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Die Brillenmacherin erscheint


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28 Antworten zu diesem Thema

#1
Titus

Titus
  • 424 Beiträge
  • Dabei seit 11.02.05
Und nun eine kurze Werbeunterbrechung.  ::)

Am 01.03. erscheint der Roman "Die Brillenmacherin" als HC bei Rütten & Loening, 440 Seiten, 19,90 Euro.

Eingefügtes Bild

Es ist eine dunkle Zeit, doch es gibt eine Frau, die den Menschen die Augen öffnet. Ein prachtvoller und dramatischer Roman aus dem englischen Mittelalter. Mit Hilfe einer epochemachenden Erfindung behauptet sich eine charismatische junge Frau in der Welt der Männer.

England im Jahr 1387. Die Kunst des Brillenmachens, das schwierige Linsenschleifen aus unregelmäßigem Glas und das kunstvolle Schnitzen feiner Holzgestelle, beherrschen nur wenige Meister in Europa. Courtenay, der Erzbischof von Canterbury, weiß um die Bedeutung der Brillenmacher. Als Herren über die Sehkraft und damit über die Schrift haben sie noch dort Macht, wo mit Schwertern nichts mehr auszurichten ist. Um den Geheimbund der Bedeckten Ritter zu zerschlagen, die für Vernunft und Wissenschaft kämpfen und den vogelfreien Bibelübersetzer Hereford verstecken, will sich Courtenay diese Macht zunutze machen. Doch Elias Rowe, der beste Brillenmacher weit und breit, ist nicht willens, seine Sache zu unterstützen. Eines Morgens findet ihn seine junge Frau Catherine umgeben von seinem Wekzeug - tot. Um dem Mörder ihres Ehemanns auf die Spur zu kommen, eignet sich die junge Witwe sein Handwerk an und gerät mitten in den Machtkampf zwischen dem Erzbischof und den Geheimbündlern. Erbittert streiten die Gegner, und Catherine verliebt sich in den Ritter Latimer. Am Ende muß sie all ihr optisches Können aufwenden, um sich und den Mann ihres Herzens zu retten.

Herzlich,

Titus

Trailer zum neuen Roman. Unglaublich, aber wahr! Wie der Hochstapler Franz Tausend in den 1920er Jahren die Republik zum Narren hielt.


#2
Juliane

Juliane
  • 784 Beiträge
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Versprochen ist versprochen: ich werd es lesen!

#3
Martina

Martina
  • 4.722 Beiträge
  • Dabei seit 10.02.05
Hallo, Titus! Der Klappentext klingt sehr interessant. Ich werde es auch lesen. Danke für den Hinweis! Ich finde es gut, wenn die Forumsmitglieder Werbung für ihre Titel machen. Vielleicht sogar in einer eigenen Rubrik? Nur so als Anregung für Thot... Lieben Gruß, Tin :)

#4
Siegfried

Siegfried
  • 825 Beiträge
  • Dabei seit 10.02.05

Ich finde es gut, wenn die Forumsmitglieder Werbung für ihre Titel machen. Vielleicht sogar in einer eigenen Rubrik? Nur so als Anregung für Thot...


Gute Idee, Tin!

Dann muss auch keiner ein schlechtes Gewissen haben, dass er womöglich unerwünschte Werbung in anderen Rubriken postet.   :)

Vielleicht unter 'Buchkritiken' eine Rubrik 'Buchvorstellungen', in denen nur Werke von den Forumsteilnehmern gelistet werden?

Es sind ja auch einige Hefte-Schreiber hier, die vermutlich gerne auch mal zeitnah auf ihre Werke aufmerksam machen möchten. Scheitert ansonsten evtl. daran, dass die Romane nur 14 Tage erhältlich sind...

