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Einprägsame Nebenfiguren


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28 Antworten zu diesem Thema

#1
Sabine

Sabine
  • 1.148 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14
Ich arbeite gerade an einer Romanidee, bei der ziemlich am Anfang eine Nebenfigur einen kurzen Auftritt hat. Die Figur taucht später nochmal auf, aber ich befürchte, dass der Leser sie bis dahin wieder vergessen hat und sich fragen wird: Wer war das nochmal?
Ich müsste ihm also beim ersten Auftritt etwas Markantes verleihen, anhand dessen sich der Leser wieder erinnert, sobald er den Namen liest. Ein besonderes Aussehen wird vermutlich nicht reichen, wahrscheinlich wäre eine herausstechende Persönlichkeit sinnvoller. Die Figur ist männlich und verheiratet, mein Gedanke war, dass er seiner Frau gegenüber vielleicht recht herrisch ist. Merkt man sich eine Person mit einem solchen Verhalten?
Es wird sich später herausstellen, dass der Mann Dreck am Stecken hat, weshalb ich mich frage, ob ich ihn beim ersten Auftritt lieber positiv präsentiere (sodass der Leser später überrascht ist) oder doch ein wenig negativ (sodass der Leser sich sagt: bei dem wundert mich das nicht) – wie seht ihr das?
Habt ihr vielleicht einen Kniff, mit dem man eine Figur einprägsam macht? Oder erinnert ihr euch an Figuren aus anderen Büchern, die euch im Gedächtnis blieben, obwohl sie nur einmal aufgetaucht sind? Woran hat es gelegen?

#2
KerstinH

KerstinH
  • 353 Beiträge
  • Dabei seit 08.04.19
Vielleicht eine bestimmte Redewendung, anhand derer man den speziellen Charakterzug schon erahnen kann, egal, wo er die Wendung einsetzt? Vllt mit einem dialektalen Begriff oder einem grammatischen Fehler? ("Da werden Sie geholfen." Nicht ganz so plump natürlich.)

#3
Sebastian Niedlich

Sebastian Niedlich
  • 617 Beiträge
  • Dabei seit 03.02.15

Im Grunde sagst du ja schon selber, was er bräuchte. Du müsstest dich nur dazu entscheiden, was es konkret sein sollte.

 

Ich würde vielleicht nichts nehmen, was sich auf das Aussehen reduzieren lässt, weil dann wieder irgendwelche Leute von "fat-shaming" oder "ugly-shaming" oder was weiß ich sprechen. (Ich weiß gar nicht, warum man heutzutage nicht mehr sagen darf, wenn jemand dick oder fett ist. Ich bin selber dick und denke: "Ja, das ist nun mal ein auffälliges Merkmal.")

Denkbar wäre, dass du dem Mann einen Tick verpasst. Vielleicht zuckt er immer mit dem Mundwinkel. Oder er hat ein körperliches Gebrechen, hinkt vielleicht? (Obwohl, da regen sich dann auch wieder Leute auf, wenn der Dreck am Stecken hat.)

In einem meiner Bücher habe ich einen Nachbarn mal u.a. dadurch charakterisiert, dass er ständig allen Leuten Schnittchen anbot. Wenn ich dann später schrieb, dass irgendwo einer mit einem Stullenbrett rumrannte, wusste jeder, wer gemeint war.



#4
Dietmar

Dietmar
  • 885 Beiträge
  • Dabei seit 21.08.05

Ich würde mich, bei einer Nebenfigur, auf Äußerlichkeiten festlegen, die beim ersten Auftauchen der Figur auffallen, weil es etwas Seltenes und Unabänderliches sind. Mir fällt da Iris-Heterochromie ein. (https://de.wikipedia...s-Heterochromie).


Bearbeitet von Dietmar, 09.06.2019 - 12:06,


#5
Sabine

Sabine
  • 1.148 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14
Das mit der Redensart ist eine gute Idee. Aber ob das reicht? Es ist nämlich so, dass im Laufe des Romans ein paar Mal sein Name fallen wird, ohne dass er selbst in Erscheinung tritt. Deshalb müsste der Leser ihn bereits beim Nennen seines Namens in Erinnerung haben. Seine Frau wird dem Leser eher im Gedächnis geblieben sein, aber ihr Mann ist momentan bloß eine Randerscheinung.

