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Handke? Kann das sein?


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110 Antworten zu diesem Thema

#21
Angelika Jo

Angelika Jo
  • 3.457 Beiträge
  • Dabei seit 03.07.07

Buchpreis 2019: Stanisic wettert gegen einen Kollegen, weil der gerade den Nobelpreis bekommen hat.

 

Buchpreis 2008: Handke verzichtet auf seinen Platz auf der Longlist zugunsten der anderen Kollegen, vor allem der jüngeren.

 

Muss ich jetzt eigentlich nicht lange überlegen, wer da mehr Größe hat.

 

Na ja, Stanisic hat dem Handke nicht übel genommen, dass er diesen Preis bekommen hat, sondern dem Nobelpreiskomitee, dass es einen in seinen Augen Zyniker gegenüber bosnischen Kriegsgegner auserwählt hat. Diese Kirche würde ich gern im Dorf lassen. 

 

Aber dass er damit eine auf Lügen und Falschzitationen beruhende üble Nachrede gehalten hat, werfe ich dem Stanisic schon vor. 

Schade, ich hatte  – wegen seiner Schreibe – immer geglaubt, dass er ein netter Kerl ist. Und "Herkunft" neben vieler anderer schönen Eigenschaften so geschätzt, weil ich es auch als eine Art Friedensaufruf gelesen habe: Ob Kroate, Serbe oder Bosnier – das sind keine Unterschiede, die irgendwas auf der Welt rechtfertigen, das weh tut. Das ist doch mal eine gute Ansage – an Leute, die die interne Kriegspropaganda glauben wollen. Handkes Ansagen richteten sich an die Menschen in Europa, die die externe Propaganda glauben wollten.

 

Die Anwürfe von Stanisic waren wirklich mehr als unnötig. 


Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018

Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de


#22
BeateB

BeateB
  • 325 Beiträge
  • Dabei seit 11.05.17

Nein, auch Stanisic würde ich nicht unterstellen, dass er das Thema so aufgezogen hat, um seine Verkäufe / Popularität zu steigern. Und dass er nun seinerseits - objektiv betrachtet - Lügen in die Welt setzt bzw weiter befeuert, enschuldige ich mit der persönlichen Betroffenheit. In seiner Situation ist es vermutlich sehr, sehr schwer, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. "Herkunft" habe ich nicht gelesen, nur "Vor dem Fest", was mir gut gefallen hat - allerdings habe ich keinen Bezug zu den von allen so gelobten Fuchs-Passagen bekommen. MIr geht einfach jeder Sinn für Fantastik ab...


www.beatebaum.de                      Aktuell: Dresden rechts außen - Ein Kirsten-Bertram-Krimi https://www.bod.de/b...text=Beate Baum

 


#23
Christa

Christa
  • 10.053 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Nein, auch Stanisic würde ich nicht unterstellen, dass er das Thema so aufgezogen hat, um seine Verkäufe / Popularität zu steigern. Und dass er nun seinerseits - objektiv betrachtet - Lügen in die Welt setzt bzw weiter befeuert, enschuldige ich mit der persönlichen Betroffenheit. In seiner Situation ist es vermutlich sehr, sehr schwer, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. "Herkunft" habe ich nicht gelesen, nur "Vor dem Fest", was mir gut gefallen hat - allerdings habe ich keinen Bezug zu den von allen so gelobten Fuchs-Passagen bekommen. MIr geht einfach jeder Sinn für Fantastik ab...

 

Als Außenstehende sehe ich persönliche Betroffenheit sowohl bei Stanisic - sie kam bei der Fernsehübertragung schon mehr oder weniger wütend rüber - als auch bei Handkes "Scheiß"-Reaktion auf die Fragen der Journalisten. Beiden unterstelle ich keine Versuche, damit Verkäufe oder Popularität zu steigern. Das haben sie beide doch zur Genüge. Ich fand es nur besonders daneben, es ausgerechnet auf der Buchmesse zu machen. Und in dem Moment dachte ich, ich weiß nicht, ob ich ein Buch von Stanisic lesen möchte. In dem Moment. Wahrscheinlich tue ich es doch, weil ich weiß, wie schnell Emotionen in der Öffentlichkeit überschwappen und etwas lostreten.


