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Die Therapie


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33 Antworten zu diesem Thema

#1
(PeterN)

(PeterN)
Die Therapie – Sebastian Fitzek Die zwölfjährige Josy leidet unter einer unerklärbaren Krankheit und verschwindet plötzlich. Ihr Vater, ein renommierter Starpsychiater leidet schrecklich unter den Nachwehen dieses Verschwindens. Vier Jahre später hat er sich auf der Insel Parkum vergraben, um dort die Interviewfragen der Bunten zu beantworten, die ihn immer wieder mit dem Verlust seiner Tochter konfrontieren. Dann taucht eine junge Frau auf und erzählt ihm, sie sei Schriftstellerin und schizophren. Die Figuren aus ihren Geschichten tauchten in der Realität auf. All das erscheint dem Psychiater zwar interessant, aber erregt noch nicht seine Aufmerksamkeit. Als sie ihm jedoch erzählt, sie hätte die Geschichte eines kleinen Mädchens verfasst, das erst unter einer Krankheit leidet und dann verschwindet, setzt ein Strudel seltsamer Vorkommnisse ein.. Ja, es ist tatsächlich ein Strudel, der entsteht. Die Geschehnisse überschlagen sich, immer neue Fragen tauchen auf, Paranoia greift um sich und schreitet immer weiter voran. Die Therapie ist ein kleines Buch, viel kleiner als die 331 Seiten suggerieren. Die Geschichte ist in 60 Kapitel gegliedert –allein das bringt ja schon einen Wortverlust bei Kapitelende und Kapitelanfang mit sich- und so in wunderbar bekömmliche Häppchen verteilt. Es ist ein Fast-Food-Roman mit all seinen Vor- und Nachteilen. Man schlingt es hinunter, es schmeckt auch ganz wunderbar und am Ende wundert man sich, warum man nicht wirklich satt geworden ist. Dabei kann man dem Roman eigentlich keinen Vorwurf machen. Die Sprache ist schnörkellos. Die Geschichte bleibt ständig am Ball, dreht die Spannungsschraube mit der Präzision eines Uhrwerks von Seite zu Seite weiter an. Die auktorialen, dramatischen Einsprengsel (á la: Denn Dr. Larentz wusste da noch nicht, dass sein Albtraum erst begann) kann man verkraften. Die wenigen Reflexionen und Vergleiche stechen eben durch ihre Seltenheit doppelt heraus und sind durchaus gewitzt. Es gibt ein paar Stellen, wo man sich vielleicht ein paar Wörter hätte sparen können, wo Augenscheinliches unnötigerweise erklärt wird oder die einem ein wenig ungelenk vorkommen, aber das geht alles in dem Strudel unter. Wie auch die –etwas konstruiert wirkenden dramatischen Szenen- die in Form von Botenberichten auftauchen oder die –sehr konstruiert wirkenden- actionfilmartigen Szenen, die nicht gerade sehr orginell sind. Der Autor traut dem eigenen Stoff an einigen Stellen wohl nicht, so dass er sich dazu gezwungen sieht, aus einer Kammerspiel-Verhörraum-Atmosphäre (das von einem Sturm umtoste Haus, das nicht verlassen werden kann) auszubrechen. Für die negativen Aspekte muss ich nun leider relativ viel vom Inhalt verraten –wer also ernsthaft vorhat, dass Buch zu lesen und sich keine Überraschungen verderben lassen will, sollte hier einfach aufhören zu lesen: Das Buch ist ein riesiger Mischmasch aus hervorragenden Filmen der letzten 10 Jahren, die aller von einer ganz ähnlichen Pointe leben. Leider hat sich eben dadurch, dass diese Filme so erfolgreich waren, bei mir –und ich denke bei vielen anderen auch- eine Spürnase für diese Problematik gebildet, so dass der Hauptgedanke, aus dem sich die ganze Spannung konstituiert, bereits sehr, sehr früh (innerhalb der ersten 30 Seiten oder so) für mich aufgelöst hat. Und all die kleinen Finten und Haken, die der Erzähler durchaus geschickt schlägt, konnten mich nicht mehr von der Lösung abbringen. Die Filme, bei denen sich der Autor ziemlich hemmungslos bedient, umfassen solche Namen wie: Fight Club, Identity, A beautful mind, The sixth Sense und diesen einen da mit Johnny Depp, der in einer Villa an einer Kurzgeschichte schreibt. Wer auch nur einen der Filme gesehen hat ahnt, worauf die Pointe hinausläuft. Wenn man diese 5 Filme nimmt und daraus eine –nun „neue“- Geschichte mixt, kommt so etwas wie Die Therapie heraus. Leider leben alle diese Filme aber von der Pointe, und davon dass man sie eben nicht erkennt. Kennt man diese Filme aber, dann weiß man –sobald das Wort „Schizophrenie“- auch nur auftaucht, sofort auf welche Details man zu achten hat, um die aufkeimende Ahnung entweder zu bestätigen oder zu verwerfen. Und genau diese Details, die um so mehr herausstechen, da sie in einem detailarmen Buch stehen, liefert uns der Autor überdeutlich: Da läuft eine Frau durch strömenden Regen, taucht aber wie aus dem Ei gepellt in seiner Villa auf – und der Autor lässt den Protagonisten sogar noch darüber reflektieren. Da verschwindet nicht nur der Hund, sondern auch alle Hundeutensilen aus der Wohnung. Da heißt die Frau, die ihn besucht, nicht nur Anna (von hinten wie von vorne A-n-n-a), sondern Anna Spiegel. Und dazwischen streut er Kapitel ein, aus einer Psychatriesitzung, die sehr stark an Identity erinnern. Diese Ähnlichkeiten sind dem Autor natürlich auch aufgefallen und so versucht er in einem aufgesetzt wirkenden Epilog dem ganzen noch einen –leidlich orginellen- Dreh zu geben, was in meinen Augen völlig –also wirklich völlig- schief geht. Der Autor arbeitet ja fürs Fernsehen und kommt aus der Ecke. Es gibt diese Sat-1-Filme, die hemmungslos einen zwei bis drei Jahre alten Hollywood-Film kopieren und eine sehr, sehr ähnliche Geschichte daraus stricken. Genau dieser Eindruck hat sich bei mir auch während des Lesens eingestellt. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich habe mich gut unterhalten. Es ist wirklich ein atemloser, schmackhafter Fast-Food-Roman, der –zehn Jahre zuvor erschienen- fast ein Geniestreich gewesen wäre, aber so wie jetzt ist es wirklich wie zwei Big Mäcs bei McDonals zu essen: Man bezahlt 8 Euro, man verschlingt sie, es schmeckt auch recht gut, man bekommt ein kurz anhaltendes Völlegefühl und danach fragt man sich, ob man es nicht lieber gelassen und für das gleiche Geld besser ein Steak gegessen hätte. Gruß Peter

