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Handke? Kann das sein?


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110 Antworten zu diesem Thema

#41
Michael Beisteiner

Michael Beisteiner
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Ich finde, man sollte zwischen der literarischen Arbeit und der politischen Einstellung (wobei ich glaube, die wird falsch verstanden) von Handke unterscheiden. Ich denke, er will mit seiner Protesthaltung ausdrücken, dass man genauer hinsehen sollte. Generell. Ich nehme mir vor, ausgewählte Werke von ihm zu lesen aber mehr noch von der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. Ihr Name und ihre Literatur gehen neben der Aufmerksamkeit für Handke etwas unter.

 

olga_tokarczuk_gruendet_eine_stiftung

 

lg

Christine

Stimmt. Das ist ungünstig für sie. Auch noch vom vorigen Jahr nachgereicht. Aber, hej! Es ist immer noch der Nobelpreis!

 

Ich tendiere auch dazu, Handkes Worte und Handeln als Protesthaltung zu verstehen. Ihm zu unterstellen, er würde Kriegsverbrecher verharmlosen und verherrlichen, scheint mir schon ziemlich daneben.

 

Es geht doch um Handkes Grundhaltung zu dem Thema, und die wird man an einzelnen, wenn auch fragwürdigen, Aussagen nicht festmachen können.


Bearbeitet von Michael Beisteiner, 26.10.2019 - 10:21,

Zuletzt erschienen: zwischenlandungen (Arovell, 2018)

Neu im Frühjahr 2020: Der Tomatenrebell (Kinderbuch, ab 6 Jahre) erscheint bei wortweit.


#42
Christa

Christa
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Zur Protest- und Grundhaltung habe ich gerade einen (wohltuend kurzen) Bericht in den Stuttgarter Nachrichten gelesen.

https://www.stuttgar...017cb60fc6.html

 

Interessanterweise gibt es eine Verbindung zwischen Bob Dylan und Peter Handke - er hat mal die Zeile eines Songtextes vor seine Geschichte gestellt. Und Bob Dylan war ja einer der Protestsänger der damaligen Zeit. Was da über Handkes Werke geschrieben wird, macht mich schon ein bisschen neugierig. Und der Autor in den Stuttgarter Nachrichten fragt sich, wie er wohl die Übergabe des Preises angehen wird ...Auf jeden Fall bezeichnet er die Reaktion auf die Serbien-Bücher als "Pawllowschen Reflex".

 

Noch was zur Überprüfung und Gegenlesen des beanstandeten Textes, Michael: Ich bin keine bedeutende Autorin, aber mir wurden nach Interviews nie die Texte zur Prüfung vorgelegt. Vielleicht wäre es die Pflicht von ihm oder vom Verlag gewesen. Aber es ist doch bekannt, dass der fertige Text nicht immer das ursprünglich Gesagte wiedergibt.


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#43
Margot

Margot
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Noch was zur Überprüfung und Gegenlesen des beanstandeten Textes, Michael: Ich bin keine bedeutende Autorin, aber mir wurden nach Interviews nie die Texte zur Prüfung vorgelegt. Vielleicht wäre es die Pflicht von ihm oder vom Verlag gewesen. Aber es ist doch bekannt, dass der fertige Text nicht immer das ursprünglich Gesagte wiedergibt.

 

Ich bin auch keine berühmte Autorin, verlange jedoch stets den Text vor Veröffentlichung zum Gegenlesen. Es schleichen sich imer wieder Fehler ein, die können manchmal recht schmerzlich - oder peinlich! - sein. Schaden macht bekanntlich klug. ;)



#44
Christa

Christa
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Noch was zur Überprüfung und Gegenlesen des beanstandeten Textes, Michael: Ich bin keine bedeutende Autorin, aber mir wurden nach Interviews nie die Texte zur Prüfung vorgelegt. Vielleicht wäre es die Pflicht von ihm oder vom Verlag gewesen. Aber es ist doch bekannt, dass der fertige Text nicht immer das ursprünglich Gesagte wiedergibt.

 

Ich bin auch keine berühmte Autorin, verlange jedoch stets den Text vor Veröffentlichung zum Gegenlesen. Es schleichen sich imer wieder Fehler ein, die können manchmal recht schmerzlich - oder peinlich! - sein. Schaden macht bekanntlich klug. ;)

 

Würde ich inzwischen natürlich auch machen, Margot. Bei mir war das Ergebnis nicht schmerzlich und peinlich, sondern ich wurde als "unermüdlich" bezeichnet, was ich definitiv nicht bin. ;) Ich denke, dass Handke und sein Verlag nach diesem Vorfall sehr darauf achten werden.


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#45
Julia

Julia
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Ich finde, man sollte zwischen der literarischen Arbeit und der politischen Einstellung (wobei ich glaube, die wird falsch verstanden) von Handke unterscheiden. Ich denke, er will mit seiner Protesthaltung ausdrücken, dass man genauer hinsehen sollte. Generell. Ich nehme mir vor, ausgewählte Werke von ihm zu lesen aber mehr noch von der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. Ihr Name und ihre Literatur gehen neben der Aufmerksamkeit für Handke etwas unter.

