Inhalte aufrufen

Profilbild

Eugen Ruge zu Corona


  • Zum Antworten bitte anmelden
36 Antworten zu diesem Thema

#21
Daniela

Daniela
  • 1.376 Beiträge
  • Dabei seit 29.08.06

 

Nullwachstum heißt, der zu verteilende Kuchen im Verlag bleibt immer gleich groß. Jeder Newcomer muß einen etablierten Autor vom Kuchen verdrängen. Findest du diese Art von Verteilungskämpfen auf der Autorenseite als sozial?

 

Der Kuchen wird von den Käufern verteilt, nicht von den Verlagen.

 

Die Größe des Kuchens wird von den Käufern - mehr oder weniger - allein bestimmt. Wie der Kuchen dann unter den Autoren aufgeteilt wird, bestimmen nicht nur die Käufer, sondern auch die Verlage und Buchhandlungen kräftig mit. Denn nur, wer am Markt sichtbar ist, kann auch gekauft werden, und über die Sichtbarkeit bestimmen Verlage mit Schwerpunkttitel-Entscheidungen, Werbebudgets, etc. und Buchhändler (vor allem die großen Ketten), in dem sie manche Bücher aufstapeln und andere gar nicht erst bestellen.

 

Nur so als Erläuterung zum besseren Verständnis ;-)



#22
Ramona

Ramona
  • 4.027 Beiträge
  • Dabei seit 17.03.11

 

Ich tue mich mit diesem Kuchen-Vergleich schwer. Ist dieser Kuchen in seiner Größe denn nicht variabel?

Naja, wenn der Kuchen in seiner Groesse waechst, hast Du Wachstum :)

 

 

Zwischen den 60er Jahren und 2010 hatte sich das Bücherangebot der Verlage in Deutschland fast versechsfacht, während der Kuchen, also die Zahl der Gesamtbevölkerung und damit der Käufer und Käuferinnen gerade mal um 13 % gewachsen war. Seit ein paar Jahren ist die Verlagsbuch-Produktion ja nun wieder rückläufig. Im Vergleich zu den 60ern produzieren Verlage nur noch etwas mehr als viermal so viele Neuerscheinungen bei sinkender Käuferzahl und damit kleiner werdendem Kuchen.

Edit: Die Weltbevölkerung hat in den letzten 40 Jahren um etwa 80 % zugelegt.


Bearbeitet von Ramona, 13.04.2020 - 16:38,

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)


#23
AndreasE

AndreasE
  • 2.402 Beiträge
  • Dabei seit 01.04.07

Edit: Die Weltbevölkerung hat in den letzten 40 Jahren um etwa 80 % zugelegt.

 

 

Ja, aber nicht die deutschsprachige Bevölkerung der Welt. Die schrumpft. 

 

Übrigens glaube ich, dass es weniger das zur Verfügung stehende Geld ist, das den Medienkonsum bestimmt, sondern die zur Verfügung stehende Zeit. Ginge es ums Geld, würden Hörbücher keinen Markt finden, die das Dreifache des gedruckten Buches kosten, sondern man würde sagen, "da les ich lieber selber". Doch Hörbücher kann man im Auto und beim Bügeln hören, Zeit also doppelt nutzen, das ist der Vorteil.

 

"Das Verlagsangebot hat sich versechsfacht" heißt, es gibt 6x so viele Titel, aber das muss an der Gesamtzahl verkaufter Bücher nichts ändern. Ob man von 1 Buch eine Million Exemplare verkauft oder von 1 Million Büchern je eines, das ist der Buchbranche egal. Den Autoren freilich nicht.

 

Ich erinnere mich, wie ich um die Jahrtausendwende in einem Vortrag auf der einzigen Criminale, auf der ich je war, staunend vernommen habe, früher seien Verkaufszahlen von 50.000 Stück für einen Taschenbuchkrimi normal gewesen, während man "heute" (also: damals) schon über 5.000 froh sein müsse.



#24
Dietmar

Dietmar
  • 1.086 Beiträge
  • Dabei seit 21.08.05

Dietmar, wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, dann geht es darum:
 
"(...) Und der Begriff Wachstum meint dabei nicht etwa, dass wir immer mehr produzieren, sondern, dass wir immer schneller mehr produzieren. Wirtschaftswachstum meint immer exponentielles Wachstum (...)"
 
