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Herab/hinab


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25 Antworten zu diesem Thema

#1
Sabine

Sabine
  • 1.755 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14

Hallo zusammen!

 

Ich bin gerade dabei, das Lektorat durchzugehen, und bin an zwei Stellen mit den Änderungen der Lektorin nicht einverstanden. 

 

Ich hatte geschrieben: Ich beuge mich zu ihm hinab.

Und sie hat es geändert auf: Ich beuge mich zu ihm herab.

 

Soweit ich aber weiß, schreibt man hin, wenn man sich vom eigenen Standpunkt zu einem anderen hinbewegt. Und her, wenn sich etwas von einem anderen Standpunkt zum eigenen herbewegt.

Oder denke ich da plötzlich verkehrt?

 



#2
Dagmar

Dagmar
  • 768 Beiträge
  • Dabei seit 05.05.07

Nein, Du denkst nicht verkehrt. Oder ich denke ebenfalls falsch.


Das Beste beim Diktieren ist, dass man Worte verwenden kann, von denen man keine Ahnung hat, wie sie geschrieben werden.


#3
KerstinH

KerstinH
  • 1.263 Beiträge
  • Dabei seit 08.04.19
Nein, es kann theoretisch auch jemand zu dir hineinkommen, ins Haus zum Beispiel, und sich damit auf dich zubewegen. Es kommt darauf an, wo die "Kamera" steht, die das sieht. Also auf die Perspektive.
In deinem Fall würde ich die Kamera in den Augen deiner Protagonistin verorten und deshalb für "hinab" plädieren.

Edit: Zum Beispiel:
Ich gehe hinaus (in die Gefahr - das entspricht deinem Beispiel, du bewegst dich auf etwas oder jemanden zu).
Aber: Ich komme heraus (aus meinem Schneckenhaus, dorthin, wo die anderen - und die Kamera - schon auf mich warten).

Bearbeitet von KerstinH, 09.12.2019 - 17:27,


#4
Wolf

Wolf
  • 898 Beiträge
  • Dabei seit 21.10.08
Auch wenn ich Kerstin recht gebe, weil sie damit noch ein paar "Ausnahmen" zuordnet, kommst Du mit Deiner Regel bereits hervorragend klar. Als Leser würde ich über ein "herab" in Deinem Text stolpern.

Liebe Grüße
Wolf

#5
Sabine

Sabine
  • 1.755 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14

Nein, es kann theoretisch auch jemand zu dir hineinkommen, ins Haus zum Beispiel, und sich damit auf dich zubewegen. Es kommt darauf an, wo die "Kamera" steht, die das sieht. Also auf die Perspektive.
In deinem Fall würde ich die Kamera in den Augen deiner Protagonistin verorten und deshalb für "hinab" plädieren.

 

Die Kamera sind also die Augen. Denn ich habe auch eine weitere Stelle, bei der ich geschrieben habe:

Ich sehe an mir hinab. Und sie hat es geändert in: Ich sehe an mir herab.

Dann hat sie da also auch unrecht?

 

Ich danke euch!



#6
Gerswid

Gerswid
  • 594 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.06

"Ich sehe an mir hinab" ist doch richtig. Und "Ich beuge mich zu ihm hinab" ebenfalls. Auf jeden Fall mache ich es ganz genauso wie du.

 

Liebe Grüße

Gerswid



#7
Sabine

Sabine
  • 1.755 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14

"Ich sehe an mir hinab" ist doch richtig. Und "Ich beuge mich zu ihm hinab" ebenfalls. Auf jeden Fall mache ich es ganz genauso wie du.

 

Liebe Grüße

Gerswid

 

Danke! Dann werde ich das jetzt guten Gewissens wieder zurück korrigieren.



#8
KerstinH

KerstinH
  • 1.263 Beiträge
  • Dabei seit 08.04.19

 

Nein, es kann theoretisch auch jemand zu dir hineinkommen, ins Haus zum Beispiel, und sich damit auf dich zubewegen. Es kommt darauf an, wo die "Kamera" steht, die das sieht. Also auf die Perspektive.
In deinem Fall würde ich die Kamera in den Augen deiner Protagonistin verorten und deshalb für "hinab" plädieren.

 

Die Kamera sind also die Augen. Denn ich habe auch eine weitere Stelle, bei der ich geschrieben habe:

Ich sehe an mir hinab. Und sie hat es geändert in: Ich sehe an mir herab.

Dann hat sie da also auch unrecht?

 

Ich danke euch!

 

Bei Ich-Perspektive sind die Augen des Protagonisten die Kamera, ganz klar. Und im wahren Leben ( ;)) natürlich auch, denn man erlebt sich ja im Mittelpunkt seines Lebens. Insofern stimmt auch, was du ganz oben geschrieben hast und was Dagmar bestätigte.