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Mörderische Förde ab 5.10. 20 https://www.thalia.d...D149527193.html Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#24
AngelikaD

AngelikaD
  • 1.677 Beiträge
  • Dabei seit 21.04.09

Ich erinnere mich noch an den Krieg und an die Kinder, die wir aus Bosnien, Herzogowina in die Schule bekommen haben. Kinder, wie den damals 14jährigen Stanic.

Die haben die Traumata nie richtig aufarbeiten können, da hat es keine Psychologen gegeben, die sich speziell um diese Kinderr und Jugendlichen gekümmert haben.

 

Was ich etwas verwunderlich finde ist, dass Handke als großer Schriftsteller emotional werden darf jederzeit und unter der Gürtellinie und mit vulgären Ausdrücken.

Einem Stanic hingegen wird seine Emotionalität, in viel höflichere Worte gekleidet, jedoch angekreidet. Er hat still zu sein zu dem, was in ihm brodelt.

 

Die Frage, was Handke womit bewirken wollte und will, wird nur Handke selbst genau wissen.

Interessant finde ich diese Arbeit über ihn und seine Auftritte:

https://www.grin.com/document/165783


Bearbeitet von AngelikaD, 24.10.2019 - 13:20,


#25
KerstinH

KerstinH
  • 1.263 Beiträge
  • Dabei seit 08.04.19

Nein, auch Stanisic würde ich nicht unterstellen, dass er das Thema so aufgezogen hat, um seine Verkäufe / Popularität zu steigern. Und dass er nun seinerseits - objektiv betrachtet - Lügen in die Welt setzt bzw weiter befeuert, enschuldige ich mit der persönlichen Betroffenheit.


Ich entschuldige das nicht. Grade wenn man zu den Großen der jeweiligen (kulturellen, intellektuellen) Gesellschaft gehören will, sollte man dahingehend um seine Verantwortung wissen. Auf beiden Seiten natürlich.

Bearbeitet von KerstinH, 24.10.2019 - 14:28,


#26
Martha

Martha
  • 93 Beiträge
  • Dabei seit 22.02.12
Wer sich weiter mit der Diskussion um Handke auseinandersetzen möchte, sollte vielleicht auch diesen Beitrag lesen, in dem Alida Bremer sich die Mühe macht, den Hinweisen auf seine politische Einstellung detailliert nachzugehen:
https://www.perlenta...tml?nle_id=8710

Ich werde mich nicht weiter mit der Debatte beschäftigen, weil ich Handkes Prosa schon damals im Studium langweilig fand, ihn als Person unsympathisch und den Nobelpreis für Literatur spätestens seit der Skandale um die Jury nicht mehr ernstnehme.
"Lady Annes Geheimnis", 2019, Lübbe Verlag
Mein Blog: Marthas Schreibtisch

#27
Julia

Julia
  • 2.581 Beiträge
  • Dabei seit 20.09.05

Wer sich weiter mit der Diskussion um Handke auseinandersetzen möchte, sollte vielleicht auch diesen Beitrag lesen, in dem Alida Bremer sich die Mühe macht, den Hinweisen auf seine politische Einstellung detailliert nachzugehen:
https://www.perlenta...tml?nle_id=8710

Ich werde mich nicht weiter mit der Debatte beschäftigen, weil ich Handkes Prosa schon damals im Studium langweilig fand, ihn als Person unsympathisch und den Nobelpreis für Literatur spätestens seit der Skandale um die Jury nicht mehr ernstnehme.

 

Danke für den Link.



