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Longlist Deutscher Buchpreis

Buchpreis 2019

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128 Antworten zu diesem Thema

#41
Christa

Christa
  • 8.922 Beiträge
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Ja, und Herkunft steht schon lange auf der Liste, von Stanisic habe ich zwei Bücher mit Begeisterung gelesen.

 

Und ja, das Zickzacken bei Miroloi fiel mir auch auf, too much, für meinen Geschmack. Bei allem anderen: erstmal grundsätzlich interessant. Aber mal sehen wie es sich entwickelt und mit welcher Figur wir es genau zu tun haben. Im Vorfeld allerhand schlechte Kritiken zu lesen, nordet natürlich auch negativ ein, deshalb bin ich froh, nur eine gelesen zu haben.

 

Inzwischen lese ich die Kritiken erst, wenn ich die jeweilige Leseprobe ganz gelesen habe. So ging es mir jetzt mit "Herkunft" und "Winterbienen". Die Bilder mit der strümpfigen Großmutter in der "Herkunft" (bei den 11 Jahren dachte ich, dass sie selbst das in dem Alter sei), dem Nudelholz, das sein Verhältnis zu Nudeln beeinträchtigte und dem "Arsch", der in "Gesäß" umgeschrieben wurde, sind gleich bei mir hängengeblieben.

 

Dann habe ich noch die ganze Leseprobe von "Winterbienen" gelesen, weil mich das Thema interessierte. Januar 1944, ein Mensch mit Epilepsie, der Juden über die Grenze half, und das mit den Bienen. Nach dem Zickzack von "Miroloi" ist mir der Stil erstmal voll reingelaufen. Aber immer wieder die Beschreibung des Bienenvolks. Da fragte ich mich dann, ob ich das ein Buch lang haben wollte, wenn es auch schön gemacht war und sicher eine Bedeutung für das Ganze hatte. Jetzt habe ich die kurzen Kritiken im LC gelesen und fand die positive über die "Herkunft" und einen Verriss der "Winterbienen".

 

Es ist sicher etwas oberflächlich, nur anhand von einer oder ein paar Seiten ein Urteil zu fällen. Deshalb bin ich schon auch gespannt, wer das Rennen letztendlich macht. Das mit den ab 14 Jahren bei Miroloi hatte ich schon gelesen.


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Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#42
CorneliaL

CorneliaL
  • 3.263 Beiträge
  • Dabei seit 04.10.09

Der 3. Teil von Malte Bremers Kurzkritiken ist da: https://www.literatu...preis-2019-3-5/ (P.S. Ich kann auch nicht verstehen, wieso kein Lektor Norbert Zähringer die ersten Absätze gestrichen hat. Das ist doch Anfängerwissen, oder?

 

LG Cornelia


Bearbeitet von CorneliaL, 29.08.2019 - 14:41,


#43
Angelika Jo

Angelika Jo
  • 3.298 Beiträge
  • Dabei seit 03.07.07

Danke Cornelia.

 

Was die zwiefach vertretene Mondlandung betrifft – mitsamt passgenauer Veröffentlichung im Jubiläumsjahr – das ist mir auch aufgefallen. 


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#44
Sebastian Niedlich

Sebastian Niedlich
  • 617 Beiträge
  • Dabei seit 03.02.15

Der 3. Teil von Malte Bremers Kurzkritiken ist da: https://www.literatu...preis-2019-3-5/ (P.S. Ich kann auch nicht verstehen, wieso kein Lektor Norbert Zähringer die ersten Kapitel gestrichen hat. Das ist doch Anfängerwissen, oder?
 
LG Cornelia

 

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#45
KarinKoch

KarinKoch
  • 477 Beiträge
  • Dabei seit 07.10.17

Ich mag die Art und Weise, wie Malte Bremer die Longlist abhandelt kein bisschen. Es soll vielleicht amüsant sein, dabei ist es nichts weiter als respektlos. Der erste Abschnitt von Ulrich Wölks Buch packt ihn nicht, also ist es strunzlangweilig. Wenn ein Buch als "Werk" betitelt wird, weiß man schon, was folgt, und dass es eine Autorin wagt, die Protagonistin aus dem Fenster blicken zu lassen, reicht ihm aus, um das Ganze zu diskreditieren. Und so weiter. 

