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Interview mit Nina George über Männer und Frauen im Literaturbetrieb


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260 Antworten zu diesem Thema

#41
DorisC

DorisC
  • 1.509 Beiträge
  • Dabei seit 25.07.11

Kurzer Schlaumeier-Zwischenruf: Klar gibt es männliche Liebesromanautoren!

Spontan fallen mir z.B. die hypererfolgreichen Bestsellergaranten Nicholas Sparks (USA), Marc Levy (Frankreich) oder Graeme Simsion (Australien) ein, deren deutsche Cover ebenfalls überwiegend süßlich aussehen. Wie sich die Marketingfuzzies in den Verlagen ihre Zielgruppe eben so vorstellen …


MAROKKO-SAGA bei Blanvalet: Das Leuchten der Purpurinseln,  Die Perlen der Wüste,  Das Lied der Dünen.

Neu Dez. 2017: DIE WOLKENFRAUEN


#42
JenniferB

JenniferB
  • 2.479 Beiträge
  • Dabei seit 17.01.11

 

Bei Jugendliteratur habe ich den Eindruck, dass die Damen heute aktiver sind, als in meiner Jugendzeit (Ausnahme Enid Blyton) und dort vorwiegend für junge Damen schreiben. Aber da kann ich mich auch irren. Das ist reines Bauchgefühl. Liebesromane von Männern kenne ich nicht.

 

 

Sie schreiben nicht vorwiegend für junge Damen. Sie werden so eingespurt oder vermarktet.

Liebesromane von Männern sind deutlich weniger, das stimmt, wobei ich auch weiß, dass im deutschsprachigen Bereich da sehr zögerlich reagiert wird und die Verlage da schnell mit einem Pseudonym (weiblich) bei der Hand sind. Ich verstehe nicht recht warum, denn Nicholas Sparks, John Green oder Guillaume Musso sind mega erfolgreiche Liebesromanautoren.

 

edit: Überschnitten mit Doris :)


Bearbeitet von JenniferB, 07.12.2018 - 09:14,


#43
AndreasE

AndreasE
  • 2.134 Beiträge
  • Dabei seit 01.04.07

Vor allem mehr weibliche Literaturkritikerinnen würden da helfen. :-)

 

Wobei männliche Literateraturkritikerinnen sowieso eher selten sind …  ;)



#44
Christa

Christa
  • 7.884 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Kurzer Schlaumeier-Zwischenruf: Klar gibt es männliche Liebesromanautoren!

Spontan fallen mir z.B. die hypererfolgreichen Bestsellergaranten Nicholas Sparks (USA), Marc Levy (Frankreich) oder Graeme Simsion (Australien) ein, deren deutsche Cover ebenfalls überwiegend süßlich aussehen. Wie sich die Marketingfuzzies in den Verlagen ihre Zielgruppe eben so vorstellen …

 

Wie soll man sich eine süßliche Zielgruppe denn vorstellen? Mit Blümchenkleidern? ;)  :)


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#45
Wolf

Wolf
  • 511 Beiträge
  • Dabei seit 21.10.08

Noch mal kurz zu Nina George.

 

Seit ich über die Mondspielerin gestolpert bin, lese ich alle ihre Bücher. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass sie Liebesromane schreibt. Für mich haben ihre Bücher mehr mit Selbstfindung zu tun. Und dass da die Liebe eine Rolle spielen kann (spielt), stört mich nicht, steigert aber auch nicht mein Interesse. Ich könnte aber durchaus verstehen, dass andere Leser ihre Romane als Liebesromane betrachten. Und so ganz nebenbei. Ihr Buch "Schönheit der Nacht" hat mich umgehauen. Bei der Frage "Warum?" konnte ich dann entdecken, dass es der Autorin gelungen war, den einen oder anderen Knopf bei mir zu drücken. Schon lange nicht mehr passiert!

 

Übrigens, noch so ganz nebenbei. Hört endlich auf, Autoren und deren Bücher zu beschreiben und zu empfehlen. Meine Kaufliste wird länger und länger und das ganze Zeug will dann ja auch gelesen werden. Hilfe! ;D

 

Liebe Grüße

Wolf

(schreibt nur Fantasy, liest aber leider fast alles)



#46
Hanna Aden

Hanna Aden
  • 536 Beiträge
  • Dabei seit 03.12.15

 

 

Auf jeden Fall. Und die lesen sich auch so. Deshalb halte ich sie nicht für die qualifizierteste Fürsprecherin zu diesem durchaus ernsten Thema. Denn sie bedient ja gerade das Klientel, das gerne süße Frauenliteratur konsumiert.

