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Interview mit Andreas


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72 Antworten zu diesem Thema

#21
Michael Beisteiner

Michael Beisteiner
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Ein gutes Interview, danke! Ich schätze seine Nüchternheit. Er spricht sich ja auch gegen eine "Versuhrkampung" der Literatur aus. Das kann ich ihm auch nachfühlen. Hatte Orwell seinen Roman nicht deshalb 1984 genannt, um aus der Gegenwart auf die nahe Zukunft hinzuweisen? Er wurde ja im Jahr 1948 fertiggestellt. Ist das nur ein Gerücht? Weiß das jemand von Euch?

Ob es nur ein Gerücht ist, kann ich nicht belegen. In den Quellen steht aber, dass der Roman "1984" von ca. 1946 bis 1948 geschrieben und 1949 veröffentlicht wurde. Die Zahl 1984 sei aus dem sogenannten "Doppeldenk" entstanden, nämlich der Umkehrung der Zahl 1948. Ich weiß noch, dass ich den Roman noch vor 1984 gelesen habe (neben solchen wie "Farm der Tiere" und "Herr der Fliegen"). Orwell hat mich nachhaltig beeinflusst, was meine Einstellung zur Gesellschaft betrifft, und das, was er schreibt, hat heute eine eminente Gültigkeit, denn wir haben die (fast) totale Überwachung.
Sorry, aber der heutige Zustand hat ja gar nichts mit 1984 zu tun. Das Ueberwachungspotential wurde absolut freiwillig hergestellt.
Wir leben viel eher in der Brave New World.
Was hat die Umkehrung der Jahreszahl mit Doppeldenk zu tun?
Der Artikel selbst scheint leider gesperrt. Hier zumindest.
Interessant :)

 

 

Bei mir funktioniert der Artikel. Brave New World habe ich in der Schule gelesen (1932 erschienen).

Finde ich nicht, dass es zutreffender für die Gegenwart ist (außer vielleicht der Tatsache, dass dort alle mit Konsum, Sex und einer Droge zugedröhnt werden, so dass sie das Denken verlernen).

Die These, die heutige Überwachungsmaschinerie sei freiwillig hergestellt worden, hatten wir hier schon mal. Ich glaube, bei der ewig langen Diskussion über künstliche Intelligenz.

Freiwillig, ja, das bestimmt. Wobei diese Freiwilligkeit bestimmt nicht alle mit einschließt. Manche lassen halt freiwillig ihre Daten speichern. Aus Sicherheitsgründen. Na gut, zu jenen gehöre ich nicht. Mir wurde das aufgezwungen. Nur weil ich bspw. ein Smartphone benütze.  


Zuletzt erschienen: zwischenlandungen (Arovell, 2018)

Neu im Frühjahr 2020: Der Tomatenrebell (Kinderbuch, ab 6 Jahre) erscheint bei wortweit.


#22
FlorianH

FlorianH
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Das ist doch keine These, Christa. 1984 trifft es doch nur oberflaechlich besser als Brave New World, aber nicht in der Motivation.

Niemand zwingt Dich zum Smartphone, ins Internet, zum cambestueckten TV, etc.
Das ist die Fasizination von Jack Reacher, dass er es nicht tut.
Es wird auch fuer Jack immer enger, zugegeben, aber fuer die totale Ueberwachung Deiner selbst bezahlst Du sogar Geld. Sie ist nicht staatlich aufgezwungen, sonder selbst eingekauft.
Deswegen hat es nur sehr oberflaechlich mit 1984 zu tun.

In Brave New World dagegen sind es die Leute selbst, die sich der geistigen Bequemlichkeit wegen lieber zum Zombie machen und entsprechend selbst regulieren.
Beschreibt die Gegenwart viel treffender.

#23
Michael Beisteiner

Michael Beisteiner
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Das ist doch keine These, Christa. 1984 trifft es doch nur oberflaechlich besser als Brave New World, aber nicht in der Motivation.

Niemand zwingt Dich zum Smartphone, ins Internet, zum cambestueckten TV, etc.
Das ist die Fasizination von Jack Reacher, dass er es nicht tut.
Es wird auch fuer Jack immer enger, zugegeben, aber fuer die totale Ueberwachung Deiner selbst bezahlst Du sogar Geld. Sie ist nicht staatlich aufgezwungen, sonder selbst eingekauft.
Deswegen hat es nur sehr oberflaechlich mit 1984 zu tun.

