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Romane schreibt künftig der Computer?

Romane KI Künstliche Intelligenz Schreiben Schreibwerkzeug Textgenerator

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44 Antworten zu diesem Thema

#41
hpr

hpr
  • 7.214 Beiträge
  • Dabei seit 14.03.06

Ich bin ja seit Jahrzehnten in der IT und immer wieder wurde das für die nahe Zukunft prophezeit. Seit vielen Jahrzehnten gibt es Übersetzungssoftware, sie wird immer besser, du kannst verstehen, was gemeint war im fremdsprachigen Text, wenn auch nicht immer. Aber lesbare Bücher kann man damit noch lange nicht erstellen.
Rezensionen, wie Andreas meinte, das dürfte möglich sein. Liegt auch daran, dass die meisten Rezensionsschreiber sich nicht viel Mühe geben und mit Formeln (superspannend, konnte es nicht weglegen) arbeiten. Wenn man mit solchen Rezensionen eine KI füttert, sollte die eine Durchschnittsrezension von Amazon erzeugen können.
Wie gesagt, seit ich Informatik studiert habe - und das ist jetzt 50 Jahre her - wird das als baldige Zukunft vorhergesagt. KI zu programmieren ist nicht so einfach. Was am besten geht, ist alles, was mit festen Datenzusammenhängen arbeitet. Also medizinische Daten, auch Kommentare zu Wirtschaftsdaten (entweder gehts rauf oder runter), Fußballspiele etc Aber selbst da braucht man nochmal einen Menschen, der einen Blick auf das Ergebnis wirft.
Irgendwann wird es kommen. Aber vermutlich wird es nochmal 50 Jahre dauern.
Bei Romanen kommt es eben nicht nur auf die Daten an (Mord in Badewanne, Computervirus vernichtet Texte, Sex mit Notarzt), sondern auch auf das Wie, wie erzählt wird. Und das ist der Schwachpunkt jeder KI. Als Hilfsmittel kann die KI aber wirken und einen Text analysieren, da wird sie auch immer besser.



#42
Christa

Christa
  • 9.912 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Irgendwann wird es kommen. Aber vermutlich wird es nochmal 50 Jahre dauern.
Bei Romanen kommt es eben nicht nur auf die Daten an (Mord in Badewanne, Computervirus vernichtet Texte, Sex mit Notarzt), sondern auch auf das Wie, wie erzählt wird. Und das ist der Schwachpunkt jeder KI. Als Hilfsmittel kann die KI aber wirken und einen Text analysieren, da wird sie auch immer besser.

 

Ich könnte mir vorstellen, dass die KI in fünf, zehn oder fünfzig Jahren Ideen produzieren kann, aus denen sie dann mit den Datensätzen interessante Geschichten entwickelt. Der Mensch, der Autor, hat ja auch gesammelte Datensätze im Kopf, bestehend aus Erlebtem, Gesehenem, Gelernten, Gehörtem usw. Das Wie ist dann das, was KI-Geschichten immer von Menschen- und Autorengeschichten unterscheiden wird. Denn die KI ist ja immer die Gleiche und kein Individuum. Das heißt, die Geschichten werden von sich zwar erweiternden Datensätzen gespeist, aber man wird nie sagen können: "Das hat jetzt der Autor KI Klausen oder KI Langhans oder ... geschrieben."


Bearbeitet von Christa, 02.08.2020 - 13:06,

Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/


#43
Manfred

Manfred
  • 251 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

“If this is coffee, please bring me some tea; but if this is tea, please bring me some coffee.”

 

Abraham Lincoln war nicht nur Muttersprachler des Englischen, er hatten auch einen feinen Sinn für Humor, an dem Siri, Alexa und alle ernsthaften „KIs“ auf lange Sicht scheitern werden. Genau. Mindestens an diesen Dingen: an der Intuition von Muttersprachlern und am Humor. Übrigens auch am Lügen

 

Meine Forschungsgruppe arbeitet seit einigen Jahren an der Entwicklung eines autonomen kognitiven Systems (gerne auch „Künstliche Intelligenz“). Wir – und auch alle Mitstreiter auf der globalen Szene – können längst nicht das gesamte (intuitive) Wissen eines Muttersprachlers abbilden, geschweige denn Humor oder Lügen, zwei mentale Fähigkeiten, die die Spezies Mensch auszeichnen.

 

Diese mentalen Fähigkeiten sind übrigens nicht bei der automatischen Abfassung von Wetter- oder Sportberichten gefragt. Und ganz sicher würden sie in solchen Berichten von der Leserschaft auch nicht geschätzt werden. In automatischen Berichten werden Eintragungen in Datenbanken in immer-gleiche sprachliche Formeln gegossen, ohne dass die Software irgendeine Ahnung davon hätte, was ein Ball oder Bayern München ist oder davon, dass plötzlicher, heftiger Regen Menschenleben kosten kann oder Stromausfall verursachen und Programme zum automatischen Abfassen von Berichten abstürzen lassen kann.

