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Matt Ruff - Fool on the Hill


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13 Antworten zu diesem Thema

#1
(ChristophL)

(ChristophL)
Fool on the Hill: Eben ausgelesen, sofort in den Buchkritiken gestöbert und verblüfft festgestellt, dass das noch keiner vorgestellt hat. Dann muss ich wohl diese - undankbare - Aufgabe übernehmen. Undankbar deshalb, weil FotH ein Kultbuch ist, und Kultbücher rufen bekanntlich nur zwei Reaktionen hervor: ablehnendes Unverständnis oder Vergötterung. Bei mir handelt es sich um Vergötterung, und warum das so ist, versuche ich euch jetzt zu erklären. Kurz zur Handlung: FotH spielt zur Reagan-Zeit in der Kleinstadt Ithaca im Staat New York und dort zum größten Teil auf dem Campus der liberalen Cornell Universität. Dort tummeln sich allerlei bizarre Gestalten: die Angehörigen der Studentenverbindungen Bohemier und Tolkienier; Hunde und Katzen, die thelepathisch miteinander in Verbindung stehen und eigene akadamische Studien in Form der Fünf Großen Fragen betreiben; ein Stamm von Kobolden, die sich voller Furcht an den lange zurückliegenden Krieg gegen Rasferret den Engerling erinnern; eine Armee böser Ratten; und nicht zuletzt Stephen Titus George, der Geschichtenerzähler und Protagonist der Geschichte. Mit zahlreichen Verweisen auf die Popkultur und diverse Mythologien entspinnt sich zwischen den Bewohnern der Cornell Universität ein Kampf von Gut gegen Böse, der ebenso bizarr ist wie die Campusbewohner. Auf die einzelnen Handlungsstränge einzugehen würde den Rahmen sprengen, daher nur so viel: Die Geschichte ist spannend, witzig, rührend und setzt die Regeln konventionellen Erzählens immer wieder außer Kraft. Matt Ruffs Stil ist dagegen recht konventionell und damit gut lesbar, aber voller Humor und treffender Bebobachtungen. Ein wenig beängstigend, wenn man bedenkt, dass FotH seine Magisterarbeit war und der Autor gerade 23. Normalerweise bin ich ein langsamer Leser, der für einen Roman eine Woche braucht; FotH mit seinen fast 600 Seiten hatte ich in weniger als zwei Tagen durch. Und schon jetzt weiß ich, dass ich mir bald auch die anderen Bücher von Matt Ruff zulegen werde. Aber nicht zu bald, damit sie nicht zu schnell ausgelesen sind ... Christoph

#2
chrissi

chrissi
  • 368 Beiträge
  • Dabei seit 30.06.05
Hallo Christoph, ich kann dir da nur zustimmen. Ein lustiges, spannendes und absolut lesenswertes Buch mit einer abgefahrenen Handlung und genial konstruierten Figuren. Die Bohemier hatten es mir besonders angetan - aber auch die Kobolde waren herrlich. Es zählt zu jenen Büchern, in denen ich immer wieder blättere. Das zweite Buch von ihm (GAS) ist leider nicht mehr so uneingeschränkt zu empfehlen, zu konfus und überzogen, finde ich. Dagegen habe ich "Ich und die anderen" (sein Neuestes) wieder sehr genossen - auch wenn es darin ernster zugeht und die Handlung sich auf wenige Hauptpersonen konzentriert.   Liebe Grüße chrissi
Bei Droemer Knaur im März 2012:  Mondherz &&Meine neue Website

#3
(Huutini)

(Huutini)
Lieber Christoph, vielen Dank. Ich will das Buch schon seit einem Jahr hier vorstellen, und bin immer wieder davor zurückgeschreckt. Es ist nicht einfach. :) Auf jeden Fall eines der besten Kultbücher der 90er. Uneingeschränkt Lesenswert! Für alle, die es kreativ und poppig mögen. Ausserdem Pflichlektüre für alle Anglisten, weil Ruff irgendwie alle Pflichtwerke der Engländer und Amerikaner mit einbezieht... und das auf genial geschickte Art und Weise. Gruß von den Tolkianern und Puck, Marco! P.S. G.A.S. ist nicht so dolle, das habe ich nach Seite 100 abgebrochen, weshalb ich um seinen neuesten Roman noch unschlüssig herumtigere...