 

 

Und was daran disqualifiziert sie nun?
Ist das nicht genau der Punkt? Frauen werden erst dann (langsam) ernst(er) genommen, wenn sie "maskuliner" schreiben?

Ist "maskuliner" anspruchsvoller? Besprechungswürdiger? Mehr wert?

 

 

Danke für diese Anmerkung, Jenny. Über das Wort süß, süßlich bin ich gestern auch gestolpert und habe gestern im Bett lange darüber nachgedacht. Je nach Kontext kann es ein Kompliment sein (wenn Babyfotos oder Katzen betrachtet werden) oder etwas anderes bedeuten. Was ist grundsätzlich schlimm daran, wenn Menschen m/f Gefallen daran finden, in eine Welt voller Abenteuer abzutauchen, in der manche emotionalen Dinge süßer sind als im realen Leben? Ist das besser oder schlimmer, als wenn Menschen m/f in Welten abtauchen, die abenteuerlicher und gefährlicher sind und physischere Heldentaten erfordern als unser reales Leben?

 

In der Wirtschaft sagt man inzwischen: Leute, baut gemischte Teams, die haben immer bessere Ergebnisse als reine Männer- oder reine Frauenteams. Der Blickwinkel scheint sich tatsächlich nuanciell zu unterscheiden, und die Lösung ist ganz offenbar nicht, dass Frauen jetzt die besseren Männer oder Männer die besseren Frauen werden. Die Lösung ist genausowenig, Männer und Frauen auf die Rollen zu beschränken, auf die sie jahrhundertelang beschränkt wurden. Offenbar bereichert es die Gruppe und ihre Ergebnisse, wenn Männer in ihrer ganzen individuellen Komplexität und Frauen in ihrer ganzen individuellen Komplexität zusammenarbeiten.

 

Ein Wort, dass ich im Rahmen einer solchen Diskussion ehrlich gesagt genauso wenig mag wie "süßlich", ist "Unterdrückung". Vor der Einführung der Demokratie war Unterdrückung allgemein recht verbreitet, und eine adelige oder auch eine bürgerliche Frau war in vielen Fällen weit weniger unterdrückt als ein Mann aus der Arbeiterklasse. Unterdrückung in historischen Kontexten ist ein unglaublich spannendes Diskussionsfeld, zu dem sich total viel sagen ließe - aber ich mag es trotzdem nicht in Zusammenhang mit Genderfragen der Gegenwart.

 

Ich halte das Wort "Einschränkung" für konstruktiver, weil es anerkennt, dass Frauen (nicht zuletzt durch die Biologie der Fortpflanzung) tatsächlich primär auf die geschütztere Rolle des Hauses beschränkt wurden, wo ihr niemand versehentlich beim Aufbauen einer Scheune einen Balken in den vielleicht schwangeren Bauch rammte. Diese Aufteilung kommt noch aus einer Zeit, in der solche biologischen Zwänge tatsächlich das Leben aller Menschen beeinflussten. Männer wurden in ihrer Rolle genauso eingeschränkt - die durften nämlich nicht zu Hause bleiben und Zeit mit ihren Kindern verbringen.

 

Für mich ist es nicht zielführend, darüber zu diskutieren, welche Einschränkung jetzt aus heutiger Sicht die schlimmere ist. Es hat in der Vergangenheit für Männer und Frauen Einschränkungen gegeben, welche Rollen und Lebensbereiche erlaubt waren und aus welchen man sich fernzuhalten hatte. Die Gegenwart erlaubt uns, diese Einschränkungen aufzuheben.

Ich denke, der spannende Gedanke (den ich in dem Interview zu lesen geglaubt habe) ist, dass Literatur immer so etwas wie ein Spiegel der Gesellschaft ist. Das, was wir schreiben, wird durch die Gesellschaft geformt, in der wir leben. Es wird gelesen, reflektiert, und vielleicht tragen unsere Geschichten hier und da ein klein wenig dazu bei, neue Gedanken zu formen oder alte Gedanken zu verändern. "A culture cannot evolve without honest, powerful storytelling", schreibt Robert McKee. Geschichtenerzählen ist so viel mehr als nur Träumen, Eskapismus und ein paar Stunden zum Abschalten! Es ist ein Teil, der Kultur, in der wir leben und die wir jeden Tag durch unser Sein und Verhalten miterschaffen, auch ohne die Bücher, die wir schreiben.