 

olga_tokarczuk_gruendet_eine_stiftung

 

lg

Christine

Stimmt. Das ist ungünstig für sie. Auch noch vom vorigen Jahr nachgereicht. Aber, hej! Es ist immer noch der Nobelpreis!

 

Ich tendiere auch dazu, Handkes Worte und Handeln als Protesthaltung zu verstehen. Ihm zu unterstellen, er würde Kriegsverbrecher verharmlosen und verherrlichen, scheint mir schon ziemlich daneben.

 

Es geht doch um Handkes Grundhaltung zu dem Thema, und die wird man an einzelnen, wenn auch fragwürdigen, Aussagen nicht festmachen können.

 

 

Darf ich Dich fragen (und das ist nicht polemisch gemeint, es ist wirklich ein ehrliches Nachfragen), wie Du Handkes Grabrede für Milosevic und seinen Besuch bei bzw. sein Buchgeschenk an Karadzic bewertest (letzteres zu einem Zeitpunkt, da dieser in Den Haag bereits als Kriegsverbrecher angeklagt war)? Das sind für mich keine Aussagen, es sind Handlungen, und sie sind für mich "fragwürdig" in dem Sinne, als dass man durchaus seine Motivation, die er meines Wissens nirgendwo genau erklärt hat, zu hinterfragen. Bei beiden Angelegenheiten hat er sich übrigens bewusst als "Schriftsteller" und nicht als "Privatperson", die diese Handlungen dezidiert von seinem Werk getrennt sehen will, deklariert. 

 

Ich persönlich würde mich wirklich interessieren, was ihn dazu getrieben hat. Es unter den Wunsch zu subsumieren, ein differenzierteres Bild vom Krieg zu zeichnen und gegen die NATO-Bombardierungen Stellung zu nehmen, fällt mir schwer.



#46
AnnaW

AnnaW
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Mir geht es wie Martha: Handkes Werk liegt mir nicht und der Mann ist mir unsympathisch in seiner Überheblichkeit.
Daher neige ich wohl dazu, alles, was an negativer Berichterstattung über seine Haltung zum Krieg im ehemaligen Jugoslawien zu lesen ist, weniger anzuzweifeln als das, was ihn in einem günstigeren Licht darstellt. Mir reicht, dass er auf Milosevics Beerdigung eine Grabrede gehalten hat, um mich nicht weiter mit ihm befassen zu wollen.

Mir geht es aus den gleichen Gründen so, dass ich ein tiefes Bedürfnis habe, zu einer Einschätzung zu gelangen. Die Fakten sind skandalös, aber ähnlich wie Julia sagt, hab ich das Bedürfnis, den Punkt zu finden, aus Handke heraus, an dem ich einschätzen kann, wie es dazu gekommen ist. Nicht, um seine Handlung zu entschuldigen - ich fürchte, da lässt sich nichts entschuldigen -, sondern um einen Anhaltspunkt zu haben, wie er dahin gekommen ist. Im Moment denke ich, da lässt sich gar nichts trennen, ganz im Gegenteil, da sind eine Poetik, eine politische Sicht und eine Persönlichkeit so untrennbar miteinander verbunden, dass genau das die Problematik hervorruft. Da das Problem aber schon alt ist und die Zweifel an Handkes politischer Haltung eigentlich bekannt sind, hätte das Nobelpreis-Kommitee diese jetzt eigentlich glaubhaft widerlegen müssen, um den Preis zu rechtfertigen. Haben sie aber nicht. Ich verstehe es einfach nicht und suche weiter nach Anhaltspunkten, um die Sache irgendwie einordnen zu können. Mir gelingt es tatsächlich nicht. Ich würde das im Moment auch unter Verirrung fassen, die wäre aber so weitreichend, dass zumindest für mich das ganze Werk in Frage steht. Und dann frage ich mich, wie es sein kann, dass ein Werk als groß empfunden wird, das zu solchen Verirrungen führt. Was das bedeutet. Dann will ich wissen, was das an dem Werk ist, das dazu führt. Und an der Poetik. Und bin wieder bei Handke. Und bei Literatur. Und dem, was sie mit der Welt zu tun hat. - Nein, mich lässt das Thema tatsächlich nicht los.

Edit: Diesen Artikel im Spiegel, genau die nachgeschobene Erklärung des Nobelpreis Komitees, hab ich erst jetzt gefunden. https://www.spiegel....-a-1292038.html
Das erklärt zumindest diese Seite.

