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Siri Hustvedt zu Corona, Trump und der Situation in den USA


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74 Antworten zu diesem Thema

#21
ClaudiaB

ClaudiaB
  • 2.411 Beiträge
  • Dabei seit 11.12.09

Aber ich lass es jetzt gut sein.


Neu: Cleo Leuchtenberg (Lisa Dickreiter & Claudia Brendler) I love you heißt noch lange nicht Ich liebe dich. Oetinger HC
http://www.claudiabrendler.de


#22
Dietmar

Dietmar
  • 1.111 Beiträge
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Das Interview habe ich an der Stelle abgebrochen, als in jeder Frage "Trump" auftauchte. Meine Sympathie für Trump liegt bei  Minus Unendlich, trotzdem erwarte ich bei Intellektuellen mehr Sachbezogenheit - Hass ist ein schlechter Ratgeber beim Argumentieren. Nur am Rande, die Argumentationsstruktur von Hustvedt und Trump sind identisch. Es geht darum, Schuldige zu finden und keine Lösungen. Mit dieser Art der Argumentation kann man in seiner sozialen Blase unheimlich punkten.
 
Interessant ist die Antwort Hustvedts auf die Frage
 

Haben Sie Angst?

 
Ihre Antwort ist
 

Ich mache mir nicht so sehr um mich selbst Sorgen, als darum, wie es weitergeht. Wie sieht die Welt nach dieser Krise aus, wie wird das Leben? ...

 
Sie definiert Zukunft über Angst. Angst ist ein ganz schlechter Ratgeber, wenn es um Zukunft geht. Das ist für mich ein Zeichen für schwache Personen, denen es an Resilienz mangelt. Warum das in der Postmoderne als positiv gesehen wird, erschließt sich mir nicht.


Bearbeitet von Dietmar, 17.04.2020 - 19:58,


#23
Christa

Christa
  • 10.159 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05


Hier gehts zum Interview.

 

Besonders hervorhebenswert fand ich diesen Gedanken:

 

"Es gibt eine ernst zu nehmende wissenschaftliche Meinung, die besagt, dass die Abholzung unserer Wälder und der Klimawandel für Pandemien günstige Bedingungen geschaffen haben. Viren können von Spezies zu Spezies migrieren und wenn die Biodiversität schwindet, wird die Wahrscheinlichkeit höher, dass das passiert."

 

Eigentlich hatte ich ein Interview zu diesem Thema erwartet. Davon hatte ich schon gehört und fand den Gedanken recht vielversprechend. Was hat die Abholzung der Regenwälder mit dem Virus zu tun? Und das Virus mit dem Klimawandel? Die günstigen Bedingungen für die Pandemie liegen wohl in den tiefgreifenden Veränderungen, die durch den Menschen vorgenommen worden sind. Er ist, neben allen anderen Spuren der Verwüstung, die er gelegt hat, den Wildtieren zu nahe gekommen. Dazu noch ein interessanter Link.

https://www.klimarep...viren-eindringt

 

Im weiteren Interview fühlte ich mich immer weiter weggeführt von diesen Äußerungen. Zwar musste ich auch an Teweleits "Männerphantasien" denken,  als davon die Rede war, dass Trump Angst vor Körperflüssigkeiten, Frauen und Überflutung durch Viren hätte. Damit hat die Frage des Reporters die Richtung des weiteren Interviews bestimmt, und dadurch wurden wohl auch die spitzig-süffisanten Bemerkungen über Trump hervorgerufen. Finde ich jetzt nicht schlimm, aber für meinen Geschmack müssen sie nicht diskutiert werden. Sie müssen auch nicht im internen Bereich diskutiert werden, wie Angelika richtig sagt. Denn so etwas gehört zu "Autorenthemen".


