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Der Judas des Leonardo - Leo Perutz


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26 Antworten zu diesem Thema

#21
(Editha)

(Editha)
Ich muss sagen, Leo Perutz, den kenn ich noch nicht.:s18 Habe mir gerade den Judas auf meine Liste gesetzt. Beim nächsten Mal ist er dabei. Aber mal im Ernst, wie macht ihr das bloß mit eurem Lesetempo? Ihr scheint über die Bücher zu fliegen und ich muss sie mir Wort für Wort erarbeiten, sonst habe ich das Gefühl, ich habe sie nicht wirklich in mich aufgenommen. Manche Absätze lese ich sogar zwei oder dreimal. Ich beneide euch Schnellleser. Editha

#22
(Ralph)

(Ralph)
Hallo.

Ich denke, Perutz' Leonardo ist auch einer meiner Lieblinge von ihm. Vielleicht mit dem Schwedischen Reiter.

In den letzten beiden Ausgaben von PHANTASTISCH! ist übrigens ein zweiteiliger Artikel über Perutz, falls es jemanden interessiert.

Trotzdem hatte ich Probleme, das Buch einzuordnen: Für einen Krimi war es mir zu gespensterhaft, für eine klassische Deutsche Gespenstergeschichte war es mir zu verzweifelt an der Realität klebend, für eine 'Gruselgeschichte' war es mir zu zahnlos...

Perutz wurde sehr böse, wenn man ihn einem Genre zuordnen wollte. W. Benjamin hat den MEISTER mal in einer Krimi-Kolumne besprochen. woraufhin sich Perutz empörte, er habe nie einen Krimi geschrieben und werde auch nie einen schreiben. Er arbeite mehrere Jahre an einem ernsthaften Roman nicht, um dann in die Ecke eines "Krimis" gestellt zu werden - oder so ähnlich.

Der Vergleich mit Lovecraft hinkt meiner Meinung nach, abgesehen vielleicht vom Suchteffekt, weil HPL zwar ein paar meisterhafte Erzählungen geschafft hat, aber ohne ... wie nenne ich das jetzt? Tiefe trifft es nicht ganz, aber mir fällt gerade nichts ein, das besser passt.

Als einziger Vergleich fällt mir gerade nur Umberto Eco ein, der bei Perutz scheinbar genauso viel gelernt hat wie bei Borges (der übrigens auch den MEISTER ganz toll fand und sich für das Buch in Lateinamerika einsetzte).

Ich behaupte einfach mal etwas: Perutz schreibt keine phantastischen Romane.
Man kann die Bücher so lesen, wenn man möchte, aber ich denke, das geht ein wenig an ihrem Inhalt vorbei.

Der "unzuverlässige Erzähler" ist dabei ein wichtiger Punkt. Häufig werden die Geschichten von einem Menschen erzählt, die ihr Tun rechtfertigen wollen und möglicherweise sich von Schuld reinzuwaschen versuchen, indem sie alles dem Ewigen Juden (Mauques de Bolibar) oder einem Buch mit Drogenrezept (Meister des Jüngsten Tages) usw. in die Schuhe schieben.

Aber das geht jetzt vielleicht etwas zu sehr in die Tiefe. Wichtiger ist vielleicht, dass Perutz selber nicht der Meinung war, Krimis, Historische Romane oder Phantastik zu schreiben (er verabscheute esoterische Romane wie die von Meyrink, den er aber immerhin noch besser fand als Kafka).
Ist auch nicht wirklich wichtig. ;)

Wieviel Erfahrungen braucht man, um die Farbe 'Drommetenrot' und einen wahnsinnigen Maler aus der frühen Neuzeit, der den Weltuntergang heraufbeschwören will, und eine Reihe Leute aus der Wiener Hochgesellschaft, die durch das Bild den Verstansd verlieren, 'interesssant' zu finden?


