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Die Königin von Berlin - Charlotte Roth


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1 Antwort zu diesem Thema

#1
KarinKoch

KarinKoch
  • 720 Beiträge
  • Dabei seit 07.10.17

Es ist mir eher zufällig in die Hände geraten. Ich hatte einen Termin verwechselt und massenhaft Zeit, die ich in einer Buchhandlung überbrückte, da sah ich es auf dem Stapel und griff danach, weil mir das Cover bekannt vorkam. Kein Wunder, denn Charlie hat es ja selbst hier vorgestellt, ich habe sie nur nicht gleich damit in Zusammenhang gebracht. Ich blätterte, fing mittendrin an zu lesen und es passierte, was schon lange nicht mehr passiert ist, wenn ich einfach so ein Buch in die Hände genommen habe: ich blieb hängen. Hab gelesen und gelesen und fast doch noch den Termin verpasst, habs gleich gekauft, im Wartezimmer weitergelesen, an der roten Ampel danach gegriffen und den Feierabend kaum abwarten können. In zwei Tagen hatte ich es durch.

Es ist die romanhaft leicht adaptierte Lebensgeschichte der Schauspielerin Carola Neher, die in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts berühmt war; nicht nur für ihre Schauspielbegabung, sondern auch für ihre Liaison mit Brecht und die Ehe mit dem sensiblen Dichter Klabund.

Erzählt aus drei Perspektiven, umrahmt von einer zweiten, in die erste verwobene Geschichte, die in den Siebzigern spielt, erzählt es Geschichte und Geschichten, Wahres und Erfundenes, Belegtes und Vermutetes (vermute ich) in einer sehr lebendigen und doch unaufdringlichen Sprache, genau wie ich es mag.

Am Anfang waren es mir teilweise zu viele Berühmtheiten, die da durch die Szenerie spazieren. Da dachte ich: Muss jetzt der auch noch erwähnt werden und die und jene? Müssen die alle rein? Vielleicht nicht, aber als ich den historischen Anteil des Buches irgendwann einfach akzeptiert habe, blätterte sich ein buntes, lebendiges, flirrendes Panorama von Orten, Menschen und Begebenheiten auf, die diese besonderen Jahre so besonders gemacht haben. Und jetzt fange ich an, Klabund zu lesen, werde mir die Bücher von Volker Kutscher zulegen und freue mich auf die zweite Staffel von Babylon Berlin, weil mich diese Zeit einfach gepackt hat, dank Charlies tollem, empfehlenswerten Buch.

Ich wünsche ihm ganz, ganz, ganz viele begeisterte LeserInnen!


Wenn du weißt, was du tust

kannst du tun, was du willst. (Moshe Feldenkrais)
http://www.peter-ham...ils/karin_koch/


#2
Charlie

Charlie
  • 13.278 Beiträge
  • Dabei seit 02.09.05

Ich bin sehr berührt - vielen Dank, dass Du mein Buch gelesen und so freundlich besprochen hast. Ich freue mich so sehr, dass es dir gefallen hat.

Nein, hier vorgestellt habe ich es nicht. Ich war da schon in einer Art Corona-Lähmung, die immer noch nicht ganz abgeklungen ist. Das Buch hatte so einen Glücksstart: Der Verlag hat's ins Hardcover erhoben, die Vertreter haben sich total ins Zeug gelegt, die Vormerker waren erfreulich, und als ich kurz zuvor noch in München war, haben wir alle gefeiert und ich mich ein bisschen nach 'The sky is the limit' gefühlt. Kurz darauf fiel mein Buch ins Corona-Loch und ich gleich mit.

Ich hab's so gern geschrieben. Ich habe einen solchen biographischen Roman schon 2009 einem Verlag vorgeschlagen, da hiess es aber noch: Sowas verkauft sich nicht. Jetzt durfte ich einen schreiben - Aufbau sei Dank. Und Carola Neher, die's nicht verdient hat, vergessen zu sein, durfte nochmal Cover-Girl werden.

Zum Glück schenkt mein Verlag mir trotz allem noch einen solchen.

Der Werbeaufwand wird aber wohl kaum noch einmal derselbe sein, und das macht mir ziemlich böse bewusst, dass ich beim besten Willen nicht mehr jung bin und so sehr viele Chancen mit der Idealkombination Lieblingsgeschichte/begeisterter Verlag wohl nicht mehr haben werde.

Jammern auf hohem Niveau, vermute ich.

Lähmen tut's mich trotzdem. Aber nicht an Tagen, an denen mir eine Kollegin (!) etwas so Schönes ueber mein Buch schreibt. Ich fühle mich davon unendlich geehrt und geh jetzt schreiben - entlähmt.

Danke, Karin.


"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com