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Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod


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27 Antworten zu diesem Thema

#1
Andreas

Andreas
  • 3.497 Beiträge
  • Dabei seit 10.02.05
Nicht zuletzt auch aufgrund von Rockers Hinweis auf die Zwiebelfisch-Kolumne auf (Link ungültig) hier ein Hinweis auf das daraus entstandene Buch.

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
von Bastian Sick
(zur Zeit als Taschenbuch auf der Sachbuchbestsellerliste)

Für Lingophile und Kloogschieter, eine Abrechnung mit der alltäglichen Vergewaltigung der Sprache - insbesondere durch Redakteure und Journalisten, in amüsanten Kapitel zusammengefasst und so sehr man drüber schmunzelt, wenn endlich jemand in Worte fasst, was einen selbst schon lange aufregt, so stutzt man plötzlich über Anderes, bei dem man sich selbst ertappt fühlt.

Falsch gebeugte Verben, ausländisch deklinierte Importwörter, Substantivierungen, gesteigerte unsteigerbare Adjektive, amerikanisierte Apostroph-Setzungen, sinnfreie Blähformulierungen, dauerhaft falsch verwendete Begriffe und Redewendungen, und dergleichen mehr... Großartig.

... und es heißt "Das Beste dieses Jahres" und nicht "Das Beste diesen Jahres"... ;)

Andreas

Edit: So, jetzt habe ich endlich mal den Titel korrigiert ;)

#2
Titus

Titus
  • 404 Beiträge
  • Dabei seit 11.02.05
Hallo Andreas, habe das Buch zu Weihnachten geschenkt bekommen und auch schon kräftig hineingelesen. Ich muß sagen, als Online-Kolumne haben mir Bastian Sicks Texte besser gefallen. Warum? Weil es nach einer Weile schmerzt, die vielen Fallbeispiele zu lesen. In der Online-Fassung gabs ja immer nur einen Artikel, da ist die Dosierung genau richtig zum Dazulernen und Lachen. Aber bei der Buchform wird mir nach einer Weile schlecht. :-X Diese ganzen Fehler ins Gesicht geknallt zu kriegen, die mir schon den Magen umdrehen, wenn ich ihnen bei einem Spaziergang begegne ... Man könnte das Buch häppchenweise lesen, ich weiß, aber macht das einer? Titus

24 Stunden können alles verändern: Der Tag X


#3
Siegfried

Siegfried
  • 822 Beiträge
  • Dabei seit 10.02.05
Unterhaltsam und lehrreich... Mein Exemplar heißt übrigens 'Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod'.  :) Absicht oder Zufall, Andreas? Roy

#4
Stefan Mühlfried

Stefan Mühlfried
  • 1.142 Beiträge
  • Dabei seit 21.08.05
Meins auch. 8)

"Schriftsteller sollten gar keine Adjektive haben. Sie sind keine französischen oder australischen Schriftsteller, sondern einfach Schriftsteller. Am Ende sind sie ohnehin nicht mal ein Substantiv, sondern ein Verb: Sie schreiben." - Richard Flanagan

Zur Hölle mit der Kohle

Der steinerne Zeuge


#5
Andreas

Andreas
  • 3.497 Beiträge
  • Dabei seit 10.02.05
Verdammt, dem ist mich gar nicht aufgefallen ;)

#6
Siegfried

Siegfried
  • 822 Beiträge
  • Dabei seit 10.02.05
Und heute ist ein Deutsch-Test in Bastian Sicks Zwiebelfisch-Kolumne online gestellt worden:

(Link ungültig)

Beim ersten Durchlauf hatte ich sieben richtige Lösungen, beim zweiten noch sechs richtige...
Beim dritten tauchten dann wieder die selben Fragen auf und ich habe abgebrochen.

Na?
Wie viele richtige Lösungen schafft ihr?

Viel Spaß!

Roy

#7
Juliane

Juliane
  • 784 Beiträge
  • Dabei seit 17.02.05
Ehm... ich hatte 10.

#8
(Petra)

(Petra)

Wie viele richtige Lösungen schafft ihr?

