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Mein Anti-Buch des Jahres 2006


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63 Antworten zu diesem Thema

#1
Admin

Admin
  • 1.862 Beiträge
  • Dabei seit 10.02.05

Mein Nicht-Buch des Jahres war übrigens "Kopftuch"
Eine Aufklärungsgeschichte über das Schicksal eines türkischen Mädchen in Deutschland (ab 10-12 Jahren)



Meiner Meinung nach keine Geschichte sondern ein einziges Klischee, so unglaublich vorhersehbar und abgeschmackt, dass es auf einen erwachsenen Leser zwangsläufig wie eine Satire wirken muss. Hoffentlich keine Schullektüre.

Liebe Grüße
Janka



#2
Andreas

Andreas
  • 3.499 Beiträge
  • Dabei seit 10.02.05
Das schlechteste Buch, das ich 2006 gelesen habe, war fraglos "Toxic" von Mark T. Sullivan: Hallelujah, war das schlecht! Sogar noch mieser als die - wenigstens sehr fantasiereichen aber dennoch schauderhaften - Sachen von Graham Masterton, falls den jemand kennt (nein, das ist keine Wissenslücke, das war in einem anderen Urlaub). Ich bin nicht sonderlich wählerisch, was ich im Urlaub lese, und hinterher ist es mir zum Teil echt peinlich. Aber dieses hier war einfach nur so unerträglich, dass es schon wieder Faszinierung auslöste: Der geschiedene Polizist, der keine Zeit für seinen Sohn hat und dessen Baseballspiele immer wieder verpasst, die Exfrau, die ihm Vorhaltungen deswegen macht, sein schlechtes Gewissen, die absurden "hui wie tabulos!"-Morde mit Giftschlangen, die unbedingt in Hoden beißen müssen - weil Sex muss ja auch irgendwie mit rein -, der wunderschöne, zwielichtige Loveinterest, eine aus der Luft gegriffene Szene irgendwo in einem Dörfchen in der Wüste, wo sich nach 300 Seiten alle Rätsel in 2 Seiten lösen (deus ex fata morgana), der Investigateur, der schließlich selbst in die gleiche Falle tapst und beinahe Opfer des Mörder wird, bis da, na wie praktisch, eine Glaschscherbe ausgerechnet direkt neben seiner festgeschnürten Hand auf dem OP-Tisch landet ... Kann das wirklich so mies sein, wie klischeebeladen kann es denn eigentlich noch werden, wo kommt das jetzt plötzlich her, er wird doch wohl nicht ... doch, er wird - und hat! Fazit: Ganz, ganz unterste Schublade. :s10 Doch schau: Es wird gekauft! Juhuu, vielen hundertausend Lesern ist das alles total egal! Warum sich Mühe machen? Es ist wirklich ein hartes Brot :-/ Gruß, Andreas

#3
AstridV

AstridV
  • 1.893 Beiträge
  • Dabei seit 05.12.05
Mein Anti-Buch des Jahres? Eragon. (Ohne Angabe der ISBN, weil ich dafür definitiv nicht auch noch Kaufwerbung mache.) Mensch, war das grottig. Zu ertragen nur für Dreizehnjährige, die in ihrem Leben noch kein anderes Buch gelesen haben und für die Fantasy aus dem Herr der Ringe-Film und D&D-Rollenspielen besteht. In den Staub! Gruß Astrid

Meine Homepage

 

Rabenzeit 1 gibt's als E-book und gedruckt bei Amazon. :)


#4
(Jan)

(Jan)
Hah! Da hätte ich eine ganze Liste ;D Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal (!) Bücher nach ein paar Seiten, ein paar Kapiteln beiseite gelegt - bislang hab ich mich immer verpflichtet gefühlt, ein Buch auch zuende zu lesen, aber irgendwann merkt man einfach, daß man schlicht nicht mehr die Zeit hat, alle schönen Bücher zu lesen, die es gibt, und daß man diese Zeit dann nicht noch mit schlechten Büchern vergeuden muß. Trotzdem empfinde ich bei dieser "Kollegenschelte" doch ein kleines Unbehagen. Gerade wir, die wir selbst schreiben, wissen doch, wie leicht, wie schnell, wie viel daneben gehen kann, wie viele Leute da mitmischen, wie viele Faktoren dabei mitspielen. Und ich möchte keinem unterstellen, daß er mit Absicht ein grottiges "Anti-Buch" schreibt. Kling zwar jetzt spielverderberisch, und natürlich gibt es Autoren, deren Bücher ich lieber gegen die Wand pfeffere als sie zu lesen - aber gleichzeitig weiß ich, daß andere sie mit Begeisterung lesen und Spaß dran haben...chacun à son goût Gruß Jan