 

Wenn man den Gedanken aus der Wirtschaft, dass gemischte Teams bessere Ergebnisse erbringen, auf die Literatur und ihre Rolle bei der Gestaltung der Gesellschaft überträgt, dann ergibt sich daraus, dass der weibliche Blick in der Literatur genauso relevant ist wie der männliche und genauso viel Gewicht auch in der Rezeption bekommen sollte. Nicht, um als Frau weniger "süßlich" zu sein, nicht, damit Männer weniger "kalt" schreiben, sondern einfach ... weil beides ein Teil vom Menschsein ist.

Mascha schreibt etwas von Neugier auf die andere Seite. Das finde ich einen schönen Gedanken. Ich bin neugierig. Aber ich mag auch meine eigene "Seite" sehr gern.


Bearbeitet von Hanna Aden, 07.12.2018 - 10:36,


#47
Margot

Margot
  • 2.201 Beiträge
  • Dabei seit 10.09.10

Ich habe mal kurz meine Kolleginnen und Kollegen (fünf Frauen und fünf Männer) bei der Arbeit gefragt, was sie lesen und ob es für sie eine Rolle spielt, ob ein Mann oder eine Frau das Buch geschrieben hat. Fazit:

 

  • Alle Frauen sagten, dass es ihnen vollkommen egal sei, wer ein Buch schreibt, es müsse ihnen einfach gefallen. Auf die Frage, ob sie den Unterschiede zwischen den Schreibstilen sehen, haben alle gesagt, darüber hätten sie noch nie nachgedacht.
     
  • Alle Männer sagten, sie würden nur Bücher (wenn überhaupt) von männlichen Autoren lesen. So Pilcher-Zeugs interessiere sie nicht. Dabei haben sie sich gleichzeitig bei mir entschuldigt. Offenbar schreibe ich eben Pilcher-Zeugs. ;D Die Frage nach den Unterschieden hat sich daher bereits erledigt. Einer gab aber zu, dass er mal einen Roman von P. D. James gelesen hat. Er habe nur aufs Cover geschaut und nicht gewusst, dass es sich um eine Autorin handelt. Er wusste aber nicht mehr, ob er ihm gefallen hat. ^^


#48
Hanna Aden

Hanna Aden
  • 536 Beiträge
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  • Alle Männer sagten, sie würden nur Bücher (wenn überhaupt) von männlichen Autoren lesen. So Pilcher-Zeugs interessiere sie nicht. Dabei haben sie sich gleichzeitig bei mir entschuldigt. Offenbar schreibe ich eben Pilcher-Zeugs. ;D Die Frage nach den Unterschieden hat sich daher bereits erledigt. Einer gab aber zu, dass er mal einen Roman von P. D. James gelesen hat. Er habe nur aufs Cover geschaut und nicht gewusst, dass es sich um eine Autorin handelt. Er wusste aber nicht mehr, ob er ihm gefallen hat. ^^

 

 

Also braucht es eine Offensive für mehr Neugier auf weibliche Blickwinkel bei den Männern? ;D



#49
Christa

Christa
  • 7.884 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Alle Frauen sagten, dass es ihnen vollkommen egal sei, wer ein Buch schreibt, es müsse ihnen einfach gefallen. Auf die Frage, ob sie den Unterschiede zwischen den Schreibstilen sehen, haben alle gesagt, darüber hätten sie noch nie nachgedacht.

 

  • Alle Männer sagten, sie würden nur Bücher (wenn überhaupt) von männlichen Autoren lesen. So Pilcher-Zeugs interessiere sie nicht. Dabei haben sie sich gleichzeitig bei mir entschuldigt. Offenbar schreibe ich eben Pilcher-Zeugs. ;D Die Frage nach den Unterschieden hat sich daher bereits erledigt. Einer gab aber zu, dass er mal einen Roman von P. D. James gelesen hat. Er habe nur aufs Cover geschaut und nicht gewusst, dass es sich um eine Autorin handelt. Er wusste aber nicht mehr, ob er ihm gefallen hat.