In Brave New World dagegen sind es die Leute selbst, die sich der geistigen Bequemlichkeit wegen lieber zum Zombie machen und entsprechend selbst regulieren.
Beschreibt die Gegenwart viel treffender.

Das würde dann bedeuten: Willst du ein Smartphone benützen, wirst du überwacht. Du entscheidest. Du willst nicht überwacht werden? Nutze die Technologien nicht. Muss ich mich mit der Nutzung automatisch einverstanden erklären, überwacht zu werden? Wie sähe es dann mit Kindern aus? Die haben keinen Begriff von Datenspeicherung und den Spuren, die sie im Netz hinterlassen. Als Vater könnte ich ihnen die Technologien komplett verweigern. Realistisch und förderlich wäre das nicht.    

 

In Bezug auf Brave New World hast Du Recht, finde ich, es ist viel eher Bequemlichkeit, die uns gläsern und fügsam macht, oft genug sogar die Freude an der Selbstdarstellung.


Zuletzt erschienen: zwischenlandungen (Arovell, 2018)

Neu im Frühjahr 2020: Der Tomatenrebell (Kinderbuch, ab 6 Jahre) erscheint bei wortweit.


#24
AndreasE

AndreasE
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Das würde dann bedeuten: Willst du ein Smartphone benützen, wirst du überwacht. Du entscheidest. 

 

Nun, das Problem ist, dass andere entschieden haben, alle Smartphones zu überwachen, und Du nichts dagegen machen kannst. Es bleibt einem nur die Wahl zwischen Unterwerfung und Verweigerung. Und sich zu verweigern wird bald auch nicht mehr möglich sein.



#25
KerstinH

KerstinH
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Das würde dann bedeuten: Willst du ein Smartphone benützen, wirst du überwacht. Du entscheidest. 

 

Nun, das Problem ist, dass andere entschieden haben, alle Smartphones zu überwachen, und Du nichts dagegen machen kannst. Es bleibt einem nur die Wahl zwischen Unterwerfung und Verweigerung. Und sich zu verweigern wird bald auch nicht mehr möglich sein.

 

Und diese anderen sorgen auch dafür, dass das Bewusstsein darüber nicht allzu auffällig in die Bevölkerung getragen wird. Weist jemand mal nachdrücklicher darauf hin, findet er sich schnell in einem fremden Land oder im Knast wieder.



#26
Christa

Christa
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Das ist doch keine These, Christa. 1984 trifft es doch nur oberflaechlich besser als Brave New World, aber nicht in der Motivation.

Niemand zwingt Dich zum Smartphone, ins Internet, zum cambestueckten TV, etc.
Das ist die Fasizination von Jack Reacher, dass er es nicht tut.
Es wird auch fuer Jack immer enger, zugegeben, aber fuer die totale Ueberwachung Deiner selbst bezahlst Du sogar Geld. Sie ist nicht staatlich aufgezwungen, sonder selbst eingekauft.
Deswegen hat es nur sehr oberflaechlich mit 1984 zu tun.

In Brave New World dagegen sind es die Leute selbst, die sich der geistigen Bequemlichkeit wegen lieber zum Zombie machen und entsprechend selbst regulieren.
Beschreibt die Gegenwart viel treffender.

 

Aldous Huxley hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm. Aber es stimmt, dass wir für unsere Überwachung auch noch Geld zahlen.

Ich muss kein Handy und kein Smartphone benutzen, aber ohne Computer kann ich ja nicht mal meine Steuererklärung machen.

Es ist also eine Art gesellschaftlicher Zwang, dem man sich nicht mehr entziehen kann, auch als Autor nicht. Außer man lebt in einer Hütte im Wald.

 

Was mir Sorge macht: Wie gehen die Drahtzieher mit dieser Entwicklung um? Gestern las ich, dass es nächstes Jahr in China Sozialpunkte geben soll, es werden Negativpunkte für Fehlverhalten wie Überqueren einer roten Ampel, Kritik an der Regierung und positive wie zum Beispiel Blutspenden vergeben, was sich in der Vergabe von Wohnungen usw. auswirkt. Bei uns in Deutschland sei das bei der Mehrheit auf Ablehnung gestoßen, 20% wären aber dafür gewesen. (Link: Sehnsucht nach dem Überwachungsstaat)

 

https://www.sueddeut...chung-1.4594816


Bearbeitet von Christa, 29.11.2019 - 10:58,

Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#27
FlorianH

FlorianH
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Das ist doch keine These, Christa. 1984 trifft es doch nur oberflaechlich besser als Brave New World, aber nicht in der Motivation.

