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Interview mit Nina George über Männer und Frauen im Literaturbetrieb


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260 Antworten zu diesem Thema

#21
AnnaW

AnnaW
  • 963 Beiträge
  • Dabei seit 10.08.15

Klang für mich auch ironisch :).

 

Ich grüble noch, woran es liegen mag, dass Männer bevorzugt Bücher von Männern lesen und rezensieren. Die meisten Männer, die ich kenne, sind korrekte Typen, keiner von denen würde aktiv und bewusst hingehen und eine Frau unterdrücken oder ihr schlechtere Chancen einräumen als Männern. Ich hab auf meinem Weg schon wunderbare Unterstützung von Menschen beider Geschlechter bekommen. Und doch scheint es eine messbare Realität, dass Männer mit Büchern von Männern (zumindest im Rezensionsbereich der "Literatur") offenbar mehr anfangen können.

 

Vielleicht, nur vielleicht und rein hypothetisch, gibt es tatsächlich subtile, nuancielle Unterschiede in Wahrnehmung und Weltsicht. Ob die jetzt genetisch oder sozialisiert sind, sei dahingestellt, ich tippe auf Letzteres, aber letztlich wird man das unter Praxisbedingungen nie abschließend messen können. Also ist es für die Alltagsrealität an dieser Stelle nicht relevant. Auf jeden Fall vermute ich immer wieder, dass es diesen Unterschied (ganz wertfrei) tatsächlich gibt. Mir ist nämlich mal aufgefallen, dass ich mich in Büchern (intelligenter) Frauen, die sich auch an ein des Denkens fähiges Publikum richten, instinktiv wohler fühle. Damit sind jetzt keine Millionärsromanzen gemeint! Aber irgendwie spüre ich da auf irgendeiner subtilen, tiefen Ebene oft etwas mehr Resonanz und Empathie mit den Figuren.

 

Keine Ahnung, woran das liegt. Ich habe Hypothesen, aber ... letztlich sind sie nur das. Keine Beweise.

 

Ich lese auch gern männliche Autoren, wenn sie gut genug sind, wenn sie das gewisse Etwas haben, was mich über dieses subtilen fehlenden Empathiefaktor hinwegsehen lässt, aber ... Keine Ahnung. Die haben es oft etwas schwerer, in mir diese subtile Resonanz auszulösen. Vielleicht, und hier wird es jetzt wirklich sehr hypothetisch, weil Männer durch jahrhundertelange Trennung von ihren Familien fürs Berufsleben so sozialisiert wurden, dass sie einen Teil ihrer Bindungsfähigkeit zu anderen Menschen unterdrücken mussten. Wie sonst hätten sie es ertragen sollen, jeden Morgen die geliebte Frau und die geliebten Kinder allein zu lassen, um sich mit blöden Idioten im Berufsleben herumzuärgern - oder sich für König, Volk und Vaterland in fremden Ländern erschießen zu lassen? Vielleicht erzählen Geschichten von Männern auf subtiler Ebene immer ein wenig von diesem generationenlangen Kampf um Autonomie und Abspaltung der Bindung zu anderen Menschen und der Sehnsucht danach, diese Bindung wiederzufinden oder ohne sie leben zu können.

 

Das ist wirklich nur eine Hypothese, für die ich keine nachweislichen Belege habe, und das Gefühl ist so subtil und fragil, dass es jederzeit zurecht infrage gestellt werden kann. Und trotzdem frage ich mich, ob es möglich ist, dass Männer und Frauen auf einer sehr, sehr tiefen, subtilen und unbewussten Ebene einfach von anderen Realitätsfacetten erzählen.

Wenn es so ist, ob es jetzt an dem liegt, was ich mir zusammengereimt habe, oder an etwas anderem, dann würde das auch erklären, warum männliche Rezensenten vielleicht in einem leicht überdurchschnittlichen Buch eines Mannes immer noch mehr Resonanz und Gefallen finden als in einem weit überdurchschnittlich guten Buch einer Frau. Nicht aus böser Absicht, sondern weil es sich wirklich einfach besser, tiefer, wahrer anfühlt und im Geist mehr Türen öffnet.

Was da helfen könnte (wenn es denn so ist)?