Ich bin ausgerechnet an Mireille Matthieu gescheitert, Schande...
Aber mal was anderes: Ist ein ganz dolles Marketingkonzept!
Schöne Grüße,
Petra

#9
(Peter_Dobrovka)

(Peter_Dobrovka)
Ich hatte zuerst 8 und beim zweiten Mal 10. Meine Fehler: - "zu Ostern" - "Meines Wissens nach" Wo ich keinen Fehler machte, was ich aber notfalls ohne Gewissensbisse schreiben würde, sind warme und kühle Temperaturen. Peter

#10
Siegfried

Siegfried
  • 822 Beiträge
  • Dabei seit 10.02.05
Mirell Matiö? Warme und kühle Temperaturen? Die tauchten bei mir gar nicht auf... Anscheinend würfelt da ein Zufallsgenerator die Fragen aus. Bei zehn anderen Fragen hätte ich also sicher auch zehn richtige Antworten gewußt, mindestens.  ;) Roy

#11
(Rocker)

(Rocker)
Einige Fragen tauchen tatsächlich 2-3 mal auf, was mich aber nicht daran gehindert hat, 5 Durchgänge zu spielen. 47 von 50 ist doch ganz anständig für einen früh vom Alzheimer befallenen Mittelschüler, oder? Gestolpert bin ich über die Venezolaner und über Skurril. Mit Mirelle Matthieu bin ich nicht ganz einverstanden, weil m.E. der "Spatz von Avignon" ein stehender Begriff ist und deshalb nicht gebeugt werden muß. Sehe ich das falsch? Temperaturen, gleich ob warm oder kühl, wurde ich "meines Wissens" gar nicht gefragt... Und die Osterfrage war einfach, wurde doch schon in der Fragestellung auf die Auslegung in verschiedenen Dialekten hingewiesen, aber nach der richtigen hochdeutschen Antwort verlangt.

#12
(Peter_Dobrovka)

(Peter_Dobrovka)
Ich sage eigentlich auch immer nur Ostern oder Weihnachten ohne "zu", dachte aber immer, daß es Dialekt wäre.

Beim "anscheinend" und "scheinbar" hab ich Widerworte:

"Anscheinend" heißt "dem Anschein nach", "scheinbar" bedeutet "nur zum Schein", !nicht in Wirklichkeit".

"scheinbar" und "anscheinend" werden absolut synonym gebraucht. "Nur zum Schein" ist Kappes, wie der Aachener sagt.
"Nur zum Schein brachte er auch ein Etikett an der leeren Flasche an"
"scheinbar brachte er auch ein Etikett an der leeren Flasche an"
Aua!

Daß MM aus Avignon kommt und nicht aus Paris hat mit Sprache nichts zu tun!
Übrigens hört sich für mein Ohr "den Spatzen" (Akk.) absolut grausig an. Oder sagen wir besser: veraltet.

Was "bodybag" auf Deutsch heißt hat nichts mit Deutschkenntnissen zu tun!

Peter

#13
(Rocker)

(Rocker)
Zumindest für mein Sprachempfinden ist anscheinend etwas konkreter als scheinbar. Anscheinend ist wahrscheinlich, während scheinbar nur eine Täuschung ist. Zur Verdeutlichung: Sehe ich ein Auto mit neuen Reifen, hat der Besitzer diese anscheinend frisch aufgezogen. Hier würde ich beim Lesen über ein scheinbar stolpern, es sein denn sie stellen sich doch noch als abgelaufene Puschen heraus. Der ICE hingegen zuckelt scheinbar gemütlich durch die Gegend, anscheinend soll er uns aber mit einer Reisegeschwindigkeit von 320 km/h zu unserem Ziel befördern.

#14
(Petra)

(Petra)

"scheinbar" und "anscheinend" werden absolut synonym gebraucht.

Hi Peter,
Rocker hat den Unterschied schön beschrieben. Aus der Tatsache, dass die Mehrheit der Leute Sprache falsch einsetzen, ist keine Regel abzuleiten! Da möchte ich auch immer gern meinem Berufstand Haue geben, der wie kein zweiter Sprache verhunzt und die Leute nehmen's dann noch für bare Münze, weil es in der Zeitung steht.

Avignon oder Paris - das kann ich unterscheiden. Aber auch ich hab den Spatzen nicht gebeugt, weil es keiner macht. Womit ich mich und Absatz eins widerlegt hätte :s02

Schöne Grüße,
Petra

#15
(Peter_Dobrovka)

