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Offener Brief an die Buchbranche

Amazon Buchmarkt Buchhandel Online-Buchhandel

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112 Antworten zu diesem Thema

#41
(AlexanderH)

(AlexanderH)

Können wir mal wieder zurück zum Thema?



#42
MelanieM

MelanieM
  • 14.169 Beiträge
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Können wir mal wieder zurück zum Thema?

 

Würde ich mir auch wünschen. 



#43
KerstinH

KerstinH
  • 1.130 Beiträge
  • Dabei seit 08.04.19

 

 

Dass Jeff Bezos zehn Milliarden Dollar für den Klimaschutz spenden kann zeigt nicht, dass er ein moralischer Mensch ist. Für mich zeigt es, wie erfolgreich er mit seiner Strategie ist. Wäre er wirklich für den Klimaschutz, würde er sein Sortiment entsprechend reduzieren. 

 

Wenn er wirklich gedruckte Bücher in seinem Sortiment reduziert hat, dann hat er genau das getan. Denn weniger gedruckte Bücher bedeuten weniger Papierverbrauch, weniger Abholzung, und mehr Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit. 

 

Das finde ich an den Haaren herbeigezogen. Das hat Amazon garantiert nicht wegen des Umweltschutzes getan, sondern es hat knallharte Konkurrenzgründe. Ansonsten dürfte Amazon eine Menge anderer Produkte in seinem Sortiment auch nicht vertreiben.

 

Ich glaube, den Bäumen, die dadurch verschont werden, ist das egal.

 

Ich habe keine Ahnung, wie die Bäume das sehen. Was amazon betrifft, würde der Konzern seine Umweltfreundlichkeit weitaus stärker demonstrieren, wenn er beispielsweise Verpackungsmaterial reduzierte. 

 

Ansonsten möchte auch ich gern zum Artikel zurückkommen. Ich sehe genau wie Herr Montasser keinen Grund dafür (außer den der Konkurrenzverdrängung), dass man sich auf amazon nun erst durch mehrere weitere Klicks darüber informieren kann, ob ein Autor sein Buch auch gedruckt anbietet. Dass Montasser in seinem Artikel auch die Lage der Autoren im Blick hat - was in vielen anderen Artikeln über die Buchbranche gar nicht erst passiert - finde ich ebenfalls gut, aber es ist natürlich auch logisch, schließlich ist er Literaturagent und Autor.

 

Kritisch finde ich, dass er in seinem Artikel den Eindruck erweckt, als würde der Buchbranche generell vor allem das Wohl der Autoren am Herzen liegen. Es gibt ja nun genug Beispiele, dass dem nicht so ist. Auch die angeführten Beispiele für die Dringlichkeit bestimmter Artikel, die Amazon noch liefert, sind von ihm sehr polemisch gewählt, da gebe ich Melanie recht.

 

Ansonsten ist diese Diskussion hier mal wieder ein schönes Beispiel dafür, wie schnell die Dinge eskalieren können, wenn man nicht aufpasst. Die eine stößt sich an einem Begriff und verortet ihn sofort in einer bestimmten politischen Ecke, der andere erwähnt in seiner Replik 'Vegetarier', 'Hundefreunde' und 'einen deutschen Staatschef' in einem Satz.


Bearbeitet von KerstinH, 30.03.2020 - 12:08,


#44
AndreasE

AndreasE
  • 2.389 Beiträge
  • Dabei seit 01.04.07

Das ist ja durchaus erfreulich, Melanie. Nur ist diese Entwicklung hin zum e-Book ja dann keine aus dem Markt selbst gewachsene, weil die Verbraucher und -Innen das so wollen, sondern es ist gesteuert von einem sehr mächtigen Konzern.

 

Dass eBooks heute allgemein verbreitet sind und neben all ihren Vorzügen überdies jedem Menschen auf diesem Planeten die Möglichkeit bieten, seine Texte in Eigenregie zu veröffentlichen, weltweit, und das auch noch so gut wie kostenlos, ist EINZIG UND ALLEIN Amazon zu verdanken. Wie man das als Autor schlecht finden kann, ist mir rätselhaft.



#45
AlexanderW

AlexanderW
  • 114 Beiträge
  • Dabei seit 20.01.20

Bitte, AlexanderW, den Ball flach halten. Ich halte dich nicht für einen Rechtsradikalen. Du erscheinst mir als ein kritischer Geist, intelligent, aufgeschlossen und diskutierfreudig. Ich habe dich lediglich darauf hingewiesen, dass dieser Begriff ein schwieriger ist, der denjenigen, der ihn benutzt in eine Ecke drängen kann, in die er gar nicht möchte. Solche Begriffe gibt es leider immer wieder.

Ich selbst wurde von Rechten im Internet während einer Diffamierungskampagne mit diesem Begriff bedacht, als ich eine Fahrradsammlung für Flüchtlinge organisierte. Es mag sein, dass ich deshalb so empfindlich darauf reagiere.