 

Keine Ahnung. Vielleicht mehr ehrliche Neugierde für das, was auf der anderen Seite der Genderbarriere liegt, um davon zu lernen? Nicht, weil die anderen doof sind, sondern weil sie auch Menschen sind und Männer und Frauen durch die alten Rollen gleichermaßen eingeschränkt und um einen Teil ihres Menschseins gebracht wurden?

 

Super spannend, liebe Hanna.

 

Ich traue mir das Mitdiskutieren auch nicht zu, aber ich bewundere dich für deine präzise formulierten Gedanken und den Mut, sie zur Diskussion zu stellen. Und hätte ich das so formulieren können, hätte ich das ähnlich formuliert, nur die Überlegung im Hinblick auf die Gründe hätte ich wegelassen.

 

Tatsächlich würde ich mich nie als Feministin bezeichnen, bin, glaube ich, wirklich frei von ideologischem Antrieb - lese aber seit Jahren bevorzugt Bücher von Frauen. Aus den Gründen, die du so fein beschreibst, sind sie mir oft näher, kann ich darin mehr für mich entdecken. Und ich lese keine Frauenunterhaltung! Das tue ich erst seit zwei Jahren, seit ich sie schreibe, und trenne dieses Genre von dem, was mich sonst interessiert.

 

Aus diesem Grund hat es mich immer irritiert, wenn ich in überregionalen Zeitungen, die ich lese, überwiegend Rezensionen männlicher Rezensenten von Autoren gelesen habe - ich fand das schlicht schade und mich und mein Leseinteresse nicht wieder. - Aber das ändert sich gerade, ich beobachte jedenfalls seit einiger Zeit eine größere Ausgewogenheit, und ich glaube, dies geschieht auch durch die öffentliche Diskussion, die unter anderem durch Nina George angestoßen wurde.

 

Also das ist einfach eine Beobachtung an mir selbst als Leserin. Und möglicherweise ist es der erzählerische männliche Blick auf Frauen, der mich oft einfach nicht interessiert. Um das zu betonne: Ich lese auch Autoren, und einige sehr gern, und viele Autorinnen nicht, oder absolut nicht gern, aber in der Mehrzahl nahe sind mir Bücher von Autorinnen.

 

Das ist alles kein Problem, finde ich, solange man es weiß und dazu steht. Merkwürdig ist es aber, wenn die männliche Seite präferiert wird (z. B. in der Literaturbeilage einer Zeitschrift), aber behauptet wird, beide Seiten würden damit repräsentiert. Das stimmt dann schlichtweg nicht.

 

LG Anna


Bearbeitet von AnnaW, 06.12.2018 - 16:34,


#22
Christa

Christa
  • 8.187 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Mir widerstrebt es wie vielen hier, mich großinhaltlich an dieser Diskussion zu beteiligen. Wahrscheinlich wegen der Gefahr,in Vorurteile, Klischees und die von Tom angesprochenen verschwörungstheoretischen Beweisführungen zu geraten. Ich könnte auch meine Bücher zählen und stelle nach einem raschen Blick ins Regalfest, dass ich doppelt so viele Bücher von Männern darin habe wie von Frauen. Allerdings sind auch die Hälfte davon Sachbücher. Dann stieß ich auf dieses Statement:

Und ich kenne so viele gefühlvolle Männer, wie ich wenig gefühlvolle Frauen kenne. Und ich lese Bücher nicht nach dem Geschlecht des Autors.

 

Ich suche Bücher nie nach dem Geschlecht des Autors aus. Immer nur nach dem Thema. Und beim Blick ins Regal muss ich nachlesen, ob es denn nun von einem Mann oder einer Frau ist. Und das, was ich hier sage, sagt gar nichts aus, außer dass es mein subjektives Bücherlesen beschreibt.

 

In dem Interview mit Nina George habe ich noch einen Satz gefunden, den ich bemerkenswert finde:

 

 

 

Das fängt wahrscheinlich sogar schon bei den Verlagen an, denen ich manchmal zurufen möchte: Ordnet nicht immer den rosa Gefühlskram einer Autorin zu! Es hängt alles mit allem zusammen; man kann die Schuldfrage weder an die Frauen noch an die männlichen Redakteure weiterdelegieren.

Ich glaube, dass diese Worte eine belastbare Tatsache ansprechen, denn wenn ich durch eine Buchhandlung gehe und die rosa und himmelblauen Einbände mit den Blümchen sehe, weiß ich: Aha, das ist Lesefutter von Frauen für Frauen!