Roy

#5
(Petra)

(Petra)
Ja Herr Toth! Bin auch dafür... weil ich merke, dass mich die Brillenmacherin interessiert, ich das Buch aber sonst vielleicht nie gefunden hätte! Petra

#6
Admin

Admin
  • 1.864 Beiträge
  • Dabei seit 10.02.05
Euer Wunsch ist mir Befehl... ;)

#7
Andreas

Andreas
  • 3.499 Beiträge
  • Dabei seit 10.02.05
Sieht gut aus, Titus! Klingt fast nach einem Buch für meine Frau... ist es aus deiner Sicht eher ein Frauenroman? Ich fände es sehr spannend, wenn du ein bisschen etwas über die Entstehungsgeschichte des Buches erzählen könntest, also, wie du auf die Idee kamst, wie und was du recherchiert hast, was besonders schwierig war, und wie lange du daran gearbeitet hast... In jedem Fall: Herzlichen Glückwunsch zur Publikation! Andreas

#8
Titus

Titus
  • 424 Beiträge
  • Dabei seit 11.02.05

Klingt fast nach einem Buch für meine Frau... ist es aus deiner Sicht eher ein Frauenroman?

Ich fände es sehr spannend, wenn du ein bisschen etwas über die Entstehungsgeschichte des Buches erzählen könntest, also, wie du auf die Idee kamst, wie und was du recherchiert hast, was besonders schwierig war, und wie lange du daran gearbeitet hast...

Hallo Andreas,

da stellst du gute Fragen. Obs ein Frauenroman ist: Sagen wir, der Verlag verkauft es so.  ::)

Ich war zuerst ziemlich schockiert, als ich das Cover sah. Eine befreundete Autorin sagte: "Naja, sieht nach Jane Austen aus." Nun hoffe ich inständig, daß es jede Menge Jane-Austen-Fans gibt.  8)

Zur Entstehung könnte ich endlos viel erzählen. Wie faßt man anderthalb Jahre in eine Forumsnachricht? Ach, ich picke mir einfach drei Details heraus.

ACHTUNG! SPOILER!

1. Die Idee.
1998 stolperte ich in der Tageszeitung über einen Artikel, der mit "Die Entdeckung der Monsterflöhe" überschrieben war und davon handelte, wie man im Mittelalter Brillen und sogenannte "Flohgläser" herstellte. Fünf Jahre später las ich in Malcolm D. Lamberts Buch "Ketzerei im Mittelalter. Häresien von Bogumil bis Hus" von einem ketzerischen Ritterbund, dessen Mitglieder am englischen Königshof ein und aus gingen. Da hatte ich die Romanidee.

2. Die Recherche.
Es war herrlich zwischen den Schafen in England. Die Fischbecken zu sehen, in denen mein Protagonist Thomas Latimer Karpfen gezüchtet hat, die Brücke zu überqueren, auf der auch er den kleinen Bach überquerte, den hölzernen Sarkophag seines Großvaters zu berühren und sich vorzustellen, wie Thomas ihn berührte, der den Mann noch gekannt hatte. Gut war auch, mit Hilfe der Dörfler einen lebenden Nachfahren Sir Thomas Latimers kennenzulernen - er konnte mir auch mit Informationen aus dem Familienarchiv weiterhelfen.

3. Der Betrug.
Ich habe geschummelt. Ja, gerade ich, der ich in meinen Antworten im "Tempest" immer für Akuratesse in historischen Romanen einstehe. Anfangs hatte ich die Geschichte so geschrieben, daß Doktor Hereford bereits nach zwei Dritteln des Romans befreit wurde. Ein ganzes Romandrittel lang wurde die Rache an Courtenay vorbereitet. Das erschien mir zu schwach, es waren zu wenige Fragen offen, und unbeantwortete Fragen sind es, die Spannung erzeugen. Also schob ich die Befreiung des Doktors weiter nach hinten, obwohl ich damit die historischen Gegebenheiten verfälschte. Tatsächlich ist er im Februar 1387 befreit worden, im Roman geschieht es jetzt Mai 1387. Das Ergebnis ist, daß man sich als Leser länger fragt: Kommt Doktor Hereford frei?