#5
(Rocker)

(Rocker)
Apropos Eragon: Der Film soll das Buch sogar noch unterboten haben. Na ja, das passt wenigstens wieder, sind Filme doch meistens schlechter als die Buchvorlage. EDIT: Man muss natürlich eingestehen, dass Eragon sich nicht an ein abgeklärtes, erwachsenes Publikum richtet. Auch der Autor war erst 17, als er das Manuskript (wahrscheinlich infolge erster Drogenversuche) aus sich rausmasturbierte. Und wer Kind ist hat halt selber Schuld, wenn er solchen Schund vorgesetzt bekommt. Soll erstmal erwachsen werden, dann gibt's auch was Anständiges zu lesen!

#6
Heinz-Werner

Heinz-Werner
  • 1.078 Beiträge
  • Dabei seit 02.08.05
Moin zusammen, ich kenne durchaus vernunftbegabte Erwachsene, die Eragon mit Begeisterung gelesen haben, ich gehöre allerdings nicht selbst dazu, weil ich Fantasy im Allgemeinen einfach doof finde (Autoren wie Jonathan Carroll natürlich ausgenommen ;D ) Schon lange lese ich Bücher nur noch an und bilde mir meine Meinung nach den ersten 20 oder 30 Seiten, deshalb fällt es mir auch schwer, das grottigste Buch zu benennen. Dazu kommt, dass auch ich nicht Kollegen schelten möchte, es sei denn, im persönlichen Kontakt. Doch, eine kann ich, die wird es verkraften: Mir geht nicht in den Kopf, dass jemand so einen Scheiß lesen mag, wie die Gabaldon ihn schreibt. Das ist für mich das absolute Brechmittel. Aber auch hier: Ich habe Freundinnen, die ihre Bücher lieben ... und ansonsten ganz normal sind :s22 Also, was solls? Gruß HW

#7
(Rocker)

(Rocker)

Trotzdem empfinde ich bei dieser "Kollegenschelte" doch ein kleines Unbehagen.

Wieso? Es geht ja in erster Linie um schlechte Bücher, nicht um schlechte Kollegen. Und dass dieser Kollege/Kollegin dann natürlich als Person in Mitleidenschaft gezogen wird, ist absehbar, aber nicht zu vermeiden. Er hätte das Geschwurbel ja nicht schreiben müssen.

Gerade wir, die wir selbst schreiben, wissen doch, wie leicht, wie schnell, wie viel daneben gehen kann, wie viele Leute da mitmischen, wie viele Faktoren dabei mitspielen.

Dadurch dass so viele Leute mitmischen, soll ja eine besser verkäufliche Qualität des Buches erreicht werden. Oft sind es ja gerade die Bücher, die man besonders schlimm findet, die sich erstaunlich oft verkaufen. Die Marketingheinis eines Verlages wird man also mit ein bisschen hämischer Kritik auch kaum treffen, die gucken einfach auf die Verkaufszahlen, um sich zu trösten. Und genau das würde ich den gescholtenen Autor auch raten.

Und ich möchte keinem unterstellen, daß er mit Absicht ein grottiges "Anti-Buch" schreibt.

Nein, aber wenn es von der Anlage her evtl. gut gewesen wäre und er sich dann von den Verlagsmenschen dazu hinreißen lässt, es schlechter zu machen als notwendig, dann muss man in einem Literaturforum auch darüber sprechen dürfen. Alle mal hergucken, der König ist nackt!