Mir scheint, dass es hier nicht in erster Linie darum geht, einen Text fair und sachkundig zu beurteilen. Es geht darum, Stimmung zu machen. Es geht um Geschmacksfragen. Es geht um den Effekt statt um die sachliche Auseinandersetzung. Und das finde ich schade.

 

Ich stelle mit Bedauern fest, dass Respektlosigkeit im Umgang mit anderen in vielen Bereichen des Lebens inzwischen als selbstverständlich angesehen wird. Aber vielleicht werde ich ja auch nur allmählich alt :-)


Wenn du weißt, was du tust

kannst du tun, was du willst. (Moshe Feldenkrais)
http://www.peter-ham...ils/karin_koch/


#46
Sebastian Niedlich

Sebastian Niedlich
  • 617 Beiträge
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Ich stelle mit Bedauern fest, dass Respektlosigkeit im Umgang mit anderen in vielen Bereichen des Lebens inzwischen als selbstverständlich angesehen wird. Aber vielleicht werde ich ja auch nur allmählich alt :-)

 

Nee, da bist du sicherlich nicht alleine. Aber ich werde auch langsam alt, insofern...
Ich finde amüsante Rezensionen, die durchaus ein Buch auseinandernehmen, gar nicht schlecht, aber ich stimme zu, dass das in dem Fall eher bemüht und wenig witzig rüberkommt. Statt Kritik hat es eher was von "Wie mache ich das jetzt am besten mies?"



#47
KatjaK

KatjaK
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  • Dabei seit 09.10.17

Nachdem ich bislang nur den 3. Teil von Bremers Kritiken gelesen habe, würde ich ihn definitiv nicht zur Grundlage meiner eigenen Meinungsbildung machen wollen. Er zeigt meiner Meinung nach wenig Einfühlungswillen in die Texte. Ein Beispiel bei Woelk: Er findet keinen Zusammenhang zwischen Mondlandung und Selbsttötung der Mutter, der Autor hätte doch auch die Grundsteinlegung für die Olympiastätten oder sonst etwas wählen können. Auf die Idee, dass die Mondlandung ein extrem bedeutsames Ereignis für die Welt und der Tod der Mutter ein extrem bedeutsames Ereignis für ein Kind sind, kommt er nicht.

Oder bei Zähringer: Der erste Satz hat die Funktion, neugierig zu machen ("es gibt kein Zurück"). Die folgenden Absätze dienen dann einmal der Verortung des Geschehens, andererseits aber vielleicht auch der Verzögerung der Auflösung für das "kein Zurück", die dann später kommt.

Während ich schrieb, kam dein Beitrag, Karin. Ich kann ihm im Wesentlichen nur zustimmen.



#48
Christa

Christa
  • 8.922 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Die Kritiken von Bremer hatte ich auch gelesen, fand sie verkürzt und bemüht, und ich dachte: Mal sehen, was er später über "Die Leben der Elena Silber" von Alexander Osang sagt. Da hatte ich nämlich mehr als einen Absatz gelesen und fühlte mich angesprochen, besonders von der Aufarbeitung einer russischen Familiengeschichte. Buchkritiken sind öfter mal kaltschnäuzig, aber in den Feuilletons der großen Zeitungen meiner Erinnerung nach wenigstens ausführlicher.


Bearbeitet von Christa, 30.08.2019 - 10:33,

Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn

Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#49
KerstinH

KerstinH
  • 353 Beiträge
  • Dabei seit 08.04.19

... Mir scheint, dass es hier nicht in erster Linie darum geht, einen Text fair und sachkundig zu beurteilen. Es geht darum, Stimmung zu machen. Es geht um Geschmacksfragen. Es geht um den Effekt statt um die sachliche Auseinandersetzung ...

 

Ja, und um Selbstdarstellung. Um die höchst subjektive und im hiesigen Fall reichlich engstirnige Bewertung und Be(Ver?)urteilung der Leistung anderer. Kritisieren als Lebenseinstellung. Sobald ich das als (Berufs-)kritiker begriffen hätte, würde ich anfangen, meine Tätigkeit zu hinterfragen ...

 

... Er zeigt meiner Meinung nach wenig Einfühlungswillen in die Texte. Ein Beispiel bei Woelk: Er findet keinen Zusammenhang zwischen Mondlandung und Selbsttötung der Mutter, der Autor hätte doch auch die Grundsteinlegung für die Olympiastätten oder sonst etwas wählen können. Auf die Idee, dass die Mondlandung ein extrem bedeutsames Ereignis für die Welt und der Tod der Mutter ein extrem bedeutsames Ereignis für ein Kind sind, kommt er nicht ...