Bearbeitet von AnnaW, 26.10.2019 - 13:18,


#47
Michael Beisteiner

Michael Beisteiner
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Noch was zur Überprüfung und Gegenlesen des beanstandeten Textes, Michael: Ich bin keine bedeutende Autorin, aber mir wurden nach Interviews nie die Texte zur Prüfung vorgelegt. Vielleicht wäre es die Pflicht von ihm oder vom Verlag gewesen. Aber es ist doch bekannt, dass der fertige Text nicht immer das ursprünglich Gesagte wiedergibt.

Ja, schon. Aber wenn ich, so wie Handke, schon Zorres in einer Angelegenheit hätte, würde ich das schon verlangen. Besonders in dieser Sache. (Ist aber seine Sache.)  


Zuletzt erschienen: zwischenlandungen (Arovell, 2018)

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#48
Michael Beisteiner

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Ich finde, man sollte zwischen der literarischen Arbeit und der politischen Einstellung (wobei ich glaube, die wird falsch verstanden) von Handke unterscheiden. Ich denke, er will mit seiner Protesthaltung ausdrücken, dass man genauer hinsehen sollte. Generell. Ich nehme mir vor, ausgewählte Werke von ihm zu lesen aber mehr noch von der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. Ihr Name und ihre Literatur gehen neben der Aufmerksamkeit für Handke etwas unter.

 

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lg

Christine

Stimmt. Das ist ungünstig für sie. Auch noch vom vorigen Jahr nachgereicht. Aber, hej! Es ist immer noch der Nobelpreis!

 

Ich tendiere auch dazu, Handkes Worte und Handeln als Protesthaltung zu verstehen. Ihm zu unterstellen, er würde Kriegsverbrecher verharmlosen und verherrlichen, scheint mir schon ziemlich daneben.

 

Es geht doch um Handkes Grundhaltung zu dem Thema, und die wird man an einzelnen, wenn auch fragwürdigen, Aussagen nicht festmachen können.

 

 

Darf ich Dich fragen (und das ist nicht polemisch gemeint, es ist wirklich ein ehrliches Nachfragen), wie Du Handkes Grabrede für Milosevic und seinen Besuch bei bzw. sein Buchgeschenk an Karadzic bewertest (letzteres zu einem Zeitpunkt, da dieser in Den Haag bereits als Kriegsverbrecher angeklagt war)? Das sind für mich keine Aussagen, es sind Handlungen, und sie sind für mich "fragwürdig" in dem Sinne, als dass man durchaus seine Motivation, die er meines Wissens nirgendwo genau erklärt hat, zu hinterfragen. Bei beiden Angelegenheiten hat er sich übrigens bewusst als "Schriftsteller" und nicht als "Privatperson", die diese Handlungen dezidiert von seinem Werk getrennt sehen will, deklariert. 

 

Ich persönlich würde mich wirklich interessieren, was ihn dazu getrieben hat. Es unter den Wunsch zu subsumieren, ein differenzierteres Bild vom Krieg zu zeichnen und gegen die NATO-Bombardierungen Stellung zu nehmen, fällt mir schwer.

 

Warum nicht? Ein Versuch: Handke hat sich wohl leidenschaftlich für die serbische Seite eingesetzt. Und mit Leidenschaft verrennt man sich leicht. Die Ratio funktioniert anders, oder nicht mehr? Oder so gut wie sonst nie? Ein Versuch, wie gesagt … Er hat offenbar die Anklagen und Urteile aus Den Haag nicht anerkannt. Und ich finde das widerspricht sich auch nicht: Zu sagen, ja, das sind Kriegsverbrecher, aber deshalb kann ich (oder muss ich gar?) mit ihnen sprechen, kann ich, mit Vorbehalt, meine Abwendung von ihnen wenigstens hinauszögern, bis die Sache meiner Ansicht nach aufgeklärt ist. Was, wenn ich mit meinen für andere schwer nachvollziehbaren Handlungen Gerechtigkeit entstehen lassen will? Wäre dann dieses Mittel, mit einem Kriegsverbrecher zu sprechen, nicht zulässig? Auch wenn ich damit in einen Bereich eintrete, der hochdiffizil zu denken ist. Ich habe das Gefühl, wir müssen in diese Bereiche dringen. Ein plumpes Einteilen in Gut und Böse, wird uns nie weiterbringen. Vielleicht habe ich mich hier verrannt. Vielleicht hat Handke sich damals verrannt. Aber er ist doch selbstverständlich fehlbar. Daher meine ich: Es gilt seine Grundhaltung zu diesem Krieg zu beachten, nicht einzelne, missglückte Aussagen, oder auch Ansichten. Meines Wissens hat er mehrmals versucht deutlich zu machen, dass er all diese Verbrechen nicht verharmlost. Aber dennoch, trotz all dem Leid und Wahnsinn, die Gerechtigkeit vermisst. Und seine Meinung dazu hat, die er haben dürfen muss.

 

Mir fällt es somit nicht so schwer, zu glauben, dass er damit provozieren wollte, Kontroversen auslösen wollte, seine Bekanntheit nutzen wollte, um ein anderes Bild über diesen Krieg in die Öffentlichkeit zu tragen. Vergessen werden, sollte bei alldem nicht, dass die NATO-Bomben ohne ein UNO-Mandat fielen.   