#28
MartinC

MartinC
  • 1.347 Beiträge
  • Dabei seit 10.06.13

Wer sich weiter mit der Diskussion um Handke auseinandersetzen möchte, sollte vielleicht auch diesen Beitrag lesen, in dem Alida Bremer sich die Mühe macht, den Hinweisen auf seine politische Einstellung detailliert nachzugehen:
https://www.perlenta...tml?nle_id=8710

Ich werde mich nicht weiter mit der Debatte beschäftigen, weil ich Handkes Prosa schon damals im Studium langweilig fand, ihn als Person unsympathisch und den Nobelpreis für Literatur spätestens seit der Skandale um die Jury nicht mehr ernstnehme.

 

Dto.

Habe den Artikel trotzdem gelesen ... Danke für den Link.

 

LG

Martin


_________________________________________________

www.martinconrath.de

Jede Art des Schreibens ist erlaubt - nur nicht die langweilige (Voltaire)


#29
Michael Beisteiner

Michael Beisteiner
  • 444 Beiträge
  • Dabei seit 03.12.15

Wer sich weiter mit der Diskussion um Handke auseinandersetzen möchte, sollte vielleicht auch diesen Beitrag lesen, in dem Alida Bremer sich die Mühe macht, den Hinweisen auf seine politische Einstellung detailliert nachzugehen:
https://www.perlenta...tml?nle_id=8710

Ich werde mich nicht weiter mit der Debatte beschäftigen, weil ich Handkes Prosa schon damals im Studium langweilig fand, ihn als Person unsympathisch und den Nobelpreis für Literatur spätestens seit der Skandale um die Jury nicht mehr ernstnehme.

Wollte den Perlentaucher-Artikel gerade verlinken ...

 

Interessant, genau geschrieben, wenn auch nix wirklich Neues drin.

 

Eins kann ich mir dabei nicht verkneifen: Weil ich von nichts und niemand ein Jünger bin, bin ich auch kein Handke-Jünger.


Bearbeitet von Michael Beisteiner, 25.10.2019 - 12:43,

Zuletzt erschienen: Der Tomatenrebell (wortweit, neu im Frühjahr 2020)

                            zwischenlandungen (Arovell)


#30
Christa

Christa
  • 10.053 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Ich werde mich nicht weiter mit der Debatte beschäftigen, weil ich Handkes Prosa schon damals im Studium langweilig fand, ihn als Person unsympathisch und den Nobelpreis für Literatur spätestens seit der Skandale um die Jury nicht mehr ernstnehme.

 

Das würde ich unbedingt unterschreiben! Die "Angst des Tormanns" ist mir in Erinnerung geblieben, aber später hatte ich nie mehr Lust, irgendwas von Handke zu lesen. Also definitiv kein Fan und noch weniger glühender Anhänger. Den Artikel habe ich nur halb gelesen.

 

Den Literatur-Nobelpreis kann ich nicht mehr Ernst nehmen, letztes Jahr wurde er ja wegen des Skandals ausgesetzt. Davor gewann ihn Bob Dylan, der ist, glaube ich, gar nicht dort erschienen. Das Karussell darf sich weiterdrehen. ;)  8-)

 

Trotzdem finde ich, dass ein Autor einen anderen nicht auf der Buchmesse angreifen sollte. Ist publikumswirksam, aber die Auseinandersetzung hätte von mir aus auch anderswo stattfinden können.


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Mörderische Förde ab 5.10. 20 https://www.thalia.d...D149527193.html Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#31
JenniferB

JenniferB
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  • Dabei seit 17.01.11

 


 

Trotzdem finde ich, dass ein Autor einen anderen nicht auf der Buchmesse angreifen sollte. Ist publikumswirksam, aber die Auseinandersetzung hätte von mir aus auch anderswo stattfinden können.

 

 

 

War das auf der Buchmesse?
Ich habe es nicht genau im Kopf, aber ich meine, es war einen oder zwei Tage zuvor.

Die FAZ bringt heute einen Artikel zu Handkes Äußerungen zu Srebrenica. Vielleicht findet der sich online?