 

Das war genau mein erster Gedanke. Noch dazu ein gemeinschaftlich erwirktes, positiv eingeschätztes Ereignis gegen eine  private, sehr wahrscheinlich in bitterer Einsamkeit gefasste Entscheidung mit verheerenden und noch viel größeren Auswirkungen auf ein Kind.


Bearbeitet von KerstinH, 30.08.2019 - 11:12,


#50
BarbaraS

BarbaraS
  • 2.828 Beiträge
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Ich bin ja erleichtert, dass es hier noch andere gibt, die diesen "Rezensionsstil" nicht mögen. Ein Zitat:

 

 

Auf zum Text: Der Mond ist versunken, die schwarze Nacht ist da. Aha. Erfreulich, dass es nicht die helle Nacht war, denn dann wären wir ja nördlich des Polarkreises.

 

Das ist nicht nur oberlehrerhaft, sondern auch noch Unfug. Natürlich wird es dunkler, wenn der Mond untergeht. Und wenn es in diesem Schlafsaal sonst keine Lichtquellen gibt (was mir eben durch diesen Romansatz auch vermittelt wird), dann ist die Nacht ab jetzt halt schwarz. Wieso soll das dann nicht da stehen?

 

 

Frage: Wann bitte fängt jetzt endlich der Roman an? Wozu diese ermüdenden Ausführungen? Das könnte man doch so schreiben, dass sich das organisch ergibt aus der Handlung der Kinder, statt das so bräsig auszuwalzen!

 

Auch das empfinde ich als oberlehrerhaft. Offenbar wurde hier irgendeine Schreibschulregel verletzt, die besagt, man dürfe nicht mit Stille, mit Warten anfangen. Wer denkt sich so was eigentlich aus?

 

Edit: Ja, der Punkt, den ihr ansprecht, Katja und Kerstin, was mir auch unangenehm aufgefallen. Mehr werde ich davon aber nicht lesen, ärgern kann ich mich auch über wichtigere Dinge. ;-)


Bearbeitet von BarbaraS, 30.08.2019 - 12:50,


#51
CorneliaL

CorneliaL
  • 3.263 Beiträge
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Also ehrlich, dass "schwarze Nacht" nun nicht gerade ein stilistischer Glücksgriff ist, hatte ich bis jetzt auch immer gedacht.  :-X

 

LG Cornelia



#52
Lisa

Lisa
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  • Dabei seit 14.11.06

Also ehrlich, dass "schwarze Nacht" nun nicht gerade ein stilistischer Glücksgriff ist, hatte ich bis jetzt auch immer gedacht.  :-X

 

LG Cornelia

Liebe Cornelia,

wer hat so etwas behauptet? 

"Der Mond ist versunken" - wenn der Mond nicht scheint (und auch keine Sterne), dann ist die Nacht nicht dunkel, sondern schwarz. Ich selbst verbringe sehr viel Zeit in einem SCHWARZwaldtal ohne Laternen und sobald der Mond nicht scheint, ist es dort komplett finster, komplett schwarz. Das Adjektiv dunkel reicht da nicht als Beschreibung! Es wurde dunkel, benutzt man ja zum Beispiel auch, um den Übergang vom Tag zur Nacht zu beschreiben. Schwarz hingegen macht sofort klar, dass es in dieser Nacht keine Lichtquelle gibt, weder innen, noch außen. Und das ist schon ein Unterschied! In einer dunklen Nacht kann ich noch Schemen oder Umrisse entdecken, bei einer schwarzen nicht.

 

"Der Mond ist versunken, die schwarze Nacht ist da, (...)" ist auch ein viel dramatischerer Satz, als "die dunkle Nacht ist da". Schwarz ist düsterer, gleich geheimnisvoller - auch durch den Kontrast, dass diese schwarze Nacht offensichtlich erwartet worden ist/darauf gewartet wurde, dass der Mond versinkt, die Nacht schwarz wird.