Sebastian, ist das wirklich so, dass einige Leser dem Autor ankreiden, wenn er dicke Leute im Roman hat? Ich hab das immer wieder Mal, weil es das im echten Leben auch so ist. Da muss der Leser dann wohl durch :-D
Über einen Tick muss ich mal nachdenken.
Danke

#6
Sabine

Sabine
  • 1.148 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14

Ich würde mich, bei einer Nebenfigur, auf Äußerlichkeiten festlegen, die beim ersten Auftauchen der Figur auffallen, weil es etwas Seltenes und Unabänderliches sind. Mir fällt da Iris-Heterochromie ein. (https://de.wikipedia...s-Heterochromie).

Das ist ein tolles Merkmal!
Nur ob das reicht? Ich denke, dass es gut wäre, wenn der Leser mit der Figur eine Emotion verknüpft. Wenn man sich über jemanden ärgert, oder lachen muss, dann bleibt auch dessen Name vielleicht eher hängen.

#7
KerstinH

KerstinH
  • 353 Beiträge
  • Dabei seit 08.04.19
Bleibt dann der Name oder die Episode hängen? Und wie willst du dann später das Wiedererkennen hervorrufen? Vllt eher einen Ausdruck mit seinem Aussehen verknüpfen. Bsp: Er hilft seiner Frau bei irgendwas (positiv), beschimpft sie dabei aber kurzzeitig, "Mach hin, Triefnase!" und rennt aber selbst mit ner Säufernase rum. Das reflektiert ein Beobachter kurz, "Na, der Herr xy hat's grade nötig" - damit sind Name, Merkmal, Redensart verbunden (nur als Beispiel)
Oder Dietmars Vorschlag, und dann reflektiert kurz wer, dass er selbst mal einen Husky hatte, der auch zwei verschiedene Augen hatte, und der hieß yx, fast wie der xy ...

Bearbeitet von KerstinH, 09.06.2019 - 13:07,


#8
Sabine

Sabine
  • 1.148 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14
Kerstin, das könnte funktionieren! Mein Protagonist könnte dem Mann dann im Gedanken einen passenden Kosenamen geben. Und später wenn sein Name fällt, denkt er an den Kosenamen und der Leser erinnert sich wieder, wer gemeint war und hat sie Szene vor Augen.

#9
Holger

Holger
  • 1.096 Beiträge
  • Dabei seit 15.05.10

Der "David-Bowie-Effekt" :-) ist natürlich sehr einprägsam.

Wenn er später als Antagonist rüberkommt, würde ich ihn vorne als freundlich und hilfsbereit etablieren. Außer Du machst einen doppelten Twist, d. h. am Romananfang unsympathisch, dann revidiert man irgendwann später seine Meinung, weil er etwas sehr Sympathisches macht, was den ersten Eindruck (scheinbar) ins richtige Licht rückt, und am Ende ist er es dann doch.

Ich finde es immer "gefährlich", wenn die Leser schon mehr wissen / ahnen als die Ermittler (also, wenn einem das unterläuft - nicht, wenn das als bewusst als Suspense angewandt wird). Ich bin da aber auch extrem paranoid.

Schöne Grüße,

Holger



#10
Sabine

Sabine
  • 1.148 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14

Ich habe gerade nach David-Bowie-Effekt gegoogelt aber nichts gefunden. Ich nehme mal an, der Begriff kommt aus der Filmbranche.

Ich bin da leider genauso paranoid, Holger. Darum ist die Figur momentan auch noch so unscheinbar, zu unscheinbar. Das mit dem Doppel-Twist wäre bei mir dann auch so. Er wäre am Anfang unsympathisch und später kommt eine Szene, in der er für den Protagonisten etwas Gutes tut, nur weiß der Leser nicht, dass das Berechnung ist. Obwohl es nichts weltbewegendes ist, drum bezweifle ich ob der Leser denkt, dass er sich in ihm getäuscht hat.

Ich habe aber auch schon die Erfahrung gemacht, dass der Leser oft die netten Figuren im Thriller verdächtigt. Deshalb bin ich da so hin- und hergerissen.