#32
Julia

Julia
  • 2.581 Beiträge
  • Dabei seit 20.09.05

 

 


 

Trotzdem finde ich, dass ein Autor einen anderen nicht auf der Buchmesse angreifen sollte. Ist publikumswirksam, aber die Auseinandersetzung hätte von mir aus auch anderswo stattfinden können.

 

 

 

War das auf der Buchmesse?
Ich habe es nicht genau im Kopf, aber ich meine, es war einen oder zwei Tage zuvor.

Die FAZ bringt heute einen Artikel zu Handkes Äußerungen zu Srebrenica. Vielleicht findet der sich online?

 

 

Er hat die Rede gehalten, als er den Deutschen Buchpreis erhalten hat - das war vor dem Auftakt der FBM im Kaisersaal am Frankfurter Römer.

 

Der Artikel ist ein FAZ+-Artikel, sprich nur mit Abo zu lesen. Es handelt sich um ein Interview, das ursprünglich in der Zeitschrift "Ketzerbriefe" erschienen ist.

 

Zitate aus diesem Interview finden sich in diversen Artikel im Internet - ob diese so korrekt wiedergegeben werden kann ich nicht gewährleisten, und ich kenne auch den Kontext nicht.

Es heißt u.a.:

 

"Jetzt kommt man ständig mit den 8.000 Opfern und dem angeblich schlimmsten Massaker seit dem Zweiten Weltkrieg; unversehens kommt hier mit Auschwitz der deutsche Faschismus rein. Das Gerede mit den 8.000 Toten wird immer intensiver. Vielleicht war es ein Rachemassaker oder was auch immer; ich weiß es nicht, ich bin kein Experte". 

"Es hat sich ein unglaublicher Haß in Srebrenica aufgestaut. Sind die tatsächlich gekommen und haben - eigentlich will ich Zahlen vermeiden - zwischen 2.000 und 4.000 Menschen umgebracht? Niemand von der westlichen Presse fragt, wie es dazu kam; das interessiert niemanden."

"Überhaupt, diese sogenannten 'Mütter von Srebrenica': Denen glaube ich kein Wort, denen nehme ich die Trauer nicht ab. Wäre ich Mutter, ich trauerte alleine. Es gab die Mütter von Buenos Aires, sehr richtig, die hatten sich zusammengeschlossen und die Militärdiktatoren gefragt, was mit ihren Kindern geschehen ist. Aber diese billige Nachahmung ist scheußlich. Es gibt die Mütter von Buenos Aires, und das genügt."



#33
Julia

Julia
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Noch als Ergänzung: In diesem Artikel 

https://www.sueddeut...enica-1.4655747

distanziert sich Handke von dem Ketzerbrief Interview:

 

Konfrontiert mit dem Interview lässt Handke über seinen Verlag Suhrkamp mitteilen: "Ich habe das Gespräch nicht gegengelesen und auch nicht autorisiert. Es entspricht nicht dem von mir Gemeinten. Ich kann mir auch nicht vorstellen, diese Sätze in dieser Form so gesagt zu haben. Für mich gilt das, was ich schriftlich festhalte. Dem habe ich nichts und dem wollte ich nichts hinzufügen. 2006 habe ich geschrieben: "Es handelt sich bei Srebrenica um das schlimmste Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das in Europa nach dem Krieg begangen wurde. Ich möchte hinzufügen: selbstverständlich ist durch den Genozid unendliches Leid entstanden, welches ich nie bestritten habe. Ein Leid dass durch nichts auszulöschen ist. Ich bedaure meine Äußerungen, sollten sie etwas anderes vermittelt haben."



#34
JenniferB

JenniferB
  • 2.949 Beiträge
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Na ja, das ist vermutlich wirklich alles nicht mehr zu verifizieren.

Laut dem Artikel heute gibt es eine (vermutete) Interviewmitschrift, in der sich Aussagen finden, die weit über das Leugnen oder Verharmlosen der Kriegsverbrechen von Srebrenica hinaus gehen. (Ich kann das aus dem Kopf leider nicht zitieren und habe da zu große Angst, etwas falsch wiederzugeben. Es war in jedem Fall noch eine andere Hausnummer als die von Julia zitierten Passagen.)

