebot an Immerdemselben nur zementieren. Wenn das Programm nun ständig mit den neuesten Bestsellern gefüttert wird, könnte es vielleicht Themen-Trends der nächsten Monate oder ein bis zwei Jahre voraussehen (die Zeit, in der Verlage Bücher herausbringen).

Cover, Marketing und Vertriebsmöglichkeiten könnten die Verlage natürlich anpassen, nachdem sie ihre Bestseller gefunden haben. Sie (die Software) müsste aber hellsehen können, wenn sie gesellschaftliche, soziale und kulturelle Trends vorhersehen müsste, wie Andreas ganz richtig sagt. Ganz zu schweigen von den emotionalen oder "philosophischen" Berührungspunkten mit den Lesern. Das Programm müsste eigentlich Zugriff auf die Archetypkiste und das kollektive Gedächtnis der Menschheit haben, um es mal philosophisch auszudrücken. 

 

Aber da wird sie nicht über den kindlichen Status einer Alexa oder eines Romane schreibenden Roboters herausgewachsen sein. :p

 

Ein kollektives Gedächtnis der Menschheit wie das Internet etwa? :)



#51
AndreasE

AndreasE
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Außerdem sind Bestseller nicht unabhängig von der Zeit und dem allgemeinen gesellschaftlichen Klima, in dem sie veröffentlicht werden. Was heute ein Bestseller wird, wäre vor zehn Jahren untergegangen, und umgekehrt. (z.B. wollte nach dem Ende der Sowjetunion erst mal kein Mensch mehr Thriller lesen, in denen der KGB eine Rolle spielt) Das sind Faktoren, die nur ein Hellseher berücksichtigen könnte.

Es lassen sich sicherlich Zusammenhänge herstellen, welche Themen in welcher Art Klima besser oder schlechter gehen könnten. Ganz der Hellseher muss man für so etwas sicherlich nicht sein, oder? Ohne allzu tief in der Materie zu stecken, glaube ich, dass es durchaus Zusammenhänge im Stil wie sorglose Heimatfilme nach dem 2. Weltkrieg, Alien Invasion Filme während des Kalten Kriegs, etc. gibt.

 

Zusammenhänge, die zu erkennen aber mit Bauchgefühl besser funktionieren dürfte als per Algorithmus.



#52
Christa

Christa
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Was ich mir vorstellen kann: Dass QF potentiell gut  verkäufliche Genreromane herausfiltern kann, die nach gewissen Schemata verfasst sind und das jeweilige Genre konventionell bedienen.

 

Problematisch finde ich aber auch, dass die Ergebnisse niemals verifizierbar sein werden. Denn zu einem Bestseller gehört ja viel mehr als nur der Text. Cover, Vermarktung, Trends, Vertriebsmöglichkeiten des Verlags etc. spielen zusammengenommen wahrscheinlich eine größere Rolle als das Buch selbst.

 

Ähnliche Gedanken gingen mir auch durch den Kopf, Mascha. Die Anwendung der Bestsellersoftware würde das bestehende Angebot an Immerdemselben nur zementieren. Wenn das Programm nun ständig mit den neuesten Bestsellern gefüttert wird, könnte es vielleicht Themen-Trends der nächsten Monate oder ein bis zwei Jahre voraussehen (die Zeit, in der Verlage Bücher herausbringen).

Cover, Marketing und Vertriebsmöglichkeiten könnten die Verlage natürlich anpassen, nachdem sie ihre Bestseller gefunden haben. Sie (die Software) müsste aber hellsehen können, wenn sie gesellschaftliche, soziale und kulturelle Trends vorhersehen müsste, wie Andreas ganz richtig sagt. Ganz zu schweigen von den emotionalen oder "philosophischen" Berührungspunkten mit den Lesern. Das Programm müsste eigentlich Zugriff auf die Archetypkiste und das kollektive Gedächtnis der Menschheit haben, um es mal philosophisch auszudrücken. 

 

Aber da wird sie nicht über den kindlichen Status einer Alexa oder eines Romane schreibenden Roboters herausgewachsen sein. :p

 

Ein kollektives Gedächtnis der Menschheit wie das Internet etwa? :)

 

Ist das Internet ein kollektives Gedächtnis der Menschheit? Ein Speicherort des kollektiven Wissens auf jeden Fall. Jederzeit abrufbar.