Bearbeitet von Sabine, 09.06.2019 - 15:36,


#11
Holger

Holger
  • 1.096 Beiträge
  • Dabei seit 15.05.10

Ah, sorry, ich wollte Dich nicht verwirren - Bowie hatte zwei unterschiedliche Augenfarben. Ich hatte nur eine konkrete Person genannt, um Dietmars Idee zu veranschaulichen. Ich fand das immer sehr interessant an Bowie. Das war alles. Einen "Bowie-Effekt" gibt es nicht.

Schönen Sonntag,

Holger



#12
Sabine

Sabine
  • 1.148 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14

Ah, sorry, ich wollte Dich nicht verwirren - Bowie hatte zwei unterschiedliche Augenfarben. Ich hatte nur eine konkrete Person genannt, um Dietmars Idee zu veranschaulichen. Ich fand das immer sehr interessant an Bowie. Das war alles. Einen "Bowie-Effekt" gibt es nicht.

Schönen Sonntag,

Holger


Achso, stimmt, der hatte ja auch zwei Augenfarben. :-D

#13
Sebastian Niedlich

Sebastian Niedlich
  • 617 Beiträge
  • Dabei seit 03.02.15

*Schlaubi-Schlumpf-Mütze aufsetz*

David Bowie hatte nicht zwei Augenfarben. Er hatte eine Verletzung am Auge, die dafür gesorgt hat, dass die Pupille ständig erweitert war.

 

Wollte nicht klugscheißern, aber das wird halt oft falsch berichtet.

 

*Schlaubi-Schlumpf-Mütze absetz*



#14
Dagmar

Dagmar
  • 746 Beiträge
  • Dabei seit 05.05.07

Ein auffälliger Doppelname, der so gar nicht zu seiner äußeren Erscheinung passt?


Das Beste beim Diktieren ist, dass man Worte verwenden kann, von denen man keine Ahnung hat, wie sie geschrieben werden.


#15
MartinC

MartinC
  • 1.179 Beiträge
  • Dabei seit 10.06.13

Mir ist nicht klar, wie wichtig die Figur ist. Bei eher unwichtigen Figuren nehme ich i.d.R. ein äußeres Merkmal, das wird besser erinnert. (Habe übrigens kein Problem damit, jemanden als dick zu bezeichnen oder dürr oder hässlich wie eine Rübe.  Wer sich daran stört hat Pech gehabt. Besonders empfindlich sind die Leute, wenn man Hunde verunglimpft. Ich habe das Wort "Köter" verwendet - uih, da kamen böse Anmerkungen. :) ) Ist sie wichtiger, lasse ich der Figur mehr Raum und zeichne sie deutlicher, entwickle ihren Charakter. Dann muss sie aber auch öfters auftauchen. Grundsätzlich würde ich mit besonderen Merkmalen aber sparsam umgehen, sonst haben die Leser auch wieder das Problem, sich alle Merkmale zu merken.

 

LG

Martin


_______________________________________________________

www.martinconrath.de

Jede Art des Schreibens ist erlaubt - nur nicht die langweilige (Voltaire)


#16
Sabine

Sabine
  • 1.148 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14
Der Name für die Figur steht schon fest, Dagmar. Mir wäre auch die Gefahr zu groß, dass es ins Ulkige abdriftet.

@ Martin. Die Figur wird erst später wichtig. Zu viel Raum will ich ihr am Anfang deshalb nicht geben.
Ich habe auch kein Problem mit dicken Leuten und in meinen Romanen reißen sie mitunter auch Scherze über ihren Fettgehalt. Das mit dem Hund habe ich auch schon erlebt. Da gab es schon Abstriche, nur weil meine Prota zugab, dass sie sich nicht mit Hunden auskennt. Schon wurde behauptet, sie mag keine Hunde, was wiederum unsympathisch sei. *augenverdreh*

#17
UlrikeS

UlrikeS
  • 3.083 Beiträge
  • Dabei seit 15.06.10

Der Name für die Figur steht schon fest, Dagmar. Mir wäre auch die Gefahr zu groß, dass es ins Ulkige abdriftet.