Bearbeitet von Christa, 06.12.2018 - 19:01,

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#23
Tom Liehr

Tom Liehr
  • 978 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

Ja, aber eine Juli Zeh, eine Eva Menasse und eine Inger-Maria Mahlke findest Du da nicht, Christa. Und eine Nina George auch nicht. Um nur vier von vielen zu nennen.

 

Herzlich,

Tom


Website · Facebook · Oktober 2016: "Landeier" (Rowohlt)


#24
Christa

Christa
  • 8.187 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Ja, aber eine Juli Zeh, eine Eva Menasse und eine Inger-Maria Mahlke findest Du da nicht, Christa. Und eine Nina George auch nicht. Um nur vier von vielen zu nennen.

 

Das ist richtig - die muss ich suchen oder bei den Buchhändlern erfragen, denn sie sind weder farblich noch sonst irgendwie gekennzeichnet. Und das ist gut so. (Dass sie nicht als "Frauenliteratur" abgelegt werden).


Bearbeitet von Christa, 06.12.2018 - 19:19,

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#25
Tom Liehr

Tom Liehr
  • 978 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

Juli Zeh und Inger-Maria Mahlke musst Du bei keinem Buchhändler suchen, Christa.

 

Herzlich,

Tom


Website · Facebook · Oktober 2016: "Landeier" (Rowohlt)


#26
JenniferB

JenniferB
  • 2.632 Beiträge
  • Dabei seit 17.01.11

Ja, aber eine Juli Zeh, eine Eva Menasse und eine Inger-Maria Mahlke findest Du da nicht, Christa. Und eine Nina George auch nicht. Um nur vier von vielen zu nennen.

 

Herzlich,

Tom

 

Tja, wie machen sie das - was machen sie richtig?

Ich habe den Verlagen regelmäßig Jugendbücher verkauft - unisex - für Jungs und Mädchen, für junge Männer und Frauen. Und wurde permanent in rosa, mit scheiß rumfliegenden Herzchen oder in Blümchentapete verpackt (was zu irritierten Rezensionen führte).

"Der Vertrieb möchte mit Ihrem Buch Leserinnen ansprechen."

Das Problem kennen eine Menge - wenn auch nicht alle - Autorinnen im JuBu. Die Autoren nicht. Und jetzt sag mir bitte keiner, meine Bücher wären "lieblicher", dem ist nicht so.

In meinen Augen wird da sehr viel falsch geprägt und gestempelt und diese Stempel verschaffen wieder einen verfälschten Eindruck. Das ist sehr ärgerlich, aber man kommt dagegen einfach nicht an.

 

 

PS: Nina Georges erster (?) großer Bestseller "Die Mondspielerin" sah übrigens noch SEHR feminim und lieblich aus. (Das Cover passte allerdings auch gut zum Buch.)

edit: Nochmal drüber geschaut. Doch, Nina Georges Romane schauen schon aus wie die von Christa als "von Frauen für Frauen" geschriebenen Bücher.


Bearbeitet von JenniferB, 06.12.2018 - 19:51,


#27
Christa

Christa
  • 8.187 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

 

Ja, aber eine Juli Zeh, eine Eva Menasse und eine Inger-Maria Mahlke findest Du da nicht, Christa. Und eine Nina George auch nicht. Um nur vier von vielen zu nennen.

 

Herzlich,

Tom

 

PS: Nina Georges erster (?) großer Bestseller "Die Mondspielerin" sah übrigens noch SEHR feminim und lieblich aus. (Das Cover passte allerdings auch gut zum Buch.)

edit: Nochmal drüber geschaut. Doch, Nina Georges Romane schauen schon aus wie die von Christa als "von Frauen für Frauen" geschriebenen Bücher.

 

Habe mir die Cover der drei Autorinnen auch mal angeguckt, Jenny. Bei Nina George Lavendelblüten, eine Frau von hinten und eine Frauenhand, die einen Blumenstrauß ordnet. Sind edel gemacht, aber "frauenansprechend." Bei den anderen auch kunstvoll und neutraler.

 

@Tom: Ich muss Juli Zeh und Inger-Maria Mahlke nicht suchen, weil sie mir von Sondertischen und Bestsellerregalen entgegenschauen.