Kling zwar jetzt spielverderberisch, und natürlich gibt es Autoren, deren Bücher ich lieber gegen die Wand pfeffere als sie zu lesen - aber gleichzeitig weiß ich, daß andere sie mit Begeisterung lesen und Spaß dran haben...chacun à son goût

Der Lesespaß sei ihnen unbenommen, aber wenn ich persönlich es grottig finde, dann will ich es, verdammich, in die Welt hinausbrüllen dürfen. Wobei ich mich an diesem Thread gar nicht mit einem Buch meiner Wahl beteilige. Ich lese einfach nur ansprechende Bücher, dann passiert sowas gar nicht erst! :s13

#8
Andreas

Andreas
  • 3.499 Beiträge
  • Dabei seit 10.02.05


Trotzdem empfinde ich bei dieser "Kollegenschelte" doch ein kleines Unbehagen.

Wieso? Es geht ja in erster Linie um schlechte Bücher, nicht um schlechte Kollegen. Und dass dieser Kollege/Kollegin dann natürlich als Person in Mitleidenschaft gezogen wird, ist absehbar, aber nicht zu vermeiden. Er hätte das Geschwurbel ja nicht schreiben müssen.

Das sehe ich ganz genau so. Es geht nicht um Kollegenschelte, sondern um Buchkritik. Selbstverständlich sollte nur der seine Meinung äußern, der auch bereit ist, sie öffentlich zu vertreten. Und wenn ich Mark Sullivan einmal treffe, werde ich ihn fragen: Menschenskinder, was hast du dir dabei gedacht?! Gerne auch auf einer Podiumsdiskussion.

Andreas

#9
(Huutini)

(Huutini)
Hmm, schwierig. Aber es gab zwei Bücher, die mich dieses Jahr ziemlich enttäuscht haben. Eines davon war, ich muss es ja gestehen, leider von einem Montsegur Mitglied. Ich trau mich aber nicht, das hier jetzt zu erwähnen, weil ich keine Anti-Werbung für Mitglieder machen will. Ausserdem ist es nur meine subjektive Ansicht, und die ist ja ohnehin nicht weltbewegend. :) Das andere war "Brimstone" von Preston/Child, das toll, spannend und gruselig anfing, sich aber leider sehr schnell zu einer ziemlich in die Länge gezogenen Detektivgeschichte zurückentwickelte, noch dazu mit einer Nebenhandlung, die total unerheblich war, weil die darin angedeutete Entwicklung "Der Teufel kommt auf die Erde" zu der Zeit schon längst widerlegt worden war. Alles in allem sehr einfallslos und wenig aufreibend. So blieb ein unterdurchschnittliches Buch, das allein noch durch sein Ende interessieren konnte. Also kein Thrillerjahr für mich. :) Gruß, Marco!

#10
SabineW

SabineW
  • 2.588 Beiträge
  • Dabei seit 12.09.05

Auch der Autor war erst 17, als er das Manuskript (wahrscheinlich infolge erster Drogenversuche) aus sich rausmasturbierte.


Ich hab in einem Filmbuch den Werdegang des Buches gelesen. Die Eltern des Bubs hatten mal im Eigenverlag irgendetwas drucken lassen, hielten sich jetzt für Verleger und wollten das Buch selbst vermarkten, statt es "in den Schlund eines großen Verlages zu werfen". Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass diese Familie da etwas überspannt war. Inwiefern da ein Lektorat drüberrutschte, wurde nicht geschildert oder ich habs vergessen. Die anschließende Betteltournee durch die Buchläden wurde zukünftige Lebensaufgabe der ganzen Familie. Hat nicht sogar irgendjemand dafür seinen Job gekündigt? Weiß ich nicht mehr genau, ich hatte das Filmbuch meinem Neffen zu Weihnachten geschenkt und musste an Heiligabend rasch drüberlesen, weil das Essen auf dem Tisch stand, oder so. Jedenfalls biss aus irgendeinem unglaublichen Zufall, der so nur in den USA passiert, ein richtiger Verlag an, und plötzlich war die Freude groß. Im Nachhinein muss man natürlich sagen - alles richtig gemacht.