#2
Inge

Inge
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Guten Morgen Peter, das Buch habe ich ruckzuck gelesen. Ein echter Pageturner und, wie du so schön schreibst, Fastfood. Aber es muss ja nicht immer ein Menü beim Nobelitaliener sein. Allerdings bin ich gleich am Anfang gestolpert und habe das der Tatsache zugeschrieben, dass der Roman ein Erstling ist und der Autor bei der Figurenzeichnung etwas übertrieben hat. Vielleicht sollte ich hier vorausschicken, dass ich nur einen der o.g. genannten Filme kenne und deshalb der Plot für mich nicht von Beginn an durchschaubar war. Und das war er für mich bis zum eigentlich enttäuschenden Ende auch nicht. Ich habe immer mehr eine Verschwörung gegen den Arzt vermutet, natürlich irgendwann an die Frau als Drahtzieherin gedacht, mich über die Passivität des Arztes gewundert, sie dann aber wieder der anscheinend schleichenden Vergiftung zugeschrieben. Ich habe mich jedenfalls gut unterhalten, bis, ja bis zum eignetlich irgendwie enttäuschenden Ende. All die Seiten wird etwas größeres angedeutet und dieses Versprechen an den Leser wird nicht gehalten. Liebe Grüße Inge

#3
Martina

Martina
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Hi Peter, vielen Dank für deine sehr differenzierten, sehr interessanten Eindrücke. Manchmal machen Rezensionen möglicherweise mehr Vergnügen als das Buch selbst ;-) Ob ich deine Einschätzung teile, weiß ich noch nicht, aber lesen werde ich "Die Therapie" nun auf jeden Fall. Liebe Grüße Tin

#4
(PeterN)

(PeterN)


Allerdings bin ich gleich am Anfang gestolpert und habe das der Tatsache zugeschrieben, dass der Roman ein Erstling ist und der Autor bei der Figurenzeichnung etwas übertrieben hat. Vielleicht sollte ich hier vorausschicken, dass ich nur einen der o.g. genannten Filme kenne und deshalb der Plot für mich nicht von Beginn an durchschaubar war. Und das war er für mich bis zum eigentlich enttäuschenden Ende auch nicht.
Ich habe immer mehr eine Verschwörung gegen den Arzt vermutet, natürlich irgendwann an die Frau als Drahtzieherin gedacht, mich über die Passivität des Arztes gewundert, sie dann aber wieder der anscheinend schleichenden Vergiftung zugeschrieben.

Hallo Inge,
ich habe mich gestern noch durch die unzähligen Amazon-Rezensionen gewühlt und es ist wohl wirklich so, dass die große Mehrheit die Pointe nicht frühzeitig erkannt hat.
Vielleicht liegt es auch daran, dass dieses Thema und eben diese Filme, die diesen Clou nutzen, auch so ein bisschen ein Steckenpferd für mich sind.
Es hätte mich wirklich interessiert, wie ich den Roman gelesen hätte, wenn ich diese Pointe nicht erkannt hätte. Ich glaube ich hätte ihn mit einem wesentlich "befriedigenderen" Gefühl aus der Hand gelegt.

