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Kursiv


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22 Antworten zu diesem Thema

#1
SabineB

SabineB
  • 2.122 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bei der Überarbeitung meines aktuellen Romans stelle ich fest, dass ich 'sehr experimentiell' mit kursiv gesetzten Worten und Sätzen umgehe und frage mich, ob es da eigentlich klare Regeln gibt.

Kann man z. B. entweder Gedanken immer kursiv oder nie kursiv setzen?
Wie sieht es mit Eigennamen oder Betonungen aus?

Hat man da künstlerische Freiheit oder gibt es Regeln, die ich nur nicht kenne?

Das man es das Buch hindurch einheitlich halten sollte, ist natürlich klar.

Danke für Eure Hilfe

Sabine

#2
AndreasG

AndreasG
  • 1.401 Beiträge
  • Dabei seit 16.09.07

Falls es Regeln gibt, kenne ich sie auch nicht. Meine Faustregel ist: So wenig wie möglich. Deshalb setze ich niemals Gedanken kursiv; in Dialogen mal ein Wort, wenn der Sprecher es besonders betont und sich das anders nicht darstellen lässt. Ich hab mir allerdings auch ein paar Dinge angeeignet, für die ich keine echte Begründung parat habe. Zum Beispiel setzte ich die Namen von Lokalen kursiv, egal, ob es diese wirklich gibt oder ich sie mir ausgedacht habe.


"Stirb leise, mein Engel", Jugendthriller, Oetinger Verlag 2014, "Hörst du den Tod?", Jugendthriller, Oetinger Verlag 2014, "Denn morgen sind wir tot", Jugendbuch, Oetinger Verlag 2015, "Bad Boys & Little Bitches", Jugendbuch Oetinger Verlag 2017 und 2018

"Die im Dunkeln sieht man nicht", Roman, FISCHER Scherz 2019 (ab 28.8.)


#3
Ulf Schiewe

Ulf Schiewe
  • 6.295 Beiträge
  • Dabei seit 12.03.08

Ich setze Schiffsnamen kursiv, fremdsprachliche Ausdrücke und Zitate. Sonst nichts.


Die Montalban-Reihe, Die Normannenserie, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, www.ulfschiewe.de


#4
Angelika Jo

Angelika Jo
  • 3.172 Beiträge
  • Dabei seit 03.07.07

Das ist etwas, das ich aus der Wissenschaftssprache übernommen habe, die zwischen Metasprache und Objektsprache unterscheidet: Die Metasprache ist das, was wir beim Sprechen und Schreiben benutzen, die Objektsprache benennt den Gegenstand, über den gesprochen/geschrieben wird. Der Gegenstand dieses Threads etwa ist die kursive Schriftart. In der Belletristik kommt es mir so vor, als gäbe es auch da Hinweise auf so etwas wie Objektsprache, und zwar speziell in Dialogen, in denen der jeweilige Gegenstand überhöht oder höhnisch zitiert wird.

 

Aus dem Kopf ein Dialog zwischen einem Ehepaar, das ein aufgeklärtes, atheistisch-intellektuelles Leben führt, wobei jedoch ihre Kinder die Stellung eines Ersatzgottes eingenommen haben. Man muss nur die Kinder erwähnen, und der andere pariert. Als die Frau ihren Gatten in flagranti erwischt, fährt sie ihr stärkstes Geschütz auf: "Ich sage es den Kindern!" (nach Alison Lurie, Ein ganz privater kleiner Krieg).

 

Ich glaube, in meinem letzten Roman habe ich das auch so gemacht mit dem Begriff des authentischen Reisens, der für die Antagonistin ein enorm wichtiger Topos ist. Auch die Heldin verfällt diesem Ideal und erwähnt immer wieder mal, wie toll authentisches Reisen ist.

 

Ich denke, da leistet auch die Lesegewohnheit ihren Beitrag, sich kursiv gesetzte Worte lautlich als extra stark betont vorzustellen, was einen ironischen Effekt haben kann.

 

Angelika


Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018

Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de


#5
Christa

Christa
  • 8.465 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Falls es Regeln gibt, kenne ich sie auch nicht. Meine Faustregel ist: So wenig wie möglich. Deshalb setze ich niemals Gedanken kursiv; in Dialogen mal ein Wort, wenn der Sprecher es besonders betont und sich das anders nicht darstellen lässt. Ich hab mir allerdings auch ein paar Dinge angeeignet, für die ich keine echte Begründung parat habe. Zum Beispiel setzte ich die Namen von Lokalen kursiv, egal, ob es diese wirklich gibt oder ich sie mir ausgedacht habe.