Den Rechten wurde dieser Begriff nicht überlassen, sie haben ihn sich angeeignet und missbraucht. Ich wäre gerne ein guter Mensch. Ich bemühe mich täglich darum.

 

 

Deine Frage klang schon sehr suggerierend. Es kann sein, dass du darauf sensibel reagierst, aber wenn du den Begriff so auflädst, dann finde ich, überlässt du nun mal rechtsgerichteten Ideologien die Kontrolle über ihn.

 

Ein Begriff wie 'Gutmensch' gehört für mich zu dem, was die Deutsche Sprache interessant macht. Ich finde, wenn jemand diesen Begriff liest und damit Rechtspopulismus in Verbindung bringt, dann ist das deren Sache. In dem Zusammenhang mit dem Artikel finde ich, dieser schöne Ausdruck passt ausgezeichnet. 

 

Lieber Alexander. Du hast dich nicht zu rechtfertigen. Zu gar nichts. 

Kein vernünftiger Mensch stellt dich wegen der Verwendung des Begriffs Gutmensch in die rechte Ecke - das meine ich verallgemeinert, nicht auf Karin bezogen.

Und du siehst, zu was dieser Political-Correctness-Sch**** führt.

 

Keine Sorge, das war nicht als Rechtfertigung gemeint. Ich finde, der Begriff des Gutmenschen passt ausgezeichnet auf den Artikel.

 

Zurück zum Thema: 

Es ist so platt wie einfach, die Schuld bei dem vermeintlich Mächtigen zu suchen. Das ist eine Grundzutat des Populismus, und der Verfasser des Artikels schreibt ihn nun mal sehr populistisch. Daran ist ja auch nichts verkehrt, es ist halt ein offener Brief, es liegt in der Natur der Sache, das so zu tun. Allerdings hätte ich erwartet, dass Branchenkenner in einem Literaturforum das ganze ein bisschen differenzierter sehen.

 

Der Verfasser würzt seinen Artikel mit Kampfbegriffen wie 'Ausnutzung der Marktmacht', pickt einzelne Details wie Duftkerzen heraus, ruft Amazon noch das Wort 'Lügner' an den Kopf, das alles ist Effekthascherei. Aber im Grunde haben die Verlage zu Amazon ein ähnliches Verhältnis wie der Autor zur Verlagen, und ich finde nicht, dass die Sache so einfach liegt wie vom Verfasser des Artikels geschildert, er ist im Gegenteil irreführend weil er die Dinge zu stark vereinfacht.


Bearbeitet von AlexanderW, 30.03.2020 - 09:51,


#46
FlorianH

FlorianH
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  • Dabei seit 17.08.18

Was Karin und Kerstin hier geschrieben haben, kann ich nur dick unterstreichen!
An der Diskussion werde ich mich aber nicht beteiligen, denn wenn jemand angesichts unserer kurz vor dem Kollaps stehenden Ökosysteme noch so eine Behauptung raushaut ("Im Gegenteil: Ein Unternehmen kann es sich nie leisten, moralische, ethische, humane und soziale Kriterien außer acht zu lassen, sondern es muss diese in seinen Handlungen immer berücksichtigen und sein Geschäft daran anpassen, sonst leidet das Geschäft. Die Tatsache, dass er im Gegensatz zu einem Staatsbetrieb mit anderen Unternehmen um Kunden und um Profit konkurrieren muss, verhindert nicht sein moralisches, ethisches, humanes Handeln, es garantiert es."), dann halte ich das für einen Realitätsverlust, dem mit Argumenten nicht mehr beizukommen ist.
Da widme ich meine Zeit lieber dem Erhalt dieser Ökosysteme und den Mitmenschen, die momentan Unterstützung brauchen :-)

Du hast Dich damit an der Diskussion beteiligt.

#47
CarinaR

CarinaR
  • 203 Beiträge
  • Dabei seit 20.01.20

 

Das ist ja durchaus erfreulich, Melanie. Nur ist diese Entwicklung hin zum e-Book ja dann keine aus dem Markt selbst gewachsene, weil die Verbraucher und -Innen das so wollen, sondern es ist gesteuert von einem sehr mächtigen Konzern.

 

Dass eBooks heute allgemein verbreitet sind und neben all ihren Vorzügen überdies jedem Menschen auf diesem Planeten die Möglichkeit bieten, seine Texte in Eigenregie zu veröffentlichen, weltweit, und das auch noch so gut wie kostenlos, ist EINZIG UND ALLEIN Amazon zu verdanken. Wie man das als Autor schlecht finden kann, ist mir rätselhaft.