Aber es gibt wohl tatsächlich keinen haltbaren Beweis, dass diese Sätze wirklich so fielen, d.h. es existiert kein Tonbandmitschnitt. Oder dieser ist noch nicht gefunden.

Womöglich wollte Handke wirklich nur jemand Böses. Ist nicht auszuschließen.



#35
Julia

Julia
  • 2.581 Beiträge
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Den Satz, den Du wahrscheinlich meinst, ist mittlerweile bei diversen Zeitungen nachzulesen:
„Nicht, dass ich es (das Massaker von Srebrenica) verurteilen würde, aber ich kann es auch nicht uneingeschränkt gut heißen.“

Aber wie zurecht festgestellt wurde: den Beweis, dass er genau so gefallen ist, gibt es nicht.

#36
MelanieM

MelanieM
  • 14.231 Beiträge
  • Dabei seit 09.01.07

[https://www.youtube.com/watch?v=hyrmL74IKHg]

 

 

Wenn man die [ ] weg lässt, das Innere kopiert und im Netz aufruft, müsste es klappen.

 

Ein Wort noch zu Jennis 

 

... denn er wird damit ja durchaus etwas bezwecken - das Skandälchen am Laufen halten wollen...

 

 

Hier gehts um kein "Skandälchen", sondern um einen grausigen Krieg mit entsetzlich vielen Toten, mit Grausamkeiten, Vergewaltigungen, Vertreibungen auf beiden Seiten. Beurteilt von einem heuchlerischen Europa (allen voran Deutschland), das sich überparteilich gab und in wirklich jeder Hinsicht Partei war  – als Interessent an einer Auflösung des einzigen blockfreien Staats in Europa, als Schutzpatron der beiden in Richtung EU strebenden Bundesstaaten Slowenien und Kroatien und schon allein deshalb Partei gegen die Serben. Die darüber hinaus noch schön als Stellvertreter in einer ersten Auseinandersetzung mit ihrer Schutzmacht Russland benutzt werden konnten, wieder mit einem Deutschland, das zum ersten Mal seit 45 wieder Krieg spielen durfte.

 

Über diesen Krieg und die bodenlose Heuchelei dazu war und ist Handke entrüstet. Auf die Behandlung, die ihm seinerzeit widerfuhr, hat er schon reagiert. Jetzt das Ganze noch einmal inclusive Lügen, unwahren Behauptungen, Verleumdungen. Soll er sich hinsetzen und all die üble Nachrede klein-klein auseinandernehmen? Soll er sich einen Anwalt nehmen? Macht er nicht. Er sagt "Arschlöcher". Das finde ich nicht billig, das ist stolz. 

 

Im übrigen ist er der deutsche Schriftsteller schlechthin – weltbekannt, bepreist, Unterrichtsgegenstand an den Schulen, fast überallhin übersetzt. Und er ist ein Intellektueller, der sich selbstverständlich zum Zeitgeschehen äußert. Dass dieser Mann ein "Skandälchen" für seine Publicity braucht, um eventuell ein paar mehr seiner Bücher zu verkaufen oder berühmt zu werden, ist – Entschuldigung – lächerlich.

 

Sehr schön zusammengefasst.



#37
KarinKoch

KarinKoch
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Mir geht es wie Martha: Handkes Werk liegt mir nicht und der Mann ist mir unsympathisch in seiner Überheblichkeit.

Daher neige ich wohl dazu, alles, was an negativer Berichterstattung über seine Haltung zum Krieg im ehemaligen Jugoslawien zu lesen ist, weniger anzuzweifeln als das, was ihn in einem günstigeren Licht darstellt. Mir reicht, dass er auf Milosevics Beerdigung eine Grabrede gehalten hat, um mich nicht weiter mit ihm befassen zu wollen. 