#4
(Natalja)

(Natalja)
Hallo Christoph, habe das Buch während meiner rollenspielintensivsten Studienzeit gelesen & die wunderbar skurrilen Einfälle geliebt, und nun, nach deiner Vorstellung, gerade wieder Lust bekommen, es nochmals zu lesen. Liebe Grüße, Natalja

#5
TobiasL

TobiasL
  • 430 Beiträge
  • Dabei seit 20.09.06
Hallo zusammen, neben Julian Barnes' "Flauberts Papagei", Walter Moers' "Der Fönig" gehört Matt Ruffs "Fool on the Hill" zu meinen liebsten Verschenkbüchern :) Viele Grüße Tobias

"If it sounds like writing, I rewrite it." (Elmore Leonard)


#6
(Anna)

(Anna)
Hallo Christoph, ich bin noch mitten in der Lektüre, schon seit mehr als einem halben Jahr zugegebenermaßen. Was aber nichts damit zu tun hat, dass mir das Buch nicht gefliele. Ganz im Gegenteil, mir kommt nur immer wieder andere Lektüre dazwischen. Ich hatte vorher schon G.A.S von Matt Ruff gelesen (was ich bei der Gelegenheit genauso empfehlen möchte) und bereits da war ich völlig angetan von seinem Ideenreichtum und vor allem auch von dem beachtlichen Wissen, das in dem Roman steckt. Schön, dass Du das Buch hier jetzt vorgestellt hast. Liebe Grüße Anna

#7
hpr

hpr
  • 7.214 Beiträge
  • Dabei seit 14.03.06
Hallo Christoph, auch ich möchte mich als Matt Ruf Fan outen - und zwar aller seiner drei Bücher, so unterschiedlich sie auch sind. "Fool on the Hill", diese Mischung aus Fantasy, die plötzlich in Ithaka ausbricht, G.A.S, die Triologie der Stadtwerke, ein SF, in dem der weiße Hai Meisterbräu die Kanalisation Manhattans unsicher macht, während der Trillionär Harry Grant den höchsten Turm der Welt baut, "Ich und die anderen", der von einer Person erzählt, in deren Kopf mehrere Personen wohnen, die sich mühen, miteinander leben zu können. Allen drei gemeinsam ist ein Feuerwerk von Ideen, absurden und realistischen, Anspielungen und gleichzeitig ein Realismus wie in frühen John Irving Romanen. Jeden davon kann ich nur dringends empfehlen. Hans Peter

#8
hpr

hpr
  • 7.214 Beiträge
  • Dabei seit 14.03.06
Zu "Ich und die anderen" kann ich sogar eine Rezension anbieten:
(Link ungültig)

Hans Peter

#9
(ChristophL)

(ChristophL)

Jeden davon kann ich nur dringends empfehlen.


Das glaube ich sofort, Hans-Peter, aber mir geht's wie Marco: Ich tigere seit zwei Tagen um "Ich und die anderen" herum, das seit gut einem Jahr bei uns im Regal steht, und kann mich einfach nicht dazu entschließen. Wohl aus Angst, mein neues Heldenbild könnte Risse bekommen. Also warte ich, bis meine Begeisterung für Matt Ruff etwas abgenommen hat, und lese solange "Schöne Neue Welt" ;) (Das auch mal eine Vorstellung wert wäre!)

Christoph

#10
Lionne

Lionne
  • 828 Beiträge
  • Dabei seit 03.01.06
Hallo Christoph, ich hatte das Buch noch nicht gelesen, werde es aber aufgrund der Empfehlungen auf meine Liste setzen. Klingt, als ob ich es mögen könnte ... Danke für die Beschreibung! Viele Grüße, Lionne

#11
Susanne

Susanne
  • 4.921 Beiträge
  • Dabei seit 28.09.06

Jeden davon kann ich nur dringends empfehlen.


und lese solange "Schöne Neue Welt" ;) (Das auch mal eine Vorstellung wert wäre!)

Christoph


Das schöne alte von Huxley? Das ist eines meiner Lieblingsbücher.

Liebe Grüße, Susanne

 

"Books! The best weapons in the world!" (The Doctor)


#12
(JuttaJ)

(JuttaJ)
"Fool on the Hill" zählt schon seit ewigen Zeiten zu meinen Lieblingsbüchern, ist ja geradezu der Genreursprung für die sogenannte "urban fantasy". Ich hätte es damals fast nicht gelesen, weil es mir empfohlen wurde mit den Worten "Ist so ähnlich wie Terry Pratchett" (eine Einschätzung, die ich überhaupt nicht teile, weil ich Pratchett nicht mag, der schreibt mir irgendwie zu sehr um des Gags willen und zu sehr Parodie). "G.A.S" hat mir auch gefallen, fand ich aber etwas anstrengender zu lesen als den Fool. Gruß, Capella

#13
(Anna)

(Anna)
Hallo Capella

"G.A.S" hat mir auch gefallen, fand ich aber etwas anstrengender zu lesen als den Fool.

Da geht es mir genau umgekehrt :).

Liebe Grüße
Anna

#14
(ChristophL)

(ChristophL)

"urban fantasy"


Urban fantasy? Sieh an, man lernt nie aus.
Ihr habt mich überzeugt, ich werde mir G.A.S demnächst zulegen - gleich nach der Schönen Neuen Welt ;)

Christoph