Beim zweiten Beispiel bin ich mir nicht sicher, da scheint mir beides zu gehen. Es gibt ja zusätzlich noch die Augen des Lesers rsp des Zuschauers. Beim Krimi würde jemand mit erhobenen Händen auch nicht sagen: "Ich komme hinaus", sondern "Ich komme raus."  Da antizipiert er quasi die Perspektive der/des anderen, der draußen wartet.

Es scheint mir ein bisschen davon abzuhängen, wo ich als Autor will, dass die Kamera steht bzw. von wo aus der Leser das Geschehen erleben soll, selbst wenn er die Gedanken des Protagonisten eins zu eins lesen kann.

 

Das schreibe ich nach drei Glühwein(en?), falls es etwas kryptisch wirkt ...  ;D


Bearbeitet von KerstinH, 09.12.2019 - 18:36,


#9
Sabine

Sabine
  • 1.755 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14

 

 

Nein, es kann theoretisch auch jemand zu dir hineinkommen, ins Haus zum Beispiel, und sich damit auf dich zubewegen. Es kommt darauf an, wo die "Kamera" steht, die das sieht. Also auf die Perspektive.
In deinem Fall würde ich die Kamera in den Augen deiner Protagonistin verorten und deshalb für "hinab" plädieren.

 

Die Kamera sind also die Augen. Denn ich habe auch eine weitere Stelle, bei der ich geschrieben habe:

Ich sehe an mir hinab. Und sie hat es geändert in: Ich sehe an mir herab.

Dann hat sie da also auch unrecht?

 

Ich danke euch!

 

Bei Ich-Perspektive sind die Augen des Protagonisten die Kamera, ganz klar. Und im wahren Leben ( ;)) natürlich auch, denn man erlebt sich ja im Mittelpunkt seines Lebens. Insofern stimmt auch, was du ganz oben geschrieben hast und was Dagmar bestätigte.

Beim zweiten Beispiel bin ich mir nicht sicher, da scheint mir beides zu gehen. Es gibt ja zusätzlich noch die Augen des Lesers rsp des Zuschauers. Beim Krimi würde jemand mit erhobenen Händen auch nicht sagen: "Ich komme hinaus", sondern "Ich komme raus."  Da antizipiert er quasi die Perspektive der/des anderen, der draußen wartet.

Es scheint mir ein bisschen davon abzuhängen, wo ich als Autor will, dass die Kamera steht bzw. von wo aus der Leser das Geschehen erleben soll, selbst wenn er die Gedanken des Protagonisten eins zu eins lesen kann.

 

Das schreibe ich nach drei Glühwein(en?), falls es etwas kryptisch wirkt ...  ;D

 

 

Ich schreibe aus der Ich-Perspektive und bin sehr nah an meiner Protagonstin, weshalb ich mit "Ich schaue an mir hinab" ein besseres Gefühl habe. Aber wahrscheinlich ist es den Lesern egal :s01 .

 

Prost

Sabine



#10
Christa

Christa
  • 10.053 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Mir ist das als Leserin nicht egal-manchmal stutze ich beim Lesen von Romanen wegen solcher Stellen.

Der Duden und auch der Link nennen es "Perspektive des Sprechenden". In deinem Fall wäre also der Ich-Erzähler der Sprechende.

"Ich beuge mich zu ihm hinab."

 

Der Vater sagt zur Mutter, die oben an der Treppe steht:

"Ich schicke dir jetzt die Kinder hinauf."

 

Die Mutter, die oben steht, sagt: 

"Schick mir doch mal die Kinder herauf."

https://deutschegram...ed-hin-und-her/


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Mörderische Förde ab 5.10. 20 https://www.thalia.d...D149527193.html Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#11
Sabine

Sabine
  • 1.755 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14

Mir ist das als Leserin nicht egal-manchmal stutze ich beim Lesen von Romanen wegen solcher Stellen.


Du bist aber kein normaler Leser, sondern Autor-Leser. Hihi.

#12
Christa

Christa
  • 10.053 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

 

Mir ist das als Leserin nicht egal-manchmal stutze ich beim Lesen von Romanen wegen solcher Stellen.


Du bist aber kein normaler Leser, sondern Autor-Leser. Hihi.

 

Und dann gibt es noch die lesenden Lehrerinnen, Professoren, Studenten und Gymnasiasten ...


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Mörderische Förde ab 5.10. 20 https://www.thalia.d...D149527193.html Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#13
Sabine

Sabine
  • 1.755 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14
Okay, die gibt es auch noch. Dann wird’s langsam eng.