 

Ja, ermöglicht hat das zweifellos Amazon. Aber etablieren konnte es sich nur, weil viele Leser und Autoren darin auch wirklich eine Bereicherung sehen.


~~~ Carina alias C. R. Scott ~~~


#48
KarinKoch

KarinKoch
  • 720 Beiträge
  • Dabei seit 07.10.17

 

Das ist ja durchaus erfreulich, Melanie. Nur ist diese Entwicklung hin zum e-Book ja dann keine aus dem Markt selbst gewachsene, weil die Verbraucher und -Innen das so wollen, sondern es ist gesteuert von einem sehr mächtigen Konzern.

 

Dass eBooks heute allgemein verbreitet sind und neben all ihren Vorzügen überdies jedem Menschen auf diesem Planeten die Möglichkeit bieten, seine Texte in Eigenregie zu veröffentlichen, weltweit, und das auch noch so gut wie kostenlos, ist EINZIG UND ALLEIN Amazon zu verdanken. Wie man das als Autor schlecht finden kann, ist mir rätselhaft.

 

Ich muss das wohl konkretisieren. Ich habe nichts gegen eBooks an sich. Gar nicht. Aber ich habe etwas dagegen, dass ein Konzern nun eine globale Krise dazu nutzt, ein Medium, das ihm selbst am meisten nutzt, dadurch zu pushen, dass er es den Verbrauchern schwer macht, andere Medien zu erwerben.


Wenn du weißt, was du tust

kannst du tun, was du willst. (Moshe Feldenkrais)
http://www.peter-ham...ils/karin_koch/


#49
KarinKoch

KarinKoch
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  • Dabei seit 07.10.17

AlexanderW, den Begriff Gutmensch hab nicht ich aufgeladen und sehe auch nach zweimaligem Lesen keine Suggestion in meiner Frage an dich. "Gutmensch" wird gerne und häufig von Rechten zur Diffamierung Andersdenkender benutzt. Diese Information war dir anscheinend neu. Wenn du ihn dennoch weiter gebrauchen möchtest, kannst du das natürlich gerne tun. Du musst dann aber weiter damit rechnen, dass es Menschen gibt, die deine Intention missverstehen und dich in eine Ecke stellen, in der du gar nicht sein möchtest.


Wenn du weißt, was du tust

kannst du tun, was du willst. (Moshe Feldenkrais)
http://www.peter-ham...ils/karin_koch/


#50
MelanieM

MelanieM
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Das ist ja durchaus erfreulich, Melanie. Nur ist diese Entwicklung hin zum e-Book ja dann keine aus dem Markt selbst gewachsene, weil die Verbraucher und -Innen das so wollen, sondern es ist gesteuert von einem sehr mächtigen Konzern.

 

Dass eBooks heute allgemein verbreitet sind und neben all ihren Vorzügen überdies jedem Menschen auf diesem Planeten die Möglichkeit bieten, seine Texte in Eigenregie zu veröffentlichen, weltweit, und das auch noch so gut wie kostenlos, ist EINZIG UND ALLEIN Amazon zu verdanken. Wie man das als Autor schlecht finden kann, ist mir rätselhaft.

 

Ich muss das wohl konkretisieren. Ich habe nichts gegen eBooks an sich. Gar nicht. Aber ich habe etwas dagegen, dass ein Konzern nun eine globale Krise dazu nutzt, ein Medium, das ihm selbst am meisten nutzt, dadurch zu pushen, dass er es den Verbrauchern schwer macht, andere Medien zu erwerben.

 

 

Es wird den Leuten doch gar nicht schwer gemacht, andere Medien zu erwerben. Sie müssen einfach nur auf die Printversion klicken, auf "Bestellen" und dann werden die gedruckten Bücher bis 6. April geliefert. Einfach mal nachschauen. Wem das zu lange dauert, der kann ja schauen, ob es bei anderen Online-Händlern schneller geht. 

 

Im Übrigen gibt es viel schlimmere "Krisengewinnler" - nämlich die Händler von Schutzmasken. Die Masken sind von einem Preis von 45 Cent auf 13 Euro gestiegen. DAS ist mal unmoralisch.



#51
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 6.478 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

Ich finde, das trifft nicht zu. Im Gegenteil: Ein Unternehmen kann es sich nie leisten, moralische, ethische, humane und soziale Kriterien außer acht zu lassen, sondern es muss diese in seinen Handlungen immer berücksichtigen und sein Geschäft daran anpassen, sonst leidet das Geschäft. Die Tatsache, dass er im Gegensatz zu einem Staatsbetrieb mit anderen Unternehmen um Kunden und um Profit konkurrieren muss, verhindert nicht sein moralisches, ethisches, humanes Handeln, es garantiert es.

 

 

 

Ach ja? Jeff Bezos moralisch, ethisches Handeln gebietet ihm gerade in der Coronakrise, so zu handeln:

  • Da viele Amerikaner gegenwärtig die Läden meiden, bestellen sie viel bei Amazon. Deshalb versucht Amazon gerade 100.000 Leute zu engagieren und hat dafür seinen Mindestlohn um 2 Dollar (!!) erhöht, weil der Ansturm ausblieb.