Wenn du weißt, was du tust

kannst du tun, was du willst. (Moshe Feldenkrais)
http://www.peter-ham...ils/karin_koch/


#38
Christa

Christa
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Es stimmt, Stanicic hat das in seiner Rede zum deutschen Buchpreis zwei Tage vor Eröffnung der Buchmesse gesagt. Deshalb nicht weniger publikumswirksam.

 

Ich habe auch noch ein wenig quergelesen, u.a.im Spiegel, im Tagesspiegel und im Anzeiger. Der Spiegel schlägt einen ziemlich weiten Bogen und bezieht sich dabei auf die deutsche politische Korrektheit. Der Autor fragt, ob überhaupt noch jemand irgendwie gewürdigt werden dürfte, der sich einer wie auch immer gearteten Verfehlung schuldig gemacht hat - die wie in diesem Fall offensichtlich nicht einmal genau belegt werden kann und vom Autor selbst schon relativiert und entschuldigt wurde (entschuldigt diesen Bandwurmsatz! ;))

 

 

"Die politische Korrektheit hat eine krachende Ohrfeige erlitten, sagte Denis Scheck mit Blick auf Handke. Dieser sei einer der großen Provokateure-er beweise, dass man sich politisch total verlaufen und gleichzeitig Weltliteratur schreiben könne."

 

An anderer Stelle wurde das korrigiert, es heiße "schallende" und nicht "krachende" Ohrfeige.


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Mörderische Förde ab 5.10. 20 https://www.thalia.d...D149527193.html Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#39
Michael Beisteiner

Michael Beisteiner
  • 444 Beiträge
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Noch als Ergänzung: In diesem Artikel 

https://www.sueddeut...enica-1.4655747

distanziert sich Handke von dem Ketzerbrief Interview:

 

Konfrontiert mit dem Interview lässt Handke über seinen Verlag Suhrkamp mitteilen: "Ich habe das Gespräch nicht gegengelesen und auch nicht autorisiert. Es entspricht nicht dem von mir Gemeinten. Ich kann mir auch nicht vorstellen, diese Sätze in dieser Form so gesagt zu haben. Für mich gilt das, was ich schriftlich festhalte. Dem habe ich nichts und dem wollte ich nichts hinzufügen. 2006 habe ich geschrieben: "Es handelt sich bei Srebrenica um das schlimmste Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das in Europa nach dem Krieg begangen wurde. Ich möchte hinzufügen: selbstverständlich ist durch den Genozid unendliches Leid entstanden, welches ich nie bestritten habe. Ein Leid dass durch nichts auszulöschen ist. Ich bedaure meine Äußerungen, sollten sie etwas anderes vermittelt haben."

Nicht gegengelesen oder autorisiert, das wäre, sollte Handke solche Aussagen (wie in diesem Interview) tatsächlich getroffen haben, eigenartig. Nicht autorisieren in einer solchen Sache? Noch dazu in einem solchen Blatt? Puh! Das wäre dann, wenn, eine Pro-Serbien-Haltung von ihm, die ich nicht unterstützen könnte. 


Zuletzt erschienen: Der Tomatenrebell (wortweit, neu im Frühjahr 2020)

                            zwischenlandungen (Arovell)


#40
ChristineN

ChristineN
  • 1.316 Beiträge
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Ich finde, man sollte zwischen der literarischen Arbeit und der politischen Einstellung (wobei ich glaube, die wird falsch verstanden) von Handke unterscheiden. Ich denke, er will mit seiner Protesthaltung ausdrücken, dass man genauer hinsehen sollte. Generell. Ich nehme mir vor, ausgewählte Werke von ihm zu lesen aber mehr noch von der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. Ihr Name und ihre Literatur gehen neben der Aufmerksamkeit für Handke etwas unter.

 

olga_tokarczuk_gruendet_eine_stiftung

 

lg

Christine


Bearbeitet von ChristineN, 26.10.2019 - 08:08,