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Mörderische Förde ab 5.10. 20 https://www.thalia.d...D149527193.html Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#24
Ramona

Ramona
  • 4.066 Beiträge
  • Dabei seit 17.03.11

Ja, das Interview ist neben dem analytisch wissenschaftlichen Blick auf die Corona-Pandemie durch die Trump-Fragen des Reporters auch zu einem sehr persönlichen Interview geworden. Da hat sich viel angestauter Zorn entladen. Hustvedt hat die Entwicklung der Pandemie  ja seit China mit verfolgt und begriffen, was da  für ein Tsunami auf das us-amerikanische Gesundheitssystem zurollt. Und nun muss sie gewissermaßen live miterleben, wie in ihrer Stadt NY Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger sterben, weil denen in einem der reichsten Länder der Welt keine ausreichenden Schutzmittel zur Verfügung stehen, während in den Hinterhöfen der Stadt sozusagen die Massengräber für die Mittellosen ausgehoben werden. Angesichts solcher Tatsachen kann ein Mensch wohl schon mal die Contenance verlieren.
 


Bearbeitet von Ramona, 18.04.2020 - 08:26,

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)


#25
Annette

Annette
  • 1.339 Beiträge
  • Dabei seit 30.08.06

das war ja schon wieder der öffentliche Bereich.

 

Sorry

Annette


Bearbeitet von Annette, 18.04.2020 - 09:11,

Der überraschende Weihnachtsbrief, Magellan Verlag  2018 - auch auf Dänisch, Bulgarisch und Rumänisch


#26
KerstinH

KerstinH
  • 1.334 Beiträge
  • Dabei seit 08.04.19

...

Und zur Unterwürfigkeit, dass dazu immer zwei gehören: Kerstin, das steht durchaus im Interview: Ja, und sie werden alle dazu gezwungen, unterwürfig zu sein und ihm zu schmeicheln. Es ist wie der französische Hof, es ist vollkommen verrückt. Die Leute, die jetzt noch in der Regierung übrig sind, sind das, was wir hier Yes-Men nennen, Ja-Sager.

Heißt: Die anderen sind weg, diejenigen, die sich dagegen entschieden haben ... sie redet von "übrig." Und verschlissen wurden ja einige. 

...

 

Ich möchte doch nochmal  auf diese Sache mit der Schmeichelei zurückkommen. 

Es stimmt wahrscheinlich, um Trump herum gibt es nur noch Yes-Men. Die anderen, die weg sind, wurden oder sind gegangen. Aber der Vergleich mit dem französischen Hof hinkt trotzdem, denn ich schätze, zu Ludwig XIV. Zeiten riskierte man sein Leben, wenn man dem König widersprach. Heute lediglich seine Position, was schlimm genug ist. Aber dass sie alle gezwungen werden ... 

Ich dachte wirklich für einen Moment, Frau Hustvedt macht sich mit diesem Wort lustig über Trumps Gefolge. Aber nein, sie glaubt anscheinend ernsthaft, dass man in so einem Fall keine (schmerzhafte) Entscheidungsfreiheit hätte. Als jemand, der sich mit Psychiatrie beschäftigt hat und das an andere Leute weitergibt!

 

Und ich möchte nochmal betonen, dass ich keine Trump-Befürworterin bin, im Gegenteil. Aber das legitimiert nicht automatisch die andere Seite zu solchen Entgleisungen wie in diesem Interview, das vom journalistischen Standpunkt her unter aller Kanone ist.


Bearbeitet von KerstinH, 18.04.2020 - 09:43,


#27
Wolf

Wolf
  • 939 Beiträge
  • Dabei seit 21.10.08

Wenn ich mich amüsieren möchte, lese oder schaue ich die alten Sachen von Anke Engelke. Aber kurz danach kommt schon Trump. Eigentlich sollte er mir leid tun, denn er ist nicht ganz gesund. Aber das gelingt mir nicht.

 

Die Studien für die Verbindung von Regenwaldabholzung und Pandemien kenne ich nicht. Zunächst einmal gibt es immer wieder Pandemien, die außerhalb der normalen menschlichen Wahrnehmung ablaufen und nur Spezialisten interessieren (z.B. Ulmenpest). Dann sorgen die Menschen für verstärkte Kontakte, weil sie überall sind und herumfummeln. Sie senken durch ihre Art zu wirtschaften die Biosdiversität und das könnte eine Ausbreitung fördern. Aber ehrlich gesagt, ich glaube da nicht so recht dran. Klar ist für mich nur, dass die Abholzung von Wäldern die räumliche Verteilung und Ergiebigkeit von Niederschlägen beeinflusst. Die ersten Belege dafür fielen noch in meine aktive Zeit.

