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Eugen Ruge zu Corona


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36 Antworten zu diesem Thema

#1
Angelika Jo

Angelika Jo
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Vor elf Jahren hat er mit seinem deutsch-deutschen Roman "In Zeiten des abnehmenden Lichts" den Deutschen Buchpreis gewonnen. Zu Corona gibt es von ihm nun diesen Artikel zu lesen, in dem er – in meinen Augen – weise und gerecht darüber schreibt, wie unser Wohlstand zusammenhängt mit so vielen Krisen auf der Welt. Zwar trifft uns diese eine jetzt mit voller Wucht, gemessen an so vielen anderen Krisen weltweit sollte sie aber vielleicht weniger Verstörung auslösen als ein ernsthaftes Umdenken.

 

Ich möchte diesen hellsichtigen Artikel wirklich sehr zur Lektüre empfehlen.


Bearbeitet von Angelika Jo, 11.04.2020 - 21:16,

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018

Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de


#2
Titus

Titus
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Der Artikel ist herrlich geschrieben, Angelika, ich habe ihn gern gelesen!

 

Aber hat Eugen Ruge recht? Ich habe Zweifel daran, dass sein Bild schon genug Tiefe hat. Ist das Feindbild, das er zeichnet, nicht genauso simpel wie das, das er ablehnt? Er klagt darüber, dass wir schnell "böse" Staaten oder Populisten ausmachen, die an allem schuld sein sollen, und sagt einen Augenblick später, die Oberschicht sei der wahre Schuldige. Dabei ist bereits sein Argument, der Wohlstand, den wir aus allen Weltgebieten wegsaugen, käme nur bei der oberen Hälfte der deutschen Bevölkerung an, Unsinn.

Vor allem vernachlässigt er eine Dimension völlig: die Vergangenheit. Dass wir mit unserer Gier heute vieles zerstören, ist richtig, aber die heutige Situation auf der Welt lässt sich nicht bloß mit dem Verhalten von letzter Woche erklären. Sehr aufschlussreich war da mal für mich ein Buch von Daron Acemoglu und James A. Robinson: "Warum Nationen scheitern. Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut".

 

Aber lass dich durch mein Gemecker nicht täuschen, toll fand ich Rugens Artikel trotzdem. Danke für den Link!

Herzlich,

Titus


Trailer zum neuen Roman. Unglaublich, aber wahr! Wie der Hochstapler Franz Tausend in den 1920er Jahren die Republik zum Narren hielt.


#3
KarinKoch

KarinKoch
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Ruges Analyse funktioniert auch ohne das Vorhandensein von Corona. Und warum ausgerechnet jetzt sich daran etwas ändern könnte, ist mir schleierhaft. Wenn alle Läden wieder öffnen dürfen, wenn die Menschen wieder shoppen, statt spazieren zu gehen, wenn wieder mehr Waren über den Tisch gehen und die Angestellten froh sind, dass ihr Job noch vorhanden ist, wird sich das Rad wie zuvor weiter drehen, und das ist doch auch wünschenswert. Gerade lese ich, dass die Äthiopischen Näherinnen, von denen im Artikel die Rede ist, um ihre Jobs bangen, weil die großen Modeketten ihre Aufträge stornieren. Sie werden weder Kurzarbeitergeld bekommen noch Arbeitslosenhilfe. Ihnen ist nicht geholfen, wenn wir jetzt eine Vollbremsung in unserem Konsumverhalten hinlegen. Ihnen ist geholfen, wenn Konsumenten und -Innen direkt bei H&M, bei C&A und Consorten nachfragen: woher kommt mein Shirt eigentlich, was verdienen eure Näherinnen, dürfen sie aufs Klo gehen, wenn sie müssen? Und wir müssen bereit sein, für unser Shirt mehr zu bezahlen als bisher.

Um das System zu verändern braucht es Zeit, Geduld und kritische Konsumenten, die handeln, statt, wie Ruge es fordert, nur nachzudenken.

 

Edit: Den Artikel fand ich insgesamt aber richtig klasse.