(Peter_Dobrovka)
Hehe, Petra. Du nimmst mir hier gerade auf sehr charmante Weise den Wind aus den Segeln. Dennoch muß ich darauf bestehen, daß wenn die Mehrheit der Leute Sprache "falsch" einsetzt, daraus sehr wohl eine Regel abzuleiten ist. Der Duden muß dem Volk aufs Maul schauen und nicht ihm die Regeln vorschreiben. Das ist meine Sicht der Dinge. Eine wohl schon philosophische, ich weiß. Mit dem Beispiel von Rocker habe ich übrigens ganz andere Probleme, der Satz liest sich irgendwie ganz schrecklich schief und falsch, ohne daß ich es formell begründen könnte, warum. Was mich persönlich angeht, so fühle ich zwischen "anscheinend" und "scheinbar" durchaus auch Unterschiede. Wenn ich weiß (oder vermute), daß etwas nicht so ist wie es scheint, werde ich niemals "anscheinend" gebrauchen. (Das Konstrukt "nur anscheinend" hört sich a priori falsch in meinen Ohren an.) "Anscheinend" ist besser für die Wiedergabe einer subjektiven Meinung, ohne sich festzulegen. In manchen Fällen sind sie dann wieder austauschbar: "Anscheinend wollen Sie uns nicht die Wahrheit sagen, Mr Harris" "Scheinbar wollen Sie uns nicht die Wahrheit sagen, Mr Harris" Desweiteren ist "scheinbar" auch ein gutes Wort für neutrale Beschreibungen: "Die Tiere glitten scheinbar mühelos auf dem Wasser dahin." Haha, aber der Kontext ist wichtig! Nehmen wir an, jemand hat die Tiere vergiftet, will aber beweisen, daß es ihnen gutgeht, weil sie noch mühelos gleiten können. Aus der Sicht einer Beobachters heißt es dann: "Er starrte eine halbe Minute auf das Becken. Die Tiere glitten anscheinend mühelos auf dem Wasser dahin. Offenbar war alles in Ordnung." Wobei man hier auch "scheinbar" schreiben könnte, hehe. Ich finde übrigens ein Phänomen interessant: Wir alle schleppen einen Haufen Regeln mit uns im Kopf herum und wenden sie dauernd an, ohne uns dessen bewußt zu sein. Um mir über eine Regel klarzuwerden, muß ich immer erst einen Sack Beispiele vor mir ausbreiten und dann das Muster darin finden (das ich eigentlich schon kenne und anwende). Peter PS: Apropos Dativ und Genitiv: Noch sind wir uns ja einig, daß "wegen" mit dem Genitiv gebraucht wird. Nur was ist mit Wörtern, die keinen Genitiv haben, wie z.B. die Personalpronomen?

#16
(Petra)

(Petra)
Hi Peter, DU wirst mich jetzt nicht aufs Glatteis führen, ich verweigere die Aussage ;-) Mit scheinbar und anscheinend hat mich nämlich in meiner Journalistenausbildung ein älterer Redakteur zwei Jahre lang genervt und gepiesackt (weil ich es anscheinend öfter verwechselt habe). Ich gestehe, dass ich seitdem versuche, beide Wörter nicht mehr zu benutzen :p Kein Genitiv... gibt's nicht. Wörter haben immer einen Kasus, manchmal ist halt die Endung nur identisch mit einem anderen. Wie z.B. im badischen Akkusativ von Butter: Gib mer mal DER Butter! Öhem... Regeln... pfüh... die kriegen wir Auslandsdeutschen nur mit, wenn wir uns in ein Goetheinstitut verirren. Und die werden aus Sparmaßnahmen reihenweise abgespeckt. Außerdem haben meine beiden Verlage eine unterschiedliche Rechtschreibreform und einige hohe Mitarbeiter schreiben sogar ohne. Ich finde: Dafür sind dann Lektoren da :s22 Schöne Grüße, Petra

#17
(Compuexe)

(Compuexe)
Nur zur Info: Ein Interview mit Bastian wird es in nächster Zeit auf meiner Seite sagmal.de geben.

#18
(Peter_Dobrovka)

(Peter_Dobrovka)

Kein Genitiv... gibt's nicht. Wörter haben immer einen Kasus

Dann hätte ich jetzt gerne den Genitiv der folgenden Wörter:
Ich
Du
Er
Sie
Es
Wir
Ihr
Sie (Plural)

Peter

#19
(Iris)

(Iris)
Och, Peter! ::)

Dann hätte ich jetzt gerne den Genitiv der folgenden Wörter:

Ich -- meiner
Du -- deiner
Er -- seiner
Sie -- ihrer
Es -- seiner
Wir -- unser
Ihr -- euer
Sie (Plural) -- ihrer

Nein, es handelt sich nicht nur um besitzanzeigende Fürworter aka Possessivpronomina, denn diese sind gebeugte bzw. flektierte/deklinierte Formen des (oben gelisteten) Genitivs des entsprechenden Personalpronomens.

Noch existieren Verben, die mit dem Genitiv stehen wie gedenken, freuen, sich schämen usw. ;D

Grammatische Grüße,
Iris :s17

#20
(Peter_Dobrovka)

(Peter_Dobrovka)
Machen wir mal die Probe: "Wessen Buch ist das?" "Das ist Franks Buch" (Franks = Genitiv von Frank) "Das ist seiner Buch" (seiner = Genitiv von er) Ja, wirklich, Iris. Das scheint wunderbares Deutsch zu sein. :s22 Peter, der gerne mal doofe Fragen stellt, aber nie ohne Grund.