 

Ich kenne auch einen -sehr bibliophilen - Mann, der nur Bücher von Männern liest. Sobald eine Umarmung oder ein Kuss auftauchen, ist das für ihn "Frauenzeugs". P.D. James ist schon wieder eine andere Kategorie. Da geht es nicht um Frauenzeugs, sondern um Krimis. In meiner Umgebung höre ich oft "Ich lese keine Krimis." Dabei fand ich zum Beispiel den "Saal der Mörder" so gut, dass ich ihn zweimal gelesen habe.


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#50
Tom Liehr

Tom Liehr
  • 933 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

Ich verstehe diese Beiträge nicht. Was hat denn das - möglicherweise existente - geschlechterspezifische Lese-, aber auch Schreibverhalten mit Chancenungleichheit oder Ungleichbehandlungen (u.a.) in der Buchbranche zu tun? Es ist doch in Ordnung, wenn irgendwelche Leute (überwiegend) keine romantischen Happyendromane lesen, ob das nun Männer, CDU-Wähler, fundamentalistische Christen oder chronisch Fußpilzerkrankte sind (oder Leute, auf die all diese Aspekte zutreffen). Und es ist genauso in Ordnung, wenn irgendwelche Leute (überwiegend) gerne solche Romane schreiben. Das sollte nicht den geringsten Einfluss auf eine davon völlig unabhängige Diskussion über Gleichberechtigung haben.

 

Und selbst wenn alle Frauen, die schreiben, von den vermeintlich männerdominierten Verlagen dazu geknechtet werden, überwiegend solche Bücher zu schreiben, fehlt mir noch der Hinweis auf jene Instanz, die die bücherkaufenden Frauen dazu knechtet, genau diese Bücher auch zu erwerben.

 

Herzlich,

Tom


Website · Facebook · Oktober 2016: "Landeier" (Rowohlt)


#51
Hanna Aden

Hanna Aden
  • 536 Beiträge
  • Dabei seit 03.12.15

 


Sobald eine Umarmung oder ein Kuss auftauchen, ist das für ihn "Frauenzeugs".

 

Boah, das ist doch übel! Umarmungen sind nahezu lebenswichtig. Durch sie wird Oxytocin ausgeschüttet, was Depressionen verhindert oder abmildert. Eine Krankheit, die bei Männern häufiger als bei Frauen tödlich endet, weil ihnen durch Sozialisierung eingeredet wurde, dass sie an Männlichkeit (und damit Menschlichkeit) verlieren, wenn sie Schwäche zeigen oder Hilfe suchen.

 

Ist eine solche Rolleneinschränkung nicht auch mega übel? Menschen brauchen Umarmungen und menschliche Nähe. Warum wird etwas so Wichtiges und Lebensverlängerndes als süßlich abgetan und Männern durch die Gesellschaft und Rollenerwartungen abgesprochen?

 

Finde ich nicht nur in der Literatur zum Kotzen.


Bearbeitet von Hanna Aden, 07.12.2018 - 11:08,


#52
Charlie

Charlie
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  • Dabei seit 02.09.05

 

 


Sobald eine Umarmung oder ein Kuss auftauchen, ist das für ihn "Frauenzeugs".

 Menschen brauchen Umarmungen und menschliche Nähe. Warum wird etwas so Wichtiges und Lebensverlängerndes als süßlich abgetan und Männern durch die Gesellschaft und Rollenerwartungen abgesprochen?

 

 

Sorry, aber wenn ich sowas lese, fühl' ich mich im Streichelzoo und möchte auf der Stelle flüchten. Männern wird da gar nichts durch die Gesellschaft und Rollenerwartungen abgesprochen, sondern Christa hat von einem Mann berichtet, der sowas nicht lesen möchte. Wieso darf der das nicht? Weil er sein tägliches Löffelchen Oxytocin verpassen könnte? Mich machen diese gängelnden Verallgemeinerungen krank. Ich möchte auch vom Krieg lesen. Und vom Krieg schreiben. Ich weiss nicht, was daran weniger emphatisch sein soll, als wenn zwei ihr Oxytocin austauschen. Vermutlich bin ich aus Versehen ein unempathischer Mann, hab die Familienphase verkorkst und hab's auch nach dem dritten Kind noch nicht bemerkt.