Niemand zwingt Dich zum Smartphone, ins Internet, zum cambestueckten TV, etc.
Das ist die Fasizination von Jack Reacher, dass er es nicht tut.
Es wird auch fuer Jack immer enger, zugegeben, aber fuer die totale Ueberwachung Deiner selbst bezahlst Du sogar Geld. Sie ist nicht staatlich aufgezwungen, sonder selbst eingekauft.
Deswegen hat es nur sehr oberflaechlich mit 1984 zu tun.

In Brave New World dagegen sind es die Leute selbst, die sich der geistigen Bequemlichkeit wegen lieber zum Zombie machen und entsprechend selbst regulieren.
Beschreibt die Gegenwart viel treffender.

Das würde dann bedeuten: Willst du ein Smartphone benützen, wirst du überwacht. Du entscheidest. Du willst nicht überwacht werden? Nutze die Technologien nicht. Muss ich mich mit der Nutzung automatisch einverstanden erklären, überwacht zu werden? Wie sähe es dann mit Kindern aus? Die haben keinen Begriff von Datenspeicherung und den Spuren, die sie im Netz hinterlassen. Als Vater könnte ich ihnen die Technologien komplett verweigern. Realistisch und förderlich wäre das nicht.

In Bezug auf Brave New World hast Du Recht, finde ich, es ist viel eher Bequemlichkeit, die uns gläsern und fügsam macht, oft genug sogar die Freude an der Selbstdarstellung.
Die Antwort auf die Fragen haengt leider nicht von meiner Meinung ab :)

#28
FlorianH

FlorianH
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Das würde dann bedeuten: Willst du ein Smartphone benützen, wirst du überwacht. Du entscheidest.


Nun, das Problem ist, dass andere entschieden haben, alle Smartphones zu überwachen, und Du nichts dagegen machen kannst. Es bleibt einem nur die Wahl zwischen Unterwerfung und Verweigerung. Und sich zu verweigern wird bald auch nicht mehr möglich sein.
Und diese anderen sorgen auch dafür, dass das Bewusstsein darüber nicht allzu auffällig in die Bevölkerung getragen wird. Weist jemand mal nachdrücklicher darauf hin, findet er sich schnell in einem fremden Land oder im Knast wieder.
Finde ich nicht. Das Bewusstsein hat heute so ziemlich jeder.
Und Andreas ist ja auch trotz NSA noch auf freiem Fuss.

#29
FlorianH

FlorianH
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Das ist doch keine These, Christa. 1984 trifft es doch nur oberflaechlich besser als Brave New World, aber nicht in der Motivation.

Niemand zwingt Dich zum Smartphone, ins Internet, zum cambestueckten TV, etc.
Das ist die Fasizination von Jack Reacher, dass er es nicht tut.
Es wird auch fuer Jack immer enger, zugegeben, aber fuer die totale Ueberwachung Deiner selbst bezahlst Du sogar Geld. Sie ist nicht staatlich aufgezwungen, sonder selbst eingekauft.
Deswegen hat es nur sehr oberflaechlich mit 1984 zu tun.

In Brave New World dagegen sind es die Leute selbst, die sich der geistigen Bequemlichkeit wegen lieber zum Zombie machen und entsprechend selbst regulieren.
Beschreibt die Gegenwart viel treffender.


Aldous Huxley hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm. Aber es stimmt, dass wir für unsere Überwachung auch noch Geld zahlen.
Ich muss kein Handy und kein Smartphone benutzen, aber ohne Computer kann ich ja nicht mal meine Steuererklärung machen.
Es ist also eine Art gesellschaftlicher Zwang, dem man sich nicht mehr entziehen kann, auch als Autor nicht. Außer man lebt in einer Hütte im Wald.