Vielleicht LSD-Erfahrungen? ;)

@Petra.
Oh. Das Mangobaumwunder findest Du genial?
Das verwundert mich gerade ein wenig. Ich erinnere mich, dass es durchaus Momente hatte, an denen ich dachte, hah, nicht übel, aber eigentlich fand ich es ziemlich dürftig. Natürlich nur Geschmackssache, obwohl mir vor allem die Sprache teilweise als sehr viel "dünner" erschien.
Wenn ich mich nicht irre, schrieb Perutz in seinen Notizbüchern immer vom "Frank-Scheiß", wenn er Notizen zu den Zusammenarbeiten machte. ;)
So empfand ich das auch ein wenig. Den Kosaken habe ich dann erst einmal zurückgestellt - und bis heute nicht angerührt. Na, der letzte Text von Perutz, der mir noch fehlt, dann gibts nichts Neues mehr, seufz.

Aber wie immer ist das Gemschacksfrage. Mir sind die "richtigen" Perutz-Werke bei weitem lieber.

Nicht, dass es ungeheuer wichtig wäre, aber 1933 war Perutz noch nicht im Exil. Er ging erst 1938 aus Wien fort (auf der Reise schrieb er dann das Fragment "Mainach in Wien").

Grüße,
Ralph

#23
(AnjaT)

(AnjaT)

Nix mit Schnee und Kästner, Anja (wo liest du das?). "Die Drei von der Tankstelle" ist ein sehr erfolgreicher deutscher Spielfilm von 1930 gewesen, mit Heinz Rühmann, Willi Fritsch und Lilian Harvey. Paul Frank hat am Drehbuch mitgeschrieben:
(Link ungültig)

Putzfeudelgrüße,
Petra



Ah, Petra, sorry! Ich hab mich verguckt und war mal wieder nur halb bei der Sache!! (Ich schwinge gerade den literarischen Putzlappen und schau nur nebenher rein) :-[ Ist aber trotzdem ein schöner Film! Ich sollte hier nur noch reinsehen, wenn alle meine Bücher in der Nähe sind (meine "Klassiker" habe ich augenblicklich ausgelagert), meine Arbeit erledigt und meine Familie auswärts! *grmpff

#24
(AnjaT)

(AnjaT)

Der "unzuverlässige Erzähler" ist dabei ein wichtiger Punkt. Häufig werden die Geschichten von einem Menschen erzählt, die ihr Tun rechtfertigen wollen und möglicherweise sich von Schuld reinzuwaschen versuchen, indem sie alles dem Ewigen Juden (Mauques de Bolibar) oder einem Buch mit Drogenrezept (Meister des Jüngsten Tages) usw. in die Schuhe schieben


Sorry, aber wenn ich Bücher unter solchen Aspekten lesen müsste, würde ich sie wohl nicht mehr lesen ... da kann man sogar den "Faust" ins Eck werfen .

Anja

#25
(Ralph)

(Ralph)
@Anja

Sorry, aber wenn ich Bücher unter solchen Aspekten lesen müsste, würde ich sie wohl nicht mehr lesen ... da kann man sogar den "Faust" ins Eck werfen.


Verstehe ich leider gerade nicht. Der "Gag" bei den beiden genannten Büchern ist doch, dass am Ende (Meister) bzw. am Anfang (Bolibar) darauf hingewiesen wird, dass der Erzähler möglicherweise gelogen hat. Das gibt beiden Büchern eine weitere Ebene, die es um einiges interessanter macht.

Grüße,
Ralph

#26
(AnjaT)

(AnjaT)
Ich hatte das inhaltlich verstanden und nicht in den Bezug zum "Erzähler" gesetzt. So als würde das ganze Buch eine Schuldzuweisung betreiben ... wenn ich Bücher dabei erwische, werde ich nämlich ernstlich böse! Was du mit dem "unzuverlässigen" Erzähler meintest, war mir deshalb im Zusammenhang nicht klar. Da reden wir also schlicht aneinander vorbei :) Nichts für ungut Anja

#27
hpr

hpr
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  • Dabei seit 14.03.06
Habe jetzt auch "Der Marques de Bolibar" gelesen, das kannte ich noch nicht. Ein Roman aus den napoleonischen Kriegen, klingt wie ein Abenteuerroman, ist auch einer, aber auch viel mehr.

Einmal das - nur angedeutete - phantastische Element des ewigen Juden, dann die ungeheuer gekonnte Komposition, die den Ereignissen, die zuerst völlig willkürlich scheinen, wie aus einem Kolportageroman, dann doch noch einen Sinn und eine Logik geben.

(Link ungültig)

Hans Peter