Bearbeitet von KarinKoch, 12.04.2020 - 10:36,

Wenn du weißt, was du tust

kannst du tun, was du willst. (Moshe Feldenkrais)
http://www.peter-ham...ils/karin_koch/


#4
Dietmar

Dietmar
  • 1.086 Beiträge
  • Dabei seit 21.08.05

Mal eine ganz bescheidene Frage. Was halten die etablierten Autoren dieses Forums, die ihren Lebensunterhalt ausschließlich durch Schreiben verdienen, von der Idee des Nullwachstums auf dem Buchmarkt?



#5
Ramona

Ramona
  • 4.027 Beiträge
  • Dabei seit 17.03.11

Mal eine ganz bescheidene Frage. Was halten die etablierten Autoren dieses Forums, die ihren Lebensunterhalt ausschließlich durch Schreiben verdienen, von der Idee des Nullwachstums auf dem Buchmarkt?

 

Nun ja, ewiges Wachstum in einer begrenzten Welt zu erwarten (z. B. deutschsprachiger Buchmarkt), ist auch irgendwie - schräg. 


Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)


#6
Dietmar

Dietmar
  • 1.086 Beiträge
  • Dabei seit 21.08.05

 

Mal eine ganz bescheidene Frage. Was halten die etablierten Autoren dieses Forums, die ihren Lebensunterhalt ausschließlich durch Schreiben verdienen, von der Idee des Nullwachstums auf dem Buchmarkt?

 

Nun ja, ewiges Wachstum in einer begrenzten Welt zu erwarten (z. B. deutschsprachiger Buchmarkt), ist auch irgendwie - schräg. 

 

Das ist keine Antwort auf meine Frage. Nullwachstum heißt, der zu verteilende Kuchen im Verlag bleibt immer gleich groß. Jeder Newcomer muß einen etablierten Autor vom Kuchen verdrängen. Findest du diese Art von Verteilungskämpfen auf der Autorenseite als sozial?

Jeder Lösungsansatz für Nullwachstum, der mir bis jetzt über den Weg gelaufen ist, läuft entweder auf die religöse Schiene (Demut, Verzicht, Gleichheit) oder massive, staatliche Eingriffe ins Wirtschaftssystem hinaus. Beide halte ich für schräg, da bisher keiner dauerhaft funktioniert hat und man muss gescheiterte Experimente nicht zum n-ten Mal wiederholen, damit es jeder begreift.

Zudem gibt es einen Unterschied zwischen endlos und unendlich, nicht nur, was Wachstum betrifft.



#7
KarinKoch

KarinKoch
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In Ruges Artikel ist nirgendwo von Nullwachstum die Rede. In diesem Thread hast du diesen Begriff eingebracht.

Und dein Beispiel mit dem Kuchen hinkt nicht nur, der fährt im Rollstuhl, weil es ja jedes Jahr mindestens zwei neue Kuchen gibt: einmal im Frühjahr und einmal im Herbst, jeweils zu den Messen. Und diese Kuchen sind seit vielen Jahren bei jedem Verlag in etwa gleich groß. Außer in diesem Herbst. Da sind sie in den allermeisten Verlagen kleiner. Angeknabbert von einem gemeinen Virus.


Wenn du weißt, was du tust

kannst du tun, was du willst. (Moshe Feldenkrais)
http://www.peter-ham...ils/karin_koch/


#8
AndreasE

AndreasE
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  • Dabei seit 01.04.07

Nullwachstum heißt, der zu verteilende Kuchen im Verlag bleibt immer gleich groß. Jeder Newcomer muß einen etablierten Autor vom Kuchen verdrängen. Findest du diese Art von Verteilungskämpfen auf der Autorenseite als sozial?

 

Der Kuchen wird von den Käufern verteilt, nicht von den Verlagen. Jedes erscheinende Buch muss, egal ob von einem Newcomer oder einem etablierten Autor, gegen die Unterhaltungskonkurrenz von Computerspielen und Netflix&Co.-Binge-Watching-Angeboten ankämpfen, und was ich so über den Newsletter des Börsenblatts mitkriege, ist das längst ein Nullwachstum, wenn nicht in Summe sogar schon ein Minuswachstum.