Aber das Bestseller-Programm hat ja nur Zugriff auf die eingegebenen Werte, nämlich die Merkmale von Bestsellern der vergangenen 10 oder 15 Jahre. Ein Lektor dagegen ist Teil des kollektiven Gedächtnisses und kann - unter Umständen - Merkmale erfassen, die das Programm nicht kennt und nicht erspüren kann, weil es eben nicht spüren kann. :D


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn

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#53
Ramona

Ramona
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Ich denke auch, Intuition, Bauchgefühl, der sprichwörtliche Geistesblitz sind ein Kapitel für sich. Ähnlich wie mit Wissen und Erfahrung. Wissen kann man zwar weitergeben, Erfahrung/Weisheit allerdings nicht.

Btw. Wissenschaftler beklagen doch seit geraumer Zeit, dass es seit den vollautomatischen Versuchsreihen in der Medizin keine wirklich innovativen Entdeckungen mehr gibt. Die meisten großen Entdeckungen der Menschheitsgeschichte beruhen auf Zufall, bzw. darauf, dass ein Mensch aufgrund eines Aha-Erlebnisses über den Tellerrand hinausgedacht hat (siehe die Entdeckung des Penicillin etc.). Irgendwann in der Zukunft mag es solch eine Geitesblitz-KI vielleicht einmal geben, aber sobald wohl eher nicht.


Bearbeitet von Ramona, 18.10.2018 - 10:36,

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)


#54
Christa

Christa
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Ich denke auch, Intuition, Bauchgefühl, der sprichwörtliche Geistesblitz sind ein Kapitel für sich. Ähnlich wie mit Wissen und Erfahrung. Wissen kann man zwar weitergeben, Erfahrung/Weisheit allerdings nicht.

Btw. Wissenschaftler beklagen doch seit geraumer Zeit, dass es seit den vollautomatischen Versuchsreihen in der Medizin keine wirklich innovativen Entdeckungen mehr gibt. Die meisten großen Entdeckungen der Menschheitsgeschichte beruhen auf Zufall, bzw. darauf, dass ein Mensch aufgrund eines Aha-Erlebnisses über den Tellerrand hinausgedacht hat (siehe die Entdeckung des Penicillin etc.). Irgendwann in der Zukunft mag es solch eine Geitesblitz-KI vielleicht einmal geben, aber sobald wohl eher nicht.

 

Erfahrung kann man zwar auch weitergeben, aber nur als Wissen. Die Erfahrung muss der andere machen. Und was den Geistesblitz betrifft: Da unser Programm den nicht hat, kann es auch nur Vorhandenes finden und bewerten. Deshalb können alle diese Programme nur Ähnliches schaffen, weil ihnen die Reflexion fehlt. Hatten wir doch schon mal. Zur Erinnerung ein Artikel.

https://www.kulturma...er-Zukunft,2348


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#55
Ramona

Ramona
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Erfahrung kann man zwar auch weitergeben, aber nur als Wissen.

 

Deshalb auch die Wiederholung der Menschheitsgeschichte. Trotz immer ausgefeilterer Weitergabe von Wissen muss jede Generation ihre eigenen Erfahrungen machen. Inzwischen erleben wir in ein, zwei Jahren allerdings mehr als frühere Generationen in einem Menschenleben oder in Jahrhunderten. Vielleicht wird dieser Kreislauf der Wiederholung alsbald durchbrochen, weil Zusammenhänge nicht mehr so bald verlorengehen oder unter den Teppich gekehrt werden können … 


Bearbeitet von Ramona, 18.10.2018 - 11:23,

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)


#56
Christa

Christa
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Wir tun jetzt etwas, was jegliche KI nicht kann: reflektieren. Und wir können das über große Distanzen hinweg dank der immer größer werdenden Rasanz des Computerzeitalters. Früher wurden Briefe geschrieben, Gutenberg und Luther waren Pioniere, alles wurde langsamer transportiert, besonders das Wissen. Aber was könnte den Kreislauf der Wiederholung durchbrechen? Ist es gerade die KI, die unsere Kultur verwaltet und allen schneller zugänglich macht? Die Zusammenhänge herstellen kann und damit zum Helferlein des Menschen geworden ist? (Das Bestsellerprogramm nehme ich davon aus, denn es ist kein adäquates Hilfsmittel. Es nützt mir nur, wenn es mir zum Beispiel sagt, wie viele Menschen gerne flache Bücher lesen und wie viele andere Ansprüche haben).