Was mir Sorge macht: Wie gehen die Drahtzieher mit dieser Entwicklung um? Gestern las ich, dass es nächstes Jahr in China Sozialpunkte geben soll, es werden Negativpunkte für Fehlverhalten wie Überqueren einer roten Ampel, Kritik an der Regierung und positive wie zum Beispiel Blutspenden vergeben, was sich in der Vergabe von Wohnungen usw. auswirkt. Bei uns in Deutschland sei das bei der Mehrheit auf Ablehnung gestoßen, 20% wären aber dafür gewesen. (Link: Sehnsucht nach dem Überwachungsstaat)

https://www.sueddeut...chung-1.4594816
Es ist nicht nur die Frage, wie sie jetzt damit umgehen, sondern auch, wie zu jeder beliebigen Zeit in derZukunft damit umgegangen werden wird. Ueber diesen Acker koennen alle moeglichen politischen Winde wehen, jetzt oder spaeter. Aber das Spaeter hat neuerdings ein fantastisches Erinnerungsvermoegen erhalten :)

#30
KerstinH

KerstinH
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Das würde dann bedeuten: Willst du ein Smartphone benützen, wirst du überwacht. Du entscheidest.


Nun, das Problem ist, dass andere entschieden haben, alle Smartphones zu überwachen, und Du nichts dagegen machen kannst. Es bleibt einem nur die Wahl zwischen Unterwerfung und Verweigerung. Und sich zu verweigern wird bald auch nicht mehr möglich sein.
Und diese anderen sorgen auch dafür, dass das Bewusstsein darüber nicht allzu auffällig in die Bevölkerung getragen wird. Weist jemand mal nachdrücklicher darauf hin, findet er sich schnell in einem fremden Land oder im Knast wieder.
Finde ich nicht. Das Bewusstsein hat heute so ziemlich jeder.
Und Andreas ist ja auch trotz NSA noch auf freiem Fuss.

 

Ich habe weniger von Andreas als von Snowden geredet. Aber egal, jeder sieht die derzeitige Entwicklung anders. Dass das Bewusstsein jeder hätte, glaube ich allerdings nicht; allein wenn ich sehe, was heute immer noch über die sozialen Medien an Privatsphäre preisgegeben wird. Ich gehe aber mit der These mit, dass die meisten Angebote (anfangs) freiwillig sind und daher gern angenommen werden. Ich habe z.B. bestimmte Apps nicht auf dem Handy, weil ich dafür Zugang zu meinen abgespeicherten SMS gewähren sollte. Dem kann ich ausweichen. Meiner elektronischen Steuererklärung nicht.

Und damit lasse ich es gut sein :).



#31
Christa

Christa
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Das ist doch keine These, Christa. 1984 trifft es doch nur oberflaechlich besser als Brave New World, aber nicht in der Motivation.

Niemand zwingt Dich zum Smartphone, ins Internet, zum cambestueckten TV, etc.
Das ist die Fasizination von Jack Reacher, dass er es nicht tut.
Es wird auch fuer Jack immer enger, zugegeben, aber fuer die totale Ueberwachung Deiner selbst bezahlst Du sogar Geld. Sie ist nicht staatlich aufgezwungen, sonder selbst eingekauft.
Deswegen hat es nur sehr oberflaechlich mit 1984 zu tun.

In Brave New World dagegen sind es die Leute selbst, die sich der geistigen Bequemlichkeit wegen lieber zum Zombie machen und entsprechend selbst regulieren.
Beschreibt die Gegenwart viel treffender.


Aldous Huxley hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm. Aber es stimmt, dass wir für unsere Überwachung auch noch Geld zahlen.
Ich muss kein Handy und kein Smartphone benutzen, aber ohne Computer kann ich ja nicht mal meine Steuererklärung machen.
Es ist also eine Art gesellschaftlicher Zwang, dem man sich nicht mehr entziehen kann, auch als Autor nicht. Außer man lebt in einer Hütte im Wald.