Ja, die Figuren sind schon sehr flach und baukastenmäßig. Der Professor ist so eine typische Good-Guy-Tom-Hanks-Rolle, die Frau so ein bisschen die geheimnisvolle Blondine, die in die Dedektei des versifften Dedektives kommt, usw. Aber das hat mich gar nicht gestört, weil die Stärken des Romans, diese sich allmählich steigernde Paranoia, dieses Gefühl, überhaupt keine Ahnung zu haben, was eigentlich los ist, einfach sehr gut funktioniert und viel auffängt. Es ist eben eine schnurgerade, kleine Geschichte, die als Film wahrscheinlich genau so gut wenn nicht besser funktionieren würde- bei einem Film kann man die Pointe wahrscheinlich auch wesentlich besser verstecken.
Es gelingt dem Autor tatsächlich, diese Paranoia gut in die Seiten zu packen. Deshalb habe ich das Buch, obwohl mir die Pointe wie gesagt schnell klar war, dennoch verschlungen, weil ich auch ein wenig die Hoffnung hatte, er löse es doch noch anders auf, schlage noch einen richtig genialen Haken. Ich dachte tatsächlich: Er will, dass die Leute, die diese Filme kennen, sich durch ihr Wissen so sicher -und überheblich- fühlen, dass sie das überraschende Ende dann doppelt und dreifach trifft.
Aber als es dann leider genau so mit diesem "Aha"-Effekt aufgelöst wurde war ich schon ein wenig enttäuscht. Für mich zeichnen sich die richtig großen Thriller eben durch einen sehr cleveren, undurchschaubaren Plot aus. Bei "Die Therapie" hatte ich manchmal den Eindruck, das Buch wäre gern cleverer als es ist.

Gruß
Peter

#5
(Huutini)

(Huutini)
Boah, das Buch hat mich in einen echten Zwiespalt gestürzt. Auf die Frage, ob ich es nun gut finde oder nicht, kann ich nur sagen: Es ist das schrottigst geschriebene, spannenste Buch, das ich dieses Jahr gelesen hab. Ehrlich, ich bin hin und her gerissen. Gelesen hab ich es am Stück, in knappen drei Stunden letzte Nacht. Die Geschichte entwickelt sich prächtig, wirft viele Fragen auf, lässt einen wunderbar miträtseln und erzeugt eine unangenehm düstere Atmosphäre, die mich immer wieder an den Film 'Jacob's Ladder' denken ließ, wo irgendwie alles eine bedrohliche, surreale Atmosphäre bekommt. Also, das Werk ist spannend, die Geschichte schnörkellos, und gut gepaced, und bis auf zwei Dinge wird auch jeder der zahlreichen losen Fäden am Ende irgendwo verknüpft. Was mich dennoch auf jeder zweiten Seite dazu veranlasst hat, schon den Arm anzuwinkeln, um das Machwerk aus dem Fenster zu pfeffern und stattdessen die Nährwerttabelle meiner Chipstüte zu genießen, war zum einen die vergurkte Herstellung, und zum anderen die in meinen Augen leider total verknorkelte Sprache. Gut, die Herstellung mag ich dem Autoren nicht zur Last legen, möglicherweise war der Verlag in Eile, aber dennoch finden sich massive Setzfehler, die zum Teil sogar von jedem Word-Programm ausgefiltert würden 'Etwa der Ausdruck: "um ein Har" (Sic!), oder grobe Satzkorrekturfehler, der Marke: "Er hatte es sich anders vorgestellt haben." oder so. Da Rainers Hades-Labyrinth in der Herstellung ja ebenfalls so lieblos behandelt wurde, muss das daran liegen, dass die Deutschen Verlage ihre Thriller nicht lieben... Was ich dem Autoren aber ankreiden mag, ist ein sprachliches Niveau, das sich knapp unter Wolfgang Hohlbein und dicht über Barbara Salesch bewegt. Nun bin ich kein großer Thriller-Leser, und hier auch stark vom amerikanischen Markt geprägt, aber das Buch war sprachlich echt -  >:( Okay, dass ich persönlich mich aufrege, wenn im Buch knappe dreissig mal, zum Teil zwei-, dreimal pro Seite 'Sinn machen' steht, nehm ich auf mein persönliches Geschmackskonto, ebenso wie meine Darmverschlingungen, wenn Dr. Larentz alle Nase lang etwas 'visualisiert', und die Charaktere an allen Orten 'insistieren'. Beinahe sehnsüchtig habe ich aufs 'eruieren', aufs 'terminieren', aufs 'involvieren' und aufs 'partizipieren' gewartet, glücklicherweise umsonst. Wesentlich ärger gestört hat mich, dass bei einem Drittel der Kapitel, und gerne auch mal zwischendrin, mit Vorausdeutung gearbeitet wird, als hätte der Autor nie eine andere Technik zum Spannungsaufbau kennengelernt. Sätze wie: "Die folgenden Worte sollten die schlimmsten seines ganzen Lebens werden", "Der folgende Anruf würde alles noch verschlimmern", "Das war ein Fehler, denn ihre Geschichte würde alles nur noch schlimmer machen", "An dieser Stelle beging er den schlimmsten Fehler, wie er später feststellen würde", "Das Telefon klingelte, er ging ran, nicht ahnend, dass er seine Situation damit noch unerträglicher machen würde" finden sich in dem Werk wie Teenager am Autoscooter. Ausserdem ist das ganze Buch sprachlich so fein und ausgefeilt wie ein Supermarktprospekt. Die Personen reden alle gleich, und zwar alle wie der Erzähler, was zum Teil vom Plot unterstützt sein mag, zum Teil aber eben auch nicht, die (wenigen) Metaphern sitzen wie die Prinzessin auf der Erbse auf einem Nagelbrett und überhaupt und sowieso. Ich bin kein Leser, der ZU viel Wert auf Sprache legt, aber hier hatte ich den Eindruck, dass ein Journalist und Werbefachmann in seinem eigenen Bürosprech etwas erzählt. Das mag, wie gesagt, bei einem Thriller in Ordnung sein, aber mich hat's massiv gestört, da war nicht nur keine Liebe zur Sprache zu finden, da fand man nicht mal einen Hauch von Zuneigung. Ein durch und durch kalt und sprachlich lieblos erzähltes Werk, das durchaus spannend ist, dessen Pointe mich insofern überrascht hat, als dass mir die, von der ich fälschlicherweise ausgegangen war besser gefiel und weniger abgenutzt schien, und für Leute, die auf einer drei Stunden Zugfahrt eine Beschäftigung ohne den geringsten sprachlichen Anspruch oder Mehrwert suchen, ideal. Da kann man das Buch dann auch gleich im Abteil liegenlassen und den Nächsten damit beglücken, so wie ichs getan hab, weshalb ich hier leider keine exakten Zitate o.ä. bringen kann. Fazit: Eine spannende Geschichte, die das lesen lohnt, mit in meinen Augen lieblos-pseudodeutsch-umgangsprachlicher-Trivial-Hohlbein Sprache, die das möglichst schnell durchlesen noch beschleunigt und das Ganze zum späteren wiederlesen oder verschenken unbrauchbar macht. Glücklicherweise hat mich das Buch NUR drei Stunden gekostet, und die waren wenigstens spannend. Absolutes Highlight des Buches ist allerdings das Cover, da kann sich der Autor etwas drauf einbilden, und für mich ist es das hübscheste und bestausehenste Cover, dass ich die letzten Jahre zu Gesicht bekommen habe. Den Neid gestehe ich.  ;D Lieben Gruß, Marco! :s17