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#49
Julia

Julia
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Ich finde, man sollte zwischen der literarischen Arbeit und der politischen Einstellung (wobei ich glaube, die wird falsch verstanden) von Handke unterscheiden. Ich denke, er will mit seiner Protesthaltung ausdrücken, dass man genauer hinsehen sollte. Generell. Ich nehme mir vor, ausgewählte Werke von ihm zu lesen aber mehr noch von der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. Ihr Name und ihre Literatur gehen neben der Aufmerksamkeit für Handke etwas unter.

 

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Christine

Stimmt. Das ist ungünstig für sie. Auch noch vom vorigen Jahr nachgereicht. Aber, hej! Es ist immer noch der Nobelpreis!

 

Ich tendiere auch dazu, Handkes Worte und Handeln als Protesthaltung zu verstehen. Ihm zu unterstellen, er würde Kriegsverbrecher verharmlosen und verherrlichen, scheint mir schon ziemlich daneben.

 

Es geht doch um Handkes Grundhaltung zu dem Thema, und die wird man an einzelnen, wenn auch fragwürdigen, Aussagen nicht festmachen können.

 

 

Darf ich Dich fragen (und das ist nicht polemisch gemeint, es ist wirklich ein ehrliches Nachfragen), wie Du Handkes Grabrede für Milosevic und seinen Besuch bei bzw. sein Buchgeschenk an Karadzic bewertest (letzteres zu einem Zeitpunkt, da dieser in Den Haag bereits als Kriegsverbrecher angeklagt war)? Das sind für mich keine Aussagen, es sind Handlungen, und sie sind für mich "fragwürdig" in dem Sinne, als dass man durchaus seine Motivation, die er meines Wissens nirgendwo genau erklärt hat, zu hinterfragen. Bei beiden Angelegenheiten hat er sich übrigens bewusst als "Schriftsteller" und nicht als "Privatperson", die diese Handlungen dezidiert von seinem Werk getrennt sehen will, deklariert. 

 

Ich persönlich würde mich wirklich interessieren, was ihn dazu getrieben hat. Es unter den Wunsch zu subsumieren, ein differenzierteres Bild vom Krieg zu zeichnen und gegen die NATO-Bombardierungen Stellung zu nehmen, fällt mir schwer.

 

Warum nicht? Ein Versuch: Handke hat sich wohl leidenschaftlich für die serbische Seite eingesetzt. Und mit Leidenschaft verrennt man sich leicht. Die Ratio funktioniert anders, oder nicht mehr? Oder so gut wie sonst nie? Ein Versuch, wie gesagt … Er hat offenbar die Anklagen und Urteile aus Den Haag nicht anerkannt. Und ich finde das widerspricht sich auch nicht: Zu sagen, ja, das sind Kriegsverbrecher, aber deshalb kann ich (oder muss ich gar?) mit ihnen sprechen, kann ich, mit Vorbehalt, meine Abwendung von ihnen wenigstens hinauszögern, bis die Sache meiner Ansicht nach aufgeklärt ist. Was, wenn ich mit meinen für andere schwer nachvollziehbaren Handlungen Gerechtigkeit entstehen lassen will? Wäre dann dieses Mittel, mit einem Kriegsverbrecher zu sprechen, nicht zulässig? Auch wenn ich damit in einen Bereich eintrete, der hochdiffizil zu denken ist. Ich habe das Gefühl, wir müssen in diese Bereiche dringen. Ein plumpes Einteilen in Gut und Böse, wird uns nie weiterbringen. Vielleicht habe ich mich hier verrannt. Vielleicht hat Handke sich damals verrannt. Aber er ist doch selbstverständlich fehlbar. Daher meine ich: Es gilt seine Grundhaltung zu diesem Krieg zu beachten, nicht einzelne, missglückte Aussagen, oder auch Ansichten. Meines Wissens hat er mehrmals versucht deutlich zu machen, dass er all diese Verbrechen nicht verharmlost. Aber dennoch, trotz all dem Leid und Wahnsinn, die Gerechtigkeit vermisst. Und seine Meinung dazu hat, die er haben dürfen muss.

 

Mir fällt es somit nicht so schwer, zu glauben, dass er damit provozieren wollte, Kontroversen auslösen wollte, seine Bekanntheit nutzen wollte, um ein anderes Bild über diesen Krieg in die Öffentlichkeit zu tragen. Vergessen werden, sollte bei alldem nicht, dass die NATO-Bomben ohne ein UNO-Mandat fielen.   

 

 

Danke für diese Ausführung. Ich kann sie verstehen, auch nachvollziehen - sie zu teilen fällt mir schwerer, nicht zuletzt, weil ich die Stimmen antinationalistischer Serben (darunter eines serbischen Freundes) im Kopf habe, die auch in den letzten Tagen immer wieder betont haben, dass sie sich gegen eine Zuschreibungs Handkes als "proserbisch" wehren, weil er eben nicht einfach für Serbien, sondern für das Regime Milosevic Partei ergriffen hätte. Aber das letztgültig zu beurteilen, liegt nicht an mir.