 

Dieser erste Satz wurde ins Präsens gesetzt, ist wie ein Auftakt, ein "Jetzt geht es los", hier unterstreicht das gewählte Tempus auch den Satzinhalt: es gibt kein Zurück (offensichtlich ist etwas geplant, was keine Aufmerksamkeit erregen soll: Hardy will aus dem Kinderheim fliehen). Danach wechselt der Autor ins Präteritum: Er lag in der Finsternis. Auch die Finsternis ist etwas Stärkeres als "das Dunkle".

 

Und da der Mond und die Mondlandung eine tragende Rolle in diesem Buch spielen, finde ich es absolut gut komponiert, dass der Autor mit diesem Satz - der so viel anklingen lässt! - beginnt und nicht mit dem "Schlafgespräch" des kleinen Schröders. Erste Sätze starten im Idealfall nicht nur die Geschichte, sondern haben auch über den Inhalt, den sie transportieren, noch einen weiteren Sinn, der mitschwingt und den man manchmal erst nach Ende des Buches ganz erfassen kann. Dieser hier hat all das. Und das ist es, was für mich gute Literatur ausmacht.

 

Ansonsten kann ich Barbara, KerstinKoch, KatjaK und KerstinH nur zustimmen.

 

Liebe Grüße

Lisa


Bearbeitet von Lisa, 30.08.2019 - 16:14,


#53
Sebastian Niedlich

Sebastian Niedlich
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Also ehrlich, dass "schwarze Nacht" nun nicht gerade ein stilistischer Glücksgriff ist, hatte ich bis jetzt auch immer gedacht.  :-X

 

LG Cornelia

 

;D



#54
BarbaraS

BarbaraS
  • 2.828 Beiträge
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Also ehrlich, dass "schwarze Nacht" nun nicht gerade ein stilistischer Glücksgriff ist, hatte ich bis jetzt auch immer gedacht.  :-X

 

Es kann reine Floskel sein – vielleicht meinst du das? Wenn es nur deswegen verwendet wird, weil einem "Nacht" allein nicht genügt.

Aber hier wird doch ganz offensichtlich ein Wechsel beschrieben: Vorher hatten wir mondhelle Nacht, jetzt dagegen ist es stockpechrabenschwarzfinster ;-) Lisa hat völlig recht, finde ich, auf dem Land kann man das nach wie vor erleben. Manchmal sieht man da eben wirklich nichts mehr außer dieser Schwärze.

 

Ich bin also absolut dagegen, "schwarze Nacht" nur deswegen auf eine Schwarze Liste zu setzen, weil manche Leute es unachtsam benutzen.


Bearbeitet von BarbaraS, 30.08.2019 - 16:41,


#55
Sebastian Niedlich

Sebastian Niedlich
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Ich glaube, Cornelia bezog sich lediglich darauf, dass dieses "dunkle Nacht"/"schwarze Nacht" ein Klischeebegriff ist, worauf sich auch oben mein gepostetes Bild von Snoopy bezieht.

 

"Der Mond ist versunken, die schwarze Nacht ist da" ist eben nur marginal besser als "Es war eine dunkle, stürmische Nacht", ein Anfang, der von Amateuren gern genutzt wird und so abgedroschen ist, dass einige eben mit den Augen rollen müssen, so z.B. ich. Aber das kann nun wirklich jeder finden, wie er mag.



#56
BarbaraS

BarbaraS
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Die einzige Ähnlichkeit, die ich da sehe, ist, dass in beiden Sätzen "Nacht" vorkommt.

Aber die Gründe, weshalb ich da kein Klischee erkennen kann, habe ich nun auch  schon zweimal erklärt. Lassen wir es einfach dabei.



#57
Angelika Jo

Angelika Jo
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Malte Bremer aus dem Literaturcafe – ich denke, man kennt ihn auch als den, der für eingesandte kleinere Werke  (Gedichte, KGs) "Brillen" vergibt und dafür auch kleinschrittig kritisiert und analysiert – ist unzweifelhaft ein Stilist. Auch ein Grammatiker. Auf beiden Gebieten aber sehr, sehr "old school".

 

Das empfindsame "Eieiei", in das er ausbricht, weil scheinbar eine Grammatikregel verletzt wurde, betrauert nicht selten sprachliche Phänomene, die schon seit mehreren Duden-Generationen als vollkommen gebräuchlich abgesegnet gelten. Auch in Stilfragen hat er  offenbar einen Regelkanon übernommen (ich vermute mal etliches von Stephen King, da er in seiner Selbstauskunft erklärt, er würde "Adjektiven misstrauen"), vielleicht auch selbst aufgestellt (z.B. die fünf unmöglichen Romananfänge), der reichlich gestanzt erscheint – andererseits für sich gewiss diskutiert werden kann. Jeweils. 