#6
(Huutini)

(Huutini)

und diesen einen da mit Johnny Depp, der in einer Villa an einer Kurzgeschichte schreibt.


'Das Geheime Fenster", übrigens ursprünglich eine der besten Kurzgeschichten von Stephen King, die als Bonus in seinem Buch 'Langoliers' enthalten ist!  ;)

Gruß,
Marco! :s17

#7
(PeterN)

(PeterN)

Wesentlich ärger gestört hat mich, dass bei einem Drittel der Kapitel, und gerne auch mal zwischendrin, mit Vorausdeutung gearbeitet wird, als hätte der Autor nie eine andere Technik zum Spannungsaufbau kennengelernt.
Sätze wie: "Die folgenden Worte sollten die schlimmsten seines ganzen Lebens werden", "Der folgende Anruf würde alles noch verschlimmern", "Das war ein Fehler, denn ihre Geschichte würde alles nur noch schlimmer machen", "An dieser Stelle beging er den schlimmsten Fehler, wie er später feststellen würde", "Das Telefon klingelte, er ging ran, nicht ahnend, dass er seine Situation damit noch unerträglicher machen würde" finden sich in dem Werk wie Teenager am Autoscooter.

Das habe ich auch als sehr störend empfunden, wirkt auf mich so als traue der Autor der von ihm aufgespannten Spannung an der Stelle nicht.
Außerdem bin ich ein großer Freund von klaren Perspektiven und kann diese Einsprengsel einfach nicht ab.
Was du zur Sprache und dem "Sinn machen" sagst, kann ich so nicht nachvollziehen. Für mich trat in dem Buch die Sprache komplett hinter die Handlung zurück. Ich habe zu keiner Zeit bewußt darauf geachtet (Okay, das mit dem "Har" ist mir auch aufgefallen). Fast-Food eben.

Gruß
Peter

#8
(Huutini)

(Huutini)

Was du zur Sprache und dem "Sinn machen" sagst, kann ich so nicht nachvollziehen. Für mich trat in dem Buch die Sprache komplett hinter die Handlung zurück.


Kann ich sogar nachvollziehen, geht mir oft genug selbst so.
Ich bin halt kein klassischer Thriller-Leser und in niemand, der einem Fast-Food Thriller Vorwürfe macht, wenn es "schlecht", oder einfach geschrieben ist. Ich habe nicht bewusst drauf geachtet, es sprang mich nur auf jeder Seite an, und schrie: "Hasch mich, ich bin eine simple SPO-Struktur..."
So in der Art jedenfalls!

Deshalb sage ich ja: Die Sprache geht in Ordnung, wenn sich keiner dran stört, mir stieß es halt ganz von selbst sauer auf, ohne dass ich danach gesucht hätte. (Aus dem gleichen Grund kann ich Hohlbein nicht lesen...)

Lieben Gruß,
Marco! :s17

#9
Inge

Inge
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So, nun hat das Buch noch in mir 'nachgearbeitet' und mir gehen folgende Fragen durch den Kopf: Der Autor schreibt selbst, dass das Münchhausen-Syndrom bisher bei Männern nicht aufgetreten ist. Er nutzt es aber für seinen Helden. Das finde ich auch in Ordnung. Es steht ja nirgends geschrieben, dass diese Krankheit nur bei Frauen auftreten kann. Aber Schizophrenie + Münchhausen-Syndrom? Passen diese beiden schweren Krankheiten zusammen? Kann jemand die im Doppelpack haben? Das Münchhausensyndrom 'dient' den Kranken dazu  Aufmerksamkeit zu erlangen, die sie sonst nicht bekommen oder glauben nicht zu bekommen. Dr. Larenz aber ist ein angesehener Artz, der sogar mehrfach im Fernsehen aufgetreten ist. Also das passt nicht. Immer unbefriedigender finde ich des Rätsels Lösung. Nicht unbedingt die Tatsache, dass der größte Teil der Handlung in Wirklichkeit keine ist, sondern sich in Dr. Larenz' Vorstellungswelt abspielt - obwohl ich mir hier ein anderes Ende erhofft hatte -  sondern, dass die Tochter plötzlich wohlbehalten in Südfrankreich auftaucht.  Das erinnert mich an den Thread über den feigen Autor. Konsequent wäre es, wenn die Tochter wirklich ermordet worden wäre. Liebe Grüße Inge