Ruge kritisiert ja nicht Wachstum an sich. Sondern den sich stets in Ausmaß und Geschwindigkeit steigernden Wachstum.


Die Ursache liegt darin, dass wir Wachstum prozentual betrachten und damit ist der mathematische Hintergrund die Zins- und Zinseszinsberechnung. Macht eine Firma im 1.Jahr 1 Mio Euro Umsatz, muss sie bei einem Umsatzwachstum von 10% im 2.Jahr 1,1 Mio Euro Umsatz machen und im dritten nicht etwa 1,2 Mio sondern 1,21 Mio Euro. Wie man diesem Dilemma entfliehen kann, scheint sich beim Autor auf die üblichen Verdächtigen zu reduzieren.
 

Diese Krise – oder vielleicht die nächste – könnte ein Grund sein, generell über Sinn und Unsinn oder zumindest über Art und Weise der Globalisierung nachzudenken, über Mobilität und Umwelt, über die soziale Spaltung in Europa und anderswo, über Lieferketten, über Konsum und Wohlstand, und letztlich auch darüber, wie man eine Welt, einen Markt, ein Leben ohne Wachstumszwang gestalten könnte. Ja, vielleicht erzeugen wir in fünfzig Jahren ausschließlich grünen Strom und produzieren Solarzellen umweltfreundlich aus Kuhmist. Aber selbst dann sollten wir uns fragen, ob das gute Leben – und darum geht es schließlich! – irgendetwas mit exponentiellen Steigerungen zu tun hat. Exponentielle Steigerungen, so scheint mir, sind eher die Ursache und der Ausdruck von Krisen.

 
und die Exponentialität als Krisenursache zu identifizieren, zeugt nicht gerade von großem mathematischen Verständnis. Da müsste die Natur längst untergegangen sein, denn die wendet gerne Exponentialität an. Das Ergebnis nennt man dann Fraktale.

 

Ein Lösungsansatz wäre und den findet man beim Autor überhaupt nicht, das Wirtschaftswachstum über einen absoluten Zuwachs zu definieren. Im obengenannten Beispiel hieße das, jedes Jahr um 100 000 Euro. Prozentual wäre das Wachstum jedes Jahr weniger und irgendwann 0 (dazu müsste man die Exponentialfunktion nach t umstellen, um diesen Zeitpunkt zu finden).


Bearbeitet von Dietmar, 13.04.2020 - 16:27,


#25
Ramona

Ramona
  • 4.027 Beiträge
  • Dabei seit 17.03.11

 

Edit: Die Weltbevölkerung hat in den letzten 40 Jahren um etwa 80 % zugelegt.

 

 

Ja, aber nicht die deutschsprachige Bevölkerung der Welt. Die schrumpft. 

 

Übrigens glaube ich, dass es weniger das zur Verfügung stehende Geld ist, das den Medienkonsum bestimmt, sondern die zur Verfügung stehende Zeit. Ginge es ums Geld, würden Hörbücher keinen Markt finden, die das Dreifache des gedruckten Buches kosten, sondern man würde sagen, "da les ich lieber selber". Doch Hörbücher kann man im Auto und beim Bügeln hören, Zeit also doppelt nutzen, das ist der Vorteil.

 

"Das Verlagsangebot hat sich versechsfacht" heißt, es gibt 6x so viele Titel, aber das muss an der Gesamtzahl verkaufter Bücher nichts ändern. Ob man von 1 Buch eine Million Exemplare verkauft oder von 1 Million Büchern je eines, das ist der Buchbranche egal. Den Autoren freilich nicht.

 

Ich erinnere mich, wie ich um die Jahrtausendwende in einem Vortrag auf der einzigen Criminale, auf der ich je war, staunend vernommen habe, früher seien Verkaufszahlen von 50.000 Stück für einen Taschenbuchkrimi normal gewesen, während man "heute" (also: damals) schon über 5.000 froh sein müsse.

 

Die Kuchen-Story samt Buchmarkt- und Bevölkerungswachstum bezog sich auf Deutschland. Die Prozentuale Verteilung zwischen Titelangebot und Käufern entwickelte sich für die Anbieter ungünstiger. Mehr Autoren, mehr Verlage, mehr Neuerscheinungen … bei relativ konstant gebliebener, potentieller Käuferzahl (die inzwischen allerdings zurückgeht; auch aufgrund der zahlreichen Nebenmärkte wie Momox & Co.).