Und mein schlechtes Gewissen hält sich in Grenzen. Es weiß eh keiner von den Lesern den richtigen Monat.
Oder doch?  :p

War das in etwas das, was du dir vorgestellt hattest, Andreas?

Herzlich,

Titus

Trailer zum neuen Roman. Unglaublich, aber wahr! Wie der Hochstapler Franz Tausend in den 1920er Jahren die Republik zum Narren hielt.


#9
Andreas

Andreas
  • 3.499 Beiträge
  • Dabei seit 10.02.05
Ja, sehr aufschlussreich, danke! Ich habe mich nämlich erstens gefragt, wie man auf die Idee kommt, ausgerecht über eine Brillenmacherin zu schreiben und zweitens, wie genau du es mit der Recherche genommen hast. Besonders letzteres beschäftigt mich zur Zeit, da ich mir mit dem Nachfolgeroman zu "Der Kreis von Monstségur" gewissermaßen ein Ei gelegt habe. Die Logik der Handlung zwingt mich dazu, die Geschichte in Ägypten spielen zu lassen, nur ist das dummerweise ausgerechnet ein Thema, von dem ich weniger wusste, als mir lieb war. Plötzlich musste ich mich fast ein halbes Jahr in Recherche versenken, und nun kann ich nicht mehr aufhören ;) Auch mir stellen sich dann solche Fragen im Detailgrad wie dein "Monats-Betrug"... und ich bin mir immer nicht sicher, wie viel Mühe man sich eigentlich wirklich geben muss. Andreas

#10
(peterjkraus)

(peterjkraus)
Titus, gratuliere! Es ist doch wie bei den eigenen Kindern; the more, the merrier. Jedes neu hinzukommende Buch wird vom "Vater" mit Spannung erwartet und mit Erleichterung aus dem Verlagskarton genommen. Das bleibt so, das läßt nicht nach. Und das ist ein schickes Gefühl. Ich freue mich also sehr für dich. Peter J. Kraus

#11
(Petra)

(Petra)
Hallo Titus, hallo Andreas, als Fan von historischen Romanen ist es mir ziemlich schnurz, ob sich der Autor einen abrecherchiert hat. Meist werden das dann diese Lehrerromane, die besser als Sachbuch auf die Welt gekommen wären. Soviel Recherche wie nötig. Will heißen, es muss für mich als Leser so wirken, als ob es stimmt und Ereignisse wie bekannte Kriege, Erfindungen oder ähnlich Nachprüfbares müssen richtig sein. Figuren dürfen absolut erfunden sein, alle. Ich freue mich deshalb über historische Romane, die besonders authentisch, aber auch besonders lebendig "rüberkommen". Die mich in die Zeit ziehen und reich insofern sind, als ich damit auch meine eigene Zeit vergleichen kann. Solche historischen Romane sind leider selten geworden. Was ich überhaupt nicht mehr abkann: Wenn im Mittelalter als Hexe verurteilte Frauen reden wie kalifornische Hausfrauen oder wenn das Buch besser Nackenbeißer geblieben wäre. Aber da scheint der Markt unerbittlich zu sein... mir wurde gerade die Idee zu einem historischen Roman abgelehnt aus zwei Gründen: Kein Mittelalter / Thema zu schmutzig, zu männlich, nicht genug Glamour... Dein Roman, Titus, scheint sich aus diesem Trend wohltuend herauszuheben und wenn du da geschummelt hast, wird mich das vom Lesen nicht abhalten, im Gegenteil! Schöne Grüße, Petra

#12
Martina

Martina
  • 4.722 Beiträge
  • Dabei seit 10.02.05
Als Autor von historischen Romanen sollte man immer damit rechnen, dass der Roman nicht nur von "Schmöker-Fans" gelesen wird, sondern auch von Fachleuten, die sich genau dieses Buch herauspicken, weil sie das historische Thema interessiert. Bei den meisten historischen Romanen, die ich bearbeitet habe, gab es Anmerkungen des Autors. Das Making of... ist generell aufschlussreich für den Leser. Mitunter fand ich es auch versöhnlich ;) Gruß, Tin