#10
(PeterN)

(PeterN)
Ich glaube, dieses Ende hat er wirklich nur gewählt, um der A Beautiful Mind/Identity-Auflösung noch eins drauf zu setzen und den Protagonisten in ein "heldenhafteres" Licht zu rücken. Diese psychologischen Ungereimtheiten habe ich gar nicht so wahrgenommen, ich glaub ich bin da tatsächlich durch all die vielen Krimi-Serien komplett desensibilisiert. Allerdings frage ich mich auch, warum er zurück in die Traumwelt flüchtet, wenn er doch weiß, dass seine Tochter in der Realität noch lebt? Dieser ganze Aspekt, dass er bis zum Absetzen seiner Medikamente im Paradies gelebt hat, mit Hund und Tochter (Warum eigentlich nicht mit der Frau?) erschien mir auch sehr stark konstruiert, denn dann hätte er sich ja quasi in seiner Traumwelt auch daran erinnern müssen, dass seine Tochter vorher noch bei ihm war. Alles sehr komplex, diese "Na ja, er hat sich alles nur eingebildet"-Auflösung, Hand in Hand mit der "Zu was der menschliche Verstand so alles fähig ist"-Nummer wird dort als Deckmäntelchen beziehungsweise als Deus ex machinus über die Handlung gelegt. Aber -jetzt wo die Katze aus dem Sack ist- mich würde es interessieren, welche Pointe Marco als besser empfunden hätte. Die Nummer, dass der Doktor selbst nur eine Romanfigur in einem Roman seiner Patientin ist?

#11
(Huutini)

(Huutini)
VORSICHT, HIER WERDEN INHALTE UND AUFLÖSUNGEN DES BUCHES VERRATEN!!!




Das Münchhausensyndrom 'dient' den Kranken dazu  Aufmerksamkeit zu erlangen, die sie sonst nicht bekommen oder glauben nicht zu bekommen. Dr. Larenz aber ist ein angesehener Artz, der sogar mehrfach im Fernsehen aufgetreten ist. Also das passt nicht.


Hier machst du einen Denkfehler, Inge!

Larentz leidet nicht am Münchhausen-Syndrom, er leidet am "Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom"!!

Der kleine aber feine Unterschied ist: Patienten, die am Münchhausen Syndrom leiden, quälen sich selbst und simulieren Symptome, damit man sie pflegt und ihnen Mitleid schenkt.

Patienten mit dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom verletzen und Quälen Leute, die ihnen nahe stehen, meist ihre Kinder, indem sie sie mit heißem Wasser überschütten oder sie mit Messern ritzen oder eben mit Allergenen quälen, damit sie (Die Leute mit dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndorm) sich aufopferungsvoll um ihre 'Opfer' kümmern können.

Larentz leidet am Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom und quält seine Tochter, damit er sich um sie kümmern kann.

Das passt also ganz wunderbar!  ;D

Konsequent wäre es, wenn die Tochter wirklich ermordet worden wäre.

Sehe ich ähnlich. Aber dann hätte er selbst sie irgendwo vergraben müssen, oder sie hätte nicht verschwunden sein dürfen, und beides hätte nicht gepasst, von daher MUSSTE sie irgendwie noch am Leben sein...
Mir ist jedenfalls keine plausible Möglichkeit eingefallen, wie er sie hätte sterben lassen können, ohne dass die Buchhandlung, also der Plot, eingebrochen wäre...

Lieben Gruß,
Marco! :s17

#12
(Huutini)

(Huutini)

Allerdings frage ich mich auch, warum er zurück in die Traumwelt flüchtet, wenn er doch weiß, dass seine Tochter in der Realität noch lebt?


Wird erklärt: Da er am Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leidet, fürchtet er, seine Tochter nur wieder weiter zu quälen, was er ihr ersparen will.
In meinen Augen etwas dünn, aber ich kann damit leben.

Die Nummer, dass der Doktor selbst nur eine Romanfigur in einem Roman seiner Patientin ist?

Exaktomento! ;D
ICH hätts so geschrieben...