 

Und das ist bei seiner Sichtung der Longlist in meinen Augen das Problem: Er bespricht keine Bücher, sondern nur deren Anfänge. Eine Analyse kann und will das nicht sein, entsprechend lässt sich auch nicht darüber diskutieren. Zumal sein Hauptkriterium hier ja regelmäßig lautet: Langweilt es mich oder nicht? Und was einen älteren Herrn, der Adjektiven misstraut, langweilt, kann möglicherweise ein noch älteres oder jüngeres Fräulein richtig mitreißen ... Ich lese seine Kritiken in diesem Sinne ohne mich aufzuregen – es sind halt Geschmacksurteile. 

 

Andererseits – da gebe ich allen, die der "schwarzen Nacht" ihre Eigentümlichkeit zusprechen, ausdrücklich Recht – kann er es halt nicht lassen, als Stilist und Grammatiker zu Werke zu gehen. Und das – einen Romananfang beckmesserisch auf jedes Wort hin untersuchen, ohne im Auge zu haben, dass der Anfang etwas mit dem Rest des Buches zu tun hat – finde ich unangemessen. Entweder man betätigt sich als Kritiker, dann müsste man schon  ein paar Seiten mehr lesen, um zu einem Urteil zu kommen. Oder man tut es dem in vielen Marketingstudien schon beleuchteten Kunden gleich, der in der Buchhandlung ein Buch in die Hand nimmt, die ersten Sätze liest und darauf seine Kaufentscheidung gründet. Kann man machen, ist auch nicht unwitzig. Nur Literaturkritiker würde ich mich in dem Zusammenhang vielleicht nicht nennen.


Bearbeitet von Angelika Jo, 30.08.2019 - 18:57,

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018

Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de


#58
JenniferB

JenniferB
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. @ Barbara: Wollen wir gleichzeitig lesen? Ich lese grade noch "Dort, dort" von Tommy Orange (großartig!), dann könnte ich loslegen.

 


 

 

 

Hättet ihr Lust auf eine kleine Leserunde?

Mich spricht die Leseprobe wirklich an, gerade wegen der naiv-kindlichen Sprache - da erzählt nun mal ein Kind - und die Eingenwortkreationen erscheinen mir sehr folgerichtig. Ich mag sowas.

 

Liebe Grüße.


Bearbeitet von JenniferB, 31.08.2019 - 08:03,


#59
AndreasG

AndreasG
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Ich hab mir jetzt auch ein paar dieser sogenannten Kritiken im Literaturcafé angesehen. Mich erinnert das stark an eine Szene in Milos Formans grandiosem Mozart-Film, in der der Fürst ein neues Musikstück Mozarts mit den Worten kritisiert: "Zu viele Noten, lieber Mozart. Zu viele Noten." 


"Stirb leise, mein Engel", Jugendthriller, Oetinger Verlag 2014, "Hörst du den Tod?", Jugendthriller, Oetinger Verlag 2014, "Denn morgen sind wir tot", Jugendbuch, Oetinger Verlag 2015, "Bad Boys & Little Bitches", Jugendbuch Oetinger Verlag 2017 und 2018

"Die im Dunkeln sieht man nicht", Roman, FISCHER Scherz 2019 (ab 28.8.)


#60
Michael Beisteiner

Michael Beisteiner
  • 286 Beiträge
  • Dabei seit 03.12.15

Also ich kann den knallharten Ton von Rezensenten schon nachempfinden, großteils. Immerhin gehts um den Deutschen Buchpreis. Wenn die Prosa da nicht sitzt, muss man mit sowas rechnen. Als Autor/in sollte man damit halbwegs gut umgehen können, man setzt sich mit dem Publizieren einer kritischen Öffentlichkeit aus. Die wenigsten werden gebeten ein Buch zu schreiben, tut man es dennoch, begibt man sich auf dünnes Eis. Und das ist doch gut so.


Zuletzt erschienen: zwischenlandungen (Arovell, 2018)

Neu im Frühjahr 2020: Der Tomatenrebell (Kinderbuch, ab 6 Jahre) erscheint bei wortweit.