 

Gedanken setze ich auch nie kursiv und lese das in Romanen auch nicht gern. Bei den Lokalen hat mir kürzlich meine Lektorin empfohlen, es so zu machen. Früher hatte ich das schon mal in Anführungszeichen gesetzt oder ohne besondere Markierung gelassen. Die Lektorin konnte mich auch davon überzeugen, einen fiktiven Zeitungsnamen kursiv zu setzen. Außerdem bin ich davon abgekommen, es bei bestimmten anderen Perspektiven zu machen, weil das schwerer zu lesen ist, und es sieht auch besser aus. 

 

Selbst zitierte Gedichte, Briefe oder Emails sind bei mir nicht mehr kursiv. Letztens hatte ich noch kursive Emails im Text, die waren nach Erscheinen des Romans dann ohne. Ich finde inzwischen auch, dass ein Text besser wirkt, wenn so wenig Kursives wie möglich drin ist. 

 

Was die Frage nach "Regeln" betrifft: Da müsste ich mal im Duden nachgucken. Ich bin mir sicher, dass es nur Empfehlungen, keine Regeln gibt.



#6
Olaf

Olaf
  • 592 Beiträge
  • Dabei seit 19.07.16

Wenn man in dem Satzprogramm LaTeX per Steuerbefehl ein Wort betont, wird es grundsätzlich kursiv gesetzt. Daraus schließe ich, dass Kursivschrift das Standardmittel für Betonung ist.

 

Bei Gedanken finde ich, dass Kursivschrift die Unterscheidung vom normalen Text erleichtert. 

 

Ansonsten musst du wissenschaftliche Gattungs- und Artnamen kursiv setzen sowie einige Buchstaben in den wissenschaftlichen Namen einiger chemischer Verbindungen. Aber derlei kommt vermutlich seltener in Romanen vor. ;-)


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#7
Tom Liehr

Tom Liehr
  • 998 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

Ich liebe Kursive. Am Anfang meiner schriftstellerischen Karriere habe ich sie inflationär eingesetzt, für jede Betonung, jeden Eigennamen, jedes Pipapo. Ich war nicht sicher, ob die Ironie erkennbar wäre, und habe sie mit Kursiven gestützt. Ich habe Witze mit Kursiven erklärt ("Warum haben Männer keine Cellulite?" "Weil's scheiße aussieht."), aber nicht immer richtig. Manch eine Manuskriptseite sah aus wie eine Escher-Grafik.

 

Inzwischen bin ich etwas zurückhaltender, aber ungerne, wie ich zugeben muss. Originelle Eigennamen und Bezeichnungen (Kneipen, Gegenstände) hebe ich nach wie vor auf diese Art hervor, aber meine Lektorin hat mir angewöhnt, das nur noch bei der ersten Nennung zu tun. In Dialogen nutze ich Kursive für besondere Betonungen, die zu erklären zu schwierig wäre ("Das musst du mir nicht sagen." - "Das musst du mir nicht sagen."), und im Prosatext selbst für Elemente, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen ("Auf der Steintreppe saßen zweiundvierzig Tauben."). Nötig sind nicht alle Kursiven, aber wer nur schreibt, was nötig ist, ist möglicherweise gar kein Schriftsteller. ;)

 

Herzlich,

Tom


Website · Facebook · Oktober 2016: "Landeier" (Rowohlt)


#8
Wolf

Wolf
  • 684 Beiträge
  • Dabei seit 21.10.08

Ich denke immer noch in handschriftlich geschriebenen Texten, und da gibt es keine Kursivschrift. Ich versuche sie zu vermeiden, wo es geht und lese sie auch nicht gern. Aber hin und wieder setze ich sie doch ein. Bei Schiffsnamen zum Beispiel. Ich habe sie auch einmal eingesetzt, um eine Gruppe Sprecher oder Stimmen zu kennzeichnen. In dem Fall sprachen oder dachten alle Menschen ganz normal, die Sprechanteile von belebten Gegenständen (in diesem Fall Schwertern) habe ich in kursiv gesetzt. Mir gefiel die Idee. Warum weiß ich nicht.

 

Wolf



#9
SabineB

SabineB
  • 2.122 Beiträge
  • Dabei seit 01.08.14
Ah, prima. Danke fūr Eure vielen Antworten, dann mache ich alles richtig, weil es kein falsch zu geben scheint.