Lieben Gruß,
Marco! :s17

#13
Inge

Inge
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Seit ich selbst schreibe,  lese ich mit anderen Augen. Manchmal verdirbt mir das den Spaß. Beispielsweise wird in ‚Illuminati’ sehr früh erwähnt, dass der Camerlengo vor seiner Kirchenkarriere bei der Armee war und Hubschrauber fliegen kann. Als normaler Leser hätte ich darüber hinweg gelesen, die Info einfach mitgenommen. Als Autorin war mir sofort klar, in einer späteren Szene wird diese Fähigkeit eine wichtige Rolle spielen und der Canmerlengo einen Hubschrauber fliegen. Worauf ich hinaus will: Als einfache Leserin habe ich ‚Die Therapie’ gerne gelesen, und habe nur das, aus meiner Lesersicht, enttäuschende Ende zu bemängeln. Das Buch hat mich für ein paar Stunden gut unterhalten. Mehr habe ich nicht erwartet. Aus Lesersicht kann mir die Frage, ob zwei schwere Krankheiten als Doppelwhopper auftreten können egal sein. Der Autor hat das für Normalleser so geschrieben, dass die Frage nicht plötzlich im Raum steht. Ebenso die Erklärung des Münchhausen-Stellvertreter-Syndroms (das im Übrigen auch den gleichen Zweck erfüllt wie das Münchhausen-Syndrom: der Kranke will Aufmerksamkeit, in diesem Fall über einen Umweg: Er opfert sich für sein Kind auf und steht dadurch im Mittelpunkt). Wir Autoren sind also sehr anspruchsvolle und daher (über?)kritische Leser mit intensivem Blick auf  Handwerk, Plotaufbau, Recherche etc. Aber wir schreiben für Normalleser. Sollten wir das nicht im Blick behalten? Machen wir es uns vielleicht manchmal unnötig schwer mit unserer Autorensicht auf das Manuskript? Liebe Grüße Inge

#14
(Stefankdani)

(Stefankdani)
Liebe Inge, danke für deinen tollen Beitrag, du sprichst mir aus der Seele. Wenn ich einen Roman lese, bin ich in dem Moment Leser und nicht Autor. Da bemerke ich keine Wortwiederholungen oder sonstigen "Fehler", über die sich manche gerne aufregen. Für mich ist dann nur wichtig, dass mich die Story packt. Sollte ich das irgendwann nicht mehr können, würde ich meinen Job sofort aufgeben. Ohne Wenn und Aber. Denn ich bin mir sicher, dass ich dann auch nicht mehr für die Normalleser schreiben könnte. LG Stefan

#15
(PeterN)

(PeterN)

Wir Autoren sind also sehr anspruchsvolle und daher (über?)kritische Leser mit intensivem Blick auf Handwerk, Plotaufbau, Recherche etc.

Aber wir schreiben für Normalleser. Sollten wir das nicht im Blick behalten? Machen wir es uns vielleicht manchmal unnötig schwer mit unserer Autorensicht auf das Manuskript?

Also ich muß sagen, dass ich diese "Mitrate"-Komponente tatsächlich bei Büchern auch schon hatte, als ich noch nicht geschrieben haben -übrigens bei Filmen überhaupt nicht, da rätsel ich nicht mit. Liegt wahrscheinlich einfach daran, dass man jederzeit das Buch zuklappen kann, um solange man möchte, daran rumzurätseln, während man das bei einem Film nicht kann. Und auch ohne zu schreiben, hätte mich gerade das Ende schon mit einem schalen Gefühl im Mund zurückgelassen. Gerade das Ende und die letzten Eindrücke bleibt einem ja dann in Erinnerung. Von daher muß ich sagen, dass zwar der Anspruch "Unterhalte mich 3 Stunden gut" erfüllt wurde, aber der Anspruch "Ich will danach sagen: Wow" nicht ganz. Diese beiden Ansprüche habe ich im Endeffekt an Unterhaltungsliteratur- und Popcornfilme, von daher finde ich den Einwand auch aus Lesersicht berechtigt.

Aber den "Autorenblick" kann ich mittlerweile wirklich nur abstellen, wenn ich komplett in einem Werk aufgehe und tatsächlich beurteile ich Bücher auch danach, ob das passiert oder nicht. Bei den Büchern, die mir richtig gut gefallen, komme ich gar nicht auf die Idee nach Handwerklichen Sachen zu schauen, da muß ich mich schon dazu zwingen.

Dass wir es uns unnötig schwer machen, glaube ich manchmal auch. Gerade an diesem Buch, wo ja alles relativ nackt und offen liegt, kann man eine Menge über Plots und ähnliches lernen. Es muß nicht wirklich orginell sein, es kann auch eine gute Variation sein. Es muß nicht wirklich hieb- und stichfest sein, es muß nur irgendwie halbwegs passend aussehen, usw.

#16
hpr

hpr
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Hallo Montsegurler,

jetzt habe ich das Buch auch gelesen. Was ihr geschrieben habt, ist auch mein Eindruck: Sehr spannend, aber danach vergißt man es schnell. Der Autor fühlte sich verpflichtet, jedes Kapitel mit einem Hook abzuschließen. oft gelang es ihm, aber ebenso oft hat er es mit dem Holzhammer versucht. Schade, denn die Kapitel wären ohne Holzhammer-Hook, der mich immer rauswarf, durchaus spannend gewesen.

Die blassen Figuren, ja, auch das habe ich vermisst.

wer sich für die ausführliche Rezension interessiert, die steht hier (bietet aber nicht viel neues):
(Link ungültig)

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Spoiler: Achtung, das folgende verrät einiges über den Schluss!
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Was die Schilderung der Tochter angeht, da zeigt Fitzek, das er durchaus Personen charakterisieren kann. Denn da fiel mir gleich von Anfang an auf: Das ist eine Achtjährige, keine zwölfjährige. Erst dachte ich, der Autor hat wenig Erfahrung mit Kindern. Oder will auf die Tränendrüsen drücken. Oder ...