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#28
Wolf

Wolf
  • 635 Beiträge
  • Dabei seit 21.10.08
Das fängt wahrscheinlich sogar schon bei den Verlagen an, denen ich manchmal zurufen möchte: Ordnet nicht immer den rosa Gefühlskram einer Autorin zu! Es hängt alles mit allem zusammen; man kann die Schuldfrage weder an die Frauen noch an die männlichen Redakteure weiterdelegieren.

Ich glaube, dass diese Worte eine belastbare Tatsache ansprechen, denn wenn ich durch eine Buchhandlung gehe und die rosa und himmelblauen Einbände mit den Blümchen sehe, weiß ich: Aha, das ist Lesefutter von Frauen für Frauen!

 

Nur zwei kurze Bemerkungen von mir.

In meinen Augen gibt es gar keine Schuldfrage. Höchstens Ursachen. Und ich möchte auch ungern über eine mögliche Schuld debattieren, weil ich immer noch annehme, dass es sich um ein Systemversagen handelt.

 

Und die zweite Bemerkung? Ich lese gerade "Ich war Diener im Hause Hobbs. Habe ich wahrscheinlich wegen einer Rezension bestellt. Ich kann mich aber nicht mehr daran erinnern, ob der Rezensent männlich oder weiblich war. Der Autor ist jedenfalls eine Autorin.

Was mich zu einer alten Frage bringt. in welchen Genres sind Autoren und Autorinnen eigentlich unterwegs. Beim literarischen Schreiben hatte ich nie den Eindruck, dass die Damen schlecht wegkommen. Bei Jugendliteratur habe ich den Eindruck, dass die Damen heute aktiver sind, als in meiner Jugendzeit (Ausnahme Enid Blyton) und dort vorwiegend für junge Damen schreiben. Aber da kann ich mich auch irren. Das ist reines Bauchgefühl. Liebesromane von Männern kenne ich nicht. Krimi? Mehr männliche als weibliche Autoren. vielleicht 2:1 das Verhältnis?

Oder anders formuliert: Welche Genres erhalten überhaupt Rezensionen. Und wie sind die Damen in diesen Genres vertreten. Dann könnte ich die zahl der  Rezensionen mit der Zahl der Publikationen vergleichen und wüsste endlich mehr. vielleicht ist die Situation gar nicht so katastrophal, wie sie aussieht.

 

Liebe Grüße

Wolf



#29
Christa

Christa
  • 8.187 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

 

Ja, aber eine Juli Zeh, eine Eva Menasse und eine Inger-Maria Mahlke findest Du da nicht, Christa. Und eine Nina George auch nicht. Um nur vier von vielen zu nennen.

 

Herzlich,

Tom

 

Tja, wie machen sie das - was machen sie richtig?

Ich habe den Verlagen regelmäßig Jugendbücher verkauft - unisex - für Jungs und Mädchen, für junge Männer und Frauen. Und wurde permanent in rosa, mit scheiß rumfliegenden Herzchen oder in Blümchentapete verpackt (was zu irritierten Rezensionen führte).

"Der Vertrieb möchte mit Ihrem Buch Leserinnen ansprechen."

 

Noch etwas zu deiner Frage, Jenny. Es geht wohl nicht um das, was man richtig oder falsch machen könnte. Mit Büchern, bei denen die Verlage es "richtig" machen, sollen nicht nur Frauen angesprochen werden. Ich habe mal ein Buch von Juli Zeh gelesen. Adler und Engel. Und ich erinnere mich, dass es eine enorme psychologische Spannung hatte. Neujahr mit dem Skarabäus auf dem Cover scheint auch solch ein Thema zu haben: ein Thriller über einen Mann, der während eines Aufenthaltes auf Lanzarote auf ein erschütterndes Geheimnis aus der Vergangenheit stößt. Werde ich gern lesen.


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#30
Christa

Christa
  • 8.187 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Wolf:

Liebesromane von Männern kenne ich nicht. Krimi? Mehr männliche als weibliche Autoren. vielleicht 2:1 das Verhältnis?

Oder anders formuliert: Welche Genres erhalten überhaupt Rezensionen. Und wie sind die Damen in diesen Genres vertreten. Dann könnte ich die zahl der  Rezensionen mit der Zahl der Publikationen vergleichen und wüsste endlich mehr. vielleicht ist die Situation gar nicht so katastrophal, wie sie aussieht.