Ihn wiederum als fehlbaren Menschen betrachten, der - wie wir alle - das Recht hat, sich auch mal zu verrennen, erschwert mir die Tatsache, dass ich in dieser Causa nicht das Gefühl habe, dass er sich selbst als solcher versteht. Dass man ihm durch extrem überzogene, auf keinerlei konkreten Aussagen bezogene Vorwürfe in mancher Hinsicht Unrecht tut, stelle ich nicht in Frage. Seine oft vulgäre Reaktion auf kritische und m.E. durchaus legitime Nachfragen wird damit in meinen Augen aber nicht richtiger.



#50
Julia

Julia
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Noch was zur Überprüfung und Gegenlesen des beanstandeten Textes, Michael: Ich bin keine bedeutende Autorin, aber mir wurden nach Interviews nie die Texte zur Prüfung vorgelegt. Vielleicht wäre es die Pflicht von ihm oder vom Verlag gewesen. Aber es ist doch bekannt, dass der fertige Text nicht immer das ursprünglich Gesagte wiedergibt.

Ja, schon. Aber wenn ich, so wie Handke, schon Zorres in einer Angelegenheit hätte, würde ich das schon verlangen. Besonders in dieser Sache. (Ist aber seine Sache.)  

 

 

Um hier als ausgebildete Journalistin und mehrfach interviewte Autorin meinen Senf dazu zu geben: Eigentlich macht es guten Journalismus aus, dass Originalzitate immer autorisiert werden, das hießt aber leider nicht, dass das in der Praxis auch immer geschieht. Und auch wenn ein Originalzitat tatsächlich so getätigt wurde, kann es im Kontext des Artikels als sehr ungünstig dastehen - denn darauf, den fertigen Gesamttext zu sehen, hat man kein Recht. Auch ich habe schon Texte über mich gelesen, bei denen es mir schwerfiel nachzuvollziehen, wie das von mir Gesagte so komplett verquer ankam oder zumindest so aufbereitet wurde. 

Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass man sich gegen Falschdarstellung durchaus wehren kann. Ich würde es als arg leichtsinnig empfinden, Interviews gerade über komplexe Themen ins Blaue hinein zu geben und nie wieder nachzulesen, was daraus am Ende wurde. Wenn über Jahre ein Interview kursiert, in dem die eigentliche Meinung völlig konträr wiedergegeben wird - und das noch dazu über trauernde Mütter und Genozide - kann man m.E. durchaus eine gewisse Mitverantwortung am Interviewten festmachen, zumal Handke ja kein Autor ist, der täglich zehn Interviews gibt und deswegen den Überblick verliert.



#51
Michael Beisteiner

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Ich finde, man sollte zwischen der literarischen Arbeit und der politischen Einstellung (wobei ich glaube, die wird falsch verstanden) von Handke unterscheiden. Ich denke, er will mit seiner Protesthaltung ausdrücken, dass man genauer hinsehen sollte. Generell. Ich nehme mir vor, ausgewählte Werke von ihm zu lesen aber mehr noch von der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. Ihr Name und ihre Literatur gehen neben der Aufmerksamkeit für Handke etwas unter.

 

olga_tokarczuk_gruendet_eine_stiftung

 

lg

Christine

Stimmt. Das ist ungünstig für sie. Auch noch vom vorigen Jahr nachgereicht. Aber, hej! Es ist immer noch der Nobelpreis!

 

Ich tendiere auch dazu, Handkes Worte und Handeln als Protesthaltung zu verstehen. Ihm zu unterstellen, er würde Kriegsverbrecher verharmlosen und verherrlichen, scheint mir schon ziemlich daneben.

 

Es geht doch um Handkes Grundhaltung zu dem Thema, und die wird man an einzelnen, wenn auch fragwürdigen, Aussagen nicht festmachen können.

 

 

Darf ich Dich fragen (und das ist nicht polemisch gemeint, es ist wirklich ein ehrliches Nachfragen), wie Du Handkes Grabrede für Milosevic und seinen Besuch bei bzw. sein Buchgeschenk an Karadzic bewertest (letzteres zu einem Zeitpunkt, da dieser in Den Haag bereits als Kriegsverbrecher angeklagt war)? Das sind für mich keine Aussagen, es sind Handlungen, und sie sind für mich "fragwürdig" in dem Sinne, als dass man durchaus seine Motivation, die er meines Wissens nirgendwo genau erklärt hat, zu hinterfragen. Bei beiden Angelegenheiten hat er sich übrigens bewusst als "Schriftsteller" und nicht als "Privatperson", die diese Handlungen dezidiert von seinem Werk getrennt sehen will, deklariert. 