 

Liebe Grüße

Wolf



#28
KarinKoch

KarinKoch
  • 795 Beiträge
  • Dabei seit 07.10.17

Wenn ich mich amüsieren möchte, lese oder schaue ich die alten Sachen von Anke Engelke. Aber kurz danach kommt schon Trump. Eigentlich sollte er mir leid tun, denn er ist nicht ganz gesund. Aber das gelingt mir nicht.


 

Wenn du und ich nicht ganz gesund im Oberstübchen sind, hat das Auswirkungen auf unsere unmittelbare Umgebung. Und vielleicht noch auf das Autorenforum 8-), wenn wir hier zu viel Schrott von uns geben.

Wenn jemand mit entsprechender Oberstübchenkondition in einer sehr, sehr mächtigen Position ist und Entscheidungen fällen kann, die global wirksam sind, dann ist das schon mal ne andere Nummer. Da ist Mitleid tatsächlich nicht unbedingt eine angemessene Reaktion. So jemanden muss man ganz genau beobachten, denn das kann richtig gefährlich werden.

Freuen über einen solchen Menschen tun sich neben seinen Anhängern ganz besonders die Medien. Die nehmen das mit dem ganz genau Beobachten besonders ernst könnte man meinen.


Wenn du weißt, was du tust

kannst du tun, was du willst. (Moshe Feldenkrais)
http://www.peter-ham...ils/karin_koch/


#29
KarinKoch

KarinKoch
  • 795 Beiträge
  • Dabei seit 07.10.17

Falls es überhaupt noch interessiert und thematisch nicht zu weit weg führt, hier ein komplexer, durchdachter und lesenswerter Gegenentwurf zu Siri Hustvedt:

 

https://www.zeit.de/...ie-ungleichheit

 

Wenn zu sehr off-topic bitte löschen.


Wenn du weißt, was du tust

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#30
KerstinH

KerstinH
  • 1.334 Beiträge
  • Dabei seit 08.04.19

Ich finde den Artikel gut. Unaufgeregt, klug, durchdacht, sachlich beschreibt er genau das, was in der Überschrift dieses Threads steht. Man sieht Entwicklungen, das klägliche Versagen der Regierung, das absurde Verhalten des Präsidenten - aber eben auch, dass die jetzige Situation nicht nur eine Folge der letzten vier Trump-Jahre ist. Für mich eine gelungene Analyse. Hier fühle ich mich wirklich informiert.



#31
MartinC

MartinC
  • 1.374 Beiträge
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Ja, ich empfinde den Artikel ebenfalls als sehr differenziert, denn er beschreibt die Situation in den USA nicht als das Versagen einer einzelnen Person, sondern als ein über einen langen Zeitraum gewachsenes Systemversagen und vergisst dabei auch nicht die großartigen Seiten seines Landes und vieler Menschen, die darin leben.

 

LG

Martin


_________________________________________________

www.martinconrath.de

Jede Art des Schreibens ist erlaubt - nur nicht die langweilige (Voltaire)


#32
Christa

Christa
  • 10.159 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Der Artikel ist ausgewogener als der andere. Ich erfahre von Hintegründen, die ich in der unabhängigen Berichterstattung

über die USA so noch nicht gelesen oder gehört habe. Der letzte Satz ist u. a. bei mir hängengebleiben:

Wenn wir alle wieder aus unseren Verstecken aufgetaucht sind und die Schutzmasken abgenommen haben, sollten wir nicht vergessen, wie es sich anfühlte, allein zu sein.

Aber ich vermisse Statements, die etwas mit uns, mit den Autoren zu tun haben. Eins habe ich gefunden, das ein paar Fragen aufwirft-und stelle das auch gleich mal ein.