#13
Andreas

Andreas
  • 3.499 Beiträge
  • Dabei seit 10.02.05
Bei mir gibt es auch ein Nachwort, in dem beschrieben wird, was von dem ganzen "Unfug" (insbesondere in meinem Fall, da es kein historischer Roman ist, sondern sich nur historischer und pseudohistorischer Legenden bedient) denn nun wirklich historisch ist, und was ich mir zurechtgeschustert habe.

Gerade bei Büchern, die mit Verschwörungstheorien und Geheimbünden und derlei Themen spielen, an denen sich der paranoide Kleingeist gerne hochzieht, sollte man deutlich dazu sagen, dass es Fiktion ist. Ich möchte jedenfalls nicht, dass meine Leser denken, Luther sei tatsächlich ein Esoteriker gewesen - oder dass sie denken, dies sei meine Meinung. Genausowenig, wie sie die satanische Sexmesse nachspielen sollen - oh, hoppla, was für ein giveaway ;)

Wie anderswo beschrieben, wäre es mir peinlich, wenn die Leute das Buch für bare Münze hielten und nach Südfrankreich pilgerten, um die Höhle oder das Sanatorium zu suchen, das ich beschreibe.

Ich zum Beispiel bin eher genau anders herum veranlagt. Ich gleich auch einem offiziell historischen Roman kein Wort. Es sei denn, der Autor klärt mich am Ende darüber auf, was davon denn nun alles tatsächlich stimmt.
Daher halte ich ein Making-of auch für wichtig.

Andreas

#14
Titus

Titus
  • 424 Beiträge
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Andreas, da möchte ich dagegenhalten. Ein Making-of interessiert die Leser, aber es demontiert die Geschichte. Ist dir das noch nie so gegangen? Du liest einen bewegenden, packenden Roman, und die Details am Ende zum "Wie-war-es-wirklich" zeigen dir eine lange Nase: Alles nur ausgedacht, du hast geträumt, Kleiner! Keine Fiktion kann der Realität standhalten. Der "fiktionale Traum" funktioniert nur, solange der Leser vergessen darf, daß es ein Traum ist. Das Nachwort liest er fünf Minuten, nachdem er den Roman beendet hat - ich möchte ihm aber Stunden geben, ehe er in die Realität zurückfindet. Trotzdem möchte er wissen, ob das Erzählte historisch fundiert ist. Das ist mir klar. Deshalb greife ich zu einem Trick: Ich lasse im Nachwort den Roman unberührt, schildere aber die Weiterentwickung in kurzen, historisch korrekten Streifzügen. So erzähle ich beispielsweise am Ende der "Priestertochter", wie es mit Rethra weiterging, also, wie der Lutizenaufstand glückte und wann die Tempelburg endgültig zerstört wurde. Das verstärkt noch den Eindruck, daß der Roman "wahr" sei. Spannendes Thema! Titus

Trailer zum neuen Roman. Unglaublich, aber wahr! Wie der Hochstapler Franz Tausend in den 1920er Jahren die Republik zum Narren hielt.


#15
Andreas

Andreas
  • 3.499 Beiträge
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Andreas,

da möchte ich dagegenhalten. Ein Making-of interessiert die Leser, aber es demontiert die Geschichte. Ist dir das noch nie so gegangen? Du liest einen bewegenden, packenden Roman, und die Details am Ende zum "Wie-war-es-wirklich" zeigen dir eine lange Nase: Alles nur ausgedacht, du hast geträumt, Kleiner!