Und damit ich die Kurve on topic kriege, erkläre ich das mal zu meinem Nicht-Buch des Jahres. ;D

Also das Filmbuch jetzt, gell. Eragon selber kenne ich ja nicht. Aber nach allem, was ich gehört habe, ist das nichts, was ich lesen will.

Gruß, Sabine

#11
hpr

hpr
  • 7.210 Beiträge
  • Dabei seit 14.03.06

Ich hab in einem Filmbuch den Werdegang des Buches gelesen. Die Eltern des Bubs hatten mal im Eigenverlag irgendetwas drucken lassen, hielten sich jetzt für Verleger und wollten das Buch selbst vermarkten, statt es "in den Schlund eines großen Verlages zu werfen". Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass diese Familie da etwas überspannt war. Inwiefern da ein Lektorat drüberrutschte, wurde nicht geschildert oder ich habs vergessen.


Doch, es gab ein Lektorat. Angeblich sogar sehr umfangreich, behauptet der Autor, der sogar ein Loblied der Überarbeitung und des Lektorats singt; erst war es von seinen Eltern, später von dem Verlag, der dann angebissen hat.

Warum der anbiss? Aus dem allerüberzeugendsten Grund, den es für Verlage gibt: Das Buch, obwohl im Miniverlag der Eltern erschienen, verkaufte sich blendend. So unglaublich war der Zufall wohl doch nicht. ;-)

Hat nicht sogar irgendjemand dafür seinen Job gekündigt?


Der Autor hat angeblich die Highschool geschmissen, um das Buch zu schreiben.

"Eragon" steht in der Tradition der Tolkien Nachfolge-Bücher. Aber es ist durchaus besser als die meisten anderen dieser Art, hat eigene Aspekte. Jedenfalls könnte ich dir eine Menge Bücher von Heyne und anderen Verlagen sagen, die erheblich schlechter sind, Stilistisch, von den Personen her, von der Handlung.

Was nicht heißt, dass man es gelesen haben muss. Ich kenne nicht nur viele schlechtere, sondern auch etliche bessere.

Über den Film und das Filmbuch kann ich aber nichts sagen.

Hans Peter

#12
Inge

Inge
  • 1.342 Beiträge
  • Dabei seit 05.05.06
Mein Anti-Buch des Jahres:

Es ist wirklich absolut grottenschlecht geschrieben aber verkauft sich toll.

(Link ungültig)

LG
Inge

#13
hpr

hpr
  • 7.210 Beiträge
  • Dabei seit 14.03.06
Mein Problem ist, dass ich absolut schlechte Bücher nicht lange lesen kann. Und über ein Buch urteilen, bei dem man nur fünfzig Seiten geschafft hat? Ich tu's trotzdem: "Bombenstimmung" ein Lokalkrimi von Bernd Franzinger. Einer von den Autoren, die immer alles drei- bis viermal erklären müssen und zwar mit Autorenstimme und erhobenem Zeigefinger, so in der Art: "Scheiße", brüllte er. Er war wirklich ein bißchen wütend. Natürlich nicht zu sehr. Aber er dachte, dass er allen Grund hatte, wütend zu sein. Und das war er auch: Wütend. Wirklich wütend. Natürlich verlor er darüber nicht seine Beherrschung. Warum zeigen, wenn man auch behaupten kann? Tell, don't show ist angesagt. Diese Technik scheint sich immer mehr zu verbreiten. Liegt es daran, dass die Verlagslektorate immer mehr gestrichen werden, oder dass die Verlage bei der Kundenanalyse darauf gekommen sind, dass Leser grundsätzlich einen IQ unter 50 haben? Ich weiß es nicht. Aber ich finde es einfach nur furchtbar nervig, diese Technik, die auch der von mir vielgeschmähte Markus Heitz zum Erbrechen beherrscht. Bombenstimmung wird außerdem von einer Werbung begleitet, die einen an Staubsaugervertreter oder Drückerkolonnen denken lässt. Schmierig, anbiedern, wenn so einer sagt, "2+2 ist 4", dann fängt man zu überlegen, ob es nicht vielleicht doch drei ist ... In dem Fall ist der Roman laut Verlag so toll, weil er von Familie handelt und das ist doch das wirklich tollste im Leben. Bei solchen Werbetexten frage ich mich, ob die Versuche, diese abzuschaffen, nicht doch notwendig sind ;-). Ein weiteres schlechtes Buch letztes Jahr war Nora Bossongs "Gegend", die von den Kulturredakteuren so über den blauen Klee gelobt wurde - obwohl alle wussten (und es auch schrieben), dass die Figuren dort platt wie Scheckkarten waren und eine innere Logik durch Abwesenheit glänzte. Hans Peter