Bearbeitet von Christa, 05.05.2020 - 13:38,

Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Mörderische Förde ab 5.10. 20 https://www.thalia.d...D149527193.html Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#33
AlexanderW

AlexanderW
  • 163 Beiträge
  • Dabei seit 20.01.20
Naja.
 
Der Artikel wirkt im Vergleich zu dem Interview mit Hustvedt auf eine Weise gut, in der ein klappriges Fahrrad im Vergleich zu einem völlig kaputten Einrad gut wirkt. Und im Vergleich zu dem Interview differenziert zu wirken, ist nun wirklich nicht schwer. Für mich ist der Artikel vom üblichen Einheitsbrei, der alle Ereignisse unserer Zeit zu politischen Grabenkämpfen umzudeuten versucht, in keiner Weise zu unterscheiden:

Der Artikel zieht auf der ersten Seite einen Vergleich an, der unfreiwillig komisch wirkt und mehr über den Verfasser aussagt als über das Geschriebene: Er Vergleicht Donald Trump mit General Philippe Pétain, der sich nach der Französischen Niederlage gegen Hitler mit den Nazis verbündete und zum Präsidenten des faschistischen Vichy-Regimes wurde.
Wenn man Donald Trump also nicht direkt mit Adolf Hitler Vergleichen will, so vergleicht ihn der Autor vorsichtshalber mit dem Hitler-Kollaborateur Pétain. Der Vergleich wirkt so gezwungen und konstruiert, dass man sich sicher sein kann, dass der Autor genau diesem Gedankengang gefolgt ist.
Mit sehr, sehr viel Fantasie kann man auf diesen Vergleich blicken und dann zum Schluss kommen: Nein, ist immer noch an den Haaren herbeigezogen.
 
Es ist Ausdruck unserer Zeit, dass Medien wie 'The Atlantic', in dem der Originalartikel erschienen ist, ein Sprachrohr eines politischen Lagers ist, das die Grabenkämpfe verschärft, weil es eine Leserschaft bedient, die eine politische Interpretation nach ihrem Geschmack erwartet. 
 
Beispielhaft sind solche Sätze wie:
 

Wie ein ungezogener Junge, der brennende Streichhölzer auf eine ausgetrocknete Wiese wirft, begann Trump, das zu opfern, was vom staatsbürgerlichen Leben im Lande noch übrig war.

Einheitsbrei. Das ist weder differenziert noch klug. Es ist regelmäßige Nahrung für eine Leserschaft, die politische Interpretation anstatt Information sucht. Das sind Fast Food-Nachrichten, Pop-News, Infotainment. Im Atlantic nicht neues...



#34
Christa

Christa
  • 10.159 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Gut fand ich den Artikel auch nicht, habe ich auch nicht gesagt, nur ausführlicher. Ehrlich gesagt musste ich mich sogar zwingen, alle vier Seiten zu lesen. Bei den Punkten, die du anführst, Alexander, dachte ich, das ist eigentlich alles nur Polemik. Und an einer Stelle musste ich u.a. an unsere Spargelarbeiter und das medizinische Personal denken, als davon die Rede war, Angehörige systemrelevanter Berufe müssten auch dann weiterarbeiten, wenn sie krank sind. Da haben wir den Amerikanern von System her doch einiges voraus.


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


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#35
KerstinH

KerstinH
  • 1.334 Beiträge
  • Dabei seit 08.04.19

 

Naja.
 
Der Artikel wirkt im Vergleich zu dem Interview mit Hustvedt auf eine Weise gut, in der ein klappriges Fahrrad im Vergleich zu einem völlig kaputten Einrad gut wirkt. Und im Vergleich zu dem Interview differenziert zu wirken, ist nun wirklich nicht schwer. Für mich ist der Artikel vom üblichen Einheitsbrei, der alle Ereignisse unserer Zeit zu politischen Grabenkämpfen umzudeuten versucht, in keiner Weise zu unterscheiden:

Der Artikel zieht auf der ersten Seite einen Vergleich an, der unfreiwillig komisch wirkt und mehr über den Verfasser aussagt als über das Geschriebene: Er Vergleicht Donald Trump mit General Philippe Pétain, der sich nach der Französischen Niederlage gegen Hitler mit den Nazis verbündete und zum Präsidenten des faschistischen Vichy-Regimes wurde.
Wenn man Donald Trump also nicht direkt mit Adolf Hitler Vergleichen will, so vergleicht ihn der Autor vorsichtshalber mit dem Hitler-Kollaborateur Pétain. Der Vergleich wirkt so gezwungen und konstruiert, dass man sich sicher sein kann, dass der Autor genau diesem Gedankengang gefolgt ist.
Mit sehr, sehr viel Fantasie kann man auf diesen Vergleich blicken und dann zum Schluss kommen: Nein, ist immer noch an den Haaren herbeigezogen.
 
Es ist Ausdruck unserer Zeit, dass Medien wie 'The Atlantic', in dem der Originalartikel erschienen ist, ein Sprachrohr eines politischen Lagers ist, das die Grabenkämpfe verschärft, weil es eine Leserschaft bedient, die eine politische Interpretation nach ihrem Geschmack erwartet. 
 
Beispielhaft sind solche Sätze wie:
 

Wie ein ungezogener Junge, der brennende Streichhölzer auf eine ausgetrocknete Wiese wirft, begann Trump, das zu opfern, was vom staatsbürgerlichen Leben im Lande noch übrig war.

Einheitsbrei. Das ist weder differenziert noch klug. Es ist regelmäßige Nahrung für eine Leserschaft, die politische Interpretation anstatt Information sucht. Das sind Fast Food-Nachrichten, Pop-News, Infotainment. Im Atlantic nicht neues...

 

 

Hm, interessant. Ich muss zugeben, dass ich das Petaín-Beispiel mehr oder weniger überlesen habe. Ich finde den Artikel aber trotzdem nicht schlecht. Er zeigt deutlich, dass der Niedergang dieses Landes eben nicht erst mit der Trump-Ära begann.

Und Infotainment? Dazu müsste man, wenn man journalistisches Handwerk einschätzt, die Textsorte betrachten. Über dem Artikel steht Essay, worunter Wikipedia "eine geistreiche Abhandlung" versteht, "in der wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Phänomene betrachtet werden. Im Mittelpunkt steht die persönliche Auseinandersetzung des Autors mit seinem jeweiligen Thema ..."

Gut, über geistreich kann man streiten (über meine Quelle Wikipedia ebenfalls). Aber der Autor setzt sich hier mit einem gesellschaftlichen Thema auseinander, und er darf dabei auch seine persönliche Meinung schreiben, anders als zum Beispiel in einem Bericht oder einer Dokumentation, wo man neutrale Information ohne persönliche Meinungsäußerung voraussetzen darf. Ich finde den Text okay.


Bearbeitet von KerstinH, 05.05.2020 - 16:55,


#36
KarinKoch

KarinKoch
  • 795 Beiträge
  • Dabei seit 07.10.17

 
Es ist Ausdruck unserer Zeit, dass Medien wie 'The Atlantic', in dem der Originalartikel erschienen ist, ein Sprachrohr eines politischen Lagers ist, das die Grabenkämpfe verschärft, weil es eine Leserschaft bedient, die eine politische Interpretation nach ihrem Geschmack erwartet. 
 

Hier gebe ich dir recht. Ein großes Problem der amerikanischen Medienlandschaft ist das Bedienen von Lagermeinungen. Das verschärft die fatale Spaltung der Nation.

 

Danke an Kerstin für den Hinweis, dass der Artikel ein Essay ist.


Wenn du weißt, was du tust

kannst du tun, was du willst. (Moshe Feldenkrais)
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#37
AndreasG

AndreasG
  • 1.694 Beiträge
  • Dabei seit 16.09.07

 

 
Der Artikel zieht auf der ersten Seite einen Vergleich an, der unfreiwillig komisch wirkt und mehr über den Verfasser aussagt als über das Geschriebene: Er Vergleicht Donald Trump mit General Philippe Pétain, der sich nach der Französischen Niederlage gegen Hitler mit den Nazis verbündete und zum Präsidenten des faschistischen Vichy-Regimes wurde.
Wenn man Donald Trump also nicht direkt mit Adolf Hitler Vergleichen will, so vergleicht ihn der Autor vorsichtshalber mit dem Hitler-Kollaborateur Pétain. Der Vergleich wirkt so gezwungen und konstruiert, dass man sich sicher sein kann, dass der Autor genau diesem Gedankengang gefolgt ist.
Mit sehr, sehr viel Fantasie kann man auf diesen Vergleich blicken und dann zum Schluss kommen: Nein, ist immer noch an den Haaren herbeigezogen.
 