 

Weiß ich eigentlich alles nicht. Liebesromane von Männern: Liebe ist überall mit drin. Der einzige "Liebesroman" eines Mannes, der mir einfällt, war "Ungefähre Landschaft" von Peter Stamm, aber da war die Liebe nicht emotional, sondern so ungefähr wie der Titel des Buches. Rezensionen erhalten so gut wie alle Bücher, fragt sich nur wo. Im Feuilleton sind eher E-Bücher angesagt, alle anderen kriegen überall Rezensionen. Sei es bei Amazon, im DB-Journal, in der Lokalzeitung. Und natürlich gibt es auch noch unseren Denis Scheck. Und so weiter.


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#31
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 6.222 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

 

 

 

PS: Nina Georges erster (?) großer Bestseller "Die Mondspielerin" sah übrigens noch SEHR feminim und lieblich aus. (Das Cover passte allerdings auch gut zum Buch.)

edit: Nochmal drüber geschaut. Doch, Nina Georges Romane schauen schon aus wie die von Christa als "von Frauen für Frauen" geschriebenen Bücher.

 

 

Auf jeden Fall. Und die lesen sich auch so. Deshalb halte ich sie nicht für die qualifizierteste Fürsprecherin zu diesem durchaus ernsten Thema. Denn sie bedient ja gerade das Klientel, das gerne süße Frauenliteratur konsumiert.


Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


#32
(Mascha)

(Mascha)


Eine große Gruppe von Frauen, die Familie und Haushalt aus welchen Gründen auch immer im Zentrum ihres Lebens stehen hat

Haushalt verstünde ich noch, aber wie kann man nur die Familie in das Zentrum des Lebens stellen? Wenigstens machen Männer so etwas nicht.

:-D

Bearbeitet von Mascha, 06.12.2018 - 22:33,


#33
(Mascha)

(Mascha)

Nu, Familie und Haushalt ist auch harte Arbeit. Leider mies bezahlt und leider nicht nur deshalb ohne die angemessene Reputation.


Das wollte ich auch anbringen. Haushalt besteht auch noch überwiegend aus repetitiven, langweiligen und körperlich anstrengenden Aufgaben.

#34
(Mascha)

(Mascha)

Klang für mich auch ironisch :).

Ich grüble noch, woran es liegen mag, dass Männer bevorzugt Bücher von Männern lesen und rezensieren. Die meisten Männer, die ich kenne, sind korrekte Typen, keiner von denen würde aktiv und bewusst hingehen und eine Frau unterdrücken oder ihr schlechtere Chancen einräumen als Männern. Ich hab auf meinem Weg schon wunderbare Unterstützung von Menschen beider Geschlechter bekommen. Und doch scheint es eine messbare Realität, dass Männer mit Büchern von Männern (zumindest im Rezensionsbereich der "Literatur") offenbar mehr anfangen können.

Vielleicht, nur vielleicht und rein hypothetisch, gibt es tatsächlich subtile, nuancielle Unterschiede in Wahrnehmung und Weltsicht. Ob die jetzt genetisch oder sozialisiert sind, sei dahingestellt, ich tippe auf Letzteres, aber letztlich wird man das unter Praxisbedingungen nie abschließend messen können. Also ist es für die Alltagsrealität an dieser Stelle nicht relevant. Auf jeden Fall vermute ich immer wieder, dass es diesen Unterschied (ganz wertfrei) tatsächlich gibt. Mir ist nämlich mal aufgefallen, dass ich mich in Büchern (intelligenter) Frauen, die sich auch an ein des Denkens fähiges Publikum richten, instinktiv wohler fühle. Damit sind jetzt keine Millionärsromanzen gemeint! Aber irgendwie spüre ich da auf irgendeiner subtilen, tiefen Ebene oft etwas mehr Resonanz und Empathie mit den Figuren.

Keine Ahnung, woran das liegt. Ich habe Hypothesen, aber ... letztlich sind sie nur das. Keine Beweise.