 

Ich persönlich würde mich wirklich interessieren, was ihn dazu getrieben hat. Es unter den Wunsch zu subsumieren, ein differenzierteres Bild vom Krieg zu zeichnen und gegen die NATO-Bombardierungen Stellung zu nehmen, fällt mir schwer.

 

Warum nicht? Ein Versuch: Handke hat sich wohl leidenschaftlich für die serbische Seite eingesetzt. Und mit Leidenschaft verrennt man sich leicht. Die Ratio funktioniert anders, oder nicht mehr? Oder so gut wie sonst nie? Ein Versuch, wie gesagt … Er hat offenbar die Anklagen und Urteile aus Den Haag nicht anerkannt. Und ich finde das widerspricht sich auch nicht: Zu sagen, ja, das sind Kriegsverbrecher, aber deshalb kann ich (oder muss ich gar?) mit ihnen sprechen, kann ich, mit Vorbehalt, meine Abwendung von ihnen wenigstens hinauszögern, bis die Sache meiner Ansicht nach aufgeklärt ist. Was, wenn ich mit meinen für andere schwer nachvollziehbaren Handlungen Gerechtigkeit entstehen lassen will? Wäre dann dieses Mittel, mit einem Kriegsverbrecher zu sprechen, nicht zulässig? Auch wenn ich damit in einen Bereich eintrete, der hochdiffizil zu denken ist. Ich habe das Gefühl, wir müssen in diese Bereiche dringen. Ein plumpes Einteilen in Gut und Böse, wird uns nie weiterbringen. Vielleicht habe ich mich hier verrannt. Vielleicht hat Handke sich damals verrannt. Aber er ist doch selbstverständlich fehlbar. Daher meine ich: Es gilt seine Grundhaltung zu diesem Krieg zu beachten, nicht einzelne, missglückte Aussagen, oder auch Ansichten. Meines Wissens hat er mehrmals versucht deutlich zu machen, dass er all diese Verbrechen nicht verharmlost. Aber dennoch, trotz all dem Leid und Wahnsinn, die Gerechtigkeit vermisst. Und seine Meinung dazu hat, die er haben dürfen muss.

 

Mir fällt es somit nicht so schwer, zu glauben, dass er damit provozieren wollte, Kontroversen auslösen wollte, seine Bekanntheit nutzen wollte, um ein anderes Bild über diesen Krieg in die Öffentlichkeit zu tragen. Vergessen werden, sollte bei alldem nicht, dass die NATO-Bomben ohne ein UNO-Mandat fielen.   

 

 

Danke für diese Ausführung. Ich kann sie verstehen, auch nachvollziehen - sie zu teilen fällt mir schwerer, nicht zuletzt, weil ich die Stimmen antinationalistischer Serben (darunter eines serbischen Freundes) im Kopf habe, die auch in den letzten Tagen immer wieder betont haben, dass sie sich gegen eine Zuschreibungs Handkes als "proserbisch" wehren, weil er eben nicht einfach für Serbien, sondern für das Regime Milosevic Partei ergriffen hätte. Aber das letztgültig zu beurteilen, liegt nicht an mir.

 

Ihn wiederum als fehlbaren Menschen betrachten, der - wie wir alle - das Recht hat, sich auch mal zu verrennen, erschwert mir die Tatsache, dass ich in dieser Causa nicht das Gefühl habe, dass er sich selbst als solcher versteht. Dass man ihm durch extrem überzogene, auf keinerlei konkreten Aussagen bezogene Vorwürfe in mancher Hinsicht Unrecht tut, stelle ich nicht in Frage. Seine oft vulgäre Reaktion auf kritische und m.E. durchaus legitime Nachfragen wird damit in meinen Augen aber nicht richtiger.

 

Habe nicht das Gefühl, er hätte nur für das Regime Milosevic Partei ergriffen. Beurteilen werd ich es aber auch nicht. Naja, kann gut sein, er versteht sich selbst nicht als fehlbar, sein tut ers dennoch. Wie wir sehen, er bleibt streitbar. 


Zuletzt erschienen: zwischenlandungen (Arovell, 2018)

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#52
Julia

Julia
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Ich bin jedenfalls gespannt auf seine Rede zum Nobelpreis. Ich denke, da ist alles möglich - von einer differenzierten, auch selbstkritischen Ansprache über ein völliges Ignorieren sämtlicher Konfliktfelder bishin zu einer Publikumsbeschimpfung.



#53
Angelika Jo

Angelika Jo
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Ganz kurz nur zu zwei Dingen – es gäbe mehr dazu zu sagen, aber die Zeit ist gerade so ein Teufel:

 

- zur Frage der Autorisierung und guten Journalismus: Bei dem jüngst (von der im Perlentaucher und übrigens kroatischen Autorin) ausgegrabenen Anschuldigungsmaterial handelt es sich offenbar weniger um ein Interview als um ein "Gespräch", das Handke mit einem Mitarbeiter einer etwas obskur wirkenden Zeitschrift ("Ketzerbriefe" o.ä.) geführt haben soll.