Nein, wie gesagt, für mich ist jedes Buch "erlogen", bis mir jemand ausdrücklich erklärt, was davon stimmt. Ich glaube nicht einmal einem Buch, auf dem "Eine wahre Geschichte" drauftsteht, und selbst Sachbücher genieße ich mit Vorsicht im Wissen, dass es möglicherweise andere Sachbücher gibt, in denen das Gegenteil behauptet wird.

Keine Fiktion kann der Realität standhalten. Der "fiktionale Traum" funktioniert nur, solange der Leser vergessen darf, daß es ein Traum ist. Das Nachwort liest er fünf Minuten, nachdem er den Roman beendet hat - ich möchte ihm aber Stunden geben, ehe er in die Realität zurückfindet.

Ich verstehe schon, was du meinst. Du möchtest den "kalte-Dusche-Effekt" verhindern.

Deshalb greife ich zu einem Trick: Ich lasse im Nachwort den Roman unberührt, schildere aber die Weiterentwickung in kurzen, historisch korrekten Streifzügen. So erzähle ich beispielsweise am Ende der "Priestertochter", wie es mit Rethra weiterging, also, wie der Lutizenaufstand glückte und wann die Tempelburg endgültig zerstört wurde. Das verstärkt noch den Eindruck, daß der Roman "wahr" sei.

Das ist ein schöner Ansatz - da meine Geschichte in der Gegenwart spielt, ist das leider nicht machbar. Aber ich mein Nachwort fängt mit den folgenen Worten an:

Wer der Magie der Fiktion nicht entfliehen möchte, der mag diese Absätze auslassen. Es liegt nicht in jedem Gemüt, alle Fragen beantwortet haben zu wollen, nicht alles muss erklärt werden, und das zauberhafteste Geheimnis bleibt eben dies: ein Geheimnis. Aber es gibt auch Jene, die das Verstehen dem Erleben vorziehen.
In diesem Buch habe ich historische Fakten mit traditionellen und modernen Mythen und Legenden vermischt und versucht, die Fugen mit frech zusammengelogener Fiktion zu kitten. Es wäre nur schwer möglich, hier alles auszubreiten, ohne mich ihn ähnlich langatmigen Ausführungen zu ergehen, wie der werte Professor. Aber einige Stichworte seien an dieser Stelle erläutert.
(...)


Ich hoffe, damit ist auch ein guter Mittelweg gefunden, was meinst du?

Andreas

#16
Titus

Titus
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Hallo Andreas,

"Kalte-Dusche-Effekt", das trifft es. Wunderbar! Darf ich dich damit in meiner Magisterarbeit zitieren?

Nein, wie gesagt, für mich ist jedes Buch "erlogen", bis mir jemand ausdrücklich erklärt, was davon stimmt.

Sachbüchern gegenüber pflege ich dieselbe Skepsis, aber ich könnte keinen Roman genießen, wenn ich mich ihm nicht ausliefern würde. Ich muß die Geschichte wenigstens für die Zeit des Lesens glauben.

Den Anfang deines Nachworts finde ich klasse. Viel helfen würde er allerdings nicht bei Typen wie mir, die Bücher zwanghaft vollständig lesen müssen samt Impressum, Strichcode und Werbeanzeigen (du verstehst, warum ich keine Tageszeitung abonniere).  :s02

Ich würde nicht schreiben, daß du versucht hast, "die Fugen mit frech zusammengelogener Fiktion zu kitten". Damit machst du dein eigenes Buch schlecht. "Zusammengelogen" klingt wie "zusammengeschrieben". Und "versucht" heißt: womöglich nicht geschafft. Das "vermischt" hört sich nach x-beliebiger Matschepampe an. Und man "kittet" Zerbrochenes zusammen, aber nicht gut Gefugtes.

Steh zu deiner Arbeit!

Ein Alternativvorschlag, damit du siehst, was ich meine: "In diesem Buch habe ich historische Fakten mit traditionellen und modernen Mythen verknüpft. Ein Teppich ist entstanden, hübsch anzusehen. Aber wem nützt ein staubiger Perserteppich? Er mußte das Fliegen erlernen. So kam zu den Fakten und Mythen das Lebendige hinzu: die Erfindung."