Aber das war ja durchaus Absicht. Und passte.

Also gut möglich, dass Fitzek sich noch entwickelt. Potenzial sehe ich da durchaus.

Und was den SOP (>Subjekt-Objekt-Prädikat)-Stil angeht: Der Schreibregel, die diesen Stil verbietet, habe ich immer schon mißtraut. Zuviele Bücher sind trotz (oder wegen) SOP Stil spannend. Und wenn mich ein Buch einfangen kann, ich und andere darin versinken, halte ich es für wenig sinnvoll, den Zeigefinger zu heben und zu sagen: Du sollst keinen SOP Stil schreiben.

Ich verstehe, dass es viele Stil-Fans stört. Aber genau wie die gegenteilige Stilregel - Deine Sätze sollen nicht mehr als sieben Worte enthalten und keine Nebensätze - denke ich: Diese Regeln sind Hilfwegweiser, man kann ihnen folgen, aber sie garantieren weder guten Stil noch spannende Geschichten.

Hans Peter

#17
(Andre)

(Andre)
"Die Therapie" war das ärgerlichste Buch, das ich je gelesen habe. :s11 :s11 :s11 Ärgerlich deshalb, weil es so unerträglich grottig geschrieben ist und man trotzdem weiterlesen muss. Nur, um dann am Ende auch noch vom Plot maßlos enttäuscht zu werden. Ich kreide an: 1. Die schlimme, schlimme, schlimme Sprache, die nie über Groschenromanniveau hinauskommt. Irgendwann dachte ich: Wenn jetzt noch EINMAL ein Satz wie "Sein Herzschlag setzte aus", "Das Blut gefror ihm in den Adern" oder "Die Haare standen ihm zu Berge" lesen muss, schmeiße ich das Ding einfach aus dem Fenster. Permanent wird der Leser damit erschlagen, dass es jetzt gleich ganz, ganz, ganz furchtbar und schrecklich und schlimm wird. Hier wird permanent erzählt und nix gezeigt, und das hat mich wahnsinnig gemacht. 2. Die Hauptfigur war himmelschreiend dämlich. Wenn ein Leser dem Protagonisten haushoch überlegen ist, wieso soll er sich dann eigentlich noch für die Geschichte dieses Idioten interessieren? 3. Natürlich ist der Protagonist nicht wirklich himmelschreiend dämlich. Bloß psychisch krank. Aber damit werden mal eben kurz 300 Seiten Story in die Bedeutungslosigkeit gefegt. Alles, was in den ersten neun Zehnteln des Buches passierte, war austauschbar, nichts davon hatte wirklich eine Bedeutung, alles waren nur Bilder und Symbole, die aber auch vollkommen anders hätten aussehen können. Das war a) vorhersehbar und ist b) besonders ärgerlich für all die, die es NICHT vorhergesehen haben und noch verzweifelt auf der Suche nach einer Erklärung waren. Es gibt keine. Und eigentlich lernt man doch schon in der dritten Klasse, dass die Er-wachte-auf-und-alles-war-nur-ein-Traum-Auflösungen zu nichts anderem gut sind, als sein Publikum zu vergraulen, oder? Nein, nein, nein, liebe Freunde, dieses Buch war einfach mal ganz, ganz großer Müll. Und dann noch dieser beifallheischende Kommentar im Anhang, dass man dem Autor doch bitte mailen möge, um ihm zu erzählen, wie einem das Buch gefallen hat. Am liebsten würde ich es tun. Am liebsten würde ihm meine Meinung sagen. Aber damit wäre mir nicht mehr geholfen und ihm auch nicht. Man braucht Wochen, um sich von vernichtender Kritik zu erholen, das weiß ich selbst zu gut, und das möchte ich dem armen Mann dann doch nicht antun. Ich kann nur hoffen, dass er das Romanschreiben in Zukunft anderen Leuten überlässt.

#18
(Andre)

(Andre)
Und weil ich mich immer, wenn ich über dieses Buch nachdenke, wahnsinnig aufrege, habe ich noch schnell eine böse amazon-Kritik geschrieben: „Die Therapie“ ist eines der schlechtesten Bücher, die ich je gelesen habe. Die Figuren sind eindimensional, die unzähligen Plotwendungen unglaubwürdig und die Auflösung genauso vorhersehbar wie ärgerlich, da sie praktisch alles, was zuvor geschehen ist, austauschbar und beliebig machen. Das Verhalten des Protagonisten ist von der ersten bis zur letzten Seite nicht nachvollziehbar, seine zum Himmel schreiende Dummheit treibt den Leser zur Verzweiflung, und es wird von Kapitel zu Kapitel deutlicher, dass er lediglich der Motor für einen haarsträubenden Plot ist, keine glaubhafte literarische Figur. Am allerschlimmsten ist jedoch die Sprache: Jede Handlung wird erklärt und erläutert, um ja keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, die Beschreibungen und Vergleiche scheinen allesamt aus dem Buch „Die 100 leersten Worthülsen“ zu stammen und alles ist permanent entsetzlich, furchterregend und lähmend, lässt den Atem stocken, das Herz einen Schlag aussetzen und den kalten Schweiß ausbrechen. Die Phantasielosigkeit der Sprache wird nur noch von der Unmündigkeit übertroffen, mit der der Autor den Leser behandelt: Denken ist hier fehl am Platz. Wie ein Fünfjähriger wird man bei der Hand genommen und durch die Geschichte geschleift, die keine Bilder findet, sondern nur Phrasen, die keine Spannung aus sich selbst heraus erzeugt, sondern dem Leser mit Kursivschrift, Absätzen und Ausrufezeichen eine vermeintliche Spannung einbläuen will. Riesige Logikkrater bleiben vollständig unkaschiert, und wenn man sich dann durch 300 Seiten von einem Klischee zum nächsten gequält hat, folgt eine Auflösung, die kaum dämlicher sein könnte. Punktabzug gibt es auch für das Lektorat, das selbst die gröbsten sprachlichen Schnitzer, die dümmsten Vergleiche und die überflüssigsten Erläuterungen übersehen oder einfach ignoriert hat. Ärgerlich, einfach ärgerlich und für nichts weiter zu gebrauchen als für die Altpapiertonne. Danach ging's mir schon besser. :s22