 

- zur Frage "Wie konnte er nu?!r" (was auf Milosevics Beerdigung sagen, sich überhaupt zu ihm äußern, wo der doch schon in Den Haag als Kriegsverbrecher angeklagt war etc.): So wie ich Handke in den letzten Tagen nachgelesen habe, müsste er darauf eigentlich antworten: Gerade dann natürlich! Zum einen gehört es halt zu ihm, dass er provoziert, siehe sein Auftritt bei der Gruppe 47, seine "Publikumsbeschimpfung" – das gehört sozusagen zu seinem Selbstverständnis als Literat, zu seiner Poetologie (und bräuchte wirklich mehr Beschäftigung als hier in dieser Kürze).

 

Zum anderen gehört es aber – und das ist hier wohl wichtiger – zu seinem Verständnis von Gerechtigkeit. Wenn die ganze (westliche) Welt von Anfang an weiß, dass die Serben die Bösen sind, dann fährt er eben zu denen, schaut sie sich an und spricht mit ihnen und über sie. Das war sein Beitrag zur Aufklärung und auch zur Wiederherstellung von Gerechtigkeit. Mit dem ersteren sympathisiere ich sehr, das letztere – Gerechtigkeit in Kriegsangelegenheiten einzufordern – halte ich für weltfremd. Bei wem soll das gelingen? Er hat doch selbst gerade nachgewiesen, dass hier alle Partei sind.  

 

Insgesamt ist es eigentlich die gleiche Haltung, die Jean Paul Sartre gezeigt hat, als er den in der ganzen damaligen BRD (z.T. auch international) verteufelten Andreas Baader in seiner Zelle in Stammheim aufgesucht hat. Ein Philosoph, freier Denker, Existenzialist und Kämpfer in der Resistance hat sich gesagt: So, da wissen also alle, dass das ein Böser ist? Steht für mich noch lange nicht fest! Zumal er als Partei gegen seinen Staat von dem natürlich nur parteiisch wahrgenommen wird. Den sollte man mal besuchen. Aha – schon verurteilt? Dann erst recht.


Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018

Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de


#54
Angelika Jo

Angelika Jo
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Das war ein Mehrfachzitat, sorry.


Bearbeitet von Angelika Jo, 27.10.2019 - 15:01,

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018

Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

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#55
Julia

Julia
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Danke für den Hinweis von Sartres Besuch bei Andreas Baader. Den hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm, obwohl ich mich nun vage erinnern kann, davon gelesen zu haben.

 

Ich habe übrigens diesen interessanten Spiegel-Artikel darüber gefunden:

https://www.spiegel....d-90848693.html

 

Vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen hier. Gibt es denn einen ähnlich detaillierten Bericht über Handkes Begegnung mit Karadzic? Ich denke, nur in diesem Fall könnte man diese Begegnungen vergleichen und feststellen, ob sie in die gleiche Kategorie  fallen(Provokation der Öffentlichkeit? Neugierde aus einer neutralen Position oder aus einer wertenden? Besuch als Zeichen von Respekt, Anerkennung? Besuch als Anlass, ins Gewissen zu reden, zu mahnen?)



#56
Christa

Christa
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Danke für den Hinweis von Sartres Besuch bei Andreas Baader. Den hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm, obwohl ich mich nun vage erinnern kann, davon gelesen zu haben.

 

Ich habe übrigens diesen interessanten Spiegel-Artikel darüber gefunden:

https://www.spiegel....d-90848693.html

 

Vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen hier. Gibt es denn einen ähnlich detaillierten Bericht über Handkes Begegnung mit Karadzic? Ich denke, nur in diesem Fall könnte man diese Begegnungen vergleichen und feststellen, ob sie in die gleiche Kategorie  fallen(Provokation der Öffentlichkeit? Neugierde aus einer neutralen Position oder aus einer wertenden? Besuch als Zeichen von Respekt, Anerkennung? Besuch als Anlass, ins Gewissen zu reden, zu mahnen?)

 

Ich habe einen exklusiven Auszug aus der Handke-Biografie von Malte Herwig (2011) gefunden:

https://www.faz.net/...rue#pageIndex_2

 

Da werden die Intentionen des Autors beim Treffen mit Karadzic deutlich, wobei Herwig aber an anderer Stelle betont, er habe Handkes eigene Sichtweise dabei berücksichtigt. Wie Angelika fallen mir insgesamt immer als erstes die Provokationen und die "Publikumsbeschimpfung" ein. Ich hatte die damals - in grauer Vorzeit - mal im Fernsehen gesehen und gedacht: Das ist aber ganz schön deftig, was er da auf die runterprasseln lässt.