  • Wer wegen Corona schwer krank ist, darf jetzt unbefristet zu Hause bleiben - allerdings ohne Bezahlung. Nun, das ist besser, als gefeuert zu werden und seine Krankenversicherung zu verlieren. Was in dem USA üblich ist. Vorausgesetzt seine Leute haben Krankenversicherung.
  • Wer positiv getestet wurde, darf bei Lohnfortzahlung zu Hause bleiben - allerdings nur 2 Wochen lang.
  • Allerdings sind alle MA zu obligatorischen Überstunden verpflichtet.

Diese Maßnahmen posaunen sie im Fernsehen als besonders soziale Maßnahmen.

 

Während der Konzern in den USA letztes Jahr 0 Steuern gezahlt hat, kann sich Bezos in seine 160 Millionen Villa zurückziehen.

 

Ich gönne Bezos seine Millionen. Aber moralisch, ethisch ist seine Handlungsweise nicht gerade.


Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


#52
AlexanderW

AlexanderW
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Ich finde, das trifft nicht zu. Im Gegenteil: Ein Unternehmen kann es sich nie leisten, moralische, ethische, humane und soziale Kriterien außer acht zu lassen, sondern es muss diese in seinen Handlungen immer berücksichtigen und sein Geschäft daran anpassen, sonst leidet das Geschäft. Die Tatsache, dass er im Gegensatz zu einem Staatsbetrieb mit anderen Unternehmen um Kunden und um Profit konkurrieren muss, verhindert nicht sein moralisches, ethisches, humanes Handeln, es garantiert es.

 

 

 

Ach ja? Jeff Bezos moralisch, ethisches Handeln gebietet ihm gerade in der Coronakrise, so zu handeln:

  • Da viele Amerikaner gegenwärtig die Läden meiden, bestellen sie viel bei Amazon. Deshalb versucht Amazon gerade 100.000 Leute zu engagieren und hat dafür seinen Mindestlohn um 2 Dollar (!!) erhöht, weil der Ansturm ausblieb.
  • Wer wegen Corona schwer krank ist, darf jetzt unbefristet zu Hause bleiben - allerdings ohne Bezahlung. Nun, das ist besser, als gefeuert zu werden und seine Krankenversicherung zu verlieren. Was in dem USA üblich ist. Vorausgesetzt seine Leute haben Krankenversicherung.
  • Wer positiv getestet wurde, darf bei Lohnfortzahlung zu Hause bleiben - allerdings nur 2 Wochen lang.
  • Allerdings sind alle MA zu obligatorischen Überstunden verpflichtet.

Diese Maßnahmen posaunen sie im Fernsehen als besonders soziale Maßnahmen.

 

Während der Konzern in den USA letztes Jahr 0 Steuern gezahlt hat, kann sich Bezos in seine 160 Millionen Villa zurückziehen.

 

Ich gönne Bezos seine Millionen. Aber moralisch, ethisch ist seine Handlungsweise nicht gerade.

 

 

Ic habe nicht gesagt, dass Jeff Bezos, oder Bill Gates, oder wer sonst noch moralisch handelt. Ich habe gesagt, dass Unternehmen moralische Handlungsweisen nie außer acht lassen können, wenn sie bestehen wollen, und dass sie im Gegensatz z.B. zu einem Staatsbetrieb mehr zu moralischem Handeln angebunden sind, da das Gegenteil für sie negative Wirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen kann, auf die ein Staatsbetrieb keine Rücksicht nehmen muss.

Wie wir alle muss ein Unternehmen zwischen Eigeninteresse und Moral abwägen, um bestehen zu können. Wie bei uns allen schwingt bei Unternehmen das Pendel oft eher dem Eigeninteresse zu, aber die Fragen nach Moral und Ethik können unter den Augen einer offenen Gesellschaft nie außer acht gelassen werden.

Dass man als Unternehmen jegliches Gewissen über Bord werfen muss, um Profit zu erreichen, wie ein früherer Beitrag beschrieben hat, ist meiner Meinung nach falsch.


Bearbeitet von AlexanderW, 30.03.2020 - 12:14,


#53
AlexanderW

AlexanderW
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AlexanderW, den Begriff Gutmensch hab nicht ich aufgeladen und sehe auch nach zweimaligem Lesen keine Suggestion in meiner Frage an dich. "Gutmensch" wird gerne und häufig von Rechten zur Diffamierung Andersdenkender benutzt. Diese Information war dir anscheinend neu. Wenn du ihn dennoch weiter gebrauchen möchtest, kannst du das natürlich gerne tun. Du musst dann aber weiter damit rechnen, dass es Menschen gibt, die deine Intention missverstehen und dich in eine Ecke stellen, in der du gar nicht sein möchtest.

 

Ich finde das völlig ok. Ich finde es umgekehrt kontraproduktiv, bestimmte Wörter als verbale Landmienen zu meiden.

 

 

 

Das ist ja durchaus erfreulich, Melanie. Nur ist diese Entwicklung hin zum e-Book ja dann keine aus dem Markt selbst gewachsene, weil die Verbraucher und -Innen das so wollen, sondern es ist gesteuert von einem sehr mächtigen Konzern.

 