Sabine (die nicht weiß, wie man auf dem Tablet etwas kursiv setzt)

#10
Olaf

Olaf
  • 592 Beiträge
  • Dabei seit 19.07.16

Ich denke immer noch in handschriftlich geschriebenen Texten, und da gibt es keine Kursivschrift. I

 

Die Betonung in kursiven Textstücken erfolgt dadurch, dass man eben nicht kursiv setzt. In Handschrift also in Druckbuchstaben.

 

Das gilt auch für wissenschaftliche Artnamen in kursiven Absätzen (nur für den Fall, dass jemand mal in die Verlegenheit geraten sollte, so etwas schreiben zu müssen).


Olaf Fritsche 

www.seitenrascheln.de


#11
Margot

Margot
  • 2.332 Beiträge
  • Dabei seit 10.09.10

Liebe Sabine

 

Es gibt eine wenige Regeln (wie Ulf schon sagte z. B. Schiffsnamen), stehen irgendwo im Duden, hab's grad nicht parat, sorry. Aber meist handhabt das jeder Verlag anders. Ich würde mich immer zuerst vorher erkundigen. Das spart Zeit. Die meisten haben darüber ein Glossar. Bei mir werden zum Beispiel alle Markennamen, Restaurantsnamen etc. kursiv gesetzt, aber nur bei der ersten Erwähnung. Dünkt mich immer noch seltsam ... jä nu.

 

Zudem alle fremdsprachigen Passagen, die jemand nicht verstehen könnte. Also ein "ti amo" nicht, ein maledetto stronzo jedoch schon. 8-)

 

Beim SP kannst du machen, wie du lustig bist. Aber meist stören die kursive Passagen eher, als dass sie helfen. Ich würde sie sparsam einsetzen. Es gibt sogar regelrechte Kursivhassende, die knallen dir das dann jedes Mal in die Rezension.

 

Gruss

Margot



#12
UlrikeS

UlrikeS
  • 2.957 Beiträge
  • Dabei seit 15.06.10

Bei meinem Verlag ist es üblich, Buchtitel, Musiktitel, Bühnenwerke etc. kursiv zu schreiben.

Auch alles fremdsprachliche (außer, es ist eingedeutscht, wird. z.Bsp. im Duden genannt)

Bei der ersten Nennung schreibe ich auch sämtliche Namen von Dingen kursiv (Cafés, Schiffe, Firmen). Damit klar ist, dass es ein Eigenname ist.

Gedanken setze ich nie kursiv.



#13
Tom Liehr

Tom Liehr
  • 998 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

Kannst Du nach dieser Duden-Regelung mal schauen, Margot? Ich kann nämlich kaum glauben, dass der Duden gestalterische Regeln (und darum würde es sich m.E. handeln) enthält. In der Regelgruppe D134-151 (Namen) finde ich jedenfalls keine Hinweise auf Kursive. Derlei gehört nicht zur Rechtschreibung.

 

Herzlich,

Tom


Website · Facebook · Oktober 2016: "Landeier" (Rowohlt)


#14
Christa

Christa
  • 8.465 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

Margot: Bei mir werden zum Beispiel alle Markennamen, Restaurantsnamen etc. kursiv gesetzt, aber nur bei der ersten Erwähnung. Dünkt mich immer noch seltsam ... jä nu.

 

Zudem alle fremdsprachigen Passagen, die jemand nicht verstehen könnte. Also ein "ti amo" nicht, ein maledetto stronzo jedoch schon.

 

Das ist ein Beispiel für die unterschiedliche Handhabung bei den Verlagen. Hier bei uns wurde mal mehrheitlich die Empfehlung gegeben, Restaurantnamen u.ä. nur beim ersten Mal kursiv zu setzen. Beim letzten Lektorat bekam ich die Empfehlung, das durchgängig zu machen.

 

Das mit den fremdsprachigen Passagen klingt gut. Gilt sicher auch für Cappuccino, Pizza, Spagetti, weil die jeder von seinem Lieblingsitaliener kennt.

Nicht aber bei Saltimbocca, Vitello Tonnato und Piccata Milanese.


Bearbeitet von Christa, 20.08.2018 - 11:01,


#15
Christa

Christa
  • 8.465 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05


Kannst Du nach dieser Duden-Regelung mal schauen, Margot? Ich kann nämlich kaum glauben, dass der Duden gestalterische Regeln (und darum würde es sich m.E. handeln) enthält. In der Regelgruppe D134-151 (Namen) finde ich jedenfalls keine Hinweise auf Kursive. Derlei gehört nicht zur Rechtschreibung.