Ich lese auch gern männliche Autoren, wenn sie gut genug sind, wenn sie das gewisse Etwas haben, was mich über dieses subtilen fehlenden Empathiefaktor hinwegsehen lässt, aber ... Keine Ahnung. Die haben es oft etwas schwerer, in mir diese subtile Resonanz auszulösen. Vielleicht, und hier wird es jetzt wirklich sehr hypothetisch, weil Männer durch jahrhundertelange Trennung von ihren Familien fürs Berufsleben so sozialisiert wurden, dass sie einen Teil ihrer Bindungsfähigkeit zu anderen Menschen unterdrücken mussten. Wie sonst hätten sie es ertragen sollen, jeden Morgen die geliebte Frau und die geliebten Kinder allein zu lassen, um sich mit blöden Idioten im Berufsleben herumzuärgern - oder sich für König, Volk und Vaterland in fremden Ländern erschießen zu lassen? Vielleicht erzählen Geschichten von Männern auf subtiler Ebene immer ein wenig von diesem generationenlangen Kampf um Autonomie und Abspaltung der Bindung zu anderen Menschen und der Sehnsucht danach, diese Bindung wiederzufinden oder ohne sie leben zu können.

Das ist wirklich nur eine Hypothese, für die ich keine nachweislichen Belege habe, und das Gefühl ist so subtil und fragil, dass es jederzeit zurecht infrage gestellt werden kann. Und trotzdem frage ich mich, ob es möglich ist, dass Männer und Frauen auf einer sehr, sehr tiefen, subtilen und unbewussten Ebene einfach von anderen Realitätsfacetten erzählen.
Wenn es so ist, ob es jetzt an dem liegt, was ich mir zusammengereimt habe, oder an etwas anderem, dann würde das auch erklären, warum männliche Rezensenten vielleicht in einem leicht überdurchschnittlichen Buch eines Mannes immer noch mehr Resonanz und Gefallen finden als in einem weit überdurchschnittlich guten Buch einer Frau. Nicht aus böser Absicht, sondern weil es sich wirklich einfach besser, tiefer, wahrer anfühlt und im Geist mehr Türen öffnet.
Was da helfen könnte (wenn es denn so ist)?

Keine Ahnung. Vielleicht mehr ehrliche Neugierde für das, was auf der anderen Seite der Genderbarriere liegt, um davon zu lernen? Nicht, weil die anderen doof sind, sondern weil sie auch Menschen sind und Männer und Frauen durch die alten Rollen gleichermaßen eingeschränkt und um einen Teil ihres Menschseins gebracht wurden?

Vor allem mehr weibliche Literaturkritikerinnen würden da helfen. :-) Zumindest, was die Sichtbarkeit angeht.

Bearbeitet von Mascha, 06.12.2018 - 22:40,


#35
(Mascha)

(Mascha)

Ich lese auch gern männliche Autoren, wenn sie gut genug sind, wenn sie das gewisse Etwas haben, was mich über diesen subtilen fehlenden Empathiefaktor hinwegsehen lässt


Ich hatte eine lange Antwort auf diesen Unsinn verfasst, aber ich glaube nicht, dass Leute, die so etwas äußern, Argumenten gleich welcher Art zugänglich sind.

Tschüss.

Tom
Ich mag jetzt nicht extra auf meinen Mod-Account umschalten: Bitte bleibt respektvoll und setzt die Beiträge anderer nicht herab.
Wenn man anderer Meinung ist, kann man das auch höflich formulieren.

Edit: Gerade gesehen, dass Tom sich schon entschuldigt hat. Freut mich!

Bearbeitet von Mascha, 06.12.2018 - 22:59,


#36
(Mascha)

(Mascha)
Ich weiß nicht, ob das ein sinnvoller Diskussionsbeitrag ist, aber ich lese männliche Autoren genauso gerne wie weibliche und finde gleichermassen psychologische Einsicht und Gefühl. Und wenn ich ehrlich bin, sind meine Lieblingsautoren mehrheitlich männlich. Die weibliche Sicht kenne ich selbst, daher interessiert mich die männliche mehr — vielleicht eine Erklärung oder auch nicht. Ich weiß es nicht. Aber Hemingway und James Salter sind mir genauso heilig wie Katherine Mansfield und Virginia Woolf, und ich lese genauso gerne China Mieville wie Otessa Moshfegh.

#37
(Mascha)

(Mascha)

PS: Nina Georges erster (?) großer Bestseller "Die Mondspielerin" sah übrigens noch SEHR feminim und lieblich aus. (Das Cover passte allerdings auch gut zum Buch.)
edit: Nochmal drüber geschaut. Doch, Nina Georges Romane schauen schon aus wie die von Christa als "von Frauen für Frauen" geschriebenen Bücher.

 
Auf jeden Fall. Und die lesen sich auch so. Deshalb halte ich sie nicht für die qualifizierteste Fürsprecherin zu diesem durchaus ernsten Thema. Denn sie bedient ja gerade das Klientel, das gerne süße Frauenliteratur konsumiert.