Bearbeitet von Christa, 18.10.2018 - 11:39,

Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn

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#57
Ramona

Ramona
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Wir tun jetzt etwas, was jegliche KI nicht kann: reflektieren. Und wir können das über große Distanzen hinweg dank der immer größer werdenden Rasanz des Computerzeitalters. Früher wurden Briefe geschrieben, Gutenberg und Luther waren Pioniere, alles wurde langsamer transportiert, besonders das Wissen. Aber was könnte den Kreislauf der Wiederholung durchbrechen? Ist es gerade die KI, die unsere Kultur verwaltet und allen schneller zugänglich macht? Die Zusammenhänge herstellen kann und damit zum Helferlein des Menschen geworden ist? (Das Bestsellerprogramm nehme ich davon aus, denn es ist kein adäquates Hilfsmittel. Es nützt mir nur, wenn es mir zum Beispiel sagt, wie viele Menschen gerne flache Bücher lesen und wie viele andere Ansprüche haben).

 

Wir brauchen uns doch nur die jüngsten politischen Entwicklungen (Aktionen und Reaktionen) anzuschauen. Den Einfluss, den der technologische Fortschritt (siehe auch die sozialen Medien etc.) inzwischen im Kleinen wie im Großen auf Gesellschaft, Politik und Wissenschaft hat. Die Frage, ob und wie die Menschheit diese Entwicklung bewältigen (überleben) wird, ist so brisant wie nie zuvor.

Und jetzt kann man sich natürlich fragen, in wie weit eine statistisch perfekt durchgestylte Buchbranche, das liefern kann, wonach sich die Leserinnen und Leser im Herzen sehnen. Auch sogenannte Experten sind ja oft erst hinterher schlauer. Aber dann gibt es immer wieder mal jene mit dem richtigen Riecher für den Nerv der Zeit. Letztendlich nennt man es wohl Evolution.


Bearbeitet von Ramona, 18.10.2018 - 12:48,

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#58
Olaf

Olaf
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Btw. Wissenschaftler beklagen doch seit geraumer Zeit, dass es seit den vollautomatischen Versuchsreihen in der Medizin keine wirklich innovativen Entdeckungen mehr gibt. Die meisten großen Entdeckungen der Menschheitsgeschichte beruhen auf Zufall, bzw. darauf, dass ein Mensch aufgrund eines Aha-Erlebnisses über den Tellerrand hinausgedacht hat (siehe die Entdeckung des Penicillin etc.). Irgendwann in der Zukunft mag es solch eine Geitesblitz-KI vielleicht einmal geben, aber sobald wohl eher nicht.

 

Welche Wissenschaftler beklagen das denn? Davon habe ich bislang nichts mitbekommen. Und was für "vollautomatische Versuchsreihen in der Medizin" sollen das sein? Pharmakologische Reihenuntersuchungen? Die gab es schon früher, bloß mussten da Laborantinnen die stumpfsinnige Pipettiererei machen und haben dementsprechend weniger Masse geschafft. Jedenfalls wächst unser Wissen momentan schneller als jemals zuvor. 

 

Die meisten großen Entdeckungen beruhen nicht auf Zufall oder Heureka-Momente, sondern auf viele, viele kleine Erkenntnisschritte von vielen, vielen Leuten. Auch die Antibiotika waren schon Jahrzehnte vor Flemming bekannt, aber seine Story ist nunmal so schön griffig, dass sie gerne als Geburtsstunde der Antibiotika verkauft wird. Echte Durchbrüche (z.B.: Quantenphysik, Relativitätstheorie) sind die Ausnahme. Und sie entwickeln sich zuerst in der Grundlagenforschung, einfach, weil wir wissen wollen die die Welt funktioniert. Anwendungen kommen dann viel später oder nie. 