#14
(Kristina)

(Kristina)
Eine Freundin von mir meinte, ich solle dieses Buch mal lesen, das sei so wunderschön und toll, und sie würde es mir mit Freuden ausleihen: Zwar befinde ich mich mit meinen 17 Jahren genau in der Zielgruppe, an die sich dieses Buch richtet, aber ich musste mich hindurchzwingen, weil es so abgedroschen, banal und greulich war. Die Geschichte handelt von einem jungen Mädchen, die umzieht und nun die Neue im Ort und in der Schule ist - klischeehaft, aber geht noch. Und dann lernt sie einen verdammt gutaussehenden Jungen in ihrer Klasse kennen, aber der ist Vampir (bestätigt auch noch alle gängigen Vampirklischees). Und als ob das nicht genug wäre, verlieben sie sich ineinander und, tja... es ist eine pure, unschuldige, zarte Liebe. Aber hey, die beiden sind doch schon 17! Sollten einem nicht spätestens in dem Alter gewisse Ideen kommen, wenn man sich im Bett nebeneinander kuschelt? Genau das tun die beiden. Aber statt dass es zu Konflikt und Erotik kommt, ist das  Buch lediglich von nackenbeißerischem Geschmachte ihrerseits durchzogen, von dahingehauchten Küsschen, von der tragischen Hoffnungslosigkeit ihrer Liebe, da er ja ein Vampir ist und ständig in Versuchung ist, sie anzuknabbern. Mensch, tu's doch, hätt ich ihm gerne gesagt. Außerdem benutzt die Autorin (Übersetzerin?) sehr oft das Wort "süffisant", bei dem sich mir aus unerklärlichen Gründen stets die Zehennägel hochrollen. Soviel zu meinem Anti-Buch des Jahres, Kristina

#15
(JuttaJ)

(JuttaJ)
Für mich war die Enttäuschung des Jahres ein Buch von Tamora Pierce. Ich habe ihre Alanna von Trebond-Reihe als junges Mädchen verschlungen und lese sie auch heute noch gerne und immer wieder. Aber alle nachfolgenden Geschichten fielen deutlich dahinter ab. Die Dhana-Reihe ging noch, da habe ich mich nur gewundert, dass das komplette Königreich jetzt irgendwie von Teenagern regiert wird (Alanna, Jonathan und Co. waren zwar eigentlich älter geworden, zwischen den beiden Reihen liegen 20 Jahre Erzählzeit oder so, hatten sich aber kein Stück weiter entwickelt). Aber okay, die Bücher waren immer noch ziemlich spannend. Jetzt habe ich dieses Jahr gesehen, dass es zwei neue Serien von ihr gibt, Protector of the Small und Trickster. Die letztere hat Alannas und Georges Tochter als Protagonistin. Ich dachte, okay, bei den Eltern kann ja eigentlich nix schiefgehen. Aber nee. Das Buch war gähnend langweilig, obwohl die Protagonistin von Piraten verschleppt wird und so. Es kam keinerlei Stimmung auf und Spannungsbogen gab es eigentlich auch keinen. Deshalb geht also meine persönliche goldene Stachelbeere für das schlechteste Buch 2006 an: Ich habe nach 3/4 aufgehört zu lesen. Gruß, Capella

#16
(Elena)