"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 


#53
Christa

Christa
  • 7.884 Beiträge
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Ich verstehe diese Beiträge nicht. Was hat denn das - möglicherweise existente - geschlechterspezifische Lese-, aber auch Schreibverhalten mit Chancenungleichheit oder Ungleichbehandlungen (u.a.) in der Buchbranche zu tun? Es ist doch in Ordnung, wenn irgendwelche Leute (überwiegend) keine romantischen Happyendromane lesen, ob das nun Männer, CDU-Wähler, fundamentalistische Christen oder chronisch Fußpilzerkrankte sind (oder Leute, auf die all diese Aspekte zutreffen). Und es ist genauso in Ordnung, wenn irgendwelche Leute (überwiegend) gerne solche Romane schreiben. Das sollte nicht den geringsten Einfluss auf eine davon völlig unabhängige Diskussion über Gleichberechtigung haben.

 

Und selbst wenn alle Frauen, die schreiben, von den vermeintlich männerdominierten Verlagen dazu geknechtet werden, überwiegend solche Bücher zu schreiben, fehlt mir noch der Hinweis auf jene Instanz, die die bücherkaufenden Frauen dazu knechtet, genau diese Bücher auch zu erwerben.

 

Das war der Grund, warum ich eigentlich gar nicht noch mal in so eine Diskussion einsteigen wollte. Die Gefahren des sich ständigen Wiederholens (bei den männerlesenden Männern waren wir nämlich schon öfter) und der Verzettelung sind zu groß.

 

Vielleicht nützt es was, wenn wir wieder zum Ausgangsinterview zurückgehen:

 

Nina George:

Und bei diesen Systemen wirken sowohl Männer als auch Frauen mit. Und das heißt: Auch Frauen und Männer können es aufbrechen. Wir brauchen mehr Männer, die sagen: Ich finde es albern, wenn auf den Blick von der Hälfte der Menschheit verzichtet wird. Ich möchte das weder für mich, noch für eine integre Gesellschaft, noch für meine Töchter.

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#54
Hanna Aden

Hanna Aden
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Ihr habt recht, Asche auf mein Haupt ;). Man kann sich zu leicht verzetteln. Der Beitrag, den ich davor geschrieben habe, mit den gemischten Teams, die bessere Ergebnisse bringen, und das vielleicht auch in Literatur und beim literarischen Blick auf die Welt tun, war eigentlich die Richtung, die mir wichtig war.



#55
Christa

Christa
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Sobald eine Umarmung oder ein Kuss auftauchen, ist das für ihn "Frauenzeugs".

 Menschen brauchen Umarmungen und menschliche Nähe. Warum wird etwas so Wichtiges und Lebensverlängerndes als süßlich abgetan und Männern durch die Gesellschaft und Rollenerwartungen abgesprochen?

 

 

Sorry, aber wenn ich sowas lese, fühl' ich mich im Streichelzoo und möchte auf der Stelle flüchten. Männern wird da gar nichts durch die Gesellschaft und Rollenerwartungen abgesprochen, sondern Christa hat von einem Mann berichtet, der sowas nicht lesen möchte. Wieso darf der das nicht? Weil er sein tägliches Löffelchen Oxytocin verpassen könnte? Mich machen diese gängelnden Verallgemeinerungen krank. Ich möchte auch vom Krieg lesen. Und vom Krieg schreiben. Ich weiss nicht, was daran weniger emphatisch sein soll, als wenn zwei ihr Oxytocin austauschen. Vermutlich bin ich aus Versehen ein unempathischer Mann, hab die Familienphase verkorkst und hab's auch nach dem dritten Kind noch nicht bemerkt.

 

Danke, Charlie.


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#56
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
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Auf jeden Fall. Und die lesen sich auch so. Deshalb halte ich sie nicht für die qualifizierteste Fürsprecherin zu diesem durchaus ernsten Thema. Denn sie bedient ja gerade das Klientel, das gerne süße Frauenliteratur konsumiert.

 

 

Und was daran disqualifiziert sie nun?
Ist das nicht genau der Punkt? Frauen werden erst dann (langsam) ernst(er) genommen, wenn sie "maskuliner" schreiben?

Ist "maskuliner" anspruchsvoller? Besprechungswürdiger? Mehr wert?

 

 

Nein, natürlich nicht. Und mit "maskuliner" schreiben hat das überhaupt nichts zu tun. Es gibt wunderbare Bücher von weiblichen Autoren, die besprechungswürdig sind. Aber Kitsch ist Kitsch, egal von wem, und nicht unbedingt besprechungswürdig. 


Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


#57
Tom Liehr

Tom Liehr
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Ja. Danke, Charlie. Vorurteile und Verallgemeinerungen. Und das bei diesem Thema. :(

 

Herzlich,

Tom


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#58
Christa

Christa
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Auf jeden Fall. Und die lesen sich auch so. Deshalb halte ich sie nicht für die qualifizierteste Fürsprecherin zu diesem durchaus ernsten Thema. Denn sie bedient ja gerade das Klientel, das gerne süße Frauenliteratur konsumiert.

 

 

Und was daran disqualifiziert sie nun?
Ist das nicht genau der Punkt? Frauen werden erst dann (langsam) ernst(er) genommen, wenn sie "maskuliner" schreiben?

Ist "maskuliner" anspruchsvoller? Besprechungswürdiger? Mehr wert?

 

 

Nein, natürlich nicht. Und mit "maskuliner" schreiben hat das überhaupt nichts zu tun. Es gibt wunderbare Bücher von weiblichen Autoren, die besprechungswürdig sind. Aber Kitsch ist Kitsch, egal von wem, und nicht unbedingt besprechungswürdig. 

 

Es muss nicht mal Kitsch sein. Manche Bücher sind einfach nicht besprechungswürdig.


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#59
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
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Ist eine solche Rolleneinschränkung nicht auch mega übel? Menschen brauchen Umarmungen und menschliche Nähe. Warum wird etwas so Wichtiges und Lebensverlängerndes als süßlich abgetan und Männern durch die Gesellschaft und Rollenerwartungen abgesprochen?

 

Finde ich nicht nur in der Literatur zum Kotzen.

 

 

Entschuldige Hanna, niemand (außer der Typ von Christa) hat etwas gegen Umarmungen oder menschlicher Nähe in der Literatur. Wie kommst du auf sowas? Ganz im Gegenteil. Jeder vernünftige Roman hat unter anderem mit menschlichen Gefühlen und menschlicher Nähe zu tun. Nicht alle enthalten Liebesgeschichten, meine zum Beispiel aber schon. Und ich schreibe die nicht in meine Stories, um auf weibliche Leser abzuzielen. Die gehören einfach mit zum Leben. Man kann wunderbar über Liebe schreiben, ohne in Kitsch abzudriften. Und mit "süßlich" ist eher Kitsch gemeint.


Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


#60
JenniferB

JenniferB
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Ma ja, komm, Charlie, und du schwärmst in den höchsten Tönen - und absolut zurecht - von einem Pierre Jarawan, der in seinem "Am Ende bleiben die Zedern" 450 Seiten lang nur über Gefühle schreibt. Über Heimat, Wurzellosigkeit, Suche nach seiner Quelle, Familie.

Ein unglaublich empathisches Buch, wurde gut besprochen, hat berechtigt ein paar Preise gewonnen. Und ich frage mich manchmal, ob eine Frau damit einen ähnlichen Erfolg verbucht hätte, oder ob es dann weniger "besprechungswürdig" erschienen wäre, weil oft angenommen wird, dass Frauen sowas mehr liegt; weil es weniger Erstaunen auslöst, wenn Frauen einen tollen gefühlslastigen Familienroman schreiben.

(Das sind nur Überlegungen, es ist schwer zu sagen, weil man nicht vergleichen kann.)

 

 

Aber Kitsch ist Kitsch, egal von wem, und nicht unbedingt besprechungswürdig.

 

Widerspruch!
Ich möchte hier mal Antonia Michealis' "Märchenerzähler" ins Rennen bringen. Jugendbuch, wurde aber über die Genregrenze hinaus besprochen, heftig diskutiert, hat ein paar Preise gewonnen.

Ist Kitsch. Das sagt Antonia selbst, und sie hat schon recht. Aber so großartig gemacht, dass erwachsene Menschen zitternd und "bitte nicht!" wimmernd und heulend vor den Seiten sitzen.
 

Und wenn wir jetzt mal schauen, was die Leute lesen und lieben, dann darf auch mal gefragt werden: Wenn so viele Menschen bestimmte Genre so sehr mögen - warum werden sie dann (abgesehen vom Blog "Kätzen-und-Romancebooks" oder "Thrillerfan-Organgemetzel") so wenig besprochen? Warum pickt keiner mehr die Perlen ausm Genre. Bei der riesigen Menge an Neuerscheinungen wäre es nötig.  Dafür bräuchte es eben ein breiteres Feld in der Literaturkritik, die bislang überwiegend aus älteren, weißen Männern besteht, die - das sagen zumindest die Zahlen - bevorzugt ältere, weiße Männer lesen.