#9
KerstinH

KerstinH
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  • Dabei seit 08.04.19

 

 

Mal eine ganz bescheidene Frage. Was halten die etablierten Autoren dieses Forums, die ihren Lebensunterhalt ausschließlich durch Schreiben verdienen, von der Idee des Nullwachstums auf dem Buchmarkt?

 

Nun ja, ewiges Wachstum in einer begrenzten Welt zu erwarten (z. B. deutschsprachiger Buchmarkt), ist auch irgendwie - schräg. 

 

Das ist keine Antwort auf meine Frage. Nullwachstum heißt, der zu verteilende Kuchen im Verlag bleibt immer gleich groß. Jeder Newcomer muß einen etablierten Autor vom Kuchen verdrängen. Findest du diese Art von Verteilungskämpfen auf der Autorenseite als sozial?

Jeder Lösungsansatz für Nullwachstum, der mir bis jetzt über den Weg gelaufen ist, läuft entweder auf die religöse Schiene (Demut, Verzicht, Gleichheit) oder massive, staatliche Eingriffe ins Wirtschaftssystem hinaus. Beide halte ich für schräg, da bisher keiner dauerhaft funktioniert hat und man muss gescheiterte Experimente nicht zum n-ten Mal wiederholen, damit es jeder begreift.

Zudem gibt es einen Unterschied zwischen endlos und unendlich, nicht nur, was Wachstum betrifft.

 

 

Ich muss sagen, mir erschließt sich der Sinn deiner bescheidenen Frage nicht. Die etablierten Autoren dürften die wenigsten Schwierigkeiten haben, so sie tatsächlich etabliert sind. Die Newcomer müssen sich auf dem Markt erst beweisen, so wie jedes andere Start up auch. Das kann frustrierend sein und ein hartes Brot, davon können hier einige ein Lied singen. Wobei ich nicht leugnen will, dass die 'Etablierten' auch jedes neue Buch erst wieder etablieren müssen, allerdings zu besseren Bedingungen als ein Newcomer.

Nach deiner Logik - Ist diese Art von Verteilungskämpfen auf der Autorenseite sozial? - müsste man vor allem die, die einen festen - eventuell sogar krisensicheren - Job haben und trotzdem versuchen, den vom Schreiben lebenden Autoren ein Stück vom Kuchen oder Knäckebrot abzuknapsen, als a- oder unsozial bezeichnen. Was ich hiermit ausdrücklich nicht tue.

Warum Verzicht, Demut und Gleichheit erstens religiös und zweitens ein schräger Lösungsansatz sein sollen, erschließt sich mir auch nicht.

 

Was Ruges Artikel betrifft: Ich kann in das Loblied nicht einstimmen. Es steht sicher viel Wahres. aber auch schon hundertfach Gesagtes in dieser Selbstanklage ohne Konsequenzen, und die Schuldzuweisung im ersten Satz des Aufmachers, Corona betreffend, finde ich ziemlich flach.


Bearbeitet von KerstinH, 13.04.2020 - 07:21,


#10
Wolf

Wolf
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Mich haben die Gedanken von Eugen Ruge auch nicht unbedingt beeindruckt. Vielleicht liegt es daran, dass ich als Wissenschaftler einen ganz anderen Ausgangspunkt vertrete. Das beginnt schon beim ersten Satz. Der Schuldfrage.

Wenn ich frage, wer der Schuldige ist, dann bewege ich mich im Rahmen einer Moralphilosophie, und die Antwort hilft mir nur dabei den einen auf und den anderen abzuwerten. Wenn ich aber am Problem arbeiten möchte, dann ist es zweckmäßiger nach Ursache, Wirkung und ablaufenden Prozessen zu fragen.

Wenn etwas schief läuft, dann kann es daran liegen, dass ein Jemand oder eine Jemandsgruppe etwas falsch macht. Es kann aber auch sein, dass ein System, das sich eingestellt und eine Zeit lang bewährt hat, versagt. In dem einen Fall kann man jemanden zur Verantowrtung ziehen - möglicherweise -, im anderen nicht.