Dass eBooks heute allgemein verbreitet sind und neben all ihren Vorzügen überdies jedem Menschen auf diesem Planeten die Möglichkeit bieten, seine Texte in Eigenregie zu veröffentlichen, weltweit, und das auch noch so gut wie kostenlos, ist EINZIG UND ALLEIN Amazon zu verdanken. Wie man das als Autor schlecht finden kann, ist mir rätselhaft.

 

Ich muss das wohl konkretisieren. Ich habe nichts gegen eBooks an sich. Gar nicht. Aber ich habe etwas dagegen, dass ein Konzern nun eine globale Krise dazu nutzt, ein Medium, das ihm selbst am meisten nutzt, dadurch zu pushen, dass er es den Verbrauchern schwer macht, andere Medien zu erwerben.

 

Solange einen Amazon nicht am Eintritt zum Buchladen hindert und Online-Shops von Hugendubel & Co hackt, ist es doch ok.
 
Umgekehrt ist das eine Gelegenheit für andere Firmen, beim Print-Buchhandel einen Zahn zuzulegen. Und wenn die es schaffen, gute Alternativen zu bieten, dann werden die Kunden schon kommen. 


#54
Christa

Christa
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Gerade gesehen im Liveticker von ntv: Das IW (Institut für Wirtschaft) hat schon eine unveröffentlichte Studie dazu gemacht:

"Coronakrise stärkt Amazons Marktmacht."

Das wird nicht gewertet, es wird zum Beispiel festgestellt, dass 2019 82% der Deutschen zwischen 18 und 64 etwas bei Amazon bestellt hatten. Es sei klar, dass in der Krise auf das Bewährte zurückgegriffen werde und neue Kunden dazukommen. Wenn sich Amazon zu sehr breitmachen würde, könnten das IW-Kartellamt und die EU-Kommission den Konzern zwingen, Teile von Unternehmenssparten zu verkaufen.

https://presse-augsb...-amazon/541905/


Bearbeitet von Christa, 30.03.2020 - 12:31,

Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#55
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
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Ich finde, das trifft nicht zu. Im Gegenteil: Ein Unternehmen kann es sich nie leisten, moralische, ethische, humane und soziale Kriterien außer acht zu lassen, sondern es muss diese in seinen Handlungen immer berücksichtigen und sein Geschäft daran anpassen, sonst leidet das Geschäft. Die Tatsache, dass er im Gegensatz zu einem Staatsbetrieb mit anderen Unternehmen um Kunden und um Profit konkurrieren muss, verhindert nicht sein moralisches, ethisches, humanes Handeln, es garantiert es.

 

 

 

Ach ja? Jeff Bezos moralisch, ethisches Handeln gebietet ihm gerade in der Coronakrise, so zu handeln:

  • Da viele Amerikaner gegenwärtig die Läden meiden, bestellen sie viel bei Amazon. Deshalb versucht Amazon gerade 100.000 Leute zu engagieren und hat dafür seinen Mindestlohn um 2 Dollar (!!) erhöht, weil der Ansturm ausblieb.
  • Wer wegen Corona schwer krank ist, darf jetzt unbefristet zu Hause bleiben - allerdings ohne Bezahlung. Nun, das ist besser, als gefeuert zu werden und seine Krankenversicherung zu verlieren. Was in dem USA üblich ist. Vorausgesetzt seine Leute haben Krankenversicherung.
  • Wer positiv getestet wurde, darf bei Lohnfortzahlung zu Hause bleiben - allerdings nur 2 Wochen lang.
  • Allerdings sind alle MA zu obligatorischen Überstunden verpflichtet.

Diese Maßnahmen posaunen sie im Fernsehen als besonders soziale Maßnahmen.

 

Während der Konzern in den USA letztes Jahr 0 Steuern gezahlt hat, kann sich Bezos in seine 160 Millionen Villa zurückziehen.

 

Ich gönne Bezos seine Millionen. Aber moralisch, ethisch ist seine Handlungsweise nicht gerade.

 

 

Ic habe nicht gesagt, dass Jeff Bezos, oder Bill Gates, oder wer sonst noch moralisch handelt. Ich habe gesagt, dass Unternehmen moralische Handlungsweisen nie außer acht lassen können, wenn sie bestehen wollen, und dass sie im Gegensatz z.B. zu einem Staatsbetrieb mehr zu moralischem Handeln angebunden sind, da das Gegenteil für sie negative Wirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen kann, auf die ein Staatsbetrieb keine Rücksicht nehmen muss.

Wie wir alle muss ein Unternehmen zwischen Eigeninteresse und Moral abwägen, um bestehen zu können. Wie bei uns allen schwingt bei Unternehmen das Pendel oft eher dem Eigeninteresse zu, aber die Fragen nach Moral und Ethik können unter den Augen einer offenen Gesellschaft nie außer acht gelassen werden.