(Elena)
Meine Enttäuschung des Jahres (nicht unbedingt das schlechteste Buch, das ich 2006 gelesen habe, aber das enttäuschendste) war "Das schwarze Haus" von Stephen King und Peter Straub. Da ging es mir nach dem Lesen wie Andreas, ich würde die Autoren gerne mal fragen, was sie sich dabei gedacht habe. Nach dem Lesen würde ich vermuten so etwas wie "Hey, Peter! Ich habe eine großartige Idee! Lass uns mal ein gähnend langweiliges Buch schreiben, so richtig lahm!" "Stephen, klasse Idee! Am Besten, wir fangen mit einer 20-seitigen Beschreibung einer Kleinstadt an." "Au ja! Und dann werden wir auf den nächsten 500 Seiten völlig triviale Dinge über verschiedene Bewohner zum Besten geben!" "Hm... aber wir wäre es mit einem Plot?" "Ach was, dafür ist auf den letzten 250 Seiten noch Platz, da können wir dann die Handlung in Zeitraffer zusammenfassen." "Klasse, aber glaubst du, das verkauft sich?" "Hm... Lass uns einfach so tun, als hätte es was mit dem Schwarzen Turm und dem Talisman zu tun, dann kaufen die Leute es bestimmt!" ... Ich gehöre zu den Leuten, und da ich den Schwarzen Turm abgöttisch liebe und den Talisman auch klasse finde, habe ich es auch zu Ende gelesen, in der Hoffnung ... Na ja, noch ein bisschen mehr vom Schwarzen Turm darin zu finden. Das Buch ist, ehrlich gesagt, eine Beleidigung, vor allem, weil ich ja vom Talisman weiß, dass die beiden es sehr viel besser können. Entweder, sie sahen sich gezwungen, einen halbherzigen Nachfolger nachzuschieben, oder sie sind so in der Geschichte aufgegangen, dass sie glaubten, diese endlosen Auswalzungen interessieren tatsächlich jemanden außer ihnen. Da, finde ich, hätte aber ein Lektor sie stoppen müssen. Aber na ja, so lange es sich an Idioten wie mich verkauft ... Liebe Grüße, Elena

#17
(Peter_Dobrovka)

(Peter_Dobrovka)
Ein schnell wachsender Thread.  ;D Wenn ich mir so angucke, was ihr da so lest, frage ich mich nur, wie ihr überhaupt an diese Bücher geraten konntet, von denen ich zum Teil noch nie gehört habe, und wenn, ich sie nicht aus dem Regal genommen hätte. Okay, das mit dem Teenie-Vampir-Zeug hätte mich eventuell angesprochen, da ich selbst einen solchen Roman verfaßt habe, der auch beinahe verfilmt worden wäre. Und Eragon, na ja, man hört viel von ihm, er scheint die Nation zu spalten. Love it or hate it. Herrje, ich hätte eine wirklich lange Liste von Büchern, aber bei jedem einzelnen habe ich einen verdammt guten Grund, meinen Mund zu halten. Nur bei einem nicht, und das war der gute Kehlmann mit seiner Vermessung der Welt. Gepflegte Langeweile mit einem irgendwie verzettelten Schluß. Nun ja. Was soll's. Ein Gutes hatte die Sache: Ich kann mitreden, wenn das Thema auf ihn kommt. Peter

#18
koldir

koldir
  • 349 Beiträge
  • Dabei seit 24.02.05
Fällt auch eher in die Kategorie: Enttäuschung des Jahres.

"Creepers" von David Morrell. Was habe ich mich auf diesen Roman gefreut! Und was sind meine Erwartungen enttäuscht worden. Eine extrem dünner Plot, welcher in durchaus atmosphärisch dichten Szenen auf TB-Umfang aufgeblassen wurde. Endlose Dialoge, es passiert viel zu wenig und ein wenig befriedigender Schluß.

Gruß,
koldir

:)

#19
(Jan)

(Jan)

Wenn ich mir so angucke, was ihr da so lest, frage ich mich nur, wie ihr überhaupt an diese Bücher geraten konntet, von denen ich zum Teil noch nie gehört habe


;D Gut, daß ich das nicht sagen mußte.
Aber genau das habe ich mich auch gefragt...und dabei bin ich wirklich auf dem laufenden, was Autoren und Bücher angeht.
In diesem thread hab ich allerdings nur die sprichwörtlichen Bauklötze gestaunt.

Trotzdem - danke für die Warnungen! Jetzt bin ich wenigstens für den nächsten Besuch meiner Buchhandlung gewappnet!