Was mir Sorge macht: Wie gehen die Drahtzieher mit dieser Entwicklung um? Gestern las ich, dass es nächstes Jahr in China Sozialpunkte geben soll, es werden Negativpunkte für Fehlverhalten wie Überqueren einer roten Ampel, Kritik an der Regierung und positive wie zum Beispiel Blutspenden vergeben, was sich in der Vergabe von Wohnungen usw. auswirkt. Bei uns in Deutschland sei das bei der Mehrheit auf Ablehnung gestoßen, 20% wären aber dafür gewesen. (Link: Sehnsucht nach dem Überwachungsstaat)

https://www.sueddeut...chung-1.4594816
Es ist nicht nur die Frage, wie sie jetzt damit umgehen, sondern auch, wie zu jeder beliebigen Zeit in derZukunft damit umgegangen werden wird. Ueber diesen Acker koennen alle moeglichen politischen Winde wehen, jetzt oder spaeter. Aber das Spaeter hat neuerdings ein fantastisches Erinnerungsvermoegen erhalten :)

 

Du meinst, dass immer mehr Leute ein Bewusstsein über die Gefahren haben? Und wer ist eigentlich Jack Reacher? Könnte der ein Vorbild für uns sein, indem er sich verweigert?

 

Was Kerstin in dem anderen Beitrag sagt, könnte hilfreich sein: Den möglichen Schaden begrenzen. Zum Beispiel diese Apps, die Zugang zu den Daten ermöglichen. Was ich auch unheimlich finde: Dass mein Smartphone immer weiß und genau bei Google Maps anzeigt, wo ich gerade bin. Das soll dazu dienen, dass mein Sohn auf dem Bahnhof weiß, wo genau er mich abholen kann. Zum Beispiel. Aber in einem fiktiven totalitären Staat könnte man ausspähen, dass ich gerade an einem verdächtigen Ort bin und mich vorläufig festnehmen. 8-)


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#32
Olaf

Olaf
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Ich finde es ja schön, dass die Diskussion hier so lebhaft ist. Aber war nicht das eigentliche Thema das Interview mit Andreas?  ::)


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#33
FlorianH

FlorianH
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@ Kerstin.Snowden sagen, wenn Du Snowden meinst :)
Der ist, wo er ist, weil er Staatsgeheimnisse ausgeplaudert hat. So etwas hat kein Staat jemals locker gesehen.Man kann sich nun trefflich streiten, ob der betreffende Staat das moralische Recht zur Spionage hatte, aber so richtig ueberrascht war ueber die Leaks wohl niemand, der sich je einmal gefragt hat, was Geheimdienste eigentlich den lieben, langen Tag so treiben :)

@ Chtista.Ein paar Apps nicht zu nutzen ist etwa so hilfreich, wie Lights statt den Normal zu rauchen :)
Ernsthaft, es gibt nur wenige, die absolut noch nie etwas von dem Ueberwachungspotential moderner Zeiten gehoert haben.
Jack Reacher ist eine coole Socke. Romanheld von Lee Child, ein ziemlicher Bestseller in ueber 20 Baenden. Keine hochtrabende Literatur, aber sehr spassig. Und ein Filmheld ist er auch. Da sieht er dann Tom Cruise zum verwechseln aehnlich.

#34
Michael Beisteiner

Michael Beisteiner
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Das würde dann bedeuten: Willst du ein Smartphone benützen, wirst du überwacht. Du entscheidest. 

 

Nun, das Problem ist, dass andere entschieden haben, alle Smartphones zu überwachen, und Du nichts dagegen machen kannst. Es bleibt einem nur die Wahl zwischen Unterwerfung und Verweigerung. Und sich zu verweigern wird bald auch nicht mehr möglich sein.

 

Ja, sehe ich auch so. Leider. Und ich nutze ein Smartphone obwohl ich mit der Überwachung nicht einverstanden bin. Das ist arg genug. Aber von Freiwilligkeit kann da keine Rede sein.

 

Warum denkst Du, dass auch Verweigerung eines Tages nicht mehr möglich sein wird? 


Zuletzt erschienen: zwischenlandungen (Arovell, 2018)

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#35
Christa

Christa
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@ Chtista.Ein paar Apps nicht zu nutzen ist etwa so hilfreich, wie Lights statt den Normal zu rauchen :)
Ernsthaft, es gibt nur wenige, die absolut noch nie etwas von dem Ueberwachungspotential moderner Zeiten gehoert haben.
Jack Reacher ist eine coole Socke. Romanheld von Lee Child, ein ziemlicher Bestseller in ueber 20 Baenden. Keine hochtrabende Literatur, aber sehr spassig. Und ein Filmheld ist er auch. Da sieht er dann Tom Cruise zum verwechseln aehnlich.