Dass man als Unternehmen jegliches Gewissen über Bord werfen muss, um Profit zu erreichen, wie ein früherer Beitrag beschrieben hat, ist meiner Meinung nach falsch.

 

 

Nicht einverstanden.

 

Egal ob Staat oder Privatwirtschaft, wenn man sie unbeobachtet und unkontrolliert agieren ließe, würden beide unethisch handeln, wenn es ihnen Vorteile verspricht. Der Staat muss allerdings die Presse, den Wähler und das Gesetz fürchten - allerdings nur in einer Demokratie.

 

Große Privatunternehmen müssen das Gesetz und die Presse fürchten. Allerdings haben sie noch mehr Möglichkeiten beides zu umgehen, besonders wenn es sich um große, globale Firmen handelt. Gelegentlich erwischt man sie (siehe Dieselskandal) und dann hagelt es Bußen. Aber kaum einer der Macher geht ins Gefängnis, auch nicht die betrügerischen Banker in der Finanzkrise. Umsatzeinbußen kriegen sie auch nicht. Und selbst wenn sie ihren Laden an die Wand fahren, kriegen sie noch millionenschwere Boni und Abfindungen. Ab und zu hagelt es mal schlechte Presse wegen z. B. miserabler Arbeitsverhältnisse in Bangladesch oder anderer Untaten, aber ändern tut sich nichts.

 

Ich halte deine Ausführungen in diesem Punkt schlicht für naiv.


Bearbeitet von Ulf Schiewe, 30.03.2020 - 12:36,

Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


#56
AlexanderW

AlexanderW
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Ich finde, das trifft nicht zu. Im Gegenteil: Ein Unternehmen kann es sich nie leisten, moralische, ethische, humane und soziale Kriterien außer acht zu lassen, sondern es muss diese in seinen Handlungen immer berücksichtigen und sein Geschäft daran anpassen, sonst leidet das Geschäft. Die Tatsache, dass er im Gegensatz zu einem Staatsbetrieb mit anderen Unternehmen um Kunden und um Profit konkurrieren muss, verhindert nicht sein moralisches, ethisches, humanes Handeln, es garantiert es.

 

 

 

Ach ja? Jeff Bezos moralisch, ethisches Handeln gebietet ihm gerade in der Coronakrise, so zu handeln:

  • Da viele Amerikaner gegenwärtig die Läden meiden, bestellen sie viel bei Amazon. Deshalb versucht Amazon gerade 100.000 Leute zu engagieren und hat dafür seinen Mindestlohn um 2 Dollar (!!) erhöht, weil der Ansturm ausblieb.
  • Wer wegen Corona schwer krank ist, darf jetzt unbefristet zu Hause bleiben - allerdings ohne Bezahlung. Nun, das ist besser, als gefeuert zu werden und seine Krankenversicherung zu verlieren. Was in dem USA üblich ist. Vorausgesetzt seine Leute haben Krankenversicherung.
  • Wer positiv getestet wurde, darf bei Lohnfortzahlung zu Hause bleiben - allerdings nur 2 Wochen lang.
  • Allerdings sind alle MA zu obligatorischen Überstunden verpflichtet.

Diese Maßnahmen posaunen sie im Fernsehen als besonders soziale Maßnahmen.

 

Während der Konzern in den USA letztes Jahr 0 Steuern gezahlt hat, kann sich Bezos in seine 160 Millionen Villa zurückziehen.

 

Ich gönne Bezos seine Millionen. Aber moralisch, ethisch ist seine Handlungsweise nicht gerade.

 

 

Ic habe nicht gesagt, dass Jeff Bezos, oder Bill Gates, oder wer sonst noch moralisch handelt. Ich habe gesagt, dass Unternehmen moralische Handlungsweisen nie außer acht lassen können, wenn sie bestehen wollen, und dass sie im Gegensatz z.B. zu einem Staatsbetrieb mehr zu moralischem Handeln angebunden sind, da das Gegenteil für sie negative Wirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen kann, auf die ein Staatsbetrieb keine Rücksicht nehmen muss.

Wie wir alle muss ein Unternehmen zwischen Eigeninteresse und Moral abwägen, um bestehen zu können. Wie bei uns allen schwingt bei Unternehmen das Pendel oft eher dem Eigeninteresse zu, aber die Fragen nach Moral und Ethik können unter den Augen einer offenen Gesellschaft nie außer acht gelassen werden.

Dass man als Unternehmen jegliches Gewissen über Bord werfen muss, um Profit zu erreichen, wie ein früherer Beitrag beschrieben hat, ist meiner Meinung nach falsch.

 

 

Nicht einverstanden.

 

Egal ob Staat oder Privatwirtschaft, wenn man sie unbeobachtet und unkontrolliert agieren ließe, würden beide unethisch handeln, wenn es ihnen Vorteile verspricht. Der Staat muss allerdings die Presse, den Wähler und das Gesetz fürchten - allerdings nur in einer Demokratie.

 