#19
(PeterN)

(PeterN)

Ich verstehe, dass es viele Stil-Fans stört. Aber genau wie die gegenteilige Stilregel - Deine Sätze sollen nicht mehr als sieben Worte enthalten und keine Nebensätze - denke ich: Diese Regeln sind Hilfwegweiser, man kann ihnen folgen, aber sie garantieren weder guten Stil noch spannende Geschichten.

Ich dachte die Regel Nicht mehr als sieben Wörter, keine Nebensätze wäre genau dieser SPO-Stil? Oder verstehe ich dich hier nicht?

Interessant, dass du das mit der achtjährigen/zwölfjährigen Tochter in ihrem Verhalten so rausgesehen hast. Diesem ganzen Aspekt habe ich fast gar keine Aufmerksamkeit gewidmet, weil mir tatsächlich schon auf Seite 30 oder so klar war, wie es ausgeht und ich nur nach Hinweisen auf die Pointe gesucht habe. Aber der Unterschied mit der Tochter - interessant. Wobei das auch alles ziemlich wirr ist. Und wie Andrè schreibt diese na ja, "halbe" Traumauflösung ein Reflektieren über solche Probleme oft müßig macht, weil man ständig auf die Antwort "Zu welchen Wundern der menschliche Geist so fähig ist, was?" stößt.

Mich wundert aber ein bisschen, dass auf Amazon so viele unglaublich gute Kritiken zu finden sind. Es scheinen sich tatsächlich nur wenige an den Schwachpunkten zu stören, die wir hier eigentlich allesamt mehr oder weniger einmütig festgestellt haben -wir unterscheiden uns wohl nur darin, wie sehr sie uns stören.
Den "Massengeschmack" (wobei natürlich die Käufer auch keine richtige Masse oder Mehrheit sind) scheint Fitzek mit dem Roman offenbar voll getroffen zu haben.

#20
hpr

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Ich dachte die Regel Nicht mehr als sieben Wörter, keine Nebensätze wäre genau dieser SPO-Stil?

Richtig. Was ich sagen wollte: Dass die Regel, die den SPO Stil verbietet, genauso unsinnig ist, wie die, die vorschreibt, keine Sätze mit mehr als sieben Worten zu bilden, also SPO Stil vorschreibt.
Vor allem dann, wenn ein Autor die Leser zu fesseln versteht. Das tut meiner Meinung nach Fitzek trotz (oder wegen?) seines Stils. Und deshalb würde ich seinen Stil auch nie kritisieren und wenn er hundertmal gegen eherne Schreibregeln verstößt.
Was mich auch gestört hat und ich ihm in der Rezension angekreidet habe: Diese plumpe Erklärungsmasche, vor allem auf den ersten hundert Seiten.
PeterN, du hast offenbar früh gemerkt, worauf die Sache hinausläuft. Das Buch besticht durch seine Spannung und wenn die nicht funktioniert, legt man es weg. Da fehlt es an den Figuren.
Bei mir hat die Spannung funktioniert, auch weil ich zwar auch immer wieder auf gängige Lösungsmöglichkeiten getippt habe - aber immer wieder auf andere. Ja, er könnte verrückt sein. Dann: Ach so, seine Frau will ihn als verrückt hinstellen. Das kleine Mädchen, Mißbrauch? Alles Klischees, aber sie für mich wechselte das Buch immer dazwischen.
Wie gesagt, ohne Spannung funktioniert das Buch nicht. Andererseits ist es wesentlich besser, als etwas "Illuminati", "Krieg der Zwerge", "Houwelandt", "Neue Leben", ebenfalls alles Bestseller (letzteres wurde in die Bestenliste für den diesjährigen Frankfurter Preis aufgenommen, na ja).
Und mit der Schilderung des Kindes, das zwölf sein soll, aber der Schilderung nach acht ist, zeigt Fitzek, dass er durchaus zwischen den Zeilen erzählen kann (oder könnte). Etwas mehr Zeit und vor allem Mühe seitens des Verlages hätte daraus ein besseres Buch machen können. Allerdings verkauft es sich offenbar auch so, also dürfte für den Verlag leider kein Ansporn da sein, in Zukunft Zeit und Arbeit zu investieren.

Hans Peter