Gruß
Jan

#20
Thomas R.

Thomas R.
  • 2.636 Beiträge
  • Dabei seit 07.04.05
Hallo zusammen,

mein Anti-Buch (im Sinne von größter Enttäuschung) des Jahres 2006 war Haruki Murakami "Gefährliche Geliebte".



Natürlich kann ich Murakamis Buch im Orginal nicht beurteilen, und muss deshalb auf die deutsche Übersetzung zurückgreifen.
Murakami hat es geschafft ein unerotisches Buch über Erotik zu schreiben, was an sich schon eine Leistung ist. Fixiert auf einen überkandidelten Erzähler, der sich die gesamte Zeit als Maß aller Dinge sieht, immer wieder sich selber verkopft, gelingt es ihm mit einer Mischung aus Belanglosigkeiten große Dinge wie im kleinen Prinzen auf unterentwickelte Sätze herunterzuziehen.

"Ich freundete mich mit ihr an, und wir unterhielten uns über alle möglichen Dinge. Wir verstanden uns. Man könnte sogar sagen, daß ich sie liebte"

Der kleine Prinz/ Der Alchimist taucht dann auch noch an wichtigen Stellen auf:

"Wenn sich bestimmte Dinge erst in Bewegung gesetzt haben, Hajime, können sie nie wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurück"

Dadurch, dass Murakami erst gar nicht versucht Liebe individuell zu erfassen, darzustellen, ist sein Versuch, ein Buch über Liebe oder erotische Anziehungskraft zu schreiben, schon im Ansatz gescheitert. Immerhin taugt es noch als allgemeine Studie, wie Liebe so theoretisch sein könnte, wenn der Leser mit genug eigene Vorstellungskraft auf eine dritte Dimension aufbläst.
Immer wieder klingt dann doch etwas an, gelungene Wendungen, Sätze, bevor der Autor dann die offensichtlich vorhandenen Qualitäten mit allgemeinen Plattitüden und Klischees wie diese überdeckt.

"Unsere Körper hatten sich vereinigt, und doch hatte sie sich am Ende geweigert, mir ihr Herz zu öffnen"// "[,,,] und hatte währenddessen nur Shimamotos Körper im Sinn. Ihre Vagina, die mich so sanft empfangen hatte. Ihre Stimme, als sie meinen Namen geschrien hatte. Jedesmal, wenn das Telefon klingelte, hämmerte mein Herz".

Grandios ist auch das Understatement:
"Während meiner College-Zeit hatte ich in einer Bar gejobbt, darum kannte ich mich in dem Metier ganz gut aus [...]"

Wer an solche Sätze glaubt, mag auch Murakami schätzen. Der Stil ist insgesamt eher ungelenk, orientiert sich an dem üblichen, was man erwartet, was einem Autor zuerst einfällt. Und überrascht nur an wenigen Stellen mit Wendungen, die darüber hinaus gehen.
Insgesamt muss man wohl Murakami folgen: "Am Ende war die Lösung viel einfacher als erwartet". Wer so Konflikte in seinem Roman auflöst, und zwar nicht nur an einer Stelle, der gehört in eine Anti-Buchliste wie diese. Vor allem mit den platten Figuren und der nur schwach entwickelten Handlungskonstruktion.

Oder um mit einem Zitat aus dem Buch zu enden: "Ich legte meine Gabel auf meinen Teller mit Nudeln. >>Sonst noch was?<<"

Gruss

Thomas

P.S.: Und nein, Murakami war nicht das schlechteste Buch meines Jahres, sondern nur die größte Enttäuschung. Aber die Liste der schlechten Bücher war dieses Jahr bei mir ziemlich lang.

Übrigens mein meist gehasstes Buch war Thomas Bernhard "Der Untergeher". Ich habe das Buch dreimal in der Hand gehabt, um es zu Boden zu werfen, und drauf rumzuspringen. Es hat mich genervt, ich habe es zweimal fast zerrissen. Und bin doch ein Fan.
"Als meine Augen alles // gesehen hatten // kehrten sie zurück // zur weißen Chrysantheme". Matsuo Basho