 

Klar ist nur, dass nichts ewig wachsen kann in einer begrenzten Welt. Es gibt nur zwei Möglichkeiten für das Wachstum. Entweder findet es sein Gleichgewicht, oder es wird instabli und zerstört sich selbst.

Das, was wächst, ist die menschliche Population. Alles andere, inklusive Witschaftsleistung ist eine Folgereaktion. Und was in der Wirtschaft wächst, ist das, was wir messen und nicht unbedingt das, was abläuft. Wenn ich mich mit dem Wirtschaftswachstum beschätige muss ich genau sagen, was das ist und wie ich es beschreiben möchte, denn die Weltwirtschaft oder ersatzweise einzelne Volkswirtschaften besteht aus vielen Untersystemen, die sich ständig verändern. Was immer übersehen wird, ist, wie viele Einzelwirtschaften zusammenbrechen, wie viele neue entstehen und wie kurzlebig Unternehmen sind. (Ich habe bei einem der letzten Umzüge ein altes Paar Stiefel entsorgt. Die stammten von Nokia.).

Ich habe in dem Artikel nicht so genau verstanden, worüber der Autor überhaupt spricht, aber das mag an meinem ehemaligen Beruf liegen.

 

Und zum Nullwachstum: Das ist mir erheblich lieber als eine Plusschrumpfung. Beide Begriffe wurden zu ungefähr dem gleichen Zeitunkt populär. ;)

 

Liebe Grüße

Wolf



#11
Christa

Christa
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Auch wenn Ruges Artikel den Kern der Sache anzielt, ist es doch nur eine Zusammenfassung dessen, was ich in den letzten Wochen oft und oft gehört und gesehen habe. Besser gefallen haben mir einige Antworten hier. Dass es nicht nur die Oberschicht ist, die vom immer gierigeren Wachstum profitiert. Geiz ist geil war der Slogan nicht nur der Reichen, und eine breite Schicht hat bei Aldi seinen Käse und bei C&A seine Klamotten eingekauft. Was Karin schreibt, kann ich bestätigen. Ich bemerkte einmal, das sei aber günstig, als ich ein Kleidungsstück zwischen zwanzig und dreißig Euro kaufte. Da meinte die Verkäuferin, das sei allen anderen aber zu teuer. Kurz danach gab es auch hochwertigere und teurere Angebote. Aber ob die sich verkauft haben, weiß ich nicht.

 

Auch dies von Wolf ist eine klare Aussage, die mir gefällt:

"Klar ist nur, dass nichts ewig wachsen kann in einer begrenzten Welt. Es gibt nur zwei Möglichkeiten für das Wachstum. Entweder findet es sein Gleichgewicht, oder es wird instabli und zerstört sich selbst."

 

Die bescheidene Frage von Dietmar fand ich merkwürdig und hätte nicht gewusst, wie ich sie beantworten soll. Wenn ich jetzt ein Newcomer wäre, hätte ich keinem etablierten Autor vorgeworfen, es sei unsozial, nichts vom Kuchen abgeben zu wollen. Ich denke, mit einer überzeugenden Idee wird auch der Newcomer irgendwann seinen Platz im schon geschrumpften Kuchen finden.


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Mörderische Förde ab 5.10. 20 https://www.thalia.d...D149527193.html Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#12
CarinaR