 

Die arme KI, auch die beste, könnte nicht anders als mit propositionaler Logik an Lincolns Kommentar zum Heißgetränk herangehen. Umgangssprachlich etwa so: Ich bin die Service-KI. Er ist der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Ich hatte den Auftrag, ihm Kaffee zu bringen. Der Getränkeautomat produzierte Kaffee. Also habe ich ihm Kaffee gebracht. Der Präsident ändert nun seinen Auftrag, falls ich ihn korrekt ausgeführt habe und es wahr ist, dass das servierte Getränk das gewünschte Getränk ist. Ich prüfe die Voraussetzungen: 1. Ich habe am Automaten Kaffee gewählt. 2. Meine olfaktorischen Sensoren nehmen Kaffee wahr. Schlussfolgerung: Das Getränk, das ich serviert habe, ist Kaffee. Da diese Bedingungen erfüllt sind, wünscht der Präsident nun Tee, fügt aber hypothetisch hinzu, dass ich Kaffee bringen soll, wenn die Bedingungen der ersten Proposition falsch sind. ... Wenn ich Kaffee und Tee serviere, sind beide seiner Bedingungen erfüllt.

 

Die Servier-KI kapiert’s nicht. Lincoln will nicht Kaffee und Tee, sondern einen Kaffee, der seinen Namen verdient hat. Was ist der Trick? Lincolns indirekter Sprachakt. Wenn ich in Frage stelle, ob eine offenbar erkennbare Substanz wirklich diese Substanz ist, mache ich im Englischen eine Aussage zu ihrer Qualität. (Im Münsterland kriegt man dann eine gescheuert.) Dazu brauche ich aber neben der Grammatik, dem Lexikon und Tausend anderen Sachen noch zwei weitere wichtige Zutaten: erstens muss ich dieses kulturelle Script kennen (und darf es nur bei den Angelsachsen oder weit gereisten Menschen anderer Nationen anwenden) und zweitens muss ich mich gedanklich in den anderen hinein versetzen können. Nur wenn ich erkennen kann, dass der Kaffee- und Teetrinker die servierten Heißgetränke sehr wohl an Farbe, Geruch und Geschmack erkennen kann, darf ich schlussfolgern, dass er nur vorgibt, die Getränke nicht zu erkennen. Und erst dann kann ich seinem gelogenen Nichterkennen eine Bedeutung zuordnen, nämlich „der Kaffee schmeckt miserabel“.

 

Die Moral von der Geschicht? Wetterbericht ja. Zum Roman, da reicht es nicht.

 

Wir haben übrigens die angeblichen Schreib-KIs in allen möglichen Schattierungen hier im Forum durchgekaut. (Zurückblättern lohnt sich. :) ) In der Zwischenzeit hat es in der Sache keinen Durchbruch gegeben. Aber nochmal: ein Schreibroboter müsste in seinen kognitiven Fähigkeiten mindestens über die eines Menschen verfügen, und zwar in allen Bereichen. Derartiges ist in der Sensationspresse zwar schon öfters behauptet worden, existiert aber nicht. Und alle Systeme, die das angeblich können, sehen bei einem echten Vergleich recht müde aus. Zu hoffen, dass der Wetterbericht-Generator irgendwann anfängt, Romane zu schreiben, ist so als würde man hoffen, dass aus seinem Hund ein Elefant wird, wenn er nur gaaanz viel frisst. Dazu fehlt dem Hund Vieles, nicht nur der Rüssel und die dicke Haut.

 

Also spitzt die Bleistifte und schreibt weiter: ohne euch geht’s nicht. Und wann sich das ändert, ist nicht in Sicht.


Bearbeitet von Manfred, 07.08.2020 - 14:26,


#44
DirkH

DirkH
  • 998 Beiträge
  • Dabei seit 29.04.15

Großartig, Manfred. Ich gestehe, dass ich in diesen KI Diskussionen, deren Beiträge bestenfalls aus Ahnungsbekunden bestehen, einen Beitrag wie diesen vermisst habe.


Sagt Abraham zu Bebraham: Kann ich mal dein Cebraham?


#45
Christa

Christa
  • 9.912 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

So dachte ich auch. Endlich ein Beitrag vom Fachmann. Von Manfred und anderen habe ich bisher schon viel gelernt, zum Beispiel

in diesem Thread vor drei Jahren:

https://montsegur.de...randioser-mist/

 

War nicht leicht zu finden, da er sich unter dem Stichwort "Harry Potter" versteckte. So wie den gab es auch noch andere gute Diskussionen.


Schwarzwaldkrimis Tod am schwarzen Fluss. Taschenbuch und E-Book:https://t1p.de/2mhn


Martinsmorde:- https://www.thalia.d...pe=suchhistorie Blog:http://schreibteufel...a.blogspot.com/




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