 

 

Auch mir erscheint die Gleichsetzung von Trump und Pétain (besser gesagt der Situation des 1940 besetzten Frankreichs mit dem vom Virus verseuchten heutigen Amerika) als wenig passend. Allerdings kommt die Kriegsmetaphorik von Trump selbst, George Packer nimmt sie nur auf und führt sie weiter. Die Logik hinter deiner Gewissheit, hier solle Trump eigentlich mit Hitler gleichgesetzt werden, erschließt sich mir nicht. George Packer will mit dem historischen Vergleich aussagen, Trump verbünde sich gewissermaßen mit dem Virus, um für sich persönlich (= politisch) das Beste rauszuholen. Anders gesagt: Er ist ein skrupelloser Opportunist, so wie auch Pétain einer war. Aber wenn Trump eigentlich Hitler sein soll, wird der Vergleich sinnlos.

 

Mit deiner Interpretation, die eigentlich mehr eine Unterstellung gegenüber dem Autor ist, machst du genau das, was du dem Artikel und seinem Autor vorwirfst: statt inhaltlicher Auseinandersetzung einfach nur böse Absichten unterstellen, weil dir die politische Färbung, die der Artikel zweifellos hat, anscheinend nicht gefällt. 


"Stirb leise, mein Engel", Jugendthriller, Oetinger Verlag 2014, "Hörst du den Tod?", Jugendthriller, Oetinger Verlag 2014, "Denn morgen sind wir tot", Jugendbuch, Oetinger Verlag 2015, "Bad Boys & Little Bitches", Jugendbuch Oetinger Verlag 2017 und 2018; "Wir sind die Wahrheit", Jugendbuch Dressler Verlag 2020

"Die im Dunkeln sieht man nicht", Roman, FISCHER Scherz 2019


#38
AlexanderW

AlexanderW
  • 163 Beiträge
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Auch mir erscheint die Gleichsetzung von Trump und Pétain (besser gesagt der Situation des 1940 besetzten Frankreichs mit dem vom Virus verseuchten heutigen Amerika) als wenig passend. Allerdings kommt die Kriegsmetaphorik von Trump selbst, George Packer nimmt sie nur auf und führt sie weiter. Die Logik hinter deiner Gewissheit, hier solle Trump eigentlich mit Hitler gleichgesetzt werden, erschließt sich mir nicht. George Packer will mit dem historischen Vergleich aussagen, Trump verbünde sich gewissermaßen mit dem Virus, um für sich persönlich (= politisch) das Beste rauszuholen. Anders gesagt: Er ist ein skrupelloser Opportunist, so wie auch Pétain einer war. Aber wenn Trump eigentlich Hitler sein soll, wird der Vergleich sinnlos.

 

Das habe ich nirgends gesagt. Sondern ausdrücklich: Wenn man Donald Trump also nicht direkt mit Adolf Hitler Vergleichen will, so vergleicht ihn der Autor vorsichtshalber mit dem Hitler-Kollaborateur Pétain.

 

Alles andere ist Interpretation.

 

Mit deiner Interpretation, die eigentlich mehr eine Unterstellung gegenüber dem Autor ist, machst du genau das, was du dem Artikel und seinem Autor vorwirfst: statt inhaltlicher Auseinandersetzung einfach nur böse Absichten unterstellen, weil dir die politische Färbung, die der Artikel zweifellos hat, anscheinend nicht gefällt. 