 

Dass die KI-Forschung aber einen Geistesblitz brauchen könnte, stimmt. Im Prinzip könnten Computer in vielen Dingen schneller sein als wir, aber ihnen fehlt oft noch die effektivste Vorgehensweise. 


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#59
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
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@Ulf: Es mag schon einige formale Kriterien geben, die die meisten Unterhaltungsbestseller erfüllen, bezogen auf stilistische, linguistische, strukturelle Eigenschaften. Man kann alles mögliche messen - Dialoganteile, Satzlängen, sprachliche Komplexität, Fremdwörteranteil usw. usf. - und das dann über Vergleichstabellen oder ähnliche Mustersysteme kategorisieren und bewerten. Damit wird man vermutlich vor allem Texte finden, die ähnlich anspruchslos wie andere Texte sind, die damit schon erfolgreich waren. Was man nicht finden wird: Ob die Texte für menschliche Leser interessant sind. Ob einem die Geschichte also den Stecker zieht. Man wird herausfinden, ob das genau die gleiche, lahme, epigonenhafte Schreibe ist, die alle anderen verwenden, um die Massen zu erreichen. Nicht mehr, aber vielleicht sogar noch weniger. Ein Verlag, der davon lebt, solche Texte in großer Menge zu veröffentlichen, wird möglicherweise einen Praktikanten durch diese Software ersetzen können. Für alle anderen ist das möglicherweise sehr weit aus dem Fenster herausgeschmissenes Geld.

 

Herzlich,

Tom

 

Ich komme nochmal auf deine Beitrag zurück. Denn der liest sich so, als ob alles kommerziell Erfolgreiche flach und anspruchslos wäre, wie du es nennst. Das sind einige Bestseller in der Tat, aber bei weitem nicht alle. Ich finde deine Bewertung ein wenig hochmütig. Und als ob ein Computer auch nur flachen Massenbrei herausfiltern könnte. Natürlich kann ein Computer keine Themen bewerten oder anzeigen, was gerade Trend ist. Oder ob eine Plot-Idee brillant ist und den Leser vom Hocker reißt. Darum geht es auch gar nicht.

 

Es geht darum, Charakteristiken herauszufiltern, die bei Bestsellern, egal von welcher Qualität, vorhanden sind und bei anderen weniger oder kaum. Man kann zum Beispiel vergleichen, ob häufig handlungsstarke oder eher passive Verben verwendet werden oder nicht. Ob eine Menge Füllwörter im Text sind oder nicht. Ob Spannungskurven vorhanden sind und in welchem Maße. Dies nur als kleine Beispiele. Ich empfehle mal, das Buch "Der Bestsellercode" zu lesen. das ist nämlich ziemlich interessant. Es hat auch nichts mit KI zu tun, sondern nur mit statistischer Textanalyse. Genauso wie man statistisch feststellen kann, wer sich häufig bewegt, lebt statistisch gesünder und länger, kann man hier feststellen, ob ein Text Charakteristiken hat, die bei Bestsellern vermehrt vorhanden sind. Ein Buch mit solchen Charakteristiken ist nicht automatisch ein Bestseller, aber hat schon mal bessere Voraussetzungen als ein anderes.


Bearbeitet von Ulf Schiewe, 19.10.2018 - 09:24,

Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


#60
FlorianH

FlorianH
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Damit wird man vermutlich vor allem Texte finden, die ähnlich anspruchslos wie andere Texte sind, die damit schon erfolgreich waren. Was man nicht finden wird: Ob die Texte für menschliche Leser interessant sind.

Der erste Satz wäre richtig, wenn Du das "anspruchslos" wegliessest (davon ausgegangen, dass zumindest ein wenig prädiktive Kraft im Modell steckt). Damit unterstellst Du dem Rechner Bewusstsein :)

Er sucht einfach die besten Diskriminatoren zwischen Erfolg und Nicht Erfolg, dem ist Anspruch völlig wurscht. Weder ob er gegeben ist, oder ob er nicht gegeben ist.

 

Der zweite Satz klingt irgendwie, als ob erfolgreiche Romane für menschliche Leser uninteressant seien, oder?





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