 

Du hast recht, denn alle Versuche für eine Begrenzung der Überwachung wirken so kläglich, wie ich gesehen habe. Da gibt es Apps, die eine solche Überwachung anzeigen sollen, sobald jemand Zugriff auf die Daten nimmt. Wenn Google Maps deinen Standort bestimmt, leuchtet oben sichtbar eine Benachrichtigung auf. Es gibt auch Apps, die dich dazu bringen sollen, das Suchtverhalten einzudämmen. Grauschaltung des Displays, Bitte nicht stören und solche Sachen. Viele Nutzer scheinen sich also schon bewusst zu sein, auf was sie sich da eingelassen haben. Aber selbst die Nachricht, dass jungen Nutzern von Smartphones Hörner am Hinterkopf wachsen sollen, hat sie offensichtlich nicht davon abgehalten, sich weiterhin stoisch darüber zu beugen. Oder würde die Warnung "Vorsicht, Sucht-und Überwachungsgefahr mit möglicherweise tödlichen Folgen" darauf stehen, würden sie es trotzdem nutzen.

 

Ich frage mich nur, warum nicht die einfachste aller Methoden empfohlen wird: Handy und Smartphone abschalten und nur bei wichtigen Sachen in Betrieb nehmen! So mache ich es bisher auch. Oder reicht das etwa nicht? Muss man die Smartphones wegwerfen oder kaputtmachen, um nicht mehr überwacht zu werden?

 

(Über Jack Reacher und Tom Cruise habe ich mich gerade kundig gemacht - beim Remake 2018 war Tom Cruise dann wirklich zu klein für die Rolle!)


Bearbeitet von Christa, 29.11.2019 - 14:55,

Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#36
AndreasE

AndreasE
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Warum denkst Du, dass auch Verweigerung eines Tages nicht mehr möglich sein wird? 

 

Lesereisenerlebnis: Ich steige in Sankt Nirgendwo aus dem Zug, im Tagesplan steht: "Bitte nehmen Sie ein Taxi zum Hotel." Und am Taxistand steht: "Taxiruf Telefon 0172…" Keine Telefonzelle zu sehen. Und niemand weit und breit, den man um sein Handy anhauen könnte, weil, es ist Sankt Nirgendwo und schlechtes Wetter.

 

Auf Flughäfen gibt es übrigens auch keine Telefonzellen mehr.

 

Lesereisenerlebnis: Ich komme ans Hotel, die Tür ist zu, ein Zettel hängt da: "Gäste bitte anrufen Telefon 0171…"

 

Meistens kann man sich da noch irgendwie behelfen. Aber hier in Frankreich gibt es nun schon Fachärzte, bei denen man Termine nur noch per Internet machen kann, über Portale, zu denen man nur über eine App Zugang hat. 

 

Kurzum: Die Einschläge kommen immer näher …



#37
Andreas

Andreas
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Die letzte Telefonzelle der Schweiz stand heute in der Zeitung und künftig im Museum:
https://www.nzz.ch/p...nden-ld.1519927

Bearbeitet von Andreas, 29.11.2019 - 19:41,


#38
Christa

Christa
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Warum denkst Du, dass auch Verweigerung eines Tages nicht mehr möglich sein wird? 

 

Lesereisenerlebnis: Ich steige in Sankt Nirgendwo aus dem Zug, im Tagesplan steht: "Bitte nehmen Sie ein Taxi zum Hotel." Und am Taxistand steht: "Taxiruf Telefon 0172…" Keine Telefonzelle zu sehen. Und niemand weit und breit, den man um sein Handy anhauen könnte, weil, es ist Sankt Nirgendwo und schlechtes Wetter.

 

Auf Flughäfen gibt es übrigens auch keine Telefonzellen mehr.

 

Lesereisenerlebnis: Ich komme ans Hotel, die Tür ist zu, ein Zettel hängt da: "Gäste bitte anrufen Telefon 0171…"

 

Meistens kann man sich da noch irgendwie behelfen. Aber hier in Frankreich gibt es nun schon Fachärzte, bei denen man Termine nur noch per Internet machen kann, über Portale, zu denen man nur über eine App Zugang hat. 