 

Politische Vergleiche sind ein ebenso beliebtes wie beliebiges Mittel, dessen sich Populisten jeglichen politischen Lagers bedienen. Wenn man sich solch populistischer Stilmittel bedient, und in diesem Fall zwar nicht mit Hitler, sondern mit einem Hitler-Kollaborateur einen Vergleich darstellt, dann begibt sich der Autor auf eine Ebene, die geradezu um Interpretationen buhlt. Ich habe das meiner Ansicht aber nicht getan. Zur politischen Färbung des Artikels: Er gefällt mir in der Tat nicht, weil er er ist nichts weiteres ist als eine beliebige Stimme im Chor des politischen Sektarismus unserer Zeit. 

 

 

Aber der Autor setzt sich hier mit einem gesellschaftlichen Thema auseinander, und er darf dabei auch seine persönliche Meinung schreiben, anders als zum Beispiel in einem Bericht oder einer Dokumentation, wo man neutrale Information ohne persönliche Meinungsäußerung voraussetzen darf. Ich finde den Text okay.

 

 

Ja das stimmt, fairerweise muss man sagen, dass dem Artikel der Begriff 'Essay' voran gesetzt wird und es sich um eine Meinung handelt. 



#39
Angelika Jo

Angelika Jo
  • 3.494 Beiträge
  • Dabei seit 03.07.07

Ich wollte eigentlich nach einigen seinerzeit erfolgten Kommentaren zu dem von mir verlinkten Interview nichts mehr sagen, tue das jetzt aber doch – quasi zum Abschluss eines von mir eingeleiteten Threads, ohne Anspruch auf eine weiterfolgende Diskussion und mit der gebotenen Kürze.

 

Meine Absicht war es, zu einem Thema, das derart weltumgreifend und fast alle Lebensbereiche berührend ist, Kollegen zu Wort kommen zu lassen, die über eine gewisse publizistische Reichweite verfügen, also von mehr als nur von Insidern gelesen werden. Es kommt ja nicht so oft vor, dass Schriftsteller über das Feuilleton hinaus eine Stimme haben. Eugen Ruge, Siri Hustvedt waren die ersten, die ich dazu gelesen und verlinkt hatte – dass ich die von diesen Kollegen geäußerten Standpunkte gut verstehen kann, daraus habe ich keinen Hehl gemacht hat. Mit Juli Zeh, die ich als nächste verlinkt hätte, wäre mir das  schwerer gefallen, aber nun habe ich das ja sowieso gelassen. 

 

Selbstverständlich wären Diskussionen dazu von mir aus immer möglich gewesen. Man hätte die Verlinkungen aber auch einfach als eine Art Chronik sehen können: 2020, Corona, die Welt verändert sich, was sagen diverse Schriftsteller dazu? 

 

Was ich auf keinen Fall schaffe, ist, mich in Diskussionen zu begeben, in denen man sich um den Nachweis bemühen muss, dass Donald Trump kein schlimmes Unrecht geschieht, wenn ihn die von seiner Politik Betroffenen entsprechend als Täter benennen und ihrem Hass und ihrer Verzweiflung Ausdruck geben. Tut mir Leid, aber da bin ich in meinen Möglichkeiten begrenzt.


Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018

Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de


#40
Christa

Christa
  • 10.159 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Danke für diese Rückmeldung, Angelika. Ich habe die Diskussion um dieseThemen auch als schwierig empfunden (und möchte sie hiermit auch nicht auf der Ebene fortsetzen.) Es gab ja noch mehr Aussagen, die in der letzten Zeit für Diffusionen gesorgt haben, ich denke da nur an die Worte vom Tübinger OB Palmer. Auf deinen Beitrag hin habe ich mir das Interview mit Juli Zeh angesehen. Direkt aus der Süddeutschen kann man es nicht verlinken aber hier:

https://www.maz-onli...evoelkerung-ein

 

"Im Grund schüchtert man die Bevölkerung ein." Und das würde ich unterstreichen, auch wenn das zum Besten des Volkes geschehen soll. Und das betrifft uns als Autoren genauso. Ich habe einige Beispiele von Denunziantentum erlebt und in den Medien gesehen.


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Mörderische Förde ab 5.10. 20 https://www.thalia.d...D149527193.html Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/