Herzlich,

Titus

P.S.: Apropos "zu seiner Arbeit stehen": Kriegst du auch immer das Würgen, wenn sich Autoren als "Schreiberling" bezeichnen? Wenn ich etwas verbieten dürfte, dann dieses.

Trailer zum neuen Roman. Unglaublich, aber wahr! Wie der Hochstapler Franz Tausend in den 1920er Jahren die Republik zum Narren hielt.


#17
Martina

Martina
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Der Fiktion sind auch bei einem historischen Roman keine Grenzen gesetzt. Aber die historischen Gegebenheiten stehen doch als Rahmen da, den ich zwar mit dem Hinweis "dichterische Freiheit" verschieben kann, aber bekommt der Roman dann nicht eine andere Qualität? Wenn ich einen Roman im Zweiten Weltkrieg schreibe und ich verlege, sagen wir mal, den Kriegsbeginn vom 1. auf den 2. September - habe ich von dem Zeitpunkt als Autor nicht Narrenfreiheit? Aber ich dürfte den Krieg dann auch nicht mehr 2. Weltkrieg nennen, sondern vielleicht "Der große Krieg" oder so ähnlich. Warum sollte sich jemand die Mühe machen, so exakt zu recherchieren wie ihr, Titus und Andreas, um die Rahmenbedingungen dann doch nur Fiktion zu nennen? Ich halte das für verschenkt - vor allem den geschichtsinteressierten Leser gegenüber. Dein Nachwort gefällt mir aber, Andreas. Gruß, Tin

#18
Andreas

Andreas
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Ich würde nicht schreiben, daß du versucht hast, "die Fugen mit frech zusammengelogener Fiktion zu kitten". Damit machst du dein eigenes Buch schlecht. "Zusammengelogen" klingt wie "zusammengeschrieben". Und "versucht" heißt: womöglich nicht geschafft. Das "vermischt" hört sich nach x-beliebiger Matschepampe an. Und man "kittet" Zerbrochenes zusammen, aber nicht gut Gefugtes.

Nun, das war durchaus so gewollt... Das meine ich zum Beispiel, wenn ich davon schreibe, verhindern zu wollen, dass Leser das Buch für mehr als Unterhaltung halten. Ich möchte auch mich nicht für mehr hinstellen, als ich bin. Es ist und bleibt letztlich Unterhaltung, und ich bin "bloß" der Geschichtenerzähler. Vielleicht ist es eine Art kokettierendes Unterstatement - denn schließlich hat man sich ja schon verdammt viel Mühe gegeben, und es stecken mehr historische Fakten und reale Details drin, als der Leser merken mag. Dennoch ist mir das augenzwinkernde "War doch alles nur Spaß, ich hoffe, es war gelungen" wichtig.

P.S.: Apropos "zu seiner Arbeit stehen": Kriegst du auch immer das Würgen, wenn sich Autoren als "Schreiberling" bezeichnen? Wenn ich etwas verbieten dürfte, dann dieses.

Ja, klingt furchtbar. Ich kenne keinen Autor, der sich freiwillig so nennen (lassen) würde, oder? Es ist eine abwertende Verkleinerungsform.

Dennoch fände ich es sogar noch sympatischer, wenn ein Autor sich selbst als "Schreiberling" bezeichnet, als wenn er sich als "Künstler" bezeichnet. Das hat weniger mit dem Grad der handwerklichen und/oder künstlerischen Fähigkeiten zu tun, sondern mit einem arroganten Selbstverständnis, dem Proklamieren von Gewichtigkeit und Qualität, für deren Attestierung nicht man selbst sondern das Publikum zuständig ist.