 

Ich wollte ja auch mal im Duden schauen und habe dort (im dicken Duden-Buch) keine Hinweise zur Kursivsetzung gefunden. Auch bei den Namen nicht, wie du.

 

Vielleicht gibt es eine Regelung für wissenschaftliche Arbeiten. Dazu habe ich einen Link vom Potsdamer Wissenschaftsverlag kopiert.

http://welttrends.de...ab_1.1.2015.pdf

 

Gilt aber bestimmt nicht für uns. Interessant fand ich den Hinweis, dass auch die dazugehörigen Satzzeichen und Klammern kursiv geschrieben werden müssten.


Bearbeitet von Christa, 20.08.2018 - 11:57,


#16
Margot

Margot
  • 2.332 Beiträge
  • Dabei seit 10.09.10

Kannst Du nach dieser Duden-Regelung mal schauen, Margot? Ich kann nämlich kaum glauben, dass der Duden gestalterische Regeln (und darum würde es sich m.E. handeln) enthält. In der Regelgruppe D134-151 (Namen) finde ich jedenfalls keine Hinweise auf Kursive. Derlei gehört nicht zur Rechtschreibung.

 

Herzlich,

Tom

 

Ich habe das wohl mit den Anführungszeichen (K8) verwechselt, sorry.

 

Ah, jetzt fällt es mir wieder ein! Der damalige Verlag hat mir alle Anführungszeichen gelöscht und die Begriffe kursiv gesetzt. Ich ging offensichtlich davon aus, das wäre gemäss Duden ... aber irgendwann wird's sicher so drinnstehen. :D



#17
MichaelT

MichaelT
  • 665 Beiträge
  • Dabei seit 03.02.15

Kann man z. B. entweder Gedanken immer kursiv oder nie kursiv setzen?

 

Dazu kann ich diesen Thread sehr empfehlen:

 

https://montsegur.de...aber-wie/page-2

 

Liebe Grüße

Michael


Bearbeitet von MichaelT, 20.08.2018 - 12:33,


#18
Christa

Christa
  • 8.465 Beiträge
  • Dabei seit 18.11.05

 

Kann man z. B. entweder Gedanken immer kursiv oder nie kursiv setzen?

 

Dazu kann ich diesen Thread sehr empfehlen:

 

https://montsegur.de...aber-wie/page-2

 

Liebe Grüße

Michael

 

An den Thread erinnere ich mich sehr gut, Michael. Da gab es ein Für und Wider bezüglich der Kursivsetzung von Gedanken beim inneren Monolog. Es scheint wirklich Geschmackssache zu sein. Aber zumindest dieser Wikipedia-Artikel gibt denen recht, die Gedanken kursiv setzen. Am besten runterscrollen bis "Anwendung".Wie verbindlich das ist, keine Ahnung. 

url]https://de.wikipedia...i/Kursivschrift[/url]

Da werden auch Ulfs Schiffe genannt und einiges andere.



#19
Tom Liehr

Tom Liehr
  • 998 Beiträge
  • Dabei seit 20.03.14

Ja, es ist Geschmackssache, und dann versuchen die Verlage auch noch, einem reinzureden. Wobei es da Diskussionsspielraum geben sollte, denn Kursive können dramaturgische Bedeutung haben, während die verschiedenen Versionen von Anführungszeichen beispielsweise im Ergebnis auf dasselbe hinauslaufen. Dialoge ohne Anführungszeichen sind (meistens) ein Stilmittel und sollten deshalb nicht zur Disposition stehen.

Man sollte (möglicherweise) nicht so viele Kursive verwenden, dass es den Schrifteindruck beeinflusst, dass die Seiten unruhig werden. Auch das hat Wirkung.

 

Einige Autoren benutzen durchgängige Großschreibung für Hervorhebungen ("Da habe ich das EINE Mal etwas mit einer Ziege gehabt ..."). Was grundsätzlich und fast nie zu gehen scheint, das sind Unterstreichungen und Fettschrift. Sieht man in Romanen kaum. ;)

 

Herzlich,

Tom


Website · Facebook · Oktober 2016: "Landeier" (Rowohlt)


#20
AndreasE

AndreasE
  • 2.214 Beiträge
  • Dabei seit 01.04.07

Was grundsätzlich und fast nie zu gehen scheint, das sind Unterstreichungen und Fettschrift. Sieht man in Romanen kaum. ;)

 

Stimmt. Macht mir wiederum Lust, darüber nachzudenken, wie man das trotzdem mal machen könnte …  ;D