Ulf, ich denke, es geht nicht darum, eine geschlechtslose Literatur zu schaffen, sondern darum, dass auch die weibliche Sicht (was das auch sein mag), ebenso präsent sein sollte wie die männliche.

Auf das Coverdesign hat Nina wahrscheinlich ähnlich geringen Einfluss wie wir alle. Werde sie bei Gelegenheit mal fragen. Interessant ist auf jeden Fall, dass die Motive automatisch weiblich konnotiert werden. Warum eigentlich?

#38
Tom Liehr

Tom Liehr
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Davon abgesehen hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Außerdem kam diese eigentümliche Forderung, eine bestimmte Literatur für eine bestimmte Zielgruppe mit einer bestimmten Ausstattungslinie doch bitteschön zurückzudrängen, nicht von Nina George, sondern hier aus dem Forum. Warum man eine sinnvolle Freiheit beschneiden muss, um eine andere durchzusetzen, leuchtet mir jedenfalls nicht ein. Und selbstverständlich beschneidet die Tatsache, dass man selbst Genre macht, nicht das Recht, für etwas einzutreten, was auch immer das ist. Wobei Nina eben nicht dafür eintritt, diese Form von Literatur zurückzudrängen. Sondern schlicht für mehr Chancengleichheit in dieser Branche allgemein.

 

(@Mascha: Am Rande. Zur Macht eines Moderators gehört es auch, eine Ermahnung löschen zu können, die sich als überflüssig erwiesen hat. Und wo wir schon bei Moderation sind - waren Fullquotes ergänzt um Smiley oder zustimmenden Halbsatz hier nicht eigentlich auch verpönt? ;))

 

Herzlich,

Tom


Bearbeitet von Tom Liehr, 07.12.2018 - 08:04,

Website · Facebook · Oktober 2016: "Landeier" (Rowohlt)


#39
(Mascha)

(Mascha)

Davon abgesehen hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Außerdem kam diese eigentümliche Forderung, eine bestimmte Literatur für eine bestimmte Zielgruppe mit einer bestimmten Ausstattungslinie doch bitteschön zurückzudrängen, nicht von Nina George, sondern hier aus dem Forum. Warum man eine sinnvolle Freiheit beschneiden muss, um eine andere durchzusetzen, leuchtet mir jedenfalls nicht ein. Und selbstverständlich beschneidet die Tatsache, dass man selbst Genre macht, nicht das Recht, für etwas einzutreten, was auch immer das ist. Wobei Nina eben nicht dafür eintritt, diese Form von Literatur zurückzudrängen. Sondern schlicht für mehr Chancengleichheit in dieser Branche allgemein.
 
(@Mascha: Am Rande. Zur Macht eines Moderators gehört es auch, eine Ermahnung löschen zu können, die sich als überflüssig erwiesen hat. Und wo wir schon bei Moderation sind - waren Fullquotes ergänzt um Smiley oder zustimmenden Halbsatz hier nicht eigentlich auch verpönt? ;))
 
Herzlich,
Tom


Wie geschrieben hatte ich keine Lust, extra auf meinen ModßAccount umzuschalten. Jetzt kann ich den Post nicht mehr löschen, da du in deinem Post darauf eingegangen bist und die Leute dann nicht mehr wüsste, worauf es sich bezieht. :-) Die Erinnerung, freundlich zu bleiben, schadet aber niemandem, denke ich. Und gilt natürlich für alle.

Keine Ahnung, ob Quotes mit Smileys verpönt sind. Steht das in den Forenregeln? Jedenfalls wird das ständig gemacht und ich persönlich habe damit kein Problem.

#40
JenniferB

JenniferB
  • 2.632 Beiträge
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Auf jeden Fall. Und die lesen sich auch so. Deshalb halte ich sie nicht für die qualifizierteste Fürsprecherin zu diesem durchaus ernsten Thema. Denn sie bedient ja gerade das Klientel, das gerne süße Frauenliteratur konsumiert.

 

 

Und was daran disqualifiziert sie nun?
Ist das nicht genau der Punkt? Frauen werden erst dann (langsam) ernst(er) genommen, wenn sie "maskuliner" schreiben?

Ist "maskuliner" anspruchsvoller? Besprechungswürdiger? Mehr wert?