Große Privatunternehmen müssen das Gesetz und die Presse fürchten. Allerdings haben sie noch mehr Möglichkeiten beides zu umgehen, besonders wenn es sich um große, globale Firmen handelt. Gelegentlich erwischt man sie (siehe Dieselskandal) und dann hagelt es Bußen. Aber kaum einer der Macher geht ins Gefängnis, auch nicht die betrügerischen Banker in der Finanzkrise. Umsatzeinbußen kriegen sie auch nicht. Und selbst wenn sie ihren Laden an die Wand fahren, kriegen sie noch millionenschwere Boni und Abfindungen. Ab und zu hagelt es mal schlechte Presse wegen z. B. miserabler Arbeitsverhältnisse in Bangladesch oder anderer Untaten, aber ändern tut sich nichts.

 

Ich halte deine Ausführungen in diesem Punkt schlicht für naiv.

 

 

Ich stimme dir zu, dass die größten Unternehmen von Pflichten wie Steuern quasi ausgenommen sind und sehr viel mehr Spielraum haben und auch schwerwiegende Fehler oft geringe Konsequenzen für sie haben. Das selbe gilt auch für reiche Individuen. Und ja, nach der Finanzkrise sind zu viele ungeschoren davongekommen. Obwohl für mich die Extremfälle, in denen Manager Millionenabfindungen bekommen, die Ausname sind, aber verständlicherweise in den Medien mehr wahrgenommen werden.

 

Aber bei öffentlichen Unternehmen ist es nicht besser, und umgekehrt ist es nicht einmal so, dass es dazu umwälzende Ereignisse wie die Finanzkrise braucht, um zu kolossalem Scheitern zu führen. Es gibt dazu so eindrucksvolle Beispiele wie das öffentliche Unternehmen Toll collect, das durch Verzögerung und zweifelhafte Abrechungen in die Schlagzeilen geraten ist, sowie der neue Berliner Flughafen, der zum Milliardengrab geworden ist, alles auf Kosten der Steuerzahler, mit ähnlich milden Folgen für die Verantwortlichen wie bei der Finanzkrise. 

 

Diese beiden Beispiele sind extrem, doch zeigen sie, dass es mit Ethik und Moral dieser öffentlichen Unternehmen nicht besser bestellt ist, im Gegenteil: Weil die aufgrund des unendlich tiefen Geldbeutels der Steuerzahler nicht pleite gehen können, müssen sie im Gegensatz zur Privatwirtschaft weniger Konsequenzen für unethisches Handeln fürchten.

 

Das heißt nicht, dass private Unternehmen moralisch gut sind, aber ihnen drohen meiner Meinung nach gravierendere Konsequenzen als staatlichen Unternehmen, was zur Folge hat, dass sie zwischen Profit und Moral genauer abwiegen müssen als öffentliche Unternehmen.


Bearbeitet von AlexanderW, 31.03.2020 - 01:40,


#57
MelanieM

MelanieM
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 Der Staat muss allerdings die Presse, den Wähler und das Gesetz fürchten - allerdings nur in einer Demokratie.

 

Der "Staat" sind wir alle - gern wird der "Staat" mit "Regierung" gleichgesetzt. Nur die Regierung hat die Wähler zu fürchten. Der Staat setzt sich aus den Wählern zusammen. 

 

Der Privatkonzern hat den Vertrauensverlust der Kunden zu fürchten. Kunden sind die "Wähler" des Privatkonzerns. Wenn der Konzern seine Kunden zufriedenstellt, bleiben sie ihm treu - ebenso wie die Wähler der Regierung.

 

Die "sozialen Maßnahmen", die Amazon in die USA anbietet, mögen für uns Deutsche unsozial erscheinen, aber für den US-Markt sind sie sozial. Viele Amerikaner (vor allem Republikaner) halten Deutschland ja für ein sozialistisches System und fürchten gesetzliche Kranken- und Rentenversicherungen und soziale Absicherungen mehr als Schießereien in Schulen. 

 

Fakt ist doch - ein Konzern muss seine Kunden zufrieden stellen. Nur dann verdient er Geld. Diesem Ziel ordnet ein Konzern alles unter. Sowohl die Lieferanten als auch die Angestellten - die sind nur Mittel zum Zweck. Wenn aber ein Lieferant etwas zu bieten hat, nach dem die Kunden verrückt sind, wird dieser Lieferant hofiert. Nicht, weil das Unternehmen ihn so toll findet, sondern weil er das Hauptziel - zufriedene Kunden und damit Profit - fördert. 

 

Denkt mal darüber nach, wie das damals mit dem Harry-Potter-Hype war. Da hatte die Autorin so große Marktmacht, dass der Verlag gesagt hat, sie nehmen von den vorbestellten HP-Bänden keine Remittenden zurück. Deshalb haben kleine Buchhandlungen die Harry-Potter-Bücher nur auf Vorbestellung ausgeliefert, weil sie nicht darauf sitzenblieben wollten, während man die Bücher gleichzeitig sogar an jeder Tankstelle bekam. 

 

Angebot und Nachfrage - das ist die Macht der Kunden. Und wenn die Kunden von einem anderen Online-Händler bessere Konditionen als von Amazon bekommen, werden sie dorthin gehen. 



#58
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