Und ja, es werden deshalb noch lange nicht mehr Bücher verkauft bzw. mehr Umsatz gemacht (denn die Käufer haben ja nicht mehr Geld), was nun dazu führt, dass die großen Verlagshäuser ihre Verlagsprogramme verschlanken. 

 

Der Hörbuchanteil soll (Stand 2017) bei etwa 2,5 Prozent liegen.

 


 


Bearbeitet von Ramona, 13.04.2020 - 17:10,

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)


#26
Dietmar

Dietmar
  • 1.086 Beiträge
  • Dabei seit 21.08.05

Verzicht, Demut und Gleichheit lässt sich auf vielerlei Art definieren. Die religiöse ist hier nur eine der möglichen.

Wie du darauf kommst, dass Verzicht die Schuldfrage aufwirft, (oder Demut und Gleichheit) musst du mir erst einmal erklären.

Verzicht kann auch Befreiung sein.

Demut kann genauso von einer allgemeinen inneren Haltung zeugen wie von einer christlich-religiösen.

Gleichheit hat nichts mit Gleichmacherei zu tun, sondern mit Chancengleichheit. Wenn man hier unbedingt nach Schuldigen suchen möchte, kann man das natürlich tun: wer verhindert Chancengleichheit? Wer profitiert von Ungleichheit? Um aber zu dem Ziel zu gelangen, dass die Chancen gesund, gebildet und frei leben zu können für alle in etwa gleich vorhanden sind, braucht es mehr als das. Unter anderem braucht es Verzicht. Zum Beispiel auf das vielzitierte billige T-Shirt.

Wissen wir alle. Kann man trotzdem nicht oft genug wiederholen.

Der Autor beginnt seinen Beitrag mit einer Schuldzuweisung.

 

 

Schuld an der Corona-Krise sind die Finanzoligarchie, die Politiker und wir: Denn die Globalisierung zugunsten der Oberschicht beruht auf Ausbeutung und Umweltzerstörung.

 

 und kommt zum Schluß zu dem Ergebnis Verzicht ist die Lösung.

 

Es ist jedem freigestellt, auf welchem Fundament er Verzicht und Demut aufbaut, meines basiert nicht auf Schuld, sondern auf Erkenntnis und Wissen. Das ist ein sehr großer Unterschied.

Ob Chancengleichheit durch Nichtkauf zu erreichen, ist zu hinterfragen. Kauft keiner mehr T-Shirts für 1,50 Euro, steigt dann die Chancengleichheit der Billignäherin? Die Basis für Chancengleicheit ist für mich Wissen, Wissen und nochmal Wissen. Die Frage ist also, wie kommt Wissen zur Billignäherin?


Bearbeitet von Dietmar, 13.04.2020 - 17:09,


#27
FlorianH

FlorianH
  • 317 Beiträge
  • Dabei seit 17.08.18
Aber wenn die Billignaeherin viel weiss, dann naeht sie doch bestimmt nicht mehr so billig.

#28
Wolf

Wolf
  • 896 Beiträge
  • Dabei seit 21.10.08

Der Autor beginnt seinen Beitrag mit einer Schuldzuweisung.

 

 

Schuld an der Corona-Krise sind die Finanzoligarchie, die Politiker und wir: Denn die Globalisierung zugunsten der Oberschicht beruht auf Ausbeutung und Umweltzerstörung.

 

 und kommt zum Schluß zu dem Ergebnis Verzicht ist die Lösung.

 

Es ist jedem freigestellt, auf welchem Fundament er Verzicht und Demut aufbaut, meines basiert nicht auf Schuld, sondern auf Erkenntnis und Wissen. Das ist ein sehr großer Unterschied.

Ob Chancengleichheit durch Nichtkauf zu erreichen, ist zu hinterfragen. Kauft keiner mehr T-Shirts für 1,50 Euro, steigt dann die Chancengleichheit der Billignäherin? Die Basis für Chancengleicheit ist für mich Wissen, Wissen und nochmal Wissen. Die Frage ist also, wie kommt Wissen zur Billignäherin?