CarinaR
  • 237 Beiträge
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Ich tue mich mit diesem Kuchen-Vergleich schwer. Ist dieser Kuchen in seiner Größe denn nicht variabel? Bücher sind keine Autos. Man kann viele von ihnen haben und sich diese Vielzahl auch leisten - in der Regel. Spricht mich das Werk eines Newcomers an, hole ich es mir zusätzlich(!) zu dem Titel des etablierten Autors. Das ist dann eine Art Wachstum, die durch das Angebot in Gang gesetzt wird. Oder nicht? :-?


~~~ Carina alias C. R. Scott ~~~


#13
Christa

Christa
  • 10.043 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Ich tue mich mit diesem Kuchen-Vergleich schwer. Ist dieser Kuchen in seiner Größe denn nicht variabel? Bücher sind keine Autos. Man kann viele von ihnen haben und sich diese Vielzahl auch leisten - in der Regel. Spricht mich das Werk eines Newcomers an, hole ich es mir zusätzlich(!) zu dem Titel des etablierten Autors. Das ist dann eine Art Wachstum, die durch das Angebot in Gang gesetzt wird. Oder nicht? :-?

 

Ja, und das Wachstum wird auch durch die Nachfrage in Gang gesetzt. Allerdings müsste die Newcomer-Idee so überzeugend sein, dass dafür auch Sichtbarkeit ermöglicht wird. Im Grunde bleiben die Gesetze gleich, denke ich. Nur auf einem ganz anderen Level und unter erschwerten Bedingungen. Wenn die Buchhandlungen und andere Geschäfte wieder öffnen, wird das auf einem reduzierten Niveau geschehen. Die Abstandsregeln werden sicher noch Monate bestehen bleiben, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht.

 

Gestern habe ich ein Interview mit dem Chef des Klett-Cotta-Verlags gelesen. Darin sagte er, dass Bücher von der physischen Lebendigkeit der Leser leben - beim Stöbern in den Buchhandlungen, bei Lesungen, auf den Buchmessen. Das alles kann nur mit Abstandsregeln stattfinden, und das schränkt das Wachstum ein. Ich kann nicht sagen oder auch nur erahnen, wie es weiter geht.

Mehr Online, mehr mit Abstand, alles kleiner eben. Vielleicht mehr Auswahl, mehr Qualität statt Quantität wie in allen anderen Bereichen auch.


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Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Mörderische Förde ab 5.10. 20 https://www.thalia.d...D149527193.html Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#14
Dietmar

Dietmar
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Nullwachstum heißt, der zu verteilende Kuchen im Verlag bleibt immer gleich groß. Jeder Newcomer muß einen etablierten Autor vom Kuchen verdrängen. Findest du diese Art von Verteilungskämpfen auf der Autorenseite als sozial?

 
Der Kuchen wird von den Käufern verteilt, nicht von den Verlagen. Jedes erscheinende Buch muss, egal ob von einem Newcomer oder einem etablierten Autor, gegen die Unterhaltungskonkurrenz von Computerspielen und Netflix&Co.-Binge-Watching-Angeboten ankämpfen, und was ich so über den Newsletter des Börsenblatts mitkriege, ist das längst ein Nullwachstum, wenn nicht in Summe sogar schon ein Minuswachstum.

 

 
Der Konsument verteilt den Kuchen, das stimmt. Bleibt die Menge seines Geldes gleich, und das tut sie bein Nullwachstum, denn wo soll sonst mehr Geld herkommen, kann der Konsument nur umverteilen und nicht mehr verteilen. Will er mehr Bücher, muss er bei Bekleidung sparen oder im Supermarkt. Wem ist damit geholfen?
 
@KarinKoch: Im verlinkten Artikel geht es um Nullwachstum, denn
 

...sondern ein strukturelles Verhängnis, das dem Kapitalismus gewissermaßen eingenäht ist. Er ist dazu verdammt ist, Wachstum zu generieren, wenn er nicht in den Krisenmodus verfallen will.

 
 und  am Ende des Artikels
 

Diese Krise – oder vielleicht die nächste – könnte ein Grund sein, generell über Sinn und Unsinn oder zumindest über Art und Weise der Globalisierung nachzudenken, über Mobilität und Umwelt, über die soziale Spaltung in Europa und anderswo, über Lieferketten, über Konsum und Wohlstand, und letztlich auch darüber, wie man eine Welt, einen Markt, ein Leben ohne Wachstumszwang gestalten könnte.

 