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Auch mit diesem vereinfachten Weltbild bin ich nicht einverstanden, besonders nicht mit den Verhältnissen in den USA, die ich persönlich sehr gut kenne. Aber ich will nicht weiter darauf antworten, denn das führt hier am Thema vorbei.


Bearbeitet von Ulf Schiewe, 30.03.2020 - 14:03,

Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


#59
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
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Ich möchte jetzt doch nochmal auf die Frage zurückkommen, ob Unternehmen sich immer oder meistens von moralischen und ethischen Kriterien in ihrem Handel leiten lassen - besonders auch was Amazon betrifft, mit dem sich der Thread ja beschäftigt.

 

Ich kaufe auch sehr viel bei Amazon. Und nicht nur Bücher. Einfach, weil es bequem ist. Der Kundenservice ist unschlagbar, keine Frage. Außerdem wohne ich in einem kleinen Ort und müsste für vieles nach Starnberg oder München fahren. Mit dieser Kundendienststrategie hat Jeff Bezos eine perfekte Handelsmaschine kreiert, die nicht mehr wegzudenken ist.

 

Allerdings gehören zu einem Unternehmen nicht nur Technologie und zufriedene Kunden. Bei Amazon gehören auch Partner dazu und vor allem ein Heer von Niedriglohn-Mitarbeitern. Wie es in Deutschland ist, weiß ich nicht, ich verfolge die Lage in den USA. Dort werden die Mitarbeiter schlecht behandelt, schlecht bezahlt, zu Überstunden gezwungen, wenn krank, unbezahlt nach Hause geschickt oder man lässt sie krank weiterarbeiten. Wer aufmuckt, wird gefeuert. Da jetzt viele Kunden sich nicht trauen, in Geschäfte zu gehen, boomen die Bestellungen bei Amazon. Die Firma versucht 100.000 neue Leute einzustellen. In den Lagerhallen treffen Neue ein. Keiner weiß, ob sie infiziert sind. Sie werden nicht getestet. Es fehlt an Mundschutz, Latexhandschuhen und Desinfektionsmittel, zum Teil sogar an Seife. Die Arbeiter haben Angst, sich zu infizieren. Der Firmenleitung scheint das völlig egal zu sein.

 

Und es ist nicht so, wie Melanie schreibt, dass die Menschen das okay finden. Die führende Elite, ob in Politik oder in den Unternehmen, die finden das okay. Aber nicht die Menschen auf der Straße. Umfragen zeigen, dass die meisten Amerikaner für massive soziale Verbesserungen sind. Für Millionen sind die Zustände katastrophal. Es könnte zu Unruhen kommen. Leider trauen viele Bernie Sanders nicht zu, dass er Trump schlagen kann. 

 

Ein Grund für diese Misere sind unter anderem Unternehmen wie Amazon. Ein Supervisor bei Amazon, Chris Smalls, wurde gefeuert, als er versuchte, einen Protest zu organisieren. Er ging an die Presse und diese Story geht im Augenblick durch alle Medien. Im folgenden Beitrag im THE GUARDIAN berichtet er über die Zustände in den New Yorker Lagerhallen bei Amazon. Aber im ganzen Land sei es ähnlich. Der Bericht ist auf englisch, aber wer kann, sollte ihn lesen.

 

https://www.theguard...rom-coronavirus

 

Amazon ist eine monopolistische Geldmaschine, die sich einen Dreck um Mitarbeiter kümmert. Und die Story, hier in Deutschland, man kaufe jetzt keine Bücher mehr ein, da es wichtigere Dinge zu liefern gibt, ist meines Erachtens völliger Blödsinn. Amazon ist keine Apotheke, liefert nichts Lebensnotwendiges, außer vielleicht in kleinen Mengen. Die Menschen bestellen jetzt dort vermehrt, weil sie sich nicht in die Geschäfte trauen. Aber sind Lockenwickler, Gartenschläuche oder Rasierapparate wichtiger als Bücher? Das Argument ist doch lächerlich. Bücher sind einfach ein Produkt wie Hunderttausende anderer Produkte bei Amazon auch.

 

Nein, es ist eine Gelegenheit für Amazon, die Krise zu nutzen, um sich einen größeren Anteil des Buchmarkts zu sichern. Sie verknappen Printbücher, üben Druck auf Verlage aus, um die Konditionen zu verbessern und hoffen, den Anteil der eBooks zu vergrößern. Da kann man sagen, dass ist legitim, "it's business". Aber ist das in der Coronakrise ein ethisches Verhalten?

 

Wir können froh sein, dass wir in Deutschland einigermaßen gute Gesetze haben, die Mitarbeiter vor den übelsten Machenschaften des Turbokapitalismus schützen. Sonst hätten wir auch in deutschen Lagerhallen von Amazon amerikanische Verhältnisse.


Bearbeitet von Ulf Schiewe, 02.04.2020 - 10:19,

Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


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KerstinH

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Ulf, ich sehe es ganz genauso.





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