 

Da gibt es zwei Sichtweisen, die keine Chance haben zueinander zu finden. Selbstverständlich kann ich Verzicht predigen. Verzicht würde viele Probleme lösen oder gar nicht erst entstehen lassen. Verzicht hat nur ein Problem. Es findet im realen Leben kein plausibles Vorbild und wird nur in Ausnahmen praktiziert. Was einen Biologen nicht wundert.

Die belebte Natur ist auf Wachstum ausgerichtet. Wachstum gibt es gutes Gefühl. Solange es wächst (wasauchimmer), ist alles gut. Da spielt dann auch die Sicherheit mit rein. Es gibt einfach zu viele Menschen, die nicht nur immer mehr haben wollen, sondern dass auch gut oder aternativlos finden.

Deshalb geht es mir so wie Dietmar, der auf Erkenntnis und Wissen setzt. Oder wie es lieber formuliere: auf Systemverständnis. Mir würde bereits helfen, wenn man sich darauf einigen könnte, worüber man spricht, wenn man Wachstum meint. Das Bruttosozialprodukt? Das Bruttoinlandprodukt? Den Wert erzeugter Waren und Dienstleistungen? Wachstum ist auf jeden Fall ein ökonomischer Terminus, der an einem Indikator festgemacht wird. Es gibt aber auch ganz andere Dinge, die wachsen. Beispielsweise das Wissen. Oder die Qualität. Oder die Komplexität. Und jedes Mal geht es um etwas anderes. Weiterentwicklung ist auch eine Art Wachstum, und die ist für mich ganz klar positiv belegt.

Dazu kommt noch ein anderer Prozess. Wir tun immer so, als hätten wir als Einzelne oder als Gruppe einen Einfluss darauf, wie das Wachstum abläuft. Ich bin mir da nicht sicher. Es handelt sich dabei in meinen Augen um sich selbst organisierende Prozesse, verlgeichbar mit Fischschwärmen oder Schwärmen von Vögeln, deren Schwarmbild sich srädig ändert. Wenn das so ist, dann haben alle Veränderungen der Vergangenheit damit begonnen, dass man bereits ablaufenden Einzelprozesse versucht hat zu optimieren oder, wenn sie ungünstig waren, zu ändern oder zu stoppen. Was manchmal ganz schön schwierig ist. Siehe Klimadiskussion

 

Es gibt keinen übergeordneten Chef oder Leiter des Wachstumsprozesses. Und wen man bereit ist, dem zu folgen, dann gibt es auch keinen Schuldigen und man muss einen anderen Ansatz wählen, um eine fehlgeleitete Entwicklung wieder in die richtige Richtung zu leiten, die übrigens auch niemand kennt. Wir können nur rückwärts blicken.

 

Das gilt auch für den Büchermarkt. Ein Minisystem im Vegleich zum Welthandel. Und trotzdem bereits zu komplex, um es zu überschauen, weil den Büchermarkt mit Verzöerung das getroffen hat, was die Musikszene schon lange vom Stuhl gestoßen hat. Erst gab es nur Musiker, dann Noten und Orchester, dann die Schallplatte - und nach jeder Neuerfindung eine Ruhehpase - und dann kam das Internet, das immer noch nicht richtig verstanden wird, weil es unerwartet viele neue, bisher undenkbare Möglichkeiten bietet.

 

Wahrscheinlich geht es gar nicht mehr um eine Torte, die größer werden soll oder einfach nur verteilt wird. Vielleicht ist es nur noch Zuckerwatte.

 

In diesem Sinne

Wolfhard



#29
KerstinH

KerstinH
  • 1.254 Beiträge
  • Dabei seit 08.04.19

... 

Da gibt es zwei Sichtweisen, die keine Chance haben zueinander zu finden. Selbstverständlich kann ich Verzicht predigen. Verzicht würde viele Probleme lösen oder gar nicht erst entstehen lassen. Verzicht hat nur ein Problem. Es findet im realen Leben kein plausibles Vorbild und wird nur in Ausnahmen praktiziert. Was einen Biologen nicht wundert.

...

 

Ich finde Ruges Artikel nicht gut, wie ich schon früher sagte, denn ich lese aus ihm heraus, dass er das gegenwärtige wirtschaftliche System für die Coronakrise verantwortlich macht. Da bin ich anderer Meinung.