Der, im letzten Zitat, verlinkte Artikel bringt auch keine Neuigkeiten. außer, so richtig weiß keiner, wie es funktionieren soll, außer, wir müssten die Idee mal ausprobieren.



#15
Dietmar

Dietmar
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Warum Verzicht, Demut und Gleichheit erstens religiös und zweitens ein schräger Lösungsansatz sein sollen, erschließt sich mir auch nicht.

Die Frage hat Wolf eigentlich schon beantwortet, weil Verzicht, Demut und Gleichheit über Moral und Wer hat Schuld? definiert wird.



#16
KarinKoch

KarinKoch
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Dietmar, wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, dann geht es darum:

 

"(...) Und der Begriff Wachstum meint dabei nicht etwa, dass wir immer mehr produzieren, sondern, dass wir immer schneller mehr produzieren. Wirtschaftswachstum meint immer exponentielles Wachstum (...)"

 

Ruge kritisiert ja nicht Wachstum an sich. Sondern den sich stets in Ausmaß und Geschwindigkeit steigernden Wachstum.


Wenn du weißt, was du tust

kannst du tun, was du willst. (Moshe Feldenkrais)
http://www.peter-ham...ils/karin_koch/


#17
KarinKoch

KarinKoch
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Zum Thema Gleichheit empfehle ich dieses Buch

 

https://www.perlenta...ist-glueck.html


Wenn du weißt, was du tust

kannst du tun, was du willst. (Moshe Feldenkrais)
http://www.peter-ham...ils/karin_koch/


#18
KarinKoch

KarinKoch
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Verzicht, Demut und Gleichheit lässt sich auf vielerlei Art definieren. Die religiöse ist hier nur eine der möglichen.

Wie du darauf kommst, dass Verzicht die Schuldfrage aufwirft, (oder Demut und Gleichheit) musst du mir erst einmal erklären.

Verzicht kann auch Befreiung sein.

Demut kann genauso von einer allgemeinen inneren Haltung zeugen wie von einer christlich-religiösen.

Gleichheit hat nichts mit Gleichmacherei zu tun, sondern mit Chancengleichheit. Wenn man hier unbedingt nach Schuldigen suchen möchte, kann man das natürlich tun: wer verhindert Chancengleichheit? Wer profitiert von Ungleichheit? Um aber zu dem Ziel zu gelangen, dass die Chancen gesund, gebildet und frei leben zu können für alle in etwa gleich vorhanden sind, braucht es mehr als das. Unter anderem braucht es Verzicht. Zum Beispiel auf das vielzitierte billige T-Shirt.

Wissen wir alle. Kann man trotzdem nicht oft genug wiederholen.


Wenn du weißt, was du tust

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#19
FlorianH

FlorianH
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Ich tue mich mit diesem Kuchen-Vergleich schwer. Ist dieser Kuchen in seiner Größe denn nicht variabel?

Naja, wenn der Kuchen in seiner Groesse waechst, hast Du Wachstum :)

#20
Daniela

Daniela
  • 1.376 Beiträge
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Ich tue mich mit diesem Kuchen-Vergleich schwer. Ist dieser Kuchen in seiner Größe denn nicht variabel? Bücher sind keine Autos. Man kann viele von ihnen haben und sich diese Vielzahl auch leisten - in der Regel. Spricht mich das Werk eines Newcomers an, hole ich es mir zusätzlich(!) zu dem Titel des etablierten Autors. Das ist dann eine Art Wachstum, die durch das Angebot in Gang gesetzt wird. Oder nicht? :-?

Der Kuchen ist die Geldmenge, die die Konsumenten bereit sind, für Bücher auszugeben. Daher kann der Kuchen theoretisch in begrenztem Rahmen wachsen, wenn die Leute mehr Bücher kaufen. In der Praxis ist das aber schwierig, wenn wir immer mehr von unserem Budget für Miete etc. ausgeben müssen und Bücher auch mit anderen Medien und Freizeitaktivitäten konkurrieren. Auch Du kaufst ja sicher nicht unbegrenzt viele Bücher, wenn sie nur interessant genug klingen, sondern ab einem bestimmten Punkt wägst Du ab, ob Du Dir das auch leisten kannst.