 

Was den Vergleich mit Jean Paul Sartres Besuch bei Andreas Baader angeht: Alle Sympathisanten der Rote Armee Fraktion wurden damals (besonders von Helmut Schmidt) als Sumpf und Unterstützung der RAF angesehen. Bis zur Gewalteskalation gehörten viele Intellektuelle, Studenten, Schriftsteller wie Heinrich Böll und sogar Willi Brand zu den Sympathisanten. Sartre wollte, wie Angelika sagt, einfach mit eigenen Augen sehen, wie böse Baader denn eigentlich war. Ich habe damals den Auftritt von Bader als lächerlich und intellektuell völlig daneben empfunden, und so war Sartre natürlich auch enttäuscht. Insofern ähneln sich die Intentionen der jeweiligen "Herangeher" an die Sache, nicht aber die Hintergründe der Besuchten. Es geht immer um die Frage der Gewalt. Sartre ist wegen seines Interesses in den Sumpf hineingeraten, und ich weiß nicht einmal mehr, ob ihm das irgendwie zum Nachteil geriet. Zumindest wäre ein Nobelpreis für Philosophie bei ihm auch stark hinterfragt worden, denke ich.


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


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#57
Julia

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Danke für den Hinweis von Sartres Besuch bei Andreas Baader. Den hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm, obwohl ich mich nun vage erinnern kann, davon gelesen zu haben.

 

Ich habe übrigens diesen interessanten Spiegel-Artikel darüber gefunden:

https://www.spiegel....d-90848693.html

 

Vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen hier. Gibt es denn einen ähnlich detaillierten Bericht über Handkes Begegnung mit Karadzic? Ich denke, nur in diesem Fall könnte man diese Begegnungen vergleichen und feststellen, ob sie in die gleiche Kategorie  fallen(Provokation der Öffentlichkeit? Neugierde aus einer neutralen Position oder aus einer wertenden? Besuch als Zeichen von Respekt, Anerkennung? Besuch als Anlass, ins Gewissen zu reden, zu mahnen?)

 

Ich habe einen exklusiven Auszug aus der Handke-Biografie von Malte Herwig (2011) gefunden:

https://www.faz.net/...rue#pageIndex_2

 

Da werden die Intentionen des Autors beim Treffen mit Karadzic deutlich, wobei Herwig aber an anderer Stelle betont, er habe Handkes eigene Sichtweise dabei berücksichtigt. Wie Angelika fallen mir insgesamt immer als erstes die Provokationen und die "Publikumsbeschimpfung" ein. Ich hatte die damals - in grauer Vorzeit - mal im Fernsehen gesehen und gedacht: Das ist aber ganz schön deftig, was er da auf die runterprasseln lässt.

 

 

 

Danke für den Link! Der Artikel wirft ein genaueres Licht auf dieses Treffen, das mir an sich zwar weiterhin suspekt bleibt, aber zumindest ein paar Elemente aufweist (der Einsatz für die bosnischen Freunde, das Nachbohren), die ich als wohltuend empfinde.



#58
KarinKoch

KarinKoch
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Zum anderen gehört es aber – und das ist hier wohl wichtiger – zu seinem Verständnis von Gerechtigkeit. Wenn die ganze (westliche) Welt von Anfang an weiß, dass die Serben die Bösen sind, dann fährt er eben zu denen, schaut sie sich an und spricht mit ihnen und über sie. Das war sein Beitrag zur Aufklärung und auch zur Wiederherstellung von Gerechtigkeit. Mit dem ersteren sympathisiere ich sehr, das letztere – Gerechtigkeit in Kriegsangelegenheiten einzufordern – halte ich für weltfremd. Bei wem soll das gelingen? Er hat doch selbst gerade nachgewiesen, dass hier alle Partei sind.  

 

 

 

Dass Handke sich für eine gerechte Haltung dem serbischen Volk gegenüber einsetzt ist eine Sache. Dass er auf der Beerdigung eines Menschen, der als Kriegsverbrecher angeklagt wurde, eine - freundlich ausgedrückt - nicht unbedingt kritische Rede hält eine andere.

 

Wenn auch das eine Provokation war: wen will er hier provozieren? Und welche Reaktion will er bei den Provozierten hervorrufen? Bei mir bewirkt es nichts als ratloses Kopfschütteln. Dem Manne ist nicht mehr zu helfen.


Wenn du weißt, was du tust

kannst du tun, was du willst. (Moshe Feldenkrais)
http://www.peter-ham...ils/karin_koch/


#59
Julia

Julia
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Gerade habe ich diese Analyse von Miranda Jakiša, Professorin für slawische Literatur- und Kulturwissenschaften der Uni Wien, zum Thema Handke gesehen, die mir als wohltuend fachkundig und bei aller Kritik an Handke als durchaus differenziert erscheint:


Bearbeitet von Julia, 28.10.2019 - 09:07,


#60
Julia

Julia
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Aus irgendeinem Grund wird der Youtube-Beitrag hier nicht verlinkt.

Man findet ihn unter YouTube.de unter dieser Überschrift: "Miranda Jakisa über Peter Handke Nobelpreis".