(Aus dem selben Grund mag ich zum Beispiel auch Xavier Neidoo nicht oder Sabrina Setlur und ähnliche selbsternannte im Weltschmerz und der Zurschaustellung der eigenen Ernsthaftigkeit versunkene Künstler - aber das ist ein anderes Thema)

Vielleicht streicht mir aber meine Lektorin die Passage mit ähnlichen Argumenten, wie du sie anführst, noch heraus, wer weiß?

Andreas

#19
Andreas

Andreas
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Warum sollte sich jemand die Mühe machen, so exakt zu recherchieren wie ihr, Titus und Andreas, um die Rahmenbedingungen dann doch nur Fiktion zu nennen? Ich halte das für verschenkt - vor allem den geschichtsinteressierten Leser gegenüber.

Hier genau liegt ein bisschen der Konflikt. Leser könnten fälschlicherweise alles für real halten, auch die dazugedichteten Elemente. Es kann daher sinnvoll sein, auf die fiktiven Elemente ausdrücklich hinzuweisen. Andererseits möchte man durchaus auch die wahren Elemente herauststellen - sei es, weil es ein ganz besonders interessantes Thema ist, oder weil man z.B. man einen besonderen Effekt erzeugen möchte ("das alles ist in den Polizeiakten der KriPo Hamburg nachzulesen, aber wer der Mörder war, ist nie herausgefunden worden...").
Vermutlich muss man das von Fall zu Fall entscheiden, ob man einen Effekt erzeugen möchte - oder ob man ihn verhindern möchte.

Andreas

#20
(Petra)

(Petra)
Hallo ihr, Titus, deine Idee zum Nachwort finde ich super! Auf die Art werden auch Verzauberungsbedürftige wie ich nicht herausgerissen. Deshalb Andreas, würde ich dir deinen ersten Satz übel nehmen. Lass mich ein bißchen stänkern: Das ist wie der Kasperle, tritratrullala, ätsch, war alles nur Schreibmagie, bist reingefallen und jetzt kommt das Krokodil! :s07 Wenn ich an mich faszinierende, gut recherchieret historische Romane denke, z.B. Michelangelo (Autor?) oder Dunns "Kathedrale der Erinnerung" - die kamen ohne "Auflösung" aus und es hat nicht geschadet. Andere Idee: Warum nicht Mehrfachvermarktung? Warum nicht, wenn da wirklich so akribisch recherchiert wurde, das Sachbuch zum Roman schreiben? Es gibt doch auch Kochbücher und Gartenbücher zu Pilcher-Romanen? Und eines puscht das andere? Andreas, dein Bemühen um Trennung von Fiktion und Wirklichkeit in allen Ehren. Vergiss es. Dan Brown sagt euch ja allen was und inzwischen gab es ja zig Berichte, was er alles erfunden hat. Sein Roman ist auch eindeutig als Fiktion gekennzeichnet. Kürzlich kam im französischen TV ein Beitrag, dass diese eine Kirche in Paris vor Schaulustigen schier zusammenbricht, Dan-Brwon-Reisen auf den Spuren des Romans bringen Unmengen Geld ein (überleg dir das mit der südfranzös. Höhle noch, Andreas!) Das ist aber nicht die Nachricht. Der Priester in dieser Kirche (der echte, nicht der fiktive) wird von den Leuten beschimpft, dumm angelabert, muss sich ständig rechtfertigen. Er hat ein riesiges Schild in der Kirche aufgestellt, dass ein Roman Fiktion ist und dass er nicht der Romanpriester ist. Obwohl er ganz anders heißt. UMSONST. Die Leute wollen glauben, was sie glauben wollen. Und inzwischen sieht's der Priester gelassen und sagte, er hätte ja mit konventionellen Methoden nie so viele Schäfchen in die Kirche gekriegt, da sei das Buch schon ein Himmelsgeschenk. Andreas - ein Autor kann nicht lenken oder vorhersehen, wie seine Bücher gesehen werden. Und bitte nachher Lesungen an Schauplätzen, gelle? Schöne Grüße, Petra