 

Aber zur Sache mit dem Verzicht. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir hier noch ein irgendwie normales biologisches Leben führen. Kein Tier hortet über seine Bedürfnisse oder über einen Wintervorrat hinaus. Kein Löwe schlägt drei Gazellen mehr, als er eigentlich Hunger hat, nur weil sie gerade im Angebot sind. Kein Tier frisst sich dauerhaft über seinen Hunger hinaus fett (maximal Haustiere, die auf eine kranke Art mit Leckerlis in Verbindung mit zuwenig Bewegung beglückt werden). Kein Bär vergleicht seine Höhle mit der des Nachbarn und findet dann, dass er auch eine größere haben muss.

Was wir hier praktizieren, ist Gier. Wenn wir verzichteten, würden wir uns noch lange nicht kasteien, sondern einfach mal normal leben.

 

Und Wissen ist natürlich eine schöne Sache. Aber es ist zu einfach, der Billignäherin einfach Wissen zuzugestehen, dann käme alles in Ordnung. Damit entlasten wir uns wieder nur von unserer Verantwortung, an ihrer Ausbeutung mitbeteiligt zu sein (was nicht geht, wir sind verantwortlich). Die Erkenntnis lautet nämlich: Die Näherin kann noch so gebildet sein, wenn wir die weltwirtschaftlichen Strukturen weiterhin so gestalten, wie sie sind, nutzt ihr das ganze Wissen in ihrem eigenen Land gar nichts. Oder warum gibt es Braindrain sonst? Die sind doch in den sogenannten Entwicklungsländern nicht alle ganz furchtbar ungebildet und nur deshalb in ihrer wirtschaftlichen Notlage.


Bearbeitet von KerstinH, 14.04.2020 - 08:58,


#30
AndreasE

AndreasE
  • 2.402 Beiträge
  • Dabei seit 01.04.07

Ich erinnere mich an Zeiten, da hat man Softwareentwicklung nach Indien "outgesourced", weil die genauso schlau waren wie deutsche oder amerikanische Programmierer, aber billiger. Nach einer Weile haben die indischen Firmen ihrerseits die Programmierung in Usbekistan od.gl. erledigen lassen, weil die noch billiger waren … und ich habe mich, als ich das gehört habe, gefragt, was wohl passieren wird, wenn eines Tages die armen Länder "ausgehen". Offenbar haben wir keine Weltwirtschaft, die auf der Basis eines gleich hohen Lebensstandards funktionieren kann. 



#31
Christa

Christa
  • 10.043 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

 


Der Autor beginnt seinen Beitrag mit einer Schuldzuweisung.

 

 

Schuld an der Corona-Krise sind die Finanzoligarchie, die Politiker und wir: Denn die Globalisierung zugunsten der Oberschicht beruht auf Ausbeutung und Umweltzerstörung.

 

 und kommt zum Schluß zu dem Ergebnis Verzicht ist die Lösung.

 

Es ist jedem freigestellt, auf welchem Fundament er Verzicht und Demut aufbaut, meines basiert nicht auf Schuld, sondern auf Erkenntnis und Wissen. Das ist ein sehr großer Unterschied.

Ob Chancengleichheit durch Nichtkauf zu erreichen, ist zu hinterfragen. Kauft keiner mehr T-Shirts für 1,50 Euro, steigt dann die Chancengleichheit der Billignäherin? Die Basis für Chancengleicheit ist für mich Wissen, Wissen und nochmal Wissen. Die Frage ist also, wie kommt Wissen zur Billignäherin?

 

Das gilt auch für den Büchermarkt. Ein Minisystem im Vegleich zum Welthandel. Und trotzdem bereits zu komplex, um es zu überschauen, weil den Büchermarkt mit Verzöerung das getroffen hat, was die Musikszene schon lange vom Stuhl gestoßen hat. Erst gab es nur Musiker, dann Noten und Orchester, dann die Schallplatte - und nach jeder Neuerfindung eine Ruhehpase - und dann kam das Internet, das immer noch nicht richtig verstanden wird, weil es unerwartet viele neue, bisher undenkbare Möglichkeiten bietet.