@ Martin. Die Figur wird erst später wichtig. Zu viel Raum will ich ihr am Anfang deshalb nicht geben.
Ich habe auch kein Problem mit dicken Leuten und in meinen Romanen reißen sie mitunter auch Scherze über ihren Fettgehalt. Das mit dem Hund habe ich auch schon erlebt. Da gab es schon Abstriche, nur weil meine Prota zugab, dass sie sich nicht mit Hunden auskennt. Schon wurde behauptet, sie mag keine Hunde, was wiederum unsympathisch sei. *augenverdreh*

 

Man kann es sowieso nie allen recht machen ;-)

 

Die Gefahr einer Nebenfigur, die am Ende wichtig wird und nur am Anfang mal kurz auftaucht, sehe ich weniger im einprägsamen Namen oder der Art, wie sie die Nase rümpft, sondern damit, dass man sie vielleicht so sehen kann wie das berühmte Kaninchen, das am Ende aus dem Hut gezaubert wird. Vielleicht läge die Lösung auch darin, die Figur doch häufiger auftreten zu lassen.

 

Ohne deinen Plot zu kennen kann ich das aber nicht beurteilen, ist nur ein Denkanstoß :-)



#18
Sabine

Sabine
  • 1.148 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14
Ulrike, das ist eben auch meine Befürchtung, wenn ihn der Leser nicht mehr zuordnen kann. Ich habe auch schon oft darüber nachgedacht, wie ich ihn öfter in Erscheinung treten lassen könnte, aber ohne, dass es wie Zufall wirkt, was wiederum verdächtig wirkt, lässt es sich nicht bewerkstelligen. Sein Name fällt aber öfter und er hat später auch noch einen Auftritt, weshalb er dann eigentlich kein Kanninchen mehr ist, da er ja schon die ganze Zeit Bestandteil des Romans war. Ich glaub, der Leser brauch nur eine markante Szene, die er mit ihm verbinden kann.

#19
UlrikeS

UlrikeS
  • 3.083 Beiträge
  • Dabei seit 15.06.10

Ulrike, das ist eben auch meine Befürchtung, wenn ihn der Leser nicht mehr zuordnen kann. Ich habe auch schon oft darüber nachgedacht, wie ich ihn öfter in Erscheinung treten lassen könnte, aber ohne, dass es wie Zufall wirkt, was wiederum verdächtig wirkt, lässt es sich nicht bewerkstelligen. Sein Name fällt aber öfter und er hat später auch noch einen Auftritt, weshalb er dann eigentlich kein Kanninchen mehr ist, da er ja schon die ganze Zeit Bestandteil des Romans war. Ich glaub, der Leser brauch nur eine markante Szene, die er mit ihm verbinden kann.

 

Wenn sein Name häufiger fällt, ist das Problem ja eigentlich schon gelöst :-)

 

Und je interessanter der Name oder der Kontext, in dem dieser genannt wird, desto eher erinnert sich die LeserIn.

 

In diesem Fall würde ich für einen einprägsamen Namen plädieren.

Wenn in Gesprächen mehrmals "Herr Schmitt, du weißt schon, der mit dem Gesichtszucken" gesagt wird, ist das vielleicht zu auffällig ;-)



#20
Sabine

Sabine
  • 1.148 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14

Ich bin selber ganz schlecht in Namen merken, drum möchte ich da wahrscheinlich nicht drauf vertrauen, dass ein außergewöhnlicher Name automatisch unvergessen ist. Wenn ich darüber nachdenke, welche Figuren mir aus anderen Romanen im Gedächtnis blieben, sogar, wenn sie nur eine unbedeutende Nebenrolle hatten, dann waren es immer welche, die z.B. einen trockenen Humor hatten, der mich zum lachen brachte oder wenn sie etwas getan haben, das mir an Stelle des Protagonisten sauer aufgestoßen wäre. Aber diese Figuren hatten dann meistens eine bestimmte Funktion, z.B. Hausmeister oder Kindermädchen. Dann reichte die Nennung der Funktion und ich hatte bildlich vor Augen, wer gemeint war. Der Name allein hätte mir wahrscheinlich nichts genutzt. Bei meiner Figur wäre die Funktion Mann von Frau Soundso, nur muss ich da noch was mit verknüpfen, wo der Leser eine Emotion verspürt. Ich habe schon eine Idee, aber ich weiß noch nicht, ob die so zielführend ist - das werden mir dann aber vermutlich nur Testleser sagen können.