#14
JuliaD

JuliaD
  • 279 Beiträge
  • Dabei seit 07.10.17

For whatever it's worth, nachdem Ihr das ja alle schon gesagt habt: Du hast Recht. :)

"Hin" ist von der Kamera weg, "her" ist zur Kamera gerichtet.


Bearbeitet von JuliaD, 10.12.2019 - 16:15,


#15
Angelika Jo

Angelika Jo
  • 3.457 Beiträge
  • Dabei seit 03.07.07
Sabine und alle, die das auch schon gesagt haben, haben Recht.

Als kleine Merkhilfe: „her“ ist ein altes „hier“, schön erkennbar an dem „Hierheeeeer!“, mit dem der Dackel gerufen zum Sprecher gerufen wird. Mit „hin“ meinte man früher „weg“, heute noch ersichtlich an Ausdrücken wie „Alles ist hin“, „Ich bin hin und weg“ und sogar - eher grausam - in der „Hinrichtung“ (da ist man dann auch weniger anwesend als weg).

Die Kurzformen raus, rein, rüber, runter etc. gehören der gesprochenen Sprache und machen es sich leicht, bei ihnen ist der Unterschied zwischen hin und her aufgehoben.

Angelika

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018

Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de


#16
ClaudiaB

ClaudiaB
  • 2.400 Beiträge
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Darf ich mich hier noch einmal fragend einschalten (statt mich herauszuhalten? :)) Ich verfahre mit hin und her so wie von euch beschrieben, etwas, das relativ selbstverständlich abläuft.

Aber ich habe immer wieder ein Sprachgefühlproblem, wenn ich mich aus etwas herausbewege. Es müsste hinaus heißen, denn ich ziehe ja irgendwo hin. Und ich will dennoch immer wieder schreiben: Ich fahre aus der Stadt heraus. (Warum, vielleicht, weil eine Stadt den Hinausziehenden noch eine Weile begleitet, weil es dauert, bis man die letzten Häuser hinter sich lässt und hinter dem Ortsschild noch ein Bushäuschen steht?)

Ich verbessere es - da ich ja hinaus und weiterfahre - da erscheint es mir falsch. Kehre also zurück zum ursprünglichen, eigentlich von der Logik falschen, vom Gefühl aber richtigen her - und auch das schaut mich nun fragend an. Beides irgendwie "falsch". Ich weiß, dass das Sprachgefühl mitunter in die Irre führt, aber ...  Was tun?


Neu: Cleo Leuchtenberg (Lisa Dickreiter & Claudia Brendler) I love you heißt noch lange nicht Ich liebe dich. Oetinger HC
http://www.claudiabrendler.de


#17
KerstinH

KerstinH
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Ich finde nicht, dass dein Sprachgefühl dich trügt. Es gibt auch eine psychologische Dimension der Bewegung, finde ich. Nicht nur die rein räumliche.

Hinaus, wenn du zielgerichtet bist und irgendwo hinwillst. Heraus, wenn du (mit Herz oder Seele) noch an oder in dem alten Ort hängst. Also wo dein Fokus ist (statt Kamera).

Ich verlasse etwas Liebgewonnenes oder zumindest Sicheres (der Schmetterling den Kokon): heraus. Ich begebe mich in eine neue unbekannte, vielleicht unsichere Situation (der Schmetterling in die Welt): hinaus.

Das ist jetzt rein intuitiv geschrieben ...

Bearbeitet von KerstinH, 14.12.2019 - 11:39,


#18
Christa

Christa
  • 10.053 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Rein intuitiv habe ich bei diesem Heraus-Gefühl gedacht:

"Heute Morgen wollte ich nicht gleich aus dem Bett herausspringen, weil es draußen so gestürmt und geregnet hat.

Es war dort nämlich so gemütlich warm."

 

Da passt für mich auch nicht "...wollte aus dem Bett hinausspringen".


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Mörderische Förde ab 5.10. 20 https://www.thalia.d...D149527193.html Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#19
InezCo

InezCo
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  • Dabei seit 23.10.07

Mal eine eher grundsätzlichen Frage: Wie handhabt ihr das, wenn eine Lektorin etwas „falsch“ verbessert? (Damit meine ich keine stilistischen Feinheiten, über die man geteilter Meinung sein kann, sondern definitiv erklärbare grammatikalisch oder sprachlich falsche Sachverhalte.) Sagt ihr eurer Lektorin Bescheid, dass sie falsch lag?

 

Liebe Grüße

Inez



#20
Sabine

Sabine
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Ich setze schon immer einen Kommentar dazu, warum ich es wieder geändert habe. Mir ist die Gefahr zu groß, dass sie mich erneut verbessert :-D