 

Zur Chancengleichheit durch Wissen für die Billignäherin: Das käme in der Tat in dem Moment, wenn sie erfährt, dass für ihre Ware von den internationalen Käufern mehr gezahlt wird. Frage ist, wo der Anfang dieser Kette sein wird: beim Käufer, beim Anbieter oder beim Erzeuger? Nach den herkömmlichen Mustern würden die Anbieter ihre Produktion nach Afrika verlegen, wenn es in Asien nicht mehr möglich ist. Aber diese alten Muster soll es ja in diesem Sinne nicht mehr geben. Ich habe viele starke Worte über künftige heimische Produktion gehört, zum Beispiel die Maskenherstellung durch Trigema. Diese Firma war aber schon immer sehr sozial eingestellt.

 

Wir können hier im Autorenforum solche politischen und wirtschaftlich-wissenschaftlichen Fragen aber nur bedingt führen.

Mir ist eingefallen, dass ein Kleinverlagsbuch von mir damals in Bozen gedruckt wurde. Warum wohl? War bestimmt billiger, es mit dem Lastwagen hierherzukarren als es in der Druckerei in Reutlingen drucken zu lassen! 8-)

 

Interessant ist deine Frage nach dem Büchermarkt, Wolf. In der Musikszene wurden viele Musiker ruiniert durch das Aufkommen neuer Techniken. Es gab und gibt immer noch illegale Downloadportale sowohl für Musik als auch für Bücher. Und ich meine sogar gelesen zu haben, dass dieses illegale Downloaden während der Corona-Krise stark zugenommen hätte. Auf der anderen Seite gibt es trotzdem einen starken Musikmarkt sowohl mit etablierten, erfolgreichen Bands als auch (bis vor Kurzem) unzählige Auftritte anderer Bands. Gerade die Coronaepidemie mit ihren sozialen Erscheinungen hat gezeigt, dass die Musikliebhaber gern wieder LIvebands hören, die Leser wieder Bücher im Buchhandel kaufen und zu Buchmessen gehen und die Fußballfans sich wieder in den Arm fallen und nicht nur virtuell zuprosten würden. Es ist schon viel gesagt darüber worden, dass das Internet eine immer entscheidendere Rolle spielen wird in Zukunft, denn dadurch kann man ja nicht angesteckt werden. Es wird aber niemals die urmenschlichen Bedürfnisse nach Nähe und Wirklichkeit ersetzen.


Bearbeitet von Christa, 14.04.2020 - 10:18,

Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Mörderische Förde ab 5.10. 20 https://www.thalia.d...D149527193.html Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#32
KarinKoch

KarinKoch
  • 749 Beiträge
  • Dabei seit 07.10.17

 Offenbar haben wir keine Weltwirtschaft, die auf der Basis eines gleich hohen Lebensstandards funktionieren kann. 

Das trifft für mich den Kern. Und zwar punktgenau ins Zentrum.


Wenn du weißt, was du tust

kannst du tun, was du willst. (Moshe Feldenkrais)
http://www.peter-ham...ils/karin_koch/


#33
AndreasE

AndreasE
  • 2.402 Beiträge
  • Dabei seit 01.04.07

Übrigens horrend interessant, was man im Zuge der gegenwärtigen Krise so alles erfährt: So klagen Modehäuser, dass sie auf ihren Klamotten sitzen bleiben – und zwar gehen allein in Deutschland jeden Tag, den Gott werden lässt, 10 Millionen Kleidungsstücke über die Ladentheke! 10 Millionen. Jeden Tag. Das sind bei 80 Millionen Einwohnern … Ich will das gar nicht ausrechnen, wie viel Klamotten dann gekauft werden, aber so stand's da. Weil, ich bin jemand, der sich schon aufregt, wenn er ein Sweatshirt nach 10 Jahren Gebrauch wegwerfen muss, weil sich schon die Ellbogen durchwetzen … und der ungefähr 0,75-mal pro Jahr Kleidung kauft …

 

Dem entspricht auch, was ich gelesen habe darüber, wieviel Kleidung alljährlich weggeworfen wird. Irgendeine irre Zahl von Kilogramm pro Person. Insgesamt erzeuge die Modeindustrie mehr CO2 als der globale Flugverkehr.

 

Da darf man schon mal fragen, ob es nicht gescheiter wäre, die Näherinnen auskömmlich zu entlohnen und dafür teurere, aber haltbarere Kleidung zu produzieren. Und die Modedesigner lieber zum Spargelstechen zu schicken, als es ihnen zu erlauben, den Leuten wieder einzureden, dass sie das, was sie ihnen letztes Jahr als "schön" verkauft haben, ersetzen sollen, weil es plötzlich hässlich geworden sei.