 

Kurzum: Die Einschläge kommen immer näher …

 

Das Gleiche haben wir mal auf einem Bahnhof erlebt, wo sonst immer Taxis gestanden hatten. Glücklicherweise waren Leute mit Smartphones in der Nähe, aber wir mussten trotzdem noch fast eine Stunde warten. Taxis warten wohl nur noch in größeren Städten. Unterwegssein ohne Smartphone oder Handy ist fast unmöglich geworden. Dagegen sind andere mit diesen Geräten fein raus: Neulich sprach der Besitzer des Hotels, zu dem mein Smartphone-affiner Sohn und ich unterwegs waren, plötzlich aus dem Display des Leihwagens: Die Rezeption schließe um halb zehn, der Schlüssel sei mit Codewort xx dort und dort gelagert. So sparen sie sich Rezeptionspersonal und -Zeiten. 

 

Ganz eng wird es aber mit der zunehmenden Digitalisierung aller Bereiche, nicht nur bei den Ärzten. Für jeden Pippifax wird man sich in Zukunft eine App herunterladen müssen. Postpakete in Schließfächern können Neukunden künftig nur noch mit App abholen. Manche Banken verlangen die Einrichtung von Apps fürs Onlinebanking. Und am Schlimmsten die Vorstellung: Eines Tages kommst du nach Hause, willst die Heizung aufdrehen wie gewohnt und das Licht anmachen, aber es geht nichts mehr. Du musst dir ein Smartphone kaufen, sonst wirst du hungern und frieren. 8-)

 

Zu den Telefonzellen: Genau, da war doch mal was. Irgendwann waren sie verschwunden, es begann in den Neunzigern mit der Telefonkarte, als du plötzlich kein Geld mehr reinschmeißen konntest. Die letzte gelbe deutsche Telefonzelle wurde dieses Jahr vom Königsee abtransportiert, Andreas.W. Jetzt gibt es noch 17 000 statt ursprünglich 100 000. Aber ich sehe keine mehr, auch keine magenta-grauen, wo man vor aller Leute Ohren sprechen musste. Wie Handy-Leben eben, alles wird öffentlich. Und die Verweigerer sind die Parias, die sich dem Fortschritt verschließen.

 

Und doch kenne ich noch genug Leute, die verweigern. Die mit Behörden vom Festnetz telefonieren, Briefe an Ämter schreiben und Antworten bekommen, persönlich Arzttermine ausmachen und in fremden Städten Leute nach dem Weg fragen. 


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#39
Elli

Elli
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Ich habe auch kein Smartphone und weigere mich, mir eines zulegen.

Mir gehen diese "Smombies" sowas von auf den Geist. Auch bei Lesungen bitte ich immer die Zuhöhrer darum, ihre Geräte auszuschalten - AUS, nicht stumm - , weil ich es extrem respektlos finde, wenn da vorne jemand etwas vorträgt und die Leute checken ihre Mails etc.

 

Aber ich habe ein uraltes Nokia-Handy, mit dem ich nur telefonieren und SMS schicken kann. Das habe ich auch nur mit, wenn ich unterwegs bin. Bin also für die Veranstalter im Notfall erreichbar - nur an diesem Tag. Und, liebe Christa, dann kann ich auch ein Taxi rufen.

 

Aber das war wohl nicht das Thema des Posts. Tolles Interview, Andreas. Und schön, dass es noch andere Menschen gibt, die ohne Smartphone überleben.

 

Gruß

Elli


Autorenseite Elli Radinger | BLOG | Wolf Magazin

Die Natur ist das einzige Buch, das auf allen Blättern großen Inhalt bietet. (J. W. Goethe)


#40
Christa

Christa
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Das Netz ist voll von Berichten zum Überleben ohne Smartphone, Elli. Und sei es auch nur für einen Monat.

Was das alte Nokia-Handy betrifft: Ich habe schon lange ein Handy, nicht so alt. Das hat mir immer unterwegs gute Dienste geleistet

Aber es ist nicht internetfähig. Wenn du nun also so da stehst und kein Taxi weit und breit, weißt du ja gar nicht, welche Nummer du anrufen sollst. Bei unserem Bahnhof stand nämlich keine. Deshalb jetzt das Smartphone. Und fürs Checken und Recherchieren unterwegs.

 

o.t. Ich meine, die Smombies seien weniger geworden. Smartphones vertragen sich nun mal nicht mit einer Antiplastikbewegung. ;)


Bearbeitet von Christa, 30.11.2019 - 10:10,

Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


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