#34
Ramona

Ramona
  • 4.027 Beiträge
  • Dabei seit 17.03.11

Ich bin immer ganz von den Socken, wenn ich diese Pro-Kopf-Statistiken für Deutschland sehe. Was da alles so importiert, produziert und am Ende vernichtet wird. Und das fängt schon beim Fleischkonsum an. Da frage ich mich des Öfteren, wer denn all diese Leute sein sollen, die diese Tonnen von Fleisch und Wurst übers Jahr vertilgen können, ohne sich übergeben zu müssen. Ich meine, ich esse ganz normal - und komme gerade mal an einen Bruchteil dieses statistischen Mittelwertes heran. (Ähnlich ist's beim Klamottenkauf etc. Fehlte nur noch, dass ich inhaftiert würde, weil ich die Konsumquote nicht erfülle …  :-X … Aber vermutlich gleicht mein Bücherkauf dafür das ein oder andere aus.  ;) )


Bearbeitet von Ramona, 16.04.2020 - 15:29,

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)


#35
AndreasE

AndreasE
  • 2.402 Beiträge
  • Dabei seit 01.04.07

Ganz allgemein kann man feststellen, dass die Krise jetzt mannigfach als universeller Grund herhalten soll, um irgendwelche Ziele durchzusetzen, die damit gar nichts zu tun haben. Die einen wollen den Sozialismus durchsetzen, weil Krise, die anderen den Kapitalismus noch einen Gang höher schalten, weil Krise, wieder andere wollen die Milliardäre enteigen und das bedingungslose Grundeinkommen einführen, weil Krise, wieder andere wollen noch mehr Überwachungstechnik installieren, weil Krise … und, und, und. Ich kann's nicht mehr hören.



#36
KerstinH

KerstinH
  • 1.254 Beiträge
  • Dabei seit 08.04.19

Ganz allgemein kann man feststellen, dass die Krise jetzt mannigfach als universeller Grund herhalten soll, um irgendwelche Ziele durchzusetzen, die damit gar nichts zu tun haben. Die einen wollen den Sozialismus durchsetzen, weil Krise, die anderen den Kapitalismus noch einen Gang höher schalten, weil Krise, wieder andere wollen die Milliardäre enteigen und das bedingungslose Grundeinkommen einführen, weil Krise, wieder andere wollen noch mehr Überwachungstechnik installieren, weil Krise … und, und, und. Ich kann's nicht mehr hören.

 

Und im Nachhinein wird die Krise auch als Ursache dafür herhalten müssen, dass dies oder jenes damals (also heute) so passiert ist, wie es passiert ist, dieses oder jenes deshalb nicht möglich war oder aber alternativlos durchgezogen werden musste. Der Begriff Corona wird nicht mehr verschwinden (und ich schätze, dass Corona als Romanthema daher auch nicht taugen wird, weil es  einfach irgendwann niemand mehr wird hören können).



#37
Christa

Christa
  • 10.043 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05


 



Ganz allgemein kann man feststellen, dass die Krise jetzt mannigfach als universeller Grund herhalten soll, um irgendwelche Ziele durchzusetzen, die damit gar nichts zu tun haben. Die einen wollen den Sozialismus durchsetzen, weil Krise, die anderen den Kapitalismus noch einen Gang höher schalten, weil Krise, wieder andere wollen die Milliardäre enteigen und das bedingungslose Grundeinkommen einführen, weil Krise, wieder andere wollen noch mehr Überwachungstechnik installieren, weil Krise … und, und, und. Ich kann's nicht mehr hören.

 

Und im Nachhinein wird die Krise auch als Ursache dafür herhalten müssen, dass dies oder jenes damals (also heute) so passiert ist, wie es passiert ist, dieses oder jenes deshalb nicht möglich war oder aber alternativlos durchgezogen werden musste. Der Begriff Corona wird nicht mehr verschwinden (und ich schätze, dass Corona als Romanthema daher auch nicht taugen wird, weil es  einfach irgendwann niemand mehr wird hören können).

 

Die spanische/mexikanische Biermarke "Corona Extra" wurde jetzt auch aus Gründen vom Markt genommen. 8-)

https://www.fr.de/po...n-13641329.html


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Mörderische Förde ab 5.10. 20